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Full text of "Goethe über seine Dichtungen: Versuch einer Sammlung aller Äusserungen des ..."

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HENRY LI LUE PIERCE, 

Or BOSTON, 



GOETHE 

ÜEBER SEINE DICHTUNGEN, 

VERSUCH EINER SAMMLUNG ALLER 

AEUSSERUNGEN DES DICHTERS 

UEBER SEINE POETISCHEN 

WERKE 

VON 

DR. HANS GERHARD GRAF. 

ZWEITER THEIL: 
DIE DRAMATISCHEN DICHTUNGEN. 

ERSTER BAND. 

(DES GANZEN WERKES DRITTER BAND.) 




FRANKFURT ^M. 
Literarische Anstalt 

ROTTEN tt LOENINQ 

1903. 



A 



•' ; i - 1903 






Der Nachdruck einzelner Abschnitte dieses Werkes 
ist ausdrtlckllch untei-sagt. 



/•■ 



Druck von Relnhold Mahlau, 
Fa. MahUu & Waldschmidt, Prankfurt a. M. 



Meinem Freunde 



Paul von Zezschwitz 



GEWIDMET. 



»Denken die Himmlischen 
Einem der Erdgebornen 
Viele Verwirrungen zu, 
Und bereiten sie ihm 
Von der Freude zu Schmerzen 
Und von Schmerzen zur Freude 
Tief-erschüttemden Uebergang, 
Dann erziehen sie ihm 
In der Nähe der Stadt, 
Oder am fernen Gestade, 
Dass in Stunden der Xoth 
Auch die Hülfe bereit sei. 
Einen ruhigen Freund." 

(Jpbigenie auf Tauris* 4, 1.) 



Inhalts-Verzeichniss. 



Seite. 

I. Vorwort VII— XII 

II. VenseicbDise der Quellen und Hülfsmittel . XIU—XXI 

III. Erklärung einiger Zeichen und Abkürzungen . XXII 
IV. Goethes Aeuseerungen über: 

1. Amine, Nr. 1— 2 b 1 — 3 

2. Aufgeregten (Die), Nr. 3—70 . . . . 4 — 49 
[Befreiung des Prometheus s. Prometheus.] 

3. Belsazar, Nr. 71—76 50 — 54 

[Brutus s. Caesar.] 

4. Bürgergeneral (Der), Nr. 76 a— 109 . 55 — 70 

5. Caesar, Nr. 110—124 71 — 83 

6. Oantate zum Reformations-Jubiläum 1817, 

Nr. 126-134 84-96 

7. Claudine tou Villa Bella. Nr. 135-260 a . 97 — 157 

8. Clavigo, Nr. 261-340 158-188 

9. Concerto dramaüco, Nr. 341— 343 d . . 189 — 192 

10. Danalden (Die), Nr. 344—348 . . .193 — 195 

11. Bgmont, Nr. 348ar-525 196 — 279 

12. Blpenor, Nr. 526-«73 . . . . . 280-205 
[Epiloge s. unter: Theaterreden.] 

18. Epim^iides Erwachen (Des), Nr. 0T4— 740 . 296 — 408 

14. Erwin und Elmire, Nr. 741— 797 e . . 409-423 

15. Falke (Der). Nr. 798-802 . . . . 424. 425 

16. Fastnachtsplol vom Pater Brey, Nr. 802 a— 

849 426-443 



(Die Tabellen und Register befinden sich 
am Schluss des Zweiten Thelles.) 



^^^^ 



Uie Grundsätze, nach denen die Epischen Diclitungen, als 
Erster Theil dee Werkes, bearbeitet wurden, haben sich in 
allem Wesentlichen bewährt; indem ich auf ihre Darlegung 
im Vorwort zu Band 1 verweise, möchte ich hier nur ein paar 
Einzelnheiten heiTorheben, durch die der Zweite Theil sich in 
der Behandlung vom ersten unterscheidet. 

1. Der an sich selbstverständliche Grundsatz: jede Aeus- 
serung unter diejenige Dichtung zu stellen, auf welche sie 
sich bezieht, ist im Ersten Theil, meiner üeberzeugung nach, 
zu sti-eng durchgeführt Insofern, als Stellen, an denen GoetJtie 
einzelne Gruppen oder ganze Reihen von 
Dichtungen, überblickend, bespricht, auch solche, wo dies» 
in schönem Zusammenhange und mit künstlei-ischer Absicht 
geschi^t, jenem starren Princip zu Liebe (mit wenigen Aus- 
nahmen) in ihre einzelnen Bestandtheile aufgelöst worden sind. 
Zwar geben Verweisimgen nach vorwärts und rückwärts in 
solchen Fällen den Zusammenhang in die Hand, doch ist die 
ruhige Betrachtung durch die Mühe des Nachschlagen» beein- 
trächtigt. 

Dieser Uebelstand ist jetzt beseitigt dadurch, dase so- 
wohl die hier in Betracht kommenden Stellen aus «Dichtung 
und Wahrheit*, aus den ,Tag- und Jahres-Heften* und anderen 
Schriften, als auch die nackten chronologischen Uebersichten, 
die Entwürfe zur Eintheilung der Gesammtausgaben u. s. w., 
von ganz vereinzelten Fällen abgesehen, stets unter diejenige 
Dichtung eingeordnet sind, die nach dem Alphabet die erste 
Stelle einnimmt, mit Verweisungen auf sie bei allen übrigen 
Dichtungen unter dem betreffenden Datum. So ist überall der 
Zusammenhang gewahrt, der Ueberblick nirgends gestört. 

2. Anfänglich erschien es rathsam, von den Aeusse- 
rungen Goethes über die Drucklegung der 
fünf Sammlungen seiner Schriften und Werke 



VIII VORWORT. 



und Yon dem daran sich Anschliesseoden dasjenige, was sich 
nicht auf ^nen einzelnen Band, sondern auf die Ausgal)en als 
Ganzes und auf einzelne Gruppen und Lieferungen von Bän- 
den bezieht, In einem Anhang zu verefnigen, als eine Ivleiue Ge- 
schichte der Oesammtausgaben in Goethes Aeusseruugen. Im 
\'erlauf der Arbeit stellte sich jedoch mehr und mehr das Un- 
thunliche dieser Absicht heraus. Besonders im Hinblicl^ da- 
rauf: dAsSy weil eine Aeusserung til>er eine Gruppe von Bänden 
sich ja doch stets mit auf jede einzelne in diesen Bänden ent- 
haltene Dichtung bezieht, die Geschichte dieser Dichtung un- 
ToUständig bleibt, wenn unter ihr jene aligemeine Aeueserung 
nicht mit eingereiht wird. Der filihere Piau wurde daher auf- 
gegeben, die auf die Geeammtausgabeu als Ganzes bezüg- 
lichen, ausserordentlich zahlreichen Aeusserungen ganz bei 
Seite gelegt, und die Aeuseerungeu über einzelne Gruppen und 
Lieferungen von Bänden stets unter diejenige Dichtung einge« 
ordnet, die nach dem Alphabet die erste Stelle einnimmt, mit 
Verweisungen auf sie bei allen übrigen Dichtungen unter dem 
betreffenden Datum.^ 

3. Die von vornherein nicht zu ahnende, geschweige zu 
überbllclwende Fülle des Stoffes und der ganz unerwartet grosse 
Umfang, den das Werlt durch sie gewinnen musste, macht für 
alle erläuternden Beigaben Icnappste Be- 
schränlcung zur Pflicht Leider musste dieser Nothwen- 
digiceit manches zum Opfer fallen, was von vielen Seiten als 
besonders willkommen begrüsst worden ist: so zum grossen 
Theil die Briefe und Antworten von Goethes Correspondenten, 
ferner Besprechungen und Aehnliches, worauf Goethe sich 
in seinen Aeusserungen bezieht Uebersichten und Anderes 
mehr; statt dessen findet man jetzt meist nur bibliographische 
Hinweise oder icurze Andeutungen des Inhalts. 

Die gleiche Nothwendigkelt hatte zur Folge: 1. dass über 
Personen, auch über wenig bekannte, meist nicht an Ort 
und Stelle Auskunft gegeben, sondern für sie ein für allemal 
auf das Personen-Register verwiesen wird; 2. dass die in den 
Dramatischen Dichtungen enthaltenen Lyrlka nicht wie bei 
den Epischen Dichtungen geschehen, mitbehandelt sondern 
nur in so weit berücksichtigt sind, als Goethe ihrer mit Be- 
zug auf die betreffende dramatische Dichtung gedenkt: alle 



*) Diftsei Verfahren ist schon bei Band 2 des Ersten Theils versnchs- 
weise eingeflilut worden; das in Band 1 den Ersten Theils Fehlende wird 
naohgetrageu werden in einer sämmtliche Nachträflre nnd Berichtigungen 
enthaltenden Abtheilung am Schluss des ganzen Werkes. 



VORWORT. IX 



aiiideru Aeusseruugen über sie bleiben dem Dritten Tlieile vor- 
behalten; 3. (lass bei den Ueber sichten der Druclte, 
soweit diese mit anderen Dichtungen in einem Bande vereinigt 
erscheinen, diese Dichtungen nicht mehr angegeben sind, son- 
dern für sie ein für allemal auf Tabelle 3 lam Scliluss von 
Theil 2) verwiesen wird, die eine Uebersicht der Vertheilung 
der Dramatischen Dichtungen in den »Schriften*, »Neuen Schrif- 
ten* und »Werken* enthält. 



Zu den im Vorwort des Ei-sten Theils S. VIII dargelegten 
Grundsätzen über die chronologische Anordnung, an denen 
auch fernerhin streng festgehalten wird,^ kommt noch eine 
kleine Ergänzung (sie gilt schon für Theil I): die bei den 
Tagebuch-Vermerken von mir eingefühlten Unterscheidungen 
T(Mi: Früh, Morgens, Vormittags, Vor Mittag können auf den 
ersten Blick pedantisch erscheinen. Man wolle Jedoch beden- 
ken, daas Goethe ein Frühaufsteher war, dass für ihn der Tag, 
das helBst: die Arbeit Sommers um vier Uhr, Winters um fünf 
Uhr begann (er dictlrte oft schon vom Bett ana), und dass er 
am zwei Uhr zu speisen pflegte; die stehende Bezeichnung 
„Morgens** oder „Vormittags** wäre somit zwar bequem, aber 
ziemlich unbestimmt gewesen. So sind, in dem Streben nach 
möglichst genauer Zeitangabe, annäherungsweise die Unter- 
scheidungen versucht worden: 



Früh = 4-8 (5-8) Uhr. 
Morgens = S— 10 Uhr. 
Vormittags = 10—12 Uhr. 
Vor Mittag = 12-2 Uhr. 



Mittags = 2-3 Uhr. 
Nachmittags = 3-6 (3—6) Uhr. 
Abends = 6-8 (6--8) Uhr. 
Nachts = 8—11 Uhr. 



Noch eine Einzelbemerkung sei hier angeschlossen. In 
erhöhtem Masse stellte sich bei den Vorarbeiten für Theil II 
die Noth wendigkeit heraus: den Text der ,Gespräche* durchweg 
einer sorgfältigen Vergleichting mit den Originaldrucken zu 
unterziehen und ihn mit diesen in genauere Uebereinstimmung 
zu bringen. Diese Bemerkung soll keineswegs einen Tadel ent- 
halten gegen das unschätzbare Werk, mit dem Woldemar Frei- 



^) Dem Wnnsche DAch nncli mehr Verweisanaren von denjenigen 
Stellen, auf die gewrisse späte Aeassemngen sich beziehen, nach den Stellen 
hin, wo diese Aeusserongen chronologisch eingeordnet werden mnssten, ist 
so weit thnnlich nachgekommen; doch findet die Möglichkeit solcher Ver- 
welsnugeii eine gewisse Oränze an dnick-technischen Schwierigkeiten. Uebrigens 
wird man an der Hand des Registers (das gerade mit Rücksicht auf solche 
nnTermeidliche Lücken in den Verweisungen bis in's Einzelnste gegliedert 
worden ist) alles Zusammengehörige leicht finden können. 



VORWORT. 



herr von Biedermaun uds beschenkt hat;' es wird hier nur 
nochmals (vgl. Epos 1, XVI unter »Gespräche*) ausdrücklich 
hervorgehoben, um die nicht seltenen Abweichungen unsres 
Textes von dem der »Oespräehe* zu begründen. Diese durch- 
gehende Nachpiüfung bezieht sich nicht nur auf die seltenen, 
durch W. V. Biedermann zum Theil überhaupt zum ersten Male 
wieder an'» Licht gezogenen Quellen-Drucke, sondern erstreckt 
sich gleichermafisen auf die Uauptquellen. Für Eckermanns 
»(iespräche mit Goethe* erschien es, nach eingehender Prü- 
fimg, Pflicht: durchweg auf den Text der ersten Original-Aus- 
gabe zurückzugehen. 



Von Theil II wurden folgende Dichtimgeu, obgleich sie 
dramatische Form haben, ausgeschlossen. 

1. Anekdote zu den Freuden des jungen \Vei*thei's, 

sie ist bereits im Zusammenhang mit »Weither* behandelt wor- 
den (8. das Register B\x)s 2. 1148 Sp. 2 unter 2). 

2. Erste Erzeugnisse der Stottemheimer Saline, 

3. Erste Walpurgisnacht, 

4. Idylle, 

5. Rinaldo, 

0. Zelters siebzigster Geburtstag. 

Diese Dichtungen werden, da Goethe sie unter die Lyrika 
eingeordnet hat. in Theil III behandelt und zwar 2 und 6 
unter den Gedichten an Personen, 3 unter den Balladen, 4 und 
5 In der Gruppe , Ca n taten*. 

Die Bearlieitung des Zweiten Theils bot mancherlei be- 
sondere Schwierigkeiten, welche durch die aussei'ordentlich 
grosse Zahl .1er dramatischen Dichtungen (nahe an 100, gegen 
23 epische) noch erhöht wurden. 

Für den umfangreichsten und schwierigsten Abschnitt 
freilich, für , Faust*, war ich, und das möchte ich dankbar be- 
tonen. In einer verhältnissmässlg glücklichen Lage. „Vorgftn- 



1) Ein Tlieil der Abweiclian|ren wenigstens mag auf Orandsätzen be- 
ruhen, die V. Biedermann bei der Redaotlon der „Gespräche** glaubte befolgen 
zu müssen: manche Uuf^nauigkeiten, Auslassungen u. a. m. sind offenbar 
durch jene „Beschleunigung der Heransgabe* verschuldet, deren der ehr- 
wdrdige Greis selbst in seinem ,Vor8rreifenden Nachwort* lu Band 7 (8. VIL) 
mit Bedauern Aredaoht hat Möchte der Verlag der «Gesprüohe* recht bald 
von diesem einsiff-artii^n, monumentaleu und, nächst dem, was Goethe selbst 
geschrieben hat, wichti^^sten Werice der Goethe- T^itteratur eine neue Auflag« 
▼eransulten, die uns den Text in durebans gereinigter Gestalt darbietet und 
alles das am (^hörigen Ort eingereiht enthiÜt, was seither theils nooh von 
W. v. Biedermann selbst, theils von Anderen nachgetragen worden ist, sowie 
möglichst vollständig das, was sonst noch nachsutragen wäre. 



VORWORT. XI 



ger gehabt zu habeu ist imuier voitheilhaft", sagt Goethe/ 
„Wir sehen aufmerksamer, wenn von uns gefordert wird zu 
sehen, was Jene gesehen haben, und es ist immer schon genug, 
wenn einer sieht, was der andere sah, ob er es gleich vielleicht 
anders sieht Was das Denken und Meinen betrifft, so ist über 
solche Gegenstände ohnehin keine Uebereinstimmung zu er- 
warten**. Die Wahrheit dieses, auf Geologisch-Mineralogisches 
bezüglichen, Wortes durfte ich erproben an jenem „Berge**, 
als welchen Goethe den ,Fauätus' gelegentlich bezeichnet im 
Vergleich zu dem =, Hügel** ,Tasso* (1788 Febiniar 16, s. 124, 10). 
Den trefflichen Arbeiten, die fiüherhin diesem höchsten Schatze 
deutscher Dichtung von zahlreichen ausgezeichneten For- 
schem gewidmet worden sind, haben sich in Jüngster Zeit 
zwei Werke gesellt, denen das vorliegende in hohem Grade 
verpflichtet ist: Otto P^niowers Buch ,Goethes Faust Zeugnisse 
und Excurse zu seint-r Entstehungsgeschichte* (1899), und das 
grosse (hoffentlich nur vorei-st zweibändige) Werk Jacob Mi- 
nors ,Goethf;s Faust Entstehungsgeschichte und Erklärung' 
(1901). An der Hand der „Zeugnisse" des erstgenannten Wer- 
kes (über dessen VenN'andtschaft mit dem vorliegenden und 
seine Verschiedenheit von Ihm auf das Im Vorwort zum Ersten 
Theil S. VII Gesagt«) zu verweisen Ist) konnten meine Samm- 
lungen auf Ihre Vollständigkeit hin geprüft, konnten aus Ihm 
ergänzt oder berichtigt werden, seine „Excm'se** ergaben man- 
chen Gewinn Im Einzelnen« wovon die den ,Faust* enthaltenden 
Bogen Zeugnlss ablegtn. Zu leichterer Ueberslcht für die Be- 
nutzer beider Werke Ist am Sehluss jeder Nummer nach der 
Quellenangabe auch die entsprechende Nummer oder Seite von 
Pnlowers Werk an.:?eführt; fehlt dieser Hinwels, so hat Pnlo- 
wer die betreffende Stelle nicht aufgenommen. 

In Folge der ausserordentlichen Fülle des Stoffes mussten 
die für den Zweiten Thell vorgesehenen beiden Bände in je 
zwei Abtheilungen zerlegt werden. Da jedoch aus der Beziffe- 
rung der Band-Unterabthellungen für das Cltlren Unbequem- 
lichkeiten erwachsen, und well es sich als nicht praktisch er- 
wiesen hat, die Seltenzahlen durch zwei starke Bände durch- 
laufen zu lassen, so werden die vier Abthellungen nicht mit 
1 (1), 1 (2), 2 (1), 2 (2) bezeichnet, sondern als Band 1—4; die 
Nummern laufen durch, während die Seltenzählung mit jedem 
Bande neu beginnt 

Wie bei den früheren Bänden, so durfte ich mich auch 



>) In dem Aufluitz ,Der Kammerberg bei Eger" (Nut. W. 9, 77, t-10). 



XII VORWORT. 



weiterhin werthvoUer Unterstützung von vielen Seiten er- 
freuen, so vor allem durch die drei Haupt-Institute für die 
Goethe-Forschung: das Goethe-National-Museum, das (xoethe- 
und Schiller- Archiv und die (4 rossherzogliche Bibliothek zu 
Weimar; es ist mir ein lebhaftes BedUrfniss, dafür auch an 
dieser Stelle den Herreu Geheimen Hofräthen Paul von Bo- 
J a n o w 8 k i , Carl R u 1 a n d und Bernhard S u p h a n meinen 
ergebenen Dank auszusprechen. Der Director des Grossher- 
zoglichen Staats- Archivs in Weimar» Herr Geheimer Hofrath 
Dr. Burkhardt verpflichtete mich zu besonderem Danke 
dadurch, dass er mir gestattete, die Nachtrüge im Handexem- 
plar seines \\'erkes ,Das Repertoire des Weimarischen Theaters 
unter Goethes Leitung*, sowie die, zu einem mehrbändigen 
Corpus vereinigte, Sammlung seiner auf Goethe und Groethee 
Zeit bezüglictien Veröffentlichungen zu benutzen. Mannich- 
faelie schützen« werthe Mittheilungen verdanke ich den Herren 
Professoren umi Doctoren Max Christlieb (Freistett in 
Baden), Hermann Colli tz (Bryn Mawr bei Philadelphia), 
Max Friedlaend.er (Berlin). A. Gerber (Riehmond, In- 
diana), Otto Heuer (Frankfurt am Main), Albert Leitz- 
mann (Jena), Carl Schüddekopf (Weimar), Julius 
Wähle (Weimar). Johannes W a 1 1 h e r i Jena). 

Und so sei auch dieser zweite Theil der naclislchtigen Be- 
urtheilung der Gelehrten, wie dem Wohlwollen und der Neig- 
ung aller Goethe- Verehrer freundlich empfohlen. 

Weimar, am 22. Mürz 190S. 



Dr. Hans Gephard Orftf. 



-^s^^ 



Verzeichniss 

DBB 

WICHTIGSTEN QUELLEN UND HÜLFSMITTEL. 



Alt = Fortch«ngen zar neueren LitteraturgeBchiohte. Hsg. von Dr. Frans 
Mnncker, . . y.8tadien zur Entstehoncrsgeichichte von Goethes Dichtung: 
und Wahrheit. Von Dr. Carl Alt. . . Mttnchen 1898. Carl Haushalter, 
Verlagsbuchhandlungr. 

Archiv f. L. = Archiv Ar Litteratorgeschichte . . Band 1 ßg. Leipzig 
1870 üg. 

Berichte dFDH. = Berichte des Freien Deutschen Hochstiftes 8U Frank- 
furt a. Main. Hsgr. vom Akademischen Gesamt- Ausschnss. Neue Folge. 
Band 1 ßg. Jahrgar g 1885 ßg. Frankfurt am Main. Druck von 
Gebrüder Knauer. 

Bemay« — . . Michael Beruays Über Kritik und Geschichte des Goetheschen 
Textea Berlin, Ferd. Dümmler's Verlagsbuchhandlung . . 1866. 

Biedermann GF. = Goethe-Forschungen von Woldemar Freiherr von 
Biedermann. 
[L] Prankftirt a/M. Literarische Anstalt Bfltten ft Loening 1879. 
[IL] Neue Folge. . . Leipiig, F. W. ▼. Biedermann. 1886. 
[ULI Auderweite Folge. . . Leipzig F. W. v. Biedermann 1899. 

Biedermann: G. -Dresden = Goethe und Dresden. Von Woldemar Fni- 
herrn von Biedermann. Berlin, Gustav Hempel 1875. 

Biedermann : G. -Leipzigs Goethe und Leipzig. . . . Von Woldemar Frei- 
herm von Biedermann. Theil 1. 2 . . Leipiig: F. A. Brockhaus. 1865. 

BlelschowBky = Goethe Sein Leben und seine Werke von Dr. Albert 
Bielschowsky In zwei Bftnden Band 1 . . Dritte durchgesehene Auflage 
München 1902 C H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck. 

Böttiffer = Literarische Zustände and Zeitgenossen. In Schilderungen aus 
Karl Aug. Böttiger*B handschrifUichem Nachlasse. Hag. von K. W. 
Bottiger, . . Bändchen 1. t. Leipzig: F. A. Brockhaus. 1838. 

BolMMi^e = Solpiz Boisser^e. Band 1. t. Stuttgart. CotU'scher Verlag 
186S. - Band 2 enthält den Briefwechsel mit Goethe. 

Boncke = Wort und Bedeutung in Goethes Sprache Von Ewald A. Boncke . . 
Berlin Verlag von Emil Felber 1901 (Auch unter dem Titel : Litterar- 
historische Forschungen hsg. von Dr. Josef Schick . . und Dr. M. Prh. 
V. Waldberg . . XX. Heft . .). 

Br. = Goethes Briefe Band 1-26 . . Weimar Hermann Böhlau 1887—1902. 
(An?h unter dem Titel: Goethes Werke Hsg. im Auftrage der Gross- 
herzogin Sophie von Sachsen IV. Abtheilung Band 1-26 . . .) 



XIV VERZKICHNISS DEU QUELLEN. 



Braun = Goethe im Urtheile seiner Zeitgenogsen. Zeitongskritiken, Berichte, 
Notizen, Goethe und seine Werke betreffend, aus den Jahren [T.] 1773 - 
17^6 ([IL] 1787—1801. [III.] 1802 -I8lä), gresamnielt und hsg. von Julius 
W. Braun. Eine Ergänzunfip zu allen Ausgraben von Goethes Werken. 
Berlin. Verlag von Friedrich Luckhardc 1883— 1»85. (Auch unter dem 
Titel: Schiller und Goethe im Urtheile Ihrer Zeit^nossen. . . . Z\veite 
Abtheiluug: Goethe. Uaiid l-S . .) 

Briete BS. = Göthe's Briefe, worunter viele bisher nngedniokte. Mit ge- 
schichtlichen Einleitungen und Er'äuterungen. . . . Band 1-3. Berlin. 
Allgemeine Deutsche Verlags- Anstalt. O J. [1856-65.] — Band 3 in 
Ewel Abtheiluugen. 

BrieflB D. = Goethe's Briefe in den Jahren 1768 bis 1882 Hsg. von Dr. 
Heinrich Döring. . . Leipzig, Julius Wunder's Verlagsmagasin. 1837. 

Briefe St. = Goethe-Briefe Mit Einleitungen und Erläuterungen Hs^. von 
Plülipp Stein Band 1—8 . . Berlin 1902 Verlag von Otto Eisner. 

Briefe vdH. = Goethes Briefe Ausgewählt und in chronologischer Folge 
mit Anmerkungen hsg. von Eduard von der Hellen Band 1. 2. Stutt- 
gart J. G. Corta*sche Buchhandlung Nachfolger G. m. b. H. O. J. [1901 f.] 

Briefe an Friedrich v. Stein = Briefe von Goethe und dessen Mutter 
an Friedrich Freiherm von Stein. . . Hsg. von Dr. J. J. H. Ebers und 
Dr. August Rahlert. Leipzig, Weidmann'dche Buchhandlung. 1846. 

Briefe an Ijeipzi£r«r Freunde = Goethe's Briefe an Leipziger Freunde. 
Hsg. von Otto Jahn. Zweite vermehrte Auflage. . . Leipzig, Druck und 
Verlag von Breitkopf und Härtel. 1867. 

Briefe und AuAuLtse — Briete und Aufsätze von Goethe ans den Jahren 
1766 bis 1786. Zum erstenmal hsg. durch A. SchÖlU Zweite Ausgabe. 
Weimar, Landes-Industrie-Oomptoir. 1857 

Briefe von und an Gk>ethe = Briefe von und an Goethe. Desgleichen 
Aphorismen und Brocardioa. Hsg. von Dr. Friedrich Wilhelm Riemer, . . 
Leipzig, Weidmännische Buchhandlung 1846. 

Burkhardt I = Das Repertoire des Weimarischen Theaters unter Goethes 
Leitung 1791-1817. Bearbeitet und hsg. von Dr. CA. H. Burkhardt . 
Hamburg und Leipzig Verlag von Leopold Voss 1801. (Auch unter 
dem Titel: Theatergesohichtliche Forschungen. Hsg. v^n B«rthoId 
Litzmann . . I.) 

Burkhardt II = Beilage zum XIV. Bande der .Chronik des Wiener Goethe- 
Vereins', Kr. 7-8. C. A. H. Burkhardt: Zur Kenntniss der Goethe- 
Handschriften. iL Chronologisches Verzeichniss der Dictat-Arbeiten 
und Reinichriften. Wien, 1899. Druck der k. k. Graphischen Lehr- 
und Versuchsanstalt . . 

Caroline = Caroline. Briefe an ihre Geschwister, ihre Tochter Auguste, 
die Familie Gotter, . . nebst Briefen von A. W. und Fr. Schlegel u. a. 
Hsg. von G. Waitz. Band 1. S. . . . Leipzig Verlag von 8. Hirzel. 1871. 

Charlotte Schiller = Charlotte von Schiller und ihre Freunde. Band 
1-3. .. . Stuttgart. J. G. Cotta'scher Verlag. 1860—1865. 

Oharl. Sohiller-Knebel = Briefe von Schiller'i Gattin an einen vertrauten 
Freund. Hsg. von Heinrich Diintzer. Leipzig: F. A. Brockhaus. 1856. 

Chronik dWOV. = Chronik des Wiener Goethe-Vereins. Band i flg. 
Wien 1886 flg. Verlag des Wiener Goethe-Vereins. 4*. 

CoHin Goethes Faust in seiner ältesten Gestalt. Untersuchungen von J. 
Collin. Frankfurt a. M. Literarische Anstalt Rütten & Loening 1896. 

Creizenaoh = Die Btthnengeschichte des Goethe'schen Faust Von Wilhelm 
Creizenach. Frankfurt a/M. Literarische Anstalt Riltten & Loening. 1881. 



VERZBICHNISS DER QUELLEN. XV 



Düntaer: Abhandinngen = Abhandlung^en zu Goethes Leben und Werken 
von Heinrich Dttntzer. Band 1. 2. Leipzig, Ed. Wartigs Verlag (EIrnst 
Hoppe) 1885. 

IXintser: Charlotte v. Stein = Charlotte Ton fttein, Goethe's Freundin. 
Ein Lebensbild . . von Heinrich Düntzer. Band 1. 2. Stuttgart. Verlag 
der J. G. Cotta'schen Buchhandlung. 1874. 

Düntser: Erläuterungen = Erläuterungen zu den Deutschen Klassikern. 
Erste Abtheilung: Erläuterungen zu Goethes Werken. 6 (Götz v. B., 
6. Aufl. 1900). 7 (Elgraont, 5. Aufl. 1898). 8 (Clavigo u. Stella, S. Aufl. 
1878). 10 (Tasso« 5. Aufl. 1898). 11 (Iphigenie. 7. Aufl. 1899). 11 [!] (Natür- 
liche Tochter, 2. Aufl. 1874). 12 (Faust I, 6 Aufl. 1899). 18/14 (Faust 11, 
6. Aufl. 1900). 17 (Prometheus u. Pandora, 1874). 19—21. 21 [!]. 22/2S. 
24. 24/25 [!]. 26-80 (Lyrische Gedichte, 3. Aufl., 1896-1898). 84-96 (Dich- 
tung u. Wahrheit, 1881). Leipzig, Ed. Wartig's Verlag Ernst Hoppe. 

Düntser: Frauenbilder = Frauenbilder aus Goothe's «Tugendzeit. . . Von 
H. Dttntzer. . . Stuttgart n. Tttbingen. J. G. Cotta'scher Verlag. 1852. 

Düntser: Freundesbilder = Frenndesbilder ans Goethe's Leben. Studien 
zum Leben des Dichters. Von H. Dttntzer. . . . Leipzig, Djk*sche 
Buchhandlung. 1853. 

Düntser: Freundeskreis = Aus Goethe's Freundeskreise. Darstellungen 
aus dem Leben des Dichters. Von Heinrich Dttntzer. Braunschweig, 
Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn. 1868. 

Düntser: Goethes Leben = Goethes Leben von Heinrich Dttntzer. . . 
Zweite durchgesehene, . . Auflage. Leipzig, ff ues^s Verlag (R. Reisland) 
1883. 

Düntser: Goethe und Karl August = Goethe und Karl August. Studien 
zu Goethes Leben von Heinrich Dttntzer. Zweite nenbearbeitete und 
vollendete Auflage. Drei Theile in einem Bande. Leipzig Verlag der 
Dyk'schen Buchhandlung. 1888. 

Düntser: Maskenzüge = Goethes Maskenzttge. In ihrem Zusammen- 
hange dargestellt und erläutert von Heinrich Dttntzer. Leipzig, Ed. 
Wartigs Verlag (Ernst Hoppe). 188«. 

Düntser: Neue Studien = Neue Goethestudien. Von Heinrich Dttntzer. 
Nttmberg. Bauer und Raspe. (Julius Merz.) 1861. 

Düntser: Schiller und Goethe = Schiller und Goethe Uebersichten und 
Erläuterungen zum Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe. Von 
Heinrich Düntzer. Stuttgart. J. G. Cotta'scher Verlag. 1859. 

Düntser: Zur Goetheforschung = Zur Goetheforschung. Neue Beiträge 
von Heinrich Dttntzer. Dentsche Verlags • Anstalt. Stuttgart, Leipzig, 
Berlin, Wien. 1891. 

Düntser: Studien = Zu Goethe's Jubelfeier. Studien zu Goethe's Werken 
Von Heinrich Dfiutzer. . . . Elberfeld und Iserlohn. Julius Hädekcr. 1849. 

■okermann = Gespräche mit Ck>ethe in den letzten Jahren seines Lebens. 
Von Johann Peter Eckermann. Sechste Auflage. Mit einleitender Ab- 
handlung und Anmerkungen von Heinrich Dttntzer. . . . Theil 1—8. 
Leipzig: F. A. Brockhaas. 1885. — In Theil 3 hat Eckermann Goethes 
Gespräche mi t Sorot eingefügt 

Bokermann G. = Dasselbe Werk, hsg. von Ludwig Geiger. Drei Teile 
in einem Bande, . . Leipzig. Max Hessens Verlag. O. J. [1902.1 

Bpofl -" Theil 1 des gegenwärtigen Werkes. 

Faust la = Goethes Faust in ursprttnglichcr Gestalt nach der Göchhausen- 
schen Abschrift hsg. von Eriti|| Schmidt. Fünfter Abdruck. Weimar 
Hermann BÖhlaus Nachfolger i'JOl. 



XVI VERZEICHMSS DER QUELLEN. 



Faust Ib = Deutsche Litteraturdenknuile des 18. Jahrhnndertt in Nendrackeii 
hsff. von Bernhard Senffert 5 Fanst ein Fragment von Goethe Heil- 
bronn Verlag von Gebr. Uenninger 1888. 

Faust'D = tinethe's Faust. Erster und zweiter Theil. Zum erstenmal voll- 
ständig erläutert von Heinrich Dtintser. . . . Zweite, vermehrte und 
verbesserte Auflage. Leipzig, Dyk'sche Buchhandlung. 1857. 

Faust-L = Faust Eine Tragödie von Goethe. Mit Einleitung und erklären- 
den Anmerkungen von G. von Loeper. Zweite Bearbeitung. Theil 1.2. 
Berlin, 1879. Verlag von Gustav Hempel. (Bernstein und Frank.) 

FauBt-S = Faust von Goethe. Mit Einleitung und fortlaufender Erklärung 
hsg. von K. J. Sehr ö er. Theil 1 Vierte, Theil S Dritte, durchaus revi- 
dierte Auflage. Leipzig, O. R. Reisland. 1898. 1896. 

Flsoher = Goethes Faust Von Kudo Fischer. Vierte, durchgresehene und ver- 
mehrte Auflage. Band t. Entstehung, Idee und Composition des goethe- 
schen Faust Heidelberg. Carl Winter's Universitätsbuchhandlung. O. J. 
U902.J (Goethe-Schriften von Kuno Fischer. 7.) 

Fömter = Kunst und Leben. Aus Friedrich Förster's Nachlass. Hsg. von 
Hermann Kletke. Berlin. Verlag von (Gebrüder PaeteL 1878. 

Fran Rath = Frau Rath. Briefwechsel von Katharina Elisabeth Goethe. 
Kaoh den Originalen mltgetheilt von Robert Keil. . . . Leipsig: F. A. 
Brockhaus. 1871. 

Fran Rath- Anna Amalla — Briefe Ton (Goethes Mutter an die Harsogin 
Anna Amalia. Neu hsg. und erläutert von K. Heinemann. . . Leipsig 
1889. Verlag des Litterarischen Jahresberichts Artur Seemann. 

G. -Bettina = Goethes Briefwechsel mit einem Kinde. Seinem Denkmal 
Theil 1. 3. . . . Berlin, bei Ferdinand Dfimmler. 1836. 

G.-Brentano = Goethes Briefwechsel mit Antonie Brentano 18U-1821. Hsg. 
von Rudolf Jung. Weimar Hermann Bdhlaus Nachfolger. 1896. (Auch 
unter dem Titel: Schriften des Freien Deutscheu Hochstifles in Frank- 
ftirt a, M. VIL . . .) 

G.-Carlyle == Goethe's und Carlyle's Briefwechsel. Berlin. Verlag von 
Wilhelm Hertz (Bessersche Buchhandlung). 1887. 

O.-0aru8 = Göthe. Zu dessen näherem Verständniss von C. G. Carus. Bei- 
gegeben ist eine Reihe [19] bisher ungedruckter Briefe (}öthe*s an den 
Herausgeber. Leipzig, 184a. August Weichardt 

G.-Oonta = Goethe's Unterhaltungen mit Carl Friedrich Anton von Conta. . . 
mltgetheilt von Bernhard Suphan. (Sonderabdruck aus der «Deutschen 
Rundschau', Jahrg. 28 Heft 2 S. S87 - 243, November 1901.) 

G.-BlohBt&dt = Goethes Briefe an Eichstädt Mit Erläuterongen hsg. von 
Woldemar Freiherrn von Ried ermann. Berlin Gustav Hempel. 1872. 

O.-Fahlmer = Briefe von Goethe an Johanna Fahimer. Hsg. v. L. Urlichs 
. . Leipzig Verlag von S. Hirzel. 1876. 

G.-Frommann = Das Fronmiannsohe Haus und seine Freunde. Von F. J. 
Frommann. Zweite vermehrte Auflage. Jena, Druck und Verlag von 
Fr. Frommann. 1872. 

G.-Göttlln£r = Briefwechsel zwischen Goethe und K. Gdttling in den Jahren 
1824—1831. Hsg. und mit einem Vorwort begleitet von Kuno Fischer. 
München. Verlagsbuchhandlung von Fr. Bassermann. 1880. — (Die 
zweite Ausgabe, 1R89, ist nur Titelauflage.) 

O.-Orüner = Briefwechsel und mündlicher Verkehr zwischen Goethe und 
dem Rathe GrOner. Leipzig, Verlag von Gustav Mayer. 1868. 

G.-Hiunboldt = Goethe*s Briefwechsel mit den Gebriidern von Humboldt. 
(1795—1832.) Im Auftrage der von Goethe*sohen Familie hsg. von F. Th. 
Bratranek. Leipzig: F. A. Brockhaus. 1876. (Auch unter dem Titel: 
Neue Mittheilungen aus Johann Wolfgang von Goethe's handschrift- 
lichem Nachlasse. Theil 3. . . .) 



VBRZEICHNISS DER QUELLEN. XVII 



O.- Jaoobl = Briefwechsel zwisohen Ooethe und F. H. Jacobi h»g. ron U«x 
JaeobL Leipsig, Weidmann'sche Baolihandliinff. 1846. 

O.-Karl-Auffiist = Briefwechsel des Grosshenogs Cari August von Sachsen- 
Weimar -Eisenach mit Goethe in den Jahren von 1775 bis 1828. Neue 
Ausgabe. Band I. 2. . . . Wien 1878. Wilhelm Braomfiller . . 

0.-Kay8«r = €k>ethe nnd der Komponist Ph. Chr. Kayser. Von C. A. H. 
Borkhardt. . . Leipzig. Verlag von Fr. Wilh. Granow. 1879. 

G.-Keetner = Goethe und Werther. Briefe Goethe*s, meistens ans seiner 
Jngendseit, mit erläatemden Dooumenten. Hag. von A. Kestner, . . 
Stuttgart nnd Tübingen. J. 6. Cotta*Bcher Verlag. 1864. 

O.-Knebel = Briefwechsel zwischen Goethe nnd Knebel. (1774-18S8.) 
Theil I. 2. Leipzig: F. A. Brookhaus. 1851. 

O.-La-Roohe = Briefe Goethe's au Sophie von La Roche und Bettina 
Brentano nebst dichterischen Beilagen hsg. von G. von Loeper. Berlin. 
Verlag von Wilhelm Hertz. (Bessersche Buchhandlung.) 1879. 

G.-Marla Paulowiia = Zum 24. Juni 1898. Goethe und Maria Panlowna 
Urkunden hsg. im Auftrage des Erbgrossherzogs Wilhelm Ernst von 
Sachsen Weimar Hermann Böhlaus Nachfolger 1898. 

G. -Meyer = Freundschaftliche Briefe von Goethe und seiner Frau an Nicolaus 
Meyer. Ans den Jahren 1800— 18S1. Leipdg, Hermann Härtung. 1856» 

G.-Belnhard = Briefwechsel zwischen Goethe und Reinhard in den Jahren 
1807 bis 183t. Stuttgart und Tübingen. J. G. Cotta'scher Verlag. 1850. 

G.-RoohlltB = Goethes Briefwechsel mit Friedrich Rochlitz. Herausgeber: 
Woldemar Freiherr von Biedermann. . . . Leipzig. F. W. v. Bieder- 
mann. 1887. 

G.-Schnbarth = Briefe Goethe's an K. £. Schubarth. Mitgetheilt von 
Prof. Hermann Hettner (in der «Deutschen Rundschau' Jahrg. t Heft 1 
S. 2»— 40, October 1876). 

G.-SohultB = Briefwechsel zwischen Goethe und Staatsrath Schultz. Hsg. 
und eingeleitet von H. Dttntzer. Neue wohlfeile Ausgabe. . . . Leipzig, 
Dyk'sche Buchhandlung. O. J. [1856.] 

G.-8eebeok = Erinnerungen an Moritz Seebeck . . Nebst einem Anhange: 
Goethe und Thomas Seebeck. Von Kuno Fischer. . . Heidelberg. Carl 
Winter's Universitätobuchhandlung. 1886. 

G. -Stein = Goethes Briefe an Frau von Stein Hsg. von Adolf Scholl 
Dritte umgearbeitete Auflage besorgt von Julius Wähle. Band 1. S . . 
Frankfürt a. M. Literarische Anstalt Rütten & Loening. 1899. 1900. 

G.-StemberK = Ausgewählte Werke des Grafen Kaspar von Sternberg. 
Erster Band. Briefwechsel zwischen J. W. v. Goethe und Kaspar Graf 
V. Stemberg. (1820—1832.) Hsg. von August Sauer, . . Prag 1902. 
J. G. Oalve'sche k. n. k. Hof- nnd UnlversitAts • Buchhandlung. (Josef 
Koch.) (Auch unter dem Titel: Bibliothek Deutscher Schriftsteller aus 
Böhmen. . . Band 13.) 

G.-8tolberK = Goethe*8 Briefe an die Gräfin Auguste zu Stolberg, ver- 
witwete Grifln von Bemstorff. Zweite Auflage, mit Einleitung und An- 
merkungen. Leipzig: F. A. Brookhaus. 1881. 

G.-Wlllemer = Briefwechsel zwischen Goethe und Marianne von Willemer 
(Suleika). Hsg. mit Lebensnachrichten und Erläuterungen von Th. 
Creizenach. Zweite, vermehrte Auflage. Stuttgart. Verlag der J. G. 
Cotta'schen Buchhandlung. 1878. 

G.-Zelter = Briefwechsel zwischen Goethe und Zelter in den Jahren 1796 

bis 1832. Hsg. von Dr. Friedrich Wilhelm Riemer, . . Theil 1—6, 

Berlin, 1333. 1834. Verlag von Duncker nnd Humblot 

II 



XVIII VERZEJCHXISS DER QUELLEN. 



Oedlohte ChrL. = Ooethe's Gedichte. Theil 1—3. Mit Einleitung and 
Anmerkungen von G. von Loeper. Berlin, 188«— 1884. VerUg von 
Gustav HempeL . . (Auch unter dem Titel: Ooethe'sWerlce. Band 1-8. . . 
Zweite Ausgabe. . .) 

Genast = Aus dem Tagebuche eines alten Schauspielers. Von Eduard 
Genast. Theil 1-4. Leipsig, Voigt ft OOnther. 1862—66. (Theil 1 
und 2: Zweite Auflage.) - Theil 1 8. 75-187 enthält die HittheUungen 
Anton Genasts. 

Gespr&ohe = Goethes Gespräche. Herausgeber: Woldemar Freiherr von 
Biedermann. Band l-lo: . . Leipzig. F. W. v. Biedermann. l88f-9^. 

GJ. = Goethe-Jahrbuch. Hsg. von Dr. Ludwig Geiger. Band 1 flg. Frank- 
furt a'M. Literarische Anstalt Rütten & Loening. 1880 flg. 

Goedeke = Omndriss zur Geschichte der deutschen Dichtung ans den Quellen 
von Karl Goedeke. Zweite ganz neu bearbeitete Auflage. Band 1 flg. . . . 
Dresden. Verlag von Ls. Eblermann. M.DCCC.LXXXiV. flg. 

(Goethes Tagebücher = Goethes Tagebücher der sechs ersten Weimarischen 
Jahre (1776-1782) in lesbarer Gestalt herausgegeben und sachlich er- 
läutert von Heinrich Dttntzer. Leipzig. Verlag der Dyk'sohen Buch- 
handlung. 1889. 

Orlxnm = Goethe Vorlesungen gehalten an der Kgl. Universität zu Berlin 
von Herman Grimm. Vierte« . . Auflage. Berlin Verlag von Wilhelm 
Hertz (Bessersche Buchhandlung.) 1887. 

Herdem Nachläse = Aus Herders Nachlass. Heraasgegeben von Heinrich 
DUiitzer und Ferdinand Gottfried von Herder. Band 1-3. ... Frank- 
Airt a. M. Meidinger Sohn und Comp. 1856. 1857. (Auch unter dem 
Titel: Aus Herders Nachlass. Ungedruckte Briefe von Herder und 
dessen Gattin, Goethe, Schiller, . . .) 

Herders Reise nach Italien = Herders Reise nach Italien. Herders 
Briefwechsel mit seiner Gattin, vom August 1788 bis Juli 1789. Hsg. 
von Heinrich Dflntzer und Ferdinand Gottfk>ied von Herder. Giessen, 
1859. J. Ricker*sche Buchhandlung. 

Hlrzel = Salomon Hirzels Verzeichniss einer Goethe-Bibliothek mit Nach- 
trägen und Fortsetzung hsg. von Ludwig Hirzel. Leipzig Verlag von 
8. Hirzel 1884. 

Holtel ~ Vierzig Jahre von Karl von Holtei. Band 1—6. ... Zweite Auflage. 
Breslau, Verlag von Eduard Trewendt. 1859. 

Humboldt - Jacob! = Briefe von Wilhelm von Humboldt an Friedrich 
Heinrich JacobL Hsg. und erläutert von Albert Leitzmann . . Halle a. d. 8. 
Max Niemeyer. 1898. 

Jahrbuch dFDH. — Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts I90t f. 
Frankfurt am Main. Druck von Gebrfider Knauer. O. J. [1903 f.] 

Karl AuKtist - Knebel =- Briefe des Henogs Karl August von Sachsen- 
Weimar-Eisenach an Knebel und Herder. Hsg. von Heinrich Düntser. 
Leipzig, Bd. Wartigs Verlag (Ernst Hoppe). 1883. 

Keil = Corona Schröter. Eine Lebensskiizemit Beiträgen zur Geschichte der 
Genie-Periode. Von Robert Keil. . . Leipzig Verlag von Veit: ft Comp. 
1875. (Auch unter dem Titel: Vor hundert Jahren. Mittheilungen ttber 
Weimar, Goethe und Corona Schröter. . . Zweiter Band. . .) 

Knebel-Henriette = Aus Karl Ludwig von Knebels Briefwechsel mit seiner 
Schwester Henriette (1774—1818). Bin Beitrag zur deutschen Hof- imd 
Litteraturgesohichte. Hsg. von Heinrich Dflntzer. Jena, Druck und 
Verlag von Friedrich Mauke. 1858. 



VERZEICHNISS DER QUELLEN. XIX 



Knebels Nachläse I = K. L. von Knebers literarischer Nachlass und 
BriefwechseL Hsg. von K. A. Vamhagen von Ense und Th. Mundt . . 
Band 1—3. Zweite unveränderte Ausgabe. Leipzig, Gebrüder Reicben- 
bacb. 1840. 

Knebels Nachlass n = Zar dentscben Literatur und Geschiebte. Unge- 
dmolcte Briefe aus Knebels Naoblass. Hsg. von Heinrich Düntzer. 
Bändeben 1. 2. Nfirnberg. Bauer und Raspe. (Julius Merz.) 1858. 

Merok I = Briefe an Jobann Heinrich Merok von Goethe, Herder« Wieland 
und andern bedeutenden Zeitgenossen . . lisg. von Dr. Karl Wagner, 
. . Dannstadt, Verlag von Johann Philipp Diehl. 18S5. 

Merok n = Briefe an und von Jobann Heinrich Merck. . . hsg. von Dr. 
Karl Wagner. . . . Darmstadtf Verlag von Johann Philipp DiehU 1838. 

Merok 111= Briefe aus dem Frcundeskreiae von Goethe, Herder, Hdpfoer und 
Merck. . . hsg. von Dr. Karl Wagner. . . . Leipzig, Ernst Fleischer. 1847. 

Meyer = Gk>etbe. Von Richard M. Meyer. . . Band 1-3. . . Berlin. Ernst 
Hofmann & Co. 1895. (Auch unter dem Titel: Geistesbelden. (Führende 
Geister.) Eine Sammlung von Biograpbieen. Hsg. von Dr. Anton Bettel- 
heim. Band 13—16. . .) — Die Seitenzahlen laufen durch Band 1—8. 

Minor = Goethes Faust Eutstehungsgesohichte und Erklärung von J. Minor. . 
Band 1. 2 . . Stuttgart 1901 J. 6. Cotta'scbe Buchhandlung Nachfolger . . 

Morris = Goetbe-Studien von Max Morris. Banil 1. 2. Zweite veränderte 
Auflage. Berlin. Verlag von Conrad Skopnik. 1902. 

Müller = Goethes Unterhaltungen mit dem Kanzler Friedrich von Müller^ 
Hsg. von C. A. H. Burkhardt. Zweite stark vermehrte Auflage. Stuttgart 
1898. Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger. 

Nat. W. — Goethes Katurwissenschaftliche Schriften Band 1—5(1). 6—12 . . . 
Weimar Hermann Böhlau 1890—1897. (Auch unter dem Titel: Goethes 
Werke Herausgegeben im Auftrage der Grossberiogin Sophie von 
Sachsen IL AbtheUung Band 1—5(1). 6-12). 

Natnrw. Oorrespondens ^ Goethe's Naturwissenschaftliche Correspondenz. 
(1812—1882.) Im Auftrage der von Goethe'schen Familie hsg. von F. 
Th. Bratranek. Band 1. 3. Leipzig: F. A. Brockhaus. 1874. (Auch 
unter dem Titel: Neue Mittbeilungen aus Johann Wolfgang von Goetbe'a 
handschriftlichem Nachlasse. Theil 1.2...) 

Nene Schriften = Goethe's neue Schriften. Band 1—7. Berlin. Bei Johann 
Friedrich Unger. 1792-1800. 

Pasqn6 — Goethe's Theaterleitung in Weimar. In Episoden und Urkunden 
dargestellt von Ernst Pasquä. Band 1. 2. Leipzig Verlagsbuchhandlung 
von J. J. Weber. 1863. 

Pnlo'wer = Goethes Faust Zeugnisse und E^curse zu seiner Entstehungsge- 
schichte von Otto Pniower . . . Berlin Weidmannsche Buchhandlung 1899. 

Reiohardt = Job. Friedrich Reichardt. Sein Leben und seine Werke. 
Dargestellt von H. M. Schletterer. Band 1. Augsburg. Verlag von J. A. 
Schlosser's Buch- &. Kunsthandlung. 1865. — Enthält auch Reichard ts 
Selbstbiographie. 

Blemer- Mittheilungen über Goethe. Aus mündlichen und schriftlichen, ge- 
druckten und ungedruckten Quellen. Von Dr. Friedrich Wilhelm Riemer, 
. . Band 1. 2. Berlin« Verlag von Duncker und Humblot. 1841. 

Blemer-Frommann = Aus dem Gtoetbehause. Briefe Friedr. Wilh. 
Riemers an die FamiUe Frommann in Jena. (1803-1824.) Nach den 
Originalen hsg. von Dr. Ferdinand Heitmüller. . . . Stuttgart 1 892. Ver- 
lag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger. 



XX VERZEICHNISS DER QUELLEN. 



Sohaefer --^ HistorUches and systematisches Verieichnis lämtlicher Ton- 
werke za den Dramen Schillers, Ooethes, Shakespeares, Kleists und 
Kömers. . . . von Albert Sohaefer. Leipziif. Verlafl^ ▼on Karl Merse- 
bar^er. 1886. 

Sohorer = Auftfttee über Goethe yon Wilhehn Scherer. Berlin Weidmann- 
sche Buchhandlung 1886. 

Sohlller-Ootta = Briefwechsel zwischen Schiller und Cotta Big. ron Wilhelm 
Vollmer . . . Stuttgart Verlag der J. O. CotU'schen Buchhandlung 1876. 

Soliüler-Huinboldt = Briefwechsel swischen Schiller und Wilhelm von 
Humboldt Dritte vermehrte Ausgabe mit Anmerkungen von Albert 
Leitzmann . . . Stuttgart 1900 J. 6. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger . . 

Sohlller-Kömer ^ Briefwechsel zwischen Schiller und Körner. Von 1784 
bis zum Tode Schillers. Mit Einleitung von Ludwig Oeiger. Band 1—4. 
[Band 4. Mit Anhang: Briefwechsel zwischen Schiller und Uuber.] 
Stuttgart Verlag der J. G. Cotta'schen Ituchhandlung Nachfolger. 
O. J. [lHrZ\. 

Sohlllers Br. = Schillers Briefe. Hig. und mit Anmerkungen versehen von 
Fritz Jonas. Kritische Gesamtausgabe. Band 1-7. Deutsche Verlags- 
Anslalt. Stuttgart, Leipzig, Berlin, Wien. O. J. [I8tf?.- i8s»7.J 

SobUlers W. = Schillers Werke. Hsg. von Ludwig Bellemiann. Kritisch 
durchgesehene und erläuterte Ausgabe. Band 1~14. Leipzig und Wien. 
Bibliographisches Institut O. J. (1896—1897.) 

Schmidt = Charakteristiken von Erich Schmidt. Reihe [L] 2. Berlin Weid- 
mannsche Buchhandlung 1886. 190i. 

Sohöll = Goethe in Haupuügen seines Lebens und Wirkens. Gesammelte 
Abhandlungen von Adolf Scholl. Berlin Verlag von Wilhelm Hertz 
(Bessersche Buchhandlung) 188i. 

Sohrlften = Goethe's Schriften. Band 1-8. Leipzig, bei Georg Joachim 
Göschen. 1787—1790. 

Sohubarth = Zur Benrtheilung Ctoethe's, mit Beziehung auf verwandte 
Litteratur und Kunst Von Schubarth. Band 1. S. Zweite, vermehrte 
Auflage. 1810. Verlag von Joset Max in Breslau. Wien, bey Kari 
Gerold. 

SdGK}. = Schriften der Goethe-Gesellschaft. . . . Band 1 flg. Weimar. Ver- 
lag der Goethe-Gesellschaft 1885 flg. 

Boret s. Eckermann. 

Strehllce = Goethe's Briefe. Verzeiuhniss unter Angabe von Quelle, Ort, 
Datum und Anfuigsworten. . . Hsg. von Kr. Strehlke. Theü 1 - tf . . . 
Berlin, 1882—1884. Verlag von Gustav Hempel. (Bernstein und Frank.) 

Telohxnann = Johann Valentin Teichmann*8, . . literarischer Nachlass, hsg. 
von Franz Dingelstedt Stuttgart, Verlag der J. G. Cotta'schen Buch- 
handlung. 186S. 

Tffb. = Goethes Tagebfioher Band l—U . . . Weimar Hermann Böhlau 
1887—1908. (Auch unter dem Titel: Goethes Werke Hsg. im Auftrage 
der Orossherzogin Sophie von Sachsen HL Abtheilung Band 1 - 13 . . .) 

Voffel = Goethe in amtlichen Verhältnissen. Aus den Acten, . . dargestellt 
von . . Dr. C. Vogel, . . Jena. Fr. Frommann. 1884. 

Von und an Herder — Von und an Herder. Ungedruckte Briefe aut 
Herders Nachlass. H8g.vVon Heinrich DünUer und Ferdinand Gottfried 
von Herder. Band 1-8. .. . Leipzig, Dyk*sche Buchhandlung. 1861. 1862. 

Vossbriefe = Goethe und Schiller in Briefen von Heinrich Voss . . Brief- 
auszttge, in Tagebuchform zeitlich geordnet und mit Erläuterungen 
hsg. von Dr. Hans Gerhard Grat . . . Leipzig. Druck und Verlag von 
Philipp Reclam Jnn. O. J. [1896. Universal-Blbllothek sö8l. 3582.] 



VERZEICHNISS DER QUELLKN. XXI 



W. Goethes Werke Bsp. im Auftrage der OroMherzosri» Sophie von Sachsen 
Band 1 Üg. Weimar Uermann BÖhlau 1^87 dg. 

WelBsenfolB ~ Goethe im Sturm und Drang von Richard Welssenfalt. 
Band 1. Halle. Ifax Miemeyer. 1894. 

Werke Ootta' = Goethe's Werke. Band 1~12. (la.) Tübingen, in der 
J. G. Cotta*schen Buohhandlung. 1606—1808. (1810.) 

Werke Ootta' = Goethe's Werke. Band 1-SO. Stuttgart und Tübingen 
in der J. G. CotU'schen Buchhandlung. 1816- 181t». 

Werke Ootta* — €k>ethe*s Werke. VoUstftudlge Ausgabe leUter Hand. 
Band 1—40. Unter des durihlauchtigsten deutschen Bundes sohütsenden 
Privilegien. Stuttgart und Tübingen, in der J. G. Cotta'schen Buch- 
handlung. 1887 -183a (Sogenannte „TascheB-All8gabe^) 

Werke N. = Goethe'i nachgelassene Werke. [Hsg. von Riemer und 
Kckermanu.] Band 1—20. Stuttgart und Tübingen, in der J. G. Cotta'schen 
Buchhandlung. I88i— 1842. (Auch unter dem Titel: Goethe's Werke. 
Vollständige Ausgabe leUter Hand. Band 41-60. . . .) 

Werke Q. = Goethe's poetische und prosaische Werke in Zwei Bänden. 
[Hsg. von Riemer und £ckennann.] Band 1 (1. a). 2 (1. t). Stuttgart 
und Tübingen. Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung. 1836. I8ö7. 4*^ 

WH. = €k>ethe's Werke. Mach den vorsüglichsten (Quellen revidirte Ausgabe. 
Theil 1— 36. . . . Berlin. GuaUv Hempel. O. J. [1868—1879.] 

WV. = Goethes Werke Theil 1-86 . . Berlin und Stuttgart, Verlag von 
W. Spemann. O. J. (1884 flg.J (Auch unter dem Titel: Deutsche-National- 
Litteratur Historisch kritische Ausgabe. . . hsg. von Joseph Kürschner 
Band 82—117 . .) 

WoUr = Pius Alexander Woltt'. Ein biographischer Beitrag zur Theater- 
und Ldtoraturgeschichte von Max Martersteig. . . . Leipzig, Verlag von 
U Vernau. 1879. 

WolBOffen = Literarischer Nachlass der Frau Caroline von Wolzogen. 
Band 1. 2. Leipzig. Druck nnd Verlag von Breitkopf und Härtel. 
1848—184». 

Zanper = Studien über Goethe. Von J. St Zauper. B&ndohen i. 2. . . . 
Neue durchgesehene und vermehrte Auflage. [BAndchen 2 trägt diese 
Bezeichnung nicht.] Wien. Druck und Verlag von C^rl Gerold. 1840. 
(Bändchen i auch unter dem Titel: Grundzüge zu einer deutschen 
tkeoretisch-praktischen Poetik aus Goethe's Werken entwickelt von J. St. 
Zauper. . . . ; Bändchen 2 auch unter dem Titel: Aphorismen moralischen 
und ästhetischen Inhalts, meist in Bezug auf Goethe. Aus meinem 
Tagebuche. Von J. St. Zauper. Nebst Briefen Goethe's an den Ver* 
fasser. . . .) 

Zeiteohrlft fdA. = Zeitschrift für deutsches Alterthum und deutsche 
LiUeratur . . Band 19 flg. . . Berlin 1876 flg. 



XXII ERKLÄRUNG DER ABKÜRZUNGEN. 



Erklärung 

EINIGER Zeichen und Abkürzungen. 



. . ; . . . ; . . . . = Zwei Puncte deuten an, ilass ein oder mehrere Worte, 
drei, dass ein oder mehrere S&Ue, vier, dass ein oder mehrere Absätze 
ausgelassen sind ; überspringet der Text mehrere Seiten, so ist das durch 
eine Zeile von Puncten angedeutet. 
• = als erledigt gestrichen (in Goethes Agenda). Das von der Weimarer 
Uoethe-Ausgabe in den Listen der Postsendungen als Zeichen für 
Packete angewendete * ist, um Verwecliselungen vorzubeugen, durch 
dus Wort „Packet'' erseUt 

( ) ~ Die runde Klammer findet sich im Text nur, wo auch die Quelle sie 
hat. In Zalilengruppen bei Citaten, wie: 8 (i), 7S u. s. w. bezeichnet 
die in ( ) geschlossene Zahl die Unterabtheilung des betreffenden Bandes. 
][ ] = Alle Zusätze des Herausgebers innerhalb des Textes sind in eckige 
Klammern gescliiossen , ebenso alle ergänzten Datirungen; eine nach 
links offene Klammer vor der Monatsangabe bedeutet, dass auch das 
Jahr ergänzt ist. 

[Nr. 77.—] \ _ Derartige Hinweise zu Anfang und zu Ende des Textes zeigen 

[— Nr. C40.] / ~ an: dass die betreffende Nr. unmittelbar vorhergeht oder 
unmittelbar sich anschliesst. Sie sind der Kürze halber eingeführt und 
nur dann gesetzt, wenn es sich aus irgend einem Grunde empfiehlt, das 
unmittelbar Vorhergehende oder sich Anschliessende bei der Betrachtung 
heranzuziehen. 
? — Ein Fragezeichen vor dem Datum deutet an, dass die Beziehung der 
betreftenden Stelle auf* die Dichtung zweifelhaft ist. [? ? ?] bedeutet. 
Monat, Tag und Ort sind unbekannt. 

O = das astronomische Zeichen der Sonne ; von Goethe in seinem Tagebuch 
für den Namen der Frau von Stein benutzt. 

3 und C =^ ^^ astronomische Zeichen des Mondes; von Goethe in seinem 
Tagebuch für den Namen der Herzogin-Mutter Anna Amalia benntxt. 

% ^ das astronomische Zeichen des Planeten Jupiter; von Goethe in seinem 
Tagebuch für den Namen des Herzogs Karl August benutzt. 

Curttiväruck -=- ist angewendet, wo das Original lateinische Schrift hat. 

B. B. ^ Eure Excellenz. 

Sp. — Spalte. 

U£rD. = unter gleichem Datum. 

V. = Yen. 

Das Format ist stets R°, wo nichts Anderes angegeben ist. 



"^^fe^ 



Amine. 

Handschriften: sind nicht bekannt. 
Drucke: sind nicht vorhanden. 



10 



17«7. 

Mai 15, Leipzig. 1 

Grüssc die kleine Kunckel^ und sage ihr, sie sollte 
ja meine ,Amine^ nicht lesen, wie ich nicht wollte, dass 
Brevillier sie hätte und spielte, weil gar nichts dran 
ist. Apropos^ ich will Dir hier ein unvollendetes S<?hä- 
ferspiel schicken, das lest, aber ich muss es wieder ha- 
ben, • .^ 

An 8. Schwester. — Br. 1, 96, 8—13. 



15 



20 



' Dieses „unvollendete Schäferspiel" ist dasjenige, welches 
später den Titel ,Dle Laune des Verliebten* erhielt Die Art, 
wie Goethe hier von Ihm spricht, bei unmittelbar vorher- 
gehender Erwähnung seiner , Amine*, gibt mir die Gewiss- 
lieit, die durch Goethes Erzählung In »Dichtung und Wahr- 
heit* Buch 7 (8. ,Laune des Verliebten' 1811) bestätigt wird: 
dass das Frankfurter Schäferspiel , Amine* 
und das Leipziger Schäfersplel zwei ganz 
verschiedene Dichtungen sind, die (so weit wir 
das beurthellen können, da ,Amlne* nicht erhalten Ist) nur den 
Namen Amine für die weibliche Uauptgestalt und den Cha- 
rakter des Schäferspiels gemeinsam haben. Vgl. unter 
,Laune des Verliebten* Text und Erläuterungen der Jahre 
1767 und 1768, sowie die überzeugende Darlegung von 
Orftf, Goethe aber s. Dichtungen T. II, B. 1. t 



AMINE. 1767 



October 12, Leipzig. 2 

Solltest Du Brevillieren sehen, so sag ihm doch, er 
würde mir das grösste Vergnügen machen, wenn er mein 
SchäferBpiel [,Amine^] in's Feuer schmisse, oder es Dir 
gäbe, da Du denn das Nemliche damit machen kannst, 5 
er sollte auch dafür, sobald mein itziges [,Die Laune 
des Verliebten^] fertig wäre, eine recht schöne Abschrift 
davon bekommen, da» könnte er hernach spielen, wie 
er wollte. Einer von den klügsten Streichen, den ich 
gemacht habe, war, dass ich so viel als mjöglich von lo 
meinen Dingen, die mich jetzt prostituiren würden, 
mit aus Frankfurt genommen habe;* Und doch ist 
nicht alles weg, die ,Amine' und die ,Höllenfahrt^* sind 
zurückgeblieben und haben mir schon manchen Aerger 
gemacht. Die eine spielen die guten Leute und machen u 
sich und mich lächerlich, die andre drucken sie mir in 
eine vermaledeite Wochenschrift, und noch dazu mit 
dem J. W. G. Ich hätte mögen toll darüber werden.' 
An a Schwester. — Br. 1, 114, 5—21. 

Hubert Roetteken (Yierteljahrschrlft fttr Litteraturge- 30 
Bctüohte [1890] 8, 184—186); diesem tritt Richard Weissen- 
fels bei (8. Weissenfeis 1, 417 Eri. 9), während Eduard von 
der Hellen (Briefe vdH. 1, 40 Sri. 5) sich der von Lud- 
wig Geiger (GJ. 7, 149) und Jakob Minor (Zeitschrift für All- 
gemeine Geschichte, Kultur-, Litteratur- und Kunstgeschichte » 
[1886] 3, 656) ausgesprochenen Meinung anschliesst, das« 
die »Laune des Verliebten* nur eine Umar- 
beitung der , Amine* sei; ebenso Bielschowsky, der 
in Goethes obiger Ausdrucksweise ein „Versteckspielen" sieht, 
„das jeder junge Autor, insbesondere aber der junge Goethe so 
liebte** (Bielschowsky 1, 498 zu S. 82); auch Briefe St. 1, 53. 

* Vgl. Nr. 74. — Z. 3—7 spricht für die Richtigkeit von 1, 19-21. 
■ »Poetische Gedanken über die Höllenfahrt Jesu Christi. Auf 

Verlangen entworfen von J. W. G.*, gedruckt 1766 (W. 37, 
4-9). a5 

• Die „grosse Verachtung des Schreibsais von Hause**, von 
der Goethe 58, 15 f. spricht, be7.ieht sich zwar auch auf 
,Amine*, doch stehen Nr. 75. 76 richtiger unter «Belsazar*. 



1809 AMINE. 3 

1809. 

l[Nadi October 10, ?] — s. Nr. 75. 2a 



181». 

][Mära, April, Weimar, Jena, oder Mai, Jani, Karlsbad.] 2b 
8. Nr. 76. 




Die Aufgeregten. 



CBreme von Bremenfeld'; ,Die Zeichen 
der Zelt*.) 



Handschriften: 1. Aufzug 1. 2 und 4, von Sehreiberhand, mit 

Correcturen Riemers. Aufzug 3, so weit Goethe ihn aus- & 
geführt hat, das helsst: der Anfang des ersten Auftritts 
(Gespräch zwischen Gräfin und Hofrath) findet sieh In 
Aufzug 4 Auftritt 7 (eingeschoben nach W. 18, 68, 11). 
Aufzug 5 fehlt 

2. Aufzug 1—4, von der Hand zweier Schreiber, von lo 
Goethe eigenhändig durchcorrigirt. Aufzug 5 fehlt. Nach 
dieser Handschrift wurde die nicht bekannte Vorlage für 
den ersten Druck hergestellt. — Vgl. GJ. 17, 280. 

Erster Druck: 1817, Werke Cotta» 10, 317—395 unter dem Titel: 
,Die Aufgeregten. Politisches Drama in fünf Acten*, is 
Diente als Druckvorlage für die Ausgabe letzter Hand. 

Ztceiter Druck: 1817, im ersten Ergiinzungst>ande der, 13 Bände 
umfassenden, Ausgabe der Werke Cotta\ mit der Be- 
zeichnung: Band 14 Erste Ausgabe, S. 225—303; Titel wie 
im ersten Druck. Voraufgehen: »Was wir bringen. Port- 20 
Setzung', Theaterreden 1—6. 10—12, Maskenzüge 2—9. 11. 
12, Karlsbader Gedichte, ,De8 Bpimenides Erwachen*, 
,Das Neueste aus Plundersweilem', ,Satyros', ,Bpilog zu 
Schillers Glocke*; es folgen: ,Pandora* uiid ,Dle guten 
Weiber*. Vgl. Nr. 16. 25 

DritUr Druck: 1828, Werke Cotta» 15, 1—77; Titel wie im 
ersten und zweiten Druck. 

Weimarer Ausgabe : 1895, W. 18, 1—76 und 392—408. Titel wie 
im ersten bis dritten Druck. Am Anfang des Bandes; es 



1791 DIE AUFGEREGTEN. 5 

[Weimarer Ausgabe.] 

folgen: ,Das Mädchen von Oberklrch\ , Unterhaltungen 
deutscher Ausgewanderten', ,Die guten Weiber*, .Novelle*, 
,Der Hausball*, .Reise der Söhne Megaprazons*. 
5 Neuerdings ist eine Ergänzung des Bruchstüclies erschie- 

nen unter dem Titel: ,€k>ethe. Die Aufgeregten. Politisches 
Drama in fünf Al^ten. Ergänzende Bearbeitung von Felix yon 
Stenglln. Berlin. Veriag von Alexander Duncker, . . 1897*. 

1791. 

10 ?März 20, Weimar. 8 

Ich gehe sehr piano zu Werke/ vielleicht kommt 
doch für's Publicum und für mich etwas heraiis. We- 
nigstens wird mir's Pflicht, diesen Theil näher zu stu- 
diren, alle Jahre ein Paar spielbÄare Stücke zu schreiben. 
15 Das Uebrige mag sich finden.^ 

An P. H. Jacobi. — Br. 9, 253, 18-23. 

?Mai 30, Weimar. 4 

Ich werde selbst einige Stücke schreiben, mich da- 
rinne einigermassen dem Geschmack des Augenblicks 
» nahem und sehen, ob man sie [die Schauspieler] nach 
und nach an ein gebundenes, kunstreicheres Spiel ge- 
wöhnen kann.^ 

An J. F. Reichardt — Br. 9, 263, 23-264, 1. 

?Jull 4. Weimar. 

85 Ich . . werde mehr Veranlassung finden für das Thea- 

ter zu arbeiten als bisher.* 

An Göschen. ~ Br. 9, 276, 22-24. 



* Bei der Gründung und Einrichtung des Hoftheatera zu Wei- 
mar, das am 7. Mai 1791 eröffnet wurde. 

so • Bei den „spielbaren Stückten" (man muss, im Hinbliclj auf 
Z. 18. 25 und 6, 3 doch wohl lesen „ein paar" statt „ein 
Paar") ist zu denken an die .Aufgeregten*, den .Bürgergene- 
ral* und den ,Gro86-Cophta*, nicht aber an das , Mädchen von 
Oberkirch*. 

85 » Vgl. Nr. 3 nebst Brl. 



6 DIE AUFGEREGTEN. 1792 

1792. 

Jtdi 29, Weimar. 6 

Ich schreibe jetzt wieder ein paar Stücke, die sie 
nicht aufführen werden/ es hat aber nichts zu sagen, 
ich erreiche doch meinen Zweck durch den Druck, in- » 
dem ich gewiss bin, mich auf diesem Wege mit dem den- 
kenden Theil meiner Nation zu unterhalten, der doch 
auch nicht klein ist. 

An J. F. Reichardt. — Br. 9, 323, 27—324, 4. 

1802. 10 

] [Januar 18? Jena.] 7 

[Zu 1784—1802. — Schema.]« 
üebemahme des Weimarischen Theaters [1791]. 

Die politischen Begebenheiten, von der Halsbandge- i» 

schichte an, sich bei mir dramatisch ausbildend 
[1784—1802].« 



^ Vgl. die unmittelbar vorhergehende Aeusserung ,Gro6B- 
Cophta* ugD.; wegen der in Frage kommenden Stücke vgl. 
5, 30-34. 90 

~ Die Niederschrift der »Aufgeregten* erfolgte nach 16, 23. 
26, 22 erst im Jahre 17d3, aus dem keine Zeugnisse über ihre 
Entstehungszeit vorliegen. Sachlich gehören in diese Zeit 
und sind hier zu vgl. die Nummern 29. 30. 35. 37. 

' Das Schema, dem das Folgende entnommen ist, wird in S5 
W. 40, 402 f. als ein Paralipomenou zu dem Aufsatze ,Wel- 
marisehen Hoftheater. Februar 1802* (datirt vom 15. Februar 
1802) mitgetheilt; doch seheint es mir weit weniger diesem 
zu Grunde zu liegen, als etwa den entsprechenden Stellen in 
den ,Tag- und Jahrcs-Heften* oder der ,Campagne in Frank- so 
reich*, wie wir denn auch über die in obigem Schema ge- 
nannten Dichtungen in jenem Aufsatze nichts gesagt finden. 
Vgl. das Schema zur ,Campagne* (Nr. 29). 

' Ausser dem ,Groas-Cophta*, den Goethe selbst nennt und 
den ,Aufgeregten* kommen hier noch In Frage: »Bürger- S6 
generaJ*, .Müdchen von Oberkirch* und ,Nattirliche Tochter* 
(vgl. Nr. 9). 

Den von uns auf das .Mädchen von Oberkirch* bezogenen 
Tagebuchvermerk 1806 Februar 24 (Tgb. 3, 119, 28) bezieht 
Dtintzer (Zur Goetheforschung S. 148*) auf die , Aufgeregten*. 40 



1802 DIB AUFGEREGTEN. 7 

KJauuir 16 ¥ Jena.] [7] 

Grosse Vorliebe für die Form der Italienischen Oper. 
Vorzüge dieser Form. 

Frühere Bearbeitung der ^Claudine von Villa Bella* 
6 xm.d ^Imire^ in dieser Form [1787]. 

Der ,Gross-Cophta' als Oper [1791]. 
Die ,Ungleichen Hausgenossen* [1789]. 
,Scherz, List und Rache*, früher [1784]. 

10 W. 40. 402, 1. 5-403, 3. 

1801I. 

September 30 und October 1, Jena. 8. 9 

(September 30.) Nach Tische ein neues Trauerspiel 
[,Daö Mädchen von Oberkireh*]. durchgesprochen, das 
16 Goethe in Petto hat»^ 

(October 1.) Die Stücke: ,Cophta*, der ,Bürgergene- 
ral*, das unvollendete im Manuscript (,Die Aufgereg- 
ten*), die ,Natürliche Tochter* und diess letzte in Petto 
machen eine Suite, die einen innem Bezug auf sich 
90 (das heisst unter einander) und auf Goethes Bildung 
haben, auf das, was ihn in der Zeit interessirte und 
beschäftigte, und würden zusammen ein eigenes Ganze 

machen. 

Mit Riemer. — Riemers Tagebueli (Deutsche Revue 
25 12 (1), 282). 

1812. 

November 12, Jena« 10 

^[In dem briefllich mitgetheilten Entwurf zur Verthei- 

* Der Ausdruck „ein neues Trauerspiel" ist zweideutig: neu 
ao entstanden? vgL das unter «Mädchen von Oberkirch* über 
die wahrscheinliche Zeit der Entstehung Gesagte, oder neu 
für Riemer? 

— Im ältesten biographischen Schema, das Ende 1809 ent- 
stand, werden die .Aufgeregten* nicht angeführt 
» * Wegen der Anordnung der Werke Cotta* kommen für uns In 
Betracht: 



8 DIB AUFGEREGTEN. 1812 

[Kavember 12, Jena.l [10] 

lirng der Werke in der zweiten Cottaschen Gesammt- 
ausgabe heisst es unter:]. 
Band 4. Die Laune des Verliebten. 

Die Mitschuldigen. » 

Die Geschwister. 
Mahomet. 
Tancred. 

Elpenor. Fragment. 
(B 1814: Festspiele: lo 

Epimenides Erwachen. 
Pandora [vgl. Z. 22]. 
Vorspiel 1807. 
Paläophron.) 
Band 5. Götz von Berlichingen. « 

Egmont. 
Stella. 
Clavigo. 
Band 6. Iphigenia auf Tauris. 

Torquato Tasso. » 
Die natürliche Tochter. 
Pandora. (B. 1814: durchgestrichen 
[vgl. Z. 12].) 

A. eine Inhaltsübersicht (Conoepl) aus dem Jahre 1812, von 

der eine Abschrift 1812 Noveml^er 12 an Cotta abgUig; S5 
B. Aenderungen und Zusätze, die Goethe in A später, 1814 
und zum Theil wohl auch schon 1813 (vgl. Nr. 11), 
eigenhändig angebracht hat; 
G. die endgültige Inhaltsübersicht, die 1815 Februar 20 an 
Cotta abging (Br. 25, 20O-202) und dann in der ,Ankün- ao 
digung einer neuen Ausgabe von Goethes Werken* Im 
lutelligenzblatt zum Morgenblatt 1816 Nr. 1 veröffent- 
licht wurde (W. 41 (1), 83-85). 
In unserer Nr. 10 wird A mitgetheilt, und, zu leichterer 
üebersicht, an den betreffenden Stellen die Aenderungen und st 
Zusätze von B, in runden Klammem mit der Bezeichnung 
B 1814, vermerltt Die üebersicht C s. Nr. 15. 



1812 DIE AUFGEREGTEN. 



[November 12, Jena.] [10] 

Band 7. Claudine von Villa Bella. 
Erwin und Elmire. 
Jery und Bätely. 
6 lila. 

Die Fißcherin. 
Scherz, List und Kache. 
Der Zauberflöte zweiter Theil. 
(B 1814: Was wir bringen. 
10 „ „ „ Fortsetzung.) 

Band 8. Faust. 

Puppenspiel. Jahrmarkt von Plunderswei- 

lem. 
Das Neueste von Plunderaweilem. [Neu.]^ 
u Fastnachtsspiel. 

S&tyros, oder der vergötterte Waldteufel. 

[Neu.] 
Bahrdt. 
Parabeln, 
ao Legende. 

Lili's Park. 
Hans Sachs. 
Künstlers Erdewallen. 
(B 1814: Karlsbader Gedichte. 
S5 Ilmenau. 

Johanna Sebus.) 
Epilog zu Schillers Olocke [= Theater- 
reden 9]. 
Die Geheimnisse. 



^ Der Züsatz [Neu.] bedeutet» das» die betreffende Zeile in 
der Druck- Vorlage roth unterstrichen ist, zum Zeichen, dass 
die genannte Dichtung zum erstenmal in die «Werlie* auf- 
genomm^i Ist; nach Br. 23, 466 f. rührt die Unterstreichung 
,,wohl" von Ck>tta her (warum nicht von Goethe selbst? der 
sich schon bei den Werken Gotta^ dieses Kennzeichens be- 
dient hatte, s. Epos 1, 176. 31). 



10 DIB AUFGEREGTEN. 1812 

[November U, Jena.] [10] 

Band 9. Der Grose-Cophta. 

Der Triumph der EmpfindBamkeit. 
Die Vögel. 

Der Bürgergeneral. » 

Gelegenheitsgedichte. Veraaehrt.^ (B 1814: 
durchgestrichen und dafür am Rande ein- 
gesetzt: 

Breme von Bremenfeld [= Die Aufge- 
regten] 10 
Fragment.)* 

Hier entsteht nun die Frage, ob . . . 

Femer ob man die völlige Umarbeitung des 

,Gtötz^ und ,Romeo und Julie* [Neu] is 

für das Theater. Ob man 
mehrere angefangene und unvollendete Stücke 
[Neu]/ 
von denen die Biographie Rechenschaft geben wird, 
gleichfalls aufnehmen wolle? so 

Eh möchten diese zusammen auch noch vier Bände 
geben, so dass im Ganzen diese Ausgabe aus einund- 
zwanzig Bänden bestünde. Alles dieses vorschlagsweise 
zu weiterer einsichtiger Prüfung hingelegt. 

An Cotta. — Br. 23, 133, »-134, 28. 135, 20. 136, 1—10. 86 
466, und W. 41 (1), 488, 12 f. 22 f. 29 f. 439, 3 f. 



* [Neu.] 

» Da da» Wort „Fragment" hier In einer Zelle für sich ste^t, 
80 bezieht es sieh wohl nicht auf die .Aufgeregten* (die ja 
auch in keinem Druck als Fragment bezeichnet sind), son- ao 
dem auf das ,Mädchen von Oberkirch*; bezöge ee sich auf 
die , Auf geregten*, so würde es, wie bei ,Elpenor* geschehen 
(a 8, 9), unmittelbar angeschlossen sein (vgl. 23, ^f.). 

* Bei diesen Stücken ist in erster Linie zu denken an die 
»Aufgeregten*, vielleicht auch an das »Mädchen von Oberkirch* S5 
und »Nausikaa*. 



1813 DIE AUFGEREGTEN. 11 



1818. 

Man 10. Weimax. 11 

[Morgens]. Aussonderung der neuen poetischjen 
Sachen^ welche in die Werke kommen sollen;^ Anderes 
6 dahin Gehörige berichtigt 
Tgb. 5, 22, 28-23, 2. 

181«. 

Juli 17, Weimar. 12 

[Morgens] ,Breme von Bremenfeld* Revision.* 
10 Tgb. 5, 119, 4 f. 

181S. 

] [Januar 7, Weimar.] 13 

Eine neue Ausgabe meiner Schriften [Cotta*] be- 
schäftigt mich, in welche ich manches Mittheilbare, Un- 
is gedruckte aufnehmen möchte; . .• 

An G. H. L. Nlcolovius. - Br. 25, 134, 9-12. 

Januar 16, Weimar. 14 

Eine frische Ausgabe meiner Werke [Cotta*]^ die ich 
so eben vorbereite, wird manches Neue bringen.* 
90 An SchelUng. — Br. 25, 159, 18 f. 

Februar 20. Weimar. 15 

*Inhalts-Verzeichnis8 

der zwanzig Bände Goethischer Werke. 

Band 1—4 

25 Band 5. Laune des Verliebten. 

Die Mitschuldigen. 

^ Ausser den 9, 14. 17. 10, 6. 15. 18 als „neu*' bezeichneten und 

von Goethe hinzugefügten Dichtungen kommen in Frage: 

Maskenzüge 2. 5. 11. 12 und Theaterreden 10—12. ,£pi- 

80 menides Erwachen* kommt hier nicht in Betracht, da seine 

Entstehung später fällt 

• Für den ersteo Druck. 

' Ungedruckt war von den dramatischen Dichtungen, ausser 
den »Aufgeregten*, nur ,Satyros*. 
16 * \g^. Z. 88 f. 

• Vgl. 8, 29-83. 



12 DIE AUFGEREGTEN. 1815 



[Febniar 90, Weimar.] [15] 

[Band 5 FortseUnng.] 

Die Greschwister. 

Mahomet. 

Tancred. 6 

Theatralische Gelegenheits-Gedichte.^ 
Band 6. Gi>tz von Berlichingen. 

Egmont. 

Stella. 

Clavigo. 10 

Band 7. Iphigenie auf Tauris. 

Torquato Tasso. 

Die natürliche Tochter. 

Elpenor. 
Band 8. Claudine von Villa Bella. is 

Erwin und Elmire. 

Jery und Bätely. 

Lila. 

Die Fischerin. 

Scherz, List und Bache. » 

Der Zauberflöte 2. Theil. 

Maskenzüge [2. 4—9. 11. 12]. 

Karlsbader Gedichte. 

Des Epimenides Erwachen. 
Band 9. Faust. 25 

Puppenspiel. 

Fastnachtsspiel. 

Das Neueste von Plundersweilem. 

Pater Brey. 

S&tyros. 30 

Bahrdt. 

Parabeln. 

Legende. 

* .Paläophron und Neoterpe', »Vorepiel 1807*, »Was wir brin- 
gen*, Theaterreden 1—6. 10—12. 85 



1816 DIB AUFGEREGTEN. 13 

[Febniar 20, Weimar.] [15] 

[Band 9 Foitsetzong.] 

Hans Sachs. 
Mieding. 
5 Künstlers Erdewallen. 

Künstlers Apotheose. 

Epilog zu Schillers Glocke [= Theater- 
reden 9]. 
Die Geheimnisse. 
10 Band 10. Der Gross-Cophta.* 

Der Trimnph der Empfindsamkeit. 
Die Vögel. Der Bürgergeneral. 
Die Zeichen der Zeit [= Die , Auf geregten'] . 
Band 11. Reineke Fuchs. 
16 Hermann und Dorothea. 

Achilleis. 
Pandora.* 

Band 12—20 

An Cotta. - Br. 25, 200, 1-3. 22-202, 13. - Und ,Aii- 
20 kündigung einer neuen Ausgabe von Goethes Werken*. — 
W. 41 (1), 83, 22—85, 14. 

December 6, Weimar. 16 

•Nun benutzte man den 14. [Band], welcher in der 

neuen Ausgabe diesen Boman enthält, um dasjenige 

26 * Trat im Druck an die ihm sachlich zukommende Stelle, vor 
den ,Bürgergenerar. 

* In der Handschrift, nach der die, für Cotta bestimmte, Rein- 
schrift gefertigt ist, findet sich nach „Pandora" ein Frage- 
zeichen, das später wieder gestrichen worden Ist, ein Be- 

80 weis, dass die Einordnung dieser Dichtung fortgesetzt 
Schwierigkeiten machte (vgl. 8, 12. 22). 

• Goethe fand Cottas Absicht „sehr billig, dass man den Be- 
sitzern der ersten Ausgabe [Werke Cotta*] dieselbe nach der 
neuen zu complettiren erleichtere" (Br. 26, 175, 10 f.), und 

85 that Vorschläge für die Einrichtung der Ergänzungsbände. 
Zu den zwölf Bänden der Werke Cotta' waren 1810 als Band 
13 die , Wahlverwandtschaften* gekommen. 



14 DIE AUFGEREGTEN. 1816 

[Deoember 6, Weiouir.] [li] 

nachzubringen^ was in die vorhergehenden Bände einge- 
schaltet worden. Es gäbe zwar nur ein schwaches Bänd- 
chen, aber die Zahl würde doch erfüllt.* Ich würde für 
eine schickliche Redaction sorgen, wodurch etwas Ge- 6 
fäUiges entstünde; . . 

An Cotta. — Br. 26. 177, 19—25. 

1816. 

Mal 2. Weimar. 17 

[Morgens] Der zehnte Theil meiner Werke [Cotta^, lo 
redigirt], 

Tgb. 6, 227, 15 f. 

Mai 3, Weimar. 18 

[Vormittags] Den zehnten Band meiner Werke 
[Cotta*] redigirt. . . . [Nachmittags] Am zehnten i6 
Bcmd fortgefahren. 
Tgb. 5. 227, 23. 25. 

][Mai zwischen 7 und 9, Weimar.] 19 

*(Hier findet sich eine Lücke, welche wir durch Erzäli- 
lung ausfüllen. . . . Vielleicht bedauert man, dass der w 
Verfasser die Scliwierigkeiten einer solchen Scene nicht 
zur rechten Zeit zu überwinden bemüht war.) 

»Die Aufgeregten* Aufzug 3 Auftritt 1. — W. 18, 47, 
13 f. 49, 7-9. 



^ Band 14 ist mit seinen 393 Seiten von fast gleicher SUirke 86 
wie die übrigen Bände, Ja stärker als einige derselben; seinen 
Inhalt a 4, 19—25. — Von den Einschaltungen der neuen 
Ausgal)e fehlt in diesem Ergänzungsbande nur das , Vorspiel, 
1807*. 

' In der Zeit vom 7. Mai bis 23. Juni, während der Vorbe- so 
reitung für den ersten Druck, entstanden, so dürfen wir als 
gewiss annehmen, die kurzen Angaben über den Inlialt der 
unausgeführten Theile: in Aufzug 2 zu Anfang von Auftritt 
4, sowie in Aufzug 3 und 5. Für uns kommt nur die im 
Obigen mitgetheilte Bemerkung am Schluss von Aufzug 3 in t5 
Betracht 



1816 DIE AUFGEREGTEN. 10 

Mai 7, Weimar. 20 

[Früh]. Die ,Aufgeregten^, LuBtspiel, durcharbeitet^ 
Tgb. 6. 228. 22. 
Mai 8, Wetmar. 21 

6 [Vormittage] An den ^Aufgeregten^ 

Tgbw 5, 229, 6. 
Mai 9, Weimar. 22 

[Vormittags]. Die .Aufgeregten* nochmals durchge- 
gangen. 
10 Tgb. 5, 229, 10 f. 

Mai 31, Weimar. 23 

[Vormittags] Schluss der ^Aufgeregten* corrigirt. 
Tgb. 5, 237, 9. 
Juni 10, Weimar. 24 

16 ♦Fünfter Act aufgeregte*. 



♦aufgeregten* Abschrift. 
♦An Riemer. 
Agenda 1816 Juni 10. — Tgb. 5, 314, 7-9. 
90 Juni 23, Weimar. 25 

[Früh] Schluss der jAufgeregten*. 
Tgb. 5, 244, 26. 
Juli 4, Weimar. 26 

[Vormittags] Interpunction des zehnten Bandes 
96 meiner Werke [Cotta*].. 
Tgb. 6, 249, 12 f. 
Juli 8, Weimar. 27 

[Morgens] Nebenstehende Sendung an Cotta bewerk- 
stelligt. An Cotta Paquet zehnter Band meiner 
30 Werke [Cotta^]. inliegend . . 
Tgb. 5, 250, 17—19. 

1819. 

März [Anfang], Weimar. 28 

[In dem chronologischen Verzeichniss der Werke, 
85 das, zwischen dem 6. Februar und 5. März 1819 entstan- 

» Vgl. 14, 30 f. 



16 DIB AUFGEREGTEN. 1819 



[März [Anfkng], Weimar.] [38] 

den, mit dem Datum „Weimar. März 1819" am Schluss 
von Band 20 der Werke Cotta® erschien (die kleinen 
Ungenanigkeiten desselben werden bei den einzelnen 
Dichtungen berichtigt), heisst es unter dem Jahre]. » 

1769: Die ,Laune dee Verliebten'; die ,Mitschuldi- 
gen^ 

1769 bis 1775: . .; ,Götz von Berlichingen'; ,Clavigo'; 
,Stella*; ,Erwin und Elmire*; ,Claudine von Villa 
Bella'; ,Faust'; die Puppenspiele; ,Prolog zu lo 
Bahrdt'; . . 

1775 bis 1780: ,Lila'; die ,Geschwister'; ,Iphigenia'; 
,Proserpina*; ,Triumph der Empfindsamkeit'; . .; 
jJery und Bätely'. 

1780 bis 1786: ^Elpenor'; die ,Vc^l'; ,Scherz, List w 
und Rache'; . . 

1787 und 1788: . .; ,Iphigenia', ,Egmont', ,Ta8So' um- 
gearbeitet und abgeschlossen; ,Claudine von 
Villa Bella', ,Erwin und Elmire' in reinere 
Oi>emform gebracht. 90 

1789: Der ,Gro8ö-Cophta'; die ,Ungleichen Hausge- 
nossen', unvollendet; . . 

1793: . .; der ,Bürgergeneral'; die , Auf geregten'; . . 

1799: . .; Plan zur jNatürlichen Tochter*. 

1800: ,Paläophron und Neoterpe'; . . » 

1802: ,Was wir bringen', Vorspiel. 

1803: Der ,Natürlichen Tochter' erster Theil abge- 
schlossen, Entwurf der beiden andern; . . 

1804: . .; ,6ötz von Berlichingen' für's Theater; . . 

1808: ,Pandora', erster Theil; . . so 

1810: Die »Romantische Poesie', Maskenzug, ausge- 
legt in Stanzen; russischer Völkerzug, begleitet 
von Liedern; . . 

1813: . .; Epilog zum ,E6sex'; . . 

1814: . .; Vorspiel für Halle, Todtenopfer für Reil 35 
[= ,Was wir bringen. Fortsetzung^.; ,Epimeni- 
des Erwachen'; . . 



1819 DIE AUFGEREGTEN. 17 

[M&n [Aiifaii«r], Weimar.] [28] 

1818: . ., der Abdruck . . der Festgedichte bei An- 
wesenheit Ihro der Kaiserin Mutter Majestät in 
Weimar . . verzieht sich bis in^s Jahr 1819. 
5 Summarische Jahresfolge Goethescher Schriften. — 

WH. 29. 323-826. 

1822. 

][Mäiz 11, Weimar; oder schon 1820?] 29 

Schema.^ 

10 [Zu 1789—1803.] 

Weünarisches Theater. 
Theihiahme daran. 
Conversationston. 

16 Iffland und Kotzebue. 

Andere Schriftsteller. 

Eigene Arbeiten brauchbarer Art wünschenswerth. 

Noch Bäume genug zwischen oben genannten Auto- 
90 ren. 

Meine ersten Stücke, der Weltgeschichte gewidmet 
[,Götz', ,Egmont^, gingen zu sehr in's Breite. 

Meine neuem^ den innem Menschen darstellend 
[Jphigenie^ ^Torquato Tasso*]^ waren zu sehr in's 

85 Enge gezogen. 

Ich war zu einer mittlem Tedinik gelangt, mit der 
ich ganz gut umzugehen wusste. 

Vergreifen im Stoff. 

Antheil an den nächsten Weltbegebenheiten. 
80 Halsbandsgeschichte in der zweiten Hälfte von 1785. 

Gewaltsame Wirkung der ersten Nachricht. 

Interesse [an], Cagliostros wirklichen Zuständen. 

Manifestation der hohem Betrügerei mit der Hals- 
bandsgeschichte. 

86 ^ Vgl. das Schema Nr. 7 und die Ausführung Nr. 30. 

Graf, Goethe ttber s. Dichtangen T. n, B. 1. 2 



18 DIE AUFGEREGTEN. 1822 

][Hftn 11, Weimar; oder schon 1820?] [M] 

Verwandeln in's Drama. 

Und zwar als Oper. 

Mancherlei Wechsel des Versuches. 

Endlicher Entschluss als Schauspiel. 6 

Misslingen der Wirkung. 

Ursache. 

Eigensinniges Beharren auf demselben Wege. 

Das Vorausgesehene ward erfüllt. 

Die Königliche Autorität so gut als vernichtet. lo 

Heimliches Umherschleichen dergleichen Versuche in 
Deutschland. 

Verständige Menschen enthalten sich kaum den Rei- 
zen der Klapperschlange. 

Die AUerschlechtesten suchen dabei ihren VortheiL ^ 

Trauriger Blick nach Mainz. 

Untergang einer der ersten und ältesten Städte von 
Deutschland vorauszusehen. 

Durch Individuen welcher Art verursacht. 

Conception des ,Bürgergenerals^ ao 

Veranlassung. 

Schauspieler Beck, den Schnaps in den ,Zwei Billets' 
trefflich spielend. 

Malcolmi im gleichen den Vater. 

Der ,Stammbaum^ hervorgesucht.^ as 

So entstand der ,Bürgergenerar. 

Vorstellung von der grössten Schönheit. 

Mantelsäckchen der Emigrirten. 

Im Gkmzen grosse Sorgfalt und Wahrheit. 

Das Publicum verstummt wie vor dem ,Cophta^ so 

Gesinnung der Freunde. 

Wie man sich hilft. 

^Natürliche Tochter^. 

Schema zur ,Campagne in Frankreich' (letEter Ab- 
schnitt). — W. 33, 368, 17—369, 32. sft 

* s. 58. 3 f. 



1822 DIE AUFGEREGTEN. 19 

][März zwlBchen 12 und 16. Weimar.] 30 

[Zu 1789—1803.]. Von solchen Studien bildender 

Kunst^ fühle ich mich denn doch gedrungen wieder zum 

Theater zurückzukehren und über mein eigenes Ver- 

5 hältniss an demselben einige Betrachtungen anzustel- 
len, welches ich erst zu vermeiden wünschte. Man sollte 
denken, es sei die beste Gelegenheit gewesen, für das 
neue Theater* und zugleich für das deutsche überhaupt, 
als Schriftsteller auch etwas von meiner Seite zu leisten: 

10 denn genau besehen lag zwischen oben genannten Au- 
toren' und ihren Productionen noch mancher Eaum, 
der gar wohl hätte ausgefüllt* werden können; es gab 
zu natürlich einfacher Behandlung noch vielfältigen 
Stoflf, den man nur hätte aufgreifen dürfen. 

15 l'm aber ganz deutlich zu werden, gedenk' ich mei- 

ner ersten dramatischen Arbeiten, welche, der Weltge- 
schichte angehörig, zu sehr in's Breite gingen, um büh- 
nenhaft zu sein [,Q^tz*, ,Egmont'].; meine letzten, dem 



^ Wie Goethe sie nach der Rückkehr aus der Campagne im 
so Winter 1792 auf 1793 mit Meyer betrieb. 

* Das Hoftheater in Weimar, eröffnet am 7. Mai 1791. 

* „Iffland und Kotzebue . . ihre Stücke, natürlich und fass- 
üch, die einen gegen ein bürgerlieh rechtliches Beilagen, die 
andern gegen eine lockere Sittenfreiheit hingewendet; beide 

S5 Gesinnungen waren dem Tage gemäss und erhielten freudige 
Theilnahme; . . Schröder, Babo, Ziegler, glücklich energische 
Talente, lieferten bedeutenden Beitrag; Bretzner und Jün- 
ger, ebenfalls gleichzeitig, gaben anspruchslos einer beque- 
men Fröhlichkeit Raum. Hagemann und Hagemeister, Ta- 

30 lente, die sich auf die L.Hnge nicht halten konnten, arbeiteten 
gleichfalls für den Tag und waren, wo nicht bewundert, doch 
als neu geschaut und willkommen. Diese lebendige, sich im 
Clrkel herumtreibende Masse suchte man mit Shakespeare, 
Gozzl und Schmer geistiger zu erheben . . ." (W. 33, 251, 

35 14—252, 2.) Hier kommen hauptsächlich die beiden zuerst 
genannten (die auch schon im Schema mit Namen aufgeführt 
sind, s. 17, 15) In Betracht. 

* Sämmtliche Drucke haben „ausgeführt". 



20 DIE AUFGEREGTEN. 1822 

][lfirz zwischeD 12 and 16, Weimar.] [10] 

tiefsten innem Sinn gewidmet [Jphigenie', »Torquato 
Tasso']^ fanden bei ihrer Erscheinung wegen allzu 
grosser Gebundenheit wenig Eingang. Indessen hatte 
ich mir eine gewisse mittlere Technik eingeübt, die et- & 
was massig Erfreuliches dem Theater hätte verschaffen 
können; allein ich vergriff mich im Stoff, oder vielmehr 
ein Stoff überwältigte meine innere sittliche Natur, der 
allerwiderspenstigste, um dramatisch behandelt zu wer- 
den. 10 

Schon im Jahre 1785 erschreckte mich die Hals- 
bandsgeschichte wie das Haupt der Gorgone. Durch 
dieses unerhört frevelhafte Beginnen sah ich die Würde 
der Majestät untergraben, schon im voraus vernichtet, 
imd alle Folgeschritte von dieser Zeit an bestätigten 15 
leider allzu sehr die furchtbaren Ahnungen. Ich trug 
sie mit mir nach Italien und brachte sie noch geschärf- 
ter wieder zurück. Glücklicherweise ward mein ,Tasso* 
noch abgeschlossen, aber alsdann nahm die weltge- 
schichtliche Gegenwart meinen Geist völlig ein. 9a 

Mit Verdruss hatte ich viele Jahre die Betrügereien 
kühner Phantasten und absichtlicher Schwärmer zu ver- 
wünschen Gelegenheit gehabt und mich über die unbe- 
greifliche Verblendung vorzüglicher Menschen bei sol- 
chen frechen Zudringlichkeiten mit Widerwillen ver- 25 
wundert. Nun lagen die directen und indirecten Fol- 
gen solcher Narrheiten als Verbrechen und Halbver- 
brechen gegen die Majestät vor mir, alle zusammen 
wirksam genug, um den schönsten Thron der Welt zu 
erschüttern. so 

Mir aber einigen Trost und Unterhaltung zu ver- 
schaffen, suchte ich diesem Ungeheuern eine heitere 
Seite abzugewinnen, und die Form der komischen Oper, 
die sich mir schon seit längerer Zeit als eine der vor- 
züglichsten dramatischen Darstellungsweisen empfoh- 8& 
len hatte, schien auch ernstem Gegenständen nicht 



1822 DIE AUFGEREGTEN. 21 

][M&n swischen 12 und 16, Weimar.] [80] 

fremd, wie an ,König Theodor* zu sehen gewesen.^ 
Und so wurde denn jener Gegenstand rhythmisch be- 
arbeitet [,Der Gross-Cophta*, als Oper], die Composition 

6 mit Eeiehardt verabredet, wovon denn die Anlagen eini- 
ger tüchtigen Bass- Arien bekannt geworden; andere 
Musikstücke, die ausser dem Context keine Bedeutung 
hatten, blieben zurück, und die Stelle, von der man sich 
die meiste Wirkung versprach, kam auch nicht zu 

10 Stande. Das Geistersehen in der Krystallkugel vor dem 
schlafend weissagenden Cophta sollte als blendendes 
Final vor allen glänzen. 

Aber da waltete kein froher Geist über dem Gkmzen^ 
es gerieth in Stocken, und um nicht alle Mühe zu verlie- 

15 ren, schrieb ich ein prosaisches Stück, zu dessen Haupt- 
figuren sich wirklich analoge Gestalten in der neuen 
Schauspieler-Gesellschaft vorfanden, die denn auch in 
der sorgfältigsten Aufführung das Ihrige leisteten. 
Aber eben desswegen, weil das Stück ganz trefflich 

ao gespielt wurde, machte es einen um desto widerwärti- 
gem Effect. Ein furchtbarer und zugleich abgeschmack- 
ter Stoff, kühn und schonungslos behandelt, schreckte 
jedermann, kein Herz klang an; die fast gleichzeitige 
Nähe des Vorbildes liess den Eindruck noch greller 

26 empfinden; und weil geheime Verbindungen sich im- 
günstig behandelt glaubten, so fühlte sich ein grosser 
respectabler Theil des Publicums entfremdet, so wie das 
weibliche Zartgefühl sich vor einem verwegenen Liebes- 
abenteuer entsetzte. 

80 Ich war immer gegen die unmittelbare Wirkung mei- 

ner Arbeiten gleichgültig gewesen \md sah auch diess- 
mal ganz ruhig zu, dass diese letzte, an die ich so viel 



* Die Oper ,11 Re Teodoro In Venezia* von Giambattista Castl 
gedichtet, von Giovanni Paeslello 1784 componlrt, hatte 
» Goethe 1785 kennen gelernt. 



22 DIB AUFGEREGTEN. 1822 

][]iln zwiMhen 12 and 16, Weimar.] [SO] 

Jahre gewendet^ keine Theilnahme fand; ja, ich ergötzte 
mich an einer heimlichen Schadenfreude, wenn gewisse 
Menschen, die ich dem Betrug oft genug ausgesetzt ge- 
sehen, kühnlich versicherten, so grob könne man nicht » 
betrogen werden. 

Aus diesem Ereigniss zog ich mir jedoch keine Lehre; 
das, was mich innerlich beschäftigte, erschien mir im- 
merfort in dramatischer Gestalt, und wie die Halsbands- 
geschichte als düstre Vorbedeutung, so ergriff mich lo 
ntmmehr die Revolution selbst als die grässlichste Er- 
füllung; den Thron sah ich gestürzt und zersplittert, 
eine grosse Nation aus ihren Fugen gerückt und nach 
imserm unglücklichen Feldzug offenbar auch die Welt 
schon aus ihren Fugen. i& 

Indem mich nun diess Alles in Gedanken bedrängte, 
beängstigte, hatte ich leider zu bemerken, dass man im 
Vaterlande sich spielend mit Gesinnungen unterhielt, 
welche eben auch uns ähnliche Schicksale vorbereiteten. 
Ich kannte genug edle Gemüther, die sich gewissen Aus- to 
sichten und Hoffnungen, ohne weder sich noch die Sache 
zu begreifen, phantastisch hingaben; indessen ganz 
schlechte Subjecte bittem TJnmuth zu erregen, zu meh- 
ren und zu benutzen strebten. 

Als ein Zeugniss meines ärgerlich guten Humors liess u 
ich den ,Bürgergeneral* auftreten, wozu mich ein Schau- 
spieler verführte, Namens Beck, welcher den Schnape 
in den ,Beiden Billets^ nach Florian mit ganz individuel- 
ler Vortrefflichkeit spielte, indem selbst seine Fehler 
ihm dabei zu Statten kamen.^ Da ihm nun diese Maske so 
so gar wohl anstand, brachte man des gedachten kleinen, 
durchaus beliebten Nachspiels erste Fortsetzung, den 
,Stammbaum^ von Anton Wall, hervor, und als ich nun 
auf Proben, Ausstattung imd Vorstellung dieser KUei- 

» Vgl. 57, 26. 67, 2-7. 35 



1822 DIE AUFGEREGTEN. 28 

]{UMn zwischen 12 und 16, Weimar.] [80] 

nigkeit ebenfallß die gpösste Aufmerksamkeit wendete, 
so konnte nicht fehlen, dass ich mich von diesem närri- 
schen Schnaps so durchdrungen fand, dass mich die 

6 Lust anwandelte, ihn nochmals zu produciren. Diess ge- 
schah auch mit Neigung und AuBführlichkeit; wie denn 
das gehaltreiche Mantelsäckchen ein wirklich französi- 
sches war, das Paul auf jener Flucht eilig aufgeraflEt 
hatte.^ In der Hauptscene erwies sich Malcolmi als 

xo alter wohlhabender, wohlwollender Bauersmann, der sich 
eine gesteigerte Unverschämtheit als Spass auch einmal 
gefallen läflst, imübertrefflich, und wetteiferte mit Beck 
in wahrer natürlicher Zweckmässigkeit. Aber verge- 
bens, das Stück brachte die widerwärtigste Wirkung her- 

15 vor, selbst bei I'reunden imd Gönnern, die, um sich imd 
mich zu retten, hartnäckig behaupteten: ich sei der 
Verfasser nicht, habe nur aus Grille meinen Namen \mA 
einige Federstriche einer sehr subalternen Production 
zugewendet.* 

80 Wie mich aber niemals irgend ein Aeusseres mir 

selbst entfremden konnte, mich vielmehr nur strenger 
in's Innere zurückwies, so blieben jene Nachbildungen 
des Zeitsinnes für mich eine Art von gemüthlich tröst- 
lichem Geschäft. Die ,XJnterhaltungen der Ausgewan- 

96 derten^, fragmentarischer Versuch, das unvollendete 
Stück, ,die Aufgeregten',* sind eben so viel Bekenntnisse 

* Vgl. 68. 26-69. 7. 

« Vgl. 60, 14—20, und dagegen 56, 30-34. 57, 9. 20. 58, 37 f. 59, 
24. 59, 34. Znm richtigen Verständnis« des Ausdrucks „wider- 
80 wärtlgste Wirkung" (Z. 14) vgl. GJ. 19, 244. 

• Diese Stelle bietet besondere Schwierigkeiten. Den Auf- 
druck „fragmentarischer Versuch" beziehen wir, mit 
büntzer, nicht auf die »Unterhaltungen deutscher Ausgewan- 
derten', sondern auf die ,Rei8e der Söhne Megaprazons* (vgl. 

ü Epos 1, 186, 27—87, wo Z. 10 nach „Stück" ein Komma ein- 
zusetzen ist). Aber auch die Worte „das unvollendete Stück", 
die auffallender Weise von dem folgenden Titel 



34 DIB AUFGEREGTEN. 1822 

][März zwischen 12 und 16, Weimar.] [SO] 

dessen^ was damals in meinem Busen vorging; wie auch 
späterhin ,Hermann und Dorothea* noch aus derselbigen 
Quelle flössen, welche denn freilich zuletzt erstarrte. 
Der Dichter konnte der rollenden Weltgeschichte nicht s 
nacheilen und musste den Abschluss sich und andern 
schuldig bleiben^ da er das Eäthsel auf eine so entschie- 
dene als imerwartete Weise gelöst sah. 

Campagne in Frankreich 1702. — W. 33, 260, 23—206, 4. 

März [Mitte?], Weimar. 31 lo 

Oeuvres dramatiques de J. W. Goethe Tome II. Paris 
1822. [Verehrt:] Vom Herausgeber.^ 

Bücher- Vermelirungsliste 1822. — Tgb. 8, 3ia 

durch ein Komma getrennt sind, möchten wir, 
gerade mit Rücksicht hierauf und auf den Ausdruck „eben 15 
so viel Bekenntnisse" nicht auf die «Aufgeregten* beziehen 
(zu denen sie scheinbar ebenso gehören, wie „fragmentari- 
scher Versuch*' zu .Unterlialtungen der Ausgewanderten*), 
sondern auf das Bruchstück das .Mädchen von Oberkirch* 
(vgl. 10, 11. 28-33). 90 

* Von dem Werke .Oeuvres dramatiques de J. W. Goethe, 
traduites de Tallemand; pr6c6d6e8 d*une notice biographique 
et litt6ralre sur Goethe* erschien zuerst: Paris, A. Bob6e, 
öditeur, M. DCCC. XXI. 
Tome 8: ,Goetz de Berllchingen*, 85 

»Iphigenie en Tauride*, 

,ClaviJo*, 

,Les complices*; 
Goethe empfing ihn 1822 im Januar (s. Nr. 328); sodann: 
Paris, A. Bob^, Miteur, M. DCCC. XXII. ^ 

Tome 2: ,Le Tasse*, 

,Egmont*, 

»Stella*, 

,Le8 rßvoltßs*; 
Goethe empfing ihn 1822 im März; dann: Paris, A. Bob^, w 
Mlteur, M. DCCC XXIII. 
Tome 4: ,Fau8t*, 

,La manie du sentiment*, 

,Le fröre et la soeur*, 

,Le Citoyen g^n^ral* [!], 40 

,Jery et Baetely*; 



1822 DIB AUFGEREGTEN. 25 



Juni 10, Weimar. 32 

. . von auswärts ereignet sich mir Wünschenswerthes; 

die Franzosen übersetzen meine dramatischen Arbeiten,^ 

nnd ich muss eine Befreiung von Vorurtheil, eine Höbe 

ihrer Ansichten bewundem. 

An K. F. V. Reinhard. — G.-Reinhard 8. 214. 

1828. 

][März 31, Weimar.] ~ s. »Natürliche Tochter* ugD. 33 

(tBedentende Förderniss durch e. einziges geistr. Wort*.) 



10 Goethe empfing ihn 1823 im Februar (s. Nr. 101); endlich: 
Paris, A. Sautelet et Gie, libraires-Miteurs, M. DGGG XXV. 
Tome 1: , Notice sur la vie et les ouvrages de Goethe*, 
,Le Grand-Cophte*, 
,La fille naturelle*; 

15 Goethe empfing ihn 1826 am 31. JuU (s. ,Gross-Gophta* ugD.). 
Alle vier .Bände befinden sich noch heute in Goethes 
Bibliothek. 

Gleichzeitig mit Band 1 erschienen Band 2—4 in zweiter 
Auflage (als solche aber auf dem Titel nicht bezeichnet): 

«• Paria, A. Sautelet et Cie, libraires-4diteurs, M. DCCC XXV); 
das ganze Werte wurde 1826 von Ampöre im ,Globe* ange- 
zeigt, worauf dann Goethe seine Mittheilungen in «Kunst und 
Alterthum* machte (vgl. 32, 2). 
Die weder auf dem Titel noch im Werke namhaft gemach- 

u ten Uebersetzer sind Stapfer, Cavagnac und Margu^r6 (letz- 
tere beiden Namen nach Goedeke 4, 638); Stapf er unterzeich- 
net in Band 4 das ,Avertissement du traducteur* mit: Albert 

8 ♦ ♦ ♦, und in Band 1 die »Notlce* mit: Albert S r. 

Er nennt im Avant-propos zu Band 1 die Uebersetzung der 

so Dichtungen Schillers von de Barante, und sagt sodann: „On 
va dire qu'il est f&cheux pour Croethe, que l'interpr^te de son 
rival n^ait pas 6t6 le sien. L'auteur de la ,Notice sur sa vie 
et ses ouvrages* sent mieux que personne combien, en effet, 
toute comparaison de notre traduction avec celle de Schiller 

S6 nous seralt döfavorable; aussi tient-il ä n'en prendre que 
sa part legitime, en ne s'avouant ici responsable que de trois 
piöces seulement: ,Le CJomte d'Egmont*, ,Goetz de Ber- 
lichingen* et ,Le Docteur Faust*.** 
» VgL Nr. 31. 



26 DIE AUFGEREGTEN. 1823 

April 18, Weimar. 34 

Zugleich denk^ ich mich noch einer andern Schuld zu 

entledigen, und dem Uebersetzer meiner dramatischen 

Werke gleichfalls zu antworten, was ich schon längst 

versäumt habe.^ 5 

An K. F. V. Reinhard. — G.-Reinhard S. 228. 

][Juli 1? Eger?] 35 

[Zu 1789 — 1795.] Einem thätigen productiven Geiste, 
einem wahrhaft vaterländisch gesinnten, und einheimi- 
sche Litteratur befördernden Manne wird man es zu lo 
Gute halten, wenn ihn der Umsturz alles Vorhandenen 
schreckt, ohne dass die mindeste Ahnung zu ihm 
spräche, was denn Besseres, ja nur Anderes daraus er- 
folgen solle. Man wird ihm beistimmen, wenn es ihn 
verdriesst, dass dergleichen Influenzen sich nach i5 
Deutschland erstrecken, \md verrückte, ja unwürdige 
Personen das Heft ergreifen. In diesem Sinne war , d e r 
Bürgergeneral^ geschrieben, ingleichen , d i e 
Aufgeregten* entworfen, sodann die , U n t e r - 
haltungen der Ausgewanderten ^ Alles «o 
Productionen, die dem ersten Ursprung, ja sogar der 
Ausführung nach, meist in dieses und das folgende Jahr 
[1793 und 1794] gehören. [— Nr. 102.] 

Tag- und Jahres-Hefte, 1793. — W. 35, 24, 4—18. 

][Juli zwischen 19 und 22, Marienbad.] 36 ^^ 

[Zu 1816.]. Der neunte und zehnte Band [der Werke 
Cotta*] ward revidirt;^ . . 

Tag- und Jahres-Hef te, 1816. — W. 36, 107, 10 f. 



^ Band 4 der »Oeuvres dramatiques' war Im Februar 1823 
an Goethe gelangt; seine Antwort erfolgte erst 1826 und so 
1827, durch die l)e!den in ,Kunst und Alterthum* veröffent- 
lichten Aufsätze (vgl. Nr. 31 und 101). 

* Das helset: druckfertig gemacht. 

— In der, 1823 im August für den ehemaligen König von 
Holland, Louis Bonaparte, entworfenen, tabellarischen Ueber- 96 
Sicht der ,Ouvrages poötiques de Goethe* (s. Nr. 248) 
fehlen, bezeichnender Welse, sowohl die »Aufgeregten*, als 
auch der ,Btirgergeneral*. 



1824 DIB AUFGEREGTEN. 27 

— ■ ' — . — — ■ — i i 

1824. 

Januar 4, Weimar. 37 

[Nachmittags.]. „In religiösen Dingen, in wissen- 
schaftlichen und politischen, überall machte es mir zu 
6 schaffen, dass ich nicht heuchelte, und dass ich den 
Muth hatte, mich auszusprechen, wie ich empfand.^* 

„Und nun gar in politischen Bingen! Was ich da 
für Noth und was ich da zu leiden gehabt, mag ich 

10 gar nicht sagen. Kennen Sie meine , Auf geregten^?" 
Erst gestern, erwiderte ich [Eckermann], habe ich 
wegen der neuen Ausgabe Ihrer Werke [Cotta*] das 
Stück gelesen \md von Herzen bedauert, dass es unvoll- 
endet geblieben. Aber wie es auch ist, so wird sich 

16 jeder Wohldenkende zu Ihrer Gesinnung bekennen. 

„Ich schrieb es zur Zeit der französischen Eevolu- 
tion^^, fuhr Goethe fort, „und man kann es gewisser- 
massen als mein politisches Glaubensbekenntniss jener 
Zeit ansehen. Als Bepräseritanten des Adels hatte ich 

ao die Gräfin hingestellt und mit den Worten, die ich ihr in 
den Mund gelegt, ausgesprochen, wie der Adel eigent- 
lich denken soll. Die Gräfin kommt soeben aus Paris 
zurück, sie ist dort Zeuge der revolutionären Vorgänge 
gewesen und hat daraus für sich selbst keine schlechte 

S5 Lehre gezogen. Sie hat sich überzeugt, dass das Volk 
wohl zu drücken, aber nicht zu unterdrücken ist, imd 
dass die revolutionären Auf stände, der unteren Klassen 
eine Folge der Ungerechtigkeit der Grossen sind. Jede 
Handlung, die mir unbillig scheint, sagt sie, will ich 

so künftig streng vermeiden, auch werde ich über solche 
Handlungen Anderer in der Gesellschaft und bei Hofe 
meine Meinung laut sagen. Zu keiner Ungerechtig- 
keit will ich mehr schweigen, und wenn ich auch unter 
dem Namen einer Demokratin verschrieen werden 

86 sollte!^ 

* Vgl. die fast gleichlautenden Worte In Aufzug 3 Auftritt 1 



28 DIE AUFGEREGTEN. 1824 



[Januar 4, Weimar.] [87] 

„Ich dächte", fuhr Goethe fort, „diese Gesinnting 
wäre durchaus respectabel. Sie war damals die meinige 
und ist es noch jetzt. Zum I^ohne dafür aber belegte 
man mich mit allerlei Titeln, die ich nicht wieder- » 
holen mag." 

Man braucht nur den ,Egmont^ zu lesen, versetzte 
ich, um zu erfahren, wie Sie denken. Ich kenne kein 
deutsches Stück, wo der Freiheit des Volkes mehr das 
Wort geredet würde als in diesem. lo 

„Man beliebt einmal", erwiderte Goethe, „mich nicht 
so sehen zu wollen wie ich bin, und wendet die Blicke 
von allem hinweg, was mich in meinem wahren Lichte 
zeigen könnte. Dagegen hat SchiUer, der, unter uns, 
weit mehr ein Aristokrat war als ich, der aber weit is 
mehr bedachte, was er sagte, als ich, das merk- 
würdige Glück, als besonderer Freund des Volkes zu 
gelten. Ich gönne es ihm von Herzen imd tröete 
mich damit, dass es anderen vor mir nicht besser ge- 
gangen, so 

Es ist wahr, ich konnte kein Freund der franzö- 
sischen Bevolution sein, denn ihre Greuel standen mir 
zu nahe und empörten mich täglich und stündlich, 
während ihre wohlthätigen Folgen damals noch nicht 
zu ersehen waren. Auch konnte ich nicht gleichgültig 95 
dabei sein, dass man in Deutschland künstlicher 
Weise ähnliche Scenen herbeizuführen trachtete, die 
in Frankreich Folge einer grossen Nothwendigkeit 
waren. 

Ebenso wenig aber war ich ein Freund herrischer so 
Willkür. Auch war ich vollkommen überzeugt, dass ir- 
gend eine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, 
sondern der Eegierung. Revolutionen sind ganz unmög- 

( W. 18, 45, 19- 46, 9), und zu 27, 25 f. die Worte Egmonts su 
Alba (Aufzug 4): „Zu drücken sind sie; nicht zu unter- 86 
drücken" (W. 8, 267, 17 f.). 



1824 DIE AUFGEREGTEN. 29 

[Jannar i, Weimar.] [87] 

lieh, sobald die Regierungen fortwährend gerecht und 
fortwährend wach sind, sodass sie ihnen durch zeitge- 
mässe Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht 
6 so lange sträuben, bis das Nothwendige von unten her 
erzwungen wird. 

Weil ich nun aber die Revolutionen hasste, so nannte 
man mich einen Freund des Bestehenden. 
Das ist aber ein sehr zweideutiger Titel, den ich mir 
10 verbitten möchte. Wenn das Bestehende alles vortreflf- 
lich, gut und gerecht wäre, so hätte ich gar nichts da- 
wider. Da aber neben vielem Guten zugleich viel 
Schlechtes, Ungerechtes und Unvollkommenes besteht^ 
so heisst ein Freund des Bestehenden oft nicht viel 
16 weniger als ein Freund des Veralteten und Schlechten." 
Mit Eckermann. — Gespräche 5, 9—13 (Eekermann 3, 
30-32). 

Mai 28, Weimar. 38 

90 E. W. den neunten und zehnten Band [der Werke 

Cotta^] hiebe! übersendend . . . 

Mit . . angelegentlicher Bitte in dem begonnenen 
Geschäft mit gleicher Geneigtheit fortzufahren* . . 
An Göttling. — G.-Göttllng 8. 7 f. 

26 1826. 

Februar 1, Weimar. 39 

[Aus der ^Anzeige von Goethes sämmtlichen Werken, 
Vollständige Ausgabe letzter Hand.*] 

^Band 4: Gedichte, vierte Sammlung: 
80 Festgedichte; . . Dramatisches; . . . 

^ Göttling sah, seit Ende Januar 1825, Goethes Werke, für 

die »Vollständige Ausgabe letzter Hand', in grammatischer 

und metrischer Hinsicht durch und erhielt zu dieser Arbeit 

die Bände der letzten Gesammtausgabe (Cotta^, je zwei und 

95 zwei, von Goethe zugeschickt. 

Am 12. Juni sandte Gi^ttling beide Bände durchgesehen 
Eurfick. 
• Die Anordnung der Werke Cotta» hat während des Druck» 



80 DIE AUFGEREGTEN. 1826 

[Februar 1, Weimar.] [89] 

Band 6: AeltereTheaterstücke: Die LÄiine 
des Verliebten [7]; Die Mitschuldigen [71; 
Die Geschwister [7]. ...Vorspiele und 
dergleichen: Paläophron und Neoterpe [llj; » 
Vorspiel 1807 [11].; Was wir bringen, 
Lauchstädt [11]; Was wir bringen, Halle 
[11]; Theaterreden [11]. 
Band 7: Grösser eneuereStücke: Götz von 

Berlichingen [8].; Egmont [8]; Stella [10]; lo 
Clavigo [10]. 
Band 8: Grössere ernste Stücke: Iphigenia 
in Tauris [9]; Torquato Tasso [9]; Die na- 
türliche Tochter [9].; Elpenor [10]. 
Band 9: Opern und Oelegenheitsgedich-i5 
t e : Claudine von Villa Bella [10].; Erwin 
und Elmiro [10]; Jery und Bätely [11]; 
Lila [11]; die Fischerin [11].; Scherz, List 
und Rache [11]; Der Zauberflöte zweiter 
Theil [11]; Maskenzüge [13]; Karlsbader ao 
Gedichte; Des Epimenides Erwachen [13].. 

Band 10: Symbolisch-humoristische Dar- 
stellungen: Faust [12]; Puppenspiel 
[13].; Fastnachtsspiel [13];^ Bahrdt [13]; 
Parabeln; Legende; Hans Sachs; Mieding; 25 
Künstlers Erdewallen [13]; Künstlers Apo- 
theose [13]; Epilog zu Schillers Glocke [13]; 

' die Geheimnisse. 

manche Aenderungen erfahren (Juli-September 1827), die aus 
einer Vergleichung des hier folgenden Verzeichnisses mit 80 
Tabelle 8 ersichtlich werden, zur Bequemlichkeit des Lesers 
aber auch hier durch Beifügung der endgültigen Bandzahl 
in [] unmittelbar nach dem betreffenden Titel angedeutet 
worden sind. 
^ Den nicht angeführten »Satyros* begriff Goethe hier wohl Sö 
mit unter .Fastnachtsspiel*, wie er es schon in Band 9 der 
Werke Cotta' gethan hatte. 



1826 DIE AUFGEREGTEN. 81 

[Febniar 1, Weimar.] [19] 

Band 11: Symbolisch - satirische Thea- 
terstücke: Triumph der Empfindsam- 
keit [14]; Die Vögel [14]; Der Gross-Cophta 

5 [1^]-; I^r Bürgergeneral [14]; Die Aufge- 

regten [15]; Unterhaltung der Ausgewan- 
derten. (Letzteres, obgleich nicht eigentlich 
dramatisch, hat man hier angefügt, weil es 
im Sinne der drei vorhergehenden geschrie- 

10 ben ist und das grosse Unheil unwürdiger 

Staatsumwälzung in lebhaftem Dialog vor 
die Seele bringt.) 
Band 12: Epische Gedichte und Verwand- 
tes: Eeineke Fuchs; Hermann und Doro- 

16 thea; AchiUeis; Pandora [40]. 

Band 30 bis 33. (In diesen Bänden wechselt eine grosee 
Mannigfaltigkeit des Inhalts und der Form. 
. . . Die Becensionen in den ,Frankfurter 
Anzeigen^ vom Jahre 1772 geben Anlass, die 

20 frühen ernsteren und muthwilligen Pro- 

ductionen einzuleiten;^ . . Vielleicht fände 
man Baum, frühere Studien, zum Beispiel 
zu ,Götz von Berlichingen*, ,Iphigenia^ imd 
sonst,* zu belehrender Unterhaltung vorzu- 

25 legen.) 

WH. 29, 350-353. 



* So weit diese niclit schon in Band 10 im Anschluss an .Faust* 

Platz finden sollten; also .Prometheus* und »Götter, Helden 

und Wieland*, die in Band 33 der Werke Cotta» den ,Recen- 

30 Bionen* von 1772 folgen; wegen des »Satyros*, den man auch 

hierher setzen könnte, vgl. 30, 35—37. 

» Bei dem „und sonst** i»t vor allem an die ersten Fassungen 
von ,Erwin und Elmlre* und »Claudlne von Villa Bella' zu 
denken, die in die Nachgelassenen Werke Aufnahme fanden. 



82 DIE AUFGEREGTEN. 1826 

l[Mal 8? Weimar.]» 40 

Uebersetzimg meines Theaters.* 
Neuere Wirkungen meiner Arbeiten in Frankreich. 
Veranlassung dazu. 

Siehe Le Globe, Tom. III, No. 55. 1826.'' 5 

Offenbar sind es die Anti-Claseiker, denen meine 
ästhetischen Maximen und die danach gearbeiteten 
Werke als Beispiel sehr gelegen kommen. Sie gehen 
daher sehr verständig zu Werke und behandeln glimpf- 
lich, was ihnen nicht munden will. lo 

Einzelnheiten (zur französischen Litteratur). — WEL 
29, 665. 

Mai 12, Weimar. 41 

Eine Eecension der Uebersetzung meiner dramati- 
schen Arbeiten* hat mir auch viel Vergnügen gemacht. i5 
Verhalt' ich mich doch selbst gegen meine Productio- 
nen ganz anders als zur Zeit, da ich sie concipirte. Nun 
bleibt es höchst merkwürdig, wie sie sich zu einer frem- 
den Nation verhalten und zwar so spät, bei ganz verän- 
derten Ansichten der Zeit. ao 
An K. F. V. Reinhard. — G.-Reinhard S. 270. 



^ Vielleicht später; jedenfalls nicht vor Anfang Mai 1826, denn 
Nr. 55 des ,Globe' war erst am 29. AprU 1826 erschienen; für 
Mai 8 spricht der Ta^ebucheintrag unter diesem Datum: 
„Einiges dictirt über mein Verhältniss zu fremden Littera- 26 
toren und Litteraturen** (Tgb. 10, 189, 15—17), wozu gerade 
Nr. 55 des ,Globe' sehr wohl die Veranlassung geben konnte. 

• Vgl. 24. 21-25, 88. 

• Vom 29. April; hier und in Nr. 64 vom 20. Mal 1826 des 
Pariser Journals ,Le Globe* 3, 294 f. 341—343 besprach Am- 30 
pöre, in seinem Aufsatz »Histoire du th^Ätre de Goethe', die 
24, 21 genannte Uebersetzung. Von diesem Aufsatze Amperes 
machte Goethe einen Auszug, den er, frei in's Deutsche über- 
tragen, in ,Kunst und Alterthum* 5 (3), 131—145 und 6 (1), 
94—111 (1826 und 1827) veröffentlichte (s. Nr. 45 und vgL && 
Nr. 59). 

• Vgl. Z. 5. 



1826 DIE AUFGEREGTEN. 33 



Mal 25. Weimar. 42 

[Vormittags]. Dr. Sulpiz Boiflseröe. lieber einen Auf- 
satz im ,Globe^ Auch fand sich in No. 64 der zweite 
Artikel der Becension der XJebersetzung meiner Thea- 
5 teretücke.^ 

Tgb. 10, 196, 4—7. 

Mai 26, Weimar. 43 

[Morgens] Die Secension meiner Schauspiele im 
.Globe* No. 55 und 64.^ 
10 Tgb. 10, 196, 15 f. 

Mai 29, Weimar. 44 

[Morgens] Dr. [Sulpiz] Boisser^e die Eecension der 
XJebersetzung meiner dramatischen Werke im ,Globe'.^ 
Tgb. 10, 197, 24—26. 

15 ] [Zwischen Mai 31 und August 6, Weimar.] 45 

[In dem 32, 32 — 35 genannten Auszuge, nach einer 
längeren allgemeinen Betrachtung Amperes über Goe- 
thes dichterische Eigenart, fährt Goethe fort:] 

Hier betrachtet nun der wohlwollende Kecensent das 
20 körperliche und sittliche Missgeschick und die daraus 
entstandene Hypochondrie eines jungen Mannes, die 
sich hart und niedrig in den , Mitschuldigen', 
edler und freier im, Werther*, tiefer aber, bedeuten- 
der und weitausgreifender im , F a n s t ' manifestirt: 
25 „Die Unbilden, welche der ersten Liebe des Dichters folg- 
ten, hatten ihn in düstere Niedergeschlagenheit geworfen, 
welche noch durch eine epidemische Melancholie vemi»*nrt 
ward, damals unter der deutsehen Jugend durch Verbreitung 
ShakeiH)€are8 yeranlasst. Eine schwere Krankheit trat noch 
So KU dieser yerdriesslichen Sinnesart hinzu, woraus sie viel- 
leicht entstanden war. Der Jüngling verbrachte mehrere 
Jahre in solchen Leiden, wie die ersten Fehlrechnungen des 
Lebens, die Schwankungen einer Seele, die sich selbst sucht, 
gar oft einer glühenden Einbildungskraft zu fühlen geben, 
86 che sie für ihre Thätigkeit den Zweck gefunden hat, der ihr 
gemäss Ist. Bald aufgeregt, bald entmuthigt. vom Mysticis- 



> Vgl. 32. 5. 2fr-36. 

Graf, Goethe tiber s. Dichtungen T. II, B. 1. 



34 DIE AUFGEREGTEN. 1826 



][Zwisohen Mai 31 and Aogrust 6, Weimar.] [46] 

mus sieb zum Zweifel wendend, wandelbar in seinen Stu- 
dien, seine Neigungen selbst zerstörend, gereizt durcb die 
Gesellscbaft, erdrüelst dureb die Einsamkeit, weder Ener- 
gie füblend zu leben, nocb zu sterben: so war er in eine & 
schwarze TrauriglLeit gefallen, einen scbmerzlicben Zustand, 
aus dem er sieb erst durch die Darstellung des ,Werther* 
befreite, und der ihm den ersten Gedanlten an , F a u s t • 
eingab. 

„Aber Indessen das wirkliche Leben, wie es die gegen- lo 
wärtige Societät bestimmt und geordnet hat, ihn durch sein 
ganzes Gewicht erdrückte, freute sich seine Einbildungs- 
kraft, in jene Zeiten freier Thätigkeit zu flüchten, wo der 
Zweck des Daseins klar vorlag, das Leben stark und einfach. 
Es schien dem melancholischen, entmuthigteu Jüngling, daas 15 
er bequemer unter dem Harnisch des Krie^smannes gelebt 
hätte, besser in der festen Burg des Ritters; er träumte sich 
das alte Deutschland mit seinen eisernen Männern und rohen, 
freisinnigen, abenteuerlichen Sitten. Der Anblick gothischer 
Gebäude, besonders des Doms zu Strassburg, belebte nun ao 
völlig für ihn Jenes Zeitalter, das er vermisste. Die Ge- 
schichte, welche der Herr von Berlichiugen mit eigner Hand 
schrieb, bot ihm das Muster, das er suchte, und gewährte 
ihm den Grund seiner Dichtung. Und so entstand in seinem 
Kopfe das Werk, das Deutschland mit Entzücken aufuahui t6 
und für ein Familienbild erkannte. 

„,Götz von Berlichingeu' ist ein Gemälde oder 
vielmehr eine weitgreifende Skizze des sechzehnten Jahr- 
hunderts; denn der Dichter, welcher erst die Absicht hatte, 
es auszubilden und in Verse zu bringen, entschied sich, sol- so 
ches in dem Zustand, wie wir es besitzen, herauszugeben.^ 
Aber jeder Zug ist so richtig und fest, Alles ist mit so 
grosser Sicherheit und Kühnheit angedeutet, dass man glaubt, 
einen der Entwürfe des Michel Angelo zu sehen, wo einige 
Meisselhiebe dem Künstler zureichten, um seinen ganzen Ge- ss 
danken auszudrücken. Denn wer genau hinsehen will, findet. 



Es muss auffallen, dass Goethe die Irrige Angabe über einen 
„in Versen" geplanten ,Götz* nicht gestrichen hat. Der 
eigentliche „Skizzo" erschien erst nach Goethes Tode, 1833. 
sechzig Jahre nach der Buchausgabe, die der üebersetzung 40 
in den ,Oeuvres dramatiques* zu Grunde liegt. 



1820 DIE AUFGEREGTEX. 35 



][ZwiMheii Mai 81 und August 6, Weimar.] [45] 

dass im , Götz* kein Wort sei, das nicht treffe; Alles geht 
auf die Hauptwirkung los. Alles trägt dazu bei, die grosse 
Gestalt des hinsterbenden Mittelalters zu zeigen. Denn man 
5 kann sagen, das Mittelalter sei elgentiich der Held dieses 
wunderlichen Dramas; man sieht es leben und handeln, 
und dafür interessirt man sich. Das Mittelalter athmet ganz 
und gar in diesem Götzmitderelsernen Hand; hier 
Ist die Kraft, die Rechtlichkeit, die Unabhängigkeit dieser 
10 Epoche; sie spricht durch den Mund dieses Individuums, ver- 
theidigt sich durch seinen Arm, unterliegt und stirbt mit 
ihm." 

Nachdem der Becensent den , C 1 a v i g o ' beseitigt 
und mit möglichster Artigkeit das Schlimmste von 

15 , S t e 1 1 a ^ gesagt hat/ gelangt er zu der Epoche, wo 
der Dichter, in die Welt, in's Geschäft eintretend, eine 
Zeit lang von aller Production abgehalten, in einem ge- 
wissen mittlem Uebergangszustand verweilt, im geselli- 
gen Umgang die düstere Rauheit seiner Jugend verliert 

ao und sich unbewusst zu einer zweiten Darstellungsweise 

^ „II faut avouer, qu'on tombe de bien haut en passant de 
cet 6tonnant ouvrage [,Götz*] aux drames bourgeois de 
Goethe tels que »Clavijo* et ,Stella*. ,Clavijo* fut Ic fruit 
d'un pari auquel donndrent Heu les m6moires de Beaumar- 

7b eliais; il renferme des seines filöes avec une grande habl- 
let6; rintention de Goethe parait avoir 6t6 surtout de raet- 
tre sous la forme dramatique un drame qui l'avait fortement 
frapp6, et il faut convenir qu'il l'a fait avec talent. l'our 
, Stella*, la conception en est r6voltante, et on, aurait beau 

90 jeu pour tralter tout Touvi-age avec s6v6rit6: 11 me semble 
plus curieux d'observer dans cet 6cart möme la nature du 
g^nie de Goethe, toujours ouvert Ä rimpresslon de ce qui 
Tentoure. II ßtait devenu Tidole du public allemand, et 11 
semble avoir voulu servir le public selon son goüt, au lieu 

35 de chercher ä satisfaire le sien. Cettt* faiblesse atteste 
la facilit^ et, si Ton peut dire ainsi, la complaisance de son 
talent. Et peut-6tre, pour que ce poSte, appel4 ä presque 
tout reproduire, eüt accompll le cercle de sa destlnße, 6tait-il 
n^ceesaire qu*il eüt une fois le triste m^rite d*exceller dans 

40 un d^testablo genre" (,Le Globe* 3. 205). 



96 DIE AUF6BRBGTEN. 1826 

[Zwischen M«i 31 und Angast 6« Weimar.] [46] 

vorbereitet, welche der wohlwollende Referent mit eben 
80 viel Ausführlichkeit als Geneigtheit in der Folge be- 
handelt. 

„Eine Reise nach Italien konnte kein gleichgültiges Erelg- s 
nise in dem Leben des Dichters bleiben. Aus einer Atmo- 
sphäre, die schwer und trüb gewissermaBsen auf ihm latstete, 
wie sie einen kleinen deutschen Cirkel umwölken mag, unter 
den glückliehen Himmel von Rom, Neapel, Palermo «'ersetzt, 
empfand er die ganze poetische Energie seiner ersten Jahre, lo 
Den Stürmen entronnen, die seine Seele verwirrten, ent- 
wichen dem Kreis, der sie zu verengen strebte, fühlte er sich 
zum ersten Mal im Besitz aller seiner Krüftc und hatte seit- 
dem an Ausdehnung und Heiterkeit nichts mehr zu gewin- 
nen. Von dem Augenblicke an ist er nicht bloss entwerfend, 16 
und wollte man auch seine Conceptionen nicht alle in gleichem 
Grade glücklich nennen, so wird doch die Ausführung, wo- 
nach man vielleicht in der Poesie wie In der Malerei den 
Künstler am sichersten misst stets für vollkommen zu hal- 
ten sein, 20 

„Nach dem Bekeuntniss aller Deutschen findet sich dieses 
Verdienst im höchsten (»rade in zwei Stücken, wrfche sich 
unmittelbar auf diese Epoche seiner Laufbahn beclehen, in 
, T a s s o * nemlich und ,Iphigenien*. Diese beiden 
Stücke sind das Resultat einer Vereinigung des Gefühls der »& 
äussern Schönheit, wie mau sie in der mittägigen Natur und 
den Denkmalen des Alterthums findet, von einer Seite, und 
von der andern des Zartesten und Allerfeinsten, was in dem 
Geiste des deutschen Dichters sich entwickeln mochte. So 
wird im ,Tas8o* ein geistreicher Dialog angewendet, in 90 
Schattirungen, wie Plato und Euripides pflegen, eine Reihe 
von Ideen und Gefühlen auszudrücken, die vielleicht unserm 
Dichter allein angehören. Die Charaktere der Personen. Ihre 
ideelle Beziehung, der Typus, den eine jede darstellt — man 
fühlt, dass er diess nicht allein in der Geschichte von 35 
Ferrara gefunden hat; man erkennt die Erinnerungen, die 
er von Hause mitbrachte, um sie In den poetischen Z^ten 
des Mittelalters und unter dem sanften Himmel von Italien 
zu verschönem. Mir scheint die Rolle des Tasso gänzlich 
bestimmt zu einer bewundernswürdigen Nachbildung der 40 
Verwirrungen einer Einbildungskraft, die, sich selbst zum 



1826 DIE AUFGEREGTEN. 37 

][Zwischen Mai 31 ond Angnst 6, Weimar.] [46] 

Raube gegeben, an einem Worte eich entflammt, eutmutliigt, 
yerzwelfeit, an einer Erinnerung feetbält, sieh für einen 
Traum entzückt, eine Begebenheit aus jeder Aufregung 

5 macht, eine Marter aus jeder Unruhe; genug, welche leidet, 
geniesst, lebt in einer fremden, unwirklichen Welt, die aber 
auch Ihre Stürme hat, ihre Freuden und Traurigkeiten. Eben- 
so zeigt sich Jean Jacques in seinen ,Reyerien*, und so hatte 
der Dichter sich lange gefunden; und mir seheint, er selbst 

10 spricht au» dem Munde des Tasao, und durch diese liarmoni- 
sehe Poesie hört man den ,W e r t h e r * durch.^ 

„,Iphigenie' ist die Schwester des .Tasso*; diese 
Beiden haben eine Familienähnlichkeit, die sich leicht er- 
klärt, wenn man weiss, dass sie beide zu gleicher Zeit ge- 
lb schrieben sind, und zwar unter dem Binfluss des italienischen 
Himmels. Da er aber in ,Ipihig^ilen', statt der Stürme eines 
kleinen Hofes, die majestätischen Erinnerungen der Familie 
des Tantalus zu schildern hatte und, anstatt der Qualen des 
Wahnsinns der Binbilduiigskmft, das Schicksal und die Fu- 

90 rien, hat er sich zu einer grossem poetischen Höhe erhol)en. 
In diesem Werk, welches die Deutschen und der Autor selbst 
für das vollendetste seiner dramatischen Compositionen hal- 
ten, TerhüUen sich ohne Widerrede die Gefühle einer völlig 
christlichen Zartheit und einer ganz modernen Fortbildung 

95 unter Formen, dem Alterthum entnommen; aber es wäre 
unmöglich, diese verschiedenen Elemente harmonischer zu 
verbinden. Rh sind nicht nur die äussern Formen der grie- 
chischen Tragödie mit Kunet nachgeahmt; der Geist der an- 
tiken Bildkunst, in durchaus gleichem Leben, beseelt und 

80 begleitet mit ruhiger Schönheit die YorstellungeD des Dich- 
ters. Diese Goneeptionen gehören ihm und nicht dem 
Sophokles, das bekenne ich; aber ich könnte ihn nicht ernst- 
haft darüber tadeln, dass er fAch treu geblieben. Und was 
haben denn F6n61on und Racine gethan? Wohl ist der Cha- 

S6 rakter des Alterthums In ihren Werken genugsam einge- 
druckt; aber hat auch der £}lne dort die Elf ersucht der 
Phädra gefunden, der Andere die evangelische Moral, welche 
durch den ganzen , T e 1 e m a c h * durchgebt? Unser Dlch- 



^ Im Original: „ , . il me semble que c*est lui Qui parle par 
40 la bouche du Tasse; et dans cette |>o^le si harmonleuse. sl 
dölicate, 11 y a du Werther" (,Le Globe* 8, 342). 



38 DIB AUFGEREGTEN. 1S20 



] [Zwischen Mtd 31 and Aa^nst 6, Weimar.] [45] 

ter Dun hat wie sie geliandelt; es war keineswegs in seiner 
Art, sich völlig in der Nacliahmung eines Modells zu ver- 
gessen; er hat von der antiken Muse sich eindringliche Ac- 
cente zugeeignet; aber um den Grundsinn seiner Gesänge ihm 6 
einzuflössen, waren zwei lebendige Musen unentbehrlich: 
seine Seele und seine Zeit 

,, , E g m o n t * scheint mir der (Tipfei der theatralischen 
Laufbahn unsere Dichters; es ist nicht mehr das historische 
Drama wie ,GötzS es ist nicht mehr die antike Tragödie to 
wie , I p h i g e n i e ', es ist die wahrhaft neuere Tragödie, 
ein Gemälde der Lebensscenen, das mit der Wahrheit des 
erstem das Einfach-Grandiose der zweiten verbindet. In 
diesem Werke, geschrieben in der Kraft der Jahre und der 
Fülle des Talents, hat er vielleicht mehr als irgendwo das ^^ 
Ideal des menschlichen Lebens dargestellt, wie ihm solches 
aufzufassen gefallen hat. Egmont, glücklich, heiter, verliebt 
ohne entschiedene Leidenschaft, der Süssigkeit des Daseins 
edel geniessend, mit Lebenslust dem Tode entgegengehend — 
diess ist Egmont, der Held des Dichters. 20 

„Nun gibt es aher ein Werk uiiHres Dichters, nicht nur 
keinem sonst vorhandenen vergleichbar, sondern auch abge- 
sondert von seinen eigenen zu betrachten^ Es ist der 
, F a u s t S die seltsame tiefe Schöpfung, das wunderliche 
Drama, in welchem die Wesen jedes Ranges vortreten: vom 25 
Gott des Himmels bis zu den (leistem der Finsterniss, von 
dem Menschen bis zum Thlere und tiefer bis zu Jenen unge- 
stalteten Geschöpfen, welche, wie Shakespeares Caliban, nur 
der Einbildungskraft des Dichters ihr scheussliches Dasein 
verdanken konnten. üel)er dieses sonderbare Werk wäre gar 30 
sehr viel zu sagen; man findet der Reihe nach Musterstücke 
jeder Schreibart: von dem derbsten Possenspiel bis zur er- 
habensten lyrischen Dichtung; man findet die Schilderungen 
aller menschlichen Gefühle, von den widerwärtigsten b's zu 
den zärtlichsten, von den düstersten bis zu den allersüsse- ss 
sten. Indem ich mich aber von dem historischen Standpunct, 
auf welchen ich mich beschränke, nicht entfernen darf und 
nur die Person des Dichters in seinen Werken suchen mag, 
so begnüge ich mich, den , F a u s t * als den vollkommen- 
sten Ausdruck anzusehen, welchen der Dichter von sich selbst 40 
gegeben hat. Ja, dieser , F a u s t *, den er In seiner Jugend 
erfasste, Im reifen Alter vollbrachte, dessen Vorstellung er 



1826 DIE AUFGEREGTEN. 39 

] [Zwischen Mai 31 und Aagiut 6, Weimar.] [46] 

mit sich durch alle die Aufregungen seines Lebens trug, wie 
Camoöns sein Gedicht durch die Wogen mit sich führte, die- 
ser »Faust* enthält ihn ganz. Die Leidenschaft des Wls- 

5 sens und die Marter des Zweifels, hatten sie nicht seine 
jungen Jahre geängstigt? Woher kam ihm der Gedanke, sich 
in ein übernatürliches Reich zu flüchten, an unsichtbare 
Mächte sich zu berufen, die ihn eine Zeit lang in die Träume 
der lUuminaten stürzten und die ihn sogar eine Religion 

10 erfinden machten? Diese Ironie des Mephistopheles, der mit 
der Schwäche und den Begierden des Menschen ein so froT- 
les Spiel treibt, ist diesa nicht die verachtende, spottende 
Seite des Dichtergeistes, ein Hang zum Verdriesslichsein, der 
sich bis in die frühesten Jahre seines Lebens aufspüren 

16 lässt, ein herber Sauerteig, für immer in eine starke Seele 
durch frühzeitigen Ueberdi-uss geworfen? Die Person des 
Faust besonders, des Mannes, dessen brennendes, unermüde- 
tes Herz weder des Glücks ermangeln noch solches geniessen 
luinn, der sich uubt'dingt hingibt und sich mit Misstrauen be- 

20 obachtet, der Enthusiasmus der Leidenschaft und die Muth- 
losigkeit der Verzweiflung verbindet, ist diess nicht eine be- 
redte Offenbarung des geheimsten und erregtesten Theiles 
der Seele des Dichters? Und nun, das Bild seines innem Le- 
bens zu vollenden, hat er die allerliebste Figur Margarethens 

25 hinzugestellt, ein erhöhtes Andenken eines jungen Mädchens, 
von der er mit vierzehn Jahren geliebt zu sein glaubte, deren 
Bild ihn immer umschwebte und jeder seiner Heldinneu 
einige Züge mitgetheUt hat. Diess himmlische Hingeben 
eines naiven, frommen und zärtlichen Herzens contra stiit be- 

30 wundemswürdig mit der sinnlichen und düstem Aufspannung 
des Liebhabers, den in der Mitte seiner Liebesträume die 
Phantome seiner Einbildungskraft und der Ueberdruss seiner 
Gedanken verfolgen, mit diesen Leiden einer Seele, die zer- 
knirscht, aber nicht ausgelöscht wird, die gepeinigt Ist von 

35 dem unbezwinglichen Bedürfniss des Glücks und dem bittem 
Gefühl, wie schwer es sei, [es?] zu empfangen und zu ver- 
leihen. 

„Da der Dichter niemals etwas schrieb, ohne dass man 
gewissermassen den Anlass dazu in irgend einem Gapltel 

40 seines Lebens finden könnte, so treffen wir überall auf Spuren 
der Einwirkung gleichzeitiger Begebenheiten oder auch Er- 
innerungen derselben. Zu Palermo ergreift ihn das geheim- 
nissvolle Schicksal des Gagliostro, und seine Einbildungs- 



40 DIE AUFGEREGTEX. 182« 



J [Zwischen Mai Sl und Antust 6, Weimar.] [46] 

kraft, von lebhafter Neugierde getrieben, kann diesen wun- 
derbaren Mann nicht loslassen, bis er ihn dramatisch gestal- 
tet, um sich selbst gleichsam ein Schauspiel zu geben. So 
entstand der ,Gros8-Cophta', welchem das berüchtigte ^ 
Abenteuer des Halsbandes zu Grunde liegt. Bei'm Lesen die- 
ser übrigens sehr unterhaltenden Komödie erinnert man sich, 
dass der Dichter einige Zeit zu ähnlichem Wahn hinneigte, 
wie der ist, den er entwickelt; wir sehen einen enttäuschten 
Adepten, der die gläubige Exaltation der Schüler sowie die lO 
geschickte Marktschreierei des Meisters darstellt, und zwar 
wie ein Mann, der die eine getheilt and die andere nahe ge- 
sehen hat. Man muss geglaubt haben, um so treffend ül)er das 
zu spotten, woran man nicht mehr glaubt. 

„In den kleinen Komödien bei Gelegenheit der franz<>- i& 
sischen Revolution [, Der Bürgergeneral ', ,Die 
Aufgeregten*] wird man keine übersichtliche Würdig- 
ung dieses grossen Ereignisses erwai*ten, vielmehr nur einen 
Beleg, wie sich die augenblicklichen Einflüsse desselben in 
des Dichters Gesichtskreis läclierlieh und widerwärtig dar- ao 
stellten. Diesen Eindruck hat er auf eine sehr heitere Weise 
im .Bürgergeneral* festgehalten. 

„,Jery und Bätely*, anmuthige Skizze einer Alpen- 
landschaft, ist als eine Erinnenmg einer Schwelzerwandrung 
anzusehen. Nun aber betrachten wir den , Triumph der 86 
Empfindsamkeit*, ein Possenspiel in Aristophanischer 
Manier, als einen Ausfall des Dichters gegen eine Dichtart 
die er selbst in Gang gebmcht hatte. Dieses Stück ist eins 
von denen, welche zu der, nach meiner Denkweise wenig- 
stens, sehr übertriebenen Meinung der Frau von Sta§l An- so 
lass gegeben, dieser trefflichen Frau, welche sonst über uu- 
sem Dichter einige bewundernswürdig geistreiche Seiten ge- 
schrieben hat, und die ihn zuerst [V] in Frankreich durch 
einige freie Uebersetzungen voll Leben und Bewegung be- 
kannt machte. Frau von Staäl sieht in ihm einen Zauberer, 85 
dem es Vergnügen macht, seine eigenen Gaukeleien zu zer- 
stören, genug, einen mystificirenden Dichter, der irgend ein- 
mal ein System festsetzt und, nachdem er es geltend gemacht, 
auf einmal aufgibt, um die Bewunderung des Publicums irre 
zu machen und die Gefälligkeit desselben auf die Probe zu 40 
stellen. Ich aber glaube nicht, dass mit einem so leicht- 
sinnig hinterhaltigen Gedanken solche Werke wären hervor- 
zubringen gewesen. Dergleichen Grillen können höchstens 



1826 DIE AUFGEREGTEN. 41 

] [Zwischen Mai 81 und An^rnst ft, Weimar] [46] 

Geistesspiele und Skizzen des Talents veranlassen, mehr 
oder weniger auffallend; aber ich würde sehr verwundert 
sein, wenn aus einer solchen Quelle etwas stark Brfasstes 

6 oder tief Gefühltes hervorginge. Solche Eulenspiegeleien ge- 
ziemen dem Genie nicht. Im Gegentheil glaube ich gezeigt 
zu haben, dass der Dichter in Allem, was er hervorbrachte, 
seiner Innern Regung gefolgt sei, wie in Allem, was er malte, 
er das nachbildete, was er gesehen oder empfunden hatte. 

10 Mit sehr verschiedenen FMhigkeiteu begabt, musste er in 
einem laugen Leben durch die entgegengesetztesten Zustände 
hindurchgehen und sie natürlich in sehr von einander unter- 
schiedenen Werken ausdrücken. 
„Auch will ich, wenn man es verlangt, wohl zugeben, dass, 

15 indem er den ,Triumph der Empfindsamkeit' nach dem 
»Werther*, die ,Iphlgenie' nach dem ,Götz* schrieb, er wohl 
lächeln konnte, wenn er an diese Verletzung ausschliess- 
Hoher Theorien dachte, an die Bestürzung, In welche er jene 
Menschen werfen würde, die in Deutschland gewöhnlicher 

20 sind als anderwärts und immer eine Theorie fertig haben, 
um sie an ein Meisterwerk anzuheften. Aber ich wiederhole: 
ein solches Vergnügen kann wohl seine Werke begleitet, aber 
nicht veranlasst haben; die Quelle war in ihm, die Verschie- 
denheit gehörte den Umstünden und der Zeit 

25 „Um nun die dramatische Laufbahn unsers Dichters zu 
beschliessen, haben wir von ,Eugenien, der natür- 
lichen Tochter*, zu reden, wovon die erste Abtheilung 
allein erschienen ist. Hier gehören die Personen keinem 
I^nd an, keiner Zeit; sie heissen König, Herzog, Tochter, 

80 Hofmeisterin. Die Sprache übertrifft Alles, was der Dichter 
Volikommnes in dieser Art geleistet hat. Aber» es scheint. 



' Nach diesem „Aber" hat Goethe folgende Stelle des Ori- 
ginals ausgelassen; „ . . mals, comme dit M. Albert Stapfer, 
auteur de la spirituelle notice qui pr^c^de cette traductlon, 

85 II n'y faut chercher ni int^rßt dramatique. nl moeurs, ni 
caractöres veritables; c*est un simple jeu d'imaglmitlon sans 
but et sans lögle fixe, une sorte de i>romenade fantastlque 
dans des rfegions inconnues, parml des creatures d'une autre 
Stoffe que nous. Peut-6tre que les habltants de Saturne sen- 

40 tent et sVxpriment ainsi: le contra Ire an moins n*est pas 
prouvö. 
II semble, . ." (,Le Globe* 3. 343.) 



42 DIE AUFGEREGTEN. 1826 



]lZwi9clien Mai 31 und Auipist 6, Weimar.] [46] 

wenn man die , natürliche Tochter* liest, dass der 
Dichter kein BedürfnlBS mehr empfinde, sich mitzui heilen, 
und im Gefühl, dass er Alles gesagt habe, nunmehr aufgibt, 
seine Gefühle zu malen, um sich in Erdachtem zu ergehen. 6 
Man möchte sagen, dass er, müde, das menschliche Leben 
ferner zu betrachten, nun in einer imaginären Welt leben 
möchte, wo keine Wirklichkeit ihn beschränkte und die er 
nach Belieben zurechte rücken könnte. 

„Also zurückschauend finden wir, dass der Dichter seine lo 
dramatische Laufbahn mit Nachahmung des Wirkliehen im 
»Götz von Berlichlngen* anfängt, durch eine falsche Dichtart. 
ohne sich Tiel aufzuhalten, durchgeht — wir meinen das 
bürgerliche Drama, wo das Herkömmliehe ohne Hochsinn 
dargestellt wird; nun erhebt er sich in «Iphigenien* und ,Eg- 15 
mont' zu einer Tragödie, welche, ideeller alst seine ersten 
Versuche, noch auf der Erde fusst, die er endlich aus den 
Augen verliert und sich in das Reich der Phantasien begibt. 
Es ist wunderbar, dieser Einbildungskraft zuzusehen, die 
sich erst so lebhaft mit dem Schauspiel der Welt abgibt, 20 
sodann sich nach und nach davon entfernt. Es scheint, dass 
die Freude an der Kunst mit der Zeit selbst über das Ge- 
fühl dichterischer Nachahmung gesiegt habe, dass der Dich- 
ter zuletzt sich mehr in der Vollkommenheit der Form ge- 
fiel, als in dem Reichthum einer lebendigen Darstellung. Und 20 
genau besehen, ist die Form im ,Götz* noch nicht entwickelt, 
sie herrscht schon in ,IphigenienS und in der ,natürlichen 
Tochter* ist sie Alles. 

„Diess ist die Geschichte des Theaters unsers Dichters, und 
studirte man seinen Geist in andern Dichtarten, die er ver- so 
sucht hat. würde man leicht auf den verschiedenen Linien 
die Puncte finden, welche denen, die wir auf der unsem an- 
gedeutet lml>en, entsprechen; man würde , Werther* .Götz* 
gegenüber. .Hermann und Dorothea* zur Seite von .Iphlge- 
nlen* finden, und die .Wahlverwandtschaften* würden sehr Sö 
gut als Gegenstück zur .natürlichen Tochter* gelten. 

„Stimmt man uns bei, betrachtet man €k>ethes lltterari- 
sehen Lebensgang als Reflex seines Innern sittlichen Lebens, 
so wird man einsehen, dass zu dessen Verständniss nicht eine 
TJebersetzung einzelner Stücke erforderlich gewesen, sondern 4o 
das Ganze seiner theatralischen Arbeiten; man wird fühlen, 
welches Licht dadurch über diesen Theil seiner Bemühungen 



1826 DIE AUFGEREGTEN. 43 

][Zwi8chen Mai 81 und August 6, Weimar.] [46] 

und seiner übrigen Werke fallen müsse. Diese ist der Zweck, 
den Herr Stapf er auf eine merkwürdige Weiae erreicht; er 
hat in einer gelstreichen und ausführlichen Notiz mit Fülle 
5 und Wahl die Torzüglichsten Ereignisse des Lebens unseres 
Dichters gesammelt und zusammengereiht, in Fragmenten 
aus seinen Memoiren und in einer Anzahl Uebersetzungen 
seiner kleinen Gedichte; diese Mittel erhellen und vervoll- 
ständigen sich wechselsweise. Ihm ist man in dieser Samm- 

10 lung die Uebersetzung des ,GötzS ,Egmont* und ,Faust* 
schuldig, drei Stücke des Dichters, welche am schwersten 
in unsere Sprache zu übertragen sind; Herr Stapf er hat 
sich jedoch talentvoll In diesem Falle bewiesen; denn indem 
er zwischen die Nothwendlgkeit, etwas fremd zu scheinen, 

15 und die Gefahr, Inexact zu sein, sich gestellt fand, so hat er 
muthig das Erste vorgezogen; aber dieser Fehler, wenn es 
einer Ist, sichert uns die Genauigkeit, welche alle Die beruhi- 
gen muss, die vor allen Dingen vom Uebersetzer fordern, 
die Physiognomie und den^ Charakter des Autors überliefert 

30 zu sehen. Die übrigen Theile der Uebersetzung sind nach 
denselben Prlnclplen durchgeführt, und der Platz in unsem 
Bibliotheken Ist diesem Werke angewiesen zwischen dem 
Shakespeare des HeiTU Guizot und dem Schiller des Herrn 
Barante." 

«5 WH. 20, 683-691. 

Mai 31, Weimar. 4ß 

[Morgens] Aus dem ,Globe' einen Theil der Recen- 
sion meiner dramatischen Werke übersetzt.^ 
Tgb. 10. 193, 20-22. 

30 Juni 2. Weimar. 47 

Früh ... an der Uebersetzung aus dem ,Globe^* 
Tgb. 10, 199, 15 f. 

Juni 3, Weimar. 48 

[Früh] Dictirt an der Uebersetzung aus dem ,Globe^* 
35 Tgb. 10, 199, 26. 

' „den" fehlt in den Drucken, wohl unabsichtlich (das Ori- 
ginal hat „ . . transmettre la physionomle et le earaetöre de 
son auteur"). 

' Vgl. 32, 5. 29-36. 



44 DIE AUFGEREGTEN. 182« 

Juni i, Weimar. 49 

[Früh] Einleitung zu dem übersetzten Auszug tier 
Kecension des .Globe^ Nr. 55 und 64.^ 
Tgb. 10. 200. 12 f. 
Juni 10, Weünar. 50 5 

Abends Prof. Riemer. Die französische Kecension 
meiner dramatischen Werke durxjhgegangen.* 
Tgb. 10. 203. 2-4. 
Juni 16. Weimar. 51 

Abends Prof. Riemer. Uebersetzung der französi- lo 
sehen Recension.* 

Tgb. 10. 205. 12—14. 
Juli 5. Weimar. 51 

[Früh] Die Reeension aus dem ,Globe^ durchgesehen, 
dafi Mundum angefangen.^ is 

Tgb. 10, 212. 23 f. 
][Juli 18. 19. Weimar.] 53 

Die dem ersten Theile jener Uebersetzung meiner 
dramatischen Werke vorgesetzte Notiz, meine Lebens- 
ereignisse und schriftstellerische Laufbahn betreffend,* so 
durfte ich bei dieser Gelegenheit auch nicht ausser Acht 
lassen. 

Jene Reeension, deren Auszug wir oben [Kunst und 
Alterthum 5 (3), 131 — 145; s. Nr. 45] mitzutheilen an- S5 
gefangen, . . Reeension und Notiz sind übereinstim- 
mend, nicht gleichlautend, und für mich gerade in dem 
Augenblick höchst bedeutend, da es mir zur Pflicht ge- 
worden, mich mit mir selbst, meinem Greleisteten und 
Vollbrachten, wie dem Verfehlten und dem Versäumten 50 

zu beschäftigen. 
Kunst und Alterthum 5 (3). 171. 174. - WH. 29. 692 f. 



* Vgl. 32, 5. 29—^. Vielleicht betrifft auch der Tagebuch- 
vermerk vom 5. Juni die selbe Arbelt: „[Fi-üh] Verschiedene 
einleitende Vorworte zu einzelnen Artikeln von Kunst und 35 
Alterthum" (Tgb. 10. 200. 24 f.). 

* Vffl. 32. 5. 29-36 und 25. 12. 



1826 DIB AUFGEREGTEN. 45 



Juli 18, Weimar. 64 

[Früh] Notiz über mein Leben und Schriften von 
Stapfer vor der Uebersetzung meiner dramatischen Ar- 
beiten. . . . [Nachmittags] Vorarbeit auf morgen früh. 
5 Die Notiz über mein Leben von Stapfer vor der Ueber- 
setzung.^ 

Tgb. 10, 218, 22-24. 219, 3-5. 
Juli 19, Weimar. 55 

[Früh] Stapf ers Notiz geendigt. Ueberlegung, was 
10 darauf zu sagen.' 

Tgb. 10, 219, 7 f. 

August 1, Weimar. 5a 

Mittag für uns. Las den Schluss der französischen 
Eecension übersetzt.* 
lö Tgb. 10, 224, 7 f. 

August 6, Weimar. 57 

[Abends?] Completirung der französischen Ueber- 
setzung meiner theatralischen Werke.* 
Tgb. 10. 227, 2 f. 

20 1827. 

Febi-uar 20, Weimar. 58 

[Früh] Den elften Band vorgenommen und absol- 
virt.° 

Tgb. 11. 23, 20. 

25 Mai 3, Weimar. 59 

Die höchst gelungene Uebersetzung der dramatischen 
Werke Goethes von Stapf er hat in dem zu Paris erschei- 
nenden ,61obe^ des vorigen Jahres durch Herrn J. J. 

' Vgl. 25, 12. 32. 5. 2^-36 und Nr. 53. 
30 " Vgl. 25, 12 und Nr. 53. 

• Vgl. 32, 29-36. 42, 29-43, 24. 

* Vielmehr wohl des Auszugs aus seiner deutschen Uebersetz- 
ung von Amperes Besprechung der ,Oeuvre8 dramatif|uef»% 
vgl. 32, 29—36 und Nr. 45. 

35 * Die Druokvorlage für Band 11 der Werke Cotta*, dessen In- 
halt 8. 31, 2—7. 



46 DIE AUFGEREGTEN. 1827 



[Mai 3, Weimar.] [59] 

Ampere eine Beurtheilung gefunden^ die nicht weniger 
vortrefflich ist, und die Goethen so angenehm berührte, 
dass er sehr oft darauf zurückkam und sich sehr oft mit 
grosser Anerkennung darüber ausliess.* s 

„Der Standpunct des Herrn Ampere", sagte er, „ist 
ein sehr hoher. Wenn deutsche Reccnsenten bei ähn- 
lichen Anlässen gern von der Philosophie ausgehen imd 
bei Betrachtung und Besprechung eines dichterischen 
Erzeugnisses auf eine "^eise verfahren, dass dasjenige, lo 
was sie zu dessen Aufklärung beibringen, nur Philo- 
sophen ihrer eigenen Schule zugänglich, für andere 
Leute aber weit dunkler ist als das Werk, das sie er- 
läutern wollen, selber, so benimmt sich dagegen Herr 
Ampdre durchaus praktisch und menschlich. Als einer, w 
der das Metier aus dem Grunde kennt, zeigt er die 
Verwundtschaft des Erzeugten mit dem Erzeuger und 
beurtheilt die verschiedenen poetischen Productionen als 
verschiedene Früchte verschiedener Lebensepochen des 
Dichters. ao 

„Er hat den abwechselnden (Jang meiner irdischen 
Laufbahn und meiner Seelenzustände im Tiefsten stu- 
dirt und sogar die Fähigkeit gehabt, das zu sehen, was 
ich nicht ausgesprochen und was, so zu sagen, nur zwi- 
schen den Zeilen zu lesen war." s5 
Mit Eckonnanii. — Gespräche 6, 118 f. (Eckermauu 3, 
109 f.). 

JudI 0, Weimar (GartenhMusehen). 00 

[Früh] Die dritte Sendung meiner AVerke aus der 
Stadt holen lassen.^ w 

Tgb. n. 67. 12 f. 



* Vgl. 24, 21 u. Nr. 46. Stapfer imd Ampere waren zur Zeit 

dieses Gespräches In Weimar. 
' Band 10—14 der Werke Cotta*, die als Dnickvoilage dienen 

soHten für Band 11—15 (~ Lieferung 3) der Werke Ootta«. ss 

gemäss dem für dieselben ursprünglich geplanten Inhalt. 

wie er 31, 2—16 nachzusehen. 



1827 DIE AUFGEREGTEN. 47 



Juni 30. Weimar. 61 

[Früh] Die Correctur der dritten Sendung meiner 
Werke weiter gefördert und einigen Nachtrag zu der 
zweiten gefördert.^ 
6 Tgb. 11. 78, 1-3. 

Juli 3, Weimar. 62 

[Früh] An der Correctur der nächstfolgenden Bände 
meiner Werke/ sowie an der Uebersicht des Ganzen 
gearbeitet. 
10 Tgb. 11. 79, 8-10. 

September 17, Weimar. 63 

[Früh] Absendungen nach Stuttgart und Augsburg 
vorbereitet in Bezug auf die Herausgabe meiner Schrif- 
ten [s. Nr. 64. 65]. 
15 Tgb. 11. 111, 14—16. 

September 18, Weimar. 64 

Anbei sende die Eintheilung der verschiedenen poe- 
tischen Arbeiten in die fünf Bände der dritten Liefe- 
nmg [Band 11 — 15 der Werke Cotta*]; das Meiste ist 
90 nun schon in Ihren Händen, das Original zum 14. und 
15. Bande folgt nächstens. Die beiden ungedruckten 

* Wegen Lieferung 3 s. 46, 34—37; den ursprünglich geplanten 
Inhalt von Lieferung 2: Band 5—9 der Werke Cotta', die 
als Dniekvorlage tiXr Band 6—10 der Werke Cotta* dienen 

96 sollten, s. 30, 2—28. 

• Die 46, 34—37 angegel>enen Bände. 

— In den folgenden Wochen und Monaten vollzog sich 

die ümordnung des Inhalts mehrerer Bände der Werke Cotta*, 

deren Ergebniss die in [] beigefügten Bandzahlen in Nr. 39 

so deutlich machen. Folgende Tagebuchvermerke kommen hier 

in Betracht (Tgb. 11, 84. 1—3. 6 f. 88, 3 f.): 

Juli 12: „[Brief an] Hn Relchel nach Augsburg. Enthal- 
tend die Zustimmung zu der veränderten Bände- 
Eintheilung." 
15 Juli 13: „Beschäftigung mit der abgeänderten Eintheilung 

meiner Werke." 
Juli 21: „ . . Über die neue Ordnung der Werke nachge- 
dacht." 



48 DIB AUFGEREGTEN. 1827 

[September 18, Weimar.] }H] 

Anfügungen zum 12. und 15. Band send« spater.^ . . . 
Haben Sie bei der von mir intentionirten Eintheilung 
noch irgend etwas zu erinnern, so bemerken Sie solches 

gefällig. • 

An Relchel. — GJ. 2, 304. 

Sei)t*iinber 21, Weimar. 65 

[Früh?] Nebenstehendes: . . . [Brief und Sendung 
an] Hn Factor Beichel, Packet enthaltend die letzten 
Bände [14 und 15] der dritten Lieferung [der Werke lo 
Cotta»].^ 

Tgb. 11, 113, 3-5. 

1898. 

Juni 28, Weimar. 66 

[Morgens?] Der Buchbinder brachte die dritte Liefe- u 
rang [Band 11 — 15 der Werke Cotta'] eingebunden. 
Tgb. 11, 237, 18 f. 
October 20, Weimar. 67 

[Abends? Sendung an] Hn Prof. Göttling die dritte 
Lieferang [Band 11 — 15] meiner Werke [Cotta*], 90 
Jena.* 

Tgb. 11, 2Ö3, 13 f. 

' Wegen der neuen Eintheilung ygl. Nr. 39 und 47, 27—^. Die 
uDgedruckten Anfügungen waren fttr Band 12 V. 4618--6036 
von , Faust*, das helsst: vom zweiten Thell die ersten Scenen s& 
des ersten Acts, bis zu den Worten: 

„Wie*8 oft geschieht, mir widerlichst missfällt" 
in der Scene ,Lu8tgarten*; für Band 15 die , Novelle*. 

• Band 15 Jedoch vorerst noch ohne die ,Novrfle* (s. Epos 1, 
237, 21). Am 13. März 1828 schrieb Reichel an Goethe wegen 30 
vorgenommener Verbesserung einiger Ungenauigkeiten in der 
Druckvorlage der .Aufgeregten* für Band 15 (s. W. 18, 303 f.); 
dieser wurde Ostern 1828 In Lieferung 3 der Werke Cotta" 
ausgegeben. 

* Diese Sendung muss liegen geblieben sein, denn Band 11 86 
ging, nach Tgb. 11, 2Ö5, 7 f., erst am 25. October, Band 12- 
15, wie Nr. 68 beweist, erst am 8. November an Göttling ab, 
und zwar zur Revision für den Druck der sogenannten 
,Octa V- A usgabe*. 



1828 DIE AUFGEREGTEN. 49 

November 8. Weimar. 68 

E. W. erhalten hiebei die übrigen vier Bändehen 

[12 — 15] der dritten Lieferung [der Werke Cotta'], 

um sie nach Gelegenheit gefällig zu beriieksichtigen; . .^ 

6 An Göttling. — G.-Göttling S. 62. 

1889. 

Februar 9, Weimar. 69 

Sehr ungern ersuche E. W. die Revision der noch 
übrigen Bäadchen [13 — 15] der vorigen [dritten] Lie- 

10 ferung [der Werke Cotta*] zu fördern; der zwölfte Band 
der Oetavausgabe ist schon abgedruckt, und die Setzer 
lechzen nach den folgenden. Könnt' ich nur den drei- 
zehnten Band indessen haben, so wäre jenes Bedürfniss 
einigermassen gestillt. 

16 An Göttling. — G.-Göttilng S. 73. 

März 8, Weimar. 70 

[Vor Mittag?] Nebenstehendes abgesendet: [an] 
Hn Factor Reichel nach Augsburg fünfzehnten Band 
[der Werke Cotta«] revidiri;.^ 
20 Tgb. 12, 34, 28-35, 2. 

* Vgl. 48. 38 f. 

- Als Druckvorlage für die ,Octav- Ausgabe*. 




OrSf, Goethe über 8. Diebtungen T. II, B. 3. 



B e 1 s a z a r. 



Hapdschrifteni Nur die 51, 34 f. genannten zwanzig Verse in 
Goethes Brief an seine Schwester sind beluuint (im 
Goethe- und Schiller- Archiv). 

Erster Druck: 1886, in Goethes Brief an Cornelia, GJ. 7, 11 f. 5 

Weimarer Ausgabe: 1887, Br. 1, 25, 5—26, und 1896, unter dem 
Titel ,Versuch einer poetischen Ausarbeitung Belsazars', 
W. 37, 49. 



1765. 

Octoher 30, Leipzig. 71 10 

Das beste Trauerspiel-Mädchen sah ich nicht mehr.^ 
Wenn Ihr nicht noch vor Eurer Abreise erfahret, was 
sie von ,Belsazar* denkt, so bleibt mein Schicksal un- 
entschieden. Es fehlt sehr wenig, so ist der fünfte Auf- 
zug fertig. In fünffüssigen Jamben. is 
Die Versart, die dem Mädchen wohl gefiel, 
der ich allein, Freund, zu gefallen wünschte. 



* In Frankfurt Ende September, vor seiner Abreise nach Leip- 
zig. Unter dem Mildchen vermuthet Düntzer (Goethes Leben 
S. 56) eine Schauspielerin und hält sie für die „W.", deren » 
Groethe In seinem Briefe an Moors vom 1. October 1766 ver- 
ächtlich gedenkt (Br. 1, 61, 2); vgl. auch Schröer WK. 6, VIII, 
der unter „Belsazar" (Z. 13) Goethe selbst versteht (Goetho 
nenne sich hier Belsazar, „wie er später in Wetzlar Götz ge- 
nannt wurde**). w 



1765 BELSAZAR. 51 



(October SO, Leipzig.] [71] 

Die Versart, die der grosse Schlegel* selbst 
und meist die Kritiker für's Trauerspiel 
die schicklichsten und die bequemsten halten. 
* Die Versart, die den meisten nicht gefällt, 

Den meisten, deren Ohr sechsfüssige 
Alexandriner noch gewohnt. Freund, die, 
die ist^s, die ich erwählt, mein Trauerspiel 
zu enden. Doch was schreib' ich viel davon, 
10 Die Ohren gellten dir gar manchesmal 

von meinen Versen wieder, drum, mein Freund, 
erzähl' ich dir was Angenehmeres. 
An Riese. — Br. 1, 1(5, 19- 17, 11. 

December 7, Leipzig. 72 

15 Ich schreibe jetzt von meinem ,Belsazer^ 

Fast ist der letzte Aufzug auch so weit 
Als wie die andern sind.^ Doch wiss' du das: 
In Versen, wie hier die, verfertigt' ich 
Die fünfte Handlung. Dieses, Schwester, ist 
.50 Das Versmass, das der Brite braucht, wenn er 

Auf dem Kothurn im Trauerspiele geht. 
Jetzt steh' ich still, und denk' den Fehlem nach, 
Den Fehlem, die so häufig sind, wie hier 
Studenten sind. Da denk' ich nach, und die 
■26 Verbessr' ich. Dir schick' ich vielleicht einmal 

Etwas davon,' wie auch von dem, was ich 
Sonst noch in Version schrieb. . . . 



^ Goethe denkt an Johann Elias Schlegel, auf den das Gesagte 
:80 aber weniger als auf dessen Bruder Johann Heinrich Schle- 
gel passt (vgl. auch v. Loepers Bemerkung WH. 21, 255). 

* Das heisst: fast fertig (tibereinstimmend mit 50, 14 f.). 

• Er erfüllte diese Zusage noch im selben Briefe, Indem er 
der Schwester die ersten zwanzig Verse (Alexandriner) des 

.85 Trauerspiels abschrieb, und zwar unter der 52, 2 f. mltge- 
thellten Ueberschrift. Diese Ueberschrift (der Ton liegt in 



52 BBLSAZAR, 1766 

[December 7, Leipsigr.] [72] 

Versuch einer poetischen Ausarbei- 
tung Belsazars. 
Erster Aufzug, Erster Auftritt 

5 

An seine Schwester. — Br. 1, 24, 14— 26. 25, 5 f. 

1767. 

Mai 11, Leipzig. 73 

Du bist begierig, etwas von meinen Trauerspielen zu 
wissen, und darauf muss ich Dir sagen, dass ich bisher lo 
auf nichts als auf die Plane* gedacht, weil ich die Aus- 
führung für meine noch zu schwachen Schultern un- 
möglich fühle. Mein ,Belsazer' ist zu Ende, aber ich 
muss von ihm sagen, was ich von allen meinen Riesen- 
Arbeiten sagen muss, die ich als ein ohnmächtiger i6 
Zwerg unternommen habe. 

An seine Schwester. — Br. 1, 90, J>— 10. 



ihr doch wohl auf dem Worte „poetischen") scheint mir zu 
beweis^i, dass die vier Aufzüge, die Goethe, mehr oder weni- 
ger fertig, mit nach I^eipzig brachte, nicht poetisch ausge- so 
arbeitet, sondern in Prosa geschrieben waren. WUren sie in 
Alexandrinern abgefasst gewesen, so hätte es Iteinen Sinn, 
dass Goethe Ck>melien, der sie doch gewiss Ijekannt waren. 
Jetzt 20 Verse al)8chreibt mit der ausdrticklichen Bemerkung 
„Versuch einer poetischen Ausarbeitung". Letztere beschäf- 2b 
tagt ihn zur Zeit; auf sie, nicht auf das neue Versmass der 
fünffüssigen Jamben beziehe ich auch die Worte 51, 22—25. 
Düntzers Behauptung (Goethes Leben S. 56i: Aufzug 1-4 
seien „abwechselnd in Alexandrinern und fünffüssigen Jam- 
ben geschrieben", die auf 51, 5—9 beruht, scheint mir 80 
nach dem Gesagten unhaltbar; aber auch sonst nimmt man, 
so viel ich sehen kann, keine erste Fassung in Prosa an 
(vgl. WH. 21, 256, Weissenfeis S. 36). 

^ .Der Thronfolger Pharaos* (von dem Goethe im unmittelbar 
Folgenden spricht), vielleicht auch »Isabel'. .Selima* und 86 
.Ruth*, biblische Dichtungen, über deren Fonn wir nichts 
wissen (vgl. 53, 2. 26 f.). 



1767 BELSAZAR. 53 



October 12, Leipzig. 74 

,Belsazer^, .Isabel', ,Ruth', ,Selima', ppppp haben 
ihre Jugendsünden nicht anders als durch Feuer büssen 
können.^ 
6 An seine Sdiwester. — Br. 1, 115, 1—3. 

1809. 

][Nach October 10, VJ 75 

[Zu 1765 — 1767. — Im ältesten biographischen Sche- 
ma, das Goethe während des letzten Vierteljahres 1809 
10 für ,Dichtung und Wahrheit' zu entwerfen begann, 
heisst es unter] 

1765: ... Madame Boehme. Lässt das, was ich hoch- 
schätzte, nicht gelten. Klärt mich auf. Ver- 
achtung des modernen Deutschen. Aber auch 
w alles dessen, was ich gethan. Des Schreibsais 

von Hause . . * 
W. 26, 355, 15-18. 

1812. 

][Mäns, Apiil, Weimar, Jena oder Mai, Juni, Karlsbad.] 76 

90 • [Zu 1765 — 1767.] Diese Geschmacks- und Urthcils- 
imgewissheit* beunruhigte mich täglich mehr, so dass 
ich zuletzt in Verzweiflung gerieth. Ich hatte von mei- 
nen Jugendarbeiten, was ich für das Beste hielt, mit- 
genommen, theils weil ich mir denn doch einige Ehre 
25 dadurch zu verschaffen hoffte, theils um meine Fort- 



* Vgl. 52, 12—15. Unter dem langen Etcetera verbirgt sich wohl 
auch der Plan zum ,Thronfolger Pharaos*. Genaueres über 
den Zeitpunet dieser Verbrennung wissen wir nicht; ver- 
muthUch fand sie im August 1767 Statt, am 28. oder kurz 

30 vorher (vgl. wegen der T^jrika Br. 1. 97). 
Sachlich gehören hierher Nr. 75. 76. 

* Die Ausführung dieses Scheraas bringen die letzten Absätze 
von Buch 6 in »Dichtung und Wahrheit', von denen hier nur 
der Schluss (Nr. 76) in Betracht kommt. 

85 • Vgl. Z. 12-16. 



54 BELSAZAR. 1812 

][MIrz, April, Weimar, Jena oder Mai, Jani, Karlsbad ] [76] 

schritte desto sicherer prüfen zu können; aber ich be- 
fand mich in dem schlimmen Falle, in den man ge- 
setzt ist, wenn eine vollkommene Sinnesänderung ver- 
langt wird, eine Entsagung alles dessen, was man bis- * 
her geliebt und für gut befunden hat. Xach einiger 
Zeit und nach manchem Kampfe warf ich jedoch eine 
so grosse Verachtung auf meine begonnenen und ge- 
endigten Arbeiten, dass ich eines Tages Poesie \md 
Prose, Plane, Skizzen und Entwürfe sämmtlich zugleich lo 
auf dem Küchenherd verbrannte,^ und durch den das 
ganze Haus erfüllenden Rauchqualm unsere gute alte 
AVirthin in nicht geringe Furcht und Ang^t versetzte. 
DlchtUDg und Wahrheit Theil 2 Buch 6. — W. 27, 68, 

^ Von dramatischen Dichtungen kommt hier, ausser den 53, 
2. 27 genannten ..Jugendsünden'S noch die in Prankfurt zu- 
Hickgelassene .Amioe* In Betracht, auf die Goethe gleich- 
falls eine „grosse Verachtung" geworfen hatte (s. Nr. 2); 
sodann das Heldengedicht »Joseph*, s. Epos 1, 200—205. . » 



■^^ 




Der Bfirgergeneral. 



Hemdschriften: Eine Tollstiindige Reinschrift von Schreiber- 
hand (vgl. GJ. 16, 266 f.). 
Erster Druck: 1793, anonym, unter dem Titel ,Der Bürger- 
5 general. Bin Lustspiel in einem Aufzuge. Zweite Fort- 

setzung der beiden Billets. Berlin. Bei Johann Friedrich 
ünger. 1798.* 
Zweiter Druck: 1808, Werke Cotta* 9, 257-316. Titel wie in 
Druck 1. 
10 Dritter Druck: 1817, Werke Cotta* 10, 257—316. Titel wie In 
Druck 1. 2. 
VierUr Druck: 1828, Werke Cotta» 14, 251-307. Titel wie in 

Druck 1—3. 
Weimarer Ausgabe: 1894. W. 17, 251-308 und 305-398. Titel 
.15 wie in Druck 1—4; Stellung wie in Druck 4 (vgl. Tabelle 3). 



l^ebersicht der Aufführungen 
Goethes Theaterleitung. 



unter 



20 



1. 1793 Mai 2 in Weimar. 

2. „ « 29 in Weimar. 

3. „ Juni 27 in Laachstädt. 

4. „ Anguit 34 in Erfkirt. 

5. „ December 81 in Weimar. 

6. 1794 September 5 in Radolstadt. 

7. 1800 November 12 in Weimar. 

8. 1801 November 80 in Weimar. 



9. 1802 JaU 31 in Lauchstädt. 

10. « Augast 22 in Radolitadt. 

11. „ October 16 in Weimar. 

12. 1803 Juli 25 in Lauchstädt. 

13. « October 24 in Weimar. 

14. 1804 Mai 16 in Weimar. 

1^ „ Anguft 13 in Laachstädt. 
16. 1805 Januar 16 in Weimar. 



?März 20, 

?Mai 30. \ Weimar. — s. Nr. 3—5.* 

?Juli 4, 



76 a— c 



so * Nr. 3—5 kommen, obgleich nicht unmittelbar auf den ,Büi'- 
gergeneral* besfiglich, hier doch in Betracht; denn, wenn 
auch das Auftreten des Schauspielers Beck als Schnaps die 
Veranlassung zur Niederschrift des Stücks gewesen ist (vgl. 



56 



DER BÜRGBRGBNERAL. 



1798 



1793. 

*Mal 17. Frankfurt. 77 

Nächstens erhältst Du vrunderliehe Dinge, ich bin sehr 
fleissig.* 

An F. H. Jacob!. — Br. 10, 59, 4 f. 



Nr. 102), so ist doch zu bedenken, dass die beiden kleinen 
Lustspiele, welchen Goethe die Idee zu dem seinigen ver- 
dankt (vgl. 57, 26. 58, 3 f.), bereits vom Juli 1791 an wiederholt 
vom Weimarer Hoftheater aufgeführt worden waren. 
* Die Dichtung entstand 17Ö3 Innerhalb drei bis acht Tagen lo 
(vgl. 58, 19. 69, 23 f.), und zwar nach dem 16. April, wo Beck 
zum ersten Male In Weimar den Schnaps spielte, und vor dem 
27. April; denn an diesem Tage liquldlrt der Schreiber schon 
„für Abschrift des ,Btirgergeneral8* für's Theater", ebenso 
am 30. April „für 14 Bogen und 12 Bogen ,Bürgergeneral' " 15 
(Burkhardt II S. 5). Schon am 2. Mai fand. In Goethes Gegen- 
wart (vgl. 59, 10 f.), die erste Aufführung Statt, in folgender 
Besetzung (für 1793 nach Genast 1, 302): 



80 



1793 
Personen. -^^^ ^ 


1802 
October 16. 


1808 
October 24. 


Rose 


Demmer. 

Vohs. 

Malcolmi. 

Becker. 

Beck. 

We3rrauch. 


Müler. 

Haide. 

Malcolmi. 

Cordemann. 

Becker. 

Spitzeder. 


Maas. 

Unzelmann. 

Malcolmi. 

Corderoann. 

Becker. 

SpiUeder. 


Görge 

Märten 

Der Edelmann .... 

Schnaps 

Der Richter 



26 



Goethes Name ist weder bei dieser ersten, noch bei den 
späteren Vorstellungen auf dem Theateraettel genannt. 

Ueber die Aufführung vgl. 22, 33—23, 19. 68, 30-69, 7 u. 
Genast 1, 93; Ludecus erzählt als Augenzeuge, dass „dieses 80 
kleine Lustspiel und besonders die Scene, wo der Btirgergene- 
ral die Zubereitung einer fetten Milch benutzt, um eine Er- 
klärung der französischen Revolution zu geben, jedesmal mit 
dem grössten Beifall aufgenommen wurde. Wenn aber ein 
paar Jahre darauf der ,Bürgergeneral* wieder auf dem Thea- 85 
ter erschien und kein Glück mehr machte, so lag die Ursache 
daran, dass es ein Gelegenheitsstück war, welches mit dem 
Verlauf der Zelt auch sein Interesse verloren hatte" (,Aub 
Goethes Leben. Wahrheit und keine Dichtung. Von einem 
Zeltgenossen (W. C.) Leipzig, Hermann Härtung. 1849* S. 51). 4o 

Sachlich gehören hierher Nr. 102. 107, sowie 22, 25— 23, 19. 
* „fleissig" bezieht sich wohl auf die Vorbereitung für den 



17Ö3 DER BURGER(;ENERAL. 57 



Mai 26, Frankfurt. 78 

Hierbei folgt ein Schauspiel, dem ich guten Empfang 
wünsche. 

6 Gib das Lustspiel nicht aus der Hand.* 

An F. H. Jacobi. — Br. 10, 60, 8 f. 11. 

Jnnl 6, Lager bei Marienbom. 79 

Ich freue mich, wenn der ,Bürger-(}eneraP Sie unter- 
halten hat,* und wenn ich so glücklich gewesen bin, 
10 in dieser ernsthaften Sache leicht und anmuthig zu 
scherzen. Geben Kenner dem Stückchen Beifall und 
schreiben ihm einigen ästhetischen Werth zu, halten 
Wohlgesinnte es auch moralisch und politisch nützlich, 
so kann es mir desto angenehmer sein, wenn es zum 
1* Schiboleth dient, thörige oder tückische Unpatrioten in 
Deutschland zu entdecken. 

An Bertuch. — Br. 18. 48. 18—49. 4. 

Juni 7, Lager bei Marienbom. 80 

Der Beifall, den Du meinem ,Bürgergeneral^ 

20 gibst,* ist mir viel werth. So ein alter Praktikus ich bin, 
weiss ich doch nicht immer, was ich mache, und diessmal 
besonders war es ein gefährliches Unternehmen. Bei 
der Vorstellung nimmt sich das Stückchen sehr gut aus. 
Da Du die vorhergehenden Stücke nicht kennst, muss 

26 ich Dir Auskunft geben. ,Die beiden Billets' 
sind ein Nachspiel nach dem Französischen, von einem, 
der sich Anton Wall nennt, ich weiss nicht, ob er so 



Druck, der noch Im Mai begann (vgl. Br. 10, 379 zu 73. 9), — 
oder auf »Relneke Fuchs*? 

• Dieselbe Abschrift, deren Goethe 59. 15 wieder gedenkt. 

• Wohl in der zweiten Aufführung, am 2t>. Mai. 

• In Jacobis (ungedruckteni) Briefe vom 8. Juni (vgl. auch 
59, 12). 



58 DER BÜRGER(^ENERAL. 1793 



[Juni 7, Lager bei Marlenborn.] [80] 

heiest.* Darin spielen Rose, Görge, Schnaps. 
Derselbe Autor sehrieb eine Fortsetzung , D e r 
Stammbaum ^ in welcher zu genannten Personen 
der alte Martin hinzukommt. Da nun diese Stücke, 5 
besonders das erste, ziemlich beliebt sind und die Cha- 
raktere schon bekannt, ich auch keine Exposition 
brauchte, so nahm ich die Figuren als Masken, und that 
noch den Richter imd den Edelmann hinzu, 
hielt mich aber so, dass das Stück auch ohne die vorigen 10 

bestehen kann. 

An F. H. Jacobi. ~ Br. 10, 73, 4-22. 
Juni 7, Lager bei Marieuborn. 81 

^Dem jBürgergeneral^ wünscht' und hofft' ich Euren 
Beifall, und ist mir um so lieber, dass Ihr es gut zuerst 15 
habt spielen sehen. Die kleinen Productionen haben den 
Vortheil, dass sie fast eben so geschwind geschrieben als 
erfunden sind. Von dem Aronicnt, in dem ich die erste 
Idee hatte, waren keine drei Tage verstrichen, so war 

^ Goethe liiolt sich in diesen Angaben an das, was das Titel- 90 
blatt des, 1782 erschienenen, Stückes l>e8agt: ,Die beiden 
Billets. Nachspiel in Einem Aufzuge. Nach dem Französi- 
schen bearbeitet von Anton- Wall. I^ipzig, im Verlage der 
DykiPchen Buchhandlung. 1782*. Verfasst wurde das Lust- 
spiel .Les deux billets* 1779 von dem Franstosen Florian; ss 
Christian Leberecht Heyne, der sich des Pseudonyms Anton- 
Wall (nicht Anton Wall) bediente, übersetzte es und ver- 
fasste, im engen Anschluss daran, selbst das Lustspiel ,Der 
Stammbaum*, das mit der Bezeichnung , Erste Fortsetzung 
der beiden Billets* 1701 in Leipzig erschien. So konnte Gtoethe so 
sein Stück als .zweite Fortsetzung der beiden Billets* bezeich- 
nen (auch die erste scenische Anweisung — W. 17. 253, 1 — 
nimmt noch auf diesen Zusammenhang Bezug). Vgl. 18, 20— 
26 und 22. 25-38. 

* Herders Frau schi^ibt am 2. Juni ausführlich an Goethe 35 
über den Eindruck der Aufführung am 29. Mai, der sie mit 
ihrem Manne beigewohnt und die sie beide „auf's höchste 
erfreut und erbaut** hatte (GJ. 8, 28 f.). 



17Ö3 DER BURGERGENERAL. 59 



[Jani 7, lAger bei Marienborn.] [81] 

es fertig.* Ich hoffe, es soll mich weder ästhetisch noch 

politisch reuen, meiner Laune nachgegeben zu haben. ^ 

An Herder und dessen Frau. — Br. 10, 75, 6—14. 

6 Juli 7, Lager bei Marienbom. 82 

Hier sende ich einen ,Bürgergeneral^ Das Stück thut, 
wie ich höre,' gute Wirkung. Es ist mir lieb, dass ich 
mich nicht verrechnet habe. 

10 Den jBürgergeneral' habe ich vor meiner Abreise in 

Weimar spielen lassen, er nimmt sich sehr gut aus. Es 
freut mich, dass er bei Dir die Probe hält.* 
An F. H. Jacobi. — Br. 10, 88, 1-3. 91, 4-6. 

Juli 19, [Lager bei Marienbom.] 83 

15 Schicke doch das Manuscript vom ,BürgergeneraP der 

Fürstin [Gallitzin],* Du erhältst einen gedruckten von 
Frankfurt.* 

An F. H. Jacobi. — Br. 10. 97, 9—11. 



*■ Naeli 69, 23^-25 entstand das Stück in acht Tngeu. 

to • Auch Meyef schrieb (am 14.?): das Stück habe „der kleinen 
Zahl Menschen von gutem Geschmack zum Entzücken ge- 
fallen, auch bei dem grösseren Publicum Erfolg gehabt** (GJ. 
6, 52). — Der Druck war inzwischen beendet, das Buch er- 
schien etw'a Mitte Juni. Goethes Mutter erhielt am 25. Juni 

S5 vom Verleger zwölf Exemplare zugeschickt, verlieh davon 
eins an Willemcr, behielt sechs bis zur Rückkehr des Sohnes 
aus dem Feldlager bei sich und sandte am 8. Juli die fünf 
übrigen Exemplare durch Bansa an Goethe (SdGG. 4, 19, 
15—18. 21, 18—21. 23, 5—7). Dass dieser aber schon am 7. 

M Juli das Buch in Händen liatte, beweist Z. (5. 

• Vgl. Z. 20-22 und 58, 35-38. 
*Vgl. 57, 20f. 

• Vgl. 57, 2; die Fürstin dankt für die Handschrift von 
Eutin aus, am 23. August; die Dichtung habe „allen hier 

U einen überaus vergnügten Abend gemacht**, Stoll)erg wün- 
sche eine Abschrift nehmen zu dürfen (GJ. 3, 280). 

• Durch Frau Rath? Goethe hatte, wie er scheint, vergessen, 
dass er selbst dem Freunde schon ein Exemplar genchickt 
hatte (vgl. Z. 6). 

40 — Nach seiner Helmkehr, in der zweiten Hälfte Augusts, 



60 DER BURGBRGENERAL. 1793 



[October oder November, Weimar.] 84 

December. 
cf 24 ,Uebereilung^ und ,Biirgergeneral^^ 
Tgb. 2, 32, 10. 

) [Januar 18? Jena.] — s. 6, 15-17. 35 f. 84a 

October Iß, Weimar. 85 

Vielleicht mögen Sie, dass ich heute Abend nach der 
Komödie mit Ihnen nach Hause gehe, . ? 

An Schiller. — Br. 16, 126, 18 f. lo 



verschickte Goethe noch mehrere Exemplare; so nach Zürich 
an Barbara Schulthess, die am 29. October dankt (s. GJ. 13, 
13), nach Gotha an Frau von Prankenberg, und an den Prin- 
zen August von Gotha, der, in seiner ironisch spassenden 
Alt, am 8. September dankt und die Vermuthung aufstellt, 15 
„dass kein Anderer, als Herr Professor Immanuel Kant, in 
Königsberg, dieses witzige Werk abgefasst haben kann" (QJ. 
6, 48 f.). Vielleicht ist auf diesen Brief des Pilzen Goethes 
irrige Erzählung von der Übeln Aufnahme seines Lustspiels, 
in der ,Campagne in Frankreich* (s. 23, 14 f.), zurückzuführen ao 
(vgl. Suplians Bemerkungen GJ. 6, 50—53 und Düntzer in 
WK. 22, 188 Erl. 1 und 2). 

* Goethes Tagebuch des letzten Vierteljahrs 1793 enthält eine 
Aufstellung des Theater-Spielplans für diese drei Monate, 
thellweise mit Kennzeichnung der Wochentage durch die 25 
entsprechenden astronomischen Zeichen, wie hier das des 
Planeten Mars für Dienstag, den 24. December. Die Auf- 
führung fand erst am 31. December Statt; auch ging nicht 
Schröders Lustspiel ,Die Uebereilung* vorauf, sondern ,Die 
Entführung* von Jünger. .to 

— Nach sieben Jahren erst, 1800 November 12, wurde das 
Stück in Weimar wieder gespielt; der Schreiber liquidirt am 
28. November 1800 „für Rollen aus dem , Bürgergeneral*, für 
das Theater'* (Burkhardt II S. 7). 

• Es wurden ,Die Brüder* von Terentius, darauf der .Bürger- 35 
general* gegeben (Besetzung der Rollen s. 56, 21—26). Der Aus- 
druck „wieder** in Schillers Brief von 1805 (s. 61. 30) und 
Goethes Erwiderung „Ich dachte schon** (s. 62, 2) legen die 
Vermuthung nahe, dass beide schon an diesem Abend, nach 



1802 DER BURGERGENERAL. 61 



December 2, Weimar. 8ö 

Nachdem ich sein [Karl Unzelmanns] Talent hie 
und da versucht hatte, kam ich auf den einfachen Gre- 
danken, ihm den Gürge in den , Beiden Billets' 
5 zu geben, den soll er nun auch im , Stammbaum^ 
und im , Bürgergeneral* machen, wobei manches 
zu lernen ist.^ 

An Friederike Unzelmano. — Br. 16, 150, 8—12. 

1803. 

10 October 24, Weimar. 87 

[Abends] . . im Theater. ,Bürgergeneral\^ 
Tgb. 3, 84, 22. 

1805. 

] [Januar 17, Weimar.] 88 

15 ^Den ,Bürgergeneral* will ich ehestens vornehmen. Ich 

der Vorstell img, über den in den angeführten Briefen be- 
rührten Piinei gesprochen haben. 
^ Der Sohn der Adressatin hatte am 29. November als Görge 
in den »Beiden Billets* debütirt; im «Bürgergeneral* spielte 

20 er den (^*5rge In Weimar zuerst am 24. October 1803, wo 
Goethe ihn sah (vgl. Nr. 87). 
* Besetzung s. 56, 21—26 und vgl. Nr. 86. Vorher giog das Lust- 
spiel von Slevers ,Dle komische Ehe oder sie werden ihi*e 
eigenen Nebenbuhler*. 

25 • Der Vorstellung am 16. Januar (der letzten unter Goethes 
Theaterleitung), bei der man vorher die »Mitschuldigen* gab, 
konnte Goethe wegen UnpässHchkeit nicht beiwohnen, war 
daher Schillern besonders dankbar für dessen Anwesenheit 
(s. Br. 17, 242, 13 f.). Dieser schrieb Tags darauf: 

so „Bei dem ,B tt r g e r g e n e r a 1* ist mir wieder [vgl. 60, 37] 
die Bemerkung gekommen, dass es wohlgethan sein würde, 
die moralischen Stellen, besonders aus der Rolle des Edel- 
manns, wegzulassen, so weit es möglich ist. Denn da das 
Interesse des Zeltmoments aufgehört hat, so liegt es glelch- 

86 sam ausserhalb des Stücks. 

Das kleine Stück verdient, dass man es In der Gunst er- 
halte, die ihm widerfährt und gebührt, und es wird sich 
recht sehr gut thun lassen, ihm einen rascheren Gang zu 
geben** (Schillers Br. 7, 204). 



62 DER BÜRGERGENERAL. 1805 



{Januar 17, Weimar.] [88] 

dachte schon die dogmatische Figur des Edelmanns ganz 
herauszuwerfen; allein da müsste man einen glücklichen 
Einfall haben, am Schluss die widerwärtigen Elemente 
durch eine Schnurre zu vereinigen, damit man den 5 
Deiis ex machina nicht nöthig hätte. Das müsste man 
denn gelegentlich bedenken.* 

An SchlUer. - Br. 17, 243, 7-13. 
Mal 1, Weimar. 89 

Unterzeichneter hat die Absicht, seine Schriften neu lo 
herauszugeben [Werke Cotta*], und zwar sollte von 
keiner vollendeten Prachtausgabc, vielmehr von einer 
säubern und geschmackvollen Handausgabe mit deut- 
schen Lettern die Bede sein. Enthalten würde dieselbe 
alles, was von meinen ästhetischen Arbeiten einige Dauer i6 
verdient. Manches Ungedruckte^ ist hinzugefügt. 

Zu vertheilen wären in zwölf Bände folgende Werke, 
ungefähr folgender Massen:* 
Band 1—3: . . . 

Band 4: Die Laune des Verliebten. 20 

Die Mitschuldigen. 
Die Geschwister. 
Mahomet. 
Tankred. 
Elpenor. Fragment. 26 

* Wegen „Ich dachte schon" (Z. 2) vgl. 60, 38. Von einer 
Umarbeitung Goethes ist nichts belcannt. In Schillers Nach- 
la88 findet sich das, vielleicht aus dieser Zeit stammende, 
Schema eines zweiactigen Lustspiels, dessen Hauptfigur 
Schnaps sein soUto (s. Schillers Werke 10, 292—294, und vgl. ao 
Rieiuer 2, 619 f.). Ob sich 69, 19—21 etwa auf dieses Schema 
bezieht, ist ganz ungewiss. 

* In der Handschrift Ist es roth unterstrichen (vgl. 64, 6), 
im Folgenden durch Sperrdruck kenntlich gemacht. 

^ Die später eingetretene Verschiebung der Bände S— 10 Ist 86 
durch Beifügung der endgültigen Bandzahl in [] bemerklich 
gemacht. 



1805 DER BÜRGERGENERAL. 63 



[Mai 1, Weimar.] [8*] 

Band 5: Götz von Berlichingen. 
Egmont. 
Stella. 
5 Clavigo. 

Band 6: Iphigenia. 
Tasso. 
Eugenie [Die natürliche Tochter]. 

Band 7: Claudine. 
10 Erwin und Elmire. 

Jery und Bätely. 

Lila. 

Scherz, List und Rache. 

Zauberflöte. Zweiter Theil. 
15 Fragment.' 

Band 8 [9]: Cophta. 

Triumph der Empfindsamkeit. 
Vögel. 

Bürgergeneral.^ 
ao Was wir bringen. 

Band 9 [10]: . . . 

Band 10 [8] : «Faust. Fragment, umdieHälfte 
vermehrt. 
Puppenspiel. Vermehrt. 
25 Andere analoge Gedichte, ältere und 

neuere. 



* Hierauf liat Goethe im Concei>t .Fiselieriu* eiugesclialtet, 
die im Druck naeli .Lila* ilire Stelle fand. 

* Im Concept hat Goethe hierauf eingeschaltet: „Theater- 
reden. Vorspiele. Masken**. 

■ Von Ende September 1805 bis Mai oder Juni 1806 war 
Goethe Willens, diesen Band als den vierten der ersten Liefe- 
rung einzuordnen (vgl. »Paust* 1805 September 30, an Cotta). 



64 DER BÜRGERGENERAL. 1806 



6 



[Mai 1, Weimar.] l«»] 

Band 11. 12: ... 

Wie die Lieferungen einzutheilen und was sonst noch 
weiter zu verabreden wäre, ist fernerer Ueberlegung an- 
heimgegeben. 

Das Neue ist roth unterstrichen. 
An Cotta. — Br. 19, 13. 13—15, 28. 

180«. 

Februar 24. Weimar. — s. Xr. 543. 89a 

October 24, Weimar. — s. 136, 30— 137, 8. 89D lo 

December 9, Weimar. — s. 140, 2. 89c 

1807. 

März 13, Weimar. 90 

[Morgens] Den neunten Band meiner Schriften 
[Werke Cotta^] eingesiegelt.^ i* 

Tgb. 3, 198, 8. 
Mai 7, Weimar. 91 

Ueberhaupt* habe ich bei Herausgabe meiner Werke 
[Cotta^] sehr lebhaft gefühlt, wie fremd mir diese 
Sachen geworden sind, ja dass ich fast kein Interesse «o 
mehr daran habe. Das geht soweit, dass ich, ohne 
freundliche treu fortgesetzte Beihülf e,* diese zwölf Bänd- 
chen gar nicht zusammengebracht hätte. Jetzt haben 
wir sie aber meist hinter uns und bis auf tlinen [Band 
10] kommen sie diese Tage sämmtlich*' in Cottas Hände. «5 



* Die Dmckvorlage für alles in Tabelle 3 unter Werke CJotta* 
Band 9 Angeführte, ausser ,Triumph der Empfindsamkeit* 
und ,Vögel* (vgl. 138, 2-6). 

• Vgl. das unmittelbar Vorhergehende unter Nr. 565. 

• Durch Riemer (früher auch Heinrich Voss, vgl. Epos 1, so 
173, 13-15). 

* Das heisst: Band 9, wie er seit März 18 bereit lag (vgl. 
Nr. 90). sowie Band 11 und 12, die Goethe am 8. Mai Cottan 
persönlich einhändigte (vgl. W. 18, 415). 



1807 DER BÜRGERGENERAL. 65 



[Mai 7, Weimar.] [91] 

Da mag nun weiter aus uns werden, was will, so wäre 
doch soviel gerettet.^ 

An Zelter. — Br. 19, 323, 6—14. 

6 1808. 

August 7, Karlsbad. 92 

[Nachmittags] Packet mit den zwei letzten Lieferun- 
gen meiner Werke [Cotta^ Band 6 — 12]. 
Tgb. 3, 369, 19 f. 

10 1809. 

October 1. Jena, — s. 7, 16 f. 93 

][Naeh October 10, ?] 94 

[Zu 1803. — Im ältesten biographischen Schema 
heisst es unter] 
u 1803: .. . ,Bürgrgeneral'?2 

W. 26, 362, 22. 

November 12, Jena. — s. 10, 5. 96 

1815. 

ao Februar 20. Weimar. — a, 13, 12. 96 

181«. 

Mal 2. 3, Weimar. — 8. Nr. 17. 18. 96 a. b 

Juli 4. 8, Weimar. — s. Nr. 26. 27. 96 c. d 



* In Erinnerung der Gefahr, die Qoethee Manuscrlpten Im Oc- 
85 tober 1806 gedroht hatte (vgl. W. 35, 259, 16-18). 

' Wollte Goethe der (letzten von Ihm beauchten?) Aufführung 
am 24. October 1803 (s. Nr. 87) gedenken und etwa im An- 
schluss daran von seiner, auf Schillers Veranlassung geplan- 
ten Umarbeitung sprechen? und deutet das Fragezeichen viel- 
80 leicht auf Goethes Ungewissheit, ob dieser Plan in das Jahr 
1803 oder später (1805) zu setzen war? vgl. Nr. 85. 88. 
Orif, Goethe Qber s. Dichtan^en T. 11, B. 1. 5 



66 DER BÜRGERGENERAL. 1815 



1819. 

März [Anfang], Weimar. — s. 16, 23. 07 

1822. 

][Mürz 11, Weimar.] — [Zu 1793.] s. Nr. 29. 98 

ICMärz, zwischen 12 und 16, Weimar.] — [Zu 1793.] 99 5 

8. 18, 20-31. 

1828. 

] [Januar, zwischen 10 und 19, Weimar.] 100 

[Zu 1806.] Die projectirte neue Ausgabe meiner 
Werke [Cotta^] nöthigte mich sie sämmtlich wieder lo 
durchzugehen, und ich widmete jeder einzelnen Produc- 
tion die gehörige Aufmerksamkeit, ob ich gleich bei 
meinem alten Vorsätze blieb nichts eigentlich umzu- 
schreiben oder auf einen hohen Grad zu verändern. 

Tag- und Jahres-Hefte 1806. - W. 35, 247, 15-20. 15 

Februar [vor 17], Weimar. 101 

jOeuvres dramatiques de J. W. (Joethe. Tome IV. 
Paris 1823. [Verehrt] Durch die Verlagshandlung.^ 
Bttcher-Vermehrungsüste 1823. — Tgb. 9, 324. 

][März 31, Weimar.] — s. ,Natürliche Tochter* ugD. 101a «o 

(,Bedeutende Fördemiss durch e. einz. geistreiches Wort'.) 

][Juli 1? Bger?] 102 

^[Zu 1793.] ,Der Bürgergeneral' ward ge- 
gen Ende von 1793 in Weimar aufgeführt.* Ein im 
Fach der Schnäpse höchst gewandter Schauspieler, »6 
Beck, war erst zu unserm Theater getreten, auf dessen 
Talent imd Humor vertrauend ich eigentlich die Bolle 
schrieb.^ 

' 8. 24, 37-41. 

^ Da« unmittelbar Vorhergehende (Nr. 36) ist hier nachzu- so 

lesen. 
' Das war für Weimar aber schon die dritte Aufführung, 

vgl. 55. 22. 
* Vgl. 22, 25-51; im Fach der „Schnäpse", insofern Beck die 

Rolle des Dorfbarbiers Schnaps in den ,Beiden Billets' und S6 

deren Fortsetzungen von Heyne und Goethe spielte. 



1823 DER BÜRGERGENERAL. 67 



l[Jiili 1? Ejj6r?J [102] 

Er und der Schauspieler Malcolmi gaben ihre Rollen 
aufs vollkommenste; das Stück ward wiederholt, aber 
die Urbilder dieser lustigen Gespenster waren zu furcht- 
5 bar, als dass nicht selbst die Scheinbilder hätten be- 
ängstigen sollen. 

Tag- und Jahres-Hefte 1793. — W. 35. 24, 19-28. 
][Juli zwischen 19 und 22. Marienbad.] 102 a 

— [Zu 1816.] B. Nr. 86.* 

10 ISftS. 

Mal 28. Weimar. — a Nr. 38. 102 b 

Februar 1, Weimar. — s. 31, 5. 102 c 

J[Mal 8? Weimar.] — 8. Nr. 40. 102 d 

15 Mai 12. 25. 26. 29, Weimar. — s. Nr. 41—44. 102 e-h 

] [Zwischen Mai 31 u. August 6, Weimar.] — s. 40, 15. 103 
Mai 31, . 

Juni 2-4. 10. 16, l Weimar. — s. Nr. 46—52. 103 a— g 
Juli 5, I 

20 ][Juli 18. 19, Weimar.] — s. Nr. 53. 103 h 

Juli 18. 19, Weimar. - g. Nr. 54. 55. 103 i. k 

August 1, Weimar. — s. Nr. 56. 104 

August 6, Weimar. — s. Nr. 57. 106 

18S$7. 

25 Februar 20. Weimar. — s. Nr. 58. 106 

Mai 3. 



Juni 6. 30. 

Juli 3, 

Septeml)er 17. 18. 21, 



Weimar. — s. Nr. 59—65. 106 a— g 



1828. 



30 Juni 28, I 

October 20. l Weimar. — s. Nr. 66-68. 106 h-k 

November 8. 1 



Für August 1823 vgl. 26, 84-38. 



68 DER BÜRGERGENERAL. 1828 

December 16, Weimar. 107 

[Nach Tische.] Wir kamen sodann auf den ,Bürger- 
general^, wovon ich [Eckennann], erzählte, dass ich 
dieses heitere Stück in diesen Tagen mit einem Englän- 
der gelesen, und dass in uns beiden der lebhafte Wunsch » 
entstanden, es auf dem Theater zu sehen. Dem Geiste 
nach, sagte ich, ist darin nichts veraltet, und im Einzel- 
nen der dramatischen Entwicklung ist darin kein Zug, 
der nicht für die Bühne gedacht wäre. 

„Es war zu seiner Zeit ein sehr gutes Stück", sagte lo 
Goethe, „und es hat uns manchen heiteren Abend ge- 
macht. Freilich, es war trefflich besetzt und so vori^reff- 
lich einstudiri;, dass der Dialog Schlag auf Schlag ging, 
im völligsten Leben. Malcolmi spielte den Märten, man 
konnte nichts VoUkommneres sehen." »s 

Die Rolle des Schnaps, sagte ich, erscheint mir nicht 
weniger glücklich; ich dächte, das Reperi:oire hätte nicht 
viele aufzuweisen, die dankbarer und besser wären. Es 
ist in dieser Figur wie im ganzen Stück eine Deutlich- 
keit, eine (Jegenwari^, wie sie das Theater nur wünschen 20 
kann. Die Scene, wo er mit dem Felleisen kommt und 
nach einander die Sachen hervorbringt^ wo er Märten 
den Schnurrbart anklebt und sich selbst mit Freiheit«- 
mütze, Uniform und Degen bekleidet, gehört zu den vor- 
züglichsten. 26 

„Diese Scene", sagte Goethe, „hat in früherer Zeit 
auf unserm Theater immer viel Glück gemacht. Es kam 
dazu noch der Umstand, dass das Felleisen mit den 
Sachen ein wirklich historisches war. Ich fand es nem- 
lich zur Zeit der Revolution auf meiner Reise [Herbst 30 
1792] an der französischen Gränze, wo die Flucht der 
Emigrirten durchgegangen war, und wo es einer mochte 
verloren oder weggeworfen haben. Die Sachen, so wie 
sie im Stück vorkommen, waren alle darin; ich schrieb 
danach die Scene, und das Felleisen mit allem Zubehör 36 
spielte nachher, zu nicht geringem Vergnügen unserer 



1828 DER BÜRGBRGENBRAL. 



[December 16, Weimar.] [107] 

Schauspieler, immer mit, so oft das Stück gegeben 
wurde." 
Die Präge, ob man den ,Bürgergeneral* noch jetzt mit 
6 Interesse tind Nutzen sehen könne, machte noch eine 
Weile den Gegenstand unserer Unterhaltung. 

Mit Eckermann. — Gespräche 6, 363 f. (Eckeiinann 2, 
32 f.) 

10 Februar 4, Weimar. 108 

^[Mittags.]. „Wenn Genasts hier bleiben, so schreibe 

ich Euch zwei Stücke, jedes in einem Act und in Prosa: 

das eine von der heitersten Art, mit einer Hochzeit 

endend, das andere grausam und erschütternd, so dass 

u am Ende zwei Leichname zurückbleiben. Das letztere 
rührt noch aus Schillers Zeit her, und er hat auf mein 
Antreiben schon eine Scene davon geschrieben. Beide 
Sujets habe ich lange durchdacht, und sie sind mir so 
vollkommen gegenwärtig, dass ich jedes in acht Tagen 

ao dictiren wollte, wie ich es mit meinem ,Bürgergeneral* 
gethan habe."'* 

Thun Sie es, sagte ich [Eckermann], schreiben Sie 
die beiden Stücke auf jeden Fall; es ist Ihnen nach den 
,Wanderjahren^ eine Erfrischung und wirkt wie eine 

25 kleine Reise, und wie würde die Welt sich freuen, wenn 



» Das unmittelbar Vorhergehende s. Jphigenle auf T.* ugD. 
* Vgl. dagegen 58, 18— 59, 2. — Obgleich das gerade stattgehabte 
(Gastspiel Eduard Genasts und seiner Frau zur lebensläng- 
lichen Anstellung derselben in Weimar führte, hat Goethe 

30 keines der beiden Stücke ausgeführt Die Nennung des .Bür- 
gergenerals* hat zu der Annahme verleitet: unter dem hei- 
tern Siück sei das von Schiller Schema tisirte Lustspiel ge- 
meint (s. 62, 32), und statt „letztere" Z. 19 sei „erstere" zu 
lesen; doch bleibe diese Vermuthung dahingestellt, ebenso 

86 wie die Deutung des tragischen Stückes auf das sogenannte 
.Trauerspiel in der' Christenheit*, vgl. Archiv f. L. 10, 127 f. 
und die Anmerkungen Eckermann 2, 252 (dagegen) und 
Eokermann-G. S. 634 (dafür). 



70 DER BURGBRGBNERAL. 1829 

[Febniar 4, Weimar.] [108] 

Sie dem Theater noch etwas zu Liebe thäten, was nie- 
mand mehr erwartxjt! 

„Wie gesagt," fuhr Goethe fort, „wenn (Jenasts hier 
bleiben, so bin ich gar nicht sicher, dass ich Euch nicht 5 
den Spass mache. Aber ohne diese Aussicht wäre dazu 
wenig Reiz, denn ein Stück auf dem Papiere ist gar 
nichts. Der Dichter muss die Mittel kennen, mit denen 
er wirken will, und er mnss seine EoUen denen Figuren 
auf den Leib schreiben, die sie spielen sollen. Habe ich lo 
also auf Genast und seine Frau zu rechnen, und nehme 
ich dazu La Roche, Herrn Winterberger und Madame 
Seidel, so weiss ich, was ich zu thun habe, und kann der 
Ausführung meiner Intentionen gewiss sein." 

Mit Bckermann. — Gespräche 7, 6 f. (Eckermann 2, 41.) 15 
F(»bniar 9, Weimar. — s. Nr. 69. 108a 

Februar 17, Weimar. 100 

[Vormittags] Erhielt von Göttling den vierzehnten 
Band [Werke Cotta*] durchgesehen.^ 

Tgb. 12, 25, ö f. 20 

* Für den entsprechenden Band der Octav-Ausgabe. 




Caesar. 

(, Julius Caesar'; .Caesars Tod*; «Brutus'.) 



Handschriften: Nur ganz wenige Bruchstücke, aus der Zeit 
von Goethes erster Beschäftigung mit dem Stoff, am 
5 Schluss eines Notizenheftes, mit dem Titelblatt , Ephe- 

merides. Was man treibt. Heut diess und morgen das. 
1770*, das Goethe sich im Januar 1770 in Frankfurt an- 
gelegt hatte und in Strassburg in der ersten Haifte (oder 
dem ersten Viertel?) des Jahres 1771 beendete; 'die Stel- 
le len der , Ephemerides*, die Scholl (Briefe und Aufsatz« 
S. 138 f.) gleichfalls auf »Cäsar* beziehen möchte: W. 37, 
95, 26 f. 96, 18-20. 98, 9-15 fallen noch in die Zeit vor 
Goethes Abreiße nach Strassburg, in den März 1770. 
Erster DrucJb: 1846, in der ersten Ausgabe der »Briefe und 
16 Aufsätze* S. 139 f. 

Weimarer Ausgabe: 1890, W. 37, 113, 21—25. 114, 3-9. 11—19, 
am Schluss der ,Ephemerides*, und selbstständig W. 37, 
115 f. 

Ueber die muthmassliche Gestalt des eraten Planes (1770 
90 —1771) und dessen spätere Wandelungen vgl. Briefe und Auf- 
sätze S. 137—140; Biedermann GP. II, 164—174 und GF. III, 
55—59; Eduard von der Hellen »Goethes Anteil an Lnvaters 
Physiognom Ischen Fragmenten* (Frankfurt ajM. Literarische 
Anstalt Bütten & Loenlng. 1888) 3. 207-217; W. 38, 257 f.; 
n weiterhin Scholl S. 56, Weissenfels S. 256 f., Meyer S. 384, 
Bielschowsky 1, 248 f. 

177». 

?October 18, Frankfuit. 110 

Ein schöner neuer Plan hat sich in meiner Seele anf- 
80 gewickelt zu einem grossen Drama. Ich will nur erst 



72 ' CAESAR. 1773 



[?Ootob«r 18, Frankfurt.] [110] 

zusehen, ob ich aus dem Lob und Tadel des Publicums* 
was lernen kann. 

An Johanna Fahimer. — Br. 2, 111. 21—24. 

?] [November zwischen 10 und 18, Frankfurt.] 111 6 

Der Toms ist angelegt; nun nur noch Flamme und 
Windstoss; aber da« hängt von den Göttern ab.^ 
An Bole. — Br. 2, 122, 1 f. 

?]December 25. [Frankfurt] 112 

Ich bin auch Zeit her* fleissig gewest, hab' viele lo 
kleine Sachen gearbeitet, und ein Lustspiel mit Ge- 
sängen [,Erwin und Elmire^] ist bald fertig, auch einige 
ansehnlichere Stücke in Grund gelegt^ und nun wird 
drüber studirt.* 

An J. C. Kestner. — Br. 2, 113, lö— 22. 15 



- Ueber ,Götz von Berliehingen*, der vier Monate vorher er- 
schienen war. — Die Beziehung der Stelle ist fraglich. Dünt- 
zer (Goethes Leben S. 190) deutet sie auf ,Caesar', fügt aber 
doch hinzu: „oder ,Egmont* **; in G.-Fahlmer S. 31 und im 
Register Br. 7, 476 wird sie dagegen auf ,Mahomet*, in GJ. so 
17, 210 auf ,Faust* bezogen, während Schmidt 11, 133 sie 
auf , Prometheus* deutet. 

^ Diese nur in einem Schreiben Boies an Bürger erhaltene 
Stelle aus einem, wie es scheint, verlorenen Briefe deutet 
Daniel Jacoby (GJ. 12, 247) auf »Caesar*, doch dürften dem 15 
die Worte „scheint sich zu bilden** (73, 3 f.) widersprechen; 
lieber möchte ich an , Prometheus* denken, in dessen Kreis 
Bild imd Ausdruck am besten passen würden (doch braucht 
Goethe den \'ergleich gern, vgl. Epos 2. 725, 15. 726, 8). Wein- 
hold (,Helnrlch Christian Boie. Beitrag zur Geschichte der ao 
deutschen Literatur im achtzehnten Jahrhundert*. Halle 1868, 
S. 187) bezieht die Aeusserung auf »Stella*, Düntzer (Goethes 
Leben S. 102) auf ,Egmont*; Im Register Br. Band 7 ist sie, 
so viel ich sehe, überhaupt nicht aufgenommen. 

■ Seit er nicht an Kestners geschrieben, October 31. 55 

* Nach Schmidt II, 133 hat Goethe hier „vornehmlich , Prome- 
theus* und ,Fau8t* im Sinne**. Vielleicht auch schon ,Egmont'? 



1774 GABSAR. 73 



IJutti 1. [Frankfurt.] 113 

Mein , C ä s a r ', der Euch nieht^ freuen wird, seheint 
sieh auch zu bilden.^ 
6 An Schönbom. — Br. 2, 172, 15—17. 

Juni 28, zwischen Frankfurt und Wiesbaden. 114 

[Morgens, während der Fahrt. Goethe sprach:] Von 

seinem Julius Caesat^, einem neuen weitläufigen Drama. 

[Wiesbaden.]. Ass neben Goethe zu Mittag. . . . 

io Goethe sprach von einigen seiner Dramen. 

Mit Lavater. — SdGG. 16. 292, 8 f. 25. 29 (Lavater» Tgb.). 
Juni 29, zwiseiien Schwalbacli und Nassau. 115 

[Morgens, w^ährend der Fahii, sprach:] Goethe von 
seinem .Julius Caesar* — 
ift Mit Lavater. — SdGG. 16, 294, 4 (Lavaters Tgb.). 

1775. 

Februar 4, Frankfurt. 116 

Er sagte mir [dem Prinzen]^ dass er jetzt an zwei 

* Für das „niclit** der Handschrift hat die Weimarer Ausgabe 
30 „einst** eingesetzt mit dem Bemerken: „Unsere Emendation 

liegt graphisch und dem Sinne nach näher als „recht** oder 
„auch**. Düntzer setzt neuerdings (mit Scholl und v. Bieder- 
mann) „recht** ein (Zeitschrift für deutsche Philologie 31, 
Ö8f.), während er früher das „nicht freuen" damit erklärt 

26 hatte, dass »Caesar' „kein vaterländischer Stoff** war (Stu- 
dien S. 118, Erl. 2 zu S. 117), später damit, dass Goethe den 
Gegenstand „nicht im Sinne der Freiheitsfreunde behandelt** 
(Goethes Leben S. 204), beides wohl unter der Annahme, dass 
Schönbom bei seinem Gespiüch mit Goethe im October des 

80 Jahres den Plan in diesem Sinne gemissbilligt habe (worüber 
Schönborus , Aufzeichnungen über erlebtes*, Kiel O. J. [1870] 
nichts enthalten). E. v. d. Hellen vermuthet neuerdings, 
Goethe habe schreiben wollen „nicht wenig freuen'* (Briefe 
vdH. 1. 171 f.), während in Blelschowsky 1, 249 und 510 

85 das „nicht** aufrecht erhalten wird. 

* „auch**, wie neuerdings „einige Plane zu grossen Dramas** 
[, Faust*, 8. diesen ugD.. ,Mahomet*, ,Prometheu8*], von denen 
hier deutlich »Cäsar* als ein Plan aus älterer Zeit unter- 
schieden wird. 



74 CAESAR. 1775 



[Februar I, Frankfurt.] [116] 

Stücken arbeite: ,Der Tod Julius Caesars*, ein Trauer- 
spiel,* und eine Oper [,Erwin und Elmire*]. 

Mit dem Prinzen Karl August von Sachsen-Meiningen. 
— Gespräche 8, 241.* 



^ Nach den erhaltenen Bruchstücken ist anzunehmen, dass 
(voethe ursprünglich nicht nur die Katastrophe Caesars dar- 
stellen wollte, sondern, im Gegensatz zu Shake}H>eare, gerade 
auch die Entwicklung, das Herankommen des Helden. 
* Aus den von Ludwig Bechstein herausgegebenen ,Mittliel- lO 
lungen aus dem Leben der Herzoge zu Saehsen-Meinlng^i 
und deren Beziehung zu Männern der Wissenschafts Halle 
1856. S. 83 f. (nicht yerglichcu, Titel nach <iJ. 10, 142). 
— Bei seinem Aufenthalt in Zürich, im Juni und Anfang 
Juli 1775, besprach Goethe mit Lavater die Fortsetzung von 15 
dessen ,Physiognomischen FragmentenS für die er dann in 
der zweiten Hälfte des Jahres 1775 (wahrscheinlich im Sep- 
tember) unter ander^i Beiträgen auch die Auslegung der 
Tafeln 4—7 in Band 2, Brutus und Cäsar darstellend, 
verfasBte (W. 37, 355—358). Diese beiden geistsprühenden 20 
Auslegungen mussten, als nicht unmittelbar auf Goethes 
Dichtung bezüglich, von unserm Text ausgeschlossen blei- 
ben, sind aber wichtig für die Erkenntniss der Gestalt zu 
der Goethes Plan sich in dieser Epoche ausgebildet hatte 
(Vgl. die AuHführungen v. d. Helleus imd v. Biedermanns an >» 
den 71, 21 f. angeführten Orten, auch Br. 5, 87, 4—9). Auf Öle 
Brutus darstellende Tafel der »Physiognomischen Fragmente* 
möchte ich auch die Notiz Tgb. 1, 140, 2 l)eziehen (s. ,Göt« 
V. B.* 1782 Februar 26), nicht, wie Düntzer (Goethes Tage- 
bücher S. 230) will, auf Herders, 1774 erschienenes. Drama 30 
,BrutUB*. 

Ob Goethe bei seinem Besuch in Zürich mit Bodmer über 
seinen Plan gesprochen hat, wissen wir nicht, doch Ist es • 
wahrscheinlich, da Cäsar Gegenstand eines ihrer Gespräche 
war; Bodmer schreibt an Schinz 1775 Jnni 15: 35 

., Er [Goethe] hat Brutus und Cassius für 
niederträchtig erklärt, weil sie den Cäsar 
ex Insidiis, von hinten, um das Leben ge- 
bracht haben. Ich sagte, dass Cäsar sein Leben 
durch nichts Anderes gethan, als die Republik, seine 40 
Mutter, getödtet. imd die meiste Zelt durch falsche Wege" 
(GJ. 5, 192). 



1775 CAESAR. 75 

[Februar 4, Frankftirt] [116] 

— Das Gerücht, Goethe arbeite an einem »Julius Caesar* 
verbreitete sich immer mehr; und so brachte der, von 
Reichard herausgegebene »Theater-Kalender auf das Jahr 

5 1775* (Gotha, Ettinger) im »Yerzeichniss der jetzt lebenden, 
deutschen Theater-Schriftsteller* S. 119 unter „Goethe** die 
Bemerkung: „Soll an einem ,Doctor Faust' und einem 
Trauerspiel, ,Julius Caesar*, arbeiten"; gleichlautend im 
Jahrgang 1776; von 1777 bis 1786 lautet die Notiz: „Ver- 

10 schiedene ungedrucltte Schauspiele, »Doctor Faust*, Julius 
Caesar*, . . /* 

Das, gleichfalls von Reichard herausgegebene, .Theater- 
Journal für Deutschland vom Jahre 1777* (Gotha, Ettinger) 
brachte In Stück 3 S. 13—21 „Scenen aus ,Julius Cäsar', einem 

16 Sdiausplel von Mssr**, das heisst: Meissner, mit der Be- 
merkung: „(Der Verfasser dieser Scenen war einst Willens, 
einen ,Cäßar* mit Benutzung des Shakespeares zu verfertigen. 
Die wichtige Nachricht, dass Goethe auf einen denke, 
schreckte ihn ab. Hier sind nur einige Scenen davon, . . .)" 

20 Daraufhin schrieb Merck in seiner Anzeige dieses Jahrgangs 
des ,Theater-Joumals* (Im .Teutschen Merkur vom Jahr 1778* 
S. 84 f. des ersten Vierteljahrs): „Den Anfang macht eine 
Probe von einem Drama ,C21sar' genannt, das Hr Meissner 
desswegen nicht fortsetzen will, weil er gehört, dass G. 

26 [Goethe] auch an einem ,CHsar' arbeite. Gerade als wenn es 
nur Einen Weg nach Paris gebe, und Goethes und Meissners 
,Cäsar* desswegen einander im Wege stünden. Aus der Probe 
erhellet indessen, dass der Verfasser eine wahre Selbster- 
kenntniss besitze**. 

30 An Schiller schreibt Goethe 1795 December 26: „Ein paar 
Producte, wie die hierbei kommenden Schriften sind, dürfen 
Ihnen nicht unbekannt bleiben, vielleicht sind sie noch nicht 
zu Ihnen gelangt. Den Theater-Kalender bitte mir bald wie- 
der zurück** (Br. 10, 354, 12—15); Schiller antwortet Decem- 

85 ber 29: „Der Theater-Kalender enthält gewaltig viel Na- 
men und blutwenig Sachen. Ich für mein Theil bin ich übri- 
gens gut weggekommen: aber in welcher Gesellschaft er- 
blickt man sich da! Ihnen wird ja ein ^Julius Caesar' gross- 
müthig zugeschrieben, den Sie dem Publicum wohl schuldig 

40 bleiben werden** (Schillers Briefe 4, 375 f.). Die Herausgeber 
der Briefe sagen beide, ebenso Düntzer (Schiller und Goethe 
S. 88 zu Brief 138): Reichards Theater - Kalender sei ge- 



76 CAESAR. 1775 



[Februar 4, Franknirt] [116] 



meint; nun kann es aber der Reidiardsehe von 1795 oder 
1796 nicht sein, denn nur bis 1786 wird In ihm Goethes 
,Caesar' genannt; anzunehmen: Goethe habe SohiUem einen 
der alten Jahrgänge 1775--86 geschickt, ist auch nicht mög- 6 
lieh, denn was sollte Schiller damit? Goethes Worte lassen 
auch entschieden darauf schlieeseu, dass es sich um littera- 
rische Nova handle, die zu Schiller „vielleicht noch nicht ge- 
langt" waren; es muss also ein andrer Kalender gemeint 
sein, als der Relchardsche (auf den auch Schillers Worte 75, lo 
36 f. gar nicht pausen wollen). Die 1795 und 1796 zu Wien und 
zu Mannheim ei'schienenen Theater-Kalender waren mir lei- 
der nicht erreichbar. 

— 1803. am 1. und 8. C)ctol)er, vei-anstaltete Goethe in 
Weimar Aufführungen von Shakespeares ,Julius Caesar*, zu 15 
denen er für die Rolle des Poeten Cinna „ein Dutzend ge- 
reimte Verse" gedichtet hatte, die bis jetzt nicht bekannt 
sind (Br. 16, 337, 15 f.), und, wie es scheint, einen Bpllog 
geplant hatte, von dem wir nur zwei Zellen kennen (W. 13 
(2), 240). Hier folge eine chronologische Zusammenstellung 20 
derjenigen Aeusserungen Goethes über Shakespeares Tra- 
gödie, die, möglicher Weise, etwas Lieht werfen können auf 
die Art, wie er selbst den Gegenstand behandelt haben würde 
(eingefügt sind gleichzeitig ein paar Aeusserungen über den 
geschichtlichen Cäsar, zu gleichem Zwecke): 85 

[1771, vor October 14.] — „ . . . Ich schäme mich oft vor 
Shakest>earen, denn es kommt manchmal vor, dass ich befm 
ersten Blick denke, das hätt* ich anders gemacht! Hinten 
drein erkenn' ich, dass ich ein armer Sünder bin, dass aus 
Shakespearen die Natur weissagt, und dass meine Menschen so 
Seifenblasen sind, von Romanengriilen aufgetrieben" (,Zum 
Shakespeai-estag*, W. 37, 134, 9—15). 

[1771 zweite Hälfte oder 1772 Anfang.] — Was der 

Verfasser zur Vertheldlgung von Shakespeares .Caesar* sagt, 
scheint uns auch nicht ganz richtig. Er glaubt, Shakespeare is 
habe Brutus zum Helden des Stücks machen wollen, dess- 
wegen sei Cäsar zu stolz. Caesar ist, wie er sein soll. Ein 
Mensch, der zehn Jabr lang Stetigkeit genug hat, auf einen 
einzigen Endzweck zu arbeiten, und diesen Endzweck dahin 
ausfühi-t dass er sich eine Krone durch die Freiheit und 40 
die Ruhe des Vaterlands und der Welt erkauft, der darf 



1775 CAESAR. . 77 

][Dach November 7, Weimar, oder später.] 117 

Dem, ihn zwanzig Jahre später besuchenden Qräter 

erzählte Wieland, es sei wahrhaft bewundernswürdig 



Gesinnungen äussern, die Stolz athmen; allein Grösse der 

6 Seele wird man nie in diesem Geschöpf Shakespeares ver- 
kennen, wer sie zu ftthlen vermögend ist" (Besprechung des 
Werkes ,A'er8uch über Shakespeares Genie und Schriften, in 
Verglelchung mit den Dramatisehen Dichtern der Griechen 
und Franzosen. Uebersetzt von Eschenburg. Leipzig 1771*, 

10 in Nr. 22 der , Frankfurter gelehrten Anzeigen' vom 17. März 
1772; vermuthlich von Goethe, W. 38, 338, 102-112). 

1803 Oetober 27. — „Ueberhaupt bin ich mit dem Stücke 
[Shakespeares , Julius Caesar*] noch immer in einer Art von 
Conflict, der sich vielleicht nie lösen kann. Bei der unend- 

15 lieh zarten Zwe<^n]ässigkeit dieses Stücks, in die man sich 
so gern versenkt, scheint kein Wort eutlK?hrlich, so wie man 
nichts vermisst, was das Ganze fordert, und doch wünscht 
man, zur äussern theatralischen Zweckmässigkeit, noch hie 
und da durch Nehmen und Geben nachzuhelfen. Doch liegt, 

20 wie bei Shakespeare überhaupt, Alles schon in der Grund- 
anlage des Stoffs und der Behandlung, dass, wie man irgend- 
wo zu rücken anfängt, gleich mehrere Fugen zu knistern an- 
fangen und das Ganze den Einsturz droht" (an A. W. Schle- 
gel, Br. 16, 337, 18—338, 1). 

25 [Zwischen 1805 und 1809.] —-,... wie wenig selbst die 
Besseren [Römer] begriffen, was Regieren heisst, sieht mau 
an der abgeschmacktesten That, die Jemals begangen wor- 
den, an der Ermordung Caesars*' (Zur Farbenlehre, histori- 
scher Theil, Abtheilung 2 Nachtrag, Nat.-W. 3, 127, 25—28). 

80 [1813 März.] — „Im »Caesar* bezieht «ich alles auf den 
Begilflf, dass die Bessern den obersten Platz nicht wollen 
eingenommen sehen, weil sie lirig wähnen, in Gesammtheit 
wirken zu können** (»Shakespeare und kein Ende!* I, W. 41 
(1), 57. 9-12). 

35 [Zwischen 1815 und 1827.] 

„Und wenn man auch den Tyrannen ersticht, 
Ist immer noch viel zu verlieren. 
Sie gönnten Cäsam das Reich nicht 
Und wuseten's nicht zu regieren.** 

40 (Zahme Xcnien IV: V. 942—945, W. 3, 295.) 



78 ^ CAESAR. 1775 

][nach November 7, Weimar, oder später.] [117] 

gewesen, wie Goethes Genie sich damals* bei jeder Ge- 
legenheit offenbart habe. Er habe nicht nur die schön- 
sten Gedichte, sondern ganze Dramen improvisirt. Na- 
mentlich erinnere er sich, wie sie eines Tages davon ge- 5 
sprochen, welch herrliches Stück , C ä s a r ^ geben 
könne. Goethe habe sofort angefangen, die Personen 
zu charakterisiren, und eine Scene des Stücks nach der 
andern vom Anfange bis zu Ende des Dramas vorge- 
tragen. Wenn man die Stücke, die er so improvisirt, 10 
hätte aufschreiben können, würde die Welt einige er- 
halten haben, die noch bewundernswürdiger wären, als 
seine bekannten.^ 

Mit Wieland. — Gespräche 10, 13.« 

[Zwischen 1819 und 1822 beschäftigte Goethe sich einge- 15 
hend mit den Werl^en Mantegnas, dessen grossen ,Triumph- 
zui? Julius Cäsars' er schon 1803 bei der Inscenimng von 
Shal^espeares Tragödie benutzt hatte, doch enthält sein 1823 
in Kunst und Alterthum veröffentlichter Aufsatz über dieses 
Hauptweric des Künstlers keine hleher gehörige Bemerkung.] 80 

1824 NovemÖer 24. — „Die römische Geschichte", sagte er 
[zu Eckermann], „ist für uns eigentlich nicht mehr an der 
Zeit. Wir sind zu human geworden, als dass uns die Trium- 
phe des Cftsar nicht widerstehen sollten" (Gespräche 5, 109). 

1824 November 25. — „Diese Verschwörungsgesohlchten 26 
alle, die den früheren Dichtern im Kragen staken, sind im 
Grunde nichts als revolutionäre Schwärmereien, gewöhnlich 
ist der Ermordete gerade der Beste oder Unentbehr- 
lichste" (Gespräche 5, 111; Müller S. 164). 

Vgl. auch die Worte Erichthos am Eingang der ,Classi- so 
sehen Walpurjerisnacht*. getlichtet 1830 Januar (Faust II: V. 
7018—7024. W. 15, 110 f.). 

* Während der ersten Jahre in Weimar. 

' In Georg Müllers Reisetagebuch für seinen Freund Häfely 
heisst es, während seines Besuches in Weimar, 1780 S5 
October 13: „Goethe soll an einem Werk über die zwölf w- 
sten Gaesars arbeiten. (Diess hab' ich hier gehört)" (,Au8 
dem Herder*schen Hause. Aufzeichnungen von Johann Ge- 
orff Müller. (1780—82.) Herausgegeben von Jakob Baechtold. 
Berlin. Weidmannsche Buchhandlung. 1881* S. 76). 40 

• Auch schon Gespräche 8, 393 (beidemal mit kleinen Unge- 



1808 CAESAR. 79 



1808. 

October 6. Weimar. 118 

^ . . auf das Trauerspiel zurückkommend, sagte er 
[Napoleon].: „Das Trauerspiel sollte die Lehrschule 
5 der Könige und der Völker sein; das ist das Höchste, 
was der Dichter erreichen kann. Sie zum Beispiel soll- 
ten den Tod Cäsars auf eine vollwürdige Weise, gross- 
artiger als Voltaire, schreiben. Das könnte die schönste 
Aufgabe Ihres Lebens werden. Man müsste der Welt 
10 zeigen, wie Cäsar sie beglückt haben würde, wie alles 
ganz anders geworden wäre, wenn man ihm Zeit ge- 
lassen hätte, seine hochsinnigen Pläne auszuführen. 
Kommen Sie nach Paris! Ich fordere es durchaus von 
Ihnen. Dort gibt es grössere Weltanschauung, dort 
15 werden Sic überreichen Stoff für Ihre Dichtungen fin- 
den.'^ 

Jedesmal, wenn er über etwas sich ausgesprochen 
hatte, setzte er hinzu: „Qu'en dit Monsieur Ooet?''^ 
Mit Napoleon. — Gespräche 2, 223. 



so nattigkeiten); aus Gräters Papieren im .Weimar-Album. Blät- 
ter der Erinnerung an Carl August und seinen Musenhof. 
Eine geschichtliche Schilderung von August Diezmann. . . 
Leipzig, Voigt & Günther. 1860' S. 34 Erl. 
^ Das Gespräch fand nicht, wie man nach den «Erinnerungen 

26 aus den Kriegszeiten von 1806—1818. Von Friedrich von 
Müller, . . [Herau^egeben von Adolf Scholl.] Braunschweig, 
Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn. 1851*, 
denen S. 240 das Folgende entnommen ist, glauben müsste, 
am 2. October In Erfurt Statt sondern in Weimar am 6. Oc- 

30 tober Abends nach einer Vorstellung von Voltaires Tragödie 

,La mort de Cesar*; Goethes eigene Angaben schwanken, s. 

82, 3 f. 12-16. 

* Also wird Napoleon auch hier diese Frage gestellt halben. 

Goethes Antwort aber ist nicht bekannt; nach 83, 12 f. will 

16 es scheinen, als habe er sich verpflichtet, jene, nach des 
Kaisers Ansieht „schönste Aufgabe" seines Lebens zu lösen; 



80 CAESAR. 1810 



1810. 

Juni 27. Karlsbad. 119 

Ob ich . ., da ich so viel andere BiDge vorhabe, nuch 
wieder zu theatralischen Arbeiten, wobei weder Freude 
noch Genuas, noch Vortheil zu erwarten ist, wenden 
möchte, glaub' ich schwerlich. Mehrere Plane und Halb- 
außarbeitungen bedeutender Stücke liegen da, und wer- 
den wohl inuner liegen, wie die zwei letzten Theile der 
,natürlichen Tochter^, und eine Tragödie aus der Zeit 



versucht hat Goethe diese Lösung jedenfalls (s. 82, 16—18), lo 
doch kennen wir von diesen Versuchen bis Jetzt nichts. 

Von Obigem nur wenig abweichend lauten Napoleons Worte 
in der Erzählung von Lowes (auf Müllers »Erinnerungen* be- 
ruhend?): „After speaking magnUoquently of tragedy, Na- 
poleon told hlm he ought to write a ,Death of Caesar*, 15 
but in a grander style than the tragedy of Voltaire. ,Ce 
tnivail pourrait devenir la principale tÄche de votre vle. 
Daus cette trag^dle il faudrait montrer au monde, comment 
C^sar aurait pu faire le bonlieur de ITiunianit^, si on lui 
avait laiss^ le temps d*executer ses vastes plana* " (Gespräche 20 
2, 225 f., ,The Life and Works of Goethe: . . Second editlon, . . 
By G. H. Lowes*, Leipzig: F. A. Brockhaus. 1858, 2, 319 f. 

Zur Herzogin Luise sagte Napoleon nach der Vorstellung 
von Voltaires Dichtung: „Etrange pi^ce ce ,C68ar*! Piöce 
r^publicaine! J'espöre que cela ne fera aucun effet icil** 26 
(SdGG. 6, 242.) 

Nach 81, 13. 82, 4. 16. 83, 4 sollte das von Napoleon gefor- 
derte Stück den Titel »Brutus* erhalten. 

Sachlich gehören hierher Nr. 120—124. 

Vgl. auch »Goethe und Napoleon. Eine Studie von Andreas 30 
Fischer* (zweite Auflage, Frauenfeld. J. Huber. 1900) S. 109, 
wo eine Stelle In Goethes Brief vom 4. De<*ember 1808 (an 
M. V. Bybenberg, Br. 20, 234, 4—«), die ich jedoch glaube 
durchaus auf die Kunst und Art der französischen Schau- 
spieler beziehen zu müssen, auch mit auf den von Napoleon 35 
geforderten »Cösar* gedeutet wird und auf Goethes „Lust zu 
der grossen Aufgabe**. 



1810 CABSAR. 81 

[Jmü 27, Karlsbad.] [119] 

Karls des Grossen.^ Sollte das Berliner Theater den ob- 
gemeldeten Vorsehlag, die dritte Repräsentation zum 
Benefiz des Autors zu geben, eingehen,^ so könnte man 

5 eher seine Massregeln darnach nehmen und einen Theil 
seiner Zeit auf dramatische Arbeiten verwenden. Ab- 
gerissen kann man dergleichen nicht unternehmen. Ich 
ziehe jetzt den Roman allem Andern vor, weil einen 
dabei alles begünstigt, was beim Theater dem Autor 

10 nur zum Nachtheil gereidit.* Könnte man die unter- 
nommenen Arbeiten nach und nach vom Stapel lassen, 
so würde der, durch einen sehr hohen und bedeutenden 
Theaterkenner [Napoleon], mir aufgetragene, ,Brutuß* 
wohl auch mit flott werden;* dagegen ich jetzt befürch- 

16 ten muss, dass alle diese Dinge bei mir, wie bisher, 
stocken und nicht zum Ende gelangen. 
An Kirms. — Br. 21, 336, 28-336, 22. 

1821. 

Februar 20, Weimar. 11*0 

ao [Zu 1808 September Ende, October Anfang.] Baa 

Gespräch kam von dem für morgen angekündeten Trau- 
erspiel ,CäsarB Tod^ auf die Erfurter Periode im Jahre 
1808, die Goethe sehr lebhaft schildern half.«^ 

Mit Fr. V. MtiUer u. Coudray. — Gespräche 4, 80 f. 

26 (MüUer S. 59.) 



^ 8. «Tragödie . .' Ausser dem Genannten kommen etwa noch in 
Frage »Das Mädchen von Oberkirch* und ,NausikaaS schwer- 
lich »Mahomet* und »Prometheus*. 

' Vgl. ,Götz von Berlichingen* ugD. (an Kirms). 
80 ■ Goethe arbeitete zur Zeit an den »Wanderjahren* (vgl. Epos 
2. 910. 9). 

* Vgl. 82. 3-5. 15 f. 

• Am 21. Februar wurde in Weimar, „zum ersten Mal** auf- 
geführt: .Der Tod Gäsars. Trauerspiel in drei Aufzügen 

86 aus dem Französischen des Voltaire* (Graff spielte Cäsar, 
Durand Brutus). 
Graf, Goethe aber s. Dichtungen T. II, B. 1. 6 



82 CAESAR. 1822 

Juli 27 Abends, Eger. 121 

[Zu 1808 October 6.] „Als Napoleon in Erfurt war, 
wünschte er, ich möchte ein Trauerspiel ,Brutus* schrei- 
ben. Der Grossherzog schickte desshalb eine Estafette » 
an mich.* Der Gegenstand war mir zu heiklich, daher 
unterliess ich es/' 

Mit Orttner. — G.-Grflner S. 86 (fehlt in den ,Gesiirä- 
chen'). 

ISftS. 10 

][Janüar 24, oder 1826 Ende März, Weimar.] 122 

[Zu 1808 October 6.] Die zu Erfurt versammelten 
Monarchen kommen nach Weimar. Julius Cäsar* von 
Voltaire, wird von französischen Schauspielern aufge- 
führt, ich werde bei dieser Gelegenheit aufgefordert, i5 
einen ,Brutus* im anderen Sinne* zu schreiben. Nadi 
einigen Vorstudien findet man Bedenken weiter zu ge- 
hen.* 

Mit Napoleon. — Morris 1. 205. 



^ Offenbar von Orttner falsch verstanden; die Estafette ao 
brachte die Einladung des Herzogs an Goethe, nach Erfurt 
zu kommen, um den Vorst^ungen der französischen Schau- 
spieler beizuwohnen; femer vgl. Nr. 122. 

• Vgl. 79, 6-8. 

' Die ganze SteUe war ursprünglich für das Jahr 1808 der 25 
»Tag- und Jahres-Hefte* bestimmt, wurde dann ausgeschal- 
tet (in der Alwlcht, den Gegenstand „später zu erwähnen'*) 
und fehlt demnach im Druck, wo es statt Ihrer am Schluss 
des Abschnittes 1808 heisst: „Der im September erst in der 
Nähe versammelte, dann bis zu uns heranrückende Gongress 30 
zu Erfurt ist von so grosser Bedeutung, auch der Einfluss 
dieser Epoche auf meine Zustände so wichtig, dass eine be- 
sondere DarsteUung dieser wenigen Tage wohl unternommen 
werden sollte" (W. 36. 41. 28—42. 5). 

Zu „aufgefordert" (Z. 15) hat Riemer am Rande bemerkt 86 
„Napoleon zu nennen"; das Wort „Vorstudien" (Z. 17) ist ge- 
strichen und dafür am Rande von Riemer gesetzt „Vorar- 
beiten" (8. Morris 1. 206-207). 



1824 



CAESAR. 



][ Februar 15? Weimar.] 123 

*[Zu 1808 October 6.] Gelegenheit zur Aufforderung 
einen ,Bnitus^ zu sehreiben, 
ö Biographische Einzelnheiten: Unterredung mit Napo- 

leon. 1808. — W. SC. 444. 

1827. 

August 80, Weimar. 124 

[Zu 1808 October 6.] [Mittags.] Ich [Kanzler Mül- 
10 ler]. regte Goethe sehr auf, über Napoleon seine Ideen 
niederzuschreiben.* . . . Der Sohn erzählte, dass der Va- 
ter dem Kaiser habe versprechen müssen, einen besseren 
,Tod Cäsars* zu schreiben.* 

Mit Fr. V. MttUer u. Goethes Sohn. - Müller S. 206. 

15 ^ In Goethes ,Skizze' seiner Unterredung mit Napoleon helsat 
es unter dem 6. October lakonisch: ,, Abends ,Tod des Oft- 
sars*'* (W'. 36, 275, 17). Zu dieser Stelle hat ein Entwurf 
der ,Skizze' am Rande die folgende Bemerkung. 
« Vgl. Epos 2, 660, 20-661, 24. 

so » VgL 79, 34-80, 11. 




C an t a t e 



zum Jubiläum der Reformation 1817. 



Handschriften: 1 1. Erste Concepte von Scbema 1 und Schema 2 
in den Coneepten der Briefe an Zelter vom 14. Novem- 
ber und 10. December 1816; von Scbreiberband, mit ft 
eigenhändigen Verbesserungen Goethes. 

2. Abschrift von Schema 1, unter Zelters musikalischen 
Papieren (in Berlin?). 

3. Abschrift von Schema 2, mit Zusätzen und Ver- 
besserungen, unter Zelters musikalischen Papieren (in lo 
Berlin?). 

4. Abschrift der unter 3. angeführten Abschrift von 
Schema 2, von Schreiberhand, mit eigenhändigen Verbes- 
serungen Goethes (vgl. 91, 7 f.). 

5. Drei kleine Bruchstücke In Versen (zugehörig zu 15 
den 92, 18. 24. 28 f. charakterisirten Theilen), Concept der 
Ausführung, von Goethes eigener Hand. 

Erster Druck: 1833, Schema 1 G. -Zelter 2, 350 (doch ist hier 
irrthümlich die Beilage als selbstständiger Brief behan- 
delt, der in Brief Nr. 273 genannte „Beiliegende Entwurf" 20 
als Brief Nr. 274 bezeichnet); Schema 2 G.-Zelter 2, 
859-362. 
1894, die Bruchstücke der Ausführung W. 16, 577 f. 

Weimarer Ausgabe: 1894. W. 16, 570—578, nach den in Band 13 
der Werke Gotta' enthaltenen Dichtungen (s. Tabelle 3); 25 
mit «Schillers Todtenfeier* zu einem „Anhang" von einzig 
hoher Bedeutung vereinigt, der aber hinter den kritischen 
Apparat der „Lesarten" verateckt ist. 



1816 OANTATB. 85 

181«. 

Novenil)er 8, Weimar. 125 

^[Vormittags] Luthers Monument. Zeiters Cantate 
zu diesem Zweck. Luthers Vorreden zu den biblischen 
Büchern.* 

Tgb. 5, 284, 22-24. 



' Am 4. November ftc^rieb Z^ter an Goethe über ein Lutber- 
Monument, fttr das In Berlin eine groeee Summe deponirt 
worden war; der Eingang dieses Briefes ypeschrieben am 2. 

10 oder 3. November) lautet: ,,Schon eine Weile trage ich mich 
mit dem Gedanken: zu dem bevorstehenden Reformations- 
feste L31. October 1817] eine Musik zu machen, die sich viel- 
leicht aus lauter Imtherischen Dictis zusammeneetien Hesse. 
Du bist wohl so gut mir hierüber Deine Gedanken wissen 

15 zu lassen, wenn Du nicht gar der Mann bist, der allein so 
etwas zu beschaffen unterrichtet und ausgestattet wäre. 

Wenn gleich schon an die Sache gedacht ist und besprochen 
wird, so fürchte ich den alten Leichtsinn wie überaU; und 
ganz zuletzt geht die Sache bloss in's Kritische, wo nicht gar 

20 in's Theatralische über, wo »ich denn Herr vonKotzebue 
bereit Ündet, ein Ei auszubrüten, das nicht rund und nicht 
eckigt ist. . . . 

. . 4. November . . Staatsrath Schultz, den ich mit dem 
25 Anfange dieses Briefes bekannt machte, hatte sein Wohlge- 
faUen an dem Gedanken" (G.-Zelter 2, 380-382). 
' Mit ihnen hatte Goethe sich, wie das Tagebuch 1816 zeigt, 
neuerdings wieder beschäftigt, im Zusammenhang mit seinen 
orientallsdien StudieD: 
30 August 21: ,3ibel. Buch der Könige. . . . Psalmen. Ver- 

gleiobung mit neuerer Orientalischer Poe* 
sie.'' 
„ 22: „Psalmen. Luthers Vorreden. VergL Neuere 
Orientalische Poesie. 
36 Luther. 

Ein Prophet wird genennet der seinen Ver- 
stand von Gott hat, ohne Mittel.'' 
28: „Jesalas''. 
September 8: „Bibel. Esdra. Nehemia. Judith. Job." 
40 „ 7: „Buch Samuelis" (Tgb. 5, 265, 26 f. 266. 3—7. 

10. 268, 18 f. 269. 6 f.). Zu beacliten sind ferner die Vermerke: 



86 CANTATB. 1816 

November 10, Weimar. 126 

[Früh] Allerlei Expeditionen. . . . Bezügliches auf 
Luther an Zelter.* 
Tgb. 5, 285, 7-«. 

November 11, Weimar. 127 & 

[Nachmittags]. Zelter Notizen von Berlin [?].... 
[Abends] Luthers Denkmal. Jubiläum des Befonna- 
tionsf estes u. d. g. 

Tgb. 5. 285. 19. 22 f. 

November 14, Weimar. 128 la 

Beiliegenden Entwurf sende im Concept. Er ist zwar 
sehr eilige ja übereilt^ allein zu Anbiss und Anregung 
genug. Setze Deine Gedanken und Forderungen gleich 
daneben und sende die Blätter zurück, so wird sich 
alles geschwind gestalten. i^ 

[Entwurf.] 

^Um die freundliche und aufregende Unterhaltung 
nicht stocken zu lassen, sag^ ich ein Wort zu jenem 
Vorsatz, dem Eeformationfi-Jubiläum eine Cantate zu so 
widmen; im Sinne des Händeischen ,Mes6ia8^, in wel- 



October 24: ,, Reformationsfest von Tenzel und Cyprtan.'* 
November 4: „Cyprian und Tenzel über die Reformation." 
5: „Tenzels Reformations-Gescbichte." 
„ 6: „Reformations-Gescbiciite" (Tgb. 5, 280, 26 

18 f. 288, 2. 17 f. 284, 7; vgl. auch die Notiz v<Mn 4. Novem- 
ber 1806: „Nachmittag Luthers Verherrlichung von Hummel 
mit Meyer durchgegangen, und anderes auf Luthers Leben 
und Charakter Bezügliches besprochen'*, Tgb. 8, 178, 9—12). 
* Wohl der Entwurf (Schema 1) nebst Erläuterung 86, 18— 88, 30 
85, den Goethe vermuthlich an diesem Tage, Luthers Geburts- 
tag, schon abschicken wollte, dann als „übereilt" (Z. 12) 
zurückbehielt, am 14. November aber doch abschickte (86, 
18—88, 85 wäre demnach vielleicht richtiger unter November 
10 gestellt worden). s» 

' Das Folgende (bis 88, 35) vielleicht schon am 10. geschrieben, 
Vgl. Z. 30-82. 



1816 CANTATE. 87 

[November 14, Weimar.] [1S8] 

chen Du so wohl eingedrungea bist/ würde sich es 
wohl am besten schicken. 

Da der Hauptbegriff des Lutherthums sehr würdig 

5 begründet ist, so gibt er schönen Anlass sowohl zu 
dichterischer als musikalischer Behandlung. Dieser 
Orund nun beruht auf dem entschiedenen Gegensatz 
von Gesetz und Evangelium, sodann auf der 
Vermittelung solcher Extreme. Setzt man nun, um auf 

10 einen höheren Standpunct zu gelangen, anstatt jener 
zwei Worte, die Ausdrücke: Nothwendigkeit und 
Freiheit, mit ihren Synonymen, mit ihrer Ent- 
fernung und Annäherung, so siehst Du deutlich, dass 
in diesem Kreise alles enthalten ist, was den Menschen 

15 interessiren kann. 

Und so erblickt denn Luther in dem alten und 
neuen Testament das Symbol des grossen sich immer 
wiederholenden Weltwesens. Dort das Gesetz, das 
nach Liebe strebt, hier die Liebe, die gegen das 

90 Gesetz zurückstrebt und es erfüllt, aber nicht aus 
eigener Macht und Gewalt, sondern durch den Glauben; 
und zwar durch den ausschliesslichen Glauben an den 
allverkündigten und alles bewirkenden Messias. 

Aus diesem Wenigen überzeugt man sich, wie das 

25 Lutherthum mit dem Papstthum nie vereinigt werden 
kann, der reinen Vernunft aber nicht widerstrebt, so- 
bald diese sich entschliesst, die Bibel als Weltspiegel 
zu betrachten; welches ihr eigentlich nicht schwer fallen 
sollte. 

so Diese Conceptionen in einem singbaren Gedichte 

auszusprechen, würde ich mit dem Donner auf Sinai, 
mit dem: Du sollst! beginnen; mit Christi Aufer- 
stehung aber, und dem: Du wirst! schliessen. 
Zu mehrerer Erläuterung meines Plans setze die 

86 Polgenreihe des Ganzen hieher. 

» Vgl. G.-Zelter 2, 302 f. 



88 CANTATE. 1816 

(KoTember 14, Weimar.] [188] 

[Schema 1.] 
Erster Theil. 

1. Die Gesetzgebung auf Sinai. 

2. Das kriegerische Hirtenleben, wie es uns das Buch 6 
der Richter, Ruth u. s. w. daretellt. 

3. Die P'inweihung des Tempels Sfilomonis. 

4. Das Zersplittern des Gottesdienstes, der sich auf 
Berge und Höhen wirft. 

5. Die Zerslärung Jerusalems, und in G^folg derselben lo 
die Gefangenschaft zu Babel. 

6. Propheten und Sibyllen, den Messias ankündigend. 

Zweiter Theil. 

1. Johannes in der Wüsten, die Verkündigung auf- 
nehmend. 15 

2. Die Anerkennung durch die drei Könige. 

3. Christus erscheint als Lehrer und zieht die Menge 
an sich. Einzug in Jerusalem. 

4. Bei drohender Gefahr verliert sich die Menge; die 
Freunde schlafen ein; Leiden am Oelberg. 20 

5. Auferstehung. 

Hält man die beiden Tbeile gegeneinander, so er- 
scheint der erste absichtlich länger, und hat eine ent- 
schiedene Mitte, woran es jedoch dem zweiten auch 
nicht fehlt. ^ 

Im ersten Theile parallelisiren Nr. 1 imd 5: Sinai 
imd die Zerstörung, die Zeit der Richter und der Baals- 
dienst; Nr. 2 und 4: idyllisch enthusiastisch, die Ein- 
weihung des Tempels als höchster Gipfel u. s. w. 

Im zweiten Theile würde sich das Morgendliche, der 30 
Sonnenaufgang in Nr. 1 und 5 steigend ausdrücken. 
Nr. 2 und 4 sind im Gegensatz. Nr. 3. Einzug in 
Jerusalem, möchte die freie, fromme Volksfreude, wie 
die Einweihung des Tempels die fürstlich priesterliche 
Begränzung des Gottesdienstes ausdrücken. S6 



181« CANTATB. 89 

[M^Tembcr 14, Weimar.] [liSj 

Tausend andere Verhältnisse werden Dir beim ersten 

Anblicke einfallen. Diese Dinge dürfen nicht historisch, 

sondern lyrisch verknüpft werden; jedermann kennt 

5 das Ganze imd wird sich auf Flügeln der Dichtkunst 

gern aus einer Begion in die andere versetzen lassen. 

Der Text bestünde aus biblischen Sprüchen, bekann- 
ten evangelischen Liedern, dazwischen Neugedichtetes, 
und was sich sonst noch finden würde. Eigene Worte 

10 Luthers möchten kaum anzuwenden sein, da der treff- 
liche Mann durchaus dogmatisch-praktisch ist; so auch 
sein Enthusiasmus. Doch ist es Deine Sache, Dich in 
den Schriften selbst imizusehen. Vor allen Dingen lies 
die ganz unschätzbare Vorrede zu dem Psalter. Femer 

15 die Vorreden und Einleitungen in die übrigen bibli- 
schen Bücher. Wahrscheinlich triffst Du hier auf an- 
wendbare Stellen, zugleich durchdringst Du Dich vom 
Sinn der ganzen Lehre, deren Geschenk wir feiern 
wollen. 

so Vielleicht isfs hier am Platze, zu dem Obgesagten, 

den Katholicismus betreffend, ein Wort anzufügen. Bald 
nach ihrer Entstehung und Verbreitung litt die christ- 
liche Beligion durch sinnige und unsinnige Ketzereien, 
sie verlor ihr ursprüngliches Beine. Als sie aber gar 

25 rohe Völker und verderbte Gesittete^ bändigen und be- 
herrschen sollte, waren derbe Mittel nöthig; nicht Leh- 
ren, sondern Dienst bedurfte man. Der einzige Mittler 
zwischen dem höchsten Gott des Himmels und den 
Erdemenschen war nicht genug u. s. w., was wir alle 

30 wissen; und so entstand eine Art von heidnischem 
Judenthum, das noch bis auf den heutigen Tag lebt und 
webt. Das mußste alles in den Gemüthem imigeworfen 
werden, desshalb bezieht sich das Lutherthum einzig 
auf die Bibel. Luthers Verfahren ist kein Geheimniss, 



S5 * Wohl zu lesen: „gesittete" [Völkerl. 



ÖO CANTATB. 1816 



[November 14, Weimar.] [128] 

und jetzt, da wir ihn feiern sollen, thun wir ee nur als- 
dann im rechten Sinne^ wenn wir sein Verdienet aner- 
kennen, darstellen, was er seiner Zeit und den Nach- 
kommen geleistet hat. Dieses Fest wäre so zu begehen, 6 
dass es jeder wohldenkende Katholik mitfeierte. Doch 
davon ein andermal.^ 

Baue Dir, wenn mein Plan gefällt, selbst etwas auf, 
theil^ es mit, und ich will eingreifen. Soviel, wo nicht 
zuviel für diesemal.* lo 

An Zelter. — G.-Zelter 2, 347—853. 



^ Vgl. den l>ald hierauf entstandenen Aufsatz Goethes, den 
Suphan GJ. 16, 8—12 veröfTentlicht und, mit Elnschluss un- 
serer ,Cantaie* und des Luther-MonumeDtB, besprochen hat. 
* Zelter antwortet November 23: „Dein lieber Brief vom 14. 16 
macht mir grosse, grosse Freude. Der Entwurf hat mich 
ganz in Besitz genommen, gleich beim ersten Lesen. Nun 
habe ich ihn schon viele Male wieder Dachgeleseu und meiner 
PhaDtHäie stellt sieh schon der brennende Busch dar, den 
ich nach meiner Weise zu illuminiren gedächte. ^q 

Das Buch der Richter und das Buch Ruth ist wieder durch- 
gelesen^ auf Verbindung und At>sonderung gedacht, doch 
Bauen ohne Steine habe ich nicht gelernt. Du, mein Lieb- 
ster, musst mir nun die Materialien in Natum anweisen, da- 
mit nicht etwas Anderes entstehe, als wir wollen: kurz ich 26 
muss in Bewegung kommen. 

Sei nun so gut und thue dessgleichen und sende mir so- 
gleich einen Anfang, damit ich an die Arbeit komme, su 
der ich Lust habe. Vielleicht wäre es möglich, etwas zu 
Stande zu bringen, was nachher auch in Eure dortigen 30 
Kunstzwecke passte. 

Die A'onvde zum Psalter kenne ich noch gar nicht, werde 
sie aber sot^leich herbeischaffen. Unter Lutherischen Dictls 
verstehe ich, so wie Du, biblische Sprüche. Könnte man eins 
oder mehrere seiner Kirchenlieder gebrauchen, auch gut. Dn 35 
hast vollkommene Freiheit, und ich werde mich nach Dir 
richten, so gut ich kann. 

Von dem Entwürfe schreibe ich die Theile auf die folgende 
Seite, da ich das Ganze zum Unterrichte behalten muss. 
Brauchst Du es Jedoch ganz, 8o will ich's in Abschrift nach- *o 
senden* (G.-Zelter 2. 353 f.). 



1816 CANTATB. 91 



December 6, Weimar. 129 

[Morgens] Schema [2] der Cantate zum Reforma- 
tionsfeste [s. Z. 29—94, 22]. 
Tgb. 5. 292. 1 f. 

5 December 10, Weimar. 130 

Hier sende . . das Schema zur grossen Cantate weiter 
entwickelt, lass es auch in Dir femer aufblühen. Eine 
Abschrift hab' ich zurückbehalten. 

10 Der Componist wird die Beziehungen aller Theile 

unter einander auf's genauste erwägen, und sich von 
dem Donner auf Sinai immer Steigerungen vorbehal- 
ten, welche durch Abwechselung zu erreichen sind. 
Ich habe» nach Anleitung des Händelischen Alexan- 

16 der-Festes, statt des dortigen Einen Timotheus, mehrere 
Sprecher aufgeführt, welche theils bloss recitirend, 
theils in Qesang übergehend, theils mit dem Chor wett- 
eifernd gedacht werden können, wie man sich im Qange 
der Beschäftigung überlegen wird. 

30 Die Sprechenden sind meist Männer, es lassen sich 

aber auch, wenn es nöthig wäre, Frauen substituiren. 
Vor allen Dingen wünscht' ich zu erfahren, wie etwa 
die Hauptßtimmen zu vertheilen sind und an welchen 
Stellen man eigentliche Arien einschaltete, zu welchen 

85 man biblische und andere fromme Sprüche alsdann um- 
bildete, damit sie noch kenntlich wären und zugleich 
rhythmisch bequemer. 

[Schema 2.] 
Erster Theil. 
so Symphonie. 

Zum Schluss Donner auf Sinai. 
Zudringendes Halbchor. (Volk.) 

Es will in der Nähe sehen, was da vorgeht. 
Abhaltendes Halbchor. (Leviten.) 
«• Das Volk wird von Sinai zurückgedrängt und betet an. 



«2 CANTATE. 1616 



jDMember 10, Weimar.) [UD] 

Sprecher (Aanm). 

Leitet das Ereigniss ein, erwähnt des Abfalls zum 

goldnen Ealbe. 
Das Volk demüthigt sieh und empfängt das Oesetz. » 
Sprecher (Josua). 
Zug durch die Wüste. 
Eroberung des Landes. 
Kriegerische Hirtenchöre, im Sinne derer meiner ,Pan- 

dora^ 10 

Spreeher (Samuel). 

Den schwankenden Zustand zwischen Priesterthum 

und Eönigthum aussprechend. 
Beharren des Königs und des Volkes bei dem Begriff 

des einzigen National*Ctottes. is 

Salomons Regienmgfsantritt. 
Frauenchöre. 

Sulamith) die Gelie/bteste in der Feme.^ 
Priesterchöre. 

Einweihung des Tempels. » 

Chöre aller Art. 
Sprecher (Elias). 

Die Abweichung gegen Baal vorbereitend. 
Dienst auf Höhen und im Freien.* 
Chöre des Volks, das zur Heiterkeit früheren freiem ss 

Himmelslebens zurückkehrt. 
Muntere Festlichkeit, minder religiös. 
Chöre der Priester Baals, pfaffenartig mit Härte und 

Rohheit imponirend.* 

*■ Diese und die folgende Zeile fehlen in der ersten Nieder- «o 
schrlft von Seiiema 2; das erste der erhaltenen Bruchstücke 
gehört hierher (V. 1-10). 

* Zu dieser und der folgenden Zeile gehört das zweite der er- 
haltenen Bruchstücke (V. 11—18). 

* Hierzu gehört das dritte der erhaltenen Bruchstücke (V. 19— S6 
22). 



1816 OANTATB. 9a 



[Deoember 10, Weimar.] [laO] 

Sprecher (Jonap). 

Drohungen. 

Grosse Peindesmassen in der Feme weissagend. 
6 Herandringen des Feindes. 
Beängstigung. 

Untergang des Beichs^ gewaltsam. 
Gefangenschaft. lieblich lamentabel. 
Sprecher (Jesaias). 
10 Bettung und künftiges Glück verkündend. 

Chöre, es dankbar aufnehmend, aber im irdischen Sinne. 
Propheten und Sibyllenchöre, auf das Geistige und 

Ewige hindeutend. 
Schliesst glorios. 

15 ZweiterTheil. 

Symphonie. 

Sonnen- Aufgang. 

Das Lieblichste der Morgenluft. 

Ländlich, nicht hirtlich. 

90 Weite Etosamkeit. 

Sprecher (Johannes). 
Die Verheissung aufnehmend. 
Den Geburtsstem erblickend als Morgenstern. 
Die Annäherung der Könige vorbereitend. 

25 Zug der drei lUmige. 

Es ist kein Widerspruch, wenn hier Janitscharen- 
Musik gebraucht wird; denn diese ist uns ja über 
den Oxus hergekommen. Besonders würde sie er- 
freulich sein bei Ankunft des dritten Königs, der 

80 immer als etwas wild vorgestellt wird. (Diese Scene 

müsste der Abwechslung wegen entschieden drama- 
tisch sein.) 
Abzug der Könige in die Feme. 
Sprecher (Christus). 

86 Tritt auf, lehrend. 



94 CANTATB. 1816 



[Deeember 10, Weimar.] [ItO 

Chor aufmerksam^ aber schwankend. 

(Gesteigerte Lehre. 

Andrang und Beifall des Volks, immer im irdischen • 

Sinne. 5 

Christus steigert seine Lehre in's Geistige. 
Das A^olk missversteht ihn immer mehr. 
Einzug in Jerusalem. 
Sprecher (drei Apostel). 

Furcht vor Gefahr. lo 

Christus: tröstend^ stärkend, ermahnend. 

Einsames Seelenleiden. 

Höchste Qual. 
Sprecher (Evangelist). 

Kurze Erwähnung des physischen Leidens. is 

Tod. Auferstehung. 
Chor der Engel. 
Chor der erschreckten Wächter. 
Chor der Frauen. 
Chor der Jünger. lo 

Das Irdische fällt alles ab, das Geistige steigert sich 

bis zur Himmelfahrt und zur Unsterblichkeit.^ 
An Zelter. — O.-Zelter 2, 8SS-M2. 
Deeember 11. Weimar. 131 

[Brief] An Professor Zelter nach Berlin, ts 
zweites Schema der biblischen Cantate eingelegt [s. 
Nr. 130].« 

Tgb. 5. 2Ö8, 18-20. 

^ Brief und Schema gingen erst am 11. ab (vgl. Nr. 131). 

< Aus Zelters Antwort vom 15.: „Das Schema der Cantate so 
ist ganz nach meinem Siime, Du brauchst Dich daher nicht 
zu genlren und kannst geben, was Dir fliesst Arien, Chöre, 
Recitative und dergleichen formiren sich 8ell)er, Ja sie mttssen 
sich selber formiren, wenn das Ganze yerständlich ohne ge- 
mein werden soll. u 

Die Ouvertüre war sch<m disponlrt, doch kaim ich sie 
nicht schliessen. bis ich den Anfang des Stücks liabe. Der 



1816 CANTATE. Ö5 



Dcceiuber 25, Weimar. 132 

[Früh] ^Nebenstehendes. . . . Brief an Zelter 
(wegen der Cantate) [s. Nr. 133]. 
Tgb. 5. 297. 11 f. 
5 Deceniber 26, Weimar. 133 

Deinen werthen, mit meinen Vorschlägen überein- 
stimmenden Brief habe erhalten, vorerst aber zu mei- 
nen übrigen Papieren gelegt; denn wie ich weiter ein- 
greifen kann, seh' ich nicht klar. Wären wir beisam- 
10 men, dann würde es sich geschwinder ergeben. Nun 
aber lastet die Witterung zugleich mit einer Menge 
Einzelnheiten auf mir, dass ich, wenn ich mir auch ein 
glücklicheres Jahr denke als das vorige, nicht weiss, 
wie ich fertig werden will. 
15 Doch kommt zu solchen Dingen manchmal ein gaüz 

unvermutheter Anstoss, darauf wollen wir hoffen und 
vertrauen.^ 

Au Zelter. — G.-Zelter 2. 3ö8. 



Sinn und Geist besteht in den von Dir 8ell)8t angegebenen 
so Gegensätzen: Du sollst! — Duwirst! . . . 

Aus dem Donner auf Sinai könnte man Töne der zeün Ge- 
bote vernehmen lassen, die sich nachher durch die Worte 
selber erklärten. Wären wir nur näher zusammen, man kann 
Ja nicht alles schreiben. . . . 

35 Den Unterschied zwischen Chor und Halbchor würde ich 
in vier einzelne Stimmen gegen den ganzen Chor setzen, wenn 
er als contrastlrend bestehen soll. Ausserdem ist eine weib- 
liche Solopartie fast noth wendig, um eine ordentliche Siluge- 
rin zu beschäftigen und allenfalls zwei'* (G.-Zelter 2, 3(»4 f.). 

30 1 Dieser „Anstoss" kam leider nicht. Weder Zelters Mitthei- 
lung und verhüllte Mahnung am 12. Januar 1817: „Die Lnt- 
herschen Vorreden, l)e8onde!'8 zum alten und neuen Testa- 
ment, habe mit grosser Erbauung wieder gelesen'', noch seine 
Anfmge am 11. Februar: „Hast Du wohl schon etwas über 

36 uneem Lutherus ausgedacht? damit ich einen Anfang 
hätte", noch auch seine Klage am 4. März, auf die Nachricht 
hin, dass Gk>ethe Kotzebues Schauspiel ,Der Schutzgeist' für 
die Weimarische Btthne bearbeite: „Schade nur, dass mein 
Luther dadurch um sein armes Leben kommt" (G.-Zelter 



96 OANTATE. 



1828. 

][Juli 19-22. Marienbad.] 134 

[Zu 1816.] . . ein Lied für das Berliner Künstlerfest 
geschrieben, wogegen eine beabsichtigte grosse Cantate 
zum Lutherfest, wegen Mangel an Zeit und Aufmunte- 
rung/ bald nach der Conception, aufgestelltem Schema 
imd geringer Bearbeitung^ liegen blieb, und für die Aus- 
bildung verloren ging. 

Tag- und Jahres-Hefte, 1816. — W. 86, 107, 21—27. 



2, 377. 380. 390), yermochten, Goethe lur Weiterführung des lo 
Planes zu bringen. Wenn er auch 1817 immer die Bedeu- 
timg des Jahres gegenwärtig behielt, wie manche Brief- ond 
Tagebuch-Stellen beweisen (G.-Rochlitz S. 174, G.-Voigt S. 874, 
Briefe yon und an €k>ethe S. 112, G.-Knebel 2, 229, Tgb. 6, 
37, 12 f.), so gestalteten sich poetisch doch nur Kleinigkeiten, 15 
wie das Bpigramm ,Dem 31. October 1817' (W. 3, 140). 
Vgl. 96, 9-17. 
' Vgl. 84, 16. 




Claudine von Villa Bella. 



I. Erste Fassung: als Schauspiel. 

Handschriften: sind nicht bekannt — Im Vorwort des Neu- 
drucks «Göthe's Sin^piele Claudine y. Villa Bella und 

6 Erwin. In ihrer ursprünglichen Gestalt herausgegeben 

Tou Dr. Heinrich Döring. Arnstadt, 1843. Druck und 
Verlag der Fr. Faustischen Hofbuchhandlung* sagt der 
Herausgeber am Schluss: der Abdruck sei „genau be- 
sorgt nach einer Handschrift vom Jalire 1776 aus dem 

10 Nachlass eines Freundes in Darinstadt**; auch diese 

Handschrift scheint verschollen. 

Erster Druck: 1776, unter dem Titel »Claudine von Villa Bella 
Ein Schauspiel mit Gesang von J. W. Göthe. Berlin bey 
August Myliua 1776*. 
15 Himburg nahm die Dichtung, noch im selben Jahr, in 

'l'heil 8 seiner unrechtmässigen Sammlung von ,D. Goe- 
thens Schriften* auf, wo Ihr ein, von Berger nach Chodo- 
wieckis Zeichnung gestochenes, Kupfer beigegeben war 
(zu Pedros Worten „Quüle deine liebe Seele nicht!" W. 
20 38, 179, 8). Goethe schlose die erste Fassung von seinen 

Werken aus, plante aber noch die Aufnahme in die Aus- 
gabe letzter Hand (vgl. 31, 21—25. 32—34). 
Zweiter Druck: 1842, Werke N. 17. 135—204. 
Weimarer Ausgabe: 1897, W. 38, 107—194 und 478-480. am 
26 Schluss der „vorwelmarischen Jugemldichtuugen**. nach 

,Concerto dramatico*, ,Götter, Helden und Wieland*, 
«Anekdote zu Werthers Leiden*, »Hanswursts Hochzeit*, 
,Ewige Jude*, ,Kün»tlers Vergötterung*, ,Erwin und El- 
mire* (erste Fassung). 
Graf, Goethe über 8 Dichtungen T. H, B. 1. 7 



98 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 1775 



II. Zweite Fassung: alsSingspieL 

Handschriften: 1. eine In Italien. 1787 Deeember iind 1788 
Januar und Anfang Februar, entstandene Niederschrift 
des Ganzen, kleineren Theils erste Niederschrift, grösse- 
ren Theils Reinschrift, mit nachträglichen Verbes»eningen 5 
(die in den ersten Druck aufgenommen sind). 

2. eine Abschrift von der Hand eines unbekannten 
Schreibers, in Italien genommen yon der unter 1. genann- 
ten Handschrift, bevor in dieser eine Anzahl Verbesse- 
rungen angebracht waren, die in den ersten Druck über- lo 
gegangen sind; sie ging 1788 am 26. Januar (Aufzug 1. 2) 
und 9. Februar (Aufzug 3) von Rom aus nach Weimar 
ab. Die Vorlage für den ersten Druck, als welche diese 
Abschrift nicht gedient hat, ist unbekannt. 

Erster Druck: 1T88. Schriften 5, 199—324. Gleichzeitig gab 16 
der Verleger den selben Druck (die Signatur der Bogen 
.Goethe^s W. 6. B.* ist entfernt) als Einzelausgabe heraus 
unter dem Titel: .Claudine von Villa Bella, Ein Sing- 
spiel. Von Goethe. Ächte Ausgabe. Leipzig, bey Georg 
Joachim Göschen. 1788*. (Wegen des Cnrtons in diesem 80 
Druck vgl. Nr. 189 nebst Erl.) 

Zweiter Druck: 1808. Werke Cotta* 7, 1— 8(>. 

Dritter Druck: 1816, Werke Cotta* 8. 1—86. 

Vierter Druck: 1827, Werke Cotta» 10, 197—285. 

Weimarer Ausgabe: 1892, W. 11, 197-283 und 417-423. Vor- 26 
hergehen »Blpenor*, »Clavigo*, .Stella*; es folgen .Erwin 
und Elmire*, .Befreiung des Prometheus*. Bruchstücke 
einer Tragödie [aus der Zeit Karls des Grossen], Aus 
fremden Sprachen (Dramatische Bruchstücke). . 

Unter Goethes Theaterleitung fand nur Eine Aufführung JO 
des Singspiels Statt: 1795 Mai 30 in Weimar. 

1775. 

] [April, etwa 10., Frankfurt.] 135 

Ein gut Wort findt eine gute Statt. Bin doch gleich 
nach Haus gangen, hab' ,Cla\idinen^ ausgegraben.^ » 
Das zur Nachricht, . . 

An Johanna Fahimer. — Br. 2. 254, 7—9. 



* Auf ein „gut Wort**, eine Aufforderung der Adressatin hin? 
Der Ausdruck „ausgegraben** beweist, dass die Dichtung, 



1775 CLAl'DIXE VON VILLA BELLA. 



April 14, Frankfurt. 136 

Ich habe allerlei gethaii, und doch wenig. Hab' ein 
Schauspiel bald fertig, . . .^ 

An Knebel. - Br. 2. 255. 3 f. 

6 V][Mai erste Hälfte, Frankfurt.] 137 

Von meiner Freseo-Malerei wirst ehestens sehen, wo 
Du Dich ärgern wirst, gut gefühlte Natur neben scheuss- 
liehem Locus communis zu sehen.^ 
An Herder. — Br. 2, 263, 1—3. 

10 Juni 4, Emmendingen. 138 

^Hier schick^ ich, lieber Knebel, ,Claudinen*; lesen 

vor längerer Zeit (schon 1774) begonnen, eine ganze Weile ge- 
ruht hatte; so weisen auf 1774 auch die Angaben 143, 17 f. 
* Wird von Strehlke (WH. 9, 44), ürlichs (G.-Fahlmer S. 78), 

15 Dtintzer (Goethes Leben 8. 236) u. a. auf ,Claudine* bezo- 
gt u. auf .Stella' dagegen im Register Br. 7. 477 und Briefe 
vdH. 1, 200; beides ist möglich, Jedenfalls aber betrifft der 
Ausdruck „allerlei gethan", wie Nr. 135 beweist, auch mit 
,Claudine*. 

90 'Die von Dtintzer ((Goethes Lel>en S. 240) behauptete Bezie- 
hung erscheint sehr zweifelhaft. 
" Nach Düntzers Vermuthung (Freundesbilder S. 424) schickte 
Goethe eine Abschrift der ,Glaudlne* im Mal oder schon 
April an seine kranke Schwester nach Emmendingen. Jetzt 

3» war er, Mitte Mai Frankfurt verlassend, in Karlsruhe mit 
Knebel zusammengetroflTen; mit diesem mag Goethe über 
die Dichtung gesprochen und Knebel sich In seinem ..Brief- 
lein** (Br. 2. 266, 2 f.) die Handschiift für kuiv.e Zeit ausge- 
beten haben, um sie dem. gleichfalls lu Karlsruhe weilenden 

30 Heraoff (richtiger Erbprinzen» Karl August vorzulesen. 

Wilmanns dagegen nimmt an: Goethe habe die Handschrift 
bei seiner Abreise mitgenommen, um sie „den Freunden, die 
er unterwegs besuchte, mitzutheilen. Merck in Damistadt 
seiner Schwester in Emmendingen", und scheint sogar 

35 anzunehmen, da»? Meroks Wort ..Dein Bestreben, deine un- 
ablenkbare Richtung Ist, dem Wirklichen eine poetische Ge- 
stalt zu geben" (Dichtung und Wahrheit Buch 18) durch eine 
Vorlesung der ,Claudine* veranlasst worden sei. (Im neuen 
Reich (1878) 1, 481. 499). 

40 Beide Annahmen sind möglich; bei der von Wilmanns 
bliebe sehr auffallend, dass Goethe bei seiner Anwesenheit 



100 CLAÜDINB VON VILLA BELLA. 1776 

[Jani 4, Emmendingen.] [18^ 

Sie's unserm Herzog zur freien Stunde, und dann bitte 
ich sie wieder zurück an meine Schwester hieher mit 
dem Postwagen zu senden. Nicht abgeschrieben! Ich 
bitte gar schön. & 

An Knebel. - Br. 2, 265, 24r-266, 2. 

August 1, Frankfurt 139 

Schicken Sie mir ,Claudinen' zurück!* 
An Knebel. — Br. 2, 272, 14 f. 

177«. 

Mai 12. Weimar. 140 lo 

Je V0U8 envoie nia ,Claudine',^ puisse-t-elle vous faire 

In Karlsruhe Knebeln die Handschrift uieht gleich dagelas- 
sen hat 

* Vgl. Nr. 138. — Wie sehr mau während der ersten Monate 
nach Goethes Ankunft zu Weimar in der Claudinen-Sphäre 15> 
lebte, zeigt folgende Stelle aus Goethes Brief an den Herzog 
Karl August, Waldeck December 25: „l>er Abend gestern 
ward mit Würfeln und Karten ver^'agabundet. . . . [Decem- 
ber 26.] So auch der ganze iieutige Tag! . . . Nach Tisch ram- 
melten sich Rugantino [Auffallend erscheint hier schon die, 20 
erst in der zweiten Fassung eingeführte Namensform, statt 
der ursprünglichen: Crugantino.] und Basko, nachdem wir 
vorher unsre Imagination spazieren geritten hatten, wie*8 sein 
möchte, wenn wir Spitzbuben und Vagabunden wären, und 
um das natürlich vorzustellen, die Kleider gewechselt hatten, ss 
Kraus war auch gekommen und sah in Bertuchs weissen 
Tressen-Rocke und einer alten Perrucke des Wildmeisters wie 
ein verdorbener Landschreiber, Einsiedel In meinem Frack 
mit blauem Krägelchen wie ein verspielt Bürschchen, und 
ich in Kalbs blauem Rock mit gelben Knöpfen, rothem ao 
Kragen und vertrotteltem Kreuz und Schnurrbart wie ein 
Capital-Spitzbube nus" (Br. 3, 11, 11-14. 12. 1—12). 

— Während der Besuches der Brüder Stolberg in Weimar 
(Ende November bis Anfang December 1775) hat Goethe, wie 
es scheint, mit ihnen auch über ,Claudine' gesprochen; we- 3& 
nigstens erkundigt Lieutenant von Byem sich bei Knebel 
1776 Februar 18: „Aurons nous bientöt ,Claudlne*, le ,Comte 
Egmont' ou le .Docteur Faust*, comme les Stolbergs m*ont 
dit que Goethe y travaüle?" (Knebels Nachlass II 1, 53.) 

' Den ersten, eben erschienenen, Dnick. 40 



1776 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 101 

(Mai 13, Weimar.] [140] 

passer un moment agr^able! Dans ma vie d'auteur 
(hors cela un triste mutier) j^ai 6t6 assez heureux pour 
rencontrer et appröcier beauconp d'honn§tes gens, beau- 
5 coup de helles ämes panni lesquelles j'aime k vous clas- 
ser. Pour celles-lit particuli^rement j'aime k d6crire ce 
qui me va le plus k Tesprit et au coeur.^ 

An n. L. V. Oberkirch, geb. v. Waldner. — Br. 3, 59, 1—7. 
Mai 12, Weimar. 141 

10 Abends ,Claudinen^ gelesen.^ 

Tgb. 1. 12. 20. 

1779. 

September 7, Weimar. 142 

Weil doch jeder auf sich zurückkehrt, so hoff ich, er 
1» [Kammerherr von Wedel] soll künftig den Crugantino 
spielen, so haben wir die ganze ,Claudine^ besetzt.^ 
An Ch. V. Stein. — Br. 4, 68, 20-22. 

1785. 

December 28, Weimar. — s. ,Scherz, List und Rache* 143 

30 ugD. (an Kayser.) 

178«. 

Januar 23, Weimar. 144 

Von ,Claudinen* bliebe auch* nur, was an der Fabel 
artig und interessant ist. Dem Vater würde ich mehr 
« dumpfen Glauben an daB Geister- und Goldmacher- 
Wesen geben, wie er in unsem Zeiten herrschend ist. 

* Vgl. 114, 6 f. 116. 2-6. 

* Das heisst doch wohl: vorgelesen (der Frau v. Stein?). 

* Das deutet auf eine (etwa für Ettersburg geplante) Auffüh- 
30 rung, von der sonst nichts bekannt ist Eine der ersten Büh- 
nen, die das Schauspiel gaben, war das Hofburgtheater zu 
Wien 1780 Juni 13 (vgl. Chronik dWGV. 16, 2). als Singspiel 
mit der Musik von Ignaz von Beecke (nach Sehaefer S. 99). 

* Vgl. das unmittelbar Vorhergehende unter .Erwin und El- 
35 mire* (Nr. 766). 



102 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 1786 



[Januar 23, Weimar.] [144] 

Den Basko zu einem klugen mystischen Marktschreier 
und Betrüger machen. Cnigantino behielte seinen Cha- 
rakter, eben so Claudine und Pedro. Die Nichten wür- 
den charakteristischer und stufenweise subordinirt, auch 6 
in die Intrigue mehr eingeflochten. Die Vagabunden, 
die man durch Nachahmung so ekelhaft gemacht hat,* 
würde ich durch eine neue Wendung aufstutzen, sie 
machten das männliche Chor, ein weibliches wollte ich 
auch noch anbringen pp. Wenn Sie Zeit und Lust ha- lo 
ben, lesen Sie doch das Stück, sagen Sie mir, was Ihnen 
bezüglich auf Musik darinnen gefällt und niissfällt, vier 
Augen sehen mehr wie zweie. Auch ist mir drum zu 
thun, dass ich in beiden Stücken [,C1.* und ,Erwin und 
Elmire*] nichts wegwerfe, was Ihnen lieb ist. In ,Clau- i6 
dine' würde ich den Sebastian wegwerfen, den Pedro 
thätiger machen, und wir haben immer noch Leute ge- 
nug.* 

Da ist denn allerlei zum Nachdenken und auf Jahre 
hinaus Arbeit.* ao 

An Kayser. — Br. 7, 168, 12—169, 5. 

][Juni 28. Weimar.] 145 

Ihnen sind die Ursachen bekannt, welche mich end- 
lich nöthigen, eine Sammlung meiner sämmtlichen 
Schriften, sowohl der schon gedruckten, als auch der as 
noch ungedruekten, herauszugeben. 

Von der einen Seite droht wieder eine neue Auflage, 
welche, wie die vorigen, ohne mein Wissen und Willen 
veranstaltet zu werden scheint,* und jenen wohl an 

* ..Da88 Ooetlie hier auch Schillers .Räuber* im Sinne hat, ao 
darf mau vermuthen" (Br. 7, 321 zu 168, 21). 

* Zu diesen Aenderungsplänen vgl. 114, 5—7. 115, 2—14. 118, 
33—36, und Biedermann GF. I S. 33. 

* Vgl. auch das rnimittelbar Folgende, uuter .Scherz, List und 
Rache*. 85 

* Von 1775 an waren bis jetzt erschienen: drei Auflagen von 
,Goethens Schriften* in Berlin (bei Himburg), femer je eine 



1786 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 103 



)[Jaiii 28, Weimar.) [145] 

Druckfehlern und andern Mängeln und Unschicklich- 
keiten ähnlich werden möchte; von der andern Seite 
fängt man an, meine ungedruckten Schriften, wovon ich 
5 Freunden manchmal eine Copie mittheilte, stückweise 
in's Publicum zu bringen.^ 

Da ich nicht viel geben kann, habe ich immer ge- 
wünscht, das Wenige gut zu geben, meine schon bekann- 
ten Werke des Beifalls, den sie erhalten, würdiger zu 
10 machen, an diejenigen, welche geendigt im Manuscripte 
daliegen, bei mehrerer Freiheit und Müsse den letzten 
Fleiss zu wenden, und in glücklicher Stimmung die un- 
vollendeten zu vollenden. Allein diess scheinen in mei- 
ner Lage fromme Wünsche zu bleiben; ein Jahr nach 
16 dem andern ist hingegangen, imd selbst jetzt hat mich 
ntup eine unangenehme Nothwendigkeit zu dem Ent- 
schluss bestimmen können, den ich dem Publico bekannt 
gemacht wünschte. 

Sie erhalten in dieser Absicht eine Vertheilung mei- 
20 ner sämmtlichen Arbeiten in acht Bänden.^ 
Band 1: . . . 

Band 2: Götz von Berlichingen. 
Die Mitschuldigen. 

in Karlsruhe, Frankfurt (und Leipzig) und Reutlingen; Jetzt 
25 wurde für 1787 wieder eine in Karlsruhe vorbereitet. 

* Von dramatischen Dichtungen kommen hier nur Jphigenie 
auf Tauris* und »Prometheus* in Betracht, von denen Theile 
1785 ohne (Goethes Wissen veröffentlicht worden waren (vgl. 
unter den betr. Dichtungen). 
30 * Wegen der später geänderten Vertheilung, deren Möglichkeit 
Goethe andeutet (104, 25), und die im Folgenden durch Bei- 
fügong der endgültigen Bandzahl in [] kenntlich gemacht ist, 
vgl. Tabelle 3. Ausgeschieden wurden nachträglich ,Blpe- 
nor* und »Fiseherin*, dagegen neu aufgenommen »Künstlers 
86 Brdewallen*, »Künstlers Apotheo«e*, ,Prolog zu den neuesten 
Offenbarungen Goethes* und »Scherz, List und Rache*. 



104 CLAUDIXE VON VILLA BELLA. 1786 



][Juni 28, Weimar.] fl45] 

Band 3: Iphigenie [auf Tauris]. 
Clavigo. 

Die Geschwister. 
Band 4: Stella. s 

Der Triumph der Empfindsamkeit. 
Die Vögel. 
Band 5: ülaudine. 

Erwin und Elmire. 

Lila [6]. 10 

Jery und Bätely [7]. 
Die Fischerin [ausgeschieden]. 
Band 6: Egmont, unvollendet [5]. 

Elpenor, zwei Acte [ausgeschieden]. 
Band 7: Tasso, zwei Acte [6]. i5 

Faust^ ein Fragment. 
Moralisch politisches Puppenspiel [8]. 
Band 8: . . . 

Von den vier ersten Bänden kann ich mit Oewissheit 
sagen, dass sie die angezeigten Stücke enthalten wer- so 
den; wie sehr wünsche ich mir aber noch so viel Baum 
und Ruhe, um die angefangnen Arbeiten, die dem 
sechsten und siebenten Bande zugetheilt sind, wo nicht 
sämmtlich, doch zum Theil vollendet zu liefern, in wel- 
chem Falle die vier letzten Bände eine andere Gestalt 25 
gewinnen würden. Das Uebrige werden Sie nach Ihrer 
gefalligen Zusage gütigst besorgen. 

Ankündigung der «Schriften* für Bertuch und Göschen. 
— Br. 7. 234. 10-236, 16. 
Juli 6, Weimar. 146 80 

Wieland geht die Sachen auch' fleissig durch, \md so 
wird es mir sehr leicht, wenigstens die vier ersten Bände 
[der Schriften] in Ordnung zu bringen, die vier letz- 
ten [s. Z. 8 — 18] werden mehr Mühe machen.^ 

An Ch. V. Stein. — Br. 7, 237, 0-8. 15-18. 35 



* Gleich Ilerdem, vgl. Epos 2. 551, 25—27. 

* Am 24. Juli verliees Goethe Weimar und traf in Karlsbad 



1786 CLAI'DINE VON VILLA BELLA. 106 



September 2, Karlsbad. 147 

Die vier ersten Bände [der Schriften] sind endlich in 
Ordnung, Herder hat mir unermüdlich treu beigestan- 
den;* zu den ^'ier letzten [s. 104, 8 — 18] bedarf ich Musee 
» und Stimmung, ich habe die Sache zu leicht genommen 
und sehe jetzt erst, was zu thun ist, wenn es keine Su- 
delei werden soll. Dieses Alles und noch viele zusam- 
mentreffende Umstände dringen und zwingen mich in 
Glegenden der Welt mich zu verlieren, wo ich ganz un- 
10 bekannt bin, ich . . hoffe von dieser etwas sonderbar 
scheinenden Unternehmung das Beste. 

An den Herzog Karl August. — Br. 8. 12, 15—25. 

September 2, Karlsbad. 148 

Da ich noch eine kleine Keise vorhabe^ und nicht be- 
1^ stimmt weiss, wann ich nach Hause zurückkehre, so habe 
ich den Kammer-Calculator Seidel in Weimar, . . imter- 
richtet und ihm . . die nöthigen Aufträge gegeben. Es 
hat derselbe den ersten und zweiten Band [der Schrif- 
ten] in zugesiegelten Packeten schon in Händen, und 
20 wird Ihnen selbigen gegen Erlegung des vierten Theils 
des honorarii aushändigen. . . .' 

Die zwei folgenden Bände [3. 4] können imi Michae- 
lis, wenigstens bald nach Michaelis abgeliefert werden, 
und Sie möchten solche alsdenn vielleicht noch nicht 
«6 einmal brauchen. Wegen der vier letztem [5 — 8] haben 
wir bis Ostern Zeit, und es wird sich davon reden lassen. 
Gegen Neujahr werd^ ich schon sagen können, wie es 



am 27. Juli ein; sachHeb gehört hierher und in den August 
die Erzählung am Schluss des ersten Abschnitts der Jtalie- 
80 nischen Reise* (WH. 24. 15; hier unter Jphigenie auf Tanris* 
1814 [April 10]). 
' Herder war gleichzeitig mit Goethe in Karlsbad. 

* Tags darauf reiste Goethe nach Italien ab. 

• Man erwartet: ..selbige". — Göschen an Bertuch. October 
3S 2: .«Empfangen Sie von Seideln gegen Bezahlung der 50Ü 

Tlialer das Mnmiscript [von Band 1. 21" (GJ. 2, 3991). 



106 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 1786 



[September 2, Karlsbad.] [14B] 

damit werden kann. Ich habe keine sonderliche Lust^ 
die Stücke wie sie angezeigt sind, unvollendet hinzuge- 
ben, weil man denn doch am Ende wenig Dank davon zu 
erwarten hat. Genug, was an mir liegt, um auch die 6 
vier letzten Bände interessant zu machen, soll gewiss 
nicht fehlen. 

An Göschen. — Br. 8. 14, 18—15, 1. ^-17. 

December 12, Rom. 149 

Nun} soll es über die andern Sachen, endlich auch lo 
über ,Faust* hergehn. Da ich mir vornahm, meine Frag- 
mente drucken zu lassen, hielt ich mich für todt; wie 
froh will ich sein, wenn ich mich durch Vollendung des 
Angefangnen wieder als lebendig legitirairen kann.* 

An d. Herzog Karl August. — Br. 8. 83, 5—10. 15 

December 16, Rom. 150 

Setzest Du nun dazu, dass ich gez\\'ungen bin, an 
meine übrigen Schriften^ zu denken, und zu sinnen, wie 
ich sie enden und stellen will, und dass ich dadurch ge- 
nöthigt werde, in tausend vergangne Situationen meines 20 
Ix»bens zurückzukehren, und dass das alles in wenigen 
Tagen auf mich zudringt in der merkwürdigsten Stadt 
der "Welt, die allein hinreicht, einen Ankömmling ver- 
wirrt zu machen, so wirst Du denken können, in wel- 
cher Lage ich mich befinde. Ich denke nun auch nicht 26 
auf die nächste Stunde, ich will so hingehn, das Noth- 
wendige thim und tragen, was ich muss, und abwarten, 
wie sich das alles entwickelt. 

An Ch. V. Stein. — Br. 8. 94, 17—28. 



* Nach der nahe bevorstehenden Vonendung der ,Ipbigenie 30 
auf Tauris*. 

^ Ausser den in der Ankündigung (s. Nr. 145) ausdrücklich 
als ..Fragmente- bezeichneten Dichtungen kommen hier auch 
die in Betmeht. für die eine l'marbeitinig geplant war, wie 
.rinudine* und .Erwin*. 35 

• Band 3 (ausser Jphlgenie auf Tauiis*) und 4—8 der .Schrif- 
ten*. 



1787 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 1U7 



1787. 

] [Januar 13, Rom.] — s. Nr. 383. 150a 

Januar 13, Rom. 151 

Nun geh' ich an die vier letzten Bände [5 — 8 der 
5 Schriften], um, was ich als Stückwerk versprochen, we- 
nigstens als anscheinendes Ganze zu liefern. Ich brauche 
dazu viel Geduld und Zusammennehmens, in einer frem- 
den Welt, wo mich alles aus mir herauszieht und mich 
an sich lockt. 
10 An Kayser. — Br. 8, 129, 3—8. 

Februar 2. Rom. 152 

Man unternimmt nur zu viel! und ich darf an meine 

vier letzten Theile [Band 5 — 8 der Schriften] nicht 

im Ganzen denken, so möchte mirs seh windlich werden. 

15 Ich muss sie einzeln angreifen und so wird's gehn.* 

An Ch. V. Stein. — Br. 8, 159, 16-19. 

Febi-uar 6, Rom. 153 

Die vier letzten Bände [5 — 8 der Schriften] werden 
mir noch manche Sorge machen, doch ich arbeite sie 
20 gerne aus, und jetzt* mit freierem Gemüth. Ich hoffe, 
man soll künftig meinen Sachen das Ultramontane an- 
sehen.' 

An Kayser. — Br. 8. 175, 26-176, 2. 

] [Februar, vor 16., Rom.] 154 

25 ^Goethes Schriften. Erster bis vierter Theil. 

Schon zu der Zeit, da ich den Entschluss fasste, meine 
sämmtlichen Schriften dem Publice vorzulegen, wiinsch- 

* Wenig veriUidert In die »Italienische Reise* aufgenommen, 
s. 142. 7-10. 

30 * Nach Vollendung der ,Iphigenie auf Tauris*. vgl. daselbst 
ugD. das unmittelbar Vorhergehende. 
» Vgl. .Iphigenie in Delphi* 1786 October 18 (Tgb.). 

* Die folgende Erklärung an das Publicum ging am 24. Fe- 
bruar nach Weimar ab (s. Nr. 200) und wurde in den 

85 Schriften Band 4 vorgedruckt mit der Bemerkung „Dieses 
Blatt wird bei'm Binden weggeschnitten" (vgl. W. 40, 437). 



108 CLAUDIXE VON VILLA BELLA. 1787 



[Februar, vor 16. Rom.] [164] 

te ich den vier letzten Bänden eine andre als die ange- 
zeigte Gestalt geben zu können.* 

Die Möglichkeit, diesen Wunsch auszuführen, hat sich 
über mein Erwarten gezeigt, und ich darf jetzt hoflfen, 6 
dass ich wenigstens keine ungeendigten Stücke, 
keine Fragmente dem Publico werde mittheilen 
dürfen. 

Ich werde die Müsse, die mir gegönnt ist, zum Dien- 
ste derer anwenden, die an meinen Arbeiten einiges Gte- lo 
fallen haben können, und bitte nur dagegen um eine 
verlängerte Frist, deren Dauer ich zwar nicht bestim- 
men, wohl aber versichern kann, dass ich jeden freien 
Augenblick nutzen werde, um den fünften und sechsten 
Band auf's baldigste in die Hände des Publicums zu lie- 15 
fem. von Goethe.* 

W. 40, 191. 

Februar 20, Rom. 156 

Die vier ersten Bände [der Schriften] sind nun bei 
Ihnen,* und ich wünsche zu dem Unternehmen Glück, so 
Wie ich >lphigenien* umgeschrieben habe, um sie einer 
guten Aufnahme würdiger zu machen, so bin ich nun 
beschäftigt, auch den vier letzten Bänden [5 — 8]. eine 
andre Gestalt zu geben. Herr General-Superintendent 
Herder wird Ihnen ein Blättchen [s. Nr. 154] schicken, ts 
wodurch Sie das Publicum von meinem Vorsatze benach- 
richtigen können. Gegenwärtig arbeite ich an ,Ta380^ 
dann soll .Egmont^ folgen. Wenn ich es nur irgend 

^ Vgl. 104, 21-26. 

* Sachlich gehört unter Febniar 16: Nr. 231. 10 

» Göschen an Bertuoh Januar 21! „Gestern erhalte Ich von 
Seidel das Manuscript zu Goethe, 4. Band, mit dem Bedeu- 
ten, der 3. Band würde an Sie abgeliefert werden, sobald 
die ,Iphigenle* vollendet wäre. Innerhalb 14 Tagen wirtl das 
geschehen . .'*; März 18: „Das Manuscript zu Goethes 3. t5 
Band ist richtig eingegangen'* (GJ. 2. 401 f.). 



1787 CL.AÜDIXE VON VILLA BELLA. 109 



[Februar 20, Rom.] [156] 

zwingen kann, sollen Sie auf Michael wieder zwei Bände 
[5. 6] haben. Das Publicum wird gerne warten. Wenig- 
stens habe ich von allen Enden her Zuruf, dass ich die 
5 Stücke endigen soll. 

Meine Reise gibt mir neuen, und, wenn ich mein Le- 
ben und meine Lebensart betrachte, unendlichen Stoff, 
mit dessen Verarbeitung ich auch nicht säumen werde. 
So scheint es mir gleich jetzt, dass wir statt 8 Bänden 
10 10 haben werden, doch davon läfist sich noch nichts sa- 
gen und man schweigt besser davon. 

Haben Sie die Güte von denen mir zukommenden 
Exemplaren 

6 an meine Mutter Frau Rath Goethe in Frank- 
15 fürt am Main, 

Ein schön gebundnes^ und fünf rohe, 
1 an Herrn Rath und Ärchivarius Kestner in Han- 
nover, 
3 nach Rom an Herrn Tischbein incontro al Pa- 
20 lazzo Rondanini zu spediren. 

St. 10. 

Doch bitte ich wegen der letzten soviel wie möglich 
Sorge zu tragen, dass die Fracht nicht so hoch 
komme. . . . 
25 ... Den Rest der mir zukommenden Exemplare 

schicken Sie unter meiner Adresse nach Weimar. 
An Göschen. — Br. 8, 198, 2— 199, 10. 16 f. 
Mal [29,] Neapel.* 156 

Anfangs September bin ich hoffentlich in Frankfurt; 
30 kann ich alsdann einige Zeit bei meiner Mutter bleiben, 
um meine vier letzten Bände [5 — 8 der Schriften] in 

* Der Einband fiel jedoch nicht so schön aus. wie späterbin 
für Band 5, bei dem, wie Goethes Mutter an Unzelmann 
schreibt, „Herr Göschen sich möchtig angegrlefen" (Frau 

35 Rath S. 284). 

* Wegen des Datums Tgl. Epos 2. 737, 27—30. 



110 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 1787 



[Mai [29,] Neapel.] [156] 

Ordnung zu bringen, meine Reisebeobaehtungen besser 
auszuführen, vielleicht an ,Wilhelra^ und einigen neuem 
Ideen zu arbeiten, so werde ich mich sehr erleichtert 
linden, denn einmal müasen diese Arbeiten doch hinter » 
mich. 

An den Herzog Karl August. — Br. 8. 225, 3—10. 
Juni 8, Rom. I57 

Ich muss nun mit Gewalt an die vier letzten Bände 
[5 — 8 der Schriften], und wie ich Dir schon schrieb, 10 
müssen sie in Ordnung sein, eh' ich zu Euch zurück- 
kehre, auch haben sich neue Sujets zugedrängt,' die ich 
ausführen muss, denn das Leben ist kurz; . . 
An Ch. V. Stein. — Br. 8, 231, 18—22. 
August 11. Rom. 158 15 

Noch eine andre Epoche denke ich mit Ostern zu 
sehliessen:^ meine erste (oder eigentlich meine zweite) 
Schriftsteller-Epoche. ,Egraont' ist fertig, und ich hoffe 
bis Neujahr den ,Tasso', bis Ostern ,Faust' ausgearbeitet 
zu haben, welches mir nur in dieser Abgeschiedenheit ao 
möglich wird. Zugleich, hoffe ich, sollen die kleinen 
Sachen, welche den fünften, sechsten und siebenten 
Band [der Schriften] füllen, fertig werden und mir bei 
meiner Rückkehr in's Vaterland nichts übrig bleiben, 
als den achten zu sammeln und zu ordnen. Somit werde 25 
ich auch dieser Verbindlichkeit loe und kann an etwas 
Neues, . . gehn, . . 

Dass ich meine älteren Sachen fertig arbeite, dient 
mir erstaunend. Ee ist eine Eecapitulation meines Le- 
bens und meiner Kunst, und indem ich gezwungen bin, ao 
mich und meine jetzige Denkart, meine neuere Manier, 

* Jphigenie in Delphi* und .Xauaikaa'. 

* Vorher hat Goethe einzahlt von den Bemühungen, sein „eig- 
nes kleines Zeichentalentchen auszubilden*': „Bis Ostern 
werde ich es so weit gebracht haben, um alsdann für mich 36 
weiter gehen zu können" (Br. 8, 240, 10. 241, 1 f.). 



1787 CLAUDINB VON VILLA BELLA. 111 



[August 11, Rom.) ^5gj 

nach meiner ersten zurückzubilden, das, was ich nur ent- 
worfen hatte, nun auszuführen, so lern' ich mich selbst 
und meine Engen und Weiten recht kennen. Hätte ich 

6 die alten Sachen stehen und liegen lassen, ich würde 
niemals so weit gekommen sein, als ich jetzt zu reichen 
hoffe. 

An den Herzog Karl August. — Br. 8, 241, 10-242, 4. 
August 15, Rom. 159 

10 Es thut mir leid, dass Chodowiecki Sie übel vorsorgt 

hat,^ umsomehr als meine Exemplare [der Schriften 
Band 1. 2] darüber zurückgeblieben sind, welches mir 
in mehr als einer Betrachtung höchst unangenehm ist. 
Lassen Sie Sich durch nichts abhalten, die folgenden 

15 Bände [3. 4]. zugleich mit denen zu spediren, die in's 
Publicum gehn. ,Egmont* ist fertig, was sonst noch zum 
fünften Bande gehört, will ich auch gleich vornehmen. 
Es wäre mir lieb, wenn er bald herauskäme. Das Pu- 
blicum ist durch den vierten schon an's Vereinzelnen 

90 gewöhnt, und da ich ein ansehnlich Stück Arbeit mehr 
gebe, als ich versprochen, wird man mir auch nachsehn. 
Hätte das Publicum unsre Ausgabe ein wenig mehr fa- 
vorisirt, so könnte ich zehn, ja zwölf Bände und noch 
dazu mit mehr Bequemlichkeit liefern; allein wir wol- 

25 len es diessmal dabei bewenden lassen. Mit unsrer Na- 
tion soll der Schriftsteller nicht allein uneigennützig, 
er soll auch grossmüthig sein. Sie würden denken, mir 
eine ungeheure Summe für ein Stück zu bezahlen, wenn 
sie mir nur meine haare Auslagen ersetzten, die ich habe 

80 machen müssen, um die Studien dazu zu sammeln. 

Von Madame Angelica [Kauffmann] will ich sehen, 
vor erst eine 2^ichnung zum fünften Bande zu erhal- 
ten. . . . 

Sobald der fünfte Band abgegangen ist, mache ich 

36 mich an ,Tas8o', ,Paust* soll schliessen. . . . Ich hoffe 

» Vgl. Göschens Briefe an Bertuch GJ. 2, 400—403. 



112 CLAUDINB VON VILLA BELLA. 1787 



(Augoft 15, Rom.] 1159] 

die Exemplare für Eom^ werden abgegangen sein, wo 
nicht, so bitte ich sie aufs geschwindeste zu spediren. 
An Göschen. — Br. 8, 246, 12-247, 10, 18 f. 22-24. 
] August 18, Rom. — s. Nr. 399. 160 5 

September 6, Rom. — s. Nr. 402 (letzter Satz). 160a 

] September 8. [Rom.] 161 

[Brief an] Frau Schulthess um ,Claudine*.* 
BrieftalieUe 1787. — Br. 8. 420. 25. 
September 11. Rom. 162 lo 

Bringen Sie die Partitur [von ,Scherz, List und 
Bache'] mit . . Auch allenfalls die Bücher, um die ich 
die Schulthess bat, nur ,Claudine' wünscht* ich schnel- 
ler.» 

An Kayser. — Br. 8, 256, 24—26. 15 

September 22. Rom. — s. 168, 26 f. 163 

October 1, Frascatl. 164 

Die zwei Sommermonate durfte man kaum aus dem 
Hause; ich habe indess an meinen Schriften gearbeitet;* 

vier Bände [1 — 4] werden ihre Aufwartung gemacht ao 
haben, die übrigen [5 — 8]. sollen folgen. 
An Sehnauss. — Br. 8, 264, 22—265, 1. 

October 5, Albano.» 165 

Meine Schriften [Band 1 — 4]. mögen nun gehen, ich 
will treulich fortfahren. Die vier Kupfer zu den letz- «5 
ten Bänden [5 — 8] sollen hier werden. 

Italienische Reise, Zweiter römischer Aufenthalt (unter 
obigem Datum). — WH. 24. 414. 

^ Vgl. 109, 19 f. 

^ Der Brief ist unbekannt. Handelt es sich um eine Hand- so 
Schrift oder um den Druck von 1776 (etwa mit Randbemer- 
kungen Kayser», die dieser in Folge von Goethes Aufforde- 
rung 102, 10—13 gemacht haben könnte)? 

• Vgl. Nr. 161 und 169. 

* Vgl. Nr. 419. 36 
' Wegen der chronologischen Einordnung von Stellen aus 

Goethes .Italienischer Reise*, so weit sie den Abschnitten über 
Neapel, Sicilien und den zweiten Aufenthalt in Rom ange- 
hören, Tffl. das Epos 2, 557, 29—558, 29 Gesagte. 



1787 CLAUDINB VON VILLA BELLA. 118 



October 24. Rom. 166 

Meine Werke [Band 1 — i]. werden ihre Aufwartung 
gemacht haben, die übrigen Bände [5 — 8] Bollen folgen^ 
wie sie nach und. nach herauskommen. 
5 An J. C. Kestner. - Br. 8, 276, 10-12. 

] [October 27, Rom.] — 167 

8. Nr. 406 und »Scherz, List u. Rache* ugD. (an Kayser). 

October 27, Rom. 168 

Der Best des fünften Bandes [der Schriften: ,Clau- 

10 dine^ und ,Erwin und Elmire*] mit der Kupferplatte soll 

durch Deine Hände gehen,* und Du gibst ihn nicht als 

gegen baare Bezahlung aus. Der Contract besagtes, und 

man muss keine Complimente machen. 

An Seidel. — Br. 8. 283. 5-9. 

16 October 27, Rom. 169 

Ich habe doch schon geschrieben, dass Kayser her- 
kommt? Ich erwarte ihn in einigen Tagen mit der nun 
vollendeten Partitur unserer. Scapinereien [»Schere, List 
und Rache*]. Du* kannst denken, was das für ein Fest 
20 sein wirdi Sogleich wird Hand an eine neue Oper ge- 
legt [,Gros6-Cophta*], und ,Claudine* mit ,Er- 
w i n * in seiner Gegenwart, mit seinem Beirath verbes- 
sert* 

Italienische Reise, Zweiter römischer Aufenthalt (unter 
26 obigem Datum). — WH. 24, 420. 

November 3, Rom.* 170 

Leider muss ich jetzt die bildende Kunst ganz zurück- 

" wahrend .Epmont*, das Hauptstück von Band 6, an Herder 
abgegangen war. Wegen der Platte vgl. Nr. 406. 
80 * Wahrscheinlich Herder. 

■ Kayser trat nach Burkhardts Meinung (G.-Kayser S. 40 
Erl. 3.), am 29. oder 30. October in Rop ein, wo er fast ein 
halbes Jahr mit Gk)ethe zusammen war (vgl. 114, 27—30). 
* Die Brieftabelle in Goethes römischem Notizbuch verzeich- 
8ft net Briefe unter November zuerst am 10.. nicht am 3.; dar- 
nach wÄre die „Woche", von der Goethe im Eingang seines, 
in der »Italienischen Reise* den November eröffnenden, Brie- 
Grftf, Goethe über 8. Dichtungen. T. 11, B. 1. R 



114 CLAÜDINE VON VILLA BELLA. 1787 

[November 8, Rom.] [170] 

setzen; denn sonst werde ich mit meinen dramatischen 
Sachen nicht fertig, die auch eine eigene Sammlung und 
ruhige Bearbeitung fordern, wenn etwas daraus werden 
soll. ,Claudine* ist nun in der Arbeit, wird, so zu » 
sagen, ganz neu auBgeführt und die alte Spreu meiner 
Existenz herausgeschwungen.^ 

Italienische Reise, Zweiter römischer Aufenthalt (unter 
obigem Datum). — WH. 24, 484. 
November 24. Rom. 171 lo 

Kaysers Ankunft, und bis wir uns ein wenig mit ihm 
in häusliche Ordnung setzten,* hatte mich einigermassen 
zurückgebracht; meine Arbeiten stockten. Jetzt geht 
es wieder, und meine Opern [,Claudine* imd ,Erwin und 
Elmire*] sind nahe, fertig zu sein. i» 

Italienische Reise, Zweiter römischer Aufenthalt (unter 
obigem Datum). — WH. 24, 486. 
] [November, Rom?]" 172 

, Erwin und Elmire^ sowie ,Claudine 
von Villa Bella^ sollten nun auch nach Deutsch- » 
land abgesendet werden; ich hatte mich aber durch die 
Bearbeitung ,Egmonts^ in meinen Forderungen ge- 
gen mich selbst dergestalt gesteigert, dass ich nicht über 
mich gewinnen konnte, sie in ihrer ersten Form dahin 

fes spricht („Kayser ist angekommen, und ich habe drüber M 
die ganze Woche nicht geschrieben*'), die Zelt vom 4. bis 10. 
November, und Kaysers Ankunft wäre etwa in den ersten 
Tagen des Monats erfolgt, was auch mit den Angaben in 
Nr. 171 und WH. 24, 434 (unter 10. November) mehr über- 
einstimmen will. so 
» Vgl. Nr. 144 und 115, 2-6. 

* „Kayser ist nun da. . . . Tischbein kommt von Neapel zurück, 
und da muss Beider Quartier und alles verändert werden; 
doch bei unsern guten Naturen wird alles in acht Tagen wie- 
der im Gleis sein" (Ital. Reise 1787 Nov. 10, WH. 24. 434). S5 

• Wegen der Datirung vgl. Epos 2, 557. 29— 558, 29. Das Fol- 
gende stammt sicher ans den Jahren 1815. 181 ß oder gar 
erst 1829. 



1787 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 115 

][November, Rom?] [171] 

ZU geben.^ Gar manches Lyrische, das sie enthalten, 
war mir lieb und werth; es zeugte von vielen, zwar thö- 
rig, aber doch glücklich verlebten Stunden, wie von 

» Schmerz und Kummer, welchen die Jugend in ihrer un- 
berathenen Lebhaftigkeit ausgesetzt bleibt.^ Der pro- 
saische Dialog dagegen erinnerte zu sehr an jene fran- 
zösischen Operetten, denen wir zwar ein freundliches 
Andenken zu gönnen haben, indem sie zuerst ein hei- 

10 teres singbares Wesen auf unser Theater herüberbrach- 
ten,* die mir aber jetzt nicht mehr genügen wollten, 
als einem eingebürgerten Italiener, der den melodischen 
Gesang durch einen recitirenden und declamatorischen 
wenigstens wollte verknüpft sehen. 

15 In diesem Sinne wird man nunmehr beide Opern be- 

arbeitet finden; ihre Compositionen* haben hie und da 
Freude gemacht, und so sind sie auf dem dramatischen 
Strom auch zu ihrer Zeit mit vorübergeschwommen. 
Gewöhnlich schilt man auf die italienischen Texte, 

ao und das zwar in solchen Phrasen, wie Einer dem An- 
dern nachsagen kann, ohne was dabei zu denken; sie 
sind freilich leicht und heiter, aber sie machen nicht 
mehr Forderungen an den Componisten und an den 
Sänger, als inwieweit Beide sich hinzugeben Lust haben. 

25 Ohne hierüber weitläufig zu sein, erinnere ich an den 
Text der , heimlichen Heirath*; man kennt den 

* .Egmont* wird hier genannt, weil mit ihm die beiden Sing- 
spiele Band 5 der Schilf ten bilden sollten; In seinen „Forde- 
rungen gegen sich selbst" hatte Goethe sich schon und vor 

80 allem durch die Umarbeitung der Jphlgenie auf Tauria* „ge- 
steigert**. 

* Dieses Lyrische aber, das grossentheils beibehalten wurde, 
gehörte vor allem zu dem, was Goethe als „alte Spreu seiner 
Bxistenz herauszuschwingen** beal)sichtlgte. vgl. 114, 6 f. 

36 » Vgl. Dichtung und Wahrheit Buch 17 (W. 29, 42. 21—44. 3> 
und V. Loepers Anmerkungen In WH. 23, 158—161. 

* Von Relchardt. 



116 GLAUDINB VON VILLA BELLA. 1787 

] [November, Rom?] [17t) 

Verfasser nichts aber es war einer der Geschicktesten, 
die in diesem Fache gearbeitet haben, wer er auch mag 
gewesen sein.^ In diesem Sinne zu handeln, in glei- 
cher Freiheit nach bestimmten Zwecken zu wirken, war & 
meine Absicht, und ich wüsste selbst nicht zu sagen, in- 
wiefern ich mich meinem Ziel genähert habe. 

Italienische Reise, Zweiter römisclier Aufentlialt (Be- 
richt, November). — WH. 24, 488 f. 
December 8, Rom. 173 lo 

,Claudine^ und ^rwin' halten mich länger auf, als ich 
dachte, ich will sie nun gut machen in ihrer Art> beson- 
ders, da es die ersten Singspiele sind, die in meiner 
neuen Ausgabe [Band 5 der Schriften] vorkommen. 

An den Herzog Karl August. — Br. 8, 306, 11—14. i» 

3[Deoember 8, Rom.] 174 

Ich bin fleissig. ,Claudine* und ,Erwin* kommen bald.^ 
An Seidel. - Br. 8, 307, 10 f. 

Januar 10, Rom. 175 90 

, Erwin und Elmire* kommt mit diesem Brief; 
möge Dir [Herder] das Stückchen auch Vergnügen ma- 
chen! Doch kann eine Operette, wenn sie gut ist, nie- 
mals im Lesen genugthun; es muss die Musik erst da- 



* ,11 matrimonio segreto*. Text von Bertatl, Musik von Oima- ^ 
rosa (in Weimar zuerst 1776 September 16 auf dem Lieb- 
babertheater aufgeführt). 

* Zwei Briefe Goethes an Frau v. Stein, vom 8. und 15. De- 
cember, sind nicht l)ekannt; dass er ihr in einem derselben 
aus ,Claudine* die Verse 379-382 (W. 11, 216) geschickt hat, 30 
zeigt ein Brief der Empfängerin an Charlotte v. Lengef^d 
vom 28. December, in dem es heisst: „Im letzten Brief 
schickte er mir aus seiner umgeschmolsenen ,Claudine* einen 
Vers; hier ist er: 

Liebe sehwftrmt auf allen Wegen, s» 



(Charlotte Schiller 2, 260.) 



1788 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 117 



(Januar 10, Rom.] [171] 

zukommen, um den ganzen Begriff auszudriicken, den 
der Dichter sich vorstellte. ^Claudine^ kommt bald 
nach. Beide Stücke sind mehr gearbeitet, als man ihnen 
6 ansieht, weil ich erst recht mit Kaysem die Oestalt des 
Singspiels studirt habe. 

Wenn es mit Fertigung meiner Schriften unter glei- 
chen Constellationen fortgeht, so muss ich mich im 

10 Laufe dieses Jahres in eine Prinzessin verlieben, um den 
, T a 8 8 o ^ ich muss mich dem Teufel ergeben, um den 
, Faust* schreiben zu können, ob ich mir gleich zu 
Beidem wenig Lust fühle. Denn bisher ist's so gegan- 
gen: um mir selbst meinen ,Egmont' interessant 

u zu machen, fing der römische Kaiser mit den Braban- 
tem Händel an,^ und um meinen Opern einen Grad von 
Vollkommenheit zu geben, kam der Züricher K a y s e r 
nach Rom. Das heisst doch ein vornehmer Kö- 
mer, wie Herder sagt, und ich finde es recht lustig, 

90 eine Endursache der Handlungen und Begebenheiten zu 
werden, welche gar nicht auf mich gerichtet sind. Das 
darf man Glück nennen! Also die Prinzessin und den 
Teufel wollen wir in Geduld abwarten! 



Hier kommt aus Bom abermals ein Pröbchen deut- 
scher Art und Kunst, , Erwin und Elmire^ Es 
ward eher fertig als ,Claudine*; doch wünsch' ich 
nicht, dass es zuerst gedruckt werde.* 

Du wirst bald sehen, dass Alles auf's Bedürfniss der 
lyrischen Bühne gerechnet ist, das ich erst hier zu stu- 
diren Gelegenheit hatte: alle Personen in einer gewis- 
sen Folge, in einem gewissen Mass zu beschäftigen, dass 



* VgL 148, 2-6 und Nr. 389. 

* Das beisst: die angesetzte Reihenfolge in Band 5 der Schrif- 
ten: ,EgmoDt% ,Glaudine\ «Erwin und EUmire' sollte durehge- 

n führt werden. 



118 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 1788 

[Januar 10, Rom.] [175] 

jeder Sänger Ruhpuncte genug habe etc. Es sind hun- 
dert Dinge zu beobachten, welchen der Italiener allen 
Sinn des Gedichte aufopfert; ich wünsche, dass es mir 
gelungen sein möge, jene musikalisch theatralischen Er- » 
fordemisse durch ein Stückchen zu befriedigen, das 
nicht ganz unsinnig ist. Ich hatte noch die Rücksicht, 
dass sich beide Operetten doch auch müssen lesen las- 
sen, dass sie ihrem Nachbar , E g m o n t ^ keine Schande 
machten. Ein italienisch Opembüchelchen liest kein lo 
Mensch, als am Abend der Vorstellung, und es in e i n e n 
Band mit einem Trauerspiel zu bringen, würde hier zu 
Lande für ebenso unmöglich gehalten werden, als dass 

man Deutsch singen könne. 

Italienische Reise, Zweiter römischer Aufentlialt (unter is- 
oblgem Datum). ~ WH. 24, 462 f. 
Januar 19, Rom. 176 

Die beiden ersten Acte ,Claudinen8* sind heute auch 
fertig geworden. Ich lasse sie nun abschreiben, imd 
nächsten Sonnabend, den 26., sollen sie abgehen. Sie 20 
können also, wenn alles in der Ordnung auf der Post 
geht^ den 11. Februar bei Euch sein. Sage das Herdem, 
damit er seine Massregeln darnach nehme. Der dritte 
Act soll sobald als möglich folgen. 

Es ist schwer, so ein Werkchen, nach erkannten Qe- 2» 
setzen, mit Einsicht und Verstand und zugleich mit 
Leichtigkeit imd Laune zu machen. Es geht viel Zeit 
darüber hin. 

Der dritte Act von .Claudinen* wird ganz kurz wer- so 

den, es ist schon, wie Ihr sehen werdet, eine so grosse 

Masse Musik in den beiden ersten, dass man im letzten 

haushältisch zu Werke gehen muss. Leider habe ich 

vielen poetischen Stoflf wegwerfen und der Möglichkeit 

des Oesanges aufopfern müssen. 3& 

An Cb. V. Stein. — Er. 8, 322, 1—11. 324, 12—17. 



1788 CLAUDINB VON VILLA BELLA. 119 



Januar 25, Rom. 177 

Damit* brachte ich November und December hin und 
schrieb indessen ,Erwin und Elmire', auch die Hälfte 
von ,Clandinen^ . . . 

6 

Ich habe die Summe, welche ich Ihrer Güte . . danke, 
. . nach Abzug dessen, was mir meine fortgehende Wirth- 
Schaft kostet, auf die Beise verwendet, dabei noch tau- 
send Thaler, welche mir die vier ersten Bände meiner 
10 Schriften eintrugen, verzehrt. . . . Das Osterquartal und 
den Betrag des fünften Bandes hatte ich zu meiner 
Kückreise bestimmt . . Auch will ich gern, wenn Sie 
mir Ihre Güte continuiren, was mir dieses Jahr V4)n 
meinen Schriften einkommt, fernerhin anwenden . . 



15 



*Dann hoffte ich auch, meine Schriften [Band 6 — 8] 
mit mehr Müsse und Ruhe zu endigen, als in einem 
Lande, wo alles einen ausser sich ruft. 

An d. Herzog Karl August. — Er. 8, 329, 9—11. 332, 8— 
so 13. 23-25. 27—333. 1. 334, 14—16. 

Januar 26, [Rom.] 178 

Diese ganze Woche ist auf ,Claudinen* gewendet wor- 
den, imd heute bin ich herzlich müde und habe da« 
Schreiben satt. Geniesse die beiden Acte mit Herders* 
«6 und lass sie Dir statt des heutigen Briefes sein. Schreibt 
mir bald, wie es Euch gefällt, auch wie ,Erwin^ gefallen 
hat. Ihr müsst immer denken, dass diese Stücke gespielt 
und gesungen werden müssen, zum Lesen, auch zum 
blossen Aufführen hätte man sie viel besser machen 
so können und müssen. 

An Ch. V. Stein. — Br. 8. 336. 13-22. 



' Studium der Antiken und Zeichnen nacli antilien Kiipfeu. 
' „Ich wiederhole nochmals: dass, wenn Sie . . mich nöthig 

finden sollten, ich auf jeden Wink zu kommen bereit bin. 
s^ Gar manches macht mir den Rückweg nach Hause reizeud. 

. . .** (Br. 8, 334, 2—5). 
• Vgl. Xr. 179. 



120 CLAUDIXE VON V ILLA BELLA. 1788 

Januar 27, Rom. ^^ 

NB. den 27. [Januar]* die zwei Acte [1 und 2] von 
,Claudinen* an Herder. Ein Einschluss an Frau von 
Stein [8. Nr. 178], . . 

Brieftabelle 1788. — Br. 8. 421. s 

Februar 2. Rom. jgQ 

So viel, als möglich war, habe ich meine Studien fort- 
gesetzt; auch ist,Claudine' gerückt, und wenn 
nicht alle Genii ihre Htllfe versagen, so geht heute über 
acht Tage der dritte Act an Herdem ab, und so wäre lo 
ich den fünften Band [der Schriften] los. 

Italienische Reise, Zweiter römischer Aufenthalt (unter 
obigem Datum). — WH. 24, 471. 
Februar 9, Rom. I8X 

Hier ist der dritte Act , C 1 a u d i n e n e ^; ich wün- u 
sehe, dass er Dir [Herder] nur die Hälfte so wohl ge- 
fallen möge, als ich vergnügt bin, ihn geendigt zu ha- 
ben. Da ich nun die Bedürfnisse des lyrischen Theaters 
genauer kenne, habe ich gebucht, durch manche Auf- 
opferungen dem Componisten und Acteur entgegen zu 20 
arbeiten. Das Zeug, worauf gestickt werden soll, muss 
weite Fäden haben, und zu einer komischen Oper muss 
es absolut wie Marli gewoben sein.* Doch habe ich bei 
dieser, wie bei , Erwin', auch für's Lesen gesorgt. 
Genug, ich habe gethan, was ich konnte. 25 

. . . Ich habe nichts Näheres nun, als meine drei letz- 
ten Tlieile [Schriften Band 6 — 8] zu endigen. 

Itallenisehe Reise, Zweiter römischer Auf^ithalt (unter 
obigem Datum). — WH. 24, 472. 
Februar 9. Rom. 182 so 

. . auf heute musste ich den Schluss meines fünften 
Bandes^ völlig in Ordnung setzen, er geht mit diesem 

* Nach: 27. berichtigt die Weimarer Ausgabe: [26.], wohl mit 
Rücicsicht auf 118. 20. 

' Aus Zwirn oder Leinengarn gewebter Stoff mit weiter qua- S5 
dratischer Gitterung (genannt nach dem französischen Ort, 
wo er zuerst hergestellt wurde). 

• Der Ausdruck „Schluss" darf nicht irre führen; es handelt 
sich nur um Aufzug 3 von .Claudine'. 



1788 CLAUDINB VON VILLA BBLLA. 121 

(Februar 9, Born.] [188] 

Briefe ab. Ich wünsche ihm, wenn er Ostern erscheint, 
auch Ihren Beifall. 

An C. G. Voigt — Br. 8, 340. 10-20. 

6 Februar 9, Rom. 188 

Auf kein Festin (so nennen sie die Redouten) bin ich 

gekommen; ich bin fleissig, was nur mein Kopf halten 

will. Da der fünfte Band [der Schriften] absoMrt ist, 

will ich nur einige Kunststudien durcharbeiten, dann 

10 gleich an den sechsten gehn.* 

Italienische Reise, Zweiter rOtuiseher Aufenthalt (unter 
obigem Datum). — WH. 24. 472. 
Februar 9. Rom. 184 

Eß ist mir angenehm, dass Sie wegen der verschie- 

iB denen Mängel unserer Ausgabe [der Schriften]^ einige 
Auskunft geben« Ich glaube gern, dass Ihnen manches 
selbst Missvergnügen gemacht hat, und weiss redit gut, 
dass bei einem solchen Unternehmen sich manche Hin- 
demisse in den Weg legen. 

» Ich halte mir ein Exemplar [von Band 1 — 4], in wel- 

ches ich, wie die Zeit erlaubt, hineinschaue, um alle 
Druckfehler, Auslassungen, und was mir sonst vor- 
kommt, zu corrigiren und zu notiren. Es ist dieses 
eine gute Vorarbeit zu einer künftigen Ausgabe.* 

w Heute geht der letzte Act ,Claudinens^ an Herrn Her- 

der ab. Leider kann ich nur, und das knapp genug, den 
fünften Band zur Ostermessc bringen. Als ich, nach 
geendigtem ,EgmontS die beiden Singspiele ,Erwin* und 
,Claudine* durchsah, imi mit kleinen Correcturen nach- 

80 zuhelfen, sah ich gar bald, dass ohne völlige Umarbei- 
tung aus beiden Stücken nichts werden könne. Ich ent- 



^ Des Liedes ,,Cupido, loser eigensinniger Knabe'' gedenkt 
Goethe im gleichen Abschnitt, doch nicht mit Bezug auf 
.Claudine* (wie in Nr. 267 und 258). 

' Vgl. 169. 15-30. 

• Vgl. dagegen 138, 19-25. 



122 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 1788 

[Februar 9, Rom.] [IM] 

ßchloss mich dazu und werde erst in dem Augenblicke 
fertig. Das Publicum wird, hoflfe ich, zufrieden sein, in 
diesem Bande nicht allein ,Egi?iont* als ein Ganzes, son- 
dern noch dabei zwei neue Singspiele zu finden. Von 6 
den Skizzen der ersten Ausgabe ist nur der Name und 
einige Liedchen übriggeblieben. 

Der folgende [6.] Band wird wahrscheinlich ,Tafi80^ 
.Lila*, ,Jery und Bätely* und die ,Fischerin* enthalten. 
Mit diesen Stücken geht es mir nicht besser als mit ob- lo 
genannten Operetten. Ich muss sie ganz neu arbeiten, 
wenn sie in Gresellschaft der vorigen Bände sich 
nicht schämen sollen. So wird man aus einem in^s 
andre geführi:^ Die schwerste Arbeit, die mir bevor- 
Btehty ist ,Faust^ Doch eins nach dem andern« i6 

Die ,Vermischten Gedichte* zum letzten Bande habe 
ich auch schon gesammelt und meist zusammengeschrie- 
ben; doch will auch dieser achte Band wohl ausgedacht 
und ausgeziert sein. 

Die Kupfer zu den drei folgenden Bänden [6 — 8] so 
hoflfe ich auch hier stechen zu lassen. Wenn's möglich 
ist, so lass' ich sie bald und alle nach einander machen, 
denn Herr Lips hat einen Ruf nach Florenz erhalten. 
Für die beiden Platten zum dritten und fünften Bande 
erhält Herr Lips acht Carolin oder französische Louis- "* 
d'or. Wollen Sie wegen der zwei Vignetten zur ,Iphi- 
genie* noch etwas zulegen, so wird es ihn freuen. Künf- 
tig will ich auch für die Titel- Vignetten hier sorgen las- 
sen, damit alles mehr Einheit habe. 

Wollen Sie das Geld für Herrn Lips zugleich mit dem ^ 
Betrag des fünften Bandes an den Kammercalculator 
Seidel auszahlen, so kann ich Herrn Lips hier befriedi- 
gen. 

Ich sehne mich recht nach der Vollendung unserer » 
Ausgabe der acht Bände, um alsdann an neue Arbeiten 
zu gehen. 



1788 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 123 

[Februar 9, Rom.] [184] 

Allem Irrthum auszuweichen notire ich nochmals: 
Der fünfte Band, 
wozu das Titel-Kupfer schon in Herrn Herders Händen 
5 ist^ enthält: 

,Egmont*, 

,Claudine von Villa Bella*, 

,Erwin und Elmire^ 

An Göschen. — Br. 8, 341, 16—342, 24. 343, 1—15. 23— 
10 25. 344, 5—11. 

Februar 9. Rom. 185 

;Mit der heutigen Post geht an Herrn Herder der 
dritte Act ,Claudinen8^ ab. Der ganze fünfte Band [der 
Schriften] ist nun in seinen Händen. Mache nun Deine 
15 Sache mit Göschen und sorge, dass Du das Geld gegen 
den letzten Theil des Manuscripts gleich erhaltest. Gib 
es nicht eher aus der Hand, Du brauchst Dich nur auf 
Deinen Auftrag zu beziehen. 

ao Du wirst von Göschen auch noch, ausser dem stipu- 

lirten Gelde für den fünften Band, eine Summe für die 
Kupferstiche erhalten.^ . . . Wenn das Qeli Ostern hier 
ist, so ist es gut. 

An Seidel. — ßr. 8, 344, 13—19. 346, 4--6. 9 f. 



25 * VgL 122, 24—32. Seidel erhielt Goetiies Brief am 25. Febi-uar, 
schickte an diesem Tage die beiden ei-sten Aufzüge von ,Clau- 
dine* an Göschen ab und empfahl besondere Aufmerksam- 
keit beim Satz dieser Dichtung, „damit Verse, Arien und 
Handlungen wohl unterschieden werden*'; nicht ohne gleich- 

30 zeitig zu bemerken: „Gewiss werden Sie Sich mit mir über 
die neuen niedlichen Sachen freuen, die der Herr Geheimeratb 
in die »Claudlne* gebracht hat. Auch glaube ich, man sieht 
es dem Stücke an, dass es in der Gesellschaft eines Musikers 
umgearbeitet ist, von dessen Talenten wir noch sehr viel er^ 

35 warten können'* (GJ. 10, 146 f.); vgl. auch Göschens Brief 
an Bertueh vom 27. Februar, der den eben erfolgten Empfang 
von Goethes Brief (s. Nr. 184) und von ,Claudine* Aufzug 1 
und 2 meldet (GJ. 2, 406). 



124 CLAÜDINE VON VILLA BELLA. 1788 



Februar 9, [Rom.] 186 

[Brief an] Herder mit dem dritten Act ,Claudine' 
[s. Nr. 181].* 

Brieftabelle 1788. — Br. 8. 421. 
] Februar 16, Rom. 187 » 

Ich habe zeither fleissig an meinen Operihus fort ge- 
bosselt und getüftelt. ,Erwin*, »Claudine', ,LilaS ,Jery* 
ist alles in bester Ordnung. Auch meine kleinen Oe- 
dichte so ziemlich. Nun steht mir fast nichts als der 
Hügel jTasso* und der Berg ,Favstu8' vor der Nase. Ich w 
werde weder Tag noch Nacht ruhen, bis beide fertig 
sind. Ich habe zu beiden eine sonderbare Neigung und 
neuerdings wunderbare Aussichten und Hoffnungen. 
Alle diese Becapitulationen alter Ideen, diese Bearbei- 
tungen solcher Gegenstände, von denen ich auf immer u 
getrennt zu sein glaubte, zu denen ich fast mit keiner 
Ahndung hinreichte, machen mir grosse Freude. Dieses 
Summa Summarum meines Lebens gibt mir Muth und 
Freude, wieder ein neues Blatt zu eröffnen. 

... So viel weiss ich, dass ich subito, wenn die acht so 
Bände [der Schriften] absolvirt sind, den ,Wilhelm' aus- 
schreibe . . 

An den Herzog Karl August — Br. 8, 347, 19—348. 5. 
8-10. 
][MänB 15. Rom.] 188 » 

Was ,Claudinen* betrifft, so fehlen Dir einige Data,* 
das Stück ganz richtig zu beurtheilen. Habe ich eine 
fette Oper gemacht, so ist mein Zweck erreicht. 
Du bist eben ein prosaischer Deutscher und meinst, ein 
Kunstwerk müsse sich verschlingen lassen wie eine Au- ao 
ster. Weil Du die Verse nicht zu lesen verstehst, denkst 
Du, es solle niemand in Versen schreiben. 



' Vogel llquidirt für Abschrift von »Olaudlne von Villa Bella* 
Aufiug 1. 2 am 18. Februar, Aufzug 3 am 20. MHrz (s. Burk- 
hardt II S. 5). ^ 

• Vgl. 120, 18—23. 



1788 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 125 



](liän Ift, Rom.] [IM] 

Wäre diese »Claudine* eomponirt und vorgestellt, wie 
sie geschrieben ist, so solltest Du anders reden. Was 
Musikus, Acteur, Deeorateur dazu tliun müssen, und 

5 was es überhaupt heisst: ein solches Ganze von seiner 
Seite anzulegen, dass die übrigen mitarbeiten und 
mitwirken können, kann der Leser nicht hinzuthun 
und glaubt doch immer, er müsse es können, weil es ge- 
schrieben oder gedruckt ist. 

10 An Seidel. — Br. 8, 354, 20- 365, 10. 

Man 21, Rom. 189 

Bei der Benennung der Personen zu ,Claudinen* ist 
ein Irrthum vorgefallen. Statt: 

Pedro von Castellvecchio, unter dem Namen 
16 Sebastian von Rovero, soll es heissen: 

Ped!ro von Castellvecchio, unter dem Namen 
Pedro von Rovero. 

Wäre es zu spät, das Blatt Umdrucken zu lassen, so 
wünschte ich, dass eine kleine Note, am Ende des Ban- 
20 des [5], das Publicum davon unterrichtete, weil dieser 
Irrthum Einfluss auf das Stück hat.^ 

Da ich übrigens nach Deutschland wieder zurück- 
kehre, so wird sich wegen der übrigen Bände [6 — 8] 
in der Nähe besser verhandeln lassen. 
25 An Göschen. — Br. 8, 363, 1—14. 

April 5, Rom. 190 

Wenn der Druck des fünften Bandes [der ,Schriften*] 
geendigt sein wird, ersuche ich Sie sogleich: 

Ein Exemplar desselben in roth Saffian gebunden, 
30 wie die vier ersten waren, sodann 

Vier brochirte Exemplare an Herrn Hofrath Reiflfen- 



» Das schon gedruckte Blatt (auf dem tiberdless fehlerhaft: 

Robero stand) konnte noch umgedru<*t werden; In Folge 

dessen findet sich in Band 5 der Schriften, wie auch in der 

85 Einzelausgabe (vgl. Ö8, 17) an dieser Stelle ein Carton (vgl. 

Epos 1, 238. 28). 



126 CLAÜDINE VON VILLA BELLA. 1788 



[April 5, Rom.J [190] 

stein mit der fahrenden Post zu senden, wohlgepaekt 
und mit Wachstuch umgeben. 

Ich bitte zu sorgen, diiss alle fünf Exemplare mit b 
guten Kupfern versehen seien.* 

An Göschen. — Br. 18, 27, 15-21. 28, 5 f. 

Juli 15. Weimar. 191 

Ich habe auf die Ankunft der sämmtlichen Exem- 
plare [der Schriften Band 5] gewartet, um Ihnen zu lo 
schreiben. Sie sind nun endlich, leider sehr spat, ange- 
kommen. Auch haben sich verschiedne Irrthümer in 
Absicht auf die Qualität der Exemplare gefunden, wel- 
che ich nicht weitläxiftig auseinander setzen, sondern 
nur so viel sagen will, dass ich gegen vier gebundne und w 
drei auf holländisch Papier gedruckte rohe Exemplare, 
welche ich entweder Herrn liCgations-Rath Bertuch ein- 
händigen oder Ihnen gerade zurück schicken kann, sieben 
rohe Exemplare auf ordinär Schreibpapier sobald als 
möglich zu erhalten wünschte. ao 

An Göschen. — Br. 9, 1, 17—2, 7 (nebst den Berlch- 
tifirungen Br. 18. 110). 

Juli 21. Weimar. 192 

. . ich habe nun die beste Unterhaltung mit meinen 
entfernten Freunden, da ich meine Schriften ausarbeite. S6 



^ Durch Reiffenstein wurden dann die Exemplare an die 
Freunde in Rom vertheUt; so dankt Angellea Kauffmann am 
18. Augrust, Bury schreibt am 5. September: „Ihren lieben 
.Egmont' benebst denen Opern habe ich in der [Sixtinischen] 
Capelle gelesen; Rugantino und die FarfareUen haben mir ao 
viel Vergnügen gemacht" (SdGG. 5, 52. 54 f.); die „Farfarel- 
len" beziehen sich nicht, wie SdGG. 5, 230 zu Brief 24 ver- 
muthet wird, auf die Vagabunden, sondern auf Baseos Worte 
zu Rugantino (V. 469 ff.): 

„Du bist besessen. FarfareUen sind 35 

Dir in den Leib gefahren! Was? Du willst 
Ein MHdchen rauben? . .** 



1788 CLAÜDINE VON VILLA BELLA. 127 



[JaU 21, Weimar.J [IMJ 

. . sobald ich die acht Bände vom Stapel habe, soll »Wil- 
helm^ dran^ . . 

An F. H. Jacobi. — Br. 9, 4, 11 f. 14 f. 4, 10-15. 
5 September 1, Weimar. — s. »Fastoachtspier ugD. 198 

(an Göschen.) 

1789. 

April 6, Weimar. 194 

Reichardt schreibt mir: er werde mich ehestens be- 
10 suchen und seine Composition der ,Claudine' mitbrin- 
gen. Wenn er mich nur das Vergnügen, das ich dabei 
empfinden kann^ nicht allzu theuer bezahlen lässt^ 
An den Herzog Karl August — Br. 9. 102. 1—4. 
Juni 15, Weimar. 196 

15 Für Ihren Besuch wie für Ihre Briefe danke ich Ihnen 

später,^ aber nicht minder aus gutem Herzen imd wün- 
sche zur bevorstehenden Aufführung ,Claudinens' das 
beste Glück. Dass Sie meine Jamben vor der prosaischen 
Päulniss verwahrt haben,' ist mir sehr angenehm. Ich. 

ao * Dieees üble Vorurtbell fand Goethe nicht bestätigt, als er 
Reichardt Ende des Monats in Weimar persönlich Itennen 
lernte (vgl. dagegen Schillers Briefe 2, 283. 285!). Vom 23. 
April bis 5. Mai war Reichardt in Weimar und wohnte bei 
Groethe; Caroline Herder sehreibt an ihren Mann Mai 1: 

«5 „Den Reichardt, der es von Ihm [Goethe] verlangt, hat er 
zu sieh in*s Haus genommen. Er componirt die ,Glaudine% 
die ich In Gesellschaft bei ihm gehört habe, worunter nur 
einiges gut ist, Goethe aber alles hübseh findet*', und Mai 4: 
„Den Nachmittag hörten wir al)ermals .Claudine*; morgen 

80 geht Reichardt foi-t Goethe hat ihn über Erwarten gut auf- 
genommen, doch aber nichts Anders als Musik mit ihm ab- 
gehandelt"* (Herders Reise nach Italien S. 347. 855); vgL Nr. 
197, und Düntzer: Aus Goethes Freundeskreise S. 177 f. 
' Statt „später" möchte man „spät" lesen (wie Reichardt 1, 

86 531 auch gesetzt ist), oder annehmen, dass die Worte „als 
ich wünschte" oder dgl. ausgefallen sind. 
• Also wurden die Jamben gesprochen? und nicht in Prosa auf- 
gelöst wie 1795 In Weimar (s. 131, 14—17) und 1799 in Berlin 
(vgl Reichardt 1. 620). 



128 CLAÜDINE VON VILLA BELLA. 1789 



[Juni 15, Weimar.] flW] 

möchte wißßen, wie sich diese Art Kunstverständige die 
Knnst vorstellen. Empfehlen Sie den Dialog desto mehr 
den Acteurs, besonders den Actricen- Sie sollen so artig 
sein^ nnd besonders in der ersten Scene und in der 5 
Scene mit Bugantino recht sich angreifen. Wenn Sie 
es am Platz finden, so geben Sie Claudinen in meinem 
Namen einen recht schönen Kranz von künstlichen Blu- 
men, den sie in der ersten Scene aufsetzt und Lucinden 
ein recht Junkermäßsiges Porte^p^ von breitem Band^ 10 
wie es zu ihrer Kleidung im letzten Acte passt; so eine 
Kleinigkeit thut manchmal wohl und vermehrt den gu- 
ten Willen. Ich will Ihnen gern die Auslage ersetzen, 
oder sonst wieder dienstlich sein. 

Bath Kraus^ führt die Gerüste nach meinen Entwür- 15 
fen aus, ich hoflPe sie noch diese Woche abzuschicken. 
Wenn nur der Decorateur sie schicklich zu placiren 
weiss. Sonst habe ich abwesend nicht« zu erinnern. Be- 
sonders da Sie auf die Kleidungen schon aufmerksam 
sind. Nur aber und abermal empfehle ich Ihnen die » 
Jamben.' 

An J. F. Reichardt - Br. 9, 128. 28- 129, 22. 
Juoi 29, Weimar. 196 

Glück zu ,Claudinen*. Die Arie ist zu dem Endzweck 
recht gut, ich getraue mir nicht, da die Worte sehr be- as 
deutend sind, andre unterzulegen.* Das ist der Vortheil 
des metrischen Dialogs, da^ der Componist leicht eine 
harmonische Stelle herausheben und sich zueignen kann. 
Arbeiten Sie die ,Claudine* recht zusammen, dass es ein 



' Bind hier die Worte „wie möglieli** ausgefaUen? ^ 

* Goethe Bohrelbt liier, wie öfters: Krause. 

' Die nicht bekannten Briefe Goethee an Reichardt voiu 22. 
und 25. Juni (Br. 9, 388) betrafen gewiss, zum Theil wenig- 
stens, die Com Position von ,Claudine\ 

* Die von Reichardt zweimal compouirten Verse 908—919 8& 
(„Liebliches Kindl")? 



1789 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 129 



[Juni 29, Weimar.] [19«] 

braves Gkmze werde. . . und lassen bald wieder von Sich 
hören.* 

An J. F. Reichardt. — Br. 9, 136, 10-17. 
5 October 18, Weimar. 197 

Zu Anfange des Jahrs . . trug [Eeichardt] mir den 
grössten Theil der componirten ,Claudine' vor.^ Ehestens 
schicke ich einiges davon an Frau Schidthess.' 
An Kayser. — Br. 9, 158, 14—17. 

10 1790. 

October 26, Weimar. 198 

Ich danke Ihnen, dass Sie Sich meiner emancipirten 
Einder annehmen, ich denke nicht mehr an sie. Machen 
Sie damit, was Ihnen gut däucht, es wird mir lieb und 
15 recht sein.* 



* Auch der zweimal gebrauchte Ausdruck „Vagabund" In der 
Nachschrift des Briefes (Br. 9, 136, 20. 137, 1) spielt auf ,Clau- 
dine' an. 

20 Reichardts Briefe über die Aufführung fehlen; sie fand 
Statt am 29. Juli bei Hof und am 3. August im Theater, 
„mit grossem Beifalle'* (Schubarts »Vaterlandschronik von 
1789* Nr. LXII vom 4. August S. 511); vgl. auch Reichardt 
1. 618-620 und Schäfer S. 99. 

25 * Vgl. 127. 22—29. 

* Das geschah wohl schon Tags darauf (vgl. Br. 9, 389 unter 
October 19). 

Ueber eine Aufführung in Weimar, unter Bellomo, in der 
ersten Hälfte Decembers 1789 finde ich nichts, doch scheint 

30 eine solche geplant gewesen zu sein, denn Schiller schreibt an 
Charlotte v. Lengefeld und ihre Schwester, Deoember 8: 
„Wenn auf den Sonnabend [12.] ,Claudine von Villa Bella* 
gegeben wird, so wär*s möglich, dass ich den Abend hin- 
käme, . . . Vergesst nur nicht, mich wissen zu lassen, wann 

35 die ,Claudlne* gegeben wird** (Schillers Briefe 2. 400). Hängt 
mit dieser geplanten Aufführung etwa Reichardts Besuch in 
Weimar Ende November zusammen? (Vgl. Br. 9, 164, 19—21.) 

* Ob Goethe bei seinen „emancipirten Kindern** nur an die 
„Singspiele** dachte, wie Br. 9, 369 angenommen wird, bleibe 

Graf, Goethe Über 8. Dichtungen. T. II, B. 1. 9 



180 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 1790 



[October 26, Weimar.] [196] 

Axif ,Jery imd Betely^ verlange ich sehr, wie auch 
auf die andern Sachen. 

An J. F. Reiehardt. — Br. 9, 284, 22— 235, 3. 9 f. 

1791. » 

März 10, Weimar. 199 

Um die Partitur des Te Deum, ingleichen ,Claudine* 
und ,Erwin^ und ,Jery^, wenn das letzte Stück compo- 
nirt ist, ersuche ich Sie und zugleich um Nachricht, was 
ich Ihnen für die Abschriften schuldig werde. Schicken lo 
Sie mir so bald als möglich die vier Stücke.^ 
An J. F. Reiehardt — Br. 9, 247, 9-13. 
Mai 30, Weimar. — s. »Erwin und Elmire' ugD. 200 

(an Reiehardt.) 
Juli 4, Weimar. 201 l» 

Meine ersteren [die ,Schriften^] habe ich nicht ausser 
Augen gelassen und corrigire ein Exemplar,^ wie es mir 

dahin gesteUt Wahrscheinlich hatte Reiehardt ihm über 
seinen grossen Plan geschrieben: alle seine Com Positionen 
zu Dichtungen Goethes in einer, auf 6 Thelle berechneten, 20 
Ausgabe unter dem Titel ,Musili zu Goethes Werken* zu ver- 
öffentlichen; es sollten enthalten (nach Reiehardt 1, 617 f.) 

Theil 1: Lieder im Volkston und höhere Gesänge; 

Theil 2: ,Ei*win und Elmire*, Ciavierauszug; 

Theil 3: »Claudine von ViUa BeUa', Ciavierauszug; 25 

Theil 4: ,Lila* und ,Jery und Bätely*, Ciavierauszug; 

Theil 5: Musik zu ,Iphigenie auf Tauris', »Torquato Tasso*, 
»Götz von Berlichingen*, ,Clavigo', »Egmonf. Ciavierauszug; 

Theil 6: Musik zu .Triumph der Empfindsamkeit*, »Vögel* 
und „zum grossen ,Faust*.** so 

Der Plan verwirklichte sich nicht; es erschienen unter dem 
Titel »Musik zu Goethes Werken* nur drei Bände (1. »Erwin 
imd Elmire*, 2. Lyrische Gedichte, 8. ,Jery und Bätely*). 

* Goethe plante ihre Aufführung an dem zur Zeit im Ent- 
stehen begriffenen Hoftheater zu Weimar; vgl. »Erwin und 85 
Elmire* 1791 Mai 30 (an Reiehardt). 

* Dieses Exemplar ist Goethen, wie 133. 9 f. beweist einige 
Jahre später abhanden gekommen. 



1791 CLAÜDINE VON VILLA BELLA. 131 



[JuU 4, Weimar.] [201] 

die Zeit erlaubt, um von meiner Seite bereit zu sein, 
wenn eine neue Ausgabe für nöthig oder räthlich ge- 
halten würde. 
6 An Göschen. — Br. 9, 277, 12—16. 

1792. 

Juli 29, Weimar. — s. »Groes-Cophta* ugD. 202 

(an Reichardt.) 

1795. 

10 Mal 16, Weimar. 208 

Die nächsten vierzehn Tage halten mich die Proben 
von ,Claudine' fest.^ 

An Schüler. — Br. 10, 259, 9 f. 

' Für diese, am 30. Mai Statt findende Aufführung hatte Vul- 
15 piu8 Ende 1794, wie die Theaterrechnungen erweisen, selt- 
samer Weise „den Dialog der ,Claudine' aus Versen in Prosa 
umgeändert" (Vierteljahrschrift für Litteraturgeschichte 
(1890) 3. 478). 
Schiller schrieb an Goethe Mai 21: „Ich Hess Sie durch 
20 Herrn Coming bitten, mich den Tag wissen zu lassen, wo 
,Claudlne' gespielt wird** (Schillers Briefe 4, 177), konnte dann 
aber, wegen Krankheit seiner Frau, nicht nach Weimar kom- 
men. Nach Düntzer (Schiller und Goethe S. 71) lless Goethe 
„am 27. durch Meyer Hufeland und die Seinigen, so wie 
25 dessen musikalische Freunde und Loder nebst Frau zu dieser 
Vorstellung . . einladen**. 

Nach dem Theaterzettel, auf dem das Stück als „Oper" 
bezeichnet, sowie Goethe als Verfasser und Reichardt als 
Gomponist genannt sind, war die Besetzung folgende: 

30 Alonzo Maloolmi. 

Claudine Matizek. 

Lacinde Weyrauch. 

Pedro von CasteUveccliio Benda. 

Carlo» von CasteUveccliio (Rugantino) . . Weyrauch. 

85 Basco Gatto. 

Ein Kind Gatto. 

Der Zettel bemerkt auch: „Die gedruckten Gesänge dieser 
Oper sind an der Casse für 1 Groschen zu haben.** — Wegen 
der Auffühi-ung vgl. Nr. 204. 205; zu Goethes Urtheil über die 
40 Musik 156, a-15. 



132 CLAUDINB VON VILLA BELLA. 1795 



Juni 2. Weimar. 204 

^Auf Goethes Frage an Latrobe: „Nun, wie hat es 
Ihnen denn gefallen?" und Latrobes Antwort: Ihr Or- 
chester ist äusserst brav, erwiderte Goethe: „Ja, sehen 
Sie, es ist gewiss im Einzelnen recht schlecht gegangen; s 
denn niemand war in der Bolle; indessen geben sie uns 
doch hier das Aeusserste, was sie haben, und wenn man 
das sieht, hat man immer Vergnügen. Ganz verhunzen 
können sie es nicht, und mich hat der fünfte^ Act sehr 
überrascht; ich habe gar nicht geglaubt, dass er so lo 
viel Zusammenhang und so viel Theatralisches hat; und 
Benda \deT in Berlin war) singt doch wenigstens."' 
Mit Latrobe. — Gespräche 1, 170 f. 

December 21, Weimar. 205 

»Claudine* ist aufgeführt,** und ich habe mit Vergnü- is 
gen Ihre Arbeit bei den Proben und der Aufführung 
wieder genossen, leider trafen so viele Umstände zusam- 
men, dass das Publicimi über diese Production zweifel- 
haft blieb, und ich eine günstigere Constellation abwar- 
ten muss, um das Stück wiedergeben zu können.* 20 
An J. F. Relchardt — Br. 10, 351, 4-«. 

* ,Au8 dem Nachlas« Varnhagen's von Ense. Briefwechsel 
zwischen Ha he] im<l David Veit. Erster Theil. Leipzig: F. A. 
Brockhaus. 1861*, S. 144 heisst es in einem Briefe Veits vom 

4. Juni 1795: „Die ,Claiidine' ist, bis auf das (wie es heisst) 25 
äusserst gute Orchester, und bis auf die Gruppirungen, die 
eingesetzt werden, äusserst miserabel gelungen und gespielt 
worden. Der Rugantino singt wie ich. und spielt vollkommen 
die Rolle wie ein liederlicher Barbiergeselle. Goethe [viel- 
mehr Vulpius, vgl. 131, 14—17] hat das Stück in Prosa gesetzt 30 
und verkürzt; dabei ist aber gar nichts Merkwürdiges. Die 
Stelle „Wer dichtet nicht, dem diese Sonne" u. s. w. [V. 888 ff.] 
ist geblieben, und unser Rugantino hat sie mit einer Art von 
dummem Hohngelächter, mit Spass vermischt, hergeplärrt** 
(hieran schliesst sich unmittelbar das Obige). 35 

» Irrig für: dritte. 

• Vgl. Nr. 205. 

* Vgl. Nr. 203 und 204. 

• Diese „Constellation" ei'eignete sich nicljt. 



17D7 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 133 

1797. 

August 21, Frankfurt. 206 

Man gibt sonst den Autoren Schuld, dass sie eigene 
Schriften am liebeten lesen, und was werden Sie sagen, 

5 wenn ich Sie ersuche, mir in der Forsterschen Auction 
die zwei Siunmlungen meiner Schriften, sowohl die ältere 
als die neuere, zu kaufen? Es versteht sich, dass sie 
um einen leidlichen Preis weggehen und die 10 Bände 
nicht über 8 Gulden kommen. Ich habe schon seit meh- 

10 reren Jahren kein Exemplar meiner Schriften im Hause, 
und ich habe jetzt besondere Ursache, sie wieder ein- 
mal von neuem durchzusehen. . . . Meine Mutter 
wird die Auslage mit Dank ersetzen.^ 

An Sömmering. — Br. 12, 251, 1—10. 14 f. 



15 * Uebereinstlmmend vermerkt das Brlefverzeichniss von 1797 
unter August 21: „[Nach] Mainz [an] Hofrath Sömmerlng, 
Wegen Erstehung meiner altern und neuem Schriften in 
Forsters Auction'* (Br. 12, 466). Bei der Versteigerung wur- 
den für 8 von den 10 Bänden 9 Gulden 30 Kreuzer geboten, 

20 so dass, Ooethes Auftrag gemäss (Z. 8 f.), Sömmerlng sie nicht 
erstehen konnte; doch erwarb er die 2 ttbrigen; er schreibt 
an Goethes Mutter September 16: „ . . ich habe für Ihren 
Wolf die beiden Bände seiner Schriften für 2 Gulden 21 
Kreuzer aus Forst ers Bücher-Sammlung gesteigert, die Sie 

26 gestern duroh's MarktachifT erhalten haben werden" (Brief 
im Goethe- und Schiller-Archiv). Diese beiden Bände (sie 
kamen wohl mit dem Weihnachtspacket der Mutter, s. SdGG. 
4, 144, 22 f. 146, 11 f., in Goethes Hände) sind Band 4 und 5 
aus der Titelauflage, die Göschen 1790, beim Erscheinen von 

30 Band 6 und 7 der »Schriften*, von den früher erschienenen 
Bänden 1^5 und 8 veranstaltete; beide Bände befinden sich 
noch heute in Goethes Handbibliothek, sie sind erkennbar 
1. an ihrem genau übereinstimmenden Einband, der von den 
andern in Goethes Bibliothek vorhandenen Ausgaben sich 

35 unterscheidet, und 2. durch die noch darin befindlichen, ein- 
geklebten Nummerzettel, mit denen bei Auctionen die Bücher 
versehen zu werden pflegen: in Band 5 ist der Zettel ganz 
erhalten und trägt die Katalog-Nummer 24, in Band 4 (dem 
das Titelblatt fehlt) ist er. bis auf einen unverkennbaren Rest, 

40 herausgerissen (der mir nicht zugängliche Katalog der For- 



134 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 1802 



1802. 

] [Januar 18? Jena.] — 8. 7, 2—5. 207 

1805. 

Mai 1. Weimar. — 8. 68, 18. 208 

1806. 5 

Februar 24, Weimar. — s. Nr. 548. 208a 

Juni 20, Jena. 209 

Wenn ich von Karlsbad glücklich wieder zurück- 
komme, . . sollen alsdann die nächsten vier Bände [4 — 7 
Werke Cotta^] bald nach einander im Manuscripte ab- lo 
gehen.^ 

An Cotta, — Br. 19. 140. 23- 141, 2. 

?Juli 17, Karlsbad. 210 

[Morgens] . . mich mit meinen Schriften beschäf- 
tigt> • . ' 15 

Tgb. 3. 141, 4 f. 

?JuU 29, Karisbad. 211 

[Früh] Weder getrunken, noch gebadet, also mit Cor- 
rectur der Schriften* den Morgen zugebracht. 

Tgb. 3, 148. 23 f. 20 



sterschen Auction wird für diesen Band wohl die Nummer 

28 haben). 
Welche Ausgabe der .Schriften* und wie viele Bfinde der 

.Neuen Schriften' Jene 8 Goethen entgangenen Auctionsbände 

enthalten haben, bleibt vorerst unbestimmbar (vgl. SeufTerts 35 

Annahme W. 19, 346). 
I>ie ganze Brief stelle war hier einzureihen, da Band 5 ,Clau- 

dlue* enthMlt (wegen des sonstigen Inhalts beider Bände s. 

Tabelle 3). 
^ Wegen des zu Lieferung 2 gehörigen Bandes 8 s. 64, 28—30. so 
» Und zwar (wie in Nr. 211. 212) für Band 4—7 der Werke 

(3otta'; wegen Band 8 vgl. 64, 28 f., wegen der von Goethe 

den meisten Bänden der Werke Cotta^ zu Grunde gelegten 

Göschenschen Ausgabe in vier Bänden vgl. 138, 19—35. 
• Vgl. Z. 31 f. 36 



180Ö CLAUDINE VON VILLA BELLA. 135 

?Juli 31. Karlsbad. 212 

[Vormittag] Einige Beschäftigung mit Revision mei- 
ner Schriften.^ 

Tgb. 3. 149. 26 f. 

5 ADgoBt 18, Jena. 218 

Es liegt auch in dem Paekete ein Verzeichnisse der 

Stücke, welche in die vier Bände [5—8] der zweiten 

Lieferung [der Werke Cotta^] kommen. Der vierte 

[Band 8], worin ,Fau8t^ befindlich, ist schon in Ihren 

10 Händen. Die drei ersten [Band 5—7] erhalten Sie hof- 
fentlich noch vor Michael, so dase, wenn Sie es räthlich 
finden, die acht Bände hinter einander fortgedruckt wer- 
den können. 

1» Die glückliche Ankunft des Packet« wünsche bald zu 

erfahren, . . 

An Cotta. — Br. 19. 175. 22-176. 8. 15 f. 

August 19. Jena. 214 

Die zwei ersten Lieferungen [der Werke Cotta^] ent- 
» halten, wie folgt: 

Erste Lieferung. 

Band 1 — 3: früher abgeschickt.^ 

Band 4: Laune des Verliebten 
Mitschuldigen. 
26 Geschwister. 

Mahomet. 
Tancred. 
Elpenor, folgt bald. 

» Vgl. 184. 81 f. 
30 * B. Nr. 214. 

' Die bier rechts stehenden Bemerkungen sind von Goethe 

eigenhändig befgeschrieben (im Original stehen sie links von 

der Uebersicht). 



gegenwärtig 
abgeschickt. 



136 



CLAUDINE VON VILLA BELLA. 



1806 



(An^iut 19, Jena.] 



[2U] 



vor Michael 
hoffentlich 
abziiBchicken.io 



Zweite Lieferung. 
Band 5: Götz von Berlichingen. 

Egmont. 

Stella. 

Clavigo. 
Band 6: Iphigenie. 

Tasso. 

Eugenie [Natürliche Tochter]. 
Band 7: Claudine. 

Erwin imd Elmire. 

Jeiy und Bätely. 

Lila.1 

Scherz, List und Rache. 

Zauberflöte, zweiter Theil i6 

[s. Anhang II]. 

Band 8: Faust. 1 „ ^ 

^ . , Herrn Cotta in Weimar 

Puppenspiel. ) .., 

übergeben. 
PP- ) 
Laufzettel an Cotta. — Br. 19, 505 f. qq 

?September 2, Weimar. 215 

[Yormittags?] An meinen Schriften corrigirt.* 
Tgb. 3, 168, 4 f. 
October 24, Weimar. 216 

Mit der montägigen [27. October] fahrenden Post 25 
geht nicht allein ,Elpenor^ an Sie ab, sondern es folgt 
auch der 5., 6. u. 7. Theil meiner Werke [Cotta^]. Der 
8. ist schon in Ihren Händen, Sie können desswegen, 
wenn es Ihre Convenienz ist, mit dem Druck sogleich 
fortfahren, ja ich denke, in weniger Zeit das Uebrige' 30 

^ Die im Druck von Band 7 auf ,LUa* folgende ,Fischerin* 

fehlt hier noch. 
» Für Band 5—7 der Werke CottaS vielleicht kommt auch ,E1- 

penor* In Betracht. 
• Für die dramatischen Dichtungen kommt nur noch der In- 35 

halt von Band 9 in Betracht 



1806 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 137 



[October 24, Weimar.] [21t] 

dergestalt bereit zu halten, dass weiter kein Aufenthalt 
eintreten soll. 

6 ... Mit der montägigen Abendpost beridite ich noch- 

mals den Abgang des oben gemeldeten Packets und bitte 
mir nach dessen Ankunft, zu meiner Beruhigung, bal- 
dige Antwort aus.* 

An Cotta. — Br. 19, 218. 12—19. 219, 12—16. 
10 October 26. Weimar. 217 

hierbei folgen [Werke Cotta*]: 
Best der ersten Lieferung: 
,Blpenor*. Ein Fragment, 
zum vierten Bande gehörig. 
15 Zur zweiten Lieferung: 

Band 5: Gjötz von Berliehingen. 
Egmont. 
Stella. 
Clavigo. 
20 Band 6: Iphigenie. 

Tasso. 

Eugenie [Natürliche Tochter]. 
Band 7: Claudine. 

Erwin und Elmire. 
25 Jery und Bätely. 

Lila. 

Die Fischerin. 
Scherz, List und Rache. 
Zauberflöte. 
» Band 8: ,Faust^ und Zubehör. 

Ist schon in Herrn Cottas Händen. 

* Goethe berichtete zwar am 27. „nochmals" (s. Nr. 218), hatte 
auch am 26. schon einen Laufzettel abgefasat (s. Nr. 217); 
da da49 Packet aber erst am 8. December abging, so wurde 

86 der Brief fNr. 218) gar nicht abgeschickt, sondern ein neuer 
gesehrieben (Nr. 222), und der Laufzettel (Nr. 217) mit der 
Inzwischen nöthig gewordenen Aendemng abgesandt. 

• Erst am 9. December abgeschickt, vgl. Z. 32—37 u. 139, 25. 34. 



138 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 1806 



[October 26, Weimar.] [217] 

Da man die vier Qöschenschen Bände nicht zerreissen 
wollte, so folgen auch schon durchgesehen für die dritte 
Lieferang: 

[Band 9:] Triumph der Empfindsamkeit. 
Die VögeL 



Laufzettel an Cotta. — Br. 19. 512 f. 
October 27, Weimar. 218 

Aus der Beilage [Nr. 217] werden Sie,, mein werthe- lo 
ster Herr Cotta, ersehen, was heute früh mit der fahren- 
den Poet abgegangen ist." Ich wünsche, dass diese 
Sendung glücklich in Ihre Hände gelangen möge, und 
erbitte mir baldige Nachricht desshalb. 

Da wir uns von dem ersten Schrecken erholt,' fährt is 
jedes in seiner gewohnten Arbeit fort^ imd ich will es 
von meiner Seite nicht fehlen lassen. Sie hören bald 
mehreres von mir. 



• Goethe benutzte als Druckvorlage für die Mehrzahl der 
Bände seiner Werke Gotta^ nicht die Originalausgabe seiner 20 
.Schriften* (obgleich er ein Exemplar derselben für künftige 
Herausgabe schon 1788 zu verbessern angefangen hatte, 
vgl. 121, 20—24), sondern den als „Geringere Ausgabe" von Gd- 
schen 1787 und 1791 in vier Bänden veranstalteten Nach- 
druck; dieser enthielt von dramatisohon Dichtungen in 25 

Band 1: ,Götz'; 

Band 2: »Mitschuldigen*, Jphigenie*, ,Clavlgo\ »Geschwi- 
ster*, »Stella*, »Triumph der Empfindsamkeit*» 
,Vögel*; 

Band 3: »Egmont*, ,Claudine'» .Erwin und Elmlre*» »Tasso*, so 
,LUa*; 

Band 4: »Faust*» »Jery und Bätely*, »Schere» List und 
Rache*» »Neueröffnetes Puppenspiel*, »Prolog zu 
Bahrdt*» »Künstlers Erdewallen* und »Künstlers 
Apotheose*. 36 

(Vgl. GJ. 16, 261 und W. 17, 356. 19, 344 f.) 

• Vgl. dagegen 137, 32-87. 

• Am 14. October Schlacht bei Jona. 



1806 CLAUDINB VON VILLA BELLA. 139 

[October 27, Weimar.] [318] 

Zu der abgegangenen Sendung mache ich nur noch 
die Bemerkung, dass, weil ich die vier Qiöechenßchen 
Bände nicht zeireissen wollte, einige Stücke, wie 
5 , die Mitschuldigen*, , die Geschwister*, 
, Faust* und Zubehör etc. noch einmal kommen.^ 
Diese gelten aber nicht; sondern der Abdruck geschieht 
nach den Manuscripten, die schon in Ihren Händen sind. 
An Cotta. — Br. 19, 511 f. 
10 October 28, Weimar. 219 

Die zweite Lieferung ist auch schon durchcorrigirt 
und liegt parat,* um mit dem ersten Postwagen abzu- 
gehen. Fahren Sie fort, mir die Aushängebogen zu 
schicken, damit ich von dem Fortgange der Arbeit im- 
16 ' mer benachrichtigt werde. 

An Cotta. — Br. 19, 219, 21—220, 1. 
December 8. Weimar. 220 

An Cotta zweite Lieferung, Tübingen.^ 
Tgb. 3. 181. 24 f. 
ao December 8, Weimar. 221 

[Sendung an] Cotta, [nach] Tübingen zweite Liefe- 
rung.* 

Tagebuchnotizen 1806. — Br. 19. 543. 

December 9, Weimar. 222 

52 Beiliegendes Verzeichniss*' enthält umständlicher, was 

gestern den 8. December an Sie, mein werthester Herr 

Cotta, abgegangen. Die zweite Lieferung kommt Ihnen 

also nimmehr zu Händen, und auch ein Theil der drit- 

* Vgl. die Uebersicht 138, 27—35, und »Geschwister* 1806 Au- 
80 gast 20 (Tgb.). 

• Vgl. Nr. 217. 

• Den Inhalt s. 137, 16-29. 

* Der Br. 19, 515 abgedruckte Laufzettel, vom 8. December 
datirt; er stimmt wörtlich ttberein mit dem vom 26. Octo- 

3ft ber (s. Nr. 217), von dem nur, wegen der Inzwischen erfolgten 
Absendung des ,B]penor', die diesen betreffenden Zeilen (137, 
12—14) gestrichen sind, und auf den hier verwiesen wei*den 
kann. 



140 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 1806 

[December 9, Weimar.] [282] 

ten.* Das Uebrige wird nun auch besorgt.^ Wenn das 
Packet ankommt, bitte ich um gefällige Nachricht. 
An Cotta. — Br. 19, 243. 10—22. 

1807. 5 

Januar 23, Weimar. 223 

Haben Sie doch ja die Gefälligkeit, mir anzuzeigen, 
wann die von mir den 8. December abgesandte zweit« 
Lieferung angekommen.' Ich bin gewissermassen un- 
ruhig, davon in Ihrem letzten Briefe nichts zu lesen, lo 
Ich entschliesse mich daher, einen Laufzettel nachzu- 
schicken, damit die Sache in Gang komme. 

Indem ich Ihren vorletzten Brief nochmals durch- 
sehe, 80 kann ich doch vermutheu, dass das Packet in 
Ihren Händen ist. Doch bitte ich um ausdriickliche i» 
Nachricht. 

An Cotta. — Br. 19, 266, 10-18. 

August 30. Karlsbad. 224 

Ich wünsche bei meiner Hückkimft* bald . . zu ver- 
nehmen, wie es mit der zweiten Lieferung meiner Werke 20 
[Cotta^ Band 5 — 8] steht, und wann Sie solche auszu- 
geben gedenken. 

An Cotta. — Br. 19. 405. 19-22. 

December 16, Jena. 225 

^Endlich dachte ich auch die zweite Sendung meiner 20 
Werke an Sie abgehen zu lassen; sie ist aber bei mir 
selbst noch nicht angekonmien, nicht einmal in voll- 
ständigen Aushängebogen, sonst hätte ich die einst- 
weilen geschickt, insofern sie etwas Neues enthalten. 
An Zelter. — Br. 19. 475, 3—7. 30 



* Vgl. 138. 2-6. 

* Das heisst: von dramatischen Dichtungen das fttr Band 9 
Bestimmte (ausser dem 138, 5 f. Genannten). 

* Den Inhalt der Sendung s. 137, 16—29. 

* Nach Weimar; sie erfolgte am 11. September. 35 

* Goethe führt da« Folgende an als e'nen weiteren Ginind 
seines langen Schweigens, das er Im unmittelbar Vorherge» 
henden schon zu begHinden vei*sucht. 



1808 CLAUniNE VON VILLA BELLA. 141 



1808. 

AugUÄt 7, Karlsbad. — s. Nr. 92. 225a 

181!^. 

][Mal zweite oder Juni erste Hälfte? Karlsbad?] — 226 

5 [Zu 177a-1775.] s. 173, 22 f. 

November 12, Jena, — s. 9, 2. 227 

1814. 

] [April 10, Weimar, oder Mai 14. Berka.l — 227 a 

s. ,Iphigenie auf Tauris* ugD. (Ital. Reise.) 
10 ][Mai 24, Berka.] . 228 

Auf die an mich, mein werthester Herr Musikdirec- 
tor, gerichtete Frage verfehle nicht zu erwidern, dass, 
indem ich den Dialog von ,Clandine* rhythmisch be- 
handelte, allerdings meine Absicht gewesen, dem Com- 
16 ponisten Gelegenheit zu geben, nach italienischer Weise 
recitativisch zu verfahren. Vielleicht möchte jedoch, 
wenn dieses Ihre Absicht ist, der Dialog hie und da zu 
verkürzen und nur das beizubehalten sein, was zum Ver- 
ständniss der Handlung nöthig ist und zugleich der 
20 Musik Vortheile bietet; welches ein einsichtiger Com- 
ponist am besten beurtheilen kann. Ich wünsche Glück 
zu Ihrem Unternehmen und hoflfe, mich in der Folge 
selbst daran zu vergnügen.^ 

An Polzelli. — Br. 24, 288, 1—13. 

25 Mai 24, Berka. 229 

[Brief] An Musikdirector Polzelli nach Wien wegen 
,Claudine' [s. Nr. 228]. 
Tgb. 5. 100, 4-6. 

1815« 

30 «Februar 20, Weimar. — s. 12, 15. 230 

] [April, oder 1816 Juli Mitte, Weimar.] 231 

[Zu 1787 Februar 16, Eom.] Hier folgt das Verzeich- 

niss, wie die Exemplare [von Band 1 — 4r der Schriften], 

* Ueber diese Composition, die Schaefer nicht anführt, scheint 
36 sonst nichts bekannt 

* Wegen eines vielleicht 1815 Anfang Februar stattgehabten 
Gesprächs mit Eberwein vgl. 144, 9. 29--32. 



142 CLAÜDINE VON VILLA BELLA. 1815 

][April, oder 1816 Juli Mitte, Weimar.] [2S1] 

die ich von Göschen zu erwarten habe, unter die Freunde 
vertheilt werden sollen;^ denn ob es mir gleich ganz 
gleichgültig ißt, wie das Publicum diese Sachen betrach- 
tety so wünscht' ich dodi dadurch meinen Freunden eini- & 
ge Freude bereitet zu haben. 

Man unternimmt nur zu vieL Denke ich an meine vier 
letzten Bände [5 — 8] im Ganzen, so möchte mir schwin- 
delnd werden; ich muss sie einzeln angreifen, und so 
wird es gehen.^ lo 

Hätte ich nicht besser gethan, nach meinem ersten 
Entschluss diese Dinge fragmentarisch in die Welt zn 
schicken, und neue Gegenstände, an denen ich frischem 
Antheil nehme, mit frischem Muth und Kräften zu im- 
temehmen? u 

Italienische Reise, Rom (Rom. 16. Februar [1787]). — 
WH. 24, 160. 

1816. 

][? ? ?r 232 

I. 
[Zu 1774. 1775.] Abenteuer mit Lili . . . Oflfenbach. ao 
Operette nach dem Französischen. Marchand. Hand- 
werks-Sujets. ,Milchmädchen*. ,Boettcher^ Andr6 in 
OfTenbach. ,Claudine^ ,Erwiu und Eliiüre^ 



• Vgl. Nr. 166, 22. 89— 167, 30. 

• Fast wörtlich aus dem Briefe vom 2. Februar an Ch. v. Sft 
Stein (8. Nr. 152). 

• Im Folgenden sind drei, zu Buch 17—19 von ,Dichtung und 
Wahrheit* gehörende Schemata vereinigt, da ihre sichere Da- 
tining doch nicht möglich ist; I gehört wohl noch in die Zeit 
vor 1816, II 1816 (oder 1830), III 1830 (oder 1825). 30 

Vgl. die Ausführungen in »Dichtung und Wahrheit* (W. 20, 
42, 21— 44, 3) und v. Loepers Anmerkungen WH. 23, 158—161, 
sowie unter ,Erwln und Elmlre* 1830; zu dieser Dichtung ge- 
hört das unter II mitgetheilte Schema ausschliesslich, Ist 
nl)er zu bequemerer Vergleichung mit I und III hier eingeord- w 
net. 



1816 CLAUDIXE VON VILLA BELLA. 143 



][? ? V] [232] 

II. 

[Zu 1774. 1775.] . . . Das Lied: „Ihr verblühet, süsse 
Bösen" gehört hier her. Nach der ersten^ Ausgabe hatte 

5 dieser Zustand nicht wenig Einfluss. Die herrliche Ro- 
manze von Goldsmith, welche in ,Erwin und Elmire* dra- 
matisirt worden, hatte uns früher herzlich gerührt. 
Aber sanft, weil sie befriedigend endigte. Später, wo 
wir eine Auflösung der Verhältnisse befürchten mussten, 

10 waren es schmerzliche Töne zu Begleitung meines ge- 
fürehteten Schicksals. 

III. 
[Zu 1774. 1775.] ... Das Lied Erwins: „Ihr v er- 
blühet, süsse Rosen" gehört hierher, wie über- 

15 haupt ,Erwin und Elmire' ganz nach der ersten Ausgabe. 
Auf das Sauer-Süsse von ,Stella" hatte dieser Zu- 
stand nicht wenig Einfluss. ,Claudine von Villa Bella* 
war früher fertig geworden/ als ich, im Gegensatz von 
den Handwerks-Opem, romantische Gegenstände zu be- 

20 arbeiten trachtete und die Verknüpfung edler Gesin- 
nungen mit vagabundischen Handlimgen als ein glück- 
liches Motiv für die Bühne betrachtete, das zwar in spa- 
nischen Gedichten nicht selten ist, aber uns neu war zu 
jener Zeit, jetzt aber oft gebraucht, ja verbraucht wor- 

26 den. Andr6 componirt ,Erwin und Elmire^ „I h r v e r - 
blühet, süsse Rosen^* entlockte Lili manche 
Thräne. Die herrliche Romanze von Goldsmith, welche 
hier dramatisirt worden, hatte uns gerührt, aber sanft, 
weil sie befriedigend endigte. Jetzt aber sehen wir nun 

30 eine völlige Auflösung des Verhältnisses vor uns. 

Schemata zu »Dichtung und Wahrheit* Buch 17—19. — 
W. 29, 209, 10-13. 213, 30—36. 216, 2-17. 



* Düntzer verbessert wohl richtig: „Auf die erste" (WK. 20, 
159 zu Z. 15), vgl. auch Z. 15. 
35 ' Vgl. OS. 39—99. 13. 



144 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 1816 



Februar 13, Weimar. — s. 180, 29. 232 a 

Februar 23, Weimar. , 288 

[Früh] Nebenstehende Briefe und Expeditionen: 
. . Brief an Concertmeister Eberwein nach Budolstadt 
[8. Nt. 234], Paqnet retour.^ 5 

Tgb. 5. 209. 12. 15 f. 
Februar 24. Weimar. 234 

Nach dem Wenigen, was Sie mir, mein werthester 
Herr Concertmeister, bei unserer Unterredung* mitge- 
theilt, wie Sie bei Composition der ,Claudine* zu Werke lo 
gegangen, musste mir der Wunsch entstehen, mit Ihnen 
und Ihrer Arbeit näher bekannt zu werden. 

Leider hat sich indessen der Fall ereignet, dass bei 
der Auflführung des ,Epimenides' durch imgeschickte 
Urthoile und misswollondes Betragen so viel Verdriess- i5 
lichkeit entstanden,* dass ich ein Gelübde gethan, keine 
neue Composition auf einen meiner Texte hier sobald 
aufführen zu lassen, damit nicht etwa abermals die 
Gastfreundschaft gegen einen fremden Componisten, 
so wie der mir schuldige Respect verletzt werde. Es 20 
thut mir sehr leid, dass ich durch diesen Umstand ver- 
hindert bin, durch Theilnahme an Ihrer Arbeit meinen 
guten Willen, so wie die günstige Meinung zu bethäti- 
gen, die ich von Ihren Talenten hege.* 

An Traug. Max. Eberwein. — Br. 26, 270, 4—20. 25 



* Der Brief ist vom 24. datirt (die Notiz Tgb. 5, 209, 25: „Bx- 
pedienda und Briefe" wird sieh demnacli wohl mit auf obige 
Sendung beziehen). 

* Fand dieees Gespräch etwa 1815 zwischen 3. und 6. Februar 
Statt, wo Eberwein vermuthlleh (Goethes Tgb. nennt ihn 30 
nicht) zur Aufführung von seines Bruders Muirik zu »Proeer- 
pina* nach Weimar gekommen sein wird? 

* Vgl. Nr. 726. 

* Wie aus Z. 5 zu schliessen, sandte Goethe mit diesem 
Briefe die Partitur zurück. Aufgeführt wurde das Stück mit 30 
El)erweins Musik zum erstenmal am 25. September 1816, un- 
ter Leitung des Componisten, im fürstliclien Hoftheater zu 
Budolstadt (vgl. Schaefer S. 100). 



1816 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 145 

März 11, Weimar. 235 

Indem E. W. vermelde, daas heute der 7. und 8. 

Band meiner Werke [Cotta*] mit der fahrenden Poat 

abgeht, wodurch also die 2. Sendung^ geschloaeen ist^ 

6 schicke zugleidi einiges für's Morgenblatt . . . 

Gefällige baldige Nachricht der Ankunft des Packets 
mir erbittend. 

An Cotta. — Br. 26, 287, 6—9. 13 f. 
März 11, Weimar. 236 

10 [Früh] Briefe und Expeditionen. Sendung a n 

Cotta nach Stuttgart: den siebenten und achten Band 
meiner Werke. Avisbrief [s. Nr. 235]. 
Tgb. 5. 214, 8-6. 
März 25, Weimar. 237 

15 E. W. danke verbindlichst, da^ Sie mir die Ankunft 

des Packetes sogleich melden wollen.* 
An Cotta. — Br. 26, 307, 21—23. 
October 15, Weimar. 288 

[Vormittags] Ankunft der zweiten Lieferung meiner 
20 Werke [Cotta* Band 5—8]. 
Tgb. 5, 278, 18. 
November 14. Weimar. 288 

[Abends] Für mich. Meiner Werke [Cotta^ zweite 
Lieferung [Band 5 — 8] durchgesehen. 
25 Tgb. 5, 286. 11 f. 

December 5, Weimar. 240 

[Vormittags] Anmeldung des Pressburger Capell- 
meisters Herrn Kienlen, Compositeur der ,Claudine^* 
Tgb. 5, 291, 22 f. 



8ö * Die Druekvorlage für Band 5—8 der Werke Cotta'. 

• Das beisst: „haben melden wollen"; wegen de» Packets s. 
Nr. 285. 286. 

• December 7: „[Vormittags] Capellmeister Kienlen aus 
Pressburg** (Tgb. 5, 292, 15 f.). Die Handschrift des Tgb. 

35 hat, wie die Weimarer Ausgabe auch beibehält, beidemal die 
falsche Namensform: Ktlhnlen (wohl Hörfehler des Schrei- 
bers). Johann Christoph Kienlen war (nach F^tis ,Blogra- 
OrSf Goethe ttl)er s. Diehtangen. T. n, B. 1. 10 



146 CLAUDINB VON VILLA BELLA. 1819 



1810. 

][Febniar 14. Weimar.] 241 

Von 1769bi8 1775. 

Fernere Eiiißicht in's Leben. Ereignise, Leidenschaft, 
GenuBB und Pein. Alan fühlt die Nothwendigkeit einer 5 
freiem Form und schlägt sich auf die englische Seite.^ 
So entstehen ,Werther^, ,Qötz von Berlichin- 
genS ,Egmont^ Bei einfacheren Gregenständen 
wendet man sich wieder zur beschränkteren Weise; 
,Clavigo*, ,StellaS , Erwin undElmire*, lo 
,Claudine von Villa Bella ^ beide letztere 
prosaischer Versuch mit Gesängen durchwebt. Hieher 
gehören die Lieder an Belinden und L i 1 i , deren 
manche, so wie verschiedene Gelegenheitsstücke, Epi- 
steln und sonstige gesellige Scherze verloren gegangen.* i5 

Inzwischen geschehen kühnere Griffe in die tiefere 
Menschheit; es entsteht ein leidenschaftlicher Wider- 
wille gegen missleitende, beschränkte Theorien; man 
widersetzt sich dem Anpreisen falscher Muster. Alles 
dieses und was daraus folgt, war tief und wahr empfun- lo 

phie universeUe des musiciens . . Deuxi^me 6dItioii* 5, 27) 1808 
Capellmeister in Pressburg gewesen, hatte dann in Berlin, 
Paris, Wien (1815) und Posen, hier als Leiter der fürstlicli 
Radziwillschen Capelle, gewirkt und war zur Zeit Musik- 
director am Theater zu Augsburg, für das er ,Claudine* com- 96 
l>onlrt hatte. Gewiss wurde in der l^nrerhaltung mit Goethe 
auch von diesem Werke gesprochen. 

Nach Schäfer S. 100 wurde das Stück mit Kienlens Musik 
zuerst im königliehen Schauspielhaus zu Potsdam 1818 April 
30 aufgeführt; in Berlin fanden (nach GJ. 9, 287) 1818 vier so 
Aufführungen Statt (vgl. das Textbüchlein , Arien und G^e- 
sänge des Singspiels: Claudine von Villa Bella, in drei Ak- 
ten; von Göthe. Musik vom Kapellmeister Klenlen. Berlin, 
1818*, sowie Teichmann S. 126). 

* Im Gegensatz zur „französischen", während der Epoche S6 
1764—1709, 8. ,Laune des Verliel)ten* ugD. (Tag- u. Jahres- 
Hefte.) 

' A'gl. ,SIe kommt nicht!' und .Concerto dramatico*. 



1819 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 147 



][Febniar 14, Weimar.] [241] 

den, oft aber einseitig und ungerecht ausgesprochen. 
Nachstehende Productioneo : , Faust ^ die Puppen- 
spiele, , Prolog zu Bahrdt* sind in diesem 

6 Sinne zu beurtheilen;^ sie liegen jedermann vor Augen. 
Dagegen waren die Fragmente des , ewigen Juden* 
und , Hanswursts Hochzeit' nicht mitzuthei- 
len. Letzteres erschien darum heiter genug, weil die 
sammtlichen deutschen Schimpfnamen in ihren Cha- 

10 rakteren persönlich auftraten. Mehreres dieser frechen 
Art ist verloren gegangen;^ ,GI-ötter, Helden und 
W i e 1 a n d * erhalten. 

Bis 1780. 

18 An allen vorgemeldeten, nach Weimar mitgebrachten, 

unvollendeten Arbeiten konnte man nicht fortfahren; 
denn da der Dichter durch Anticipation die Welt vor- 
weg nimmt, so ist ihm die auf ihn losdringende, wirk- 
liche Welt unbequem und störend; sie will ihm geben, 

20 was er schon hat> aber anders, das er sich zum zweiten- 
male zueignen muss. 

1787 bis 1788. 
[Zu 1786—1790.] Die vier letzten Bände [5—8 der 
25 Schriften] sollten . . nur meistens angelegte und un- 
vollendete Arbeiten enthalten; auf Herders Anregung 
jedoch wird deren fernere Bearbeitung unternommen: 
Von Ausführung des Einzelnen findet sich viel in den 
zwei Bänden' der ^Italienischen Eeise^ ,Iphigenie' 
ao ward abgeschlossen noch vor der sicilianischen Fahrt. 



^ Auch »Prometheus* und ,Satyros* gehören hierher. 
» Vgl. »Unglück der Jacobis*. 

• 1816 und 1817 erschienen; der dritte, gleichfaUs viel „Aus- 
führung des Einzelnen" enthaltende Band »Zweiter römischer 
S5 Aufenthalt* kam erst 1829 heraus. 



148 CLAUDINB VON VILLA BELLA. 181» 



][Fe1nnuur 14, Weimar.] [Ml] 

Als ich, bei meiiier Rückkehr nach Som^ , B g m o n t * 
bearbeitete, fiel mir auf, in den Zeitungen lesen zu müfl- 
sen, dass in Brüssel die Scenen, die ich geschildert, sich 
fast wörtlich erneuerten,^ so dass auch hier die poetische * 
Anticipation wieder* in Betracht kam. In die eigentliche 
italienische Opemform und ihre Vortheile hatte ich 
mich, bei meinem Aufenthalte in dem musikalischen 
Lande, recht eingedacht und eingeübt; desshalb unter- 
nahm ich mit Vergnügen, ,Claudine von Villa «► 
Bella* metrisch zu bearbeiten, ingleichen , Erwin 
und Elmire*, und sie dem Componisten zu freudi- 
ger Behandlimg entgegen zu führen. Nach der Bück- 
kehr aus Italien im Jahre 1788 wurde ,T a s s o* erst ab- 
geschlossen, aber die Ausgabe bei Göschen dem Publi- is 
cum vollständig überliefert. 

T&g- und Jabres-Hefte, Von 1769 bis 1775. 1787 bis 
1788. — W. 35, 4, 1^-5, 13. 24—6, 5. 10, 1—22. 

März [Anfang], Weimar. — s, 16, 18—20. 242 

] [Januar, zwischen 10 und 19, Weimar.] — s. Nr. 100. 242a 

August Ewiscben 11 und 21, Marienbad. 243 

[In der, für den ehemaligen König von Holland Louis 
Bonaparte entworfenen, tabellarischen Uebersicht der 
,Ouvrages po^tiques de Ooethe^ heisst es unter] ts 

1769: ,rAfnant capricieux\ pastorale en un acte; 
,U8 Complices^ com^e en trois actes; 
touß les deux en vers alexandrins. 



^ Vgl. 117, 14—16 und Nr. 389. Die Stadt - BevoUmächtigten 
Brüssels schrieben auch damals an die Stände: „sie würden so 
sich erinnern, dass die Abreise Margarethens von Parma un- 
ter Philipp II. in ähnlichem Falle die Ursache des Verder- 
bens dieser Lande gewesen'* sei (WH. 24, 832 zu S. 365). 

• Wie vorher 147, 17—21 und Ei>oe 2, 938, 12- 939, 9. 



1828 CLAUDINE VON VILLA BBLLA. 149 

[ABc:ut iwiidieii 11 und 21, Marienbad.] [Mt] 

1769— 177Ö: . . . 

,Oöiz de Berlichingen^, trag6die^ hors des r^gles; 

ö ,8t$lla, tragMie, J 

yClaud%ne% Opera; 

^rvin et Elmir^, Opera; 

yFatist^ Tableau hasarde du mande et des 
moeurs, en forme dramatique; 
10 Mainte petite production comique et satyrique.^ 

1775 — 1780: ,Elpenor^, tragMie, fragment; 

yLes Oiseaux\ pi^e saiyrique, dans le seiiB 

d'Ariatophane; 
yLiWy Opera; 
15 ,Frere et 8oeur\ piöce sentimentale en un acte; 

Jphigenie en Tauride\ trag^die en cinq actee^ 

tont-4-falt Selon les rtgles; 
yProserpine^ melodrame en nn acte; 

90 fJery et Bätely^y Opera snisee. 

1786—1788: 

yEgmont^, trag^die, höre des rÄgles; 
,Le Ta88e\ tragfidie, selon les rögles. 

1789: yLe Orand-Cophte^ com6die en cinq actes;^ 

25 

1800—1805: 

,Palueophr(m et Neoterpe^ eom6die en masqnes, 
pour nne fete; 

* Vgl. Tabelle 1 unter diesem Zeitraum. 
JO * Die den folgenden Jahren angehörenden Dichtungen .Auf- 
geregten' und »BUrgergeneral* sind (ob mit Absicht?) nicht 
genannt 



160 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 1823 

[Aognst zwischen 11 and 21, Marien bad.] [843] 

[1800—1805 Fortsetzung.] 

Plußieurs petites pi^s.* 

yLa fille naturelle^ trag6die en cinq actes; s 

1807: 

^Pandore^ drame mythologique-all^gorique. 

1810. 1811: Plusieurs poesies d'occasion.^ 

10 

1814: ,Ije Reveil d'JEpimenide^ grande pi6ce alle- 
gorique.* 

1819: 

PlusieuTB poesies* pour de grandes f^tes don- is 
ii6e8 pendant la pr^sence de S. M. Tlm- 
p4ratrioe mire de t. 1. R. 

GJ. 15, 17—19. 

Mai 7. Weimar. 244 

E. W. die Bände 7 und 8 [der Werke Cotta^] hiebei^ 
mit wiederholtem Dank für die bisherigen Bemühun- 
gen, übersendend, . . * 

An Göttllng. — G.-Göttling S. 7. 26 

Mai 7, Weimar. ^45 

[Früh?] Nebenstehendes expedirt: [Brief an] Hn 
Prof. Dr. Göttling nach Jena [s. Nr. 244], mit sieben- 
tem und achtem Band meiner Werke [Cotta^]. 

Tgb. 10, 52, 14-16. 30 

* Vgl. Tabelle 1 unter diesem Zeiti-aum. 

* GJ. 15, 18 gehört die vor ,Le Reveil . .* stehende Jahreszahl 
1818 eine Zelle höher, vor „Plusieures Ballades", 

* Danmter Maakenzug 14, der aber noch In das Jahr 1818 
fällt 35 

* Vgl. 29, 81-86. 



1826 CLAUDINB VON VILLA BELLA. 151 

1886. 

Februar 1. Weimar. — s. 30, 16, 31, 22—25. 32-34. 246 

1887. 

Januar 27, Weimar. 247 

s Die letzte Abtheilmig der ^Zahmen Xenien^ die noch 

zum vierten Theil gehören, geht diese Woche ab. So- 
dann bereite ich die zweite Sendung/ die auch schon 
zum Einpacken fertig liegt. Es ist mir ein wunder- 
bares Gefühl, wie auch dieses Geschäft zuzuriicken an- 

10 fängt^ und wie man das vor Augen sieht, was man nicht 
zu erleben glaubte. 

An S. Boisser^. — Boisser^ 2, 465. 

Februar 17, Weimar. 248 

[Morgens] Die neue Lieferung meiner Ausgabe^ noch- 
16 mals durchgesehen und theilweise eingepackt. 
Tgb. 11, 22, 15-17. 

Februar 18. Weimar. 249 

[Morgens] Fernere Correctur der zweiten Sendung.' 
Tgb. 11, 22, 26 f. 

20 Februar 19, Weimar. ^ 250 

Abends für mich. Die Absendun^ der nächsten 
Sammlung^ durchgedacht. 
Tgb. 11. 23. 17—19. 

März 12, Weimar. 251 

25 [Vormittags] John die zweite Sendung* einzupacken 

übergeben. 

Tgb. 11. 32. 18 f. 

* Die DruckYorlage für Band 6—10 der Werke Cotta» In der 
ursprünglichen Anordnung (s. 30, 2—28). 

ao ' 8. Z. 28f. Am selben Tage wiederholte Goethe in einem 
Briefe an Boisser^e das schon Z. 7 f. Gesagte: „ . . die 
zweite [Lieferung] liegt zum Einpacken bereit" (Boisser^ 2, 
466). 

* Lieferung 2. s. Z. 28 f. 

85 * 8. Z. 28 f.; schon am 17. Februar war e!n Theil eingepackt 
worden (s. Nr. 248). 



152 CLAÜDINE VON VILLA BELLA. 1827 



April 4. Weimar. 252 

[Prüh?] Nebenstehendes: An Hn von Cotta die fünf 
Bände der zweiten liefenmg.^ 
Tgb. 11, 41, 23 f. 

August 8, Weimar. 258 5 

[Abends? An] Hn Rector Müller nach Friedberg, die 
jClaudine^ abgesendet.* 
Tgb. 11, 95, 18 f. 

October 24, Weimar. 254 

[Vormittags] £[am die Completirung der zweiten Lie- lo 
ferung von Augsburg an/ auch der erste Band voll- 
ständig. 

Tgb. 11, 128, 8-10. 

October 26, Weimar. 265 

[Vormittags] Dem Buchbinder [Bauer] die zweite iß 
Lieferung meiner Werke [Cotta* Band 6 — 10], . . über- 
geben.* 

Tgb. 11, 128. 14—16. 



» 8. 151. 28 f. 

* Ueber diesQ Angelegenheit scheint sonst nichts bekannt; ein so 
Concept von Goethes Brief (falls ein solcher die Sendung be- 
gleitet hat) ist im Goethe- und Schiller-Archiv nicht voriian- 
den. 

* Die Aushängebogen von Band 6. 8 und 10 der Werke Cotta*; 
Band 7 und 9 war schon am 15. August eingetroffen (s. unter 95 
diesem Datum die .Geschwister*). 

* Angeschlossen seien hier folgende Erwähnungen dieser Bände 
6-10: 

1827, December 4: „Die Exemplare der zweiten Lieferung 

ausgepackt und an die verschiedenen Interessen- 90 
ten verthellt. Auch Bauern vierzehn Exemplare 
zum Heften gegeben" (Tgb. 11, 144, 13—16); 
„ December 31: „Die zweite Lieferung an Ihro König- 
liche Hoheiten mit kleinen Gedichten" (Tgb. 11, 
156, 8—10); S5 

1828, Januar 11: „Zweite Sendung meiner Werke verthel- 

lend" (Tgb. 11. 163, 6 f.); 
.. Januar 25: „Nebenstehendes abgesendet: [Brief an] 
Hn Grafen Stemberg mit der zweiten Lieferung. 
Prag" (Tgb. 11, 169, 28- 170, 1). 40 



1828 CLAÜDINE VON VILLA BELLA. 153 

August 15, Doroburg. 256 

Abends . . Später ,Clau(iine von Villa Bella* und ,Er- 
win und Elmire* gelesen.* 
5 Tgb. 11, 262. 26-28. 

April 5, Weimar. 257 

Dann sprachen wir von seiner italienischen Reise, und 
er sagte mir [Eckermann], dass er in einem seiner Briefe 
10 aus Italien ein lied gefunden, das er mir zeigen wolle.' 
Er bat mich, ihm ein Packet Schriften zu reichen, das 
mir gegenüber auf dem Pulte • lag. Ich gab es ihm, 
es waren seine Briefe aus Italien; er suchte das Gte- 
dicht und las: 

^^ ,.Cupido, loser eigensinniger Knabe! 

Du batst mich um Quartier auf einige Stundeo. 

Wie viele Tag' und Nächte bist du geblieben! 

Und bist nun herrisch und Meister im Hause geworden! 

Von meinem breiten r.ager bin Ich vertrieben; 
*o Nun sitz' ich an der Erde, NÄchte gequälet; 

Dein Muthwlir schttret Flamm' auf Flamme des Herdes, 
Verbrennet den Vorrath des Winters und senget mich Armen. 

Du hast mir mein GerHthe veratellt und verschoben; 
Ich such', und bin wie blind und irre geworden. 
2^ Du lärmst so ungeschickt, ich fürchte, das Seelchen 

Entflieht, um dir zu entfliehn, und räumet die Hütte/' 

Ich freute mich sehr über diess Gedicht, das mir 

vollkommen neu erschien. ,^ kann Ihnen nicht fremd 

sein," sagte (Joethe, „denn es steht in der ,Claudine 

«0 von Villa Bella^, wo es der Rugantino singt.^ Ich 



* Nach „gelesen" folgen in der Handsclirift des Tgb. zwei 
leere Seiten. 

* In der «Italienischen Reise* finden wir das Lied nicht in einem 
Briefe, sondern zu Anfang des ,, Berichts" über den Januar 

» 1788 (8. WH. 24, 465). 

» Aufzug 2 Veis 650-653. 662—665. 678-681. 



154 CLAUDINE VON VILLA BKLLA. 1829 

[ApriJ 5, Weimar.] [967] 

habe es jedoch dort zerstückelt, so dass man darüber 
hinanslieset und niemand merkt, was es heissen will. 
Ich dächte aber, es wäre gut! Es drückt den Zustand 
artig aus und bleibt hübsch im Gleichniss; es ist in * 
Art der Anakreontischen. Eigentlich hätten wir dieses 
Lied, und ähnliche andere aus meinen Opern, unter 
den ,(}edichten* wieder sollen abdrucken lassen, damit 
der Componist doch die Lieder beisammen hätte." Ich 
fand dieses gut und vernünftig, und merkte es mir für lo 
die Folge. ^ 

Goethe hatte das Gedicht sehr schön gelesen; ich 

brachte es nicht wieder aus dem Sinne, und auch ihm 

schien es femer im Kopfe zu liegen. Die letzten 

Verse: ^^ 

..Du lärmst so ungeschickt, ich fürchte, das Seelchen 

Entflieht um dir zu entfliehn, und räumet die Htttte*' 

sprach er noch mitunter wie im Traume vor sich hin. 
Mit Bckermann. — Gespräche 7, 49 f. (Eckermann 2, 09 f.) 

April 8, Weimar. 2Ö8 ao 

Gestern Abend . . habe ich [Eckermann] die ,Claudine 
von Villa Bella^ gelesen und mich sehr daran erbauet. 
Es ist so gründlich in der Anlage, und so verwegen, 
locker, frech und froh in der Erscheinung, dass ich den 
lebhaften Wunsch fühle, es auf dem Theater zu sehen. » 
„Wenn es gut gespielt wird", sagte Goethe, „macht es 
sich gar nicht schlecht." Ich habe schon in Gedanken 
daa Stück besetzt, sagte ich, und die Rollen vertheilt. 
Herr Genast müsste den Rugantino machen, er ist für 
die Rolle wie geschaffen; Herr Franke den Don Pedro, ao 
denn er ist von einem ähnlichen Wuchs, und es ist gut, 
wenn zwei Brüder sich ein wenig gleich sind; Herr La 
Roche den Basco, der dieser Rolle durch treffliche Maske 
und Kunst den wilden Anstrich geben würde, dessen sie 

* Vgl. Nr. 259. * 35 



1829 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 155 

(April 8, Weimar.] [256] 

bedarf. „Madame Eberwein", fuhr Groethe fort, „dächte 
ich, wäre eine &ehr gute Lucinde, und Demoiselle 
Schmidt machte die Clandine." Zum Alonzo, sagte ich, 

6 müssten wir eine stattliche Figur haben, mehr einen gu- 
ten Schauspieler als Sänger, und ich dächte, Herr Oels 
oder Herr Graff würden da am Platze sein. Von wem ist 
denn die Oper componirt, und wie ist die Musik? „Von 
Eeichardt", antwortete Goethe, „und zswar ist die Musik 

10 vortrefflich. Nur ist die Instrumentirung, dem Ge- 
schmack der früheren Zeit gemäss, ein wenig schwach. 
Man müsete jetzt in dieser Hinsicht etwas nachhelfen 
und die Instrumentirung ein wenig stärker und voller 
machen. Unser Lied: Cupido, loser eigensinniger Knabe 

15 etc. ist dem Componisten ganz besonders gelungen."^ 
Es ist eigen an diesem Liede, sagte ich, dass es in eine 
Art behaglich träumerische Stimmung versetzt, wenn 
man es sich recitirt. „Es ist aus einer solchen Stimmung 
hervorgegangen", sagte G<>ethe, „und da ist denn auch 

20 mit Eecht die Wirkung eine solche." 

Mit Eekermann. — Gespräche 7, 67— «9 (Bckermann 2, 
81 f.). 

1880. 

December 17, Weimar. 259 

26 Mittag Dr. Eckermann, welcher die Sammlung der aus 

den Opern ausgezogenen und ausrangirten Lieder 
brachte.^ 

Tgb. 12. 345. 11—13. 



* Goethe nennt das Lied ..unser*', da er mit Eekermann schon 
30 am 6. April (s. Nr. 267) und am 6. über dasselbe gesproch^i 

hatte. 

* Eckermanns Gespräche enthalten über diese Unterhaltung 
nichts. Die Sammlung der Lieder (vgl. 154. 6—11) wurde in 
Band 7 der ,Nachgelafleenen Werke' aufgenommen unter dem 

36 Titel .Lieder für Liebende', mit der gewiss noch von Ooethe 
selbst hen'ührenden Bemerkung: „Für die Zwecke des Com- 



156 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 1831 

1881. 

Juni 7, Weimar. 200 

. . ich finde mich in dem Falle, . . mancherlei poeti- 



ponisten und Sängers neu zutmumiengest^f (W. 5 (1), 3); 
ee sind, alphabethisch nach den Dichtungen und den Lied- & 
Anfängen geordnet, folgende Lieder: 

L »Claudine von Villa Bella*. 

1. „Cupido, loser eigensinniger Knabe!'' (Aufzug 2.) 

2. „Es erhebt sich eine Stimme" (Aufzug 1). 

3. „In dem stillen Mondenscheine** (Aufzug 2). lo 

4. „Lebet wohl, geliebte Bäume!'' (Aufzug 2.) 
6. „Mit Mädchen sich vertragen" (Aufzug 1). 

IL ,E r w 1 n und E 1 m i r e'. 

6. „Bin Schauspiel für Götter" (Aufzug 1 Auftr. 1). 

7. „Höret alle mich, Ihr Götter** (Aufzug 1 Auftr. 2). 15 

8. „Hörst du, er hat geschworen" (Aufzug 1 Auftr. 2). 

9. „Ihr verblühet, süsse Rosen" (Aufzug 2 Auftr. 1). 

10. „Mit vollen Athemzügen" (Aufzug 2 Auftritt 6). 

11. „Nein, nein, ich glaube nicht** (Aufzug 1 Auftr. 1). 

12. „Sie liebt mich!" (Aufzug 2 Auftritt 8.) 90 

13. „Sieh mich, Heil*ger, wie ich bin" (Aufzug 2 Auf- 

tritt 8). 

14. „Welch ein Lispeln, welch ein Schauer*' (Aufzug 

2 Auftritt 1). 

15. „Wie schön und wie herrlich, nun sicher einmal** 25 

(Aufzug 1 Auftritt 1). 
IIL ,J e r y und B ä t e 1 y*. 

16. „Endlich! endlich darf ich hoffen!** (W. 12, 28.) 

17. „Es rauschet das Wasser** (W. 12, 7). 

18. „Es war ein fauler Schäfer" (W. 12, 12). so 

19. „Nicht so eilig, liebes Kind!" (W. 12, 16 f.) 
IV. ,Lila*. 

20. „Auf. aus der Ruh! auf, aus der Ruh!** (Aufzug 4.) 

21. „Feiger Gedanken" (Aufzug 2). 

V. .8 c b e r z , L 1 s t u n d R a c h e*. u 

22. „Gern in stillen Melancholien*' (Aufzug 2). 

23. „Nacht, o holde! halbes Leben!** (Aufzug 4.) 
VI. ,Der Zauberflöte zweiter Theil*. 

24. „An der Seite der Geliebten** (W. 12, 213). 

25. „Schauen kann der Mann und wählen!** 40 

(W. 12, 200.) 



1831 CLAUDINE VON VILLA BELLA. 157 

[Juni 7, Weimar.] [260] 

sehe, litterarische, naturhistorifiche Schriften als Sup- 
plement zu meinen hisher herausgegebenen Werken 
[Cotta*] zu arrangiren.^ 

An Marianne Willemer. — G.-Willemer S. 306. 

September 16, Weimar. — s. Nr. 848. 260 a 



Die Worte »»ausgezogenen undausrangirten'* (155, 26) 
bedeuten wohl: dass Bckermann bereits aus den sämmtlichen, 
den Singspielen entnommenen Liedern eine Auswahl des Ihm 

10 passend Scheinenden zu einer Gruppe vereinigt, »»ausrangirt" 

hatte. Thatsächlich enthält die Gruppe »Lieder ftlr Liebende' 

nur einen Theil der in den Singspielen befindlichen Lieder. 

^ Die 20 Bände des Nachlasses» die sich während des ersten 

Jahrzehnts nach Goethes Abscheiden» unmittelbar an die 40 

16 Bände d^ Werbe Ootta* anschlössen, brachten, zum Theil 
noch auf Goethes eigene Anordnung» in Band 1. 2 und 17 
(Werke Cotta' Band 41. 42. 57) von dramatischen Dichtungen» 
dainnter auch blosse Schemata und Bruchstücke» folgende 
(die Zahlen in geben Band und Seite der Werke N. an): 

20 1. Claudlne v. Villa BeUa (erste Fassung, 17, 143—218); 

2. Erwin und Blmire (erste Fassung, 17, 101—141); 

3. Faust, zweiter Theil (Band 1); 

4. Faust, Paralipomena (17, 264—282); 

5. G^eechichte €k>ttfriedens von Berlichingen (2, 1—281); 
26 6. Götz von Berlichingen (für die Btthne bearbeitet, 2» 

233-450); 

7. Hanswursts Hochzelt (17, 257—263); 

8. Iphigenle auf Tauris (in Prosa, 17, 25—99); 

9. NatürUche Tochter (17, 295-304); 
80 10. Nausikaa (17, 309-320); 

11. Neueröffnetes Puppenspiel (2 ältere Scenen aus dem 

.Jahrmarktsfest'» 17. 253-256); 

12. Pandora (17. 305-^08); 

18. Tragödie aus der Zeit Karls des Grossen (17» 283—294); 
35 14. Ungleichen Hausgenossen (17, 219—252); 
16. Wette (17, 1-23). 




C 1 a V i g 0. 



Handschriften: sind nicht bekannt. 

Erster Druck: 1774» unter dem Titel »Clavigo. Bin Trauerspiel 
Ton Göthe. [Holzschnitt-Vignette: zwei nackte Knäbchen 
(nach W. 11, 397 sind es „Engel*', dann aber Jedenfalls 5 
flügellose) sitzen Im Gespräche unter einem Palmbaom, 
Yon dem das eine Früchte pflückt; im Hintergrund eine 
Cumuluswolke.] Leipzig, in der Weygnndschen Buch- 
handlung. 1774*. 

Es gibt sechs unter einander verschiedene Drucke, lo 
vgl. Bemays S. 46—66. 

Zweiter Drude: 1787, Schriften 3, 137—248. 

DHUer Druck: 1807, Werke Cotta* 5, 375-451. 

Vierter Druck: 1816, Werke Cotta* 6, 381-458. 

Fünfter Druck: 1827, Werke Cotta« 10. 49-124. lö 

Weimarer Ausgabe: 1892. W. 11, 47—124 und 897—406; wegen 
der Stellung vgl. 98, 25—29. 



Uebersicht der Aufführungen 
I. unter Bellomo In Weimar: 



1. 1786 Februar 8. 
3. ,. März 8. 
8. 1786 Februar 16. 



4. 1787 November 19. 

5. 1789 Mars la 

6. 1791 Februar 7. 



90 



II. unter Goethes Leitung: 
l.\179a Januar 7 in Weimar. 
S.^1803 „ 22 in Weimar. 

3. n AprU 26 in Weimar. 

4. ^ Aogost 11 in Lauchstädt. 
6. . « 24 in Rudolstadt. 



6. 1804 Januar 21 in Weimar. 

7. 1806 März 1 in Weimar. 

8. 1806 „ 16 in Weimar. 

9. 1809 „ 8 in Weimar. 
[1817 April 23, - vgl. Nr. 826.] 



1774 CLAVIGO. 159 



Mai 28, Frankfurt. 261 

Sobald einige Dinge* von mir, die fertig liegen, ge- 
druckt sind, schick* ich sie Ihnen, oder meld' es wenig- 
5 stens, . . 

An Klopstock. — Br. 2. 162. 20-22. 

]Juni 1, [Frankfurt] 262 

Dann* haV ich ein Trauerspiel gearbeitet ,C 1 a v i - 
go^, moderne Anekdote dramatisirt mit möglichster 
10 Simplicität und Herzenswahrheit; mein Held ein unbe- 
stimmter, halb gross, halb kleiner Mensch, der Pendant 
zum Weislingen im ,Qötz*, vielmehr Weislingen 
selbst in der ganzen fiundheit einer Hauptperson; auch 
finden sich hier Scenen, die ich im ,Götz*, um das Haupt- 
15 interesse nicht zu schwächen, nur andeuten konnte.* 
An Schönbom. — Br. 2, 171, 25—172, 5. 

Juni 22, [Frankfurt.] 263 

Was ich drucken lasse ist: ,Die Leiden des 

jungenWerthers^, Geschichte, und , C 1 a v i g o ', 

so ein Trauerspiel. Das sind zwar nur Titels, ist unterdess 

zur Nachfrage. 

An Bole. — Br. 2. 170, 3—5. 

?Juni 28, Wiesbaden. — s. 73, 10. 264 



' Die im Register Br. 7, 470 (mit einem ?) auf ,Clavlgo* be- 
25 zogene Stelle aus Goethes Brief an Kestner vom 15. Septem- 
ber 1773 s. Anhang I; sie kann sich, wie Nr. 311 beweist, un- 
möglich auf ,Clavigo* beziehen (ebenso wenig kann, wie im 
Register geschehen, Br. 2, 162, 18 und 171, 16 auf das Stück 
bezogen werden). 
80 Sachlich gehören in den Mai 1774 Nr. 308. 309. 311. 380. 
335. 336. 338. 
^ ,Werther* (vgl. Epos 2, 504. 28) und von den dramatischen 

Dichtungen jedenfalls ,Clavigo*, vgl. Z. 8 f. 
• Nach den ,Iieiden des jungen Wei*thers*. 
»5 * Besonders die Darstellung des Schmerzes der verlassenen 
Geliebten. 



100 CLAVIGO. 1774 



JüU 16, Ems. 265 

^[Abends.] . . as8 mit Goethe auf meinem Zimmer zu 
Nacht. ,Clavigo^, der Hauptsache nach, ohne den Tod, 
eine wahre Geschichte; und sogar die Namen der Per- 
sonen wahre Namen — 5 
Mit Lavater. — 8dGG. 16, 301, 30—33 (Lavaters Reise- 
Tagebuch). 

] [August] 14. [Frankfurt] 266 

Schick doch Jung einen ,Clavigo*.^ 
An F. H. Jacobi. — Br. 2, 183, 15 f. lo 

?] [August Mitte, Frankfurt.] 267 

Schick^ mir mit Messgelegenheit all meine Schreibe- 
reien zurück.' 

An Lavater. — SdGG. 16. 36. 3 f. 

] [August 20? Frankfurt] 268 15 

Hat Hohenfeld einen ,Clavigo'? 
An Sophie v. La-Roche. — Br. 2, 185, 16 f. 

' Den Tag über hatte Lavater, mit dreimaliger Unterbrechung, 
das Stück gelesen (s. SdGG. 16. 300, 30—32. 35), und zwar in 
der Handschrift, der Druck erschien erst einige Wochen spä- so 
ter; vgL Z. 22-33 und Nr. 267. 

* Am 13. war Goethe von seiner Rbeinreise zurückgekehrt, 
auf der er Jacobi kennen gelernt hatte. „Da in diesem Briefe 
sonst einer Sendung der Exemplare des .Glavigo* ni<dit Br- 
wälmung geschieht, auch nicht anzunehmen ist dass €roethe ^ 
solche bereits nach Düsseldorf mitgebracht, wo ja sein Freund 
Jung nicht leer ausgegangen, auch eine briefliche Erörterung 
über das Stück [vgl. Nr. 269] durch mündlichen Austausch 
der Ansichten ersetzt worden sein würde, so uiuss er zu Ems 
wenigstens einen Theil der Freiexemplare oder die Nachricht ao 
von der Ankunft derselben erhalten, und y<m hier aus sofort 
einige EiXemplare an Jacobi gesandt oder die Uebersendung 
derselben durch seine Eltern veranlasst haben** (Düntzer: 
Freuudesbilder S. 137 f.). 

Jacobi folgte wohl Goethes Aufforderung; Jedenfalls hatte » 
Jung das Stück bereits gelesen, als Jacobi Groethen antwor- 
tete, wie aus dessen Erwiderung 162, 11 f. hervorgeht 

• Nach Funck war xmter diesen vielleicht auch die Z. 18—20 
genannte Handschrift des .(Mavigo* (vgl. SdGG. 16, 390 zu 
36, 4). 40 



1774 CLAVIGO. 161 



]ArigU8t 21, [Frankfurt] 269 

Dass mich nun die Memajres des Beaumarchais, de cet 
avi$nturier frangois, freuten, romantische Jugendkraft 
in mir weckten, sich sein Charakter, seine That mit 
Charakteren und Thaten in mir amalgamirten, und 00 
mein ,Clavigo* ward,^ das ist Glück, denn ich hab^ Freude 
gehabt drüber, und was mehr ist, ich fordre das kri- 
tischste Messer auf, die bloss übersetzten Stellen* abzu- 



^ In dem Goethe sieh selbst nicht nur In Olavigo darstellte» 

10 sondern auch in Carlos und Beaumarchais, wie er es frtther 

In Weisungen und Götz, später in Faust und Mephisto- 

pheles, in Tasso und Antonio gethan hat 

^ Aus der vierten der Denkschriften, die Beaumarchais in der 

ersten Hälfte Februars 1774 veröffentlicht hatte unter dem 

15 Titel: ,Quatrl^me memoire ä consulter pour Pierre- AugustlD 
Caron de Beaumarchais, Bcuyer, Conseiller-Secr6talre du 
Roi, Lieutenant-G^n^ral des Chasses &c. Accusd de corrup- 
tlon de Juge, contre M. Goesman, Juge, accus^ de suboma- 
tion et de faux; Mme Goezman. et le sleur Bertrand, accu- 

20 8^8 ; les sieurs Maiin, gazetier; d*Aniaud-Baeulard. eonseiUer 
d'ambassade; et consorts* (nach WH. 6, 120, mit Verbesse- 
rungen nach Band 3 S. 323 der »Oeuvi-es complötes*, Paris 
1809). Eine Uebersetzung des, hier allein in Frage Itommen- 
den, Abschnitts dieser vierten Denkschrift, der den Titel führt 

26 ,Ann6e 17G4. Fragment de mon Voyage d'Espagne', gaben: 

1. Friedrich Heinrich Jacobi im ,Teutschen Merliur* 7 (2), 
163—213, vom August 1774, unterzeichnet: W. S. J., ohne in 
seinem Vorbericht Goethes Dichtung zu nennen; 

2. ein Anonjrmus in dem selbstständigen Büchlein ,Die 
80 walire Geschichte des Clavigo. Aus dem Französischen der 

Memoiren des HeiTU von Beaumarchais übersetzt Hamburi?, 
in der Heroldisohen Buchhandlung, 1774*; In der Vorrede, 
die den Beifall hervorhebt, dessen Goethes Dichtung sieh er- 
freue, heisst es S. 5: „Ueberdem wird man hieraus das Ver- 

35 dienst des Herrn Goethe um sein Stüelc näher l>estimmen 

können, da ich, wo er bloss übersetzt hat seine Worte ganz 

beibehalten habe" (das Ist jedoch nicht genau durchgefühlt). 

Die übersetzten Stellen in Act 2 u. 4 (W. 11, 63—78. 113. 24— 

114. 6) sind in WK. 8, 309—379 namhaft gemacht. — Vgl. 

40 auch 176, 20-22. 187, 17-21. 

Graf, Goethe über g. Dichtungen. T. II, B. 1. 11 



102 OLAVIGO. 1774 

[Aagnft 21, [Frankfurt] [869] 

trennen vom Ganzen^ ohn' es zu zerfleischen, ohne töd<> 
liehe Wunde (nicht zu sagen der Historie) sondern der 
Structur, Lebensorganisation des Stücks zu versetzen! 
Also — Was red' ich über meine Kinder, wenn sie leben, 5 
so werden sie fortkrabeln unter diesem weiten Himmel. 
Aber wer auch für's Publicum Kinder machte! Damit 
er hörte, qiie ce cul est tire enpartiedu Huron de Mr, 
de Voltaire,^ , . . 

10 

Jung* ist nicht der erste, der zweifelt, ob das Stück 
von mir ist? Immer zu. Ich hoffe auf gute Tage wieder 
eins zu machen, imd wieder so ohne Rücksicht, ob's 
schaden möge meinem Buhm oder aufhelfen pp. 

An F. H. Jacobl. — Br. 2, 187, 8-22. 188. 17—20. 15 

] [August Ende, Frankfurt] 270 

Hier den Franzosen auf den Deutschen. Heut oder 
morgen gibt's noch ,C 1 a v i g o s^' 

An Johanna Fahimer. — Br. 2, 193. 21—23. 

1775. so 

März 21. [Frankfurt] 271 

An Cannabich ist ,Clavigo^ fort.* 
An F. H. JaeoW. — Br. 2, 247, 7 f. 



^ In dessen satirischer Erzählung .L^In^^uu'. 

» Vgl Nr. 266. 25 

' Das heisst: Exemplare zum Yerth^len; ein. Exemplar des 
„Deutschen" (Groethes .Clavlgo*) hatte sie schon: hiermit 
sondte er ihr den „Franzosen'*, worunter doch wohl das 161, 
15 genannte französische Original zu verstehen ist, oder, wie 
Urliche (G.-Fahlmer S. 57 Erl. 3) vermuthet, die Uebersetz- so 
ung Jacobis (s. 161, 26 f.). 

* Goethes Briefe an Cannabich in Mannheim sind nicht be- 
kannt Jacobl, der ihn während seines Aufenthaltes in Mann- 
heim (Februar 1775) gesehen haben wird, hatte vermuthüch, 
bei seiner Rückreise über Frankfurt, Ende Februar oder An- 36 
fang März mit Gk>ethe von dieser Angelegenheit gesprochen. 



1779 OLAVIGO. 163 



177». 

December 22 und 23, Mannheim. 272 

Den 21. [December] kamen Goethe und der Herzog 

von Weimar hier [in Mannheim] an, . . . Den 22. war 

5 Goethe zu Ehren freier Eingang für jedennann, und 
,Clavigo^ EJr liess um 4 Uhr vor der Komödie mich 
[Iffland] zu sich bitten. „Liegt Ihnen etwas daran", 
sagte er, „so versichere ich Ihnen meine ganze Bewun- 
derung. Mit 80 viel Wahrheit und Delicatesse sah ich 

10 seit Ekhof nicht spielen.^ Folgen Sie meinem Rath: 
spielen Sie entweder, oder: immer das Aensserste, das 
niedrigst Komische und höchste Tragische. ... ich wun- 
dere mich, dass Sie so jung sind und Resignation genug 
haben, Alte zu spielen. Wenn ich vierzehn Tage da- 

15 bliebe, so wollte ich Ihretwegen den ,Cid* von Corneille 
umarbeiten, so gefallen Sie mir. Adieu. Ich empfehle 
Ihnen den Carlos." Ich sprach ihn den Tag nach ,Cla- 
vigo* [23.] bei Herrn von Dalberg, und er war mit mei- 
nem Carlos sehr zufrieden. Ein bisschen zu geschwinde 

10 wäre ich gewesen, meinte er. 

Mit Iffland. — Gespräche 1, 61.' 

1781. 

?Jamiar 25, [Weimar.] 273 

Der schönen Gräfin hab' ich das Trauerspiel ge- 

86 schickt.' 

An d. Herzog Karl August. — Br. 5, 40, 14 f. 



* Goethe hatte am 13. Januar 1778, bei der Aufftthi-uug von 
Cumberlands .Westindler*, die In Weimar bei Hofe veran- 
staltet wurde, neben Ekhof mitgewirkt (vgl. Riemer 2. 55 f.). 

80 Bei der ersten Aufführung des .Clavigo' in Gotha, am 16. März 
1776, spielte Ekhof den Saint George; Goethe scheint dieser 
Vorstelhing nicht beigewohnt zu haben, während die Her- 
zogin Tiouise von Weimar anwesend war (vgl. auch Schwei- 
tzers Brief GJ. 2. 386 f. und den Gothaer »Theater-Kalender 

36 auf das Jahr 1778' S. 4, Schluse des Aufsatzes „Keine Rolle 
ist klein"). 

* Aus Ifflauds Brief an se:aen Bruder vom 29. December 1779, 
Westermanns Deutsehe Monatshefte (September 1869) 26, 592. 

* Gräfin Louise v. Wertheni - Xeunheilingen. Nach dem Re- 



164 CI^VIGO. 1782 

März Z [Weimar.] 274 

Hier schick' ich das französische deutsche Theater. 
Vou8 y trouveres une tragidie d'un Mr, Goethe, q^ui s'est 
acquis une grande renommie par ses ecrits . .^ b 

An Ch. V. Stein. — Br. 6. 274, 5-S. 

1785. 

März 4, [Weimar.] 275 

Heute Abend bringt mich die leidige Ptobe des ,Cla- 
vigo^ um ein paar gute Stunden mit Dir.^ lo 

An Oh. V. Stein. — Br. 7, 20. 14 f. 

1786. 

•][Junl 28, Weimar.] — s. 104, 8. 276 



gister Br. 7, 470 Ist die Beziehung sicher; E. v. d. Hellen be- 
merkt mit Recht unter Hinweis auf Br. 5, 210, 8 f., es i5 
brauche „kein Drama Goethes gewesen zu sein, das der Her- 
zog für seine Freundin erbeten zu haben scheint** (BHefe 
TdH. 2, 47 BrL 2). 
^ ,Nouyeau thMtre allemand. [Auf dem Schutztitel fc^gt hier 
nodi der Zusatz: ,ou recueil des pi^ces Qui ont paru avec so 
suceds sur les Th^ätres des Capitales de TAUemagne*.] Par 
M. Friede], Professeur en survivauce des Pages de la gmnde 
Ecurie du Roi. Paris. M. DCC. LXXXII*; In Band 1 folgt 
auf eine Histoire abregne du thßj^tre allemaud und Lessings 
.Emilia Galotti' Goethes .Clavijo'; Band 3 (nicht 2) enthält i5 
Weisses ,Atr6e et Thyeste*, Wezeis ,Le vollA pris! le voilÄ 
pris!* und Goethes ,Stella, drame pour les Ames aimantes*. 
Der Ausdruck „une trag^ie** (Z. 4) Ittsst vermuthen, dass 
Goethe nur Band 1 oder 1 und 2. nicht auch Band 8 schickte. 
« Vgl. 158, 21 (Aufführung 2). so 
• Nur ganz entfernt bezieht sieh auf .Clavigo* Goethes Brief 
an Ch. V. Stein 1786 Januar 26. aus Gotha: „Der Theater- 
Kalender, den ich gelesen, hat mich fast zur Verzweiflung ge- 
bracht; Du kannst Dir das Elend denken, Secfcen- 

dorffs Prolog des Improvisatore, A'ulplus Lob-Gedichte auf 35 
Herrn Kunst [Goethe schreibt irrthttmlich: Kurz] . . machen 
die Gedichte aus** (Br. 7. 170. 17 f. 171, 20-24); Reichardts 
Kalender auf 1786 enthält S. 13 f. einige Verse von (Joethes 
späterem Schwager ,An Herrn C. F. K. Kunst als Clavlgo. 
AVeimar 1785*. 40 



1786 CLAVIGO. 1(}5 

Juli 6, Weimar. — s. Nr. 146. 276a 

August 27, [Karlsbad.] 277 

Mehr [von Zeichnungen] soll folgen und noch mehr, 

sobald ich meine vier Bände [1 — 4 der Schriften] ein- 

5 gesiegelt habe. . . . 

Ich bleibe noch acht Tage und so lang hab' ich noch 
zu thun; Herder hilft mir treulich/ noch wird an ,Iphi- 
genien^ viel gethan. Es macht sich, und ich hoffe, es soll 
leidlich werden. 
^ ... Eh' ich von hier weg gehe, schreib' ich Dir noch 

und hoffentlich mit freier Seele, dass alles abgethan ist.^ 
An Oh. V. Stein. — Br. 8, 8. 16 f. 21—9, 3. 9—11. 

] August 30, [Karlsbad.] 278 

Sonst sind wir fleissig, Herder hilft treulich, und bis 

16 den Sonnabend [2. September] ist alles [Schriften Band 

1 — i] fertig; mir wird recht w<Al sein, wenn ich im 

Wagen sitze.^ Zuletzt ward's zu toD, daa Pensum war zu 

gross. 

An Ch. v. Stein. — Br. 8, 9, 24— 10. 4. 

so September 1, [Karlsbad.] 279 

Die vier ersten Bände [der Schriften] recht auszu- 
putzen hat noch viele Mühe gemacht; sogar ,Iphigenien^ 
nehm* ich noch auf die ßeise mit. Herder hat sehr 
treulich geholfen, . . 

» An Ch. V. Stein. — Br. 8, 11, 9—11. 

September 2, Karlsbad. — s. 106, 2—4. 279 a 

September 2, Karlsbad. — s. 105, 22-26. 280 

] [September 2, Karlsbad.] 281 

3. Bringt Dir Vogel 4 versiegelte Packete mit, worin 

90 die vier ersten Bände meiner Schriften bis auf einige 

» Vgl. 106. 3. 32. 

* Als Vorlage für den zweiten Druck benutzte Goethe nicht 
die Originalausgabe, sondern den fehlerhaften Himburg- 
sehen Nachdruck in Thell 2 von ,D. Goethens Schriften* (Her- 
36 lin 1775). 

' Auf der Reise nach Italien, vgl. 106, 33. 



166 CLAVIGO. 1786 



KSeptember 2, Karlsbad.] [281] 

Ausnahmen' enthalten sind, die zwei ersten Bände gibst 
Du an Göschen, sobald er sie verlangt, gegen die ersten 
100 Louisd'or hin, . .' 

An Seidel. — Br. 8, 17, 5-9. 5 

September 2, Kari»bacl.' 282 

Ich bin auch sehr fleissig gewesen, und die vier ersten 
Bände meiner Schriften sind in Ordnung. 
An Fr. v. Stein. — Br. 8, 21. 17—19. 

1787. 10 

Januar 13, Rooi. — 283 

8. ,Iphigenie auf Taurls' ugD. (an Kayser.) 
Januar 25, Rom. 284 

. . habe die Güte, nun die letzte Hand an meine Werk- 
lein zu legen,* . . i5 
An Herder. — Br. 8. 151. 24—152, 1. 

Februar 6, Rom. — 285 

8. Jphigenie auf Tauris* ugD. (an Kayser.) 
Februar 17. Rom. — 286 

8. ,Iphigenie auf Tauris* ugD. (an Ch. v. Stein.) ^ 

]Februar 17, [Rom.] 287 

Mit der nächsten Post schicke ich ein Verzeichniss, 
wie die Exemplare meiner Werke [Schriften Band 1^ — 4] 
ausgetheilt werden sollen,, die mir Giöschen zu geben 
hat.*^ Deine Frau mit Frau von Stein wird sich der Dis- ss 
tribution annehmen. 

An Herder. — Br. 8, 188, 25-28. 



* Zu Band 1 die .Zueignung an*ß deutsche Publicum* (vgl. 
BpoB 1, 57 Nr. 129. 130); zu Band 3 ,Iptügenle auf Tauri6\ 

* Diesen, auf ein besonderes (ledigUch die ,Schriften* betreffen- 50 
des) Blatt geschriebenen Bemerkungen fügte Goethe, gleich- 
falls am 2. September, einen Brief an Seidel bei, in dem es, 
übereinstimmend mit 165, 29 f., heisst: 

„NB. Die vier ersten Bände meiner Schriften 
bringt auch Vogel mit" (Br. 8, 19, 3 f.). » 

* Zur Datlrung vgl. Br. 8, 390 zu Nr. 2505. 

* Durchsicht der Dru(* vorlagen und Ueberwachuug des 
Drucks der Schriften Band 1—4 (theil weise schon geschehen). 

* Dieses Verzeichniss. abgesandt am 24. (vgl. Nr. 290), wird im 



1787 CLAVIGO. 167 



Februar 20, Rom. — 8. 108, 19 f. 109, 1^-26. 288 

Februar 20. Rom. 289 

Frau von Stein und Frau Herder werden bestimmen, 

wie die ankommenden Exemplare meiner Schriften 

6 [Band 1 — 4] ausgetheilt werden sollen/ Lafis sie nach 

ihrer Anweisung durch S u t o rn herumtragen, überall 

mit einer Empfehlung. 

An Seidel. — Br. 8. 201, 12-16. 

] Februar 24, [Rom.] 290 

10 [Brief an] Frau von Stein, eingeschlossen an Her- 

dem die Erklärung an's Publicum [s. Nr. 154], inglei- 
chen wie die Exemplare [der Schriften Band 1 — 4] aus- 
getheilt werden sollen.* 

Brieftabelle 1787. — Br. 8, 419. 10-12. 



15 Wesentlichen übereingestimmt haben mit folgender Liste, die 
sich in einem Notizheft Goethee aus dieser Zeit findet: 
„W em Exemplare bestimmt sin d.** 



[14.] 3 Seidel. 

[15.] HofrAth Voigt 

[16.] Bertach. 

[17.] Frau V. Schardt. 

[18.] Oöchhauflen [FrL v.] 

[19-31.] die 8 Hofdamen [Fraa v. 
Wedel, FrL v. Waldner, 
Frl. Y. Riedeiel]. 

[83.] Schröter [Ceronaj. 

[33.] 6 Matter. 

[34.] 1 Kegtner, Hannover. 

[35.] 8 Rom. 



[1.] Herzog [Karl Augost]. 

[3.] Herzogin, Regierende [Laise]. 

20 [&] Herzogin Matter [Anna Amalia]. 
[4.] Prinz Constantin. 
[5.] Herder. 

[6.] Die Kinder [Herders]. 
[7.] Frau y. Stein. 

35 [3.] Fritz [v. Stein]. 
[9] Wieland. 
[10.] Knehel. 
[11.] V. Fritsch. 
[13.] Schnaass [ChrUt Friedr.]. 

80 [18.] Schmidt [Joh. Christoph]. 

Erich Schmidt fügt hinzu: „1788 wurden in Rom be- 
schenkt: Augellca (ein Exemplar in rothem Saffian wie be 
kannt [Tgl. Nr. 299]), Reiffenstein, Hackert, „des Herrn Sena- 
tors Excelleuz" (Princii)e Abondio Rezzonico), Lips. Ausser 

85 den Genannten siud noch Folgende bedacht: Äliss Goi*e, Frau 
Schulthess, Frau Bohl, Frau v. Staff, Frau v. Liehtenbei*g, 
Frau V. Imhoff. Goethe verfügte über 40 Freiexemplare. Eiu 
Exemplar auf holländischem Papier in Saffian . . erhielt 
Herder, ausser einem Exemplar auf Schreibpapier, „aus Kr- 

40 kennüichkeit** tou Göschen" (SdGG. 2, 443 f. zu 348, 9). 
» Vgl. Z. 17-30 und 166, 25 f. 
' Vgl. Z. 17-30. 



168 CLAVIGO. 1787 



Mal 25, Neapel. 291 

Mich verlangt von der Ausgabe der vier ersten Theile 
[Band 1 — 4: der Schriften] zu hören.* 
An Ch. V. Stein. — Br. 8. 218. 9 f. 
Juli 14. Rom. 292 » 

Sagen Sie mir ein Wort über meine Schriften [Band 
1 — 4] . Efl freut mich gar sehr, in der Feme einen Wi- 
derklang zu hören.' 

An Kayser. — Br. 8, 238, 7—9. 

August 11, Rom. — 8. Nr. 158. 292a w 

August 15, Rom. — s. 111, 14-16. 298 

September 11. Rom. 294 

Bringen Sie doch auch ein Paar Exemplare von mei- 
nen Werken [Schriften Band 1 — 4] mit.* 

An Kayser. — Br. 8, 257, 8 f. 15 

September 22, Bom.^ 290 

Heute war mir ein sehr merkwürdiger Tag. Briefe 
von vielen Freunden, von der Herzogin Mutter, Nach- 
richt von meinem gefeierten Gteburtsfeste und endlich 
meine Schriften [Band 1 — 4]. 20 

Es ist mir wirklich sonderbar zu Muthe, dass diese vier 
zarten Bändchen, die Resultate eines halben Lebens, 
mich in Rom aufsuchen. Ich kann wohl sagen: es ist 
kein Buchstabe drin, der nicht gelebt, empfunden, ge- 
noßsen, gelitten, gedacht wäre, und sie sprechen mich 25 
nun alle desto lebhafter an. Meine Sorge und Hoffnung 
ist, dass die vier folgenden nicht hinter diesen bleiben. 
Ich danke Euch*^ für Alles, was Ihr an diesen Blättern 



» Göscben an Beitueh Juni 20: .,Sei(Jel soll künftige Woche 
Goethens Freiexemplare haben" (GJ. 2, 408). ao 

» Diese BriefsteUe wird Br. 8, 399 als „unmittelbarer Eiuschub-* 
bezeichnet. 

• VgL 118, 31—114, 30. 

• Wegen der Datirung vgl. Epos 2, 557, 29— 558, 29. 

• Herdem. an den der Brief ursprünglich gerichtet war, der 86 
sich jetzt an die Weimarer Freunde insgesammt wendet. 



1787 CLAVIGO. 169 



(Beptember S2, Rom.] [296] 

gethan habt, und wünsche Euch auch Freude bringen iu. 
können. Sorgt auch für die folgenden mit treuen Her- 
zen! 
5 Italienische Reise, Zweiter römischer Aufenthalt (un- 

ter obigem Datum). — WH. 24, 399. 
September 28, Frascati. 296 

Haben Sie doch die Güte, Miss Gore ein Exemplar 
meiner Schriften [Band 1 — i] zu schicken. 
10 Au den Herzog Karl August. — Br. 8, 2(52, 16 f. 

October 1, Frascati. — s. 112. 20. 296 a 

October 5, Albano. — s. Nr. 165. 296 b 

October 24, Rom. — s. Nr. 166. 296 c 

] [October 27, Rom.] 297 

15 Ich kann nicht sagen, dass der Anblick der drei Exem- 

plare meiner Schriften [Band 1 — 4], welche zur rechten 
Zeit^ in Eom anlangten, mir grosses Vergnügen yerur- 
sacht hätte. Das Papier scheint eher gutes Druckpapier 
als Schreibpapier, das Format schwindet bei'm Beschnei- 
to den gar sehr zusammen, die Lettern scheinen stumpf, 
die Farbe ist wie das Papier ungleich, so dass diese 
Bände eher einer ephemeren Zeitschrift als einem Buche 
ähnlich sehen, das doch einige Zeit dauern sollte. Von 
ohngefähr war ein Exemplar der Himburgischen Aus- 
u gäbe hier, welches gegen jene wie einem Dedications- 
Exemplare ähnlich sah.^ Diess ist nun aber geschehen 
und nicht zu redressiren. Auch finde ich in einigen 
Stücken, die ich durchlaufen, Druckfehler und Auslas- 
sungen, kann aber nicht entscheiden, ob es am Manu- 
30 Scripte oder am Corrector liege. 



' Vgl. 168. 16-20. 

' Von Himburgs dritter Sammlung heis.st es bei Bemays S. 
23 f. Anm. 22 mit Recht: „Die Ausstattung muss man im 
86 Ganzen eine schickliche nennen; sie hätte bei manchen der 
späteren rechtmässigen Ausgaben zum Vorbild dienen dür- 
fen". 



170 CLAVIGO. 1787 



][October «7, Rom.] (2t7) 

Sie haben nach dem Contracte das Kecht, zugleich 
mit dieser Ausgabe eine bessere auf holländisch Papier 
zu machen; Sie schreiben mir^ daßs Sie nun die 4 ersten 
Bände noch einmal setzen las8en und nach und nach » 
mehrere Exemplare wollen abdrucken lassen. Ich sehe 
dieses als jene bedungne Ausgabe an und erwarte die 
stipulirten Exemplare. Zugleich auch die Zahl der über- 
haupt abgedruckten und abzudruckenden Exemplare. Ich 
gedenke Sie, da hierüber nichts bedungen ist, nicht ein- lo 
zuschränken, es ist dagegen aber auch billig, dass diese 
Auflage sich nicht in's Unbestimmte erweitre.^ 

Richten Sie es doch, bei dem neuen Abdruck der vier 
ersten Bände, so ein, dass die Liste der Pränumeranten i5 
vor den vierten Band kommt,* und lassen die Excom- 
munication des Nachdruckers weg, die mir vor der ,Zu- 
eignimg* sehr unerwartet aufgefallen ist. 

An Göschen. — Br. 8, 277. 9 —24. 278, 7—18. 280, 24-28. 
Ootober 27, Rom. 208 ao 

IjSiss die sechs Exemplare [Schriften Band 1 — 4:] nur 
liegen, ich habe keinem auswärtigen Freunde eines ge- 
geben. Wie viele müsste ich da austheilenl 
An Seidel. — Br. 8, 282, 18-20. 
October [29?], Rom.» 299 26 

Das Saffianexemplar [der Schriften Band 1 — i] ist 
angelangt; ich hab' es der Angelica [Kauffmann] ge- 
geben. 

Italieulsche Reise. Zweiter römischer Aufenthalt (Oc- 
tober, Correspondenz, unter October 27). — WH. 24. 421. 30 



* Zu diesem Absatz vgl. die Briefe von Bertuch an Göschen 
November 19, Seidel an Göschen December 17 (Br. 8. 409 f.), 
und Göschen an Bertuch November 22 nnd 28 (GJ. 2, 404— 
406). 

^ Statt vor Baad 1, wo Jetzt das .»Verzelehniss der Subscri- ss 
benten" stand. 

» Wegen der Datirung vgl. WH. 24, 870. 



1788 CLAVIGO. 171 



1788. 

Januar 25, Rom. — s. 119, 9. 290 a 

Februar 9, Rom. — s. 121, 20—24. 300 

1789. 

ft 'Juni 22, Weimar. — 301 

s. ,Torquato Tasso' ugD. (An Göschen.) 

1791. 

'Juli 4, Weimar. — s, Nr. 201. 302 

180S. 

10 Mal 1, Weimar. — s. 63, 5. 303 

1806. 

Februar 24, Weimar. — a Nr. 543. 303 a 

Juni 20, Jena. — s. Nr. 209. 303 b 

?Juli 17. 29. 31, Karlsbad. — s. Nr. 210-212. 303 c-e 

16 August 18, Jena. — s. Nr. 213. 308 f 

August 19, Jena. — ». 136, 6. 304 

VSeptember 2, Weimar. — s. Xr. 215. 304 a 

October 24, Weimar. — s. Nr. 216. 304 b 

October 26, Weimar. — s. 137, 19. 305 

20 October 27. 28, \ 

T^ *. o o n Weimar. - s. Nr. 218-222. 305 a-e 

December 8. 8. 9, I 

1807. 

Januar 23, Weimar. — s. Nr. 223. 305 f 

August 30, Karlsbad. — s. Nr. 224. 305 g 

25 December 16, Jena. — s. Nr. 225. 305 h 



* Wegen der Gespräche zwischen Goethe, Moritz und Herders 

Frau im Winter 1788 auf 89 s. 224, 25- 225, 30. 
" Am 7. Februar 1791 spielte Heinrich Beck aus Mannheim 
als Gast In Weimar den Carios (vgl. Br. 9, 239, 26—28). 

80 — Die Notiz 1804 Juli 20: ..[Brief an] von Meyer, Frank- 
furt: Antikritik" (Tgb. 3, 106, 26 f.) hat wohl nichts zu thun 
mit der glänzenden Aufführung in Frankfurt am 14. Juli, 
über die Goethe» Mutter am 20. Juli dem Sohne enthusiastisch 
berichtet: „ . . . ein einstimiges ablautiren und bravo rufen 

36 entstand zum Exempel wie Beaumarschals die neue untreue 
von Calvigo erfährt . . . Herr von Meyer ist gantz entzückt 
dass das Pupplicum Geschmack am grossen und schönen ge- 
windt" (SdGG. 4, 262, 26—263, 2. 5-7). 



172 



CLAVIGO. 



1808 



1808. 

Mürz 16, Weimar. 306 

Abends Hofrath Meyer. Im Theater ,Clavigo'.* 
Tgb. 8. 823. 8 f 
August 7, Karlsbad. — s. Nr. 92.' :^U6 a s 

1809. 

März 8. Weimar. 307 

Abends .Clavigo^* 
Tgb. 4. 15, 13. 

1812. 10 

][Mai zweite oder Juni erste Hälfte? KarisbadVj* 308 

[Zu 1765—1775.]. . . Bei meinem Leipziger Anfent- 

* Mit folgender Besetzung der Rollen (diejenigen der ersten 
Anffflhrung unter Goethes Theaterleitung, bei der dei Dich- 
ter gewiss anwesend war, und der in Nr. 307 erwähnti'n .«ind M 
beigefügt): 



Personen. 


1792 
Janoar 7. 


1806 
M&nl6. 


1809 
Mars 8. 


Clavigo 

Carlos 

Beaumarchais . 
Marie a . . . . 
Sophie Oailbert . 
Guilbert . . . . 

Bnenco 

Saint George . . 
Bedienter .... 


Liner. 

Krüger. 

Domaratius. 

Mattstedt. 

Oatto. 

Malcolmi. 

Becker. 

Benda. 

Amor. 


Wolff. 
Becker. 
Haide. 
SiUe. 
Wolff. 
Malcolmi. 
Deny. 
Unzelmann. 
? 


Wolff. 
Becker. 
Haide. 
Wolff. 
Engels. 
Malcolmi (?). 
Deny (?). 
Unzelmann (?). 



In der Theatei-zettel-Sammlung der Groesherzoglichen Bi- 
bliothek zu Weimar fehlen die Zi*ttel vom 7. Januar 1792 und 
8. März 1800; unter letzterem Datum ist ein zweites Exemplar M 
des Zettels vom 16. März 1808 eingeklebt, auf dem das fal- 
sche Datum mit Tinte berichtigt ist; dass jedoch auch die 
Besetzung theilweis eine andre war, ergibt sich aus Genast 1. 
801 (wo aber unter 1809 die Nomen der Darsteller des Guil- 
bert, Buenco und Saint George fehlen; es waren wohl die sei- » 
ben wie 1808). 

* Die saclilich zu 1808 October 2 gehörigen Zeugnisse über 
Goethes Gespräch mit Napoleon s. unter Nr. 331. 

» Die Besetzung der Rollen 8. Z. TS)— 27: vs:l. auch Knel>el-Hen- 
riette S. 359. 

* Vielleicht schon Im November 1810 geschrieben (vgl. Alt S. 



40 



1812 CLAVIGO. 173 

][Mai zweite oder Juni erste Hllfte? Karlsbad?] [808] 

halt lernte ich das Bedeutende des StoSs und dae Con- 
cise der Behandlung immer mehr schätzen. . . . Die 
JjBLxme des Verliebten' und die ,Mit6chuldigen' geben 

5 einen Begriflf, wie ich mir in dem knappen Alexandriner 
gefiel und >vie ich auf das Zimmerwerk der französischen 
Theaterstücke aufmerksam gewesen. 

Tendenz nach dem Wahren der Begebenheit, der Em- 
pfindimg, der Reflexion und Forderung einer Unmittel- 

10 barkeit. . . . Diese Aufmerksamkeit auf's Bedeutende in 
einer gröseem Welt- und Erfahrungsbreite setzte mich 
in den Stand, nach einigen Jahren mannichfaltigen Le- 
bens, die grossem Arbeiten aufzustellen, in welchen alle 
Theile interessant waren, und wo das Ganze, ungeachtet 

15 seiner anscheinenden Willkürlichkeit, noch immer in 
einer faeslichen Einheit erschien, indem ich mich aus 
der niedem, mechanischen, einengenden Technik zur 
höheren empoi^arbeitet hatte. In diesem Sinne ent- 
standen ,Werther', ,Qötz von Berlichingen* und 

20 . ,Egmont^ 

Systole zu kleineren fasslichen Productionen beson- 
ders für's Theater. ,Clavigo', ,SteUa*. Tendenz zur 
Oper. ,Claudine' und ,Elmire^ 

Zu Dichtung und Wahrheit Thell 2 Buch 7. — W. 27, 

25 395, 2-4. (J— 11. 15-26. 

] [Zwischen 1812 October und 1813 Mal.] 309 

[Zu Herbst 1771 bis Mai 1774.] . . zu der Zeit, als 

der Schmerz über Priederikens Lage mich beängstigte, 

suchte ich, nach meiner alten Art, abermals Hülfe bei 

30 der Dichtkunst. Ich setzte die hergebrachte^ poetische 
Beichte wieder fort, um durch diese selbstquälerische 

59). — Diese halb sehematischeu, halb ausgeführten Aufzeich- 
nungen «Mjhelnon später Im zweiten und dritten Abschnitt 
der .Tag- und Jahres-Hefte* benutzt worden zu sein (vgl. 
36 Nr. 241 und unter ,Laune des Verliebten* 1819 Februar 14). 
' Vgl. besonders »Laune des Verliebten* (unter 1811). 



174 CLAVIGO. 1812 



[Zwischen 1812 October und 1813 Mal] [809] 

Büseimg einer innem Absolution würdig zu werden. Die 
beiden Marien in ,Qötz von Berlichingen* und ,Claviga^, 
und die beiden schlechten Figuren, die ihre Liebhaber 
spielen, möchten wohl Resultate solcher reuigen Be- 5 
tiuchtungen gewesen sein.^ 

DichtQDi: und Wahrheit Theil 3 Buch 12. — W. 28, 
120, 9—18. 
Norember 12, Jena. — s. 8, 18. 310 

181». ID 

][ September zwischen 7 und 23. Weimar.] 311 

[Zu 1774, Januar bis Mai.] *Weil nun bei 

^ Vgl »Götz V. Berlichingen' 1773 October (an Salzmann). 

^ Im unmitt^bar Vorhergehenden erzählt (;oethe, dass in 
einer „Gesellschaft von jungen MUnneru und Frauenzim- t& 
rnern*', an deren heiteren, jeden Freitag Abend stattfinden- 
den Zusammenkünften er gern Theil nahm. Rath Krespel, 
der humoristische €resetzgel>er dieses frohen Kreises, be- 
stimmt habe: bei jeder Zusammenkunft solle den Damen, 
durch das Loos, für den Abend ein Herr zugewiesen wei-den, » 
und zwar nicht wie bisher als Liebhaber, sondern als Gatte, 
damit man bei Zeiten lerne, wie Eheleute sich gegenseitig 
zu betragen haben. „Hier**, fährt Goethe in seiner Erzählung 
fort, „traf es sich nun wunderbar genug, dass mir das Loos 
gleich von Anfang eben dasselbe Frauenzimmer [Anna Si- S5 
bylla Münch] zweimal bestimmte, ein sehr gutes Wesen, ge- 
rade von der Art, die man sich als Frau gerne denken mag. 
Ihre Gestalt war schön und regelmässig, ihr Gesicht ange- 
nehm, und in ihrem Betragen waltete eine Ruhe, die von der 
Gesundheit ihres Körpers und ihres Geistes zeugte. . . . Wie 90 
uns nun aber das Loos zum dritten Male zusammenbrachte, 
so erklärte der neckische Gesetzgeber feierliehst: der Himmel 
habe gesprochen, und wir könnten nunmehr nicht geschieden 
werden. Wir Hessen es uns beiderseits gefallen, und fügten 
uns welchsels weise so hübsch in die offenlwreu Ehestands- W 
pflichten, dass wir wirklich für ein Muster gelten konnten. 
Da nun, nach der allgemeinen Verfassung, die sämmtlichen für 
den Abend vereinten Paare sieh auf die wenigen Stunden mit 
Du anreden mussten. so waren wir dieser traulichen Anrede 



1813 CLAVIGO. 



][Septemb«r zwischen 7 aod S8, Weimmr.] [311] 

jeder unserer geselligen Zusammenkünfte etwaa 
Neues vorgelesen werden musste, so brachte ich 
eines Abends, als ganz frische Neuigkeit, das Me- 
» moire des Beaumarchais gegen Clavigo im Original 
mit.* Es erwarb sich sehr vielen Beifall; die Bemer- 
kungen, zu denen es auffordert, blieben nicht aus, und 
nachdem man viel darüber hin und wider gesprochen 
hatte, sagte mein lieber Partner: Wenn ich deine Ge- 

10 bieterin und nicht deine Frau wäre, so würde ich dich 
ersuchen, dieses Memoire in ein Schauspiel zu verwan- 
deln, es scheint mir ganz dazu geeignet zu sein. — Da- 
mit du siehst, meine Liebe, antwortete ich, da*^ Gebie- 
terin und Frau auch in Einer Person vereinigt sein kön- 

16 iien, so verspreche ich, heut über acht Tage den Gegen- 
stand dieses Heftes als Theaterstück vorzulesen, wie es 
jetzt mit diesen Blättern geschehen. Man verwunderte 
sich über ein so kühnes Versprechen, und ich säumte 
nicht es zu erfüllen. Denn was man in solchen Fällen 

ao Erfindung nennt, war bei mir augenblicklich; und gleich, 
als ich meine Titular-Gattin nach Hause führte, war ich 
still; sie fragte, was mir sei? — Ich sinne, versetzte 
ich, schon das Stück aus und bin mitten drin; ich' wün- 
sche dir zu zeigen, dass ich dir gerne etwas zu Liebe thue. 

» Sie drückte mir die Hand, und als ich sie dagegen eifrig 
küsste, sagte sie: du musst nicht aus der Rolle fallen! 



durch eine Reihe von Wochen so gewohnt, dass auch in der 
Zwischenzelt weuu wir uns be^regneten, das Du gemüthlieh 
hervorsprang. Die Gewohnheit ist aber ein wunderliches 

do Ding: wir beide fanden nach und nach nichts natttrlicher 
als dieses Verhältniss; sie ward mir immer werther. und ihre 
Art mit mir zu sein zeugte von einem schjinen ruhigen Ver- 
trauen, so dass wir uns wohl gelegentliehv wenn ein Priester 
zugegen gewesen wäre, ohne vieles Bedenken auf der Stelle 

85 hätten zusammengcben lassen" (W. 28. 345, 8— l."). 24—34«. 16). 
» Vgl. Ißl, 15. 



176 CLAVIGO. 1813 



][8epteinber swischen 7 und 28, Weimar.] [Sil] 

Zärtlich zu sein^ meinen die Leute, schicke sich nicht 
für Ehegatten. — Less sie meinen, versetzte ich, wir 
wollen es auf unsere Weise halten. 

Ehe ich, freilich durch einen grossen Umweg, nach 5 
Hause kam, war das Stück schon ziemlich herangedacht; 
damit diess aber nicht gar zu grosssprecherisch scheine, 
so will ich gestehen, dass schon bei'm ersten und zwei- 
ten Lesen der Gegenstand mir dramatisch, ja theatralisch 
vorgekommen,* aber ohne eine solche Anregung wäre lo 
daß Stück, wie so viele andere, auch bloss unter den mög- 
lichen (Jeburten geblieben. Wie ich dabei verfahren, ist 
bekannt genug. Der Böeewichter müde, die aus Hache, 
Hass oder kleinlichen Abeichten sich einer edlen Xatur 
entgegensetzen und sie zu Grunde richten, wollt' ich in i5 
Carlos den reinen Weltverstand mit wahrer Freund- 
schaft gegen Leidenschaft, Neigung und äussere Be- 
drängniss wirken lassen, um auch einmal auf diese Weise 
eine Tragödie zu motiviren. Berechtigt durch unsem 
Altvater Shakespeare, nahm ich nicht einen Augenblick » 
Anstand, die Hauptscene und die eigentlich theatrali- 
sche Darstellung wörtlich zu übersetzen.* Um zuletzt 
abzuschliessen, entlehnt^ ich den Schluss einer englischen 
Ballade,^ und so war ich immer noch eher fertig, als der 

^ Da49 heiSBt doch wohl: seine Phantasie hatte sich, sofort S6 
nach der ersten I^ctttre (vielleicht also schon Ende Februar) 
des Stoffes, als eines durch und durch dramatischen, be- 
mächtigt; das Trauerspiel lag seither in seinem Geiste bereit, 
es bedurfte nur des äusseren Anstosses, um die Elemente zu- 
sammeuschlessen zu lassen. Dieser Anstoss ei'folgte bei Ge- 30 
legenhelt des Maiiage-Splels, wie, wenige Monate vorher, für 
den zweiten Theil des »Werther* durch den Bericht über Je- 
rusalems S^bstmord. 

* Vgl. 161, 7—162, 4. 187, 17—21; wegen Shakespeare vgl. 187, 
13—16. » 

* Mag nun Goethe hier wirklich an die englische Ballade .Lucy 
and Collln* von Tickel gedacht haben, die (nach Düntzer WK. 
19, 328 schon 1773 in einer Bearbeitung von Eschenburg er- 



1813 CLAVIGO. 177 



][8ept6mber Kwischea 7 und 23, Weinuir.] [Sil] 

Freitag herankam.^ Die gute Wirkung, die ich bei'm 



BchleDen) Herder nachmals unter dem Titel »Röschen und 
Kolin* in seine Volksliedersammlung aufnahm, oder aber an 

5 das deutsche ,Lied vom Herren und der MagdS das Goethe 
selbst im Elsass aufgezeichnet und Herdem im Manuscript 
mltgetheUt hatte (vgl. W. 38, 241—243, Herders Nachlass 1, 
159 und Dtintzer: Erläuterungen 8, 24 f.), — keinenfalls hat 
Goethe aus einem der beiden Gedichte den ganzen „Schluss** 

10 entlehnt (wie man nach Obigem denken sollte), sondern nur 
das, beiden Liedern gemeinsame, Hauptmo- 
tiv: der treulose Verlobte begegnet dem Leichenzug der 
verlassenen Geliebten und stirbt an ihrem Sarge: während 
In der englischen Ballade der Hochzeitzug des inzwischen 

15 wieder verlobten Ungetreuen dem Sarge begegnet, und der 
Bräutigam durch die Wucht seiner Reue, Verzweiflung und 
Gewissensangst auf der Stelle getödtet wird, stirbt im deut- 
schen Volksliede der Treulose, indem er sich selbst mit einem 
Messer ersticht; Glavigo dagegen vertheidigt sich am Sarge 

90 Mariens gegen den Angriff ihres Bruders und wird von die- 
sem tödtlich verwundet. Dem Gebot Clavigos an die Träger 
„Haltet!" und dem Abwerfen des Leichentuches entspricht 
im deutschen Liede die Strophe: 

„Halt still, halt still, ihr Todtentiäher, 

25 Lasst mich die Leich' beschauen. 

Er hub den ladendeckel auf. 
Und schaut* ihr unter die Augen". 
* Hiemach hat Goethe an mehreren Tagen der fraglichen 
Woche an der Dichtung gearbeitet (vgl. 183, 14 f. 186, 18 f.); 

30 wäre sie an Einem Tage zu Papier gebracht, so würde Goethe 
das vermuthlich hier erzählt haben. Auf welche „Tragödie von 
5 Acten" aber, wenn nicht auf ,01avlgo', kann sich folgende 
Stelle aus Frau v. Steins Brief an Knebel vom 16. October 
1819 beziehen? „Vom Goethe wurde mir gestern [15. Oc- 

85 tober] ein tottr de force erzählt, das beinahe unglaublich ist, 
ich weiss aber nicht, in welchem Jahr. Er habe sich ein 
paar mal über die Stime gefahren, die Hände gerleben, in der 
Stube auf und ab gegangen, und so von 4 Uhr Nachmittags 
bis Abends um 10 Uhr eine ganze Tragödie von 5 Acten sei- 

40 nem Schreiber aus dem Kopf fertig dictirt es sei aber nur 
einmal gegeben worden [ ?] ; was für ein Stück, soll ich noch 
Graf, Goethe über s. Dichtungen. T. II, B. 1. 12 



176 CLAVIOO. 1S13 



[September swlfchen 7 und 83, Weimar.] [Sil] 

Vorleseii erreichte, wird man mir leicht zugestehen.^ 
Meine gebietende (Jattin erfreute sich nicht wenig da- 
ran, und es war, als wenn unser Verhältniss, wie durch 
eine geistige Nachkommenschaft, durch diese Produc- 5 
tion sich enger zusammenzöge und befestigte. 

Mephistoi^eles Merck aber that mir zum ersten Mal 
hier einen grossen Schaden. Denn als ich ihm das Stück 
mitiheilte, erwiderte er: Solch einen Quark musst du 
mir künftig nicht mehr schreiben; das können die An- 10 
dem auch.^ Und doch hatt' er hierin Unrecht. Muss 



erfahren" (Kneb^ Naehlasa II 2, 177). Da Goethe am 15. Oc- 
tober nicht in Weimar war, muss das „Vom Goethe" (177, S4) 
bedeuten „über Goethe", nicht etwa „von ihm selbst erzählt". 

^ Da 88 die Vorlesung Freitag den 20. Mai 1774 Statt gefunden, 15 
Goethe also sein Versprechen der Freundin am 18. Mai ge- 
geben habe, ist von Düntzer (Frauenbilder S. 227) sehr wahr- 
scheinlich gemacht worden. Unter den Zuhörern befanden 
sich, ausser Goethes „Gattin", vermuthlich deren Schwester 
Susanne Mündi, Krespel und dessen Schwestern, einige Töch- 90 
ter des Kaufmanns Gerock, Hom, Riese. Pnssavant, Kayser 
und Andere (vgl. WH. 22. 464—467; Düntzer: Frauenbilder 
S. 208—229 und dessen Eriäutemngen 8, 3 f.). 

' Geschah diese Erwiderung mündlich, so kann das Ge^räch 
nicht vor Mitte Juni 1774 Statt gefunden haben, zu welcher 96 
Zeit Merck erst aus der Schweiz zurückkehrte. 

„Die starken Worte erklären sich aus den anderwärts und 
höher gerichteten Erwartungen Mereks und der eigenthflm- 
lichen Erziehungsmethode, die er gegenüber seinem jungen 
Freunde anwandte. ... Er erwartete einen ,Faust*, ,Prome- 10 
theu8\ «Caesar*, und statt dessen kam ihm der Dichter mit 
einem ,Clavigo*. Er musste befürchten, dass, wenn er die- 
sem Producte Beifall schenkte, Goethe bei der Lust und 
Leichtigkeit seines Schaffens und den zahllosen Motiven, die 
sich ihm aufdrängten, eine Schaar ähnlicher kleinerer Stücke 36 
folgen lassen und die Ausführung der grossen in*8 Unab- 
sehbare vertag würde. . . . Einigermassen mag aber auch 
Freund Merck sein Oonterfei. das er in Carlos unmöglich ver- 
kennen konnte, verdrossen haben" (Bielschowsky 1. 242>; vgl. 
auch Meyer S. 113 f.. Schmidt 1. 106 und WH. 22. 468, WK. 40 
19, 828. 



1813 CLAVIGO. 179 



] [September zwischen 7 und 28, Weimar.] [Sil] 

ja doch nicht alles über alle Begriffe hinausgehen^ die 
man nun einmal gefasst hat; ea ist auch gut^ wenn 
manches sich an den gewähnlichen Sinn anschlieaat.^ 

& Hätte ich damals ein Dutzend Stücke der Art geschrie- 
ben, welches mir bei einiger Aufmunterung ein Leichtes 
gewesen wäre, so hätten sich vielleicht drei oder vier da- 
von auf dem Theater erhalten. Jede Direction, die ihr 
Repertorium zu schätzen weiss, kann sagen, was das 

10 für ein Vortheil wäre.' 

Durch solche und andere geistreiche Scherze ward 
imaer wunderliches Mariage-Spiel wo nicht zum Stadt-, 
doch zum Familien-Mährchen, äaa den Müttern xmserer 
Schönen gar nicht unangenehm in die Ohren klang. 

15 Auch meiner Mutter war ein solcher Zufall nicht zu- 
wider: ... 

Dichtung u. Wahrheit Theil 3 Buch 15. — W. 28, 34«, 
17—349. 8. 

1814. 

so ] [April 10. Weimar, oder Mai 14, Berka.] — 312 

[Zu 1786 Ende Juli, August] s. .Iphigenie auf Tauris* ugD. 
(Ital. Reise.) 

1815. 

Februar 20. Weimar. — s. 12. 10. 313 

35 ] [April, oder 1816, Juli Mitte, Weimar.] 313 a 

— [Zu 1787 Februar 16.] s. 141, 32— 142, 6. 

November 27, Weimar. 314 

Cotta: 



30 ^Sechster Band.* 

Agende 1816. — Tgb. 5, 307, 9. 18. 



' Vgl. die Beiworte 182, 3. 

» Vgl. 1K\ 24-29. 
35 • Als Druck vorläge für Band 6 der Werke Cotta* diente Band 5 
der Werke Cotta^ (dieser jedoch nicht in der ersten, sondern 
in der zweiten Auflage dieser Ausgabe, vgl. W. 13 (2). 114): 
die Sendung ging erst 1816 Januar 8 ab, vgl. Nr. 317—319. 



180 CLAVIGO. 1815 

December 25, Weimar. 815 

Cotti : 
,Wa8 wir bringen* [Fortsetzung]. 
Sechster Band.^ 
Agenda 1815. — Tgb. 5. 308. 15. 19-21. 5 

1816. 

Januar 5. Weimar. 316 

[Vormittags] ,Clavigo' durchgesehen [für Band 6 der 
Werke Cotta«]. 

Tgb. 5. 190. 8 f. 10 

Januar 8. Weimar. 817 

[Abends ?] Paquet an C o 1 1 a , Meiner Werke sechs- 
ten Band:^ . . ,Wafi wir bringen* [Fortsetzung]. 
Tgb. 5. 199, 26. 
Januar 8. Weimar. 318 u 

[An] Cotta, Stuttgart (Meiner Werke sechsten Band:^ 
. . ,Was wir bringen* [Fortsetzung]). 
Tagebuehnotizen 1816. — Br. 26, 437. 

Januar 10, Weimar. 319 

E. W. erhalten durch den Postwagen den sechsten 20 
Band meiner Werke.^ Hinzugefügt ist: ,Was wir 
bringen* [Fortsetzung] in reinlicher corrigirter Ab- 
schrift, zum fünften Band [der Werke Cotta^] gehörig.* 
An Cotta. — Br. 26, 215, 13^17. 

Febroar 18, Weimar. 320 2& 

E. W. Brief vom 22. Januar meldet nichts Ton der 

Ankunft meiner Sendung vom 8. ej., welche ausser dem 

6. Band meiner Werke noch einiges Andere enthielt.* 

Der Rest der Sendung* liegt bereit. Ich will nur noch 

* Vgl. 179, 35-38. 30 

* VgL 179. 35 flg. 

' Auf diesen Brief bezieht sich die Notiz des Tagebuchs Ja- 
nuar 10: „An Cotta Nachricht des Paquets, . .** (Tgb. 5, 
200, 8 f.). 

* Vgl. Nr. 317 und Epos 2, 935. 14 f. 35 
■ Das heisst: der zweiten Lieferung der Werke Cotta*, nem- 

lich die Druck vorläge für Band 7. 8. 



1815 CLAVIGO. 181 



[Februar 18, Weimar.] IMO] 

den ,E p i m e n i d e 8^, wie er hier gespielt worden, 
hinzufügen. 

An Cotta. — Br. 26, 263, 8-18. 

» Februar 22, Weimar. 321 

[Ahends ?] LÄufzettel nach Stuttgart wegen dem 
sechsten Band meiner Werke.^ 
Tgb. 5, 209, 8-10. 

Februar 22, Weimar. 322 

10 [An] Cotta, Stuttgart (Laufzettel wegen dem sech- 

sten Band meiner Werke.* 

Tagebuchnotizen 1816. — Br. 26, 438. 

Februar 26, Weimar. 323 

Da ich noch keine Nachricht erhalten, ob das xmter'm 
15 8. Januar von hier abgegangene Packet, den 6. Band 
meiner Werke xmd einiges für den Damencalender ent- 
haltend,' bei Urnen angekommen^ so hab' ich einen 
Laufzettel' fortgeschickt, um von dieser Ungewissheit 
befreit zu werden, . . 
20 An Cotta. — Br. 26, 271, 11—16. 

April 14, Weimar. 324 

**Fahre ja fort mit Deinen Theater - Recensionen. 



» Vgl. Nr. 319. 

* Vgl. Nr. 317 und Epos 2, Ö36, 14 f. 
25 « Vgl. Nr. 321. 322. 

* Zelter an Goethe, April 4: „Bben komme ich aus .C 1 a v i g o*. 
Ein fremder Schauspieler, Julius, yon Breslau hat sich 
den Beaumarchais zugeeignet, doch nicht bezwungen. Bin 
Retter, Rächer muss eine klingende Stimme haben. Da« 

aa, Stück ging til)erhaupt weder recht auseinander noch recht 
zusammen, und Ist doch ein glattes Stück, was sich leicht 
wegspielen sollte. Doch ich fürchte, es fehlt an Aufsicht bei 
den Proben, ja mir fUUt eben nicht einmal einer ein. der sie 
führen sollte. . . . Erst jetzt fällt mir*s ein darüber nachzu- 

35 denken: was dem Trauerspiel «Glavigo* die gefällige Hal- 
tung gibt und sieh Respect verschafft, ohne viele T^mstände. 
Ich kann*8 einmal nicht ausstehen, dass Menschen-Blut ver- 



182 CLAVIGO. 1815 



(April 14, Weimar.] [384] 

Ee mag freilich bei Euch wunderlich aussehen, wenn 
man über ein so nacktes und herkömmliches Stück, 
wie ,Clavigo^, nicht Herr werden kann,* Ferner ist es 
eine rechte deutsche Art, zu einem Gedicht oder sonsti- 5 
gen Werke den Eingang überall, nur nicht durch die 
Thüre zu suchen. Ich habe Zeit meines Lebens Ge- 
legienheit genug gehabt, mich zu verwundem, dass voll- 
kommen gebildete Personen ästhetische oder höhere sitt- 
liche Zwecke durchaus nicht anzuerkennen wissen. Ich 10 
möchte keinen Vers geschrieben haben, wenn nicht tau- 
send und aber tausend Menschen die Productionen läsen 
und sich etwas dabei, dazu, heraus oder hinein dächten. 
An Zelter. — Br. 26, 838, 10-22. 

October 16, Weimar. — s. Nr. 238. 324 a i» 

November 14, Weimar. — s. Nr. 239. 324 b 

1817. 

Februar 18, Weimar. 325 

[Früh] KoUen des ,Clavigo' vertheilt.* 
Tgb. 6, 12, 28. 20 



goBsen werde, wemi*s nicht was Grosses gilt, und daher war 
mir das bürgerliche Trauerspiel verdächtig. Diese Handlung 
ist so kevk, ganz ruhig neben der allgemeinen Oeschichte vor- 
bei zu gehn und für sich allein etwas vorzust^en. Ein ver- 
unglückter Liebeshandel bringt zwei Hauptpersonen um*s 35 
Leben, deren Charakter sonst nicht zu retten wäre. Die übri- 
gen Personen leben, weil eine solche Ehre zu gross wäre für 
sie, und es würde ein Fehler sein^ wenn noch ein Hund 
umkommen müsste" (G.-Zelter 2, 231—233). 

^ Im Jahre 1807 hatte von Conta sich auch über eine schlechte ao 
Clavlgo- Vorstellung (in Wien) brieflieh gegpn Goethe beklagt 
(8. GJ. 22. 21). 

Wegen der Ausdrücke „nackt" und „herkömmlich" vgl. 
179, 8 f. 

• Zwei Monate später, am 13. April, trat Goethe von der Lei- 36 
tung des Hoftheaters zurück; immerhin wird die Besetzung 



1819 



CLAVIGO. 



183 



1819. 

] [Februar 14, Weimar.] — 8. 146, 8—10. 

Mära [Anfall«], Weimar. — s. 16, 8. 



326 
327 



1823. 

5 Januar [1?], Weimar. 328 

Oeuvre« dramatiques de J. W. Goethe, toraduite de 
rAllemand. [Tome III.] Paris 1821. [Verehrt:] Vom 
üebersetzer.^ 

Bücher- Vermehrungslißte 1822. — Tgb. 8, 317. 

10 1828. 

] [Januar, zwischen 10 und 19, Weimar.] — s. Nr. 100. 328 a 

Auguflt zwischen 11 und 21, Marienbad. — s. 149, 4. 329 

Of.tolier 11. Weimar. 830 

[Abends.] Er sprach über die schnelle, nur achttägige 

16 Bearbeitung des ,Clavigo*, . .* 

Mit Fr. von MüUer. — Gespräche 4, 289 (Müller S. 116). 



182«. 

?] [Februar 16, Weimar.]» 331 

[Zu 1808, October 2. Napoleon sagte:] Ihr habt Trau- 
20 erspiele* geschrieben. 



der Rollen bei der zunächst folgenden Vorstellung, am 23. 
April, die noch yon Goethe angeordnete gewesen sein: 



25 



80 



Personen. 



Clftvigo 

Cftrlos 

Beftaniftrchftig . . . 
Hftrie Beftamftrcliftis 
Sopliie Onilbert. . . 

Oailbert 

Bnenco 

Sftint George .... 
Bedienter des Clavigo 
Bedienter des Cftrlos 



1817 
April 28. 



1880 
November 9. 



Gels. 
Deny. 
Haide. 
Lortsing. 
Bngels. 
Lortsing. 
Holdermann. 
Durand. 
Agrieola. 
? 



Winterberger. 

Seydelinann. 

Durand. 

Genast 

Seidel. 

Oels. 

Engst 

Franke. 

Götse. 

NiUohke. 



36 Wegen der Vorstellung im Jahre 1830 s. Nr. 340. 
' Vgl. 24, 21—29. 

* Vgl. 176, 24— 177, 2. 28 f. 186, 18 f. 

* Wegen der Daürung vgl. Epos 2, 660, 2^-661. 24. 

* Dttntzer bemerkt hierzu (WK. 25. 300): .,Napoleon hatte wohl 



184 CLAVIGO. 1824 

t]fFebniar 16, WeimAr.] [SSI] 

Ich antwortete das Nothwencligste.* 
Hier nahm Daru daß Wort, der, nm den Deutedien, 
denen er so wehe thun musste, einigermaseen zu schmei- 
cheln^ von deutscher Litteratur Notiz genommen; . . 6 

Er sprach von mir wie etwa meine Gönner in Berlin 
mochten gesprochen hahen, wenigstens erkannt^ ich da- 
ran ihre Denkweise und ihre Gesinnung. 

Mit Napoleon, — Biosrraphisohe Einzelnheiten: Unter- 
redung mit Napoleon. 1808. — W. 36, 272, 2—11. lo 

1825. 

April 23, Weimar. 332 

. . . Ich erbitte mir in der Folge einmal Ihre (Jegen- 
wart, um Band für Band abzusdiliessen. Fünfter und 
sechster folgen hierbei.* 10 

An Göttling. — G.-Göttling S. 6. 

1826. 

Februar 1, Weimar. — a 80, 11.* 338 



von seiner »Iphigenie* gehört", ol>gleich gerade diese Icein 
„Trauerspiel** ist; es dürfte eher an »Clavigo* und »St^la* 20 
zu denken sein, die beide schon 1782 französisch ersc^iienen 
waren (vgL Nr. 274). 
^ Ob Goethe hi»*bel einzelne Dichtungen genannt hat, und 
welche, ist nicht bekannt. 

Kanzler Müller erzählt in seinen «Erinnerungen* auch nur: S5 
„ . . fNapoleon] ging alsbald zu der Frage nach Goethes 
Trauerspielen über, wobei Daru Gelegenheit nahm, sich nfther 
über sie auszulassen und überhaupt Goethes dichterische 
Werke zu rühmen, namentlich auch seine üebersetzung des 
,Mahomet* von Voltaire** (Gespräche 2. 221). so 

• VgL 29, 81-86. 

• A p r i 1 6: „In den sechsten Band meiner Werke eingeschaut" 
(Tgb. 10, 180. 26 f.) Ist kaum auf Werke Cotta* zu l)eziehen, 
sondern (wegen Tgb. 10, 180 22 f.: „Revision des Divans") 
auf die Ausgabe letzter Hand. 36 

A p r i 1 1 8: „Tiedis , Dramaturgische Blätter* 2. Bändchen** 
(Tgb. 10. 18.S. 2 f.): hier ist vermuthlich gemeint: zwei Band- 



Weimar. ~ s. Nr. 41-^4. 333 b— e 



1826 CLAVIGO. 185 

][Mai 8, Weimar.] — b. Nr. 40, 333 a 

Mai 12, 

Biai 25, 

Mai 26, 
5 Mai 20, ) 

JtMai 31— AufiTUßt 6, Weimar.] — s. 35, 13. 21-28. 334 

Mai 31, 

Juni 2. 

Juni 3, 
10 Juni 4, 

Juni 10, 

Juni 16, 

JuU5, 

][Jidi 18. 19, Weimar.] - s. Nr. 53. 334 h 

u Juli 18. 



. Weimar. — s. Nr. 46—52. 334 a— g 



8.| 



, ,. .« . Weimar. — s. Nr. 54. 55. 334 i. k 

[Uli 10, 

Juli 26, Weimar. 335 

[AbendB.] „In den neunziger Jahren", fuhr Goethe 

fort, „war die eigentliche Zeit meines Theater-Interesses 

30 schon Yoriiber, und ich schrieb nichts mehr für die 
Bühne, ich wollte mich ganz zum Epischen wenden. 
Schiller erweckte das schon erloschene Interesse, und 
ihm und seinen Sachen zu Liebe nahm ich am Theater 
wieder Antheil. In der Zeit meines ,Clavigo^ wäre es mir 

25 ein Leichtes gewesen, ein Dutzend Theaterstücke zu 
schreiben; an Gegenständen fehlte es nicht, und die 
Production ward mir leicht; ich hätte immer in acht 
Tagen ein Stück machen können, und es ärgert mich 
noch, dass ich es nicht gethan habe."^ 

80 Mit Bckermano. — Eckermann 1. 176. 



chen, nicht: zweites; das Werk war eben erscliienen (Bres- 
lau, im Verlage von Josef Max und Komp. 1826), Goethe er- 
hielt es vielleicht durch den Verleger im Auftrage des Ver- 
fassers (ein darauf bezüglicher Brief Tiecks oder Goethes ist 

85 nicht bekannt, die Bttcher-VermehiningsUste für 1826 bliebt 
leider mit Anfang April ab), jedenfalls sind beide Bündchen, 
mit Goethes Ex-libris versehen, in seiner Bibliothek vorhan- 
den. Band 1 enthält S. 177—185 eine bedeutende Besprech- 
ung des ,Clavigo' und einer Darstellung desselben am Hof- 

40 theater zu Dresden. 

» Vgl. 179, 5—10. — Diese Stelle iso wie der ganze Abschnitt 



186 CLAVIGO. 1826 



August 1, 
August 6. 



Weimar. — s. Nr. 56. 57. 335 a. b 

1827. 



5 



Januar 27, 

Februar 17, 

Februar 18. 

Februar 19, 

März 12, 

April 4, 

Mai 3, Weimar. — s. Nr. 59. 335 i lO 



. Weimar. — s. Nr. 247—252. 335 c— h 



October 24, , 

' 'Veimar. — s. Nr. 254. 255. 335 k. 1 



October 25, 1 

1828. 

Mfirz 11, Weimar. 336 

^^Ich hatte in meinem Leben eine Zeit^ wo ich tag- is 
lieh einen gedruckten Bogen von mir fordern konnte, 
und es gelang mir mit Leichtigkeit. Meine ^Oeschwister' 
habe ich in drei Tagen geschrieben/ meinen ,Clavigo*, 
wie Sie wissen, in acht."* 

Mit Eckermann. — Gespräche 6, 281 (Eckermaun 3, 161). 90 

October 9, Weimar. 337 

Abends Tiecks Vorlesung und Abendessen bei mei- 
ner Tochter.* 

Tgb. 11, 289, 1-3. 

1829. 25 

April 10, Weimar. 338 

„Ich habe . . das neue Epos von Egon Bberfc* gelesen. 

. . Das ist nnn wirklich ein recht erfreuliches Talent, 

aber diesem neuen Gedicht mangelt die eigentliche poe- 

Tom 26. Juli bei Bckermami) fehlt seltsamer Weise in t. m 
Biodermanns Sammlung der .Gespräche'. 
» Vgl. »Geschwister* 1776 October 26—29 (Tgb.). 

* Vgl. 176, 24- 177, 2. 28 f. 183, 14 f. 

• Goethe war bei beidem nicht anwesend; Tleck las ,Clavigo* 
(Tgl. die ausführliche Sohildemng bei Eekermaim 2, 20 f.). 35 

^ «Wlasta. Böhmisch-nationales Heldengedicht in drei Büchern*, 
Pra;?, 1820, Calve (Titel nach Kaysers Bücher-Lexikon). 



1829 CLAVIGO. 187 



(April 10, Weimar.] [838] 

tische Grundlage, die Grundlage des Bealen. Landschaf- 
ten, Sonnen-Auf- und Untergänge, Stellen, wo die äus- 
sere Welt die seinige war, sind vollkommen gut und 

6 nicht besser zu machen. Das Uebrige aber, was in ver- 
gangenen Jahrhunderten hinauslag, was der Sage ange- 
hörte, ist nicht in der gehörigen Wahrheit erschienen, 
tmd es mangelt diesem der eigentliche Kern. . . . 
. . Ebert . . hätte sich sollen an die Ueberlieferung 

10 der Chronik halten, da hätte aus seinem Gedicht etwas 
werden können. Wenn ich bedenke, wie Schiller die 
Ueberlieferung studirte, was er sich für Mühe mit der 
Schweiz gab, als er seinen ,Teir schrieb, und wie Shake- 
speare die Chroniken benutzte und ganze Stellen daraus 

15 wörüich in seine Stücke aufgenommen hat,* so könnte 
man einem jetzigen jungen Dichter auch wohl derglei- 
chen zumuthen. In meinem ,Clavigo^ habe ich aus den 
Memoiren des Beaumarchais ganze Stellen.^^ Es ist 
aber so verarbeitet, sagte ich [Eckermann], dass man 

ao es nicht merkt,' es ist nicht stofifartig geblieben. „So ist 
es recht," sagte Goethe, „wenn es so ist." 

Goethe erzahlte mir sodann einige Züge von Beau- 
marchais. 

Mit Eckermann. — Gespräche 7, 76 f. (Eckermann 2, 88 f.) 

26 November 8, Weimar. 380 

[Mittags] . . Biemer zu Tische. Wir gingen die Dra- 
mas von 1773 und 1774* durch und hatten sonst noch 
angenehme litterarische Unterhaltungen. Blieben bis 
spät zusammen. 

so Tgb. 12, 150, 26-151, 2. 

» Vgl. 176, 19-22. 

• Vgl. 161, 7— 162, 4. 176, 20-22. 

• Vgl. 161, 7- 162. 4. 

^ Vgl. unter diesen Jahren Tabelle I; von den dort genannten 

86 dramatischen Dichtungen kommen hier wohl baui>t8äch]ich 

in Betracht »Prometheus' und .Götter, Helden und Wieland*, 

deren Aufnahme In die Werke Cotta* besprochen worden sein 

mag. 



188 CLAVIGO. 1830 



1 



IHSO. 

?Januai- 31, Weimar. — 339 a 

s. ,Götz V. BerliehiDgen* ugD. (mit Sorot.) 
November 8, Weimar. 840 

[VormittagB] Der Schauspieler Seydelmaiin von 
Stuttgart^ welcher Oastrollen hier zu geben gekommen 
war, besuchte mich auf Anmeldung Prof. Riemers.^ 
Tgb. 12, 328, 17—19. 



*■ Die erste Rolle, Id der Seydelmann gastirte, war Carlos im 
«Glavigo* (Vgl. 183, 26 und Genast 2, 289 f.). am 9. Novem- lO 
ber; auf Goethes Trauerspiel folgte an diesem Abend noch 
die ein-actige Posse ,Der Ehrgeiz in der Küche' nach dem 
FranzöRischen. In einem andern Stttdce Goethes trat Sejdel- 
mann bei diesem Gastspiel nicht auf. 




Concerto dramatico. 

Handschriften: Eine Reinschrift von Goethes eigner Hand, aus 
dem Nachlass F. H. Jacobis; gegenwärtig im Besitz von 
Alezander Meyer Cohn in Berlin. Diese Handschrift 

5 wurde, nach WH. 5, 241, in einem Facsimile bekannt ge- 

macht (wann?); später wurde nach ihr die Dichtung ge- 
druckt in dem Werk: ,Aus F. H. Jacobi's Nachlass. . . . 
Herausgegeben von Rudolf Zoeppritz. Zweiter Band. Leip- 
zig, 1869^ S. 267-272. 

10 Erster Druck: 1772 December oder 1773 Januar (?), unter dem 
Titel: ^Concerto dramatico eomposto dal Sigr. Dottore 
Flanminio detto Panurgo secando' (vgl. Nr. 342). Von die- 
sem Druck ist kein Exemplar bekannt. 

Weimarer Ausgabe: 1897, W. 38. 3—9 und 425. Wegen der 
16 Stellung vgl. 97, 24—29. 



1772. 

] [December Ende? Frankfurt?]' 341 

Aufzuführen in der Darmgtädter Qemeinschaft der 
Heiligen." 
90 Vorbemerkung. — W. 88, 3. 



25 



^ Die Entstehungszeit der Dichtung ist nach W. 38, 425 „spä- 
testens März 1773", nach WH. 5, 241 der Winter 1772 auf 73, 
nach Wilhelm Scherer (,Au0 Goethes FrühzeitS Straasburg 
1879, S. 16) Februar 1773; obige Zeltbestimmung ist mit Rück- 
sicht auf Nr. 342 gewählt. 

' Zu der „Gemeinschaft der Heiligen" in Darmstadt, deren Mit- 
telpunct Merck war, gehörten ausser Goethe vor allem Her- 
ders Braut Caroline Flachsland (unter dem Namen „Psyche"), 
Fräulein von Rousslllon („Urania**) und Fräulein von Ziegler 



190 CONCERTO DRAMATICO. 1773 

1778. 

?] [Januar 8, Frankfurt.] 342 

Da ist ein Impressum komikum.* Ein Exemplar Kiel- 
mannseggen . . das andere etwa Schneidern. 

An J. C. Kestner. — Br. 2, 53, 9—11. s 

1818. 

] [April, Weimar, Mai, Juni, Teplitz.] 348 

[Zu 1772 — 177Ö.] . . mehr als alle Zerstreuungen de» 
Tags hielt den Verfasser Yon Bearbeitung und Vollen- 
dung grösserer Werke die Lust ab, die über jene Gesell- lo 
Schaft gekommen,^ alles was im Leben einigermassen 
Bedeutendes vorging, zu dramatisiren. Was dieses 
Kunstwort, (denn ein solches war es, in jener produc- 

(,.Lila"); weitere Mitglieder s, WH. 22, 296-299, vgl auch Nr. 
343. Das ,Concerto* ist, wie aus dessen ersten Versen bervor- 15 
geht, eine lustige Antwort Goethes auf einen gemeinsam ge- 
schriebenen Brief der Darmstiidter. 

* Wenn hierunter das »Concerto* zu verstehen ist (wie in der 
Weimarer Ausgabe Br. 7, 470 bestimmt angenommen wird, 
während ebenda W. 38, 425 der Druck von 1869 als „erster* so 
bezeichnet ist), so werden wir als den ersten Druck dieses 
„Impressum" anzusehen haben, das Goethe vermuthlieh zu 
Neujahr 1773 oder Sylvester 1772 veranstaltete. 

— Scherer bezieht (an dem 189, 23 f. angeführten Ort) fol- 
gende Stelle aus Goethes Brief an Kestner vom 11. Februar 25 
1773 auf das »Concerto*: „Eh'ster Tage schick' ich Buch wie- 
der ein ganz abenteuerlich novum** (Br. 2, 64, 5 f.), die aber 
wohl mit Br. 7, 470 auf den ,Brief des Pastors zu • ♦ ♦ an 
den neuen Pastor zu * **. Aus dem Französischen' gedeutet 
werden muss; „wieder" mag Goethe hier im HinUi<^ auf das 30 
vier Wochen früher gesandte ,Ooncerto* geschrieben haben. 

• In den ersten Drucken von «Dichtung und Wahrheit* steht: 
„gekommen war**, doch iat das „war** In der Ausgabe letzter • 
Hand aus Gründen des Wohlklangs („war. alles was**) gestri- 
chen worden; die Wiedereinsetzung des Wortes in der Wei- ss 
marer Ausgabe erscheint unberechtigt 

Unter der „Gesellschaft** sind sowohl die Darmstädter „Ge- 
meinschaft der Heiligen** als auch die Frankfurter Freunde 
zu verstehen. 



1813 CONCERTO DRAMATICO. 191 

][April, Weimar, Mai, Jaui, Teplitz.] [3^] 

tiven Gtesellschaft) eigentlich bedeutete, ist hier ausein- 
ander zu setzen. Durch ein geistreiches Zusammensein 
an den heitersten Tagen aufgeregt, gewöhnte man sich, 

5 in augenblickliohen kurzen Dfu*stellungen alles dasjenige 
zu zersplittern, was man sonst zusammengehalten hatte, 
um grössere Compositionen daraus zu erbauen. Ein 
einzelner einfacher Vorfall, ein glücklich naives, ja ein 
albernes Wort^ ein Missverstand, eine Paradozie, eine 

10 geistreiche Bemerkung, persönliche Eigenheiten oder 
Angewohnheiten, ja eine bedeutende Miene, und was 
nur immer in einem bunten rausdienden Leben vor- 
kommen mag, alles ward in Form des Dialogs, der Ka- 
techisation, einer bewegten Handlung, eines Schauspiels 

15 dargestellt, manchmal in Prosa, öfters in Versen. 

An dieser genialisch-leidenschaftlich durchgesetzten 
Hebung bestätigte sich* jene eigentlich poetische Denk- 
weise. Man liess nemlich Gegenstände, Begebenheiten, 
Personen an und für sich, so wie in allen Verhältnissöi 

so bestehen, man suchte sie nur deutlich zu fassen und 
lebhaft abzubilden. Alles Urtheil, billigend oder miss- 
billigend, sollte sich vor den Augen des Beschauers in 
lebendigen Formen bewegen. Man könnte diese Produc- 
tionen belebte Sinngedichte nennen, die ohne Schärfe 

26 und Spitzen, mit treffenden und entscheidenden Zügen 
reichlich ausgestattet waren. Das ,Jahrmarktsfest^ ist 
ein solches, oder vielmehr eine Senmilung solcher Epi- 
gramme. Unter allen dort auftretenden Masken sind 
wirkliche, in jener Societät lebende Glieder, oder ihr we- 

80 nigstens verbundene und einigermaseen bekannte Per- 
sonen gemeint; aber der ßinn des Bäthsels blieb den 
meisten verborgen, alle lachten, und wenige wussten, 
dass ihnen ihre eigensten Eigenheiten zum Scherze dien- 
ten. Der ,Prolog zu Bahrdts neuesten Offenbarungen* 

w ^ Das heisst nicht: erwies sich, offenl>arte sich, soudem: be- 
stärkte sich, erstarkte zur Bauer (wurde „stetig"). 



102 CONCERTO DRAMATICO. 1813 



)(AprU, Weimar, Hai, Juni, TepUtz.] [8iS] 

gilt für einen Beleg anderer Art; die kleinsten finden 
sich, nmter den gemischten G^edichten,^ sehr viele sind 
zerstoben und verloren gegangen, manche noch übrige 
lassen sich nicht wohl mittheilen. Was hiervon im Druck 6 
erschienen, vermehrte nur die Bewegung im Publicum, 
und die Neugierde auf den Verfasser; was handschrift- 
lich mitgetheilt wurde, belebte den nächsten Kreis, der 
sich immer eiw^eiterte. Doctor Bahrdt, damals in Gies- 
sen, besuchte mich, scheinbar höflich und zutraulich; er lo 
scherzte über den ,Prolog^, und wünschte ein freundli- 
ches Yerhältniss. Wir jungen Leute aber fuhren fort 
kein geselliges Fest zu b^ehen, ohne mit stüler Schaden- 
freude uns der Eigenheiten zu erfreuen, die wir an an- 
dern bemerkt und glücklich dargestellt hatten.^ u 

Dichtung u. Wahrheit Thell 3 Bu<A 13. — W. 28, 286, 
8-237, 7. 

1816. 

][I>ecember 20? Weimar.] — 8. Nr. 844. 343 a 

1819. 90 

] [Februar 14, Weimar.] — s. 146. 14 f. 343 b 

1881. 

September 16, Weimar. — s. Nr. 848. 343 c 

][nach September 16, Weimar.] — s. Nr. 849. 343 d 



^ In den Abtheiluogen ,Kunst', «Parabolisch* und ,Bpigram- » 
matisch*. 

* Ausser den beiden Dichtungen, die Goethe mit Namen an- 
führt (191, 26. 34), kommt von Dramatischem für das hier 
Gesagte in Betracht: 

1. Anekdote zu den Freuden des jungen Werthers, 30 

2. Concerto dramaüco, 

3. Fastnachtspiel vom Pater Brey, 

4. Hanswursts Hochzeit, 

5. Satyros, 

6. Unglück der Jacobis. 35 




Die Danalden. 



Handschfifitni sind nicht bekannt. 
Brücke-, sind nicht vorhanden. 

17»7. 

5 'Mai 20, Jena. 344 

[Früh] Die ,Flehenden^ des Aeschylus.* 
Tgb. 2, 68, 21. 
Mai 21, Jena. 345 

Nähere Betrachtung der ,Flehenden*^ und Ueberle- 
10 gung eines zweiten Stückes. 
Tgb. 2, 68, 25—27. 

1800. 

] [Juli oder August, Weimar oder Jena.] 346 

*Von musikalischen Dramen, an deren Ausführung 

16 * Goethe war neuerdings durch Wilhehn v. Humboldt zur Be- 
schäftigung mit den Tragödien des Aeschylus angeregt wor- 
den (vgL Tgb. 2, 62,* 11. 24. 63, 6. 11. 66, 7; G.-Humboldt S. 2» 
und GJ. 9, 78-80). 

* „Abends bei Schiller, Fortsetzung des Gesprächs über de» 
ao Aristoteles ,Dichtkunst* und die Tragödie überhaupt" (Tgb. 

2, 68, 22—24); am 19. Nachmittags war Goethe nach Jena 
gekommen und hatte Abends Schillern besucht 

• Vgl. Nr. 844. 

^ Zelter an Goethe, 1800 Januar 30: „ ... Man sagte hier vor 
25 einiger Zeit, dase Dieselben [E. Hoehw.] eine ernsthafte 
musikalische Oper gedichtet hätten. Vielleicht bin ich falsch 
belichtet, allein wie wollte ich mich freuen, wenn ich Sie zu 
einem so verdienstlichen Werke vermögen könnte! Und welch 
eine angenehme Arbeit würde die Composition einer solchen. 
Grftf, Goethe fiber s. DichtangeD. T. II, B. 1. 13 



194 DIE DANAIDEN. 18(i0 



][Jiili oder August, Weimar oder Jena.] [M6] 

ich noch denken möchte, liegen nur zwei Anfänge unter 
meinen Papieren.* Zu einem komisch heroischen, der 
zweite Theil der ,Zauberfliöte*, zu einem tragischen, die 
,DanaMen*; doch würde ich kaum Lust und Muth eins b 
oder das andere auszuführen finden, wenn ich nicht einer 
Composition und Aufführung versichert imd mit dem 
Theater, auf welchem sie zuerst aufgeführt werden 
sollten, in unmittelbfiO'er Verbindung stünde, um den 
ersten Eintritt durch Benutzung aller individuellen und lo 
localen [Verhältnisse^] recht brillant zu machen. 
An Zelter. — Br. 15, 337 f. 

1801. 

Mai 29, Weimar. 347 

In einem frühem Briefe, auf den ich Ihnen leider 10 
die Antwort schuldig geblieben,^ fragen Sie an, ob 
nicht etwas, daß einer Oper ähnlich sieht, sich unter 
meinen Papieren befinde? 

Von einem zweiten Theil der ,Z a u b e r f 1 ö t e^ wer- 
den Sie die ersten Scenen in dem nächsten Wilmaioii- 20 
sehen Taschenbuche finden, zu einem ernsthaften Sing- 
stücke, die ,D a n a i d e n*, worin, nach Art der älteren 
griechischen Tragödie, der Chor als Hauptgegenstand 
erscheinen sollte, hatte ich vor einigen Jahren den Ent- 
wurf* gemacht; aber keins von beiden Stücken werde 25 
ich wohl jemals ausführen. Man müsste mit dem Com- 



Oper für mich sein! . . ." (G.-Zelter 1, 12.) Hierauf erwiderte 
Goethe das Obige, schickte jedoch den Brief nicht ab, son- 
dern antwortete erst fast ein Jahr später (s. Nr. 347), nach- 
dem Zelter ihm am 15. April 1801 abermals geschrieben hatte so 
(übrigens ohne des Opern-Planes nochmals zu gedenken). 

* Demnach war der „Entwurf" (Z. 24 f.) niedergeschrie- 
ben; 1809 erinnerte Goethe sich desselben nicht mehr oder 
Riemers Angabe 195, 13 f. ist unrichtig. 

* Man könnte auch ergänzen „Vortheile" oder „Umstände". 35 
» Vgl. 193, 24. 

* „Nichts im Nachlass und auch sonst keine Spur" (Br. 15, 
352 zu 232, 15); vgl. Z. 2 f. 



1801 DIE DANAIDEN. 195 



[Mai 29. Weimar.] [847] 

poniöten zusanmienleben und für ein bestimmtes Thea- 
ter arbeiten, sonst kann nicht leicht aus einer solchen 
Unternehmung etwas werden. 
5 An Zelter. — Br. 15, 232, 6-20. 

1809. 

August 29, Jena.^ 348 

[Vor Mittag.] Bei Goethe. Aus Schlegels Vorlesun- 
gen vorgelesen. Was A. W. Schlegel am Aeschylus ta- 
10 delte, dass sein Chor meist die Hauptperson ist, findet 
Goethe ebenso zu loben und als das Sechte. Zu den 
ySupplices^ hat er früher das dritte Stück der Trilogie 
erfunden und im Kopfe ausgeführt, aber nichts aufge- 
schrieben.* 
16 „Das ist eben das VortreflOiche, dass aus der Masse 

des Chors (den Danaiden), der überein gesinnt ist, eine, 
die Hermione, als der Gegensatz, heraußtritt."* 

Mit Riemer. — Gespräche 2, 276 (Riemers Tagebuch, 
Deutsehe Revue 12 (1), 280). 

^ * Der Tagebuchvermerk unter August 29: „Einige Vorlesungen 
von Schlegel" (Tgb. 4, 57, 6 f.) beweist, dass die Datirung 
August 20 bei Riemer 2, 621 und 638 irrig ist. 

* Vgl. dagegen 194, 2 f. 24 f. 

• Der in Frage kommende Tadel Schlegels findet sich in der 
16 vierten Wiener Vorlesung (1808), s. , August Wilhelm und 

Friedrich Schlegel In Auswahl herausgegeben von Dr. Oskar 
F. Walzel* (Stuttgart O. J.) S. 15 Z. 36 bis S. 16 Z. 26. Dass 
Schlegel von Goethes Plan wusste, darauf deutet folgende 
Stelle im Schema seiner Berliner »Vorlesungen über schöne 
30 Lltteratur und Kunst": „Hiketides vermuthlich das mittelste 
[Stück] einer Trilogie: Das 1. in Egyptem — Das 3. die »Da- 
naiden*. (Goethes Unternehmung. Seine Meinung ül)er die 
Trilogien.)** (Deutsche Litteraturdenkmale des 18. und 19. 
Jahrhunderts 18, 339» 22-24.) 




E g m n t. 



Handschriften : 1. Eine Abschrift von Goethes eigner Hand; 
im Besitz der Königlichen Bibllothels zu Berlin. (Ein Fac- 
Bimlle der ganzen Handschrift im Goethe- u. Schiller- 
Archiv zu Weimar; eine rerkleinerte Nachbildung des 5 
Titels, des Personen-Verzeichnisses und der ersten Seite 
s. WK. 8, 412 und 422.) 

2. Eine Reinschrift von Schreiberhand, mit Verbesee- 
ningen Herders; im Goethe- und Schiller-Archiv; sie liegt 
dem ersten Druck zu Grunde, für den jedoch auch die lo 
unter 1. genannte Handschrift zu Hathe gezogen worden 
ist. 

Erster Druck: 1788, Schriften 5, 1—198. Beide, den Band 
schmückende, Kupfer beziehen sich auf ,Egmont*: 1. das 
Titel-Eupfer, nach einer Zeichnung Angelica Kauffmanns i5 
gestochen von Lips in Rom: Clärchen vor Egmont knie- 
end (Aufzug 3 Schluss); 2. die Kupfer-Vignette auf dem 
Titelblatt, gestochen von Geyser nach einer Zeichnung 
Oesers: Egmont liegt träumend auf dem Ruhebett, Clär- 
chen, als Genius über ihm schwebend, senkt den Kranz ao 
über sein Haupt herab (Aufzug 5 Schluss). 

Der gleiche Druck erschien auch selbstständig, ohne 
die Bogennorm „Goethe*s W. 5. Bd.", unter dem Titel 
,Egmont. Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen. Von Goethe. 
Ächte Ausgabe. Leipzig, bei Georg Joachim Göschen, 25 
1788*. 

Göschen selbst veranstaltete mehrere unrechtmässige 
Nachdrucke, von denen hier nur der 1791 in Band 3 der 
vierbändigen Ausgabe von »Goethes Schriften* erschienene 
in Betracht kommt, weil Goethe ihn dem Druck in der so 
ersten Cottaschen Ausgal)e der Werke zu Grunde legte. 



1773 EGMONT. 197 

Zweiter Druck: 1807, Werke Cotta* 6, 169-306. 

Drüter Druck: 1816, Werke Cotta» 6, 169-^05. 

Vierter Druck: 1827, Werke CJotta» 8, 167—300. 

Weimarer Ausgabe: 1889, W. 8, 171-305 und 340-364; vorher 
5 geht »Götz . . Ein Schauspiel*. 



Uebersicht der Aufführungen 
I. unter Bellomo in Weimar: 

1791 März 8). 

II. unter Goethes Leitung: 



10 1. 1796 April 26 in Weimar. 

S. 1806 Mai 31 in Weimar. 
8. „ Juli 17 in Laachttädt. 

4. 1807 JttU 80 in Laachstiidt. 

5. „ August 11 in Leipzig. 
16 6. „ August 16 in Leipzig. 

7. n Oetober 28 iu Weimar. 

8. 1808 Juli 2 in Lauchst&dt. 

9. 1809 Januar 18 in Weimar. 
10. „ Mai 10 in Weimar. 

20 11. . Oetober 25 in Weimar. 



12. 1810 Februar 7 in Weimar. 

13. „ Juli 14 in Lauchstftdt. 

14. 9 Oetober 31 in Weimar. 
16. 1811 August 6 in Halle. 

16. 1812 Juni 27 in HaUe. 

17. 1818 December 1 in Weimar. 

18. 1814 Januar 29 in Weimar. 

19. « Juni 28 in Halle. 

20. „ December 26 in Weimar. 

21. 1816 Januar 18 in Weimar. 



1778. 

*?October 18, Frankfurt. — s. Nr. 110. 348 a 

?] [November zwischen 10 und 18, Frankfurt.] — 348 b 

8. Nr. 111. 
25 ?] December 2.5, [Frankfurt.] — s. Nr. 112. 349 

177*. 

?]Junl 1, [Frankfurt.] — s. »Faust* ugD. (an Schönbom.) 860 



^ Die Beziehung der Nrn. 348a— 351 auf ,Egmont* Ist ganz frag- 
lich; sie sind hier nur der Vollständigkeit wegen aufgeftlhrt, 

so und weil sie von einigen Forschem für ,Egmont* in Anspruch 
genommen werden (vgl. die zugehörigen Erläuterungen). Dass 
die innere Gestaltung des Stoffes schon lange yor dem 
Herbst 1775, schon 1773 begonnen hat, wird bezeugt durch 
die Stelle in .Dichtung und Wahrheit' Buch 17: „Man wusste» 

85 dass ich noch andere Puncte jener Zeitgeschichte [15. und 
16. Jahrhundert] mir in den Sinn genommen hatte . ." (W. 29, 
72, 23 f.); die eigentliche Arbeit und der Anfang der Nieder- 
schrift fällt nach Nr. 485. 512 und 524 In den Herbst 1775, 
woran irgend zu zweifeln kein ausreichender Grund vorliegt. 



1Ö8 EGMONT. 1774 

?December 23, Frankfurt 351 

Ich zeichne mehr, als ich sonst was thue, liedere auch 

viel. Doch bereit^ ich alles, mu mit Eintritt der Sonne 

in den Widder' eine neue Production zu beginnen, die 

auch ihren eignen Ton haben soll.^ & 

An Boie. — Br. 2, 220, 11—15. 

1775. 

?][October 18, Frankfurt.] 352 

Ich hab^ allerlei gesehrieben, das Dir eine gute Stunde 
machen soll — Sind aber doch allzumal Sünder und lo 
mangeln des Ruhms, den wir vor unsrer Mutter Xatur 
haben sollten. 

Au Bürger. — Br. 2, 302, 24—27. 

1776. 

] [Januar 29? Weimar.] 353 16 

Wir* haben heute viel Guts gehandelt über der Ver- 
gangenheit und Zukunft — Geht mir auch wie Margre- 
then von Parma: ich sehe viel voraus, das ich nicht 
ändern kann.* 

An Ch. V. Stein. — Br. 3, 22, 4—7. 20 



* Das heisst: 1775 im letzten Drittel des März, zur Zeit der 
Frühlings-Tag- und Nacht-Gleiche, die Goethen stets heilig 
war (vgl. eins seiner letzten Worte, am 22. März 1832, Ge- 
spräche 8, 162). 

* Die Stelle wird im Register der Weimarer Ausgabe gar nicht 26 
berücksichtigt, von Dtintzer (Erläuterungen 7, 2 und Goethes 
I^ben S. 224) auf ,Egmont* bezogen; nach Briefe vdH. 1, 188, 
29 „Beziehung unbekannt'*. 

* Goethe und der Herzog Karl August. 

* Aufzug 1 (Soene: Palast der Regentin), Machlavell: ,, . . . 30 
Hab* ich nicht alles voraus gesehen?*' Regentin: „Ich sehe 
auch viel voraus, ohne es ändern zu können" (W. 8, 186, 6—9). 

Goethes Bemerkung lässt doch wohl darauf schliessen, dass 
Frau V. Stein die Scene schon kannte. Jedenfalls wird Goethe 
die bis dahin niedergeschriebenen Sceuen (vgl. 279, 17 f.) der 35 
Freundin und auch bei Hofe vorgelesen haben, so dass die 
Nachricht von ihrem Vorhandensein in weitere Kreise drang. 



1778 EGMONT. 1Ö9 

1778. 

April 12, Weimar. 364 

,Egniont' war mir wieder in Sinn gekommen. 
Tgb. 1, 64, 21. 

6 ?][Mal 14,] Wörlltz. 355 

*Und nun bald in der Pracht der königlichen Städte, 

im Lärm der Welt und der Kriegi&rüstnngen. Mit den 

Menschen hab' ich, wie ich spüre, weit weniger Verkehr 

als sonst. Und ich scheine dem Ziele dramatischen We- 

10 sens^ immer näher zu kommen, da mich's nun immer 

näher angeht, wie die Grossen mit den Menschen, und 

die Götter mit den Grossen spielen. 

An Ch. V. Stein. — Br. 3, 223, 12-19. 

[December, vor 5, Weimar.] 356 

16 Schrieb einige Scenen^ an ,Egmont^ 

Tgb. 1, 72, 9. 

December 5, Weimar. 357 

[Morgens] Alba und Sohn.*' 
Tgb. 1. 72, 11. 

20 December 13, Weimar. 358 

Früh Monolog Albas.** 
Tgb. 1, 73, 12. 



Reichards ,Theater-Kalender* führt demzufolge in den Jahr- 
gängen 1777—81 unter Goethes „ungedruckten Schauspielen" 
25 auf: ,Die Vogelwiese*, und behält diesen Titel auch in den 
Jahrgängen 1782—86 bei, die daneben noch ein Stück ,Graf 
Egmont* verzeichnen (vgl. GJ. 15, 262 f.). Vgl. auch 100, 36—39. 

* Vom 10. Mai bis 1. Juni begleitete Goethe den Herzog Karl 
August auf einer Reise nach Leipzig, Wörlitz, Potsdam und 

80 Berlin. 

» Vgl. Epo« 2, 710, 17 f. 711, 23. 30 f. 

■ Wie nach Nr. 357 und 358 zu vermuthen die ersten Scenen 
von Aufzug 4: 1. Strasse (Jetter, Zimmermeister. Soest. Van- 
sen), 2. Der Culenburgische Palast (Silva, Gomez. Ferdinand, 
86 Alba), W. 8, 244—257, 19. 

* In Aufzug 4, vor Albas Monolog. 

* Im 4. Aufzug. 



200 BGMONT. 1779 

1779. 

Mal 26, [Weimar.] 359 

Mein ,Egiiiont* rückt doch, ob ich gleich den 1. Juni 
nicht fertig werde.^ 

An Ch. V. Stein. — Br. 4, 39, 4 f. 5 

Juni 15, Weimar. 860 

[Nachmittags] . . an ,Egmont^ geschrieben. 
Tgb. 1, 87, 2. 

Juni 24, [Weimar.] 361 

Glestem Abend haV ich noch eine Scene in ,Egmont* 10 
geschrieben, die ich kaum wieder dechiflfriren kann.^ 
An Ch. V. Stein. — Br. 4, 43, 8-10. 
September 7, Weimar. 362 

Ich schicke Ihnen, was von ,Egniont* fertig ist, und 
alle meine andre Sachen, heben Sie mir sie auf.' u 

An Ch. V. Stein. — Br. 4, 58, 4 f. 

November 9, Leukerbad. 363 

Bei Zeiten aus Siders mit % allein, nach dem Lenker 
Bad; schöne Aufsicht in's Wallis, beschwerlicher Weg; 
schrieb eine Scene am ,Egmont^ Besonders trefflicher 90 
Anblick nach Inden hinein; böser Felsgang. . . . das 
Bad • — Gang gegen die Gerami. Zurück. . Essen, Ge- 
sprädi, geschrieben pp.*' 
Tgb. 1, 102, 12-17. 

^ Nach Aufftthrung der ,Iphigenie* (April 6) „sagte Goethe Frau 25 
V, Stein die Vollendung des ,Egmont' bis zum 1. Juni zu'*; 
worauf diese Behauptung Düntzers (Erläuterungen 7, 6) sich 
gründet, weiss ich nicht 6.-Stein 1, 533 Erl. 1 zu S. 165 
heisst es zu obiger Stelle: „Er hatte wohl früher gehofft, bis 
zur Zeit von Mercks Ankunft [Ende Mai] damit zu Ende zu so 
kommen*'. 

■ Am 13. Juli reiste Merck wieder ab (vgl. Tgb. 1, 87, 20—88. 
2!); Gtoethe wird mit ihm über ,Egmont* gesprochen haben. 
Am 26. Juli schreibt Frl. v. Göchhausen an Merck, von Et- 
tersburg aus: „Den Tag Ihrer Abreise trauerte selbst die S6 
Natur; die Herzogin war still, und ich blieb allein bei ihr. 
Groethe hatte mir seinen .Egmont' und die .Vögel' zum Vor- 
lesen da gelassen, aber's wollt* s nicht thun" (Merck 1, 168). 

* Während der Reise in die Schweiz, die Goethe am 12. antrat 

* Düntzer vermuthet, „in der schmalen und niedrigen Stube 40 



1780 EGMONT. 201 

1780. 

März 16, Weimar (Gart^ihäuscben). 864 

[Vormittags] . . spazieren^ an ,Egmont^ geschrieben.* 
Tgb. 1. 111, 10 f. 

6 April 8, Weimar. 865 

Von Dramas und Bomanen ist auch Verschiedenes in 
Bewegung.* 

An Merck. — Br. 4, 202, 14 f. 

Mal 14, [Weimar.] 3^ 

w Meine Schriftstellerei subordinirt sich dem Leben, 

doch erlauV ich mir, nach dem Beispiel des grossen 
Königs, der täglich einige Stimden auf die Flöte wandte, 
auch manchmal eine Uebung in dem Talente, das mir 
eigen ist. Geschrieben liegt noch viel,^ fast noch ein- 
16 mal so viel, als gedruckt, Plane hab' ich auch genug, 
zur Ausführung aber fehlt mir Sammlung und lange 

des kleinen Bretterhauses iu Lfeukerbad habe IhD die Aus- 
führung der ersten Gefängniss-Scene angezogen, die er schon 
auf dem bösen Fel»gang nach Inden Überdacht habe" (Goethes 

30 Tagebücher S. 176); damit zusammen hängt Düntzers weitere 
Vermuthung, dass die obige Bemerkung an falschem Orte 
stehe und zwischen die Worte „das Bad'' und „Gang gegen 
die Gemmi'* gehöre, dass also Goethe die Scene Jedenfalls 
ei-st in Leukerbad schrieb, nicht, wie es nach Tgb. scheint» 

36 auf dem „beschwerlichen Weg*'. Allerdings ist in dem Reise- 
briefe »Leukerbad, den neunten, am Fuss des Gemmil)erge8', 
in dem Goethe den „trefflichen Anblick nach Inden hinein*' 
genau beschreibt (s. W. 19, 267, 22— 268, 7), ebensowenig wie 
im Tgb. die Rede von einer Einkehr, während welcher Goethe 

so die Scene hätte niederschreiben können; die erste und ein- 
zige längere Rast zwischen Siders und Leukerbad fand, wie 
es scheint, in Inden statt (vgl. W. 19. 268, 18-22). 

* Düutzer vermuthet: an Aufzug 5 (Goethes Tagebücher S. 187). 

* »Egmont' und »Torquato Tasso*, wegen der Romane vgL 
86 Epos 1, 286, 29 f. 

* Von dramatischen Dichtungen kommen hier und bei den 
»»Planen" (Z. 15) vor allem in Betracht: .Egmont*. .Faust'» 
,Ge8chwister*, .Iphigenie*, .Torquato Tasso*. 



202 EGMONT. 1780 

[Mai 14, [Weimar.Jl [366] 

Weile. Verschiednes hab' ich für^s hiesige Liebhaber- 
Theater, freilich meist conventionsmäseig ausgemünzt.* 
An J. C. Kestner. — Br. 4, 221, 19—28. 

1781. » 

December 12, Wilhelmsthal. 367 

. . es geht mir wohl, ich mag die Menschen leiden, 
und sie mich, ich bekümmre mich um nicht« und 
schreibe Dramas. Mein ,Egmant^ ist bald fertig, und 
wenn der fatale vierte Act nicht wäre, den ich hasse lo 
und nothwendig umschreiben muss, würde ich mit diesem 
Jahr auch dieses lang vertrödelte Stück beschliessen.^ 
An Ch. V. Stein. — Br. 5, 239, 12—17. 
?December 17, [Weimar.] 368 

Schick mir, was ich bei Dir habe.' i& 

An Ch. V. Stein. — Br. 5, 241, 12. 

1782. 

März 16, Domburg. 369 

Xun will ich über den ,Egmont^ und hoflf^ ihn end- 
lich zu zwingen. 20 
An Ch. V. Stein. — Br. 5, 280, 23 f. 
][MJirz 17,] Domburg. 370 
Ich bin ganz leise fleissig, ich möchte nun ,Egmoni' 
so gar gerne endigen, und seh* es möglich. 

An Ch. V. Stein. — Br. 5, 282, 3—5. 26 

Mäi-z 20, [Weimar.] 371 

[Früh.] Mein ,Egmont' ist die einzige frohe Aussicht 
auf die acht Tage,* das Einzige, was ich zwischen mein 

^ ,Jery und Bätely*, ,Lila*, »Triumph der Empfindsamkeit*, 
,Vögel*. 30 

• Seit dem 6. war Goethe von Weimar abwesend. Er schrieb 
zur Zelt wahrscheinlich am 5. Aufzug. Im Mai schon hatte 
Tobler an Lavater gemeldet: „Seine »Befreiung von Holland' 
bis an den letzten Act fertig — politisch voll herrlicher Ge- 
danken" (SdGG. 1(5, 350, 30—32). 35 

• Vgl. Nr. 362. 

• Goethe war seit dem 14. März in Recnitiiningsgeschäften 



1782 EGMONT. 203 

[Mftrz 20, [Weimar.]] [371] 

Verlangen zu Dir einschieben kann, dass es mir nioht 
schmerzlich wird. 

An Ch. V. Stein. — Br. 5, 283, 7-10. 

6 jMJirz 20, Buttstädt. 372 

[Nachmittags.] Nun will ich mich hinsetzen und 

einen alten Geschiehtschreiber^ durchlesen, damit ,Eg- 

raont^ endlich lebendig werde, oder auch, wenn Du willst, 

dass er zu Grabe komme. . . } 

10 Abends. Ich habe gelesen, ausgezogen und geschrie- 

ben. Den ersten Tag, dass ich von Dir weg bin, will es 
nie recht gehn, . . . 

Zum ,Egmont^ habe ich Hoffnung, doch wird's lang- 
samer gehn, als ich dachte. Es ist ein wunderbares 

15 Stück. Wenn ich's noch zu schreiben hätte, schrieb' ich 
es anders, und vielleicht gar nicht. Da es nun aber 
da steht, so mag es stehen, ich will nur das Allzuauf- 



verreist gewesen, am 19. Abends nach Weimar gekommen, 
reiste Jetzt, am 20. Morgens, zu gleichem Zweck wieder ab, 
20 kehlte aber schon nach fünf Tagen zurück, und l)egab sich 
am 29. März abermals auf die Reise. 
* Zwei der, von Goethe für seine Dichtung benutzten, Quellen- 
werke sind die folgenden: 

1. ,Famiani Stradse romani ö societate Jesv de hello belgico 
25 decades dna> Ab excessv Caroli A'. Imp. usq; ad Initlum Prae- 

fecturce Alexandri Fameaii Parmte Placentiaeque Dueis III. 
ad annvm 1678 contlnvatae . . M. DC. LI. Francofvrti ad 
Moenvm. Sumptibus Johannis Beyeri*, 4". 

2. ,Eygentllche vnd vollkommene historische Besehreibung 
30 dess Niderländischen Kriegs: . . Durch Emanuel von Meteren 

Erstlich in Niderländis<-her Spraach beschrieben, nun aber 
in Hochteutsch vbersetzt, . . In zwey Theil . . Ambsterdam 
Gedruckt bey Johan Jansens. Anno M. DC. XXVII*. 2«. 
Wie aus Nr. 373 zu schlieseen, ist hier das Werk Stradas 
35 gemeint, das Goethe nach Br. 18, 99 zu 2208 a in dem Mainzer 
Druck von 1651 benutzte. 
' Das hier Ausgelassene ist Epos 2. 711 unter Xr. 1146 nachzu- 
lesen. 



204 EGMONT. 1182 



][Mftn 20, Buttstädt] [373] 

geknöpfte, Studentenhafte der Manier zu tilgen suchen, 
das der Würde des Gegenstands widerspricht. 

An Ch. V. Stein. - Br. 5, 284, 14-17. 23-26. 285, 3-«. 

März 22, Kalbsried. 373 5 

Im Strada, der den alten Niederländischen Krieg 
gesehrieben hat/ finden sich gar treffliche Schilderungen 
von Personen, die ich Dir übersetzen will. 
An Ch. V. Stein. — Br. 5, 287, 13—15. 

April 6 Morgens, Gerstungen. 374 lo 

Am ,Egmont' ist nichts geschrieben, die Zerstreuung 
lässt's nicht zu. 

An Ch. V. Stein. — Br. 5, 297, 21 f. 

] [ AprU] 6 Abende, Tiefenort. 375 

'Noch ein Wort vom ,PilatusM Wenn unser einer 15 
seine Eigenheiten und Albernheiten einem Helden auf- 
flickt und nennt ihn Werther, Egmont, Tasso, wie Du 
willst, gibt es aber am Ende für nichts, als was es ist, 
so geht's hin und das Publicum nimmt insofern An- 
theil dran, als die Existenz des Verfassers reich oder 20 
arm, merkwürdig oder schal ist> und das Mährchen 
bleibt auf sich beruhen. Nim findet Hans Easpar diese 
Methode des Dramatisirens (wie sie's nennen) allerliebst 
und flickt seinem Christus auch so einen Küttiel zu- 
sammen und knüpft aller Menschen Geburt tmd Grab, 25 
A und 0, und Heil und Seligkeit dran, da wird's ab- 
geschmackt, dünkt mich, und unerträglich.* 
An Ch. V. Stein. — Br. 5, 299, 12—24. 



» Vgl. 203, 24. 

« Vgl. die Erläuterung Epos 2, 542, 28-38. 30 

• Am 12. war Goethe In Moiningen, von wo er Frau v. Stein 
mittheilt, er wohne daselbst bei Herrn v. Blbiu; dieser beglei- 
tete Ihn zwei Tage später nach Barehfeld (Br. 5. 306, 24. 310, 
20 f.). Ob bei dieser Gelegenheit von ,Egmont* die Rede ge- 
wesen ist, und In welcher Weise, bleibt dahingestellt. Jeden- u 
fall» kann .Egruont* .tromf'nt sein (vielleicht aucli .Torquato 



1782 EGMONT. 205 

Mai 6, Weimar. 376 

Sie erhalten hier einen Versuch, den ich vor einigen 
Jahren gemacht habe, ohne dass ich seit der Zeit so viel 
Müsse gefunden hätte, um das Stück so zu bearbeiten, 
5 wie es wohl sein sollte.* Legen Sie es, wie eft ist^ Ihrem 
Herrn Vater vor, und dann bitte ich Sie, recht auf- 
richtig und ausführlich zu sein und mir umständlich zu 
melden, was er darüber sagt. Mir ist eben so wohl um 
sein Lob, als um seinen Tadel zu thun. Ich wünsche zu 
10 wissen, von welcher Seite er es ansieht. 

Ich füge nur eine Bitte hinzu, dass Sie die Abschrift 
nicht aus den Händen geben mögen, und erwarte sie bald 
wieder zurück.* 

An Jenny v. Voigt». — Br. 5, 321, 1—13. 



16 Tasso* oder ,Elpenor*), wenn Schiller ein Jahr später, 1783 
Juni 15, von Bauerbach aus an Reinwald schreibt: „Gestern 
habe ich Herrn von Bibra (ich meine den Oberhofmeister) 
kennen gelernt. ... Er hat . . mich ernstlich zu sich ge- 
l)eten, wo er mir auch Goethes Trauerspiel lesen wird" (Schil- 

20 lers Br. 1, 133 und 479). 

' ,Egmont*, nach Düntzers Vermuthung (Erläuterungen 7, 8), 
die, gegründet auf Justus Mosers, des Vaters der Adressa- 
tin, Urtheil über ,Götz* (vgl. diesen Erl. zu 1781 Juni 21), 
sehr viel Wahrscheinlichkeit hat; nach Strehlke 2, 361 war 

26 es eine Abschrift der ,Iphigenle'; unbestimmbar ist die Be- 
ziehung der Stelle nach dem Register der Weimarer Ausgabe, 
während Minor (, Entstehungsgeschichte und Stil des Egmont' 
In den ,Grenzboten* 1883 42 (1), 361—370) sie gleichfalls auf 
,Egmont' bezieht. 

30 * Schon am 4. März hatte Goethe geschrieben: „Ihrem Herrn 
Vater schick' ich ehestens von meinen Sachen. Ein Ver- 
zeichnlss davon bin ich selbst nicht wohl im Stande zu fer- 
tigen, es sind so viele Kleinigkeiten*' (Br. 5, 276, 17—20); 
hiemach scheint Goethe ursprünglich die Abeicht gehabt zu 

35 haben, nur kleinere Dichtungen zu schicken. 

— Wenn Ludecus über Goethe an Knebel schreibt, 1782 No- 
vember 25: „Er hat die Herzogin [Anna Amalia] mit dem 
ersten Heft seiner ungedruckten Sachen zu ihrem Geburts- 
tag [October 24] beschenkt" (Knebels Xachlass II 1, 115), 



206 EGMONT. 1785 



1785. 

*December 5, Weimar. 377 

Schon vor einigen Jahren habe ich das Werk Famiani 
Stradae de hello belgico^ von der Universitäts-Bibliothek 
zu Jena entiehnt, dessen erste Dekas mir von Händen » 
gekommen. Ich schicke also hier die zweite Dekas und 
die erste von einer andern Edition, mit Bitte solche eins- 
weilen hinzustellen, bis ich mich im Stand finden werde, 
das Exemplar gehörig zu completiren, oder ein comple- 
tes, gegen Austauschung des gegenwärtigen, der Aka- lo 
demischen Bibliothek zu überreichen. 

An Job. Gottfr. Müller. - Br. 18, 25, 4-12. 

1786. 

Januar 23, Weimar. 378 

Hast Du etwa meinen ,Eginont', die ,VögeP oder sonst i5 
etwas von meinen dramatischen Schriften? Die be- 
nannten Sachen fehlen mir und noch mehr.' 
An Ch. V. Stein. - Br. 7, 162, 14—17. 



so bleibt dahingestellt, ob sieh Scenen aus ,Egmont* darun- 
ter befunden haben (wegen der sonst in Frage kommenden 20 
dramatischen Dichtimgen vgl. Tabelle I). 
* Goethe an Ch. v. Stein, 1785 März 3: „Ichhabeesoft 
gesagt und werde es noch oft wiederholen: 
d l e Causa finalis der Welt und Menschenhändel 
Istdie dramatische Dichtkunst [vgl. Epos 2, 710, 25 
40— 711. 23]. Denn das Zeug ist sonst absolut zu 
nichts zu brauchen. Die Conferenz [mit dem 
Herzog Karl August] von gestern Abend ist mir 
wieder eine der besten Scenen werth" (Br. 7, 
19, 18—20, 1). Wenn die Stelle »Ich auch schwerlieh auf so 
,Bgmont* bezieht, so Ist sie doch wegen 221, 13—27 hier zu 
beachten (die Conferenz bezog sich wahrscheinlich auf diplo- 
matische Verhandlungen wegen des „Fttrstenbundes", vgl. 
G.-Stein 2, 555 Erl. 2 zu S. 144 und Briefe vdH, 2, 188, 25). 
» Vgl. 203, 24. M 

■ Goethe wünschte die Dichtungen wohl zurück, um sie zum 
Vorlesen mit nach Gotha zu nehmen, wohin er am 24. reiste 
(vgl. G.-Steln 2, 197). 



1786 E(;M0XT. *J07 



?Januar 26, (iotha. 379 

Des Abends wird gelesen/ und man scheint mit mir 
zufrieden, .... 

. . . Ich lese nun meine Sachen hier vor und schäme 
» mich von Herzen, indem man sie bewundert, und darf 
nur gegen den Prinzen [August] meine Herzensmeinung 
sagen, .... 

Ich komme wohl erst Sonntag [29.] Abends; da mich 
der General-Superintendent [Koppe] so geduldig an- 
10 hört, denn er ist alle Mittag und Abend da, so muss ich 
auch so höflich sein imd ihn hören. 

An Ch. V. Stein. — Br. 7. 172, 1-4. 10-13. 

][Juni 28, Weimar.] — s. 104, 13. 21-26. 380 

Juli 6, Weimar. — s. Nr. 146. 380 a 

M September 2, Karlsbad. — s. Nr. 147. 380 b 

September 2, Karisbad. — s. 105, 25— 106, 7. 380 c 

Deeember 12, Rom. — s. Nr. 140. 380 d 

December 13, Rom. — 381 

8. .Iphigenie auf Taurls' ugD. (an d. Familie Herder.) 

so December 14, Rom. — s. Nr. 150. 382 

1787. 

] [Januar 13, Rom.] 383 

Nun geht*s an ,Egmont* und die andern Sachen,^ ich 
will nichts in Stücken geben, 
a» An Seidel. — Br. 8, 125, 25 f. 

Januar 13, Rom. — s. Nr. 151. 383 a 

Januar [13,] Rom. 384 

. . nun* werd' ich gleich den ,Egmont^ endigen, dass 
er wenigstens ein scheinbares Ganze mache, 
so An den Herzog Karl August — Br. 8, 136, 23 f. 



* Was Goethe bei Hofe vorlas, kann nur nach Nr. 378 ver- 
muthet werden. 

« Die für Band 5—8 der ,8chriften* bestimmt waren, vgl. Nr. 1.51. 

• Nach Vollendung der ,Iphigenle auf Tauris*. 



208 EGMONT. 1787 

Januar 20, Rom. 385 

Ich habe Hoffnung ,Egmont', ,Ta880^ »Faust* zu endi- 
gen, . . 

An Ch. V. Stein. — Br. 8, 143, 19 f. 

Januar 25, Rom. 386 6 

Nun wird aji ,Egmont* bald gearbeitet werden, sobald 
ich nur erst eine rechte Bresche in die Römische Ge- 
schichte gearbeitet habe. 

An Herder. — Br. 8, 152, 14-16. 
Februar 2, Rom. — s. Nr. 152. 386 a lO 

Februar 6, Rom. — s. Nr. 153. 886 b 

] [Februar vor 16, Rom.] — s. Nr. 164. 386 c 

Februar 20, Rom. — s. 108, 23— 100, 5. 387 

Mai [20,] Neapel. — s. Nr. 156. 387 a 

Juni 8, Rom. — s. Nr. 157. 887 b 15 

Juli 6. Rom.' 388 

,E g m n t' ist in der Arbeit, und ich hoffe, er wird 
gerathen. Wenigstens haV ich immer unter dem Machen 
Symptome gehabt, die mich nicht betrogen haben. Es 
ist recht sonderbar, dass ich so oft bin abgehalten wor- ao 
den, das Stück zu endigen^ und dass es nnn in Born fer- 
tig werden soll. Der erste Act ist in's Beine nnd zur 
Reife; es sind ganze Scenen im Stücke, an die ich nicht 
zu rühren brauche. 

Italienische Reise, Zweiter römischer Aufenthalt (Juli, 25 
Correspondenz, unter obigem Datum). — WH. 24, 368. 

JuU 0, Rom. 389 

Ich bin fleissig, mein ,E g m o n t' rückt sehr vor. Son- 
derbar ist^s, dass sie eben jetzt in Brüssel die Scene spie- 
len, wie ich sie Tor zwölf Jahren aufschrieb; man wird so 
Vieles jetzt für Pasquill halten.* 

Italienische Reise, Zweiter römischer Aufenthalt (Juli, 
Correspondenz, unter obigem Datum). — WH. 24, 865. 



' Wegen der Datirung vgl. Epos 2, 557, 20— 558, 29. — Nr. 394 

wird von Düntzer in den Anfang Juli gesetzt, vgl. 210, 29—31. S6 
» Vgl. 117, 14-16. 148, 2—6. 271, 4—9. 



1787 EGMONT. 209 

Juli 14, Rom. 390 

Ich arbeite an ,EgTnont', ich hoffe, auch Ihnen zur 
Freude. 

An Kayser. — Br. 8, 238, 4 f. 
5 Juli 17, Rom. 391 

,E g m o n t* ist schon bis in den vierten Act gediehen; 
ich hoffe, er soU Euch^ Freude madaen. In drei Wochen 
denke ich fertig zu sein, und ich schicke ihn gleich an 
Herdem ab. 
10 Italienische Reise, Zweiter römischer Aufenthalt (Juli, 

Gorrespondenfls, unter obigem Datum). — WH. 24, 366. 
Juli 30, Rom. 392 

Montag den 30. Juli bliebe ich den ganzen Tag zu 
Hause und war fleissig. ,E g m o n t^ rückt zum Ende, 
16 der vierte Act isit so gut wie fertig. Sobald er abge- 
schrieben ist, schick^ ich ihn mit der reitenden Post. 
Welche Freude wird mir^s sein, von Euch zu hören, dass 
Ihr dieser Production einigen Beifall gebt! Ich fühle 
mich recht jung wieder, da ich das Stück schreibe; 
ao möchte es auch auf den Leser einen frischen Eindruck 
mLachen! ^ 

Italienische Reise, Zweiter römischer Aufenthalt (Juli, 
Gorrespondenz, unter obigem Datum). — WH. 24, 370. 
August 1, Rom. 398 

25 Der vierte Act von ,E g m o n t^ ist fertig; im nächsten 

Brief hoff' ich Dir* den Schluss des Stückes anzukündi- 
gen. 

Italienische Reise, Zweiter römischer Aufenthalt (August, 
Correspondenz, unter obigem Datum). ~ WH. 24, 380. 
30 ] [August 4? Rom.]* 394 

Gestern, nach Sonnenuntergang . . war ich in der 



' Den Freunden in Weimar. 

* Nach Düntzer sind da« Folgende „Offenbar Tagebuchbemer- 
kungen, die aber an Frau v. Stein gesandt wurden" (WH. 

85 24, 835 Erl. 93). 
» Frau V. Stein? 

* „Das Datum hier aus der Notiz über ,Egmont' und der Brief- 
tabelle vermuthet Frau v. Stein ist als Adressatin wahr- 

Orif, Goethe Aber 8. Dichtungen T. II, B. 1. 14 



210 EGMOxXT. 1787 



][Augriut 4? Rom.] [394J 

Villa Borghese. . . . Auf eben dem Spaziergange machte 
ich Anstalten, ,Egmont' zu endigen. Wenn ich dran 
komme, geht es geschwind. 

An Ch. V. Stein (?). — Br. 8, 239, 13-16. 19-21. » 

August 11, Rom. 395 

,Egmont* ist fertig und wird zu Ende dieses Mo- 
nats abgehen können. Alsdann erwarte ich mit Schmer- 
zen Euer UrtheiL 

Italienische Reise, Zweiter römisctier Aufenthalt (August, lo 
Correspondenz, unter obigem D^tum). — WH. 24, 381. 

August 11, Rom. — s. Nr. 158. 396 

August 14, Rom. 397 

Nun unterdess, bis wir ims sprechen,^ bis wir an die 
neue Oper [,Gross-Cophta^] gehn und überhaupt ge- i6 
meinsam weiter schreiten, will ich Ihnen etwas zusen- 
den, womit Sie sich vielleicht beschäftigen. Idi meine 
den ,Egmont^ im Manuscripte. Er kann auf dem 
Wege nach Deutschland bei Ihnen durchgehn. Wollten 
Sie alsdann etwa die Symphonie, die Zwischenacte, die ao 
Lieder und einige Stellen des fünften Acts, die Musik 
verlangen, componiren,^ so könnte man es gleich mit der 
Ausgabe anzeigen, man gewöhnte sich, Ihren Namen 
mit dem meinigen zu sehen, und es gab' uns vielleicht 



scheiiUlcher als Herder** (Br. 8, 406 zu Nr. 2599). Die Stelle 26 
Ist von Goethe nicht in den ,Zweiten römischen Aufent- 
halt* aufgenommen worden; Riemer hat sie daselbst erst 
1837 in den Werken Q. 2 (2), 391, mit der Bezeichnung „Ohne 
Datum**, zwischen August 1 und 11 eingefügt Düntzer (Er- 
läuterungen 7, 9) setzt den Brief einen Monat früher an, 30 
Anfang Juli 1787. 

» Vgl. 113. 31. 114, 27. 

» Nach Nr. 412 hatte Kayser schon 1784 die Composition be- 
gonnen. Statt „Symphonie** (Z. 20 imd 216, 26. 221, 9) ist uns 
heute die Bezeichnung „Ouvertüre** geläufiger (vgl. ,Auf Mle- 35 
dings Tod* V. 74: „Es ward gepocht [Zeichen des Beginns 
der Vorstellung], die Symphonie fiel ein**); vgl. 91 30. 93. 16. 



1787 EGMOXT. 211 



(August 14, Rom.] [897] 

für die Oper eine Einleitung. Es kommt alles darauf 
an, wenn Sie das Stück sehen werden. Damit hätten 
Sie eine Weile etwas Bestimmtes zu thun, das Ihnen auf 
5 ein oder die andre Weise fruchten müsste. Und es 
würde die Frage sein, wie bald Sie so eine Arbeit zu lie- 
fern getrauten? und ob man sie gleich mit dem fünften 
Bande [der Schriften] in's Publicum schicken könnte? 
dass Ihre Composition gleich auf allen Theatern Puss 
10 faaste, denn ich glaube, ,Egmont^ wird gleich gespielt 
werden. Wenigstens hie und da. 

Ich hoffe, in 14 Tagen kann das Stück von hier ab- 
gehn und also halb September bei Ihnen sein. 
An Kayser. — Br. 8, 244. 1—23. • 
15 August 15, Rom. — s. 111, 16. 31—35. 398 

] August 18, Rom. 399 

Ich bin sehr fleis^ig. ,Egmont' ist fertigl was noch 
in den fünften Band [der Schriften] kommt, wird auch 
zugerichtet. 
20 An Seidel. — Br. 8, 254, 11 f. 

September 1. Rom. 400 

Heute, kann ich sagen, ist ,E g m o n t* fertig gewor- 
den;^ ich habe diese Zeit her immer noch hie und da 
daran gearbeitet. Ich schicke ihn über Zürich; vlenn ich 
26 wünsche, dass Kayser Zwischenacte dazu, und was sonst 
von Musik nöthig ist, eomponiren möge.^ Dann wünsch' 
ich Euch Freude daran. 

Italienische Reise, Zweiter röiuiscber Aufenthalt (Sep- 
tember, Correspondenz, unter obigem Datum). — WH. 24, 
ao 393. 

September 5, Rom. 401 

Ich niuss an einem Morgen schreiben, der ein fest- 
licher Morgen für mich wird. Denn heute ist ,Eg- 
m o n t' eigentlich recht völlig fertig geworden. Der 

86 * Vgl. dagegen Z. 33 f. 
• Vgl. Nr. 397. 



212 BGMONT. 1787 



[September 5, Rom.] [401] 

Titel und die Personen sind geschrieben und einige 
Lücken, die ich gelassen hatte, ausgefüllt worden; nun 
freue ich mich schon zum voraus auf die Stunde, in 
welcher Ihr ihn erhalten und lesen werdet. 5 

Italienische Reise, Zweiter römischer Aufenthalt (Sep- 
tember, GorrespoDdenz, unter obigem Datum). — WH. 24, 
894. 
September 6, Rom. 402 

,Egmont* geht mit diesem Brief ab,^ wird aber 10 
später kommen, weil ich ihn auf die fahrende Post gebe. 
Recht neugierig und verlangend bin ich, was Ihr dazu 
sagen werdet. Vielleicht wäre gut, mit dem Druck bald 
anzufangen. Es würde mich freuen, wenn das Stück so 
frisch in's Publicum käme. Seht^ wie Ihr das einrichtet; is 
ich will mit dem Rest des Bandes^ nicht zurückbleiben. 
Italienische Reise. Zweiter römisclier Aufenthalt (Sep- 
tember, Correspondenz, unter obigem Datum). — WH. 24, 
395. 
September 11, Rom. 403 20 

Ich schicke nun ,Egmont' nicht über Züricli.' Eine 
Abschrift haV ich hier. 

An Kayser. — Br. 8, 257, Ö-8. 
] September 15, [Rom.] 404 

[Sendung] An Herder ,I^mont* . .* ^ 25 

Brieftal)elle 1787. - Br. 8, 420, 28. 



' Die Absendung erfolgte Jedoch, wie Xr. 404 beweist, erst 
am 15. Septem l>er (trotz dieses unzweideutigen Zeugnissee 
und obgleich aus Nr. 403 zu schliessen ist dass «Egmont* am 
11. noch nicht abgeschickt war, wird W. 8, 344 und In 30 
Düntzers Erläuterungen 7, 11 behauptet: das Manuseript sei 
am 0. abgegangen). 

' Band 5 der Schriften. »Claudlne von Villa Bella* und .Erwin 
und Elmire\ 

* \gi, 210, 18 f. 211, 12 f. ,j^ 

* Das Manuseript war, nach Minor, Goethes eigenhändige 106, 
2 angeführte Niederschrift („Eine Copie behielt er indessen 
In Hunden; es ist vielleicht dieselbe, welche später Angelica 



1787 EGMONT. 213 



October 1, Frascati. — s. Nr. 164. 404 a 

October 3, Frascati. 405 

Die heissen Monate haV ich der stillen Betrachtung, 
der Arbeit zu Hause und dem ,Egmont' gewidmet, der 
» jetzt wohl bei Herdern angekommen sein wird. Mich 
verlangt Eure Meinung darüber zu hören. 
An Knebel. — Br. 8, 267, 13—17. 
October 5. Albano. — s. Nr. 165. 405 a 

October 24. Rom. — s. Nr. 166. 405 b 

10 ] [October 27, Rom.] 406 

,Egmont' ist schon in Deutschland, vielleicht schon in 
Ihren Händen. ,Claudine' und ,Erwin' sollen bald folgen. 
Den sechsten Band [der Schriften] kann ich auch ver- 
sprechen, melden Sie mir nur den letzten Termin, wenn 
15 Sie das Manuscript haben müssen, um auf Ostern mit 
dem Druck fertig zu sein. 

Madame Angelica [Kauffmann] hat mich mit einer 
gar schönen Zeichnung zum fünften Bande begünstigt.* 

ao Herr Lips hat sie auch bereits gestochen und schon im 
Probedruck verdient seine Arbeit allen Beifall. Sobald 
er fertig ist, werde ich ihn befriedigen und meine Aus- 
lage anzeigen. Die Platte soll mit ,Claudinen* ankom- 
men.' 

25 An Göschen. — Br. 8, 278, 1-6. 279, 15-21. 



Kauffmann besass**, Minor W. 8, 344); nach Düntzer (Erläu- 
terungen 7, 11 f.) behielt Goethe die eigene Handschrift bei 
sich, sandte eine „reinliche Abschrift*' davon nach Weimar, 
und schenkte eine weitere Abschrift an A. Kauffmann (vgl. 

80 219, 21 f.). 

Herder Hess von dem übersandten Manuscript die 196, 8 f. 
genannte Abschrift durch Vogel anfertigen, der am 12. De- 
cember 1787 für diese Arbeit („inclusive 2 Buch Papier ä 
3 Groschen") 2 Thaler 18 Groschen empfing (s. Vogels Quit- 

35 tung W. 8, 346). 

* Das hier Ausgelassene Ist unter »Scherz, List und Rache* 
nachzulesen. 

* Vgl. 196. 15-17. 

* Die Platte ging schon früher ab (s. Nr. 418). Vgl. aucn Gö- 
40 sehen an Bertuch November 28 und December 22 GJ. 2. 405 f. 



214 EGMONT. 1787 



October 27, Rom. 407 

,Egmont' wird nun angelangt sein, er ist an Herrn 
Herdem abgegangen.^ 

An Seidel. — Br. 8, 283, 3—6. 

October 27. 29 (?), Rom. 408 6 

Ich erwarte mit Verlangen Nachrieht, dass ,Egmont* 
angelangt und wie Ihr ihn aufgenommen. . . . 

[October 29?]^ Die Ankunft ,Eginont8' erfreut und 
beruhigt mich, und ich verlange auf ein Wort darüber, lo 
das nun wohl unterwegs ist. 

Italienische Reise, Zweiter römischer Aufenthalt (Octo- 
ber, Correspondenz, unter October 27). — WH. 24, 420 f. 

November 3, Rom. 409 

Die Aufnahme meines ,E g m o n t' macht mich glück- i» 
lieh, und ich hoflfe, er soll bei'm Wiederlesen nicht ver- 
lieren; denn ich weiss^ was ich hineingearbeitet habe, 
und dass sieh das nicht auf einmal herauslesen lässt. 
Das, was Ihr daran lobt, habe ich machen wollen; wenn 
Ihr sagt, dass es gemacht ist, so habe ich meinen End- 20 
zweck erreicht. Es war eine unsäglich schwere Aufgabe, 
die ich ohne eine ungemessene Freiheit des Lebens und 
des Qemüths nie zu Stande gebracht hätte. Man denke, 
was das sagen will, ein Werk vornehmen, was zwölf 
Jahre früher geschrieben ist,' es vollenden, ohne es um- a» 
zuschreiben. Die besondem Umstände der Zeit haben 
mir die Arbeit erschwert und erleichtert. . . . 



' In der ersten Hälfte Octobers wird die Handschrift bei Her- 
der angekommen sein; Frau v. Stein an Sophie v. Sehardt, 
October 19: „Sage Herders, Ich bat' mir den »Bgmont* zu n 
schicken" (,Zwel Bekehrte. Zacharias Werner und Sophie von 
Sehardt. A'^on Heinrich Dtintzer. Leipzig Hahn'sche Verlags- 
buchhandlung. 1878' S. 341); Frau v. Stein verlieh dann die 
Handschrift weiter an Charlotte v. Lengefeld, an die sie No- 
vember 4 schrieb: „Ich bitte um den ,Bgm<Mit* zurück" (Char- 36 
lotte Schiller 2, 260). 

* Wegen der Datirung vgl. WH. 24, 870. 

• Vgl. 257. 14 f. 



1787 EGMONT. 215 

(November 3, Rom.] [409] 

WaB Du^ von Glärchen sagst, verstehe ich nicht ganz, 
und erwarte Deinen nächsten Brief. Ich sehe wohl, 
dass Dir eine Nuance zwischen der Dirne und der Qöt- 

5 tin zu fehlen scheint. Da ich aber ihr Verhältnise zu 
Egmont so ausschliesslich gehalten habe; da ich. ihre 
Liebe mehr in den Begriff der Vollkommenheit des Ge- 
liebten, ihr Entzücken mehr in den Genuss des Unbe- 
greiflichen, dass dieser Mann ihr gehört, als in die 

10 Sinnlichkeit setze; da ich sie als Heldin auftreten lasse; 
da sie im innigsten Gkfühl der Ewigkeit der Liebe ihrem 
Geliebten nachgeht und endlich vor seiner Seele durch 
einen verklärenden Traum verherrlicht wird: so weiss 
ich nicht, wo ich die Zwischennüance hinsetzen soll, ob 

15 ich gleich gestehe, dass aus Nothdurft des dramatischen 
Pappen- und Lattenwerks die Schattinmgen, die ich 
oben hererzähle, vielleicht zu abgesetzt und unverbun- 
den oder vielmehr durch zu leise Andeutungen verbun- 
den sind; vielleicht hilft ein zweites Lesen, vielleicht 

20 sagt mir Dein folgender Brief etwas Näheres.* 

Angelica hat ein Titelkupfer zum ,E g m o n t' ge- 
zeichnet,* Lips gestochen, das wenigstens in Deutsch- 
land nicht gezeichnet, nicht gestochen worden wäre. 
Italienisclie Reise, Zweiter römlscber Aufenthalt (No- 

25 vember. CJorrespondenz, unter obigem Datum). — WH. 24, 
483 f. 

November 10, Rom. 410 

Dass mein ,E g m o n t* Beifall erhält, freut mich 

herzlich. Kein Stück hab' ich mit mehr Freiheit des 

30 Gemüths und mit mehr Gewissenhaftigkeit vollbracht 

als dieses; doch fällt es schwer, wenn man schon Ande- 



» Herder? (an ihn ist nach DOntzer WH. 24, 878 der Brief 

gerichtet.) 
» Vgl. Nr. 417. 
35 • Vgl. 196, 15—17. 213, 18 f. 



21G BGMONT. 1787 



(November 10, Rom.] [410] 

res gemacht hat, dem Leser genugzuthun; er verlangt 

immer etwas, wie das Vorige war.* 

Italienische Reise, Zweiter römiscber Aufenthalt (No- 
vember, Correspondenz, unter obigem Datum). — WH. 24, 5 
435. 

November 17, Rom. 411 

,Egmont' ist nun in Weimar. Ich habe grosse Freude 
an der Art, wie ihn die Freunde aufgenommen haben. 
Auch Ihnen und Ihresgleichen darf er sich, hoffe ich, 10 
präsentiren, denn ich möchte nun nichts mehr schrei- 
ben, was nicht Menschen, die ein grot^es und bewegtes 
Leben führen und geführt haben, nicht auch lesen dürf- 
ten und möchten. 

An d. Herzog Karl August. — Br. 8, 292, 19—25. 15 

] [November? Rom?]» 412 

[Kayser] . . hatte schon vor Jahren [1784], indem er 
,Scherz, List und Rache' zu componiren unter- 
nahm, auch eine zu ,E g ra o n t' passende Musik zu lie- 
fern begonnen.* Ich hatte ihm von Rom aus gemeldet, 20 
das Stück sei abgegangen und eine Copie in meinen 
Händen geblieben.* Statt weitläufiger Correspondenz 
darüber ward räthlich gefunden, er solle selbst unver- 
züglich herankommen, da er denn auch . . sehr beld bei 
uns eintraf ....** as 

Die Symphonie zu ,E g m o n t* brachte er mit, und so 
belebte sich von dieser Seite mein ferneres Bestreben, 

* Die gleiche Erfahrung hatte Goethe zehn Jahre früher mit 
,Clavigo' gemacht, und sollte sie zehn Jahre später mit ,W11- 
helm Meisters Lehrjahren* abermals machen (vgl. Epos 2, 30 
780, 37—40. 1051, 25 f.). 

' I>Ie Abfasmmg dieser SteUe fällt wohl sieher ganz in das 
Jahr 1828 oder 29 (ebenso Nr. 417). 

* Nach Nr. 397 seheint es, als ob KayRer erst 1787 von 
Goethe zur Composition aufgefordert worden sei. S6 

* Vgl. Nr. 403. 

» Vffl. 113, 31. 114, 27 f. 



1787 BGMONT. 217 

J[November? Rom?] [412] 

welches gegenwärtig mehr als jemals aus Xothwendig- 
keit und Liebhaberei geg^n das musikalische Theater 
gerichtet war. 

5 ^ . . , 

Italieuische Reise, Zweiter römischer Aufeuthalt (Be- 
richt, November). — WH. 24, 437 f. 
December 8, Rom. 418 

Wenn Sie wieder zu Hause sind, bitte ich einen Abend 
10 am Camin meinem ,Egmont* zu widmen; könnte er Sie 
wieder in einer Tannröder Stimmung, welche meinem 
,WiUielm^ so günstig war,* antreffen, so würde ich mich 
recht glücklich fühlen. Es ist gar tröstlieh für den 
Dichter, der sich^s denn doch sauer werden lässt, wenn 
16 so eine Arbeit gleich das erste Mal ihre Wirkung nicht 
verfehlt. Ich hoffe, er soll Ihnen neu sein und zugleich 
alte Erinnerungen anmuthig anschlagen. 

.... Kayser . . . componirt alles, was an Musik zum 
,Egmont* nöthig ist, und seine Studien darüber sind mir 
ao sehr unterrichtend.' 

An d. Herzog Karl August. — Br. 8. 305, 1—10. 28—306, 2. 

J[Deceml)er 8. Rom.] 414 

Die gute Meinung, die man von meinem Gehirne in 

Weimar hat,* hoffe ich auf die Art zu widerlegen, wie 

25 Sophokles eine ähnliche Anklage^ ablehnte: er schrieb 

seinen ,Oedipus auf Kolonus^ und ob ich gleich meinen 

,Egmont* nicht mit jenem Meisterstücke vergleichen 

will, so wird doch schon dieses Stück hinreichend sein, 

das Publicum zu überzeugen, dass ich noch bei Sinnen 

M bin. 

An Seidel. — Br. 8. 308, 7-14. 

^ Das hier Ausgelassene Ist 114, 19— 1 15, 2 nachzulesen. 
« Vgl. Bpoe 2. 735, 20-22. 35 f. 

• Vgl. Nr. 412. 

86 * Vgl. Düntzers bedenkliche Vermuthung WH. 24, 896 Anm. 4. 

• Das» er vor Alter kindisch geworden sei und nicht mehr im 
Stande, sein Vermögen zu verwalten, vgl. das 195, 15 f. ange- 
führte Werk S. 21 Z. 32-36. 



218 EGMOXT. 1787 



December S. Rom. 415 

Wie sehr es mich ergötzt, dass Dir mein Liedchen* 
gefallen hat, glaubet Du nicht) wie sehr es mich freut, 
einen Laut hervorzubringen, der in Deine Stimmung 
trifft. Eben das wünscht' ich ,E g m o n t e n^ von dem 6 
Du so wenig sagst, und eher, dass Dir daran etwas weh 
als wohl thut. 0, wir wissen genug, dass wir eine so 
grosse Composition schwer ganz rein stimmen können; 
es hat doch im Grunde niemand einen rechten Begriff 
von der Schwierigkeit der Kunst, als der Künstler selbst, lo 

Italienische Reise, Zweiter römischer Aufenthalt (De- 
cember, Correspondenz, unter obigem Datum). — WH. 24, 
447. 
] [December 29, Rom.] 416 

Hier das Titelkupfer zum fünften Band [der ,8chrif- i6 
ten^• 

An C. G. Voigt. — Br. 8. 319, 13. 

] [December? Rom?]* 417 

Schon die ersten Briefe aus Weimar über ,E g m o n t^ 
enthielten einige Ausstellungen über dieses und jenes;* ao 
hiebei erneute sich die alte Bemerkung, dass der unpoe- 
tische, in seinem bürgerlichen Behagen bequeme Kunst- 
freund gewöhnlich da einen Anstose nimmt, wo der 
Dichter ein Problem aufzulösen, zu beschönigen oder 
zu verstecken gesucht hat. Alles soll, so will es der be- 25 
hagliche Leser, im natürlichen Gange fortgehen; aber 
auch das Ungewöhnliche kajm natürlich sein, scheint 
es aber demjenigen nicht, der auf seinen eigenen An- 
sichten verharrt. Ein Brief dieses Inhalts war ange- 
kommen; ich nahm ihn und ging in die Villa Borghese; so 
da muset' ich denn lesen, dass einige Soenen für zu lang 
gehalten würden. Ich dachte nach, hätte sie aber auch 



* Wahrscheinlich das Lied „Cupido, loser eigensinniger Knabe!** 

• Vgl. 196. 16—17. 213. 18 f. 215, 21—23. 

• Vgl. 216, 32 f. 85 

* Vgl. Nr. 409. 



1787 EGMONT. 219 



](December? Rom?J [417] 

jetzt nicht zu verkürzen gewusst, indem so ^^ichtige Mo- 
tive zu entwickeln waren. Was aber am meisten den 
Freundinnen^ tadelnßwerth schien, war das lakonische 
5 Vermächtniss, womit Egmont sein Clärchen an Ferdi- 
nand empfiehlt. 

Ein Auszug aus meinem damaligen Antwortschrei- 
ben wird über meine Gesinnungen und Zustände den 
besten Aufschluss geben. 

10 „Wie sehr wünscht" ich nun, auch Euem Wunsch er- 

füllen, und dem Vermächtniss Egmonts einige Modi- 
fication geben zu können! Ich eilte an einem herrlichen 
Morgen mit Euerm Briefe gleich in die Villa Borghese, 
dachte zwei Stunden den Gang des Stücks, die Charak- 

15 tere, die Verhältnisse durch und konnte nichts finden, 
was ich abzukürzen hätte. Wie gerne möcht' ich Euch 
alle meine Ueberlegungen, mein pro und contra schrei- 
ben! Sie würden ein Buch Papier füllen, und eine Dis- 
sertation über die Oekonomie meines Stücks enthalten. 

20 Sonntags kam ich zu Angelica, und legte ihr die Frage 
vor. Sie hat daß Stück studirt und besitzt eine Ab- 
schrift davon. Möchtest Du doch gegenwärtig gewesen 
sein, wie weiblich zart sie Alles aus einander legte, und 
es darauf hinausging, dass das, was Ihr noch mündlich 

26 von dem Helden erklärt wünschtet, in der Erscheinung 
implicite enthalten sei. Angelica sagte: da die Erschei- 
nung nur vorstelle, was in dem Gemüthe des schlafenden 
Helden vorgehe, so könne er mit keinen Worten stärker 
ausdrücken, wie sehr er sie liebe und schätze, als es 

30 dieser Traum thue, der das liebenswürdige Geschöpf 
nicht zu ihm herauf, sondern über ihn hinauf hebe. Ja, 
es wolle ihr wohl gefallen, dass der, welcher durch sein 



* Frau V. Stein, Charlotte v. Lengefeld und Caroline Herder 
(?); auf erstere bezieht sich Jedenfalls das später folgende 
36 „Du** (Z. 22). 



220 EGMONT. 1787 



][Deceinber? Roin?J [417] 

ganzes Leben gleichsam wachend geträumt, Leben und 
Liebe mehr als geschätzt, oder vielmehr nur durch den 
OenuBS geschätzt, dass dieser zuletzt noch gleichsam 
träumend wache, und uns still gesagt werde, wie tief 5 
die Geliebte in seinem Herzen wohne, und welche vor- 
nehme und hohe Stelle sie darin einnehme. Es kamen 
noch mehr Betrachtungen dazu: dass in der Scene mit 
Ferdinand Clärchens nur auf eine subordinirte Weise 
gedacht werden konnte, um das Interesse des Abschieds lo 
von dem jungen Freunde nicht zu schmälern, der ohne- 
hin in diesem Augenblicke nichts zu hören noch zu er- 
kennen im Stande war." 

ItaJieuische Reise, Zweiter römischer Aufenthalt (Be- 
richt, necomber). — WH. 24. 457 f. « 

17HH. 
Januar 10, Rom. — s. 117, 14—16. 118, 7-14. 417 a 

Januar 12, [Rom.] 418 

[Sendung an] Herder mit »Erwin und Klmire^ und 
der Kupferplatte zu ,Egmont*. 20 

Brieftabelle 1788. — Br. 8. 421, 21 f. 

Januar 25, Rom. 419 

. . mit Hackert, . . war ich vierzehn Tage in Tivoli, 
dann sperrte mich die Hitze zwei Monate in das Haus, 
ich machte ,Egmont' fertig . .^ 25 

Au d. Herzog Karl August. — Br. 8, 328, 21—24. 

Februar 9, Rom. — s. Nr. 182. 419 a 

Februar 9, Rom. — s. 121, 8. 419 b 

Februar 1), Rom. 420 

Kayser geht auch^ als ein wackerer Künstler zu 30 

Werke. Seine Musik zu ,E g m o n t' avancirt stark. 

Noch habe ich nicht alles gehört; mir scheint jedes dem 

Endzweck sehr angemessen. 

Italienische Reise, Zweiter römischer Aufenthalt (Fe- 
bnmr. Correspondenz. unter obigem Datum). — WH. 24, 473. 35 



* Hierzu die im 8elbeu Biiefe entlialteue. ol)en 119, 10—12 wie- 
dergegebene AeusseruDg. 
' Wie Augeliea Knuffmann als Malerin. 



1788 EGMONT. 221 

] Februar 16. Rom. 421 

Das Kupfer zu ,Egmont' ist von Angelica gezeichnet, 
von lips gestochen. Es freut mich, wenn es Ihnen ge- 
fällt. Ich kann die Stunde nicht erwarten, bis Sie ,Kg- 
5 mont^ gelesen haben, und ich Ihre Meinung drüber 
vernehme.^ 

An (1. Herzog Karl August. — Br. 8, 349, 23—27. 
Februar 16, Rom. 422 

Herr Kayser componirt die Symphonie, die Lieder 
10 und Zwischenspiele zu ,Egmont^ 

An Friedrich v. Stein. — Br. 8, 351, 28-352. 1. 

März 28, Rom. 423 

*Ihr Brief, mein bester Purst und Herr, in welchem 

Sie mir Ihre Gedanken über ,Egmont^ eröffnen, hat das 

15 Verlangen nur vermehrt, mich mit Ihnen über solche 

und andre Gegenstände mündlich zu unterhalten. Ik- 

merkungen wie die, welche Sie mir schreiben, sind zwar 

für den Autor nicht sehr tröstlich, bleiben aber doch 

dem Menschen äusserst wichtig, und wer beide in sich 

30 nie getrennt hat, weiss solche Erinnerungen zu schätzen 

und zu nutzen. Einiges, was Ihnen nicht behagte, liegt 

in der Form und Constitution des Stücks und war nicht 

zu ändern, ohne es aufzuheben. Andres^ zum Beispiel 

die Bearbeitung des ersten Acts, hätte mit Zeit und 

25 Müsse' wohl nach Ihren Wünschen geschehen können. 

Noch andres, wie zum Beispiel die Aeusserung Machia- 

vellens, war mit einem Federstrich ausgelöscht.* Es war 

» Vgl. Nr. 423. 

* Knebels Tagebuch März 10: „Abends aufs Herzogs Zimmer. 
30 ,Egmont* gelesen" (G.-Steln 2, «07 Anm. 5 zu Seite 309>. 

* Vgl. dagegen 214, 21—23. 

* Bedeutet das: „ist ausgelöscht worden" oder „wäre ausge- 
löscht [auszulöschen] gewesen"? Erstere Auffassung be- 
grilndet v. d. Hellen (Briefe vdH. 2, 323, 1): ..Da Machia- 

86 vell In der einsigen kurzen Scene [Aufzug 3], die er ausser 
derjenigen im ersten Acte hat, nichts sagt, woran der Her- 
zog Anstoss nehmen konnte, ist anzunehmen, dass Goethe auf 



222 EGMONT. 17S8 



[Man 28, Rom.J [4M] 

ein schweres Unternehmen, ich hätte nie geglaubt, es 
zu vollenden^ nun steht das Stück da, mehr^ wie es sein 
konnte, als wie es sein sollte. 

Gewiss auch konnte kein gefährlicherer Leser für das 5 
Stück sein als Sie. Wer selbst auf dem Puncto der 
Existenz steht, um welchen der Dichter sich spielend 
dreht, dem können die Gaukeleien der Poesie, welche 
aus dem Gtebiet der Wahrheit in's Gebiet der Lüge 
schwankt, weder genug thun, weil er es besser weiss, 10 
noch können sie ihn ergötzen, weil er zu nah steht und 
es vor seinem Auge kein Ganzes wird. Doch alles sei 
auf die guten Stunden aufgespart, die ich mir neben 
Ihnen verspreche. 

An d. Herzog Karl August. — Br. 8, 866, 9—366, 12. is 

April 5, Rom. — s. Nr. 190. 423 a 

Mai 24. Mailand. 424 

Ich höre von fem und kann es ohne das vermuthen, 

dass mein ,Egmont^ in alle Welt ausgangen ist. Ich 

wünsche, dass er auch gedruckt meinen Freunden Freude 20 

des Herzogs Wunsch eine Aeusserung Machiavells Im ersten 
oder dritten Acte wlrkUeh gestrichen hat**, ftlgt aber doch 
hinzu: „Es müsste denn sein, dass der Herzog eine auf ihn 
zielende Spitze in Machiavells Worten [Aufzug 1] sah: , . . 
wenn ihr auch immer mit meinen Diensten zufrieden wart, 25 
habt ihr doch selten meinem Rath folgen mögen' ** (unter 
Hinwels auf 206, 27-29 und Br. 5. 236, 13—24. 7, 85, 4—21). 
Dagegen ist zu bemerken, dass, wenn Goethe eine Aeusserung 
Machiavells nachträglich wirklich gestrichen hütte, entweder 
dieser Strich sich in den Handschriften (oder in einer der- ao 
selben) vorfinden mUsste, oder doch wenigstens eine Bemer- 
kung Goethes In einem Briefe an Herder, Bertuch oder (lö- 
schen, durch die die Weglassimg der Worte im Druck ange- 
ordnet wurde. Der Druck des .Egmont' übrigens war um 
diese Zeit jedenfalls schon so weit vorgeschritten, dass ohne 8^ 
einen (\*irton, der sich nicht vorfindet, kaum wäre zu helfen 
gewesen. (Schon am 25. Februar hatte Seidel bei Göschen 
angefragt, „wie weit es mit dem Drucke des ,EgmonT8* ge- 
komnieu ist, und wie viel Bogen er gegeben hat" GJ. 10, 147.) 
Vgl. auch WH. 24. 947 Anm. 3. 40 



1788 * EGMONT. 22:i 



[MMi 34, MaiUnd.] [424] 

mache, die ihm, da er als Manuficript kam, eine gute 
Aufnahme gönnten. 

An Knebel. — Br. 8, 37C, 22—26. 

5 Juli 15, Weimar. — s. Nr. 191. 424 a 

Juli 21, Weimar. 425 

Mich freut sehr, dass Dir an ,Egmont" manches ge- 
f äUt, . ^ 

An Fr. H. Jacobl. — Br. 9, 4, 10 f. 
10 September 1, Weimar. — 425 a 

s. »FastDaehtspier ugD. (an Göschen.) 
][nacli September 20, Weimar?] 426 

*Meine [Schillers] Eecenaion von ,Egmont' hat viel 
Lärm in Jena und Weimar gemacht, und von der Expedi- 
15 tion der ,Allgemeinen litteratur-Zeitung' sind sehr 
schöne Anerbietungen an mich darauf erfolgt. Goethe 
hat mit sehr viel Achtung und Zufriedenheit davon ge- 
sprochen.' 

Mit ? — Gespräche 1, 105 (Schülers Br. 2, 132). 



ao ^ Das unmittelbar Folgende ist unter Nr. 192 nachzulcseu. 
Jacobis Aeusserungen sind nicht bekannt; ein paar Stimmen 
der römischen Freunde, wie sie in Briefen während der 
nächsten Monate an Goethe gelangten, s. 126, 28—30 und 
SdGG. 5. 52. 72. 

25 * Schiller an Kömer 1788 Mai 7: „Ich habe nun zwanzig Stück 
Reeensenda aus Jena [für die daselbst erscheinende »Allge- 
meine Litteratur-Zeitung*] erhalten, worunter auch Goethes 
,£gmont' sich befindet"; das war wohl der gleichzeitig er- 
schienene Einzeldruck (vgL 196, 22—26), denn am 15. schreibt 

80 Schiller, gleichfalls an Kömer: „Goethes fünften Theil [der 
Schriften] habe ich vor einer Stunde unter anderen Recen- 
sendis aus Jena erhalten. Ich freue mich auf die Recension 
des ,Egmont*; jetzt habe ich nur einen Blick hineinwerfen 
können und schon viel Vortreffliches entdeckt", und meldet 

86 Ihm am 1. October, die Recension stehe in der «Allgemeinen 
Litteratur-Zeitung* (Schillers Br. 2, 60. 63. 122 f.); und zwar 
erschien sie hier als Anzeige von Goethes Schriften Band 5, 
anonym^ in den Nummern 227 a und 227 b vom 20. September, 
Band 3 Spalte 769—778. 

40 • So Schiller an Kömer October 20, trotzdem erkundigt er sich 



224 BGMONT. ' 178S 

October 1, Weimar. 427 

In der ,Litteratur-Zeitiing^ steht eine Reeension mei- 
nes ,EgmontsV welche den sittlichen Theil des Stücks 
gar gut zergliedert. Waß den poetischen Theil betrifft, 
möchte Recensent andern noch etwas zurückgelassen 5 
haben.* 

An d. Herzog Karl August. — Br. 9, 37, 7—11. 

October 9, Weimar. — 428 

a «Fastnachtspiel' ugD. (an Göschen.) 

] [November 16, Jena.] 429 lo 

Es freut mich, dass Dir ,Egmont* zum zweiten Male 
gefällt. Daß Stück ist so oft durchgedacht, dass man es 
auch wohl öfters wird lesen können.* 

An Friedrich v. Stein. — Br. 9, 59, 18—20. 



am 22. brieflich bei Bertuch: „Schreil)en Sie mir do<di mit u 
ein paar Worten, wie Goethe die Reeension de» ,Egmont' in 
der A. L. Z. aufgenommen hat, wenn Sie etwas davon ge- 
hört haben" (Schülers Br. 2, 135). — Wegen (Joethes „Zu- 
friedenheit" mit der Besprechung vgl. Nr. 427. 
' Vgl. 223, 25—39 und das Urthell von Herders Frau Z. 23 f. 20 
' — Caroline Herder an ihren Mann, November 23: „Die Lit- 
teratur-Zeitungen habe ich . . durchgeblättert und darin eme 
Reeension Über Goethes ,Egmont* gefunden, die zur Hälfte 
gut, zur Hälfte aber schief ist" (Herders Reise nach Italien 
S. 181), vgl. dazu Nr. 427; femer berichtet sie an Herder, 36 
December 25, über den Verkehr mit Karl Philipp Moritz, 
der sich während des Winters 1788 auf 89 zwei Monate In 
Weimar aufhielt (vgl. Epos 2, 565): ., . . wir kamen auf 
Goethes Werke; da sagte er mir, wie er durch das Stu- 
dium der Perspective darauf gekommen sei, den Mittelpunct 30 
in einem Stück aufzusuchen; den müsse man nun nicht am 
Ende des Stücks, sondern in der Mitte suchen, so wie alle 
Radien vom Mittelpunct ausgehen und sich in den Anfang 
und Ende verlieren. So ist in ,E g m o n t' der Mittelpunct die 
Scene, da Clärchen vor Egmont kniet und fragt: „Bist du 35 
der Egmont pp.", und er antwortet: „Nein, der Egmont 
bin ich nicht pp., dein Egmont bin ich", und Clärchen: .«So 
lass mich sterben! Die Welt hat keine Freuden auf diese." 
Hier sei der höchste Punct des Stücks. BrundClärchen. 



1789 EGMONT. 225 



1789. 

April 17, Weimar. 430 

Was Sie über meinen ,Egmont' sagen, ist ganz richtig, 
und unterschreibe ich in Allem Ihren Ausspruch.^ 
6 An A. V. Klein. — Br. 18, 37, 6-8. 



Politik ist ihm nichts gegen dieses Yerhältniss; an dieser 
Soene hängt nun sein Tod und Clärchens freiwilliger Tod. . . . 
Mich dünkt, es sei eine gute und leichte Art, die Sache, wo- 
rauf es ankommt, zu suchen. Er selbst hat hier nur erst den 

10 glücklichen Fund durch das Studium der Perspective gethau, 
und ist selbst darüber in seiner gehaltenen Gemüthsart sehr 
zufrieden, weil Goethe ihm Recht gibt. . . . In ,C 1 a v l g o* 
Ist der Mittdpunct die Scene, da Clavigo sagt: „Brich der 
Pflanze die Krone pp." [Act 4, Carlos zu Clavigo: „ . . 

16 brich du einer Pflanze das Herz aus, . .**, W. 11, 96, 27 f.; 
vgl. dazu Schmidt 2, 112 Anm. 1.] Collision der politischen 
( Trosse und der Weichheit des Herzens ist der Gegenstand 
dos Stücks. Den Montag [December 22] war nun wieder 
die Rede davon, und wir fnigen nach dem Mittelpunct in 

20 »Götz von B e r 1 i c h i n g e n*; den sollten wir aber selbst 
aufsuchen, sagte er; er hätte ihn auch gefunden, und es 
Goethe gesagt; da hätten sie zusammen sehr gelacht" (Ge- 
spräche 1, 113 und Herders Reise nach Italien S. 203 f., vgl. 
auch daselbst S. 228). 

25 Diese Mittheilungen werden bestätigt und ergänzt durch 
das, was Klischnig in dem Epos 2, 565, 30-^ angeführten 
Werk über jenes Suchen nach dem Lebenspunct der Dich- 
tungen sagt, wo es zum Schluss ausdrücklich heisst: „Er 
[Moritz] theilte seine Gedanken dem Herrn von Goethe 

30 mit, dieser ermunterte ihn, darüber etwas auszuarbeiten'*. 
Schiller missbilligte diese Art der Betrachtung sehr entschie- 
den, vgl. seinen Brief an Caroline v. Beulwitz, 1789 Januar 3, 
in dem es auch heisst: „ . . Moritz rechnet den ,E g m o n t* 
sogar unter diese vollendeten Producte, welchen Goethe 

35 selbst hoffentlich nicht für vollkommen hält" (Schillers Br. 

2, 200). 

* Die Echtheit des Briefes, an der schon der Bau des obigen 

Satzes zweifeln lässt steht nicht fest; „Bernhard Suphan, 

dem Michael Bemays beistimmt, denkt an selbstständige 

40 Conclplmng durch Philipp Seidel In Goethes Auftrag" (Br. 
18, 100 zu 2743 a). 
Orftf, Goethe ttber s. Dichtungen T. II, B. 1. 15 



226 EGMONT. 1789 



Juni 22, Weimar. — 431 

s. .Torquato Tasso* ugD. (an Göschen.) 

1791. 

JuU 4, Weimar. — s. Nr. 201. 432 

179^. 5 

[September zwischen 14 und 20, Weimar.] 433 

Er hat mich [Schiller] gebeten, seinen ,Egmont' für 
das Weimarische Theater zu corrigiren, weil er es selbst 
nicht wagt^ und ich werde es auch thun. 

Mit Schiller. — Gespräche 1, 153 (Schillers Br. 4, 19 f.: lo 
an Charl. Schiller, September 20). 

1796. 

[März, vor 28, Weimar.] 434 

Vor Beginn des [Ifflandschen] (Jastspiels war eine 
Leseprobe des ,EgmjontS welche fünf Stunden dauerte u 
und die Goethe mit einer Anrede eröffnete, die dem 
Sinne nach Folgendes sagte: „Es wird bald ein Meister* 
imter uns stehen, den ich hauptsächlich berufen habe, 
um Euch durch ihn zu beweisen, wie gut Kirnst tmd 
Natur sich vereinen lassen. Lauscht seiner Darstellung ao 
mit aller Aufmerksamkeit; aber seid nicht schüchtern 
als Mitwirkende, zeigt ihm, dass unser Streben 
ebenfalls ein hohes, edles ist, und seine Zufriedenheit 
wird ims nicht fehlen". Nun las er jedem Schauspieler 
einige Stellen der darzustellenden EoUe vor,^ um durch 26 
Ton und Haltung den Charakter anzudeuten, wie er ihn 

» Vgl. 163, 8-10. 

* Die Darsteller s. 229. 24-40. Noch am 2. April stand die 
Besetzung der RoUen nicht endgültig fest, und auch nach dem 
4. scheinen noch Verschiebungen stattgefunden zu haben, so 
vgl. die drei Schreiben Ifflands in den .Briefen an Schiller. 
Herausgegeben von L. Urlichs. Stuttgart Verlag der J. G. 
Cotta^seheo Buchhandlung. 1877* S. 256—258, und die ur- 
sprünglich geplante Besetzimg (229. 26), nach der Iffland 
den Alba spielen sollte. 35 



1796 EGMONT. 227 



[März, vor 28, Weimar.] [434] 

aufgefasst wünsche. Die Beeker-Neumann und Yolis als 
Clärchen und Brackenburg trafen schon im Lesen das 
Richtige und waren in der Darstellung selbst ausgezeich- 

6 net. Beck als Vansen war trefflich. Goethe las den Eg- 
mont, und abgesehen davon, dass sein Vortrag etwas zu 
markirt war, habe ich [Anton Genast] nie den P^gmont 
so darstellen sehen, wie er ihn las; Iffland stand 
weit hinter der Auffassung Goethes zurück.^ Noch am 

10 nächsten verkörperte in späterer 2^it e 1 s Goethes 
Intention. 

Mit den Darstellern des »Egmont*. — Genast 1, 96 f. 
(fehlt in den .Gesprächen'.) 
März 30, AVeimar. 435 

15 ^Mit dem grössten Vergnügen sehe ich . . der Bear- 

beitung und Aufführung ,Egmonts^ entgegen. Es ist 
das Eigenste, was mir hätte begegnen können, das6 ein 
Stück, auf das ich in mehr als einer Hinsicht längst Ver- 

' Vgl. dazu Schillers Urthelle über Iffland als Schauspieler in 

ao Briefen an Goethe 1708 April 24 und Mai 4 (Schillers Br. 5, 
369 f. 377). 
' IfHands Gastspiel in Weimar begann am 28. März und schloss 
(mit ,Egmont') am 25. April; am 30. März, also schon in Wei- 
mar, stlnieb Iffland an Goethe: „Ich freue mich kindlich auf 

26 Egniout. obschon ich mich fürchte, neben dem Ideal einfacher 
Grösse zu stehen, das Sie geschaffen haben. Nachsiclit ist 
die Eigonlieit eines grossen Mannes. Darauf baue ich, so wie 
auf meinen vollen Willen, Ihnen Vergnügen zu machen** 
(SdGG. 6, 104). Hierauf erwiderte (Goethe am gleichen Tage 

30 das Obige. Merkwürdiger Weise ist dieser Brief Goethes we- 
der in der Weimarer Brief -Ausgabe abgedruckt, noch In 
Strehlkes Verzeichniss angeführt, auch findet sich an beiden 
Stellen keine Bemerkung über etwaige Unechthelt des Origi- 
nals, das (wie Diezmann S. 4 des 228, 4 f. genannten Werkes 

86 angibt) sich „in dem Weimarschen Theaterarchiv" befindet. 
Nach Diezmanns Druck ist der Brief mitgethellt in der bei 
Hempel erschienenen Ausgabe von Schillers Werken 16, 412 f., 
ebenso in der .Deutschen Xational-Litteratur* 124. 244 (= 
Schillers Werke Band 7. 244). 



228 EGMONT. 1796 



[MKrz 30, Weimar.] [435] 

zieht gethan habe/ mir durch Schillern und Sie so un- 
erwartet wiedergeschenkt wird. 

An Iffland. — »Goethe's Egmont für die Bühne bearbei- 
tet von Schiller. Stuttgart und Augsburg. J. G. Cotta'scher 5 
Verlag. 1857* S. 5. 
April 18, Weimar. 436 

Er [Iflfland] wird noch eine Woche bleiben und zu- 
letzt ,Egmont^ aufführen. Schiller, der auch schon diese 
Zeit hier istj hat das Stück dergestalt bearbeitet, dass lo 
die Vorstellung möglich wird.^ 

An H. Meyer. - Br. 11, 54, 5-8. 

April 21, Weimar. 437 

Auch liegt die Anzeige' zu ,Egmont' bei, wozu ich, 

^ In Hinsicht sowohl auf die Aufführbarkeit, als auf den ein- i& 
stimmigen Beifall der Freunde. 

* Schiller war am 23. März gekommen, wohnte bei Goethe 
und fuhr am 20. April uach Jena zurück, kam aber am 25. 
zur Aufführung herüber. Seine Bearbeitung wird Anfang 
April der Hauptsache nach beendet gewesen sein (nach 20 
Düntzers Erläutenmgen 7, 156 am 3.); wegen der von ihm 
vorgenommenen Streichungen, Scenen Verschiebungen, Aen- 
derungen und Zusätze vgl. die Einleitung August Dlezmanns 
in dem Z. 4-— 6 angeführten Druck, sowie die Dmcke in 
den wichtigsten Ausgaben von Schillers Werken (es bleibt 2& 
zu beklagen und sc-hvver zu verstehen, dass in der von TiUd- 
wlg Bellermann herausgegebenen, zur Zeit wohl vollständig- 
sten und besten Ausgabe von , Schillers Werken' die Bear- 
beitung ,Egmonts' nicht zu finden Ist); femer vgl. auch die 
eingehende Darstellung In .Schiller als Dramaturg. Beiträge 30 
zur deutschen Llttei*aturgeschlchte des achtzehnten Jahrhun- 
derts von Albert Köster. Berlin. Verlag von Wilhelm Hertz. 
(Bessersche Buchhandlung.) 1891* S. 2—10. 

Goethes wirkliche Ansicht über Schillers Bearbeitung er- 
kennt man deutlich aus Nr. 441; vgl. femer N'r. 452. 453. 495. S5 
511. 513. 519. 521. — Die Bearbeitung für die Mannheimer 
Bühne von 1804 kommt für uns hier nicht in Betracht 

■ Das heisst: die Handschrift des Theaterzettels für die Auf- 
führung am 25. April; ursprünglich waren zwei Aufführungen 
geplant, und zwar für den 20. und 21., wie aus Schülers Brief 40 
an Körner vom 10. hervorgeht (Schillers Br. 4, 440). 



1796 



EGMONT. 



229 



10 



[April 21, Weimar.] [437] 

nach Standes Gebühr, die Titulaturen zu setzen bitte. 
Ich wünsche das Blatt durch den Boten wieder zurück 
zu erhalten. 

Die guten Wirkungen unserer vierwiöchentlichen 
Abenteuer werden wir erst nach einiger Zeit der Ruhe 
und Sammlung empfinden. 

Leben Sie recht wohl und haben Sie nochmals Dank 
für den treuen Beistand.^ 

An Schiller. — Br. 11, 57, 18-26. 
April 25, Weimar. 438 

[Abends im Theater] ,Egmont^^ 
Tgb. 2, 43, 1. 



15 



SO 



* Schiller antwortete am gleichen Tage: „Das Personen-Ver- 
zeichniss von .Egmcmt' folgt hier speciflcirt und titulirt zu- 
rück. 

. . . IVfontag [26.] Abends, noch voll und tininken von der 
Repi-aesentation des ,EgmontS sehen wir ums wieder" (Schil- 
lers Br. 4, 443), also nicht schon während der Zwischenacte? 
vgl. 262, 17-29. 

* Die In [] vorangestellten Namen zeigen die ursprünglich von 
Goethe geplante Besetzung (nach S. 6 f. des 228, 4—6 ange- 
führten Werkes): 



26 



30 



86 



40 



Personen. 




1796 AprU 26. 


Egmont 

Oranien 

Alba 


[Vohs.J 

[Malcolmi.] 

[Iffland.] 

[Becker.] 

[Haide.] 

[Hof.] 

[Veitheim.] 

[Leissring.] 

[Schall.] 

[EUenstein.] 

[Weyrauch.] 

[Benda.] 

[Beck.] 

[Geuast] 

[Gatto.] 

[ ? ] 

[ ? 1 


Iffland, als Gast. 

Malcolmi. 

Graff. 

Leissring. 

Veitheim. 

Schall. 

Vohs. 

Becker. 

Beck. 

Eilenstein. 

Gatto. 

Halde. 

Weyrauch. 

Genast. 

Benda. 

Becker [-Neumann]. 

Beck. 


Ferdinand 

Gomez 

Silva 

Brackenburg 

Richard 

Vansen 

Buyck 

Raysum 

Soest 

Jetter 

Zimmermeister .... 

Seifensieder 

Clärchen 

Ihre Mutter 



Ueber die Aufführung vgl. K. A. Böttigers »Entwiekelung 



230 EGMONT. 1796 



] [April 20, Weimar.] 439 

'Von Ihrem herzlichen Antheil an der gestrigen Auf- 
führung war ich überzeugt und ich freute mich, Sie 
gegenwältig zu wissen. Warum kann man doch nicht 
oft solche ernsthafte Versuche machen? und wie weit 5 
würde man durch Wiederholung, Uebung, Urtheil und 
Empfindung geleitet werden! 

Wie gern trüge ich manchmal etwas von meinen frü- 
heren Werken vor, wie gern etwas von dem, was mich ge- 
genwärtig beschäftigt, denn was bildet schneller, was 10 
muntert reiner und lebhafter auf, als freundschaftliche 
Theilnahme, und dass es nicht geschah, nicht geschieht, 
sollt« die Ursache bloss in einer trüben Vorstellungsart 



des Ifflandischen Spiels In vierzehn Darstellungen auf dem 
Weimar! sehen Hoftheater im Aprillmonath 1796. . . . Leipzig, 15 
bei G. J. Göschen. 1796* S. 352—376 (dazu Wähle SdGG. 6, 
106 f.). Auf dem Theaterzettel, von dem man ein Faesimile 
in Schillers Werken (Berlin u. Stuttgart Verlag von W. 
Spemann O. J.) 7, 249 findet, ist weder Goethes noch Schil- 
lers Name genannt, es heisst da: „Mit höchster Erlaubniss 20 
wird . . auf dem Hof -Theater in Weimar auf geführet: Eg- 
mont Ein Trauerspiel in drei Aufzügen**; auch über den Ver- 
fasser der Musik, und eine solche wird schwerlieh gefehlt 
haben, verlautet auf dem Zettel nichts; war es die Kayser- 
sche? vgl. Nr. 412; über ihren Verbleib habe ich nichts in 25 
Erfahrung bringen können; die von Reiehardt, componirt 
1791, wurde (nach Reiehardt 1, 618) zuerst in Berlin 1801 auf- 
geführt 

Bei den späteren Aufführungen ist die Dichtung auf dem 
Theater-Zettel meist als „Trauerspiel**, bisweilen auch als so 
„Schauspiel** bezeichnet, immer aber wird die Zahl der Auf- 
züge mit „fünf** angegeben (nicht wie hier mit „drei**). 

Ueber die Frage, ob Goethe der Vorstellung beigewohnt 
habe oder nicht vgl. 262, 2— i. 17—29. 
^ Charlotte v. Kalb hatte sich am gleichen Tage, brieflich, 35 
enthusiastisch über die Vorstellung ausgesprochen und den 
Wunsch geäussert: die Dichtung einmal von Goethe vor- 
lesen zu hören (s. GJ. 13, 55 f.). 



1796 EGMONT. 231 



][April 26, Weimar.] [439] 

Über gewisse Verhältnisse liegen? . . . haben Sie tausend 
Dank für Ihr freundliches Wort.^ 

An Chart, v. Kalb. — Br. 11, 58, 1—13. 16 f. 

6 1797. 

August 21, Frankfurt. — s. Nr. 206. 439 a 

December 15, Jena. 440 

^An Madame Unzelmann, Berlin, ,Egmont' 
10 übersendet. 

Tgb. 2, 314, 23 f. 



* In der Antwort der Adressatin, die unmittelbar oder kurz 
darauf erfolgte, heisst es unter anderm: ,.Ich habe Iffland 
gesagt, wie Sie ihn lobten, wie einzig Sie ihn erkennen und 

16 lieben — das wusste er so noch nicht — glauben Sie mir, 
über die besten Menschen muss immer ein Dritter den an- 
dern die Augen öffnen — und er wurde sehend — und seine 
Seele wurde es, heiter, und er dankte mir, wie er mir noch 
nie gedankt hatte" (GJ. 13, 58). 

20 — Eine Aeusserung Goethes über ,Egmont* (wohl über die 
Weimarer Aufführung) aus den folgenden Monaten scheint 
uns verloren, sie stand in einem Briefe an Marianne v. Ey- 
benberg, wie aus deren Schreiben an Goethe vom 3. August 
1796 hervorgeht: „ . . Sie wollen mir Ober den ,Egmont* et- 

25 was schreiben und das nächstens, wie Sie in Ihrem letzten 
Briefe versprechen** (GJ. 14, 30 f.). 

* Zu 1798: Wegen der von manchen Forschem auf Christiane 
Beckers theatralische Rollen bezogenen (also auch auf ihre 
Darstellung des Glärchen im ,Egmont*, der Marianne in den 

30 .Geschwistern* und der Nichte im ,Gross-Cophta* zu beziehen- 
den) Verse 99 f. in der Elegie ,Euphrosyne* vgl. Theaterreden 
3 unter [1798, Juni 12. 13, Jena]. 
' Friederike Unzelmann in Berlin hatte Goethen am 11. No- 
vember 1800 brieflich um die Schillersche Bühnen-Bearbeitung 

85 gebeten, da sie bei ihrer nächsten Benefiz- Vorstellung das 
Glärchen spielen wolle; Goethes zusagende Antwort vom 22. 
November (vgl. Tgb. 2, 314, 7) ist nicht bekannt; auf sie 
folgte am 3. December ein Dankschreiben der Künstlerin (vgl. 
SdGG. 6, 124 f., GJ. 12, 284 und Br. 15, 336 zu 4330). 



282 BGMONT. 1800 



December 16, Jena. 441 

Sie erhalten, . ., mit vielem Dank für Ihren zweiten 
gefälligen Brief/ das Exemplar ,Egmonts', wie er, 
durch Herrn Ifflands Gegenwart, bei uns möglieh ge- 
worden.* 5 

Ich habe einen Augenblick hineingesehen, um zu über- 
legen, was man etwa zu Qunsten einer Vorstellung noch 
daran thun könnte; allein ich erschrak über die Arbeit, 
die man unternehmen müsste, um etwas daraus zu 
machen, wofür man allenfalls stehen dürfte. lo 

Nehmen Sie ihn also freundlich auf, wie er ist, und 
machen Sie daraus das, was der Autor, zu seiner Zeit, 
nur andeuten konnte. . . haben Sie die Güte, mir das 
]ilanuscript gelegentlich zurückzuschicken.^ 

An Friederike Unzelmann. — Br. 15, 160, 1—14. 15 

1805. 

Mai 1, Weimar. — s. 63, 3. 442 

1806. 

Februai* 24, Weimar. — s. Nr. 543. 443 

Mai 27, Weimar. 444 ao 

[Vormittags?] Auf dem Theater wegen ,Egmont^ 
Tgb. 3. 129, 10. 

][Mai 29V Weimar.]* 445 

Ein ander Mal sollte ,Egmont^, nach Schillers Ein- 
richtung für die Bühne, gegeben werden. Der Meister 25 

» VgL 231. 38. 

» Vgl. Nr. 435-438 und 440. 

' Es ging am 28. April 1801 nach Weimar zuriicli, vgl. den 
Sehluss von A. W. Schlegels Brief an Goethe von diesem Tage 
(SdGG. 13, 106). Die Aufführung, bei der Iffland nicht Bg- so 
mont, sondern Oranien spielte, fand, mit Reichardts Musik, 
am 25. Februar 1801 Statt, vgl. SdGG. 6, 125. 13, 103 (und 
888 zu Brief 63), sowie Teichmann S. 67 und Genast 1, 127. 

* Der Tag ist mit Rücltslcht auf Nr. 446 angesetzt. Auch das 
Jahr ist nicht ganz gewiss; unter 1796 die Stelle einzureihen, 85 
wie in den Gesprächen 8, 167 geschehen, ist unstatthaft, da 
der (234, 3 genannte) Schauspieler Oels erst 1803 nach Wei- 
mar kam; überdless wird Goethe 1796 bei den ersten Pro- 
ben (vgl. 233, 2) schwerlich gefehlt haben, oder, falls er nicht 
anwesend war, so haben jedenfalls Schiller und IfiTland die 40 



1800 EGMONT. 233 



lIMai 29? Weimar] [445] 

war behindert, den ersten Proben davon beizuwohnen. 
Dem Regisseur Genast blieb die Leitung derselben über- 
lassen. Die Schauspieler beklagten sieh im Stillen, dass 

6 sie noch nicht wüssten, wie sie die Volksscene, wodurch 
die Tragödie eingeleitet wird, im Sinne des Dichters 
darstellen sollten. Endlich erscheint Goethe in der 
Probe. Als er das Gewirre sah, worin die Schauspieler 
sich nothdüi-ftig bewegten, rief er: „Halt!'' ging auf 

10 die Bühne und ordnete die Stellung der zunächst Be- 
schäftigten. Damit die Scene an Abwechselung ge- 
winne, Hess er den Seifensieder von der linken Seite 
her auftreten und sich an einen Tisch setzen, der be- 
sonders für ihn servirt wurde. Vansen hingegen er- 

15 hielt die Weisung aus dem Hintergrunde aufzutreten. 
Da merkte man es deutlich, wie durch diese kunst- 
gemässe Gruppirung den Schauspielern das Verständ- 
niss aufging und nim Sicherheit in ihre Leistungen kam. 

erste Volksscene sogleicli angeordnet Gegen das von mir 

so vermutbete Jahr 1806 spricht allerdings zuDüebst auch der 
Name Oels, da dieser Künstler erst von 1807 an den Egmont 
darstellte, 1806 wurde die Titelrolle von Halde gegeben, wäh- 
rend Oels den Braekenburg spielte. Auf 1807 aber passt wie- 
derum nicht die Unsicherheit der Darsteller über Goethes 

35 Absichten bei der ei*sten Volksscene, während dieser Um- 
stand sehr für 1806 spricht, wo, nachdem das Stück 10 Jahre 
lang nicht gegeben worden, die fraglichen Rollen fast durch- 
weg neu besetzt wai-en (1807 dagegen waren die Darsteller 
der Bürger, mit Einer Ausnahme, die gleichen wie 1806); 

80 femer spricht gegen 1807: dass Goethe während der Pro- 
ben im Juli in Karlsbad war und über die Proben im Oc- 
tober Goethes Tgb. schweigt, dagegen spricht für 1806: 
sowohl Nr. 444 und 446, als auch Goethes Abwesenheit wäh- 
rend der ersten Proben (Z. 2), die man zwischen Mai 16 

86 und 20 setzen möchte, wo Goethe in Jena war. 

Karl Eberwein hat »eine Erinnerungen an Goethe als Thea- 
terdirector im hohen Alter veröffentlicht, und wenn er dabei: 
Oels geschrieben haben sollte, statt: Haide. ao wäre dieser 
Irrthum um so begreiflicher, als Oels von 1807 an dauernd der 

40 Darsteller Egmonts blieb, während Halde die Rolle nur zwei- 
mal gespielt hatte im Jahre 1806, zu einer Zeit, wo Eberv^-ein 
noch nicht 20 Jahre alt war. 



234 



EGMONT. 



180<5 



J[Mai 29? Weimar.] [446J 

In der Scene zwischen Herzog Alba (Graff) und 
Egmont (Oels^) bemerkte Goethe: „Lieber Graff, Ihre 
Gesticulationen wären ganz gut, wenn sie dabei nicht 
das Gesicht verdeckten, das man nur in besonderen 
Fällen dem Zuschauer verbergen soll. Spielen Sie 
statt mit dem rechten Arme mit dem linken, so bleibt 
Ihr Gesicht frei und Ihre Mimik geht dem Publicum 
nicht verloren. Auch ist es angemessener, die Worte, 
welche Alba an Egmont, der zu seiner Linken steht, 10 
richtet, mit der linken Hand vorzugsweise zu unter- 
stützen." Graff verneigte sich und sagte: „Sehr wohl, 
Excellenz!" 

Mit den Darstellern des .Egmont*. — Gespräche 8, 167 f. 
(Karl Eberwein: , Goethe als Theaterdireetor* in »Europa. 15 
Chronik der gebildeten Welt für das Jahr 1856. Herausge- 
geben von F. G. Kühne. Leipzig . . 1856* Xr. 17 Sp. 477 f.) 
Mai 29, Weimar. 446 

Abends Probe von ,Egmont\ 
Tgb. 3, 129. 14 f. 20 

Mai 31. Weimar. 447 

Vorstellung von ,Egmont^^ 
Tgb. 3. 129, 18 f. 



^ Statt „Oels" ist, nach dem in der vorhergehenden Erl. Gesag- 
ten, wohl „Haide" einzusetzen. 25 
' Die Rollenbesetzung war folgende: 



90 





180A 


1807 


1809 


1813 


1819 


Personen. 


Mai 31. 


Aug. 11. 16. 


Januar 18. 


Dec. 1. 


Mär« 27. 


Egmont . . 


Haide. 


Oels. 


Oels. 


Oels. 


Geis. 


Uranien • 


Malcolmi. 


Malcolmi. 


Malcolmi. 


Haide. 


Haide. 


Alba . . . 


Graff. 


Graff. 


Graff. 


Graff. 


Graff. 


Ferdinand . 


Wolff. 


Lortzing. 


Lortzing. 


Durand. 


Durand. 


Richard . . 


Lortzing. 


Strobe. 


Stromcyer. 


Wiz^l. 


Ströber. 


Gomez . . . 


Strobe. 


Morhardt. 


Unzelmann. 


Molke. 


Molke. 


Silva . . . 


Deny. 


Deny. 


Deny. 


Deny. 


Pistor. 


Brackenburg 


Oels. 


Wolff. 


W^olff. 


Wolff. 


Deny. i 


[Vansen . . 


Becker. 


Becker. 


Becker. 


Unzelmann. 


Hunnius. 
Holdermann.] 


Buyck . . . 


Genast. 


Genast. 


Genast. 


Genast. 


Raysam . . 


Eilenstein. 


Eilenstein. 


Eilenstein. 


Eilenstein. 


Agricola. 


Soest . . . 
fetter . . . 
Zimmermann 


Werner. 


Reinbold. 


Haide. 


Triebler. 


Uschmann. 


Unzelmann. 


Unzelmann. 


Strobe. 


Lortzing. 


Lortzing. i 


Dirzka. 


Dirzka. 


Röpke. 


Malcolmi. 


Schultze. 


Seifensieder 


Rötsch. 


Rötsch. 


V 


Mayer. 


Lenke. 


Clärchen. . 


Wolff. 


Wolff. 


Wolff. 


Wolff. 


Jagemann. 


[ihre Mutter. 


Beck. 


Beck. 


Beck. 


Beck. 


Holdermann. 



35 



40 



45 



Vgl. 245, 35—246, 19. — Als Nr. 445 a ist die versehentlieh 
ausgelassene Aeussening aus den .Gesprüchen* 8, 169 einzu- 
sehallen. 



18(Kj EGMONT. 2;^o 



Juni 20, Jena. — s. Nr. 209. 448 

Juli 4. Karlsbad. 449 

[Vor Mittag] ,Egmont^ erster Act.^ 

Tgb. 3. 134, 16 f. 

5 ?Juli 17. X 

?Juli 29,1 Karlsbad. — s. Nr. 210—212. 449 a-c 

?Juli 31, 1 

August 18, Jena. — s. Nr. 213. 440 d 

August 19, Jena. — s. 136, 4. 450 

10 "'September 2, ) 

l Weimar. — s. Nr. 2ir». 21(5. 450 a. b 

October 24, j 

October 26, Weimar. — s. 137, 17. 451 

October 27. 1 

l Weimar. — s. Nr. 218. 219. 451 a. b 

Oetol>er 28, | 

15 November 12, W^eimar. 452 

Vui endlich doch auch etwas zu sagen, fasste ich 
[Schütze] mir ein Herz^ und äusserte gegen Goethe, da 
man seines ,p]gmonts* erwähnte, dass die Lichterschein- 
ung Clärchens zuletzt dem Stück erst eine höhere Be- 
20 deutung gäbe, indem sie das Verdienst I^monts lun die 
ganze Nation der Niederländer in seinen Folgen aus- 
spräche. Schiller hatte sich, wie bekannt, gegen die 
Erscheinung erklärt. Goethe lobte mich über mein Lob 
und sagte, dass er das Stück auch nicht ohne die Er- 
25 scheinnng sehen möchte.' 

Mit Steph. Schütze. — Gespräche 2, 130 (»Weimars Al- 
bum zur vierten Säeularfeier der Buchdruckerkunst am 24. 
Juni 1840. Weimar, gedruckt In der Albrecht* sehen privil. 
Hofbuchdruckerei* O. J., S. 186). 



30 ^ Wahrscheinlich Durchsieht für den Druck lu Band 5 der 
Werke Cotta»; so vielleicht auch in Nr. 449 a— c. 450 a [= 210 
-212. 215]. 
* Schütze war an diesem Abend zum erstenmal mit Goethe 
zusammen (bei Jolianna Schopenhauer; ausser ihm und Goethe 
36 waren noch anwesend Femow, Heinrich Meyer und Ridel). 
» Vgl. 236, 7—10. 33-36. 261, 16-21. 265, 30~ 266, 3. 



236 EGMONT. 1806 



December 8, i 

Decenibor 8, Weimar. — s. Xr. 220—222. 452 a— c 

December 9, I 

[December 24, Weimar.]* 453 

Zugleich bedauerte er, das.s es nicht möglich gewesen 6 
sei, mich [Schmidt] während meines Aufenthalts sei- 
nen ,Egmont^ sehen zu laÄsen. Ich hätte dabei abneh- 
men können, auf welche sinn- und eflEectvoUe Art Clär- 
chens Erscheinung am Schlüsse, die er nun beschrieb, 
plastisch bewirkt würde.' Ich fragte ihn hierauf, ob lo 
daß Stück noch mit den Abänderungen in Weimar 'ge- 
geben würde, wie sie mir von Ifflands Gastspiel her, der 
1796 den Egmont als Gast gab, erinnerlich waren. Qoethe 
fragte, worin sie bestanden hätten. Ich erwähnte nur 
die eine, dass nemlich bei der Unterredung Egmonts mit i6 
Ferdinand im Kerker, im fünften Act, auch Alba im 
weiten schwarzen Gewände mit der Capuze über den 
Kopf herabgezogen imd dem Henkerschwert an der 
Seite gegenwärtig gewesen sei, und dass dann Egmont 
bei einem Ausbruch seines Unmuths (es war bei der «o 
Rede: „Und ich falle ein Opfer seines (Albas) niedrigen 
Hasses, seines kleinlichen Neides. Ja, ich weiss es und 
darf es sagen, der Sterbende, der tödtlich Verwundete 
kann es sagen, mich hat der Eingebildete beneidet, mich 
wegzutilgen hat er lange gesonnen und gedacht") noch » 
die Worte hinzugefügt habe: „Ja, ich darf es sagen, 
und wenn Herzog Alba selbst es hören sollte", womit er 
Alba die Capuze vom Gesicht herabriss und dieser in 
seines Nichts durchbohrendem Gefühle dastand. „Ja," 
erwiderte Goethe, „ich erinnere mich, dass es damals so 



» Tgb. 3, 183, 21 vom 24. December: „[Vormittags] Schmidt 
von Wien in Theaterangelegenheiten." 

* Diese Erscheinung war bei der Auffühnmg von 17D6 den 
Zuschauem nicht „plastisch** sieht l>ar gemacht, sondern von 
IfiTlaiid nur pantomimisch angedeutet worden, vgl. das 229, 
42 f. geu,*innte Wi'i k S. 300—373. sowie 2r,l. 10 f. 205. 30 f. u. 
Nr. 452. 



180<3 EGMOXT. 2:\1 

(December 2i. Weimar.] [453J 

SO arrangirt war und zwar von Schiller selbst.^ In 



^ Diese Ei'zähluug »timmt Ubei*ein mit dem, was Bütti>;er als 
Augenzeuge alsbald nach der Aufführung berichtet hat: „Man 

5 könnte vielleicht zweifeln, ob die Mummerei, in welcher nach 
einer Umilndcioing des Stücks, wie es hier aufgeführt wurde, 
Alba selbst mit der Wache in*s Gefüngnlss eintritt, und daun 
am Ende [?] von dem auf ihn einddngenden Egmont durch 
Wegreissuug des schwaiv.en Casquets entlarvt wird, ob dic- 
lo ser ganze Theaterstreich im stolzen (.'harakter des unbie^r- 
samen Alba gedacht sei. Viele fanden ihn unwahrscheinlich. 
Doch dem sei, wie ihm wolle. Der Schauspieler liattc nur 
die ihm gegebene VorschHft [also doch die Vor-^ichrift Schil- 
lers!] zu befolgen, und so war die Art, wie Iffland den 

15 schwarz verkappten Alba mit verwundender Rede angriff und 
mit Jedem Worte einen Dolch in die Brust stless, voll male- 
rischer Wirkung, . .** (S. 3a3— 366 des 229, 42 f. genannten 
Buche&) 
Ein anderer Augenzeuge, Anton Genast, berichtet: „ . . das 

20 an und für sich schon Grelle wünschte er [Schiller] öfters 
noch greller hervorgehoben. Dass Alba im ,Egmont' im fünf- 
ten Act als Henker mit grossem rothen Mantel und Üef in's 
Gesicht gedrücktem Hut ersclieinen musste, geschah auf seine 
Anordnung*, wozu Eduard Genast bemerkt: „Emil Palleske, 

25 . . ist falsch berichtet worden, wenn er . . anführt, dieser 
Theatercoup stamme von Goethe oder IfHand: thatsächlich 
ist er von Schiller; und unser Veteran (5 raff, der der erste 
Darsteller des Alba war und ihn noch in den dreissiger Jah- 
ren spielte, liess sich diesen Theatercoup weder von der In- 

30 tendanz, noch von der Regie nehmen und erwiderte stets: 

,Schiller hat es so gewollt!* Goethe war damit einverstanden 

und beide wussten recht gut, was sie thaten*' (Genast 1, 

112 f.). 

Die Angaben des älteren <^enast stehen, was den „rothen** 

36 Mantel und den „Hut** betrifft, mit den Erzählungen Schmidts 
und Böttigers in Widerspruch und beruhen In diesen Fimc- 
ten wohl auf Irrthum oder Ungenauigkeit des Erzählers; da- 
gegen bestätigen sie die Berichte Böttigers und Schmidts, 
ebenso Goethes Worte zu Fouqu6 (s. 261, 26—29) in dem, wo- 

40 rauf es hier ankommt (und wir müssen es als nicht bestreit- 
bare Thatsaehe, die uns freilich wie eine unbegi-eifliche Ge- 



238 EGMONT. 1S0(» 



[December 24, Weimar.] [468] 

Schillersche Stücke hätt" es auch wohl gepaust; allein 

schmacksverirrung erscheint, liimiehmeu) : Alba-Graff Ist als 
Veniiummter Im Gefüugniss erschienen, Egmaut-IITland hat 
Ihm mit eigener Hand die Verhüllung vom Augesieht geris- 5 
8en. Möglich bleibt immer, dass Schiller sich zu dieser An- 
ordnung (die, was Albas Erscheinen im Kerker betrifft, in 
Nr. 513 durch Goethe ausdrücklich bestiltigt wird) erst durch 
Iffland hat bereden lassen, denn in Schillers Bearbei- 
tung steht von alle dem kein Wort. In der Büh- lo 
nenanweisung vor der Gefängniss-Scene (sie folgt bei Schiller 
unmittelbar Egmonts erstem Monolog und Einschlafen, wess- 
halb die auf den Schlaf Egmonts bezüglichen Vorschriften 
gestrichen sind) hat Schiller nach „begleitet von (»ewaffue- 
ten." hinzugefügt: „Ein Vermummter im Hintergründe"; so- 15 
dajin nach Egmonts Worten: „Bringst du den Henker auch 
mit es zu vollziehen?" schreibt Schiller vor: „(Er sieht den 
Vermummten an, der näher tritt. )*'; auch in den nüchstf olgen- 
den Worten Egmonts bringt Schiller eine Vorschrift an, zu- 
gleich ist ein kleiner Satz gestrichen: „So ziemt es euch und so 
euerm schändlichen Beginnen! In Nadit geblutet und in Nacht 
vollführt. (Auf den Vermummten die Augen heftend.) — Tritt 
kühn hervor, der du das Schwert verhüllt unter dem Man- 
tel trägst; hier ist mein Haupt, . .** Weiter geschieht des Ver- 
mummten keinerlei Erwähnung; am Schluss dos Auftritts 25 
heisst es, genau wie im Original: „Silva mit dem (refolge 
geht ab. Es bleibt Ferdinand und zwei Fackeln'*, so dass 
bei den 236, 21—25 von Schmidt angeführten Worten Eg- 
monts zu Ferdinand der Vermummte gar nicht mclir auf der 
Bühne ist (man muss also annehmen, dass \\e\ der Auffüh- so 
rung entweder der Vermummte nicht mit Silva abging, son- 
dern blieb, oder dass Egmonts Worte vor Silvas Abgang ver- 
legt wurden). Wir sehen: das Erscheinen eines Vermumm- 
ten oder doch einer Gestalt mit verhülltem Schwerte war 
schon von Goethe angenommen, wenn auch niclit in der 85 
Bühnenanweisung aufgeführt; Schiller fügte nur scenische 
Vorschriften über diese stumme Person hinzu. „Wie man 
sieht, findet sich durchaus keine Andeutung, dass dieser 
Vermummte, den Schiller eingeführt hat [vgl. aber Z. 33— 
36] und der nur den Henker Vorstellen kann, Alba selbst 40 
sein sollte. . . . Wohl möglich, dass Iffland diese Seltsamkeit 



1806 EGMONT. 239 



[December 24, Weimar.] [453] 

das ist mein Gtenre nicht." Diess ganz seine eigenen 
Worte. 

Mit H. Sclimidt. — Gespräclie 2, 124 f. (»Erinnerungen 
6 eines weimarisohen Veteranen aus dem geselligen, literai'I- 
schen und Theater-Leben. . . . Von Heinrich Schmidt. Leip- 
zig: F. A. Brockhaus. 1856' S. 160 f.) 

1807. 

[Januar 2, Weimar.]* 454 

10 Bei'm Abschied von Weimar drang ich [Schmidt] 

mit der wiederholten Bitte in Goethe . ., in diesem Som- 
mer nach Wien zu kommen, . . Er sagte die Erfüllung 
der Bitte halb zu, sowie er auch versprach, einige seiner 
Stücke^ für Wien bearbeitet zu schicken. 
16 Mit H. Schmidt — In dem Z. 4—7 angeführten Werke 

S. 163 (fehlt In den .Gesprächen'). 
Januar 23, Weimar. — s. Nr. 223. 454 a 



erdachte, um „Effect zu machen" und Schiller wie Goethe 
Ihm nachgaben, so viel wenigstens ist gewiss, dass bei den 

30 nachfolgenden Aufführungen dem Vermummten das Casquet 
nicht abgerissen wurde, sein Gesicht also immer bedeckt 
blieb" (Diezraann S. 116 Anm. 1 des 228, 4—6 genannten 
Druckes). Der Ansicht, dass Iffland Schuld sei, sind unter 
andern auch Düntzer (Erläuterungen 7, 161) und Schrüer 

25 (WK. 8, 508); vgl. auch die bei Hempel erschienene Ausgabe 
' von Schillers Werken 16, 417 f. 
* Datirt nach Tgb. 3, 185, 5 vom 2. Januai*: „War der junge 
Schmidt von Wien zu Tische"; da Schmidt, im Tgb. weiter- 
hin nicht genannt, angibt, er sei „nur sechs Tage" in Wei- 

80 mar geblieben (an dem Z. 4 — 7 genannten Ort S. 159; dass 
die Angabe nicht ganz genau ist, beweist Tgb. 3, 183, 21. 
185, 5), so wird die Datlrung wohl richtig sein. 
' Der Ausdruck „die verlangten Stücke" 240. 2 lässt bei- 
nahe vermuthen, dass Goethes mündliches Versprechen am 

8f 2. Januar nur allgemein gehalten war und verabredet wurde: 
Sclimidt solle von Wien aus die dort gewünschten Stücke 
nennen, was dann geschehen sein wird; doch mag. Im An- 
schluss an das Gespräch über .Egmont* (s. Nr. 453) dieser so- 
gleich schon in Auseicht genommen worden sein; vgl. Nr. 456. 



240 EGMONT. 1807 



März 27, Weimar. 45Ö 

Die verlangten Stücke^ lasse ich abschreiben und 
werde mir ein Vergnügen machen, damit zu dienen. 
An H. Schmidt. — Br. 19. 290. 5 f. 
April 3, Weimar. — 455 a 5 

s. ,Götz V. Berliohingen* ugD. (an H. Schmidt.) 
Mai 3, Weimar. 456 

Sie erhalten, werthester Herr Schmidt, durch Herrn 
Haide, den ich Ihnen nicht zu empfehlen brauche, drei 
Stücke: ,Egmont', ,Stella' und ,Das RäthseP. Ich 10 
wünsche, dass etwas davon brauchbar sein möge.* 
An H. Schmidt. — Er. 19, 320, 1-4. 
Mai 4, Weimar. 457 

Drei Theaterstücke: ,Egmont*, ,Stella*, ,ßäthsel* an 
Herrn Heinrich Schmidt nach Wien abgeschickt durch u 
Herrn Haide.' 

Tgb. 3. 207, 19-21. 
Mai 4, Weimar. 458 

[Brief und Sendung an] Schmidt, [nach] Wien: Thea- 
terstücke [s. Xr. 456]. 20 
Tagebuchnotizen 1807. — Br. 19, 544. 
August 28, Karlsbad. 459 
Indem ich Ihnen, mein werthester Herr Müller, 
Ihre Vorlesungen zurückschicke,* möchte ich diese Hefte 



^ Vgl. Z. 10, ausser den dort genannten drei Stüclten noch 96 
.Götz von Berliohingen*, vgl. diesen unter 1807 April 3 (an 
H. Schmidt). 

' Vgl. Nr. 455. .Das Räthsel*, Lustspiel in einem Aufzug von 
Karl Wilhelm Contessa. 

» VgL Nr. 456. so 

* Goethe hatte sie handschriftlich vier Wochen vorher in Karls- 
bad erhalten, seit dem 29. Juli sich mit ihnen beschäftigt 
(Tgb. 3, 249, 27) und am 10. August über sie an Frau v. 
Stein geschrieben: „Auch habe ich . . mehrere der MüUer- 
sohen Vorlesungen erhalten, worin manche zwar sonderbare, 55 
aber doch immer heitere und freie Ansieht zu finden Ist" 
(Br. 19, 386, 18—21); sie erschienen gedruckt In ,Adam Mül- 
lers vermischten Schriften über Staat, Philosophie und Kunst. 



1804 EGMONT. 241 



[ÄugoBt 28, Weimar.) j459] 

gern mit etwas Freundlichem und etwas Bedeutendem 
begleiten. Das erste wird mir leicht, das zweite im 
gegenwärtigen Augenblicke schwer; doch können Sie 

5 ja selbst wissen, was ich Ihnen auf beide Weise zu 
sagen hätte. Der Schauspieler fühlt nicht lebhafter, 
dass er eines wohlwollenden Zuschauers bedarf, als 
wenn er eben abtreten will, der Dichter, wenn das 
Stück zu Ende geht; und so will ich gern bekennen, 

10 dass es mich sehr freut, an Ihnen einen wohlwollend 
Theilnehmenden zu wissen imd zu hinterlassen. Die 
Welt thut ihr Möglichstes, uns gegen Lob und Tadel 
gleichgültig zu machen; aber es gelingt ihr denn doch 
nicht, und wir kehren, wenn wir günstige und zu- 

15 gleich im Ganzen mit unsem Ueberzeugungen zusam- 
mentreffende TJrtheile vernehmen, inmier gar zu gern 
aus unserer Resignation zum Qenuss zurück. 
An Adam MüUer. — Br. 19, 401, 16-402, 9. 
August 80, Karlsbad. — s. Nr. 224. 459 a 

20 September 21, Weimar. 460 

^Die gute Aufnahme meiner Stücke hat mir eine 

Zweiter Theil. Wien 1812, in der Camesina'schen Buchhand- 
lung' S. 1—260 unter dem Titel ,Ueber dramatische Kunst. 
(Vorlesungen geh. zu Dresden 1806.)*; hier ist S. 26—31. 149 f. 

25 153 f. von ,EgmontS S. 154 von ,Proserpina* die Rede. Die 
.Vorlesungen über die deutsche Wissenschaft und Literatur, 
von Adam H. Müller' hatte Goethe schon 1806 kennen ge- 
lernt (vgl. Tgb. 3, 126, 12 f., SdGG. 14. 327 f., G.-Stein 2. 635 
Anm. 4 zu S. 387); auch diese beschäftigen sich mit ,Egmont* 

30 (Zweite Auflage. Dresden 1807. S. 182—185), femer mit ,Faust* 
(S. 168. 170) und .Torquato Tasso' (S. 166. 178—182). 
* Bei dem Gastspiel der Weimarischen Hof Schauspieler in 
Leipzig 1807 Mai 24— Juli 5 und August 4—31 wurden von 
Goethes dramatischen Dichtungen gespielt: 



1. Egmont (Aagust 11. 16) ; 
9. Götz (Juni 30); 
3. Iphigeuie (Mai 29, Juni 26, 
Aniirast 81); 



5. Laune des V. (Augrnst 29); 

6. Mitschuldigen (Mai 28, Aug. 29) ; 

7. Natürliche Tochter (Aug. 9B); 

8. Stella (Juni 12, Aug. 24); 



4. Jery u. Bätely (August 18) ; i 9. Torquato Tasso (Juni 3, Aug. 4). 

Das Fehlen des »Clarigo* kann auffallen, es war aber wohl 
veranlasst durch Rochlitzens briefliche Aeusserung an Kirnis 
Graf, Goethe über s. Dichtungen T. II, B. 1. 16 



242 EGMOXT. 1804 



[September 21, Weimar.] [460] 

besonders angenehme Empfindung gemacht. Ich dachte 
wohl, dass sie auch einmal Epoche haben könnten, aber 
nach der Lage des deutschen Theaters glaubte ich's 
nicht zu erleben. Artig ist es, dass sogar das kleine 6 
Schäferspiel [,LÄune des Verliebten^], das ich 1768 in 
Leipzig schrieb, auch noch auftauchen musste und gut 
empfangen ward. 

An Roehlitz. — Br. 19, 413, 19—25. 

September 21, Weimar. 461 10 

[Morgens?] Nebenstehende Briefe abgesendet. An 
Hn Jlath Roehlitz nach Leipzig (wegen der Thea- 
tersache). . . . [s. Nr. 460.] 
Tgb. 3, 277, 1&-20. 

September 29, Weimar. 462 15 

Morgens WolfE wegen einiger Theaterangelegenheiten, 
welcher die Beurtheilung der Weimarischen Hofschau- 
spieler in Dycks ,Bibliothek der redenden und bilden- 
den Künste^ 4. Bandes 1. Stück mitbrachte.^ 

Tgb. 3, 280, 8-12. 20 



(etwa von Anfang Mai): „Durch Goethes und Schillers Werke 
würde Ihre Gesellschaft vorzüglich Glück machen; die ersten 
hat mau, den .Clavigo' ausgenommen, gar nicht, . . auffüh- 
ren sehen" (SdGG. 6. 288 f.). 

Roehlitz berichtet über das Gastspiel ausführlieh an Goethe 25 
in Briefen Mal 30, Juli 4 (Goethes Antwort auf diesen s. 
.Götz V. Berlichingen* unter 1807 Juli 27) und August 30; 
in letzterem Briefe, auf den Obiges die Antwort, werden die 
beiden Vorstellungen des ,Bgmont* eingehend besprochen (s. 
G.-Rochlitz S. 59—62). Vgl. auch Nr. 462; die Besetzung der so 
Rollen s. 234. 29-45. 
* Die genannte, in der Dyckschen Buchhandlung zu Leipzig 
erscheinende, Zeitschrift brachte in 3 (2), 403—442 ein ano- 
nymes ,Schreil>en an Herrn Prof. M. in Br. lieber einige Vor- 
stellungen der Weimarischen Hofschauspieler zu Leipzig*, 85 
sodann In 4 (1). 46—100, ebenfalls anonym, ein »Zweites Schrei- 
ben über einige Vorstellungen der Weimarischen Hofschau- 
apleler*. Der Anonymus bewundert Wolff (Brackenburg) als 



18(H EGMONT. 243 



October 28, Weimar. 468 

Abends ,Egmont'.^ 
Tgb. 3, 290, 4 f. 

December 16, Jena. — s. Nr. 225. 463 a 

& 1808. 

August 7, Karlsbad. — s. Nr. 92. 463 b 

October 16, Weimar. 464 

Herrn Schmidt danke in meinem Namen für die ge- 
fällige Aufnahme im Theater. Biete ihm die Manu- 
10 Scripte von ,Qötz', ,Egmont^, ^Stella' an, sie hätten sie 
längst gern gehabt.^ 

An Christiane. — Br. 20, 183, 19—22. 



„einzig auf allen deutschen Theatern", erkennt auch Frau 
Wolff (Clärchen) an, doch sei sie, was das Aeussere betreffe, 

15 nicht mit Christiane Becker zu vergleichen, ihre Scenen mit 
Brackenburg seien erschütternd gewesen; Oels (Egmont) 
spiele „ganz in dem Sinne des Dichters", Halde habe „k la 
Schiller", „heldenmässlger" gespielt [Egmont 1806], Oels 
spiele ,.ä la Goethe"; Malcolmi (Oranlen) sei viel zu alt für 

20 die Rolle, habe einen „viel zu welchen und bürgerlichen Ton"; 
Graff (Alba) „ein wenig gar zu pathetisch", „orgelmässiges 
Betonen der Silben" (d. h. Predigerton); Lortzing (Ferdinand) 
wird gelobt (vgl. auch GJ. 23, 132), die Volksscenen werden 
bewundert. Der Recensent schlägt vor: das Stück nicht ,Eg- 

25 mont* zu betiteln, sondern ,Albas Ankunft in den Niederlan- 
den*, da Egmonts Charakter nicht die Handlung des Stücks 
bewirke. Ueber das Gastspiel vgl. Nr. 460, die Besetzung 
der Rollen s. 234, 2^—45. 

* Goethe scheint der Vorstellung nicht beigewohnt zu hal»en 
80 (im Tgb. folgen die Worte: „War Ich mit Hofrath Meyer zu 

Hause"). Die Rollen waren besetzt wie am 11. August, s. 284, 
29—46, mit Ausnahme von Richard (Stromeyer), Soest (Hess) 
und Jetter (Strobe). 

• Goethes Frau befand sich zur Zeit in Frankfurt, um den 
85 Nachlass seiner, am 13. September entschlafenen, Mutter zu 

ordnen. Schmidt war ein Mitglied des aus sieben Personen 
bestehenden Directoriums des Frankfurter Nationaltheaters 
(vgl. SdGG. 4, 383 zu 168, 14). 



244 



BGMONT. 



1809 



1809. 

Januar 18, Weimar. 465 

Abends ,Egmont^* 
Tgb. 4, 5, 23 f. 
Mai 5, Jena. 460 5 

Mittwoch könnte allenfalls ,Egmont' gegeben werden; 
sie waren ja schon darauf vorbereitet.* 
An Christiane. — Br. 20, 325, 7—9. 
][nach October 10, ?] 467 

[Zu 1773—1778.] lo 

8. 



Eigner Verlag. Druck desselben. 
Klopstock. Lavater. 



,Berlichingen*. 
,Werther^ 
Bekannt, gesucht i^ 
werden. 



10. Rückkehr [aus 
der Schweiz]. 
,Egmont'. »Stella^ 20 

11 

,Lila^ jTriumph der [Empfind- Stoffartige Wir- 

samkeit*] . ,Mitschuldigen^ kung. 

Schema zu .Dichtung und Wahrheit*. — W. 29, 251, 2& 
5-7. 13. 252. 7. 



» Die Besetzung der Rollen s. 234, 29—45. Die Aufführung war 
Rchon für Ende Deceniber geplant gewesen (vgl. Riemer- 
Frommann S. 137). 

• Es geschah so; In der Vorstellung am Mittwoch 10. Mai 30 
spielte IJnzelmann zum erstenmal den Vansen (Becker war 
Ostern 1809 abgegangen), der neu angestellte Moltke den Go- 
mez; sonst blieb die Besetzung der Rollen wie am 18. Januar 
(s. 234, 29—45). Goethe war zur Zeit noch in Jena. Xaeli Zacha- 
rias Weniers Brief an Goethe vom 22. August dieses Jahres 8& 
(SdGG. 14, 39 f.) möchte man als sicher annehmen, dass 
Werner einer der Vorstellungen, am 10. Mai oder 18. Januar, 
beigewohnt hal>e, sein Tagebuch enthalt nichts darüber. 



1809 BGMONT. 245 

October 25. Weimar. 468 

Abends Vorstellung von ,Egmont*.* 
Tgb. 4. 73. 8 f. 

1810. 

6 ][Mai Ende, Karlsbad, oder aus späterer Zeit.] 469 

[Zu 1775.] Dämonisches, ,Egniont^ . . . 



. . . Coneeption des Dämonischen. Conception ,Eg- 
montß^ . . . 

Schemata zu ,Dichtung und Wahrheit* Buch 20. — W. 
10 29, 247. 

October 31, Weimar. 470 

Abends Vorstellung von ,Egmont^* Nach derselben 
zu Frau von Berg. 
Tgb. 4, 163. 25 f. 

15 ] [November 1. Weimar, oder später?] 471 

*Im ,Egmont* sei die Partie des griechischen Chors 



» Die Besetzung der RoHen wie Mal 10 (vgl. 244, 30—34). 
' Die Besetzung der Rollen wie 1809 Mal 10 (vgl. 244, 30—34), 
nur wurde der Zimmermann nicht von Röpke. sondern von 
20 Frey gespielt. 

* Riemer erzählt über ,Egmont': „Das Stück wieder in seiner 
ersten Gestalt, mit geringer Aendeiyng auf die Bühne zu brin- 
gen, machte Ich mit meinem Freunde Plus Alexander Wolff 
einen Entwurf, der Goethen keineswegs missfiel; er blieb aber 
25 liegen durch die Gewalt der Zeitumstände des Krieges, und 
den Abgang des Freundes zur Berliner Bühne. Nur eins sei 
erlaubt hinzuzufügen aus Goethes Betrachtungen über den 
Chor" (Riemer 2, 551), hierauf folgt das Obige. 
Da Wolff und Riemer, nahezu gleichzeitig, im Spätsommer 
so und Herbst 1803 nach Weimar gekommen sind, so bildet diese 
Zeit bei der Datirung die Grenze nach rückwärts, wie Wolffs 
Weggang von Weimar, 1816 Ende März, die Grenze nach vor- 
wärts. 1810 November 1 ist mit Rücksicht auf 246, 30 f. an- 
genommen, vgl. aber 254. 31—36, Nr. 504 und Riemers Angabe 
86 „oder später** (246, 31); überdiess ist zu sagen: das Nächstlie- 
gende wäre die Annahme, der Gedanke einer neuen schonen- 
deren Bühnen-Bearbeitung sei beiden Männern gekommen 



246 . EGMONT. 1810 



] (November 1, Weimar, oder später?] [471] 

unter die zwei Liebenden, unter Clärchen und Albas 
Sohn vertheilt. Die&e stellten denselben vor; das eigent- 
liche Volk sei, wie gewöhnlieh, ohne Theilnahme.^ 

Mit Riemer (und P. A. Wolff ?). — Gespräche 8, 188 (Rie- 6 
mer 2, 552). 
November 1, Weimar. 472 

Bei Tische Ueberlegung [mit Eiemer], ob man ,Bg- 
mont^ nicht ganz spielen solle.^ 

Tgb. 4, 164, 2 f. 10 

1811. 

][Juiii 25. Karlsbad.] 473 

*Die mir zugedachte Musik zu ,Egmont* werde ich 

unmittelbar oder bald nach dem Eindruck der ersten Auf- 
fUhiung, die sie erlebten, das heisst 1806 Mai 31; danach und 15 
mit Rücksicht auf die „Gewalt der Zeitumstände** (245, 25), 
wobei an die Katastrophe vom 14. October 1806 zu denken 
wäre, möchte Goethes Aeusserung 1806 zwischen Juni und 
Anfang October anzusetzen sein. 

* In Schillers Bearbeitung hatte das Volk als Chor eine 20 
Bereicherung an typischen, wenn auch stummen, Gestalten 
erfahren, indem Schiller den vorhandenen Figuren des Krä- 
mers Soest, des Schneiders Jetter, des Zimmermeisters und des 
Seifensieders noch hinzufügte: „Fabrikant, Bäcker, Barbier, 
Metzger, Lastträger, drek Fischweiber'% mit der Bemerkung: 25 
„sprechen nur im Chor und machen den Auflauf" (S. 7 des 
228, 4—6 genannten Druckes). 

■ Das heisst: nicht in Schillers abkürzender Bearbeitung. Rie- 
mer berichtet unter gleichem Datum: „Bei Tisch Ueberleg- 
ung, ob man ,Egmont' nicht unabgekürzt geben sollte? Ich so 
habe lun die Zeit oder später einen Entwurf gemacht, wie 
die Seenen folgen sollten, und die Herzogin von Parma blieb 
wie im ersten Original" (Riemer 2, 715). Vgl. Xr. 471 und 
Nr. 495. 504. 521. 

• Beethoven schrieb 1811 Februar 10 an Bettina Brentano: 35 
„ . . ich bin eben im Begriff, ihm [Goethe] selbst zu schrei- 
ben wegen ,Egmont', wozu Ich die Musik gesetzt, und zwar 
bloss aus Liebe zu seinen Dichtungen, die mich glücklich 
machen, . ." (GJ. 1, 374), dann zwei Monate später, April 
12, an Goethe: „Sie werden nächstens die Musik zu ,Eg- 40 



1811 EGMONT. 247 

][Jimi 25, Karlsbad.] [478] 

wohl finden, wenn ich nach Hause komme, und bin 
schon im voraus dankbar: denn ich habe derselben 
bereits von mehrei-n rühmlich erwähnen hören; imd 

5 gedenke sie auf unserm Theater zu Begleitung des 
gedachten Stückes diesen Winter geben zu können, wo- 
durch ich sowohl mir selbst, als Ihren zahlreichen 
Verehrern in unserer Gegend einen grossen Genuss zu 
bereiten hoffe.^ 

10 An Beethoven. — Br. 22, 116, 10—18. 



uionf von Leipzig durch Breitkopf und Hiirtel erhalten, die- 
sen herrlichen ,£gmont*, den ich, indem ich ihn eben so warm 
als ich ihn gelesen, wieder durch Sie [B. schreibt durchweg: 
sie] gedacht, gefühlt und in Musik gegeben habe — ich wün- 

16 sehe sehr Ihr Urtheil darüber zu wissen, auch der Tadel wird 
mir für mich und meine Kunst erspriesslich sein und so gern 
wie das grösste Lob aufgenommen werden — ** (,Neue Beetho- 
venlana von Dr. Theodor Frimmel. Neue Ausgabe mit zwei 
ungedruckteii Briefen Beethovens an Goethe, . . Wien, 

20 C. Gerolds Sohn 1890* S. 350). Diesen Brief, auf den Nr. 473 
die Antwort ist, liess Beethovens Freund v. Oliva dem Dich- 
ter am 2. Mai 1811 ül)ergeben, als er sich bei ihm in Weimar 
zum Besuch anmeldete (vgl. Tgb. 4, 202, 7 f. 394); zehn Tage 
später. Mal 12, trat Goethe seine Reise nach Karlsbad an. 

26 * Ob Goethe bei seiner Rückkehr nach Weimar (Juli 27) Beet- 
hovens Musik, wie der Verleger sie ihm im Auftrag des Com- 
ponisten schicken sollte, vorgefunden hat, steht dahin. Goe- 
thes Tagebuch gedenkt ihrer erst 1812 Januar 23 (s. Nr. 474), 
ob dieses aber die in Rede stehende Sendung des Verlegers 

30 ist, bleibt mindestens zweifelhaft, denn Beethoven schreibt 
an Breitkopf und Härtel 1812 Januar 28: „ . . bitte ich . . 
mit dem Briefe an Goethe zugleich den ,Egmont* (Partitur) 
zu schicken" (S. 353 f. des Z. 17—20 genannten Buches), wozu 
Fümmel bemerkt: dieser Auftrag könne sich „auf eine Ab- 

35 Schrift der ganzen Partitur beziehen oder (wahrecheinlicher) 
auf die gestochene Ausgabe der Ouvertüre allein, da die 
Gesilnge und die Entreaete damals noch nicht gestochen wa- 
ren". In Goethes Sammlungen findet sich nichts mehr von 
diesen Notenheften, — Zu den „mehrem" (Z. 4) vgl. SdGG. 

40 17, 166, 20-2«. 169, 26—28. — Die erste Vorstellung in Weimar 
mit Beethovens Musik fand, wie es scheint, erst 1814 Januar 
29 Statt (vgl. Nr. 491). 



248 EGMONT. 1812 



1812. 

Januar 23, Weimar. 474 

[Abends] van Beethovens Musik zu ^Egmont^^ 
Tgb. 4, 255, 6. 
Februar 13. Weimar. 475 6 

*Sehr gTOßsen Dank bin ich Ihnen zunächst für das 
Fragment aus dem Werke der Frau von Stael schuldig. 
Ich hatte davon gehört, es war uns auch versprochen; 
aber ohne Ihre freundliche Sendung würde ich es bis 
jetzt noch nicht gesehen haben. Da ich mich selbst lo 
ziemlich zu kennen glaube, so finde ich einige recht 
gute Apergüs darin, und ich kann es um so mehr 
nutzen, als sie mir das Alles, und zwar noch derber und 
lebhafter, in's Gesicht gesagt hat.* 

An K. F. V. Reinhard. — Br. 22, 288, 15—23. 15 

Februar 20, Weimar. 476 

[Vormittags] Herr von Boyneburg.* Vortrag der 



^ Vgl. 247, 25-^1. 

* 1811 December 15 notirt Goethe: „Brief von Reinhard mit 

. . Fragment von Frau von Stahls Werk über die deutsche 20 
Litteratur*' (Tgb. 4, 246, 27—247, 1). In ihrem Buche ,De 
rAllemagne'. das gedruckt erst Ende 1813 erschien, bespricht 
Frau V. Sta^l von den dramatischen Dichtimgen: ,Egmont% 
.Faust*. ,Götz*, ,Iphlgenie*, ,Nattirliehe Tochter* und ,Tor- 
quato Tasse*. Welche Theile davon das hier in Rede stehende w 
handschriftliche „Fragment** enthalten hat (Reinhards Brief 
führt Im Einzelnen nur die „kleinem Gedichte** an, s. Go 
Reinhard S. 121), weiss ich nicht; aus Goethes Worten (oben 
Z. 13 f.) möchte man schliessen, dass die Besprechung ,Eg- 
monts* (an dem besonders der Sehluss getadelt wird) und so 
der .Natürlichen Tochter* dabei gewesen sei (vgl. Nr. 492, 
auch Br. 23, 221, 7—16 und Epos 2, 929, 23— 930, 32). 

* Bei ihrem Aufenthalt in Weimar 1804. 

* Wohl der selbe, über den der Herzog Karl August 1805 Juli 
27. von Wilhelmsthal ans, an Goethe schrieb: „(lestem liess s& 
sich ein Landskind, ein junger von Boyneburg von Stedt- 
feld auf dem Ciavier zur grossen Freude der Grossftirstln 
hören. Der Mensch gehört gewiss unter die Classe der Mei- 
ster dieser Kunst** (G.-Karl August 1, 308). 



1812 EG MO NT. 249 



[Februar 30, Weimar.] [476] 

Beethovenschen Composition zu ,Egmont^ Speiste der- 
selbe mit uns. Nach Tische Fortsetzung der Musik. 
Tgb. 4, 258, 25-28. 

5 [März 6? Weimar.] 477 

'Die Zeichnung zum ,Egmont^ von Naeke ist aller- 
liebst: Goethe, dem ich [Falk] sie zeigte, und der das 
Bemühen Naekes auf's dankbarste anerkennt, äusserte 
bloss den Wunsch, dass es dem jungen genievollen und 

10 gemüthlichen* Künstler gefallen möge, ihm die Sachen, 
ehe sie fertig, und im Umriss zuzuschicken, wo liebe- 
volle Erinnerungen eines freundlichen Mannes kleinen 
Irrthümem zuvorkommen und oft mit ein paar Strichen 
abhelfen können. So zum Beispiel an der Lage der Hand 

16 des Clärchen im ,Egmont' hat der junge Künstler in 
der Unschuld seines Herzens kein Aergemiss genommen: 
Groethen fiel diess sogleich auf, und der hiesige fran- 
zösische Gesandte [Saint Aignan], der die Zeichnung von 



* Brockhaus, dessen ,Urania. Taschenbuch fttr Damen* Im Jahr- 
so gang 1812 Kupfer zu den »Wahlverwandtschaften* (nach 

Zeichnungen von Dähliug) gebracht hatte, kam Anfang 
Januar 1812 nach Weimar und legte (loethen einige für den 
folgenden Jahrgang bestimmte Darstellungen nach Scenen 
aus ,Egmont*, .Faust* und .Torquato Tasso* vor, zumeist 

15 Zeichnungen des Ktinstlere Naelie in Dresden (vgl. ,Faust' un- 
ter 1812 Januar Anfang und April 5). Da Goethe den Wunsch 
äusserte: auch die übrigen Zeichnungen nach und nach, wie 
sie fertig würden, zu sehen, schickte Brockhaus sie an den 
Ihm befreundeten Falk, der die Blätter dann (loethen vorlegte, 

so vgl. »Friedrich Arnold Brockhaus. Sein Leben und Wirken . . 
gefichildert von seinem Enkel Heinrich Eduard Brockhaus* 
(Leipzig: F. A. Brockhaus. 1872) l. 275—277; ebenda Ist die 
oben als Nr. 477 mitgetheilte Stelle aus Falks Brief an Brock- 
hAus vom 24. April 1812 abgednickt. 

u Die Datinmg des (fesi)rjlchs mit Falk ist ungewiss; Goethes 
Tagebuch (4, 261, 12) vermerkt unter März 6: „Abends bei 
Falk"; v. Biedermann datirt „Mitte April". 

* In den .Gesprächen' ist In-lg gedruckt „gemüthvollen". 



250 EGMONT. 1812 



[Mär* 6? Weiiuar.] [477] 

ungefähr sah und ungemein damit zufrieden war, be- 
merkte un verabredet: que cetait hors de la convenance.^ 
Mit Falk. — Gespräche 8, 313. 

Mai 13, Karlsbad. 478 5 

[Früh] Kebenstehende Briefe ajustirt. ... an Au- 
gust von Goethe, Auftrag an Hof kammerrath 
Kinns wegen der Theatermanuscripte.^ 
Tgb. 4. 284, 5. 9-11. 

Mai 14, Karlsbad. 479 10 

Was die Exemplare von ,Götz von Berlichingen' so 
wie von ,Eginont' für München betrifft, so überlasse ich 
das Arrangement desshalb^ ganz Ihrer Beurtheilung, da 

* Falk setzt hinzu: „Eine jede Kritik muss einem so liebenden 
zarten Gemülh wie das von Naeke nicht besser vorkommen 15 
als den BlumL*n ein Nachtfrost. Suchen Sie es ihm nur 
beizubringen, dass diese Bemerkungen von Männern herrüh- 
ren, die sein schönes Bestreben mit Liebe zu umfassen aurs 
allerbeste geneigt sind und die sich nie ein öfTenÜiches lieb- 
loses Wort gegen ihn erlauben würden** (an dem 249, 30 ge- 20 
nannten Ort 1, 276 f.; ebenda wird gesagt, dass Falk die Er- 
läuterungen zu den In der , Urania* erschienenen Abbildungen 
zu Goethes Werken verfasst habe, was in der Bibliographie 
bei Goedeke 5, 549 f. nachzutragen ist). 

Naekes Zeichnungen zu ,Egmont* erschienen in der ,Ura- 26 
nia* erst 1815, und zwar sind folgende Scenen dargestellt: 

1. (Gestochen von Jury.) Aufzug 3: Egmont wirft den Man- 
tel ab, Clärchen staunt vor der „spanischen** Tracht. 

2. (Gestochen von Schwerdgeburth.) Aufzug 3: Egmont, 
sitzend, umfängt mit der (kaum sichtbaren) Rechten Clär- 30 
chen, die auf einem Schemel kniet und sich mit dem linken 
Arm auf die Armlehne des Stuhles stützt, indess ihre Rechte 

in der Linken Egmont« ruht. Der naive Beschauer kann an 
der Lage der Hand unmöglich Aergemiss nehmen. 

3. (Gestochen von Jury.) Aufzug 5: Clärchen, auf Wolken 35 
thronend, erscheint dem schlafenden Egmont, in der Rechten 

* den Kranz, in der Linken den Stab mit dem Freiheitshute. 

* Von , Egmont* und ,Götz*, vgl. Nr. 479 und 482. 

■ Statt der, von Goethe selbst eingesetzten Worte: „ich das 
Anangement desshalb** hat das (^oncept ursprünglich: „die 40 
Fordening für selbige". 



1812 EGMONT. 251 



[Mai 14, Karlsbad J [479] 

Ihnen die vorwaltenden Verhältnisse am besten bekannt 
sind. Ich werde die gefällig übernommene Bemühung 
jederzeit mit aufrichtigem Dank erkennen. 

5 

Herr Hofkammerrath Kinns übernimmt gefällig den 
Auftrag, die Exemplare von ,Götz' und ,Egmont* bereit 
zu halten.^ 

An Iffland. — Br. 23, 18, 6—11. 19, 5-7. 
10 Mal 14, Karlsbad. 480 

[Vormittags Brief] An Herra Generaldireetor Iffland 
nach Berlin wegen der Abschriften von ,Berlichingen^ 
imd ,Egmont^ [s. Nr. 479], 
Tgb. 4. 284. 20-23. 
15 ][Mni zweite oder Juul erste HälfteV Karlsbad?] 481 

— s. 173, 8-20. 
Juni 22, Karlsbad. 482 

Was meine Stücke betrifft, so hat Herr Generaldiree- 
tor Iffland das (Jeschäft gefällig übernommen, solche den 
20 Theatern, welche sie wünschen, zukommen zu lassen.^ 
Da er mit allen Bühnen in Connexion steht, so wird die 
Sache dadurch sehr erleichtert. Entschuldigen Sie mich 
also bestens, dass ich durch diese getroffene Verpflich- 
tung mich an der unmittelbaren Erfüllung jener Wün- 

25 sehe gehindert sehe.* 

An Sara v. Grotthuss. — Br. 23, 35, 28—30, 7. 
November 12, Jena. — s. 8. 16. 483 

[vor Deceniber 9, Weimar.] 484 

An die Schauspielerin Amalie Wolff, geb. Malcolmi. 
30 Zum 10. December 1812.^ 

Erlaubt sei dir, in mancherlei Gestalten 
Das junge Volk und die ehrwürdigen Alt^n 
Zum Besten, wie es dir beliebt, zu halten: 



» Zur Sache vgl. Nr. 482. 
35 « Vgl. Nr. 479. 

• Der von Goethe hiermit beantwortete Brief der Adressatin 
scheint nicht bekannt (vgl. GJ. 14, 123). 

* Zum Geburtstag der Künstlerin (nach v. Ivoeper verfasste 
Goethe das Gedicht im Namen seines Sohnes und Caroline 

40 ririohs, vgl. WH. 3, 331 ♦ ♦ •). 



252 EGMONT. 1812 

[vor December 9, Weimar.] [48i] 

Und Phädra, wüthend, leidenschaftlich grosß^ 
Elisabeth, so lieb- als schonungslos; 
Messinas Fürstin, fest, wenn das (Jeschick bricht, 
Jungfrau, gestählt, nur gegen Ldebesblick nicht; 5 

Clärchen zuletzt,* die jeden so verführt, 
Dass er den Kopf, wie Belgiens Held, verliert. 
Der Wechsel bilde dein beglücktes Reich, 
Hleibftt du nur uns, den Freunden, immer gleich. 
W. 4, 242. 10 

1818. 

] [April 4, Weimar, und später.] 485 

[Zu 1775 Herbst, bis Ende October.] 
Man hat im Verlaufe dieses biographischen Vortrags 
umständlich gesehen, wie das Kind, der Knabe, der 
Jüngling sich auf verschiedenen Wegen dem Uebersinn- 15 
liehen zu nähern gesucht, . . . 

Er glaubte in der Natur, der belebten und unbeleb- 
ten, der beseelten und unbeseelten, etwas zu entdecken, 
das sich nur in Widersprüchen manifestirte und dess- 
halb unter keinen BegriflF, noch viel weniger unter ein ao 
Wort gefasst werden könnte. Es war nicht göttlich, denn 
es schien unvernünftig; nicht menschlich, denn* es hatte 
keinen Verstand; nicht teuflisch, denn es war wohlthä- 
tig; nicht englisch, denn es liess oft Schadenfreude mer- 
ken. Es glich dem ZufaJl, denn es bewies keine Folge; 2s 
es ähnelte der Vorsehung, denn es deutete auf Zusam- 
menhang. Alles, was uns begränzt, schien für dasselbe 
durchdringbar; es schien mit den nothwendigen Ele- 
menten unsres Daseins willkürlich zu schalten; es zog 
die Zeit zusammen und dehnte den Raum aus. Nur im 30 
Unmöglichen schien es sich zu gefallen und das Mög- 
liche mit Verachtung von sich zu stossen. 

» A. Wolff gab das ClUrchen euui erstemnale 1806 Mai 81. 
dieser Rolle waren die genannten aus Schillerschen Dramen 
sHmmtlich vorangegangeD. 35 



1813 EGMONT. 253 

J[AprU 4, Weimar, and später.] [485] 

Dieses Wesen, das zwischen alle übrigen hineinzutre- 
ten, sie zu sondern, sie zu verbinden schien, nannte ich 
dämonisch, nach dem Beispiel der Alten und derer, die 

5 etwae Aehnliches gewahrt hatten. Ich suchte mich vor 
diesem furchtbaren Wesen zu retten, indem ich mich 
nach meiner Gewohnheit hinter ein Bild flüchtete.* 

Unter die einzelnen Theile der Weltgeschichte, die 
ich sorgfältiger studirte, gehörten auch die Ereignisse, 

10 welche die nachher vereinigten Niederlande so I>erühmt 
gemacht. Ich hatte die Quellen fleissig erforscht^ und 
mich möglichst unmittelbar zu unterrichten und mir 
alles lebendig zu vergegenwärtigen gesucht. Höchst dra- 
matisch waren mir die Situationen erschienen und als 

15 Hauptfigur, um welche sich die übrigen am glücklich- 
sten versammeln liessen, war mir Graf Egmont auf- 
gefallen, dessen menschlich ritterliche Gross« mir am 
meisten behagte. 

Allein zu meinem Gebrauche musste ich ihn in einen 

ao Charakter umwandeln, der solche Eigenschaften besass, 
die einen Jüngling besser zieren als einen Mann in 
Jahren, einen Unbeweibten besser als einen Hausvater, 
einen Unabhängigen mehr als einen, der, noch so frei 
gesinnt, durch mancherlei Verhältnisse begränzt ist.' 

25 Als ich ihn nun so in meinen Gedanken verjüngt und 

von allen Bedingungen losgebunden hatte, gab ich ihm 
die imgemessene Lebenslust, das gränzenlose Zutrauen 
zu sich selbst, die Gabe, alle Menschen an sich zu ziehen 
(attrattiva)* und so die Gimst des Volks, die stille Neig- 

30 ^ Zu dem hier und im Folgenden über das „Dämonische" Ge- 
sagten vgl. besonders Goethes GespHiche mit Eckermann 
1828 Mürz 11, October 23. 1829 MUrz 24. December G. i*»31 
Fobninr 28, März 2. 8. 18. 30; vgl. auch WH. 23, 222 f. 
» Vgl. 203, 7. 24-36. 
35 • Vgl. Nr. 517. auch dagegen 271, 2 f. 

* Von dem „hiunoristisehen Heiligen" Philipp Neri erzählt 



254 EGMONT. 1813 



][April 4, Weimar, and später.] [485] 

iing einer Fürstin, die ausgesprochene eines Xatunnäd- 
chens, die Theilnahme eines Staatsklugen zu gewinnen, 
ja selbst den Sohn seines grössten Widersachers für sich 
einzunehmen. 6 

Die persönliche Tapferkeit, die den Helden auszeich- 
net, ist die Base, auf der sein ganzes Wesen ruht, der 
Grund und Boden, aus dem es hervorsprosst. Er kennt 
keine Gefahr, und verblendet sich über die grösste, die 
sich ihm nähert. Durch Feinde, die uns umzingeln, lo 
schlagen wir uns allenfalls durch; die Netze der Staats- 
klugheit sind schwerer zu durchbrechen. Das Dämoni- 
sche, was von beiden Seiten im Spiel ist, in welchem 
Conflict daß Liebenswürdige untergeht und das Q^hasste 
triumphirt, sodann die Aussicht, dass hieraus ein Drittes i5 
hervorgehe, das dem Wunsch aller Menschen entsprechen 
werde, dieses ist es wohl, was dem Stücke, freilich nicht 
gleich bei seiner Erscheinung, aber doch später und zur 
rechten Zeit^ die Gunst vei'nchafft hat, deren es noch 
jetzt geniesst. Und so will ich denn auch hier, um 20 
mancher geliebten Leser Willen, mir selbst vorgreifen, 
und weil ich nicht weiss, ob ich so bald wieder zur Rede 
gelange, etwas aussprechen, wovon ich mich erst viel 
später überzeugte.* 

Goetho In der JtalienischeD Reise*: „Auch ward ihm eine 26 
entschiedene Anzlehun^gabe, welche auszudrtielien die Ita- 
liener sich des scluinen Wortes attrattiva bedienen, kräftig 
verliehen, die sich nicht allein auf Menschen erstreckt, son- 
dern auch auf Thlere*' (WH. 24. 336); vgl. auch Goethes 
Aeussenmg über I^ord Byron Gespräche 8. 42. so 

* Zur ersten Aufnalime vgl. Nr. 409—411. 417. 423; unter der 
„rechten Zelt" möchte ich nicht 1796 und Schillers Theilnahme 
verstehen, sondern die Zeit vor den Freiheitskriegen, als 
Beethovens ebenbürtige Musik sich der Dichtung gesellte 
und man Anstalten machte, diese in ihrer ursprünglichen 85 
Gestalt auf die Bühne zu bringen (vgl. 245, 21—35). 

• Dieser letzte Satz, so auch das Folgende bis 256. 11. 
scheint aus ganz späten Tagen zu stammen, aus der Zeit 



1813 EGMONT. 255 



][April 4, WeimiiT, und später.] [485] 

Obgleich jenes Dämonische sich in allem Körperlichen 
und Unkörperlichen manifestiren kann, ja bei den Thie- 
ren sich auf's merkwürdigste ausspricht, so steht es vor- 
5 züglich mit dem Menschen im wunderbarsten Zusam- 
menhang und bildet eine der moralischen Weltordnung, 
wo nicht entgegengesetzte, doch sie durchkreuzende 
Macht, so dass man die eine für den Zettel, die andere 
für den Einschlag könnte gelten laösen. 

10 Für die Phänomene, welche hierdurch hervorgebracht 

werden, gibt es unzählige Namen: denn alle Philosophien 
imd Religionen haben prosaisch und poetisch dieses 
Räthsel zu lösen und die Sache schliesslich abzuthun ge- 
sucht, welches ihnen noch fernerhin unbenommen 

15 bleibe. 

Am furchtbarsten aber erscheint dieses Dämonische, 
wenn es in irgend einem Menschen überwiegend hervor- 
tritt. Während meines Lebensganges habe ich mehrere 
theils in der Nähe, theils in der Feme beobachten kön- 

20 nen.* Es sind nicht immer die vorzüglichsten Menschen, 
weder an Geist noch an Talenten, selten durch Herzens- 
güte sich empfehlend; aber eine ungeheure Kraft geht 
von ihnen auf^, und sie üben eine unglaubliche Gewalt 
über alle Geschöpfe, ja sogar über die IClemente, und wer 

«5 kann sagen, wie weit sich eine solche Wirtong erstrecken 
wird? Alle vereinten sittlichen Kräfte vermögen nichts 
gegen sie: vergebens, dass der hellere Theil der Men- 
schen sie als Betrogene oder als Betrüger verdächtig 
machen will, die Masse wird von ihnen angezogen. Sel- 



30 der Gesprjiclio mit Ecliermann über das Dämoniache und über 

Napoleon, etwa ^lärz 1831. 

* Unter den „mehreren** (womit Z. 29— 25«. 2 In Widerspmcb 

steht) sind zu verstehen: Napoleon. Friedrich der Grosse, 

Grossherzog Karl Ausist. Lord Byron, und in weiterem Ab- 

85 stand: Cagliostro, I^avater, Merck. 



266 EGMONT. 1813 



][Aprii 4, Weimar, and später.] [466] 

ten oder nie finden sich Gleichzeitige ihres Gleichen/ 
und sie sind durch nichts zu überwinden, als durch das 
Universum selbst, mit dem sie den Ejunpf begonnen; 
und aus solchen Bemerkungen mag wohl jener sonder- 5 
bare, aber ungeheure Spruch entstanden sein: Nemo 
contra deum nisi deus ipse,^ 

Von diesen höheren Betrachtungen kehre ich wieder 
in mein kleines Leben zurück, dem aber doch auch selt- 
same Ereignisse, wenigstens mit einem dämonischen 10 
Schein bekleidet, bevorstanden.' 

. . . Ein in Karlsruhe zurückgebliebener Cavalier [Kam- 
me rjunker von Kalb], welcher einen in Strassburg ver- 
fertigten I^ndauer Wagen erwarte, werde an einem be- is 
stimmten Tage in I^ankfurt eintreffen, ich solle mich 
bereit halten, mit ihm nach Weimar sogleich abzureisen. 
. . . nachdem ich überall Abschied genommen und den 
Tag meiner Abreise verkündet, sodann aber eilig ein- 



* Diese Worte (die dem 255, 18—20 Gesagten geradezu wider- 20 
spreclien) beweisen, dass Goethe von Zeitgenossen liier eigent- 
lich nur Napoleon im Sinne hat 

• Goethe benutzt dieses Wort als Vorspruch für Theil 4 von 
.Dichtung und Wahrheit' (vgl. Riemer 1, 396 f. \md WH. 
23, 131). 26 

' Bei den .«seltsamen Ereignissen'* denkt Goethe hier zunächst 
an sein Verhältniss zu Lili Schönemann und dessen Lösung 
im selben Augenblick, da, scheinliar ganz zufällig, sich das 
\''erhältnis8 zum Weimarischen Hof knüpfte; und dass hier 
mehr als ein blosser „dämonischer Sehein" zu beobachten so 
sei, zeigt Goetht*« Aeusseining zu Soret 1830 MUra 5 (Gespräche 
7, 236). 

— Im unmittelbar Folgenden erzählt Goethe: wie seine 
Lage in Frankfiu*t, nachdem der Versuch, sich von Lili zu 
trennen fehlgeschlagen, immer schmerzlich-peinlicher wurde, 35 
wie ihm daher die Einladung des jungen Herzogs Karl Au- 
gust nach Weimar doppelt willkommen gewesen; Folgendes 
sei mit ihm verabredet worden. 



1813 EGMONT. 257 

][April 4, Weimar, und später.] [486] 

gepackt und dabei meiner ungedniekten Schriften^ 
niclit vergessen, erwartete ich die Stunde, die den ge- 
dachten Freund im neuen Wagen herbeiführen und mich 

6 in eine neue Gegend, in neue Verhältnisse bringen sollte. 
Die Stunde verging, der Tag auch, und da ich, um nicht 
zweimal Abschied zu nehmen und überhaupt, um nicht 
durdi Zulauf und Besuch überhäuft zu sein, mich seit 
dem besagten Morgien als abwesend angegeben hatte^ 

10 so musste ich mich im Hause, ja in meinem Zimmer still 

halten und befand m^ch daher in einer sonderbaren Lage. 

Weil aber die Einsamkeit und Enge jederzeit für mich 

etwas sehr Günstiges hatte, indem ich solche Stunden 

zu nutzen gedrängt war, so schrieb ich an meinem ,Eg- 

16 mont* fort und brachte ihn beinahe zu Stande.* Ich las 

ihn meinem Vater vor, der eine ganz eigne Neigung zu 

. diesem Stück gewann, und nichts mehr wünschte, als es 

fertig und gedruckt zu sehen, weil er hoffte, dass der 

gute Ruf seines Sohnes dadurch sollte vermehrt werden. 

«0 Eine solche Beruhigung und neue Zufriedenheit war ihm 

aber auch nöthig: denn er machte über daß Aussenblei- 

ben des Wagens die bedenklichsten Glossen. Er hielt 

das Ganze . . nur für eine Erfindung> . . 

Ich selbst hielt zwar anfangs am Glauben fest, freute 

36 mich über die eingezogenen Stunden, die mir weder von 
Freunden noch Fremden, noch sonst einer geselligen 
Zerstreuung verkümmert wurden, und schrieb, wenn 
auch nicht ohne innere Agitation, am ,Egmont' rüstig 
fort. Und diese (Jemüthsstimmimg mochte wohl dem 

80 Stück selbst zu Gute konmien, das, von so viel Leiden- 
schaften bewegt, nicht wohl von einem ganz Leiden- 
schaftslosen hätte geschrieben werden können. 

So vergingen acht Tage und ich weiss nichts wie viel 
drüber, und diese völlige Einkerkerung fing an mir be- 



86 * Vgl. Tabelle 1. 
» Vgl. 279, 2. 

Grftf, Goethe Aber •. Dichtangen. T. U, B. 1. 17 



268 EGMONT. 1813 



] [April 4, Weimar, und später.] [486] 

schwerlich zu werden. Seit mehreren Jahren gewohnt, 
unter freiem Himmel zu leben, gesellt zu Freunden, mit 
denen ich in dem aufrichtigsten, geschäftigsten Wechsel- 
verhältnisse stand, in der Nähe einer Geliebten, von der 6 
ich zwar mich zu trennen den Vorsatz gefasst, die mich 
aber doch, so lange noch die Möglichkeit war, mich ihr 
zu nähern, gewaltsam zu sich forderte, — alles Dieses 
fing an mich dergestalt zu beunruhigen, dass die An- 
ziehungskraft meiner Tragödie sich zu vermindern und lo 
die poetische Productionfikraft durch Ungeduld aufge- 
hoben zu werden drohte. . . . 

Noch einige Tage verstrichen und die Hypothese 
meines Vaters gewann immer mehr Wahrscheinlichkeit, 
da auch nicht einmal ein Brief von Karlsruhe kam, wel- is 
eher die Ursachen der Verzögerung des Wagens angege- 
ben hätte. Meine Dichtung gerieth in's Stocken, und 
nun hatte mein Vater gutes Spiel bei der Unruhe, 
von der ich innerlich zerarbeitet war. Er stellte mir 
vor: die Sache sei nun einmal nicht zu ändern, mein ao 
Koffer sei gepackt, er wolle mir Geld und Credit geben, 
nach Italien zu gehn, ich müsse mich aber gleich ent- 
schliessen aufzubrechen. In einer so wichtigen Sache 
zweifelnd und zaudernd, ging ich endlich darauf ein: 
dass, wenn zu einer bestimmten Stunde weder Wagen S5 
noch Nachricht eingelaufen sei, ich abreisen, und zwar 
zuerst nach Heidelberg, von dannen aber . . durch Grau- 
bündten oder Tirol über die Alpen gehen wolle. 

. . . Der Wagen stand vor der Thür; aufgepackt war; so 
der Postillon Hess das gewöhnliche Zeichen der Unge- 



* Goethe reist nach Heidelberg; seine Erzählung ver wellt bei 
der dort gepflegrten Geselligkeit und den Planen, die De- 
moiselle Delph für seine Zukunft nährte. Da trifft die Nach- 
richt ein, dass der Kammerjunker von Kalb, verspätet in ss 
Frankfurt angekommen, seiner warte, und Goethe bricht un- 
verwellt dahin auf. 



1813 EGMONT. 259 



irApril 4, Weimar, und später.] [486] 

duld erschallen; ich riss mich los; sie [Demoiselle Delph] 
wollte mich noch nicht fahren lassen und brachte künst- 
lich genug die Argumente der Gegenwart alle vor, so 

« dass ich endlich leidenschaftlich und begeistert die 
Worte Egmonts ausrief: 

„Kind! Kind! nicht weiter! Wie von unsichtbaren 
Geistern gepeitscht, gehen die Sonnenpferde der Zeit 
mit unsers Schicksals leichtem Wagen durch; und uns 

10 bleibt nichts als, muthig gefasst, die Zügel festzuhalten, 
und bald rechts, bald links, vom Steine hier, vom Sturze 
da, die Bäder wegzulenken.^ Wohin es geht, wer weiss 
es? Erinnert er sich doch kaum, woher er kam/^ 

Dichtung und Wahrheit Theil 4 Buch 2a — W. 29, 

15 173, 12-15. 26—177, 21. 181, 18—22. 182, 2-27. 183, 8-184, 

1. 27—185. 15. 192, 7—21. 

April 4, Weimar. 486 

[Früh] Biographisches. Conception des Dämonischen 
und ,Egmonts^ [s. Nr. 485]. 
^ Tgb. 6. 30, 4 f. 

December 1, Weimar. — s. 260, 4—11. 487 

December 1, Weimar. 488 

[Abends] ,Egmont'.^ 
Tgb. 5, 86, 3. 

^ December 3 uud später, Weimar. 489 

*Zwei Ta^e darauf [3. December] traf ich [Fouque] 



* .Dichtung und Wahrheit* hat ungenau: „abzulenlieu'*. 

' Aufzug 2 (Egmonts Wohnung), Worte Egmonts zu seinem 
Secretär. Vgl. WH. 23, 231 Anm. 752. 
-80 ■ Die Rollenbesetzung s. 234, 29—45; Goethe war nicht anwe- 
send, vgl. Nr. 489. 

* Die nicht durchweg ganz genauen Zeitangaben der Quelle 
,Göthe und Einer seiner Bewundrer. Bin Stück Lebensge- 
schichte von Friedrich Baron de la Motte Fouqu^. Berlin. 

-86 Verlag von Alexander Duncker. 1840* S. 25—28 können nach 
Tgb. 5, 86, 2 f. 8 f. berichtigt werden, wo es heisst: 



260 EGMONT. 181« 

[Deeember 8 und ipiter, Weimar.] [4M) 

mit Goethe bei . . Johanna Schopenhauer zuBammen, im 
heiter erlesnen Kreise zum Abendeseen eingeladen. 
Tags vorher^ hatte ich einer Aufführung des ^Egmont^ 
beigewohnt, ohne den Dichter dieses mir vorzüglich » 
theuem Meisterwerkes unter den Zuschauem zu er- 
blicken. Hatte er mir ja auch gleich am ersten Abend 
geäussert, er gedenke nicht hinzugehn, mir aber den 
Besuch sehr empfohlen, mit dem Beisatze: „Sie werden 
viel Gutes sehn, wenn ich auch die Auflfühning nicht im- lo 
bedingt loben kann." 

. . . Bald kam das Gespräjch auf die gestrige Aufführ- 
img des ,EgmonV. Ich rühmte die Darstellung des Clär- 
chen durch Madame Wolff, in dem Sinne, wie ich es i* 
nachher durch ein in Weimar noch zurückgelassnes Ge- 
dicht also aussprach: 

Egmonts Liebchen, Egmonts Clärchen, 
Wundersam gestaltet Kind, 

Leicht und rosig, wie ein Mahrchen. so 

Ach, und doch so tief gesinnt! 

Egmonts Heldin, Egmonts Fahne, 

Schürend heiFge Freiheits-Gluth, 

Dann im Tonfall,* gleich dem Schwane, 

Sinkend in die dunkle Fluth! 25 



Deeember 1: „[Nachmittags] Geh. Reg. Rath v. Müller, 

Hr V. La-Motte Foaquß. [Abends] .Egmont*. 
Deeember 8: „ [Abends] Bei Mad. Schopenhauer. LarMotte 

Fouqu6, Heincke'*. 
Fouqud berichtet (su su O. S. 24): „Als ich am Abende mei- so 
uer Ankunft zu Goethe ging, fand ich Hn t. Müller bei ihm, 
den jetzigen Kanzler**; es war vielmehr Nachmittags vor Be- 
ginn der Egmont-Auffühnmg, über die man sprach (s. Z. 26 f.). 
' Vielmehr zwei Tage vorher, am 1. (s. Z. 26 f.). Die Datirang 
in den «Gesprächeo* 3, 108 und 110 ist zu berichtigen. 35 

' Anspielung auf Beethoven« Musik? (der Theater-Zettel nennt 
diese zum erstenmal 1814 Januar 20.) 



1813 EGMONT. 261 

iDecember 3 und später, Weimar.] [48f] 

f^monts Oöttin^ Egmonts Sonne! 
Ja, auch mir nach heisser Schlacht 
Ward zu Theil die Heldenwonne, 
5 Dich zu schauen in Deiner Pracht. 

Goethe hat sich späterhin über diese Verse sehr zu- 
frieden geäussert/ als richtig die drei Phasen seines Clär- 
chens bezeichnend, und erwiderte mir auch auf meine da- 
maligen Mittheilungen: allerding)s könne jene Gestaltung 

10 der liebe, des Heroismus und der Verklärung nie schö- 
ner dargestellt werden, als durch die von mir mit so 
vielem Recht bewunderte Künstlerin. 

Indem ich nun während des heitern G^präches über 
,Egmont^ vorzüglich auch die letzte Erscheinung Clär- 

16 chens als tröstende Fredheits-Göttin hervorgehoben 
hatte, sagte Goethe lächelnd: „Ja, und stellen Sie sich 
vor, just das wollte man mir friiherhin abdisputiren, 
wenigstens für die theatralische Darstellung. Und so- 
gar mein lieber Schiller war mit dabei, und liess als 

ao damaliger Lenker der hiesigen, Schauspiele die Er- 
scheinung bei der Aufführung auch wirklich fori:."* 

Wie war denn das möglich? fragte ich staunend. 
Konnte er denn irgend Andres an die Stelle setzen? 
Denn so ganz im Hinabsinken eriöschen konnte doch 

25 nun einmal der Schluss nicht. 

„Ei nun," — entgegnete Goethe, — „er liess den 
Alba während der Publication des üri^heils veriarvt zu- 
gegen sein. Egmont aber riss ihm die Larve ab, sagte 
ihm viele hari« Dinge, und dann erst ging es zum Tode."' 

80 Eure Excellenz konnte das unmöglich mit ansehn, 

sagte ich. 

* Gegen Johaima Schopenhauer? oder Fr. v. MüUer (bei dem 
Pouquß damals wohnte)? 

• Vgl. 235, 23-26. 236, 7-10. 33-36. 265, 30-266, 3. 
85 ■ Vgl. Nr. 453 nebst Erl. 



262 EGMONT. ' 1813 



[December 8 and Bpftter, Weimar.] [M9] 

„Zufällig war ich damals just in Ilmenau," erwiderte 
er. „Aber Sie haben Recht, mitangesehn hätt^ ich es 
auf keine Weise."^ 

Mit de lA-Motte Fouquö (und Fr. v. Müller oder Jo- & 
baima Schopenhauer?). — Gespräche 3, 110—112. 

1814. 

Januar 28, Weimar. 490 

Morgen ist Mittagstafel, Abends Schauspiel, wahr- 
scheinlich ,Egmont^* 10 
An J. F. H. Schlosser. — Br. 24, 126, 4 f. 

Januar 29, Weimar. 491 

[Abends] ,Egmont'.^ 
Tgb. 5, 94, 14. 

] [April 10, Weimar, oder Mai 14, Berka.] — 491a i^ 

[Zu 1786.] s. »Iphigenle auf Tauris* ugD. (Ital. Reise.) 



* Das beruht auf Irrthum, oder — kam dem Dichter jene Ge- 
schmacklosigkeit, die ihn am 25. April 1796 sein Interesse 
für Ifflands Spiel und sein Verhältniss zu Schiller als un- 
vermeidliehes Uebel gelassen hinnehmen Hess, jetzt so unge- 20 
heuerlich vor, dass er, Augenzeuge von ihr gewesen zu sein, 
bewusst in humoristischer Anwandlung abläugnete? Zeug- 
nisse dafür, dass Goethe am 25. April 1796 in Ilmenau^ ge- 
wesen wäre, fehlen, so viel ich sehen kann, gänzlich; freilich 
fehlen auch alle urkundlichen Belege, dass er der AuCPÜhrung 25 
selbst beigewohnt hat; doch verbieten innere Gründe, sowie 
Nr. 435, daran zu zweifeln, — oder sollten Schillers Worte 
229, 17 f. doch dafür zeugen, dass Goethe der Vorstellung 
fem blieb? (etwa auch 236, 13 f.?) 

* Zu Ehren der Anwesenheit der Kaiserin von Russland. 30 
■ Der Theater-Zettel kündigt an: ,Egmont. Trauerspiel In fünf 

Aufzügen von Goethe. Die Ouvertüre und die Musik zu den 
Zwlschenacten von Beethoven*; die Besetzung der Rollen wie 
1813 December 1 (s. 234, 29-45). 

Wenn Martersteig in Wolff S. 79 über diese Vorstellung » 
schreibt: „es wurde ,Egmont* in der oben [daselbst S. 75] 
erwähnten Bearbeitung von Wolff und Riemer aufgeführt", 
so erscheint das im Hinblick auf 245, 24—26 als Irrthum; 
Riemer würde auch schwerlich unterlassen haben, der Auf- 
führung zu gedenken. 40 



1814 EGMONT. 268 

Mai 29, Berka. 492 

Seine Unzufriedenheit über der Frau von Stael TJr- 
theile über seine Werke brach lebhaft hervor. . . . Die 
Stael habe alle seine, Goethes, Produetionen abgerissen 
5 und isolirt betrachtet, ohne Ahnung ihres inneren Zu- 
sammenhangs, ihrer (Jenesiß.^ 

Mit Fr. V. Müller und Riemer. — Gespräche 3, 129 
(Müller S. 8 f.). 
Deoember 23, Weimar. 198 

10 Expedienda d. 23. December 1814. 

Beethoven ,Egmont^^ 
Agenda 1814. — Tgb. 5, 305, 1. 15 f. 
December 26, Weimar. 494 

16 [Abends Vorstellung von] ,Egmont^* 

Tgb. 5, 145, 15. 

1815. 

] [Februar, zwischen 3 und 21, Weimar.]* 496 

Die Gegenwart des vortrefflichen I f f 1 a n d (1796) 
20 gab Gelegenheit zu Abkürzung ,Bgmont8*, wie das 
Stück noch bei uns und an einigen Orten gegeben wird. 
Dass auch*^ Schiller bei seiner Redaction grausam ver- 
fahren, davon überzeugt man sich bei Vergleichung 

' Vgl. Nr. 475 nebst Brl. 

25 * Nach „Beethoven" Ist das Wort „Abdni[ck?]" gestrichen. 
Dem Vermerk fehlt das Zeichen, mit dem Goethe das Er- 
ledigte in der Agenda zu versehen pflegt 
' Der Theater-Zettel neunt Beethovens Musik nicht, doch darf 
man wohl annehmen, dass sie seit 1814 Januar 29 bei allen 

30 Vorstellungen gespielt worden ist (auf dem Zettel vom 23. 
Juni 1814 ist sie genannt). Die Besetzung der Rollen wie 
1813 December 1 (s. 234, 29-45), mit Ausnahme von Richard: 
Genast d. j., Soest: Uhlich und Seifensieder: Uschmann. 

* Goethes Vermerk 1813 Mal 17: „Deutsches Theater sehe- 
85 matisirt" (Tgb. 5, 46, 27) soll sich nach WK. 30, 766 auf den 

Aufsatz beziehen. Er erschien 1816 April 10. 11 im ,Morgen- 
blatt für gebildete Stände' Nr. 86. 86. 

• Das „auch" ist sehr auCPalleud, man erwartet eher „aber". 



264 EOMONT. 1815 

][Febniftr, Bwischen 8 und 21, Weimar.] [48»] 

nachstehender Seenenfolge mit dem gedruckt^i Stücke 
selbst. Die persönliche Gegenwart der Begentin zum 
Exempel vermisst unser Publicum ungern;^ und doch 
ist in Schillere Arbeit eine solche Consequenz, dass man » 
nicht gewagt hat^ sie wieder einzulegen^ weil andre 
Mißsverhältnisse in die gegenwärtige Form sich ein- 
schleichen würden. 

E g m n t. 
Erster Aufzug. jq 

Auf einem freien Platz Armbrustschieseen. Bei 
Gelegenheit dass einer von Egmonts Leuten durch den 
bestem Schuss sich zum Schützenkönige erhebt^ seine 
Gesundheit so wie die Gesundheiten der Herrschaften 
gietrunken werden, kommen die öffentlichen Angele- 15 
genheiten zur Sprache, nebst den Charakteren der höch- 
sten und hohen Peraonen. Die Gesinnimgen des Volks 
offenbaren sich. Andre Bürger treten auf; man wird 
von den entstandnen Unruhen unterrichtet. Zu ihnen 
gesellt sich ein Advocate, der die Privilegien des Volks so 
zur Sprache bringt; hieraus entstehen Z^wiespalt und 
Händel; E g m o n t tritt auf, besänftigt die Männer und 
bedroht den Babidisten. Er zeigt ^ch als beliebter und 
geehrter Füret. 

ZweiterAufzug. S5 

Egmont und sein Geheimschreiber, bei dessen Vorträ- 
gen die liberale, freie, kühne Denkart des Helden sich 
offenbart. Hierauf sucht r a n i e n seinem Freunde 
Voreicht einzuflössen, aber vergebens, und, da man die 
Ankunft des Herzogs Alba vernimmt^ ihn zur Flucht ^ 
zu bereden, abermals vergebens. 

Dritter Aufzug. 
Die B ü r g e r in Furcht des Bevoretehenden; der Ea- 
bulist weissagt Egmonts Schicksal, die spanische Wache 
tritt auf, das Volk stiebt aus einander. ^ 



» VgL 246, 28-33. 269, 2-4, und Nr. 521. 



1815 EGMONT. 265 

KFebnuur, swisehen 8 and 21, Weimar.] [485] 

In einem bürgerlichen Zimmer finden wir Clärchen 
mit ihrer Liebe zu Egmont beschäftigt. Sie sucht die 
Neigung ihres Liebhabers Brackenburg abzuleh- 
ft nen; fährt fort in Freud' und Leid an ihr Verhältniss 
mit Egmont zu denken; dieser tritt ein, imd nim ist 
nichts Anders als Liebe und Lust. 

Vierter Aufzug. 
Palast. Albas Charakter entwickelt sich in seinen 

10 Massregeln. Ferdinand, dessen natürlicher Sohn, 
den die Persönlichkeit Egmonts anzieht, wird, damit 
er sich an Grausamkeiten gewöhne, beordert, diesen ge- 
fangen zu niehmen. Egmont und Alba im Gespräch, 
jener offen, dieser zurückhaltend und zugleich anrei- 

15 zend. Egmont wird gefangen genommen. Brackenburg 
in der Dämmerung auf der Strasse; Clärchen will die 
Bürger zur Befreiung Egmonts aufregen, sie entfernen 
sich furchtsam; Brackenburg, mit Clärchen allein, ver- 
sucht sie zu beruhigen, aber vergeblich. 

» FünfterAufzug. 

Clärchen in ihrem Zimmer allein. Brackenburg bringt 
die Nachricht von Vorbereitxmg zu Egmonts Hinrich- 
tung. Clärchen nimmt Gift, Brackenburg entfernt sich, 
die Lampe verlischt, Clärchens Verscheiden andeutend. 

25 Gefängniss. Egmont allein. Das Todesurtheil wird 

ihm angekündigt. Scene mit Ferdinand, seinem jungen 
Freunde. Egmont allein, entschläft. Erscheinung Clär- 
chenß im eröffneten Hintergrunde; Trommeln wecken 
ihn auf, er folgt der Wache, gleichsam als Befehlshaber. 

w Wegen der letzten Brscheinimg Clärchens sind die 

Meinungen getheilt; Schiller war dagegen,^ der Autor 



^ Schon 1788 hatte Schiller sich in den SehluBsbemerkungen 
seiner Recenciion (vgl. Nr. 426) entschieden dagegen erkläre; 



266 EGMONT. 1815 



][Febniar, zwischen 3 tind 21, Weimar.] [495] 

dafür; nach dem Wunsche des hiesigen Publicums darf 
sie nicht fehlen. 

Ueber das deutsche Theater. — W. 40, 91, 8—94, 2. 

Februar 20. Weimar. — s. 12, 8. 496 6 

] [April oder 1816 Juli Mitte, Weimar.] — 496 a 

[Zu 1787 Februar 16.] s. 142, 7—15. 

November 6, Weimar. 497 

^Ich läugne nicht, dass eine Schilderung jenes ge- 
selligen Vereins, von Palamedes Hand, mir sehr er- lo 
wünscht wäre, und wenn auch der Prinz von Gavre* 
etwas parodirt werden müsste. Am Liebchen war nichts 
auszusetzen. 

An S. Boisser^e. — Br. 26, 137, 22-138, 2. 

November 27, \ 15 

1 Weimar. — s. Nr. 314. 315. 497 a. b 

December 25, 



Clärchens Erscheinung sei zwar ein „sinnreicher Elnfair*, 
aber ein, die sinnliche Wahrheit des Stückes muth willig 
zerstörender „Saltomortale in eine Opemwelt". 

^ S. Boisserße an Goethe October 27: „ . . da Sie gerne etwas ao 
Ausführliches über Mannheim wissen wollen, muss ich Ihnen 
von Frau und Kindern erzählen, die um einen Entschlafenen 
trauern, vor allen von einer bedauerungswürdigen Mutter, 
die sich nicht zu fassen weiss und Jedem sagt: ,Ach, wenn 
Sie es nur gesehen hätten! da sass er, da sass sie; es war wie s& 
Egmont und Clärchen*. 

Diess Bild, ganz nach dem Leben, darf als ein Muster un- 
serer Zeit, in Ihrer Sammlung nicht fehlen. Von dem Töch- 
terchen und ihren Uebungen in allen Stellungen der Jung- 
frau Maria sage ich nichts, denn das htlbsche Kind Ist Ihnen 30 
gewiss noch vollkommen gegenwärtig** (Boisser^e 2, 69 f.). 

Goethe war am 30. September in Mannheim gewesen und 
hatte den Mittag bei der Familie v. Stryck zugebracht Sollte 
das Obige und Goethes Antwort sich auf scherzhafte Er- 
lebnisse daselbst beziehen? S5 

* Die Regentin zu Maehiavell (Aufzug 1): ..Graf Egmont freut 
ihn sich nennen zu hören; . . Warum nennt er sich nicht Prinz 
von Gaure, wie es ihm zukommt?** (W. 8, 190. 11—15.) 



1815 EGMONT. 267 

December 26, Weimar. 498 

[Vormittags] ^gmont*.^ 
Tgb. 6, 197, 14. 

ft Januar 8, ^ 1816. 

Januar 8, 

Januar 10, 

Februar 13, 

Februar 22. 
10 Februar 22, 

Februar 26, 

October 15. 

r. \^ \ Weimar. - s. Nr. 238. 239. 498h. 1 

November 14, 



Weimar. — s. Nr. 317—323. 498 a— g 



..1 



1818. 

15 März 5, Weimar. 499 

Heute besuchte ich [Müller] Goethen, der sehr genial 
Friesen [ J. F. Fries], das Skelet eines Tigers nannte und 
seine Vorahndungen des Unheils aus der Wartburg- 
feier erzählte. „Quiconque rassemble le peuple, Tömeut," 

20 rief er nach Eetz mehrmals aus. Gegen Voigt habe 
ihm die Missbilligung der Erlaubniss zur Wartburgfeier 
schon auf den Lippen gesessen, er habe sie verschluckt^ 
um mich nicht zu compromittiren ohne Erfolg. . . . 
„Ich habe im 22. Jahre* den ,Egmont^ geschrieben und 

25 bin seitdem nicht stille gestanden, sondern diese An- 
sichten über Volksbewegung immer fort mit mir sich 
durchleben lassen. Nun weiss ich wohl, woran ich bin;* 
meint Ihr, der ,Egmont* sei nur ein ... . gewesen, der 
mir entschlüpft, oder man müsse mich erst trepaniren, 

80 um den Splitter aus dem Gehirn zu ziehen?" 

Mit Fr. von Müller. — Gespräche 3, 300 (Müller S. 23). 



* Durchsicht für Band 6 der Werke Cotta». 

* Das wäre 1771; solche Zeltangaben dürfen jedoch oft genug 
nicht wörtlich genommen werden; vgl. 1Ö7, 31—38. (Auf 22 
Jahre gibt Goethe sein Alter gelegentlich auch für die Ent- 
BtehungBzelt .Werthers' an, s. Epos 2, 654, 4.) 

* Vgl G.-Zelter2. 416 f. 



268 BGMONT. 1819 

1819. 

][Februai- 14, Weimar.] - [Zu 1773—1788.] 500 

8. 146, 8. 148, 2-6. 

J [Februar 14, Weimar.] 501 

[Zu 1771 — 1782.] . . wurde^ manclie Zeit und Mühe & 
auf den Varsatz, das Leben Herzog Bernhards 
zu schreiben, vergebens aufgewendet. . . . Für mich 
war diese Bemühung nicht unfruchtbar; denn wie das 
Studium zu ,Berlichingen* und ,Egmont' mir tiefere 
Einsicht in das fünfzehnte und sechzehnte Jahrhundert lo 
gewährte, so musste mir diessmal die Verwarrenheit des 
siebzehnten sich, mehr als sonst vielleicht geschehen 
wäre, entwickeln. 

Tag- und Jalires-Hefte [1775] Bis 1780. — W. 35, 6, 
23-26. 7. 9-14. 16 

März [Anfang], Weimar. — s. 16, 17.' 502 

März 27, Weimar. 503 

[Abends] Die Kinder aus ,Egmont*. Kanzler von 
Itfüller. Gräfin Lina von Egloffstein.^ 

Tgb. 7, 30, 10 f. M 

][JuU 28, Weimar.] 504 

[Zu 1812 P]'*' Jene genannten, immer thätigen Freunde 

[Wolflf und Riemer] entwarfen gleichfalls* den Ver- 



* Während des Jahres 1780. 

* Es fällt auf, daas ,Egi;nont' nur unter den Jahren 1787|88 M 
genannt wird, nicht 1775. 

* Dass die beiden Letztgenannten, ausser Goethes Sohn und 
Schwiegertochter, sich am Gespräch über die Vorstellung be- 
theiligten, beweist des Kanzlers Aufzeichnung unter gleichem 
Datum: „Mit Line bei Goethe, deren Enthusiasmus für Eg- 30 
mont [,Egmont*?] recht liebenswürdig war*' (Müller S. 37). 

Diese Aufführung war die erste, seitdem Goethe die Lei- 
tung des Theaters niedergelegt hatte; die Besetzung d^ Rol- 
len hatte mannichfache Aenderungen erfahren, s. 234, 29-46. 
« Wegen des Jahres vgl. 245, 29—246, 10. m 

* Wie sie auch den Plan zu einer Aufführung des »Paust* 
machten (s. diesen ugD.). 



1819 KGMONT. 269 

][JäU 28, Weimar.] [60*1 

such einer neuen Eedaction des ,Egmont* mit Wieder- 
herstellung der Herzogin von Parma, die sie nicht ent- 
behren wollten.^ 
5 Tag- und Jahres-Hefte, 1812. — W. 36, 75, 6—9. 

1821. 

*] [? ? Weimar.] — s. ,Faust* ugD. (mit Fr. Förster.) 504 a 

1822. 

][März 11, Weimar.] — s. 17, 21 f. 505 

10 ][März zwischen 12 und 16, Weimar.] — s. 19, 15—18. 506 

März [Mitte?], Weimar. — s. Nr. 31. 506 a 

1833. 

] [Januar zwischen 10 und 19, Weimar.] — 506 b 

[Zu 1806.] s. Nr. 100. 
16 ] [Januar zwischen 10 und 19, Weimar.] 507 

[Zu 1806.] ,6ötz von Berlichingen* kam wieder an 
die Beihe, nicht weniger ,Egmont*.' 

Tag- und Jahres-Hefte, 1806. — W. 35, 246, 11 f. 
August zwischen 11 und 21, Marienbad. — s. 149, 22. 508 

20 J[ ? ? ? ] 509 

[Zu 1814.] Auf dem Theater sah man die ,S c h u 1 d* 
von M ii 1 1 n e r. . . . 

Die Lösung dieser Aufgabe bewirkte mehrere treff- 
liche Vorstellungen von ,R o m e o und Julie*, «E g - 
25 mont^jWallensteins Lager* und ,T o d*.*' Alle 



^ Vgl. 264, 3 f., Nr. 521 und zu der ganzen Angelegenheit Nr. 
471. 472 nebst ErL 

* Eine Aeusserung aua dem Jahre 1820, die Begleitung zu 
Clärchens Lied „Die Trommel gertihret!" betreffend, s. in 

30 Theil 3 (Die lyrischen Dichtungen). 

" Vgl. Nr. 447, und ,Götz* unter 1806 Januar 25. 

* Die Vorstellungen von ,Egmont* (Januar 29, s. Nr. 491) und 
von ,Romeo und Julia' (Januar 22) gingen beide der Auf- 
führung von Müllners ,Schuld' (Januar 31) voran; das Ge- 

zb sagte passt also strenggenommen nur auf »Wallenstein* (.La- 
ger* März 10, ,Tod* April 80). 



270 EGMONT. 1823 



][???] [509] 

Rollenverändemiigen, die in diesen Stücken vorfielen, 
wurden benutzt zu sorgfältigen Didaskalien, um geübte 
und ungeübte Schauspieler mit einander in Harmonie 
zu setzen. * 

Tag- nnd Jahres-Hefte, 1814. — W. 36, 87, 181 24—88, 4. 

1824. 

Januar 4, Weimar. — s. 27, 25 f. 28, 7—14. 510 

][???]* 511 

[Zu 1796.] Zum grössten Vortheil derselben [der lo 
Weimarischen Bühne] trat Iflfland im März und April 
vierzehnmal auf. Ausser einem solchen belehrenden, 
hinreissenden, unschätzbaren Beispiele wurden diese 
Vorstellungen bedeutender Stücke Grund eines dauer- 
haften Repertoriimis und ein Anlass, das Wünschens- 16 
werthe näher zu kennen. Schiller, der an dem Vor- 
handenen immer fest hielt, redigirte zu diesem Zweck 
den ,E g m n t^, der zum Schluss der Ifflandischen 
Gastrollen gegeben ward, ungefähr wie er noch auf 
deutschen Bühnen vorgestellt wird.* 20 

Tag- und Jahres-Hefte, lim. — W. 35, 62, 25— 63, 8. 

1825. 

Januar 10, Weimar. 512 

Goethe fragte darauf Herrn H.,' was er von deut- 
scher litteratur gelesen habe. Ich habe den ,Egmont' 2ft 
gelesen, antwortete dieser, und habe an dem Buche so 
viele Freude gehabt, dass ich dreimal zu ihm zurückge- 
kehrt bin. . . . 

Das Gespräch lenkte sich auf den ,Egmont^, imd 
Goethe sagte darüber Folgendes: „Ich schrieb den ,1^- 30 



» Vielleicht schon 1819 oder 1820 geschrieben. 

* Vgl. Nr. 433-439. 453. 495. 

* Den von Eckermann nicht ausgeschriebenen Namen des 
englischen Ingenleur-Of flciers finden wir in Tgb. 10, 5, 2 
unter obigem Datum: „[Abends] Kam Eckermann mit 86 
Capitain Hutton". 



1826 EGMONT. 271 



[Januar 10, Weimar.] [512] 

mont^ im Jahre 1775, also vor fünfzig Jahren. Ich hielt 
mich sehr treu an die Geschichte^ und strebte nach mög- 
lichster Wahrheit. Als ich darauf zehn Jahre später in 

6 Eom war, las ich in den Zeitungen, dass die geschilder- 
ten revolutionären Scenen in den iJ^iederlanden sich 
buchstäblich wiederholten.* Ich sah daraus, dass die 
Welt immer dieselbige bleibt, und dass meine Darstel- 
lung einiges Leben haben musste." 

10 Mit Eckennann und Hutton. — Gespräche 5, 125 f. (Eck- 

ermann 1. 127 f.) 

Januar 18, Weimar. 513 

'„Schillers Talent war recht f ür's Theater geschaffen. 

Mit jedem Stück schritt er vor und ward er vollendeter; 

iB doch war es wunderlich, dass ihm noch von den ,Räubem^ 
her ein gewisser Sinn für das Grausame anklebte, der 
selbst in seiner schönsten Zeit ihn nie ganz verlassen 
wollte. So erinnere ich mich noch recht wohl, dass er 
im ,Egmont^ in der Gef ängnissscene, wo diesem das 

«0 Urtheil vorgelesen wird, den Alba in einer Maske und in 
einen Mantel gehüllt im Hintergrunde erscheinen liess, 
um sieh an dem Effect zu weiden, den das Todes-Urtheil 
auf Egmont haben würde. Hiedurch sollte sich der Alba 
als unersättlich in Rache und Schadenfreude darstellen. 

22 Ich protestirte jedoch, und die Figur blieb weg."*' 

Mit Eckermann. — Gespräche 5, 137 f. (Eckermann 1, 137.) 

April 23, Weimar. — s. Nr. 332. 513 a 



' In Bezug auf die politisclien Vorgänge; über die. von der 
üeberlieferung abweiclieude, ganz freie Behandlung der Per- 
30 sönllchkelt Egmonts vgl. 253, 19—254, 5. 273, 3—274. 5. 
* Vgl. Nr. 389. sowie 117, 14—16. 148, 1-6. 
■ Eine im gleichen Gespräch kurz vorhergehende Aeusserung 
über , Egmont* ist in ihrem Zusammenhang belassen worden, 
s. ,Faust* ugD. 
86 * Ausgenommen bei der ersten Vorstellung 1796, vgl. Nr. 453. 



272 EGMONT. 1825 

December 25, Weimar. 614 

„Man kann über Shakespeare gar nicht reden, es ist 
alles unzulänglich. . . . 

Er ist gar zu reich und zu gewaltig. Eine productive 
Natur darf aUe Jahr nur ein Stück von ihm lesen, 5 
wenn sie nicht an ihm zu Grunde gehen will. Ich that 
wohl, dass ich durch meinen ,Götz von Berlichingen* 
und ,Egmont^ ihn mir vom Halse schaffte, . ."^ 

Mit Eckermami. — Gespräche 5, 257 f. (Eekermann 
1, 159 f.) 10 

1826. 

Februar 1, Weimar. — s. 30, 10. 515 

] [Mal 8? Weimar.] — s. Nr. 40. 515 a 

Mal 12. 25. 26. 29, Weimar. — s. Nr. 41-44. 515 b— e 

] [Zwischen Mal 31 u. August 6, Weimar.] — s. 38, 8—20. 516 i* 

Mal 31. I 

Juni 2-4. 10. 16, | Weimar. — s. Nr. 46-52. 516 a— g 

Juli 5, J 

][Jull 18. 19, Weimar.] — s. Nr. 53. 516 h 

Juli 18. 19 I ^.^jjj^^j. _ g ^^r 54_57 516 l-m ^ 

August 1. 6, I 

1827. 

Januar 27, Weimar. — s. Nr. 247. 516 n 

Januar 31, Weimar. 517 

^^Manzoni . . fehlt weiter nichts, als dass er selbst u 
nicht weiss, welch' ein guter Poet er ist> und welche 
Hechte ihm als solchem zustehen. Er hat gjar zu viel 
Respect vor der Geschichte und fügt aus diesem Grunde 
seinen Stücken immer gern einige Auseinandersetzungen 

' — Nebenbei sei bemerkt, dass Goethe 1825 In einem Gespräch so 
mit Friedrich Förster gesagt haben soll: „ . . Negationen 
des Lebens und ,der freundlichen Gewohnheit des Daseins*, 
um mich meiner eignen Worte zu bedienen** (Gespräche 5, 
262, Förster S. 185); der Zusatz kllngi: doch recht ungoe- 
lliiM'h, wenn auch der Dichter Egmonts Worte: „Süsses 86 
Leben! schöne freundliche Gewohnheit des Daseins und Wir- 
kens!** (Aufzug 5) oft genug, als seiner eigenen Natur höchst 
gemäss, Im Gesprfich angeführt haben mag. 



1827 EGMONT. 273 



[Januar 31, Weimar.] [617] 

hinzu, in denen er nachweist, wie treu er den Einzeln- 
heiten der Gesdiichte geblieben. Nun mögen seine Facta 
historisch sein, aber seine Charaktere sind es doch nicht, 

5 so wenig es mein Thoas und meine Iphigenia sind. Kein 
Dichter hat je die historischen Charaktere gekannt, die 
er darstellte, hätte er sie aber gekannt, so hätte er sie 
schwerlich so gebrauchen können. Der Dichter muss 
wissen, welche Wirkimgen er hervorbringen will und 

10 danach die Natur seiner Charaktere einrichten. Hätte 
ich den Egmont so machen wollen, wie ihn die Ge- 
schichte meldet, als Vater von einem Dutzend Kindern, 
so würde sein leichtsinniges Handeln sehr absurd er- 
schienen sein. Ich musste also einen andern Egmont 

16 haben, wie er besser mit seinen Handlimgen imd mei- 
nen dichterischen Absichten in Harmonie stände; und 
diess ist> wie Clärchen sagt, mein Egmont.^ 

„Und wozu wären denn die Poeten, wenn sie bloss 
die Geschichte eines Historikers wiederholen wollten! 

20 Der Dichter muss weiter gehen und uns wo möglich 
etwas Höheres und Besseres geben. Die Charaktere 
des Sophokles tragen alle etwas von der hohen Seele 
des grossen Dichters, so wie Charaktere des Shakespeare 
von der seinigen. Und so ist es recht, und so soll man 

25 es machen. Ja Shakespeare geht noch weiter und macht 
seine Römer zu Engländern, und zwar wieder mit Recht, 
denn sonst hätte um seine Nation nicht verstanden. 



* Vielmehr Egmont sagt zu Clärchen (Aufzug 3, Schlus»): „Das 
Ist d e i n Egmont". Zur Sache vgl. 253, 19— 254, r>. 271, 2-4 

80 und die betreffenden SteUen in Schiller» Recension. Dieselbe 
Ueberzeugung, die Goethe hier ausspricht, hatte Eckermann 
selbst, schon vor dem persönlichen Beltanntwerden mit Goe- 
the, nachdrtickUch vertreten in seiner Schrift ,Beiträge zur 
Poesie mit besonderer Hinweisung auf Goethe* (Stuttgard, 

85 in der Cottaischen Buchhandlung. 1824 S. 82—87), die er. 

Im Mai 1823, im Manuscript an Goethe geschickt hatte. 

Oräf, Goethe tl^er s. Dichtuneren. T. II, B. 1. 18 



274 EGMONT. 1827 

[janaar 31, Weimar.] [517] 

„Daiin,*^ fuhr Goethe fort, „waren nun wieder die 
Griechen so gross, dass sie weniger auf die Treue eines 
historiachen Factums gingen, als darauf, wie es der 
Dichter behandelte." 

Mit Eckermann. — Gespräche 6, 47 f. (Eckermann 1, 225 f.) 

Februar 17, 

Februar 18, 

Februar 19, } Weimar. — b. Nr. 248—252. 517 a— e 

März 12, 10 

April 4. 

Mai 3. Weimar. - s. Nr. 59. 517 f 

October 24. i „, , ^, _^^ „^^ ^.^ _ 

^ ^ ^ ^^ \ Weimar. — s. Nr. 254. 255. 517 g. h 

October 25, ) 

December 29, Weimar. 518 i* 

E. W. erhalten in beigehendem Packet das Ihnen ge- 
widmete Exemplar der zweiten Lieferung [Werke Cotta' 
Band 6 — 10], die Ihnen wie die erste so vieles verdankt. 
Beigefügt sind in duplo [Band] 7. 8. 9 . ., da Sie dann 
die Güte hätten, das zu Bemerkende an die Seite zu be- ao 
merken, wodurch das Geschäft einigermassen erleichtert 

würde.^ 

An Göttling. — G.-Göttling S. 22. 

] [Februar oder März, Weimar.] 519 a» 

Seine Pietät für SchiUer war eine so innerlich tiefe, 
dass man davon wahrhaft ergriffen werden musste. Ich 
[Holtei] hatte, als über ,l^gmont' gesprochen wurde, 
einjst die Bearbeitung, die Schiller für's Theater unter- 
nommen, zu tadeln gewagt und mein Erstaunen geäus- ao 
sert, dass sie noch immer auf der Weimarisehen Bühne 
gelte. Den Blick des Alten werd' ich nie vergessen, mit 
dem er mich anblitzte imd fast grimmig sagte: „Was 
wisst Ihr, Kinder! Das hat unser grosser Freund besser 
verstanden, als wir."* 35 

Mit K. V. Holtei. — Gespräche 6, 267 (Holtei 4, 75*). 

» Vgl. 49. 22 und Nr. 520. 

• Vgl. aber Nr. 472. 495. 504. 521. Holtei las während dieser Zeit 



1828 EGMONT. 275 

März 24. Weimar. 520 

[Morgens] Die von Göttling oomgirte kleine Anfl- 
gabe angesehen, weil sie fortzuschicken ist.^ 
Tgb. 11. 106, 28- 107, 1. 

Februar 19. Weimar. 521 

Wir^ sprachen . . viel über ^Egmont^, der am Abend 

vorher, nach der Bearbeitung von Schiller, gegeben 

worden,* und es kamen die Nachtheile zur Erwähnung, 

10 die das Stück durch diese Redaction zu leiden hat. 

Es ist in vielfacher Hinsicht nicht gut, sagte ich 
[Eckermann], dass die Regentin fehlt; sie ist vielmehr 
dem Stücke durchaus nothwendig. Denn nicht allein, 
dasö das Ganze durch diese Fürstin einen höheren, vor- 

15 nehmeren Charakter erhält, sondern es treten auch die 

politischen Verhältnisse, besonders in Bezug auf den 

spanischen Hof, durch ihre Dialoge mit Machiavell 

durchaus reiner und entschiedener hervor. 

„Ganz ohne Frage^^, sagte Goethe. „Und dann ge- 

«) winnt auch Egmont an Bedeutung durch den Glanz, 
den die Neigung der Fürstin auf ihn wirft, so wie auch 
Clärchen gehoben erscheint, wenn wir sehen, dasa sie, 
selbst über Fürstinnen siegend, Egmonts ganze Liebe 
allein besitzt. Dieses sind alles sehr deUcate Wirkungen, 

«5 die man freilich ohne Gefahr für das (Janze nicht 
verletzen darf."* 

einmal In Jena .Egmont* vor „für irgend einen wohlthätigen 
Zweck, vor grosser Versammlung von Damen, Professoren 
und Studenten" (Holtei 4, 52). 
80 * Werke Cotta' Band 1—9, als Druckvorlage für die ,Octav- 
Ausgabe*; vgl. Nr. 518. 
' Ck>ethe, sein Enkel Wolfgang (8^ Jahre alt) und Bckermann. 
' Die Besetzung der Rollen von Egmont, Oranien und Alba 
war dieselbe wie 1819 MSrz 27 (s. 234, 29—45); Durand spielte 
86 den Brackenburg, die vierzehnjährige (?) Caroline Lortzlng 
das Clärchen, Seidel den Vansen. 
* Vgl. Nr. 472. 495. 504. 517. 



276 EGMONT. 1829 

[Febraar 19, Weimar] [521] 

Auch will mir scheinen, sagte ich, dass bei den vielen 
bedeutenden Männerrollen eine einzige weibliche Figur, 
wie Clärchen, zu schwach und etwas gedrückt erscheint. 
Durch die Regentin aber erhält daß ganze Gemälde mehr & 
Gleichgewicht. Dass von ihr im Stücke gesprochen wird, 
will nicht viel sagen; das persönliche Auftreten macht 
den Eindruck. 

„Sie empfinden das Verhältnise sehr richtig*^, sagte 
(Joethe. „Als ich das Stück schrieb, habe ich, wie Sie lo 
denken können, alles sehr wohl abgewogen,^ und es ist 
daher nicht zu verwundem, dass ein Ganzes sehr em- 
pfindlich leiden muss, wenn man eine Hauptfigur her- 
ausreisst, die in's Ganze gedacht worden und wodurch 
das Ganze besteht. Aber Schiller hatte in seiner Natur i6 
etwas Gewaltsames; er handelte oft zu sehr nach einer 
vorgefassten Idee, ohne hiulängliche Achtung vor dem 
Gegenstande, der zu behandeln war."* 

Man möchte auf Sie schelten, sagte ich, dass Sie es 
gelitten und dass Sie in einem so wichtigen FaU ihm so 20 
unbedingte Freiheit gegeben. 

„Man ist oft gleichgültiger als billig", antwortete 
Goethe. „Und dann war ich in jener Zeit mit anderen 
Diagen tief beschäitigt.' Ich hatte so wenig ein Inte- 
resse für ,Egmont* wie für das Theater;*' ich Hess ihn 25 
gewähren. Jetzt ist es wenigstens ein Trosr für mich, 
dass das Stück gedruckt dasteht, und dass es Bühnen 
gibt, die verständig genug sind, es treu und ohne A^er- 
kürzung ganz so aufzuführen, wie ich es geschrieben."' 

Mit Bckermaim. — Gespräche 7. 22—24 (Eckermann 2, 30 
51—53). 



^ ,,Goethe hat Alles künstlerisch und weise abgewogen, nicht 
aber Schüler in der bekannten Reeenslon'\ hatte Eckermann 
1823 in seiner 273, 33—35 angeführten Schrift (S. 83) gesagt. 

* Vgl. dagegen Nr. 519. 8^ 

* Arbeit an »Wilhelm Meisters T^hrjahren* mid Uebersetzung 
der ,Vita di Benvenuto Cellini*. 

* Vgl. dagegen Nr. 435. 

* Hierzu hatte Beethovens Musik nicht unwesentlich beige- 



1829 EGMONT. 277 

Februar 19, Weimar. 522 

Mittag Dr. Eckermann und Wölfchen. . . . Mit beiden 
die gestrige Aufführung ,Egmx)nts^ betreffend [s. Nr. 
521]. 
6 Tgb. 12. 26. 8 f. 11 f. 

November 16, Weimar. 528 

Abends Vorlesung des ^Egmont^ bei meinen Kindern.* 
Tgb. 12, 154, If. 

1880. 

10 *] [Zwischen November und 1831, März, Weimar.] 524 

[Zu 1773 bis 1775 October.] Nachdem ich im ,Gätz 
von Berlichingen^ das Symbol einer bedeutenden Welt- 
tragen, da dieser das Oilginal zu Grunde liegt, nicbt Schil- 
lers Bearbeitung, in welcher die Scenenfolge und Actelnthei- 

15 lung eine andre ist. 

Düntzer theilt zu diesem Gespräche mit (Eqkermann 2, 
256 f. zu S. 52): „In Soret» Nachlass findet sich der Ent- 
wurf eines Briefes an Goethe von demselben 19. Februar, 
worin es heisst, Soret theile Eckermanns Unzufriedenheit mit 

30 Schillers Einrichtung des gestern gegebenen ,Egmont', wo- 
nach Eckeimann schon früher diese Aeusserung über die 
Schillersche Bearbeitung gethan und Goethe darüber mit 
Soret gesprochen haben muss. Eckermann hatte ,Egmont' 
schon einmal gesehen, Goethe aber seine Aeusserungen da- 

85 rüber nur zum Theil gebilligt In Bezug darauf äusserte 
Soret, Schillers Aenderungen seien doch bedeutender, als 
Goethe gemeint, namentlich könne man die Streichung der 
Regentin nicht billigen, die auf Albas Erscheinen vorbereite; 
auch die Verlegung von Scenen u. a. schade dem Verständ- 

80 nisse des Stückes". 

* Eine ausführliche Schilderung dieses Abends, wo mit ver- 
theilten Rollen gelesen wurde, der Lesenden und der Zu- 
hörenden gibt Eckermann, der unter den letzteren war, Taga 
darauf in einem Briefe an Auguste Kladzig, s. Chronik d- 

85 WGV. 11, 49 f. (1897); Goethe selbst wird von Eckermann 
nicht erwähnt und war wohl auch nicht anwesend. (Im Da- 
tum von Eckermanns Brief muss es übrigens, nach Goethes 
Tagebuch, nicht 16. heissen, sondern 17.) 
^ Bei einer Unterhaltung über merkwürdige Eigenschaften und 

40 Gewohnheiten der Thiere, die nach Pönsters Erzählung 1830 



278 EGMONT. 1830 



][ZwUchen November und 1831, März, Weimar.] [584] 

epocbe nach meiner Art abgespiegelt hatte, sah ich 
mich nach einem ähnlichen Wendepunct der Staatenge- 
ßchichte sorgfältig um. Der Aufstand der Niederlande 
gewann meine Aufmerksamkeit. In fiötz^ war es ein b 
tüchtiger Mann, der untergeht in dem Wahn: zu Zeiten 
der Anarchie sei der wohlwollende Kräftige von einiger 
Bedeutung. Im ,Egmont^ waren es festgegründete Zu- 
stände, die sich vor strenger, gut berechneter Despotie 
nicht halten können. Meinen Vater hatte ich davon lo 
auf daß lebhafteste unterhalten, was zu thun sei, was 
ich thun wolle, dass ihm diess so unüberwindliches Ver- 
langen gab, dieses in meinem Kopf schon fertige Stück 
auf dem Papiere, es gedruckt, es bewundert zu sehen.* 

Hatt' ich in den frühem Zeiten, da ich noch hoflfte, is 
Lili mir zuzueignen, meine ganze Thätigkeit auf Einsicht 
und Ausübung bürgerlicher Geschäfte gewendet, so traf 
es gerade jetzt, dass ich die fürchterliche Lücke, die 
mich von ihr trennte, durch Geistreiches und Seelenvol- 
les auszufüllen hatte.* Ich fing also wirklich ,Egmont' ao 
zu schreiben an, und zwar nicht wie den ersten ,Götz 
von Berlichingen' in Reih^ und Folge, sondern ich griff 
nach der ersten Einleitung gleich die Hauptscenen an, 
ohne mich um die allenfallsigen Verbindungen zu be- 

(Mai oder Juni) in grösserer GeseUschaft in Goethes Garten 2& 
am T&rk Statt fand, war Goethe anwesend. „Von der Weis- 
heit des Elephanten wie von den Schelmereien und Listen 
Reineltes wurde manches mir [Förster] noch Unbelsannte 
mitgetheilt und nicht unerwähnt gelassen, dass Egmont dem 
Herzog Alba bemerkUch mache, wie es leicht sei, eine Herde ao 
Schafe zu treiben, wie man aber dem edlen Ross seine Ge- 
danken ablernen müsse" (Förster S. 226 f.); ob das Letz- 
tere von Goethe selbst erwähnt wurde, oder ob er, falls es 
von einem Andern vorgebracht worden, etwas dazu äusserte, 
wird nicht gesagt 35 

^ Vgl. 257. 15-23. 

* Vgl. 258, 5-8. 



1830 EGMONT. 279 

] [Zwischen November and 1831, Man, Weimar.] [624] 

kümmeni. Damit gelangte ich weit, indem ich bei mei- 
ner läßölichen Art zu arbeiten von meinem Vater, es 
ist nicht übertrieben, Tag und Nacht angespornt wurde, 
6 da er das so leicht Entstehende auch leicht vollendet zu 
sehen, glaubte.^ 

So fuhr ich denn am ,Egmont^ zu arbeiten fort, und 
wenn dadurch in meinen leidenschaftlichen Zustand 
einige Beschwichtigung eintrat^ so half mir auch die 
10 Gegenwart eines wackem Künstlers [Kraus] über man- 
che böse Stunden hinweg, . . . 

Dichtung und Wahrheit Theil 4 Buch 19. 20. — W. 29, 
162, 6-168. 7. 167, 1—6. 

1881. 

16 ] [Zwischen März und October, Weimar.] — 525 

[Zu 1774. 1775.] — s. ,Götz* ugD. (Dichtung u. W. Buch 17.) 



* Zu dem Ausdruck „gelangte ich weit" (Z. 2) vgl. die Worte 
257, 15: „brachte Um beinahe zu Stande". Dass unter der „ers- 
ten Einleitung" (278, 23) nicht nur die Yolksscene des 1. Auf- 

20 zugs gemeint sei, sondern auch der, ihr folgende, Auftritt der 
Regentin, lässt Nr. 353 vermuthen. Statt „Hauptscenen" (278, 
28), wie in der Handschrift steht, haben die Drucke (Werke N. 
Band 8, von Eckermann und Riemer besorgt): „Hauptscene"; 
dass erstere Lesart richtig sei, dafür spricht deutlich auch der 

26 Ausdruck „die allenfallsigen Verbindungen", vgl. Düntzers 

Erläuterungen 7, 5; WK. 20, 162, 13; WH. 23, 217; GJ. 12, 

249 und Jakob Minors Aufsatz »Entstehungsgeschichte und 

Stil des Egmonf in den .Grenzboten' 1883, 42 (1), 361—370. 

Zu dem Ausdruck „lässlich" (Z. 3), der hier keineswegs 

80 gleichbedeutend ist mit „nachlässig", vgl. Boucke S. 115 f. 



E 1 p e n r. 



I. Erste Fassang: in Prosa. 

Ha$^chriften: Abschrift beider Aufzüge von Schreiberhand 
(vgl. 285, 25-28), mit dem Titel: ,Elpenor. Ein 
Schauspier. „Correcturen von Goethes Hand finden 6 
sieh nicht"; dagegen hat Herder (wahrscheinlich 1786) 
„mit Tinte einige wenige Cori'ecturen und Umstellungen 
vorgenommen" und „an mehreren Stellen durch perpen- 
diculare Bleistiftstriche eine Eintheilung in Verse Auge- 
deutet", auch Riemer hat (wahrscheinlich 1806) „einige lo 
Aenderungen mit Bleistift notirt, namentlich einige Worte 
mit Tinte [?] unterstrichen imd ein NB an den Rand ge- 
setzt" (Zamcke W. 11, 368 f.). 

Die Prosa - Fassung ist weder von Goethe selbst, noch 
von den durch ihn beauftragten Herausgebern seines 15 
Nachlasses veröffentlicht worden. — Wegen der obigen 
Bezeichnung „Erste Fassung" vgl. 284, 33—39. 

Weimarer Ausgäbe: 1892, W. 11, 368—396, als Paralipomenon, 
nach den „Lesarten" der zweiten Fassung. 



II. Zweite Fassung: in Versen. 



90 



Handschriften: Niederschrift Riemers, mit dem Titel: ,Elpe- 
nor. Ein Trauerspiel. Fragment*; mit Rie- 
mers Verbesserungen; letztere sind bei der Drucklegung 
berücksichtigt worden. 

Die Druckvorlage, der Goethe „eine eingehende Redac- 85 
tion" widmete, ist nicht bekannt; ihr „lag zweifelsohne 
eine Abschrift der letzten Riemerschen Herstellung zu 
Grunde" (Zamcke W. 11, 363). Vgl. Nr. 545 und GJ. 
13, 265. 

Erster Druck: 1806. Werke Cotta* 4, 315-360, unter dem Titel so 
,Eli)t*nor. Ein Trauerspiel Fraguient'. 



1780 ELPBNOR. 281 



Zweiter Druck: 1816, Werke Cotta' 7, 371—41«; Titel wie im 

ersten Druck. 
DritUr Druck: 1827. Werke Cotta» 10. 1--47; Titel wie in 
Druck 1 und 2. 
B Weimarer Ausgabe: 1892, W. 11, 1—40 und 361—367. Den übri- 
gen Inhalt des Bandes s. 98, 25—29. 
Neuerdings ist eine Ergänzung des Bruchstückes erschie- 
nen unter dem Titel: .Elpenor Trauerspiel Fragment von 
Goethe Fortsetzung III. bis V. Aufzug von Woldemar Frhr. 
10 von Biedermann Leipzig F. W. v. Biedermann 1900*. 

178©. 

?][Juli Ende, Weimar.] 526 

Gestern ging ich so zeitig weg, weil ich ein neu DraJna 
im Kopf hatte, davon ich den Plan zusammen trieb.^ 
16 An Ch. V. Stein. — Br. 7, 266, 6—8. 

1781. 

August 11, Weimar. 527 

jElpenor^ angefangen.^ 
Tgb. 1. 180. 1. 

90 August 19, [Weimar.] 528 

Schon den ganzen Morgen bin ich Dir nah, meine 
Beste, und hätte geschrieben und geschickt, wenn mich 
nicht die Geister an mein neues Stück geführt hätten. 
Die zweite Scene wird heute wohl fertig. Adieu, ich 
26 bleibe und wohne in Deiner Liebe, und es ist mir schön, 
dass Deine Phantasie mich mit dem Oncle' zusammen- 
schmiM. 

An Ch. V. Stein. — Br. 5, 183, 20— 184. 2. 

* Wie die Datirung des Briefchens, dem diese Aeusserung an- 
80 gehört, so ist auch die sachliche Beziehung zweifelhaft. Von 

mehreren Forschern auf .Torquato Tasso* gedeutet (vgl. die- 
sen, unter 1780), von anderen als vorerst unbestimmbar er- 
klärt, wird die Stelle durch v. Biedermann für »Elpenor* in 
Anspruch genommen, und zwar mit besondrer Betonung des 
S5 Ausdrucks „zusammen • treiben** (Biedenuann GF. III S. 
63-65). 

* Dem widerspricht Nr. 526 (vorausgesetzt dass dessen Be- 
ziehung auf ,Elpenor' richtig) nicht, denn unter „angefangen" 
ist Jedenfalls der Beginn der Niederschrift zu verstehen. 

40 ■ „Beziehung: unbekannt, sofern n!cht doch eine Anspielung 



282 ELPENOR. 1781 



August 19. Weimar. 529 

Früh an ,Elpenor'.* 
Tgb. 1, 131, 2. 

1783. 

] [November zweite Hälfte? Weimar.) 630 6 

. . ich krame meine alten Papiere durch, sondre und 
• sehe^ was zu thun ist. 

Des Menschen Wesen ist mühselig — 
doch überwiegt das Leben alles, 
wenn die Liebe in der Schale liegt.^ lo 

An Ch. V. Stein. — Br. 7, 289, 8-12. 



auf die der Adreseatin noch nicht genau bekannte Handlung 
des »Elpenor* vorliegt" (Briefe vdH. 2, 75 zu Z. 13); vgl. da- 
gegen die G.-Stein 1, 590 Erl. 2 zu S. 344 angeführten Mög- 
lichkeiten, von denen die letzte, dass „Oncle" sich auf einen is 
Oheim der Frau v. Stein beziehe, die grösste Wahrschein* 
lichkeit hat, zu deren Verstärkung mir auch beizutragen 
scheint, dass Goethe Tags darauf, am 20. August, an Ch. v. 
Stein schreibt: „Heute früh hab* Ich gehausvatert, wie Du 
mich haben willst" (Br. 5. 184. 5 f.). 20 

* VgL 281, 24. 

— Zwischen August 30 und September Mitte schrieb der 
Schweizer Tobler von Weimar aus an Lavater: „Wir wären 
fort, wenn die Herzogin niedergekommen wäre. . . . Alle 
Stunden hofft man den Knall der Canonen zu hören. Goethe 25 
arbeitet in der Hoffnung eines Prinzen am neuen Stücke — 
und wenn das geschieht [d. h.: wenn das erwartete Kind ein 
Knabe und damit der Erbprinz sein sollte], so bleib' ich bis zur 
Aufführung hier; Knebel muss auch dabei sein. Sonst aber 
[d. h.: wenn das Kind ein Mädchen sein sollte] gehn wir ao 
gleich nach der Niederkunft. . . . [Nach dem 10. September, 
wo die Geburt eines todten Mädchens erfolgt war:] Und nun 
ist all das Erwarten hier abermal getäuscht! Knebel wird's 
gesagt haben und Goethes Stück mit in der Geburt erstickt 
— das mich in der That fast mehr reut, als die Princessin . ." 95 
(SdGG. 16, 359, 3—10. 360, 8-11.) 

• Zur Datlrung. bei der auch das Jahr nicht sicher ist, vgl. 
Br. 6. 96. 12—18. — Ob in der Sammlung „ungedruckter 
Sachen", die Goethe zum 24. October 1782 der Herzogin-Mutter 



1783 ELPENOR. 283 

1788. 

?Februar 7, [Weimar.] 531 

Mein Vorsatz, zu Hause zu bleiben, wird wohl nicht 
ausgeführt, denn schon verlangt mich. Dich zu sehen. 
5 Wenn ich es nur einen Augenblick könnte, wollte ich 
gerne wieder an meine Arbeit gehn.^ 
An Ch. V. Stein. — Br. 6, 127, 10-14. 
?Febniar 17. Weimar. 532 

Du wirst Dich auch mit uns über die Ankunft eines 
10 gesunden und Wohlgestalten Prinzen . . gefreut haben.' 
. . . Wir haben uns in keine grosse und kostspielige Feier- 
lichkeiten ausgelassen, doch ist alles rege, besonders 
rühren sich alle poetische Adern und Quellen, gross und 
klein, lauter und unrein, wie Du Dich einmal, wenn Du 
16 die Mutter besuchst, durch den Augeschein überzeugen 
kannst.* 

An Merck. — Br. 6, 128, 13-16. 19-129, 2. 



gesclienkt hatte (vgl. 205, 37—39), auch »Elpenor* enthalten 
war, weiss Ich nicht. Die hier von Goethe wörtlich angeführte 

30 Stelle (nur statt „in der** hat das Original „in seiner") findet 
sich in Anüopes Rede am Sdiluss des ersten Aufzugs (W. 11, 
889, 22 f. und ebenda S. 33 Vers 747 f.); sie beweist, die Rich- 
tigkeit obiger Datirung vorausgesetzt, dass damals Aufzug 1 
schon geschrieben war; das Cltat mochte der Freundin schon 

25 bekannt, vielleicht von ihr und ihm als geflügeltes Wort häu- 
fig unter einander gebraucht worden sein, — wo nicht, so 
könnte man aus ihm leicht auf eine erneute Arbeit an der 
Dichtung um diese Zeit schliessen, in der man abermals der 
Niederkunft der Herzogin entgegen sah. Am 2. Februar 1783 

80 wurde der Erbprinz geboren. (Auffallend ist, dass Goethe 
den Satz schon so in Verse abtheilt, wie er später in der 
zweiten Fassung erscheint) 

* An welche? ,Elpenor* ist doch das Wahrscheinlichste; die 
Herausgeber nennen keine Beziehung (vgl. Düntzer: Goethe 

35 u. Karl August S. 188 das zum 1. März Gesagte und Bieder- 
mann GF. III S. 65 f.). 
» Vgl. 282. 2Ö-34. 

• reber Wielands und Herders Cantaten vgl. Br. 6, 132, 4--8. 
20— 133, 4. Goethe hatte „Den 15. Februar 1783, gegen Mor- 



284 ELPENOR. 1783 



März 1, [Weimar.] 533 

Heut früh schrieb ich an meinem Stücke. 
An Ch. V. Stein. — Br. 6, 131, 8 f. 

März 2, [Weimar.] 534 

An meinem Stück hab^ ich gearbeitet. Es zieht sich 5 
in's Weite, nnd kriegt mehr Körper. Ich werde aber auf 
keine Weise fertig.^ 

An Oh. V. Stein. — Br. 6, 131, 22— 132, 2. 

März 3, [Weimar.] 53Ö 

Ich hatte gehoflEt, das Stück, dessen Anfang Du 10 
kennßt, auch noch bis zum Außgange der Herzogin* 
fertig zu schreiben, es ist aber unmc^iich. Der alte 
Plan war fehlerhaft,* und ich musste es von vorne an 
neu umarbeiten. Ich fahre sachte dran fort und ich 
denke, es wird ja nicht zu spät kommen. 15 

An Knebel. — Br. 6. 133, 5—10. 

März 5, [Weimar.] 636 

Mit Freuden meld' ich, dass meine zwei ersten Acte 

gen** zur ,Feier der Geburtsstunde des Erbprinzen Carl Fried- 
rieh von Sachsen-Weimar* ein Gedicht von vier Strophen ge- 90 
sungen (W. 4, 222); doch ist bei Obigen auch an ,Elpenor* zu 
denken. („Augeschein** 283, 15 in Grimms Wörterbuch nicht 
angeführt) 

Goethes Mutter danl^t der Herzogin-Mutter am 24. März für 
die Uebersendung Jener Cantaten und schreibt: „Mich ver- » 
langt sehr auf meines Sohns Drama — Der Himmel gebe «ein 
Gedeihen, dass auch Er, zur Verherrlichung dieser frohen 
Zelt, etwas Leib und Seele erfreuendes hervor bringen möge!** 
(Frau Rath-Anna Amalia S. 101; vgl. auch ebenda S. 99.) 

• Bis zum Kirchgang der Herzogin am 9., vgl. Z. 11 f. — Sach- 10 
Uch gehört in diese Zeit 287, 6 f. und Nr. 569. 

• Vgl. Z. 29: „auch**, wie Herders und Wielands Dichtungen, 
die rechtzeitig fertig waren. 

• Von diesem „alten**, dem ursprünglichen Plane haben wir 
bis heute keluerlel Kenntniss; doch darf als gewiss angenom- 85 
men werden, dass in Ihm die Dichtung auch als SchauEqpiel, 
nicht als TrauerRpIel gedacht und dass sie nicht In Versen, 
sondern in rhythmischer Prosa geschriel>en war. Diese „erste 
Fassung** ist bei der 280, 2 gewählten Bezeichnung ausser 
A(*ht gt^lassrn: vgl. auch Nr. 569 nebst Erl. 40 



1783 ELPENOR. 285 



[M&n 6, [Weimar.] [536] 

fertig sind, mich verlangt. Dir zu lesen, was Du noch 
nicht gehört hast. 

An Ch. V. Stein. — Br. 6, 135, 1-^. 
6 ?ApiU 20, l Weimar.] 537 

Adieu, Beste, ich will zu schreiben versuchen.^ 
An Ch. V. Stein. — Br. 6, 152, 19. 

178«. 

llJuni 28, Weimar.] — s. 104, 14. 538 

10 Juli 6, Weimar. — & Nr. 146. 538 a 

September ^ » Karlsbad. — s. 105, 4—7. 25- 106, 7.^ 538 b. c 
September 2, I 

December 12, \ ^ ^. ^^r. --/^ eoo ^ 

_ , ' \ Rom. — s. Nr. 149. 150. 538 d. e 

December 16, ) 

1787. 

?][Febniar, vor 16., Rom.] — 8. Xr. 154. 538 f 



15 



1798. 

Juni 24, Weimar. 539 

Da ich gar nichts bei mir habe, sondern alles in Jena 
20 zurückgeblieben ist,'* so musste ich mich in meine alten 

* Vielleicht an ,Elpenor*, nach der Vermuthung Düntzers 
(Goethe u. Karl August S. 190); man könnte auch an ,Wil- 
helm Meisters Lehrjahre' denken, was Epo8 2, 717 ausser 
Acht gelassen ist. 
26 — Zum Jahre 1783 vgl. noch 204, 31— 205, 20. — Im Herbst 
1784 (nach W. 11, 368 Ende September, nach Burkhardt II 
S. 4 im October) liquidirt Vogel „für Abschrift von 18 Bogen 
,Elpenor*" (vgL 280, 3—13). Diese Abschrift wird am 
26. October zur Stelle gewesen sein, unter dem Knebels Tage- 
so buch vermerkt: „Mittags nach Tiefurt. Wieland. ,Elpenor* 
von Goethe gelesen** (G.-Stein, zweite Auflage, 2, 593 Anm. 
5 zu S. 222; In der 3. Auflage dieses Werkes ist die Stelle wohl 
nur Irrthtimlich ausgefallen); heisst das: von Goethe vor- 
gelesen, oder: Goethes ,Elpenor* gelesen? Wurde etwa auch 
36 schon am 16. October .Elpenor* gelesen, unter dem Knebel in 
seinem Tagebuch bemerkt: „ . . in die Komödie; von da zu 
Goethe. Herder, Frau v. Stein da. Vorgelesen** (G.-Stein 2, 
547 Anm. 1 zu S. 118». 
» Dazu vgl. 280, ft-10. 287, 8. 
40 • Goethe war am Abend vorher, nach dreiwöchigem Aufent- 
halt in Jena, fttr einige Tage nach Weimar zurückgekehrt. 



28« ELPEXOR. 171)8 

[Juni 24, Weimar.] [St9] 

Papiere zurückziehen und habe allerlei gefunden, das 
wenigstens als StofE uns zunächst noch dienen kann. 

Ich schicke die französische Bomanze.^ ... In das 
andere beiliegende Manuscript mochte ich gar nicht hin- 6 
einsehen, es mag ein Beispiel eines unglaublichen Ver- 
greifens im Stoffe, und weiss Gott für was noch anders 
ein warnendes Beispiel sein. Ich bin recht neugierig, 
was Sie diesem unglücklichen Product für eine Nativi- 
tät stellen.- lo 

An Schiller. — Br. 13, 194, 4--8. 12-17. 



^ Die Handschrift des Gedichts „En manteau, manteau saus 
chemise*', das Goethe, am 16. Juni in Jena, als Ballade «Der 
Müllerin Verrath* nach seiner Weise frei in*s Deutsche über- 
tragen hatte. 15 
■ Das heisst: Goethe (der annahm, Schiller wisse, dass er der 
Verfasser, vgl. 287, 2 f.) wünschte vor allem zu erfahren: in 
welche Epoche seines Lebens (nativitus lat. = Geburt, Ge- 
burtstunde, Stand der Gestirne zur Zeit der Geburt) Schiller 
die Entstehung des Bruchstückes setzen würde, vielleicht 90 
auch: was Schiller etwa über dessen zukünftiges Schicksal, 
Fortsetzung oder Umgestaltung des Stoffes, dächte. 

Schiller erwidert Juni 25: „ . . das Drama folgt zurück, 
ich habe es gleich gelesen und bin in der That geneigt, gün- 
stiger davon zu denken, als Sie zu denken scheinen. Es er- js 
innert an eine gute Schule, ob es gleich nur ein dilettantisches 
Product ist, und kein KunsturtlieU zulässt. Es zeugt von 
einer sittlich geblldetou Seele, einem schönen und gemässigten 
Sinn und von einer Vertrautheit mit guten Mustern. Wenn 
es nicht von weiblicher Hand ist, so erinnert es doch an eine 30 
gewisse Weiblichkeit der Empfindung, auch insofern ein 
Mann diese haben kann. Wenn es von vielen Longueurs und 
Abschweifungen, auch von einigen, zum Theil schon ange- 
strichenen, gesuchten Redensarten befreit sein wird, und wenn 
besonders der letzte Monolog, der einen unnatürlichen Sprung 85 
enthält, verbessert sein wird, so lässt es sich gewiss mit In- 
teresse lesen. 

Wenn ich den Autor wissen darf, so wünsche ich. Sie nenn- 
ten mir ihn" (Schillers Br. 5, 391 f.). 

Auffallend bleibt, dass Schiller, dem Goethes ,Iphigenie* 40 
und ,Torqnato Tasso* vertraut waren, hier Goethen als den 



17Ö8 BLPENOR. 287 



][Jani 28, Weimar.] 540 

Zufälliger Weise, oder vielmehr weil ich voraussetzte, 
Sie wüssten, dass ^Elpenor' von mir sei, sagte ich es 
nicht ausdrücklich im Briefe, nun ist es mir um so 
5 viel lieber, da dieses Product ganz rein auf Sie gewirkt 
hat. Es können ohngefähr 16 Jahre sein, dass ich diese 
beiden Acte schrieb, nahm sie aber bald in Aversion und 
habe sie seit 10 Jahren gewiss nicht wieder angesehen.^ 
, Ich freue mich über Ihre Klarheit imd Gerechtigkeit, 
10 wie so oft schon, also auch in diesem Falle. Sie be- 
schreiben recht eigentlich den Zustand, in dem ich mich 

Verfasser nieht erkennt, auch nicht einmal aus dem Zusam- 
menhaug von Goethes Brief erräth: dass die Blpenor-Hand- 
Schrift eben zu dem „allerlei'' (286, 2) gehört, das Goethe Jetzt 

15 in seinen „alten Papieren'' gefunden und das, nach Goethes 

Meinung, ihnen beiden „wenigstens als Stoff zunächst noch 

dienen" könne (vgl. auch 286, 5: „mochte nicht hineinsehen*'!) 

Sicher scheint nach Schillers Brief, dass bei dem unter 

»Faust* 1794 [September etwa 10 oder 17, Weimar] mltge- 

90 theilten Gespräch keinenfalis auch an ,Blpenor' gedacht wer- 
den darf (was nach Goethes Worten vom 28. Juni, oben Z. 2 f., 
sehr wohl möglich scheinen könnte). 

Zu Schillers Urtheil vgl. J. Minors Bemerkungen In der 
Chronik dWGV. (1898) 12, 41. 

86 In der Handschrift, die Schiller gelesen hat, waren einzelne 
„gesuchte Redensarten" angestrichen (vgl. 286. 34); da 
nun von den beiden uns bekannten Handschriften die Rie- 
mersche der Zeit nach überhaupt nicht in Frage kommen 
kann (vgl. 290, 28—34). in der Abschrift von 1784 aber weder 

80 die Striche Riemers, aus den gleichen Gründen, in Betracht 
kommen, noch überhaupt sich in ihr Striche bei ..gesuchten 
Redensarten" vorfinden, so muss Schiller die Dichtung (falls 
Jene Striche nicht später entfernt worden sind) aus einer 
nicht erhaltenen oder bis heute unbekannten Handschrift ken- 

85 nen gelernt haben. Vielleicht hat Goethe 1805 abermals die 

gleiche Handschrift Schillern gegeben (vgl. 288, 26—36), und 

sie ist. nach dessen bald darauf erfolgtem Tode nicht wieder 

an Goethe zurück gelangt, verloren gegangen. 

* Zuletzt in den Jahren 1786—1788. während der Arbeiten für 

40 die Ausgabe der .Schriften*; vgl. auch 280, 5—8. 



288 ELPENOR. 1798 



](Jnnl 28, Weimar.] [640] 

befinden mochte, und die Ursache, warum das Product 
mir zuwider war, läset sich nun auch denken.^ 
An SchiHer. — Br. 13, 195, 22— 190, 10. 

1805. ft 

Mai 1, Weimar. — s. 62, 25. 541 

September 30, Weimar. — 542 

s. »Faust* ugD. (an Cotta), erste Zeile. 

1806. 

^Februar 24, Weimar. 543 lO 

Den Inhalt der künftigen Bände [2 — 12 der Werke 
Cotta^J durchgesehen und berechnet. ßevolutions-Stück 
[,Mädchen von Oberkirch'], ,Elpenor'. 
Tgb. 3, 119. 27 f. 



> Vgl. 293. 7—13. — Schiller erwidert Juni 28: „Die Nach- is 
rieht, dass der ,Elpenor von Ihnen sei, hat mich wirklich 
tibeiTascht, ich weiss nicht, wie es kam, dass Sie mir gar 
nicht dabei einüelen. Aber eben well ich unter bekannten 
und wahlfähigen Namen keinen dazu wusste, so war ich sehr 
neugierig auf den Verfasser, denn es gehört zu denen Wer- 20 
ken, wo man, über den Gegenstand hinweg, unmittelbar zu 
dem Gemüth des Hervorbringenden geführt und getrieben 
wird. Uebrigens ist es für die Geschichte Ihres Geistes und 
seiner Perioden ein schätzbares Document, das Sie ja in 
Ehren halten müssen" (SchiUers Br. 5, 398 f.). 2c 

— Noch einmal, im drittletzteo seiner auf uns gekommenen 
Briefe, gedenkt Schiller der Dichtung, indem er sein Schrei- 
ben an Goethe vom 24. April 1805 mit der Bitte schllesst: 
„Vergessen Sie nicht, mir den ,Elpenor* zu schicken*' (Schil- 
lers Br. 7, 238). Hieraus geht hervor, dass beide kurz vorher so 
über die Dichtung gesprochen hatten; in welchem Sinne und 
wann diess geschah, wissen wir nicht, eben so wenig, ob Goe- 
the, als er Tags darauf Schillern besuchte (vgl. Schillers Br. 7, 
240, an Kömer April 25), ihm die Handschrift mitbrachte oder 
ob zwischen beiden am 25. April die Rede von .Elpenor* ge- $5 
wesen Ist. Vgl. Kettner in den ,Preu8sischen Jahrbüchern' 
(1891) 67, 15« f. und Schlösser im ,Buphorion* (3895) 2, 601 f. 

* Tgb, 3, 117, 21—23 vom 6. Februar scheint sich nur auf un- 
gedruckte L y r i k a zu beziehen. 



1806 BLPBNOR. 



?März 12, Weimar. 544 

[Abends?] Monumenti inediti^ mit Biemer und Meyer. 
Tgb. 3, 121, 21 f. 

] [Zwischen März 12 und September vor 30, Weimar.]^ 546 
ft Bafi Stück war ursprünglich in der sogenannten poe- 

tischen, das heisst rhythmischen Prosa, wie auch die erste 
,Iphigenia^ und zwar in fortlaufendem Context geschrie- 
ben; als aber Goethe die Ausgjabe in 8. besorgte* und 
mir [Riemern] das Manuscript zur Durchsicht gab, be- 
10 wog ich ihn, den grösstenrtheils schon jambisch hin- 
schreitenden Text vollends in Verse abautheüen. Er 
überliess jedoch, da er fast kein Interesse mehr daran 
hatte,* die Arbeit mir, der sie, als seine erste der Art^ 
noch furchtsam und vielleicht zu ängstlich gewissenhaft 
ift ausführte, in der Meinung, es sei so wenig als möglich 
durch Zusätze oder Weglassung daran zu ändern; daher 
denn hie und da Verse mit zu viel oder zu wenig oder 
gar keinen Füssen unterlaufen. Goethe war indess da- 
mit zufrieden, und so ward das Manuscript zum Druck 
90 abgesendet.*^ 

Mit Riemer. — Riemer 2, 625 (fehlt in den »GespräehenO. 
Juni 20, Jena. — s. Nr. 209. 545 a 

?Juli 17. 

?Juli 20. \ Karlsbad. — s. Nr. 210-212. 545 b-d 

26 ?JuU 31, 



^ Von dramatischen Dichtungen kommen ausser ,E.' in Betracht: 
die »Aufgeregten', .Faust*, »Götter, Helden und Wieland*, 
,Laune des YerUebten*, »Mädchen von Oberkirch*» »Nauslkaa*, 
»Prometheus* und »Der Zauberflöte zweiter Theil* (wegen 
80 »Satyroe* vgl. diesen unter 1807 November 3 und 1808 Jan- 
uar 11). 
' Die Datirong sttttzt sich auf Nr. 544 und das 290» 28-^38 6e- 
sagta Suphan setzt Riemers Arbeit in den Februar 1806 
(8. GJ. 18, 265). 
86 • „in 8.** kann nur heiseen: in Octav-Format; was das aber 
bedeuten soll, weiss ich nicht» da alle von Goethe selbst be- 
sorgten Ausgaben der Werke» mit einziger Ausnahme der 
Taschen-Ausgabe in 16» (1827—30)» in 8" erschienen sind. 
* VgL 286, 4-10. 287, 7. 288, 2 f. 203, 7-13. 
40 • Vgl, Nr. 550. 

Graf, Goethe Aber a. Dichtnogen. T. IJ, B. 1. 19 



290 BLPENOR. 1806 

August 18. Jena. 546 

Mit der f aiirenden Post geht der vierte Band meiner 

Werke [Cotta^] an Sie ab. Es fehlt daran nur noch 

,Elpenor^, ein Fragment, welches ich mit der reitenden 

bald nachschicke. [ — Nr. 213.] 5 

An CJotta. — Br. 19, 175, 19-22. 

August 19, Jena. — s. 135, 28. 547 

August 19, Jena. 548 

[Morgens] Wurden abgesandt: . . [Brief] A n C o t - 
ta, wegen Abeendung des vierten Bandes [s. Nr. 546]. lo 
. . . Einige Eevision, den vierten Theil meiner Schriften 
[Werke Cotta^] betreflEend. 
Tgb. 3, 160, 16-18. 161, 1 f. 
August 19, Jena. 540 

[Brief an] Cotta, [nach] Tübingen: wegen Absen- i6 
dxmg des vierten Bandes [der Werke Cotta% s. Nr. 546]. 
Tagebuchnotizen 1806. — Br. 19, 542. 
August 27, Jena. 550 

[Morgens] ,Blpenor' Anfang.^ 
Tgb. 3, 165, 4. 90 

August 28, Jena. 551 

Friih am ,Elpenor* fori^fahren.^ 
Tgb. 3, 165, 23. 
?September 2, Weimar. — s. Nr. 215. 551 a 

September 80, Jena. 552 S5 

Da ich noch einige Zeit hier bleibe, so wünsche ich, 
Sie schickten mir die beiden Exemplare von ,Elpe- 



* Vorbereitung für den ersten Druck. Entweder lag Riemers 
Bearbeitung schon vor, und Goethe begann Jetzt deren Durch- 
sicht, oder Goethe fing an, die Prosa-Fassung durclizusehen, so 
hatte Jedoch „fast kein Interesse mehr daran" (s. 289, 12), 
überliess desshalb Jetzt Riemern die Bearbeitung, die dieser 
dann bis Ende September lieferte. Für Letzteres scheint mir 
Nr. 552 entschieden zu sprechen; die Durchsicht der Riemer- 
schen Redaction begann Goethe dann Anfang October (s. S5 
Nr. 553) und führte sie, unterbrochen durch die Kriegsun- 
ruhen, erst Ende dieses Monats zum Abschluss (s. Nr. 558). 



1806 ELPENOR. 291 



(September 30, Jena.J [558] 

n r^ und was Sie allenfalls schriftlich dazu notirt 

haben.^ 

An Riemer. — Br. 19, 194, 2-^. 

fi Oetober 1, Jena. 553 

,Elpenor^* 
Tgb. 3, 172. 9. 
Oetober 20, Weimar. 554 

In den ersten ruhigen Stunden* erhalten Sie das 
10 Fragment ,Elpenor^ zur ersten Lieferung [Werke Cotta^ 
Band 1—4]. 

An Cotta. — Br. 19, 205. 18-20. 
Oetober 24, Weimar. — s. Nr. 216. 555 

Oetober 25. Weimar. 556 

15 [Früh] ,Elpenor^ und die ,Fischerin^* 

Tgb. 3, 176, 3. 
Oetober 26. Weimar. — s. 137, 11—14. 557 

Oetober 26, Weimar. 558 

[Vormittags] Letzte Eedaction des ,Elpenors^ vor 
«0 Absendung desselben. Ingleichen ,Zauberflöte^ und 
,Fi8cherin^ Einpacken der zweiten Lieferung.'* 
. Tgb. 3. 176. 8-11. 
Oetober 27, Weimar. — s. Nr. 218. 558 a 

Oetober 27. Weimar. 559 

«5 ,Elpenor' mit der reitenden Post abgeschickt.* 

Tgb. 8, 376, 17 f. 
Oetober 28, Weimar. 560 

Da die fahrende Poet noch nicht abgeht,^ so schicke 
ich den ,E 1 p e n o r' einstweilen mit der reitenden. 
«0 An Cotta. — Br. 19, 219, 20 f. 



• Vgl. 290, 28-37; die „beiden Exemplare** sind die S. 280 
beschriebenen Handschriften; das von Riemer etwa auf be- 
sonderen Blättern dazu „Notirte" Ist nicht bekannt. 

• Vgl. 290, 34-37. 

35 • Vgl. 290. 30 f. und Nr. 561. 

• Wegen ,Elpenor* vgl. 290, 34—37; die .Fieeherin* wurde für 
Band 7 der Werke Cotta^ durchgesehen. 

• Den Inhalt der Sendung s. Nr. 217. 

• Vgl. 280. 25-29. 

iO ' Vgl. 136, 25 f., und Nr. 559. 



282 HLPBNOR. 1606 

December 26, Weimar. 661 

In den sdilümnsten Standen^ wo wir nm alles besorgt 

sein mnssten^ war mir die Furcht^ meine Papiere zu 

verlieren, die peinlichste, und von der Zeit an schick* 

ich zum Drucke fort, was nur gehn will.^ » 

An Zelter. — Br. 19. 2M. 1-4. 

1807. 

Januar 23. Weimar. 562 

Die Aushängebogen [der Bände 1 — 4 Werke Gott»*] 
sind bei mir nach und nach angelangt. Den ersten, lo 
dritten und vierten Theü habe ich vollständig, . . . 

Diese Bände ganz ernstlich durchzusehen hat sich noc^ 
keine Zeit gefunden; beim flilchtigen Durchblick zeigte 
sich manches, das aber hingehen mag. 

An Cotta. — Br. 19, 266, 24-26. 267, 1-8. 15 

?Februar 26, Weimar. 563 

Mittags über Tisch von unvollendeten und projec- 
tirten Gedichten und Dramen Goethes. 

Mit Riemer (und Goethes Sohn?). — Riemers Tagebuch 
(Deutsche Revue 11 (1), 61 f.). aa 

MXrz 16. Weimar. 564 

[Nachmittags?] Kam die erste Lieferung meiner 
Schriften [Cotta^ Band 1 — 4] von Tübingen an; . * 
Tgb. 13, 199. 1 f. 



^ So das in Nr. 217 und 559 Angeführte. 3» 

' Wegen der Versendung der Freiexemplare, die hier in Goethes 
brieflichen Aeusserungen nicht näher verfolgt werden kann, 
und wegen einiger andrer die erste Lieferung betreffender 
Bemerkungen vgL Br. 19, 285, 2—5. 288, 1—7. 309, 2-6. 345, 
8. 480, 3—6. 446, 3. 480, 12 (?). Da» Tagebuch vermerkt (Tgb. so 
3, 201. 23 f. 205, 18-21): 
März 28: „Meiner Werke erste Sendung an Zelter. . . durch 

Hn Geb. Regierungs-Rath Müller.** 
April 17: „Zwei Exemplare der ersten Lieferung meiner 

Schriften, auf Schreibpapier, an Mme Schlosser sb 
und Mme Stock iMieh Frankfurt" 



1807 BLPBNOR. 293 

Mai 7, Weimar. 565 

^Dass Ihnen mein ^Elpenor^ Freude gemacht hat^ 
ist mir höchst angenehm und der Zweck dieser Blätter 
nun sdion erreicht. Doch ist vielleidit bei dem Bei- 
6 fall, den Sie meinem Fragmente schenken, Ihre Nei- 
gung zu mir und meinem Wesen als mitwirkend an- 
zusehen: denn ich gestehe gern, dass ich diese Arbeit 
selbst nicht mehr beurtheilen kann. Wenn etwas in's 
Stocken geräth, so weiss man immer nicht, ob die 
10 Schuld an uns oder an der Sache liegt. Gewöhnlich 
aber wirft man eine Abneigung auf etwas, das man 
nicht vollenden kann, als auf ein Ding, das uns wider- 
strebt und das wir nicht Herr werden können.* 
An Zelter. — Br. 19, 322, 18—323, 5. 

u 1812. 

November 12. Jena. — s. 8, 9. 566 

181S. 

Februar 20, Weimar. — s. 12, 14. 567 



^ Zelter hatte in seinem Briefe vom 28.|25. April für die vier 
ersten Bände (vgl. 292, 82 f.) gedankt, sodann am 30. April 
ausführlich über den „unendlich schönen*' ,Elpenor' geschrie- 
ben, 8. G.-Zelter 1, 254. 256 f. 

» Vgl. 286, 4—10. 287, 7. 288, 2 f. 289, 12. - Zelter kam in seinem 
Briefe vom 17. Mai nochmals auf ,Elpenor* zurück, s. G.- 
Zelter 1, 262 f. 

In Fr. V. Schlegels Besprechung der ersten Lieferung von 
Goethes Werken Cotta* (Goethe gedenkt ihrer brieflich ge- 
gen K. F. V. Reinhard, s. Br. 20, 91, 20) wird ,Elpenor' nnr 
kurz besprochen und seine Verwandtschaft mit dem Geeist 
und Stil der ,Iphigenie* betont (s. Braun 8, 201); aus zeitge- 
nössischen Briefen seien hier nur die Worte Caroline v. 
Schellings angeführt: „Was sagen Sie denn zu Goethes 
Fragment »Elpenor*? Liegt nicht alle seine Anmuth und Er- 
habenheit darin, und lebendiger noch wie in ,Iphigenien'? 
Der schöne Knabe ist frisch wie Morgenthau. Wenn er das 
noch vollendete*' (1808 April 18, der Adressat ist unbekannt, 
GJ. 18, 119). 



294 ELPENOR. 1816 

1816. 

Februar 13, Weimar. — s. 180, 29. 567 a 

MHra 3, Weimar. 568 

[Morgens] ,Elpenor*.^ 
Tgb. 5. 211. 19. 6 

März 11. 25, 

October 15, Weimar. — s. Nr. 236—239. 568 a--d 

November 14, 

1819. 

] [Februar 14, Weimar.] ri69 lo 

[Zu 1783.] Die zwei Acte von ,E 1 p e n o r* wurden 
1783 geschrieben." 

Tag- und Jahres-Hefte, [1780] Bis 1786. - W. 35, 9, 24. 
MKrz [Anfang], Weimar. — s. 16, 15. 570 

1828. i& 

] [Januar, zwischen 10 und 19, Weimar.] — s. Nr. 100. 570 a 

August zwischen 11 und 21, Marienbad. — s. 149, 11.« 571 



1825. 

Mal 7. \ 

7, 1 ^'^ 



^^ , ^ , .reimar. — s. Nr. 244. 245. 571 a. b 

Mai 7, 1 90 



1826. 

Februar 1, Weimar. — s. 30, 14. 572 

1827. 

Januar 27, 



Februar 17. 18, 
März 12, 
April 4, 
October 24. 25, 



Weimar. — 572 a— g 

s. Nr. 247-249. 251. 252. 254. 255. 



* Durchsicht für den Druclt in Band 7 der Werlie Cotta'. • 

* Vgl. Nr. 538-l>36; Goethe läset bei dieser Angabe unerwähnt, so 
dass die Arbeit von 1788 nur eine Umarbeitung und Fortfüh- 
rung des schon 1781 Begonnenen war. 

■ Statt der Jahrzahl 1780 war doch wohl 1785 beabsichtigt (das 
erste Jahrzehnt in, Weimar; nach 1775 wäre [Herbst] zu 
ergänzen gewesen, ebenso 16, 8. 12 und 149, 2). 85 



1828 ELPENOR. 20ö 

][? ? Weimar.] ' 57» 

Sein . . ,Elpenoi^ hatte mich . . vor kurzem beschäf- 
tigt; ein Ausdruck meiner Bewunderung veranlasste 
6 Goethe zu den Worten: „Auch ich habe eine Vorliebe 
für dieses Fragment, auf diesem Wege hätte ich fort- 
fahren sollen, wenn ich den Deutschen ejn Theater hätte 
schenken wollen. Aber wie der Mensch denn so Vielea 
anfängt und so Weniges vollendet !^^^ 
10 Mit A. von Maltltz. — Gespräche 6. 309. 



* Aus dem Aufsatz , Einige Minuten mit Goethe* von A. v^ 

Maltite, in der ,Abend-Zeitung auf das Jahr 1840S Nr. 220 vom 

23. September, Sp. 1831, Jahrgang 24 Band 3. Leider ist der 

Schlusssatz von Goethes Worten in den ,Gesprächen* ausge- 

15 lassen, auch der Titel des Aufsatzes entstellt angegeben. 




Epimenides Erwachen. 



10 



15 



Handichriften: 1. Abschrift des ersten, von Goethe nach Berlin 
gesandten (Jetzt verschollenen) Mannscripts, von unbe- 
kannter Hand; in der Bibliothek des Königlichen Thea- 
ters zu Berlin unter der Aufschrift »Epimenides. Dlrigir- 
buch Nr. 1.* 

2. Handschrift der Partitur in 2 Bänden; in der Biblio- 
thek des Königlichen Theaters zu Berlin (auf Goethes 
Wunsch im November 1815 nach Weimar geschickt, vgl. 
Nr. 686 f.). 

3. ELandschrlft des zur Partitur (2.) gehörigen Textes; 
in der Bibliothek des Königlichen Theaters zu Berlin un- 
ter der Aufschrift »Des Epimenides Erwachen. Festspiel 
in Einem Act von Herrn von Göthe. Soufleurstimme*. 

4. Vereinzeltes: 

a. Die ausgeschriebenen Rollen der Muse und der 
Einigkeit; im Besitz des Königlichen Theaters zu Berlin. 

b. V. 210—217 und neun Verse, an deren Stelle spä- 
ter V. 843— «54 traten, von Caroline Ulrichs Hand (vgl. 
W. 16. 547 f.). iO 

c. V. 220-287 in der für die Aufführung in Weimar 
bestimmten Fassung, von Goethes Sohn geschrieben. 

d. Abschrift der Zelterschen Gompositlon des Chors 
„Vorwärts!"; nach W. 16, 530 „in Goethes Notensamm- 
lung" (?). t5 

Erster Druck: 1815, unter dem Titel ,Des Epimenides Erwa- 
chen. Ein Festspiel von Göthe. Berlin, l)ei Duncker und 
Humblot MDCCCXV.* Dem Titelblatt gegenüber, auf 
der Rückseite des Schutztitels steht: „Die Musik zu die- 
sem Festspiel ist vom Herrn Capellmeister Bernhard so 



EPIMBNIDES ERWACHEN. 297 



Anselm Weber, welcher dieselbe besonders herau»- 
geben wird;" S. 1 und 2 enthält das Verzeichniss der Per- 
sonen (ohne die Namen der Schausfijbeier). Nach dem Titel- 
blatt ist diesem Drucke beigeheftet ein erläuterndes ,Vor- 
§ wort an die Zuschauer des Festspiels: Des Epimenides Er- 

wachens unterzeichnet: K. L. [= Karl Levezow], es um- 
fasst XIV Seiten (wobei das erste, nur den Titel ent- 
haltende, Blatt mitgezählt ist); dieses Vorwort scheint auch 
einzeln verkauft worden zu sein, und zwar in einem, dem 

10 eben genannten ganz ähnlichen, doch von verschiedenem 

Satz abgezogenen Drucke, der leicht kenntlich daran ist, 
dass er nur XII Seiten zählt (das Titelblatt ist nicht mit 
gezählt). In Goethes Handexemplar findet sich der letzt- 
genannte Druck des Vorworts, und zwar nicht vom, son- 

ift dem am Schluss eingeheftet. 

Der erste Druck wurde in einer Au8gal>e auf Velin- 
papier und in einer geringeren Ausgabe hergestellt; diese 
war dazu bestimmt, als Operntext-Büchlein verkauft zu 
werden, weeshalb bei ihr im Personen- Verzeichnis» die 

90 Namen der Berliner Schauspieler angegel)en sind. 

Eine Wiedergal>e des ersten Dmckes findet man in 
WH. 11 (1). 153-203. 
Zweiter Druck: 1810, Werke Cotta» 8. 421-476, in der für die 
Aufführung in Weimar hergestellten Form und Einthei- 

ss lung in zwei Aufzüge, mit den unter Nr. 724 mitgetheil- 

ten beiden Strophen; diesen folgt das Personen- Verzedch- 
nisH (unter der Bezeichnung „Mitwirkende**), in dem, aus- 
ser den 402, 4—24 genannten Personen und Namen der 
Weimarer Schauspieler, angegeben ist: 

80 «Regie OenMt. 

Tonkamtler B. A. Weber. 

Deoormtear Bentlier. 

Berlim den 80. Min 1815. 
M Weimar, den 30. Januar 1816.*" 

Wegen der letzteren ungenauen Angabe vgl. Nr. 718. 

— Am 13. Februar 1816 veranstaltete B. A. Wel)er in 
Leipzig eine Aufführung seiner Musik; bei dieeer Gelegen- 
heit erschien ein Büchlein, ohne Angabe toq Ort und Jahr» 
40 unter dem Titel , Des Epimenides Erwachen, von Göthe. 

Von dem Verfasser für*» Concert eingerichtet. Musik von 
B. A. Weber* (nach W. 16, 532). lieber diese Einrichtung 



298 EPIMENIDES ERWACHEN. 1814 

durch Goeüie ist sonst nichts bekannt, und die Isurzen 
Angaben des Inhalts, die, an Stelle der in diesem Druck 
ausgelassenen Theile der Dichtung, eingeschoben sind 
(tibersichtlich wiedergegeben bei Biedermann: Goethe und 
Leipzig 2, 194—198), machen keineswegs den Bindruck, 6 
als ob sie wiiiilich von Goethe selbst herrührten. 
Dritter Druck: 1828, Werke Cotta* 13, 2(>1-316; wie im zwei- 
ten Druck. 
Weimarer Ausgabe: 1804, W. l(i, 331-381 und 493—554; wie 
im zweiten und dritten Druck. lo 

— Einzelnes, zum Teil schon vor dem ersten Druck 
erschienen: 

1. 1814 das Chor-Lied „Brüder, auf! die Welt zu befreien!** 
(V. 773—820) in der Sammlung ,Das envachte Europa*, Berlin, 
bei Achenwall und Compaguie 1814, 2 (5), 86 f., und im ,Mor- 16 
genblatt* Nr. 275 vom 17. November. 

2. 1815 die in Goethes Aufsatz angefühlten Stellen, s. Nr.'662. 
3. 1816 der „Schluss-Chor** auf der Rückseite der Weimarer 
Theater-Zettel (vgl. 401. 26-31). 

Uebersicht der Aufführungen unter 20 

Goethes Theaterleitung. 

1. 1816 Febraar 7 in Weimar. 

2. n ti 10 in Weimar. 

3. . October 19 in Weimar. 



Mai 17, Berka. 574 

*„Der Antrag ist ehrenvoll; allein die Zeit scheint mir 



* Ilfland an Kirms Mai 6, von Berlin aus: „S. M. der König 
[Friedrich Wilhelm III.] wird, wie man glaubt, in vier Wo- 
chen, vielleicht früher, vielleicht später, in Begleitung des 90 
Kaisers Alexander hierher kommen. Ich wünsche 
sehr, dass etwas, der Zeit und des Gegenstandes würdig, als 
Einleitung gegeben werden möchte. Nichts ist natür- 
licher, als dass der Gedanke mich zuerst dahin führt, durch 
Ihre gütige Verwendung zu erforschen und zu erfragen: ob m 
Herr von Goethe sich entschliessen würde, sein Genie für 
diese Sache willen zu lassen. Die Art und Weise, wie er 
diess geschehen lassen wollte, müsste natürlich seiner Phan- 
tasie ganz und gar überlassen bleiben. Die Gegenwart 
des Kaisers und die Feier dieser seltnen« 
Freundschaft' würde allerdings die Ausführung sehr 



1814 EPIMBNIDES ERWACHEN. 299 



[Mai 17, Berka.] [574) 

ZU kurz zu sein, um denselben ehrenvoll ausführen zu 
können, besonders da ich hier in dem kleinen Land- 
städtchen über die Kräfte einzelner Mitglieder des Ber- 
5 liner Theaters keine Ansicht haben kann; ich will es 
indessen überlegen, in zwei Tagen sollen Sie meine 
Entschliessimg hören". 

Mit Kinns. — WH. 11 (1), 109 f. (aus einem Briefe von 
Kirms an Iffland? — Fehlt in den ,GesprächeD*.) 

10 Mai 17, Berka. 575 

[Nachmittags] Hofkammerrath Kinns. Antrag IfE- 

lands [s. Nr. 574]. 

Tgb. 5, 107, 22 f. 

^[ai 18, Berka. 576 

15 E. W. kann ich nicht verbergen, dass der freundliche 

und ehrenvolle Antrag des Herrn Genenddirector IflE- 

land mich in eine peinliche Lage versetzt. Wie gern ich 

Gelegenheitegedichte bearbeite, habe ich oft gestanden, 

und wie geschwind ich mich zu einem solqhen Untemeh- 

20 men entschliesse, davon mag zeugen, dass ich mich so 

eben mit einem kleinen Vorspiel [,Was wir bringen. 

FortsetÄung'] beschäftige, nach dem Wunsch der Bade- 

erlelchtem. Da es Jedoch nicht positiv gewiss anzunebmen 
ist, ob der Kaiser mitkommt, und da der Kaiser Franz 

25 in dieser Sache so groseen Ausschlag gegeben hat, so ist es 
allerdings noth wendig, seiner auf deutsche Weise zu 
gedenken und des Kronprinzen von Schweden zu 
erwähnen. Doch, was sage ich diess Dem, der es so gut wie 
irgend Jemand übersieht; die Art und Weise, wie diess Stück 

80 geführt sein soll, wird uns hellig und werth sein, wie sie 
Herr von Goethe auch belieben wird. Die Länge des Stücks 
hängt ganz von seiner Disposition ab. Für uns Ist es genug, 
wenn dadurch ein Raum von zwanzig Minuten ausgefüllt 
wird** <WH. 11 (1), 108 f.). 

35 Dieses Schreiben, an dessen Ende Iffland noch bemerkt, 
„dass der König sieh nicht gerne angeredet sehe, es müsste 
denn am Schlüsse sein" (WH. 11 (1), 109), wurde Goethen 
am 17. Mai von Kirms persönlich mitgetheilt. 



800 EPIMBNIDE8 ERWACHEN. 1814 

(Mai 18, Berk».l [»76] 

direction in Halle^ welche etwas Zeitgemässes, das sich 
zugleich auf den verewigten Reil bes&öge, vor kurzem ver- 
langt hat 

Wie weh es mir also thun muss^ eine einzige Gelegen- 5 
heit, wie die, welche sich von Berlin darbietet, zu ver- 
säumen, bedarf keiner Worte. Ich habe die Sache seit 
vierundzwanzig Stunden, nach allen Seiten, durchge- 
dacht und finde sie nicht ausführbar. Vier Wochen 
sind ein gar zu kur^r Tennin; sie wären es nichts wenn lo 
ich mich in Berlin befände, oder wenigstens von dem 
dortigen Theater und den äusseren Verhältnissen früher 
persönliche Kenntniss genommen hätte. 

Die Wirkung nach Halle und in Halle wird mir 
leicht, es geschieht durch unsere Schauspieler, deren is 
Fertigkeiten ich kenne, und für die also, mit einigem 
Oeistesaufwand, wohl solche Bollen zu schreiben sind, 
welche Gunst erwerben. Von Lauchstädt her lässt sich 
manches anknüpfen, in Halle selbst habe ich persön- 
liche Verhältnisse, und sodann ist es wohl erlaubt, das » 
Ganze überhaupt leichter zu nehmen. 

Die Aufgabe für Berlin ist gross, und ich erkenne 
in ihrem ganzen Werth^ die Ehre, die man mir er- 
zeigt, zu glauben^ dass ich sie zu lösen im Stande sei. 
Ich habe den grossen Umfang, der gefordert werden ss 
kann, schnell durchgedacht; aber ich darf keine Erfin- 
dung wagen ohne genügsame Zeit und hinreichende 
Kenntniss. Damit aber dieses nicht eine blosse Aus- 
flucht scheine, so erbiete ich mich, eine ähnliche Arbeit 
durchzudenken, die, bei einem bevorstehenden Friedens- so 
feste auf einem so würdigen Schauplatz, wenn sie 
glückt, mit Ehren erscheinen dürfte. 

Hierzu aber wäre nöthig, dass der Herr General- 
director irgend einem geistreichen Mann den Auftrag 

» „In ihrem ganzen Werth**, Im Conoept von Goethe elgenhän- u 
dig geschrieben über die gestrichenen ursprünglichen Worte 
,,mlt Bescheidenheit*' (Br. 24, 886). 



1814 BPIMENIDES ERWACHEN. 301 



[Mai 18, BerlUL] [§7t) 

gäbe, sich mit mir in Bapport zu setzen und mich mit 
den PersöDlichkeiten der Schauspieler und Sänger, 
den Rollen, worin sie am meisten g}efallen und was 
5 man sonßt noch für nothwendig hielte, bekannt zu 
machen. 

Hierauf würde ich die Erfindung gründen und mich 
darüber, auch abwesend, mit den dortigen einsichtigen 
Männern vorläufig berathen und so getroster an die 
10 Ausführung gehen können. 

Ich bitte dieses, mit Versicherung eines aufrichtigen 
Dankes und wahrhafter Verehrung, dem Herrn General- 
director mitzutheilen.^ 

An Kinn». — Br. 24, 277, 4-279, 5. 
15 Mai 18, Berka. 577 

Der Aufenthalt ist hier sehr angenehm, und bis jetzt 
äusserst stille; da ich mir mancherlei^ zu thun vorge- 
nommen habe, so ist diess mir höchst erwünscht. 
An Knebel. — Er. 24, 279, 10-18. 
ao ?Mai 18, Beiica. 578 

[Nachmittags] Vorspiel.* 
Tgb. 5, 108, 1. 
Mai 19, Berka. 579 

[Abends?] Vorspiel für Berlin. . . . [Brief an] 6 e - 
25 heimehofrathKirms wegen Halle, Expeditionen 
wegen Ifflands Antrag [s. Nr. 576 und 580]. 
Tgb. 5. 108, 6. 8 f. 
Mai 20, Berka. 580 

Haben B. W. etwa schon, nach dem Inhalte meines 
30 gestrigen Briefes [s. Nr. 576], Herrn Generaldirector 
Iffland mein Zweifeln und Zaudern gemeldet, so haben 
Sie die Güte, dem verehrten Mann baldigst anzuzeigen, 

^ Der Brief ging am 19. ab (vgl. Nr. 579); daraus erklärt sieb 
die Becelebnung „gestriger Brief' Z. ao. 
36 » Vgl. 299, 21 f. 300, 22-32. 

• VieUeicht ist ,Wa8 wir bringen. Fortsetzung* gemeint. 



302 EPIMENIDES ERWACHEN. 1814 

(Mai 20, BerluL] [560] 

dass mir sein Antrag allzu schmeichelhaft gewesen^ als 
dass ich nicht hätte alle meine Kräfte hervorrufen und 
» einen Versuch machen sollen, wie sein Verlangen zu er- 
füllen wäre. !Rim ist mir ein Gedanke beigegangen, der » 
mir der Ausführung nicht unwerth scheint. In einigen 
Tagen soll der Entwurf abgehen; wird er gebilligt, so 
können Kleider, Decorationen, Instrumentalmusik, 
durchaus vorbereitet werden. Die Gesänge schickte ich 
zuerst, sodann den Dialog. Da alles, was zu sprechen lo 
ist, unter viele Personen vertheilt wird, so macht sich 
keine Bolle stark, sie sind alle Tage zu lernen. Mehr 
sage ich nicht. Wäre meine gestrige Erklärung schon 
abgegangen, so bitte von der gegenwärtigen eiligen Ge- 
brauch zu machen.^ 15 
An Klmis. — Br. 24, 284, 1—19. 

Mai 20. Berka. 581 

[Nachmittags] Spazieren mit Uli [Caroline Ulrich]. 
Erzählung des Plans zum Vorspiel. 

Tgb. 5. 108, 14 f. 20 

Hai 21. Berka. 582 

[Vormittags] Vorspiel für Berlin. 
Tgb. 5, 108, 18. 

*■ Diesen Brief sandte Kirms an Iffland, der am 28. Mai er- 
widerte: „Seit langer Zeit . . habe ich keine solche reine, 2S 
kindliche Freude empfunden, als die war, welche mir ge- 
schenkt wuixle, da ich den zusagenden, liebevollen Brief des 
Hen-n von Goethe an Sie erhielt. Seit Luthers Refor- 
mation ist kein so hohes Werk, dünkt mich, geschehen, 
als die jetzige Befreiung von Deutschland« so 
... Es gibt keine höhere Feier als die, dass der erste 
Mann der Nation über diese hohe Begeben- 
heit schreib t*', und gab gleichzeitig „zu Goethes Infor- 
mation eine genaue Charakteristik seines für das Stück In 
Betracht kommenden Schauspieler- und Sänger-Personals" t6 
<G. V. Loeper. WH. 11 (1), 111 f.); vgl. 300, 33- 301, 6. 352, 29 f. 



1814 EPIMENIDES ERWACHEN. 303 

Mai 22, Berka. 583 

[Programm.] ^ 
,Des Epimenides Erwache n^ 
Der Anlass zu diesem Titel ist die bekannte Fabel, 
8 dass Epimenides, ein weiser, von den Göttern begünstig- 
ter Mann, durch sonderbare Schickung, eine ganze Le- 
bens-Epoche verschlafen und dadurch die Erhöhung sei- 
ner geistigen Seherkraft gewonnen habe. 
• 

Erste Decoration. 

10 Ein prächtiger Säulenhof; im Grunde ein tempelähn- 

liches Wohngebäude, mit den Coulissen durch Hallen 
und andern architektonischen Prunk verbunden. Die 
Mittelthüre des Gebäudes ist durch einen Vorhang ge- 
schlossen. 

16 Der Vorhang theilt sich. Epimenides erscheint 

und diückt in einem Monolog seine Freude über einen 
reichen und vollkommen gesicherten Wohlstand aus. 

Zwei Knaben treten zu ihm, den Entschluss der 
Götter meldend. Er misstraut ihnen und überzeugt sich, 

ao dass ihm sein Lebensende ge weissagt wird; ergibt sich 
darein, und ungeachtet der Versicherung der Genien, 
dass Schlaf hier buchstäblich gemeint sei, beharrt 
er auf seinem Gedanken und nimmt von der Welt Ab- 
schied. Er steigt, begleitet von den Knaben, die Treppe 

«5 hinauf, und als die Vorhänge sich öffnen, sieht man ein 

^ Eine Reinschrift dieses Programms wm'de am 24. Mai uach 
Berlin abgesandt (vgl. Nr. 589); sie liegt dem Druck in WH. 
11 (1), 185—150 zu Grunde (vgl. W. 41 (1), 412 Anm. 1); sie 
weicht mehrfach ab von den im Goethe- und Schiller-Archiv 

80 vorhandenen drei Handschriften: einem Goncept, einer Rein- 
schrift und einem, inhaltlich der ausgeführten Dichtung am 
niichsten stehenden, gedrängten Auszug. Im Folgenden ist 
nach W. 16 der Wortlaut der in Weimar befindlichen Rein- 
schrift gegeben. Vgl. durchweg die Beschreibung der ausge- 

86 führten Dichtung in dem für das , Morgenblatt* bestimmten 
Aufsatze (s. Nr. 662); femer vgl. 352, 20—27. 



304 ßPIMBNIDBS ERWACHEN. 1814 

[Mai 22, Berka.] [BMJ 

prächtiges Lager^ über demeelben eine wohlerleuchtete 
Lampe. Er besteigt es; man sieht ihn sich niederlegen 
und einschlafen. 

Dieses Alles kann von einer saniten, lieblichen^ 5 
einschläfernden Musik begleitet sein. 
Sobald der Weise ruht, schlieseen die beiden Knaben 
zwei eherne Pforten-Flügel, die herauswärts aufgehen 
und bisher für einen Theil der Decoration gehalten wer- 
den konnten.^ lo 

In diesem Augenblick hört man von ferne donnern, 
zugleich ertönt kriegerische Musik, und in demselben 
Nu werden, wo möglich, sämmtliche Lampen durch gelb- 
rothes Glas verdeckt, so dase über das ganze Theater 
ein rother Brandschein verbreitet ist. is 

Hierauf kommt, im Chor singend, ein Armeezug, wel- 
chen der Dämon des Kriegs und der Zer- 
störung, von den grössten Männern, die zu haben 
sind, umgeben, in der Kleidung, die sich der eines rö- 
mischen Imperators nähert, auftritt.* 20 
Mit dem Costüm des Heeres ist es folgenderge- 
stalt gemeint: es werden nemlich die sämmtlichen 
Völker vorgestellt, welche zuerst von den Bömem 
bezwungen und dann als Bundesgenossen gegen die 
übrige Welt gebraucht wurden. Die sämmtlichen 2& 
südlichen, südöst- und südwestlichen Völker der 
alten Welt können hier vorgestellt werden, insofern 

* Hierzu hat Meyer (im CJoncept) bemerkt: „EJö wird viel- 
leicht zweckmässig sein, wemi die ehernen Pfortenflttgel mit 
den bekannten Bildern des Schlafs und des Todes geziert so 
sind, auch wäre vielleicht durch wohlriechend Rauchwerk 
das Einschlafen des Epimenides noch feierlicher zu machen*' 
(W. 16, 4Ö5 zu Z. 12-14), vgl. 326, 1Ö-22. 331, 12-14. 

* Der gestörte Satzbau fordert statt „auftritt" etwa „anführt", 
oder statt „welchen" (Z. 16 f.) „mit weichem". Meyer be- » 
merkt hierzu (im Concept): „Der sogenannte Mars oder Aga- 
memnon im Capitolinischen Museum könnte hier zum Muster 
gebraucht werden" (W. 16, 495 zu Z. 19—22), vgl. 331, 15—17. 



1814 EPIMENIDES ERWACHEN. 305 



[Mai 22, Berka.] [688] 

sie auffallende Trachten führten, z. B. die Nnmidier, 
Mohren, Aegypter, Kretenser, Macedonier, Thrader, 
Lnsitanier, Spanier, Gallier, Germanen n. dergl. 

5 Gelehrte Frennde werden hierüber die beste Ans- 

knnft und Kupferwerke den ersten Anlass geben.^ 
Denn es ist nicht die Meinung, daas man sich genau 
an das überlieferte Costüm halte, sondern bloss das 
Motiv davon hernehme, wonach ein theatralischer 

10 Effect ausgearbeitet werden kann. 

Um da3 Bunte und Zusammengetriebene eines 
solchen Heeres anzudeuten, dürften von jeder Art 
nur zwei sein, und so rangirt> dass die entgegenge- 
setztesten Rguxen beim Zuge hinter einander, und 

15 beim Frontmachen neben einander stünden. 

Von der Kleidung des Kriegs-Dämons gilt eben 
dasselbe; sie soll nur an den römischen Imperator 
erinnern. Gelb, Gelbroth, Schwarz und Gold, imd 
was sonst noch Gewaltsames der Art in Glanz imd 

20 Farbe aufzubringen, das durch den rothen Schein 

noch erhöht würde, wäre empfehlenswerth.^ 

Der Gesang, womit der Chor auftritt^ wäre viel- 
leicht der kriegerische aus ,P a n d o r a^, den ich zu 
vorläufiger XTeberlegung sogleich beilege.^ 

26 Das Chor ist abgezogen, die kriegerische Musik ver- 

hallt, der Dämon- des Kriegs ist im Begriff, zu folgen, 

* Meyer bemerkt dazu (Im Concept): „Die wunderlichen 
Ooetüme, welche man auf Etrurischen Denkmalen antrifft, 
dürften bei dieser Scene zu benutzen sein" (W. 16, 496 zu Z. 

80 10 f.), vgl. 331. 18-20. 

* Vgl. Goethes Bemerkungen über die ,,8inn]ich-sittliche Wir- 
kung" des Gelbroth in § 774—776 des Didaktischen Theils 
seiner »Farbenlehpe* (Nat W. 1, 318 f.), ebenso beim Folgen- 
den die entsprechenden Paragraphen Ober Blau und die an- 

85 dem in Frage kommenden Farben. 

» Zwei Strophen aus dem Ohor-Lled der Krieger in ,Pandora* 
(„Der Ruf des Herrn", V. 900-915). 
Orif, Goethe Aber s. Dichtungen. T. n, B. 1. 90 



306 EPIMENIDBS ERWACHEN. 1814 



[Mai 22, Berka.] [58S] 

als ihm der Dämon der List und Zwietracht 
mit seinen Gesellen in den Weg tritt. 

Dieser erinnert durch Kleidung und Betragen an 
einen Staats- und Hofmann des 16. Jahrhunderts/ 5 
sowie seine Gesellen gleichfalls die Civilmänner, die 
Gelehrten und Hof leute der damaligen Zeit nach- 
bilden. Pagen dürften nicht fehlen. Es wäre sehr 
artig, wenn diese letztem aus kleinen Kindern be- 
stünden, so wie die Riesen, die noch auf dem Thea- lo 
ter sind, den Dämon des Kriegs umgeben. 
In dem Augenblick, da diese zweite Sippschaft ein- 
tritt, verschwindet der feurige Schein. 

Könnte man durch einen geschickten Mechanis- 
muß gleich an die Stelle der rothgelben Gläser blaue, w 
mit einigen violetten untermischt, vor die Lampen 
bringen, so würde der Gegensatz noch gewaltsamer, 
ja ängstlich werden. 

Der Dämon der List wäre in Silberstoff und Blau, 
doch auch wohl mit schwarzer Pelzverbrämung ge- 20 
kleidet, so wie sein Gefolge auch in diesem Ton zu 
halten wäre. Violett, was bei Nacht nicht ganz 
grau wird, würde den Doctoren, vielleicht noch bes- 
ser den Pfaffen zieren; wie es denn an Geistlichen 
nicht ganz fehlen darf. Ja, es wäre vielleicht zu 2s 
wagen, dass man schöne und wohlgekleidete Frauen 
mit in^s Gefolge brädite. 

Alles Dieses sei der Einsicht imd dem Geschmack 
einer angesehenen Direction überlassen. Möchte 
man mir hierüber, so wie über das anderweitige 30 
Detail einige Kachricht geben, Entschlüsse und 

* Bandbemerkuo« Meyers dazu (Im Concept): „Queste^berg 
aus dem «WaUenstein* mit der unten geforderten Abänderung 
der Farben seiner Kleidunjr" (W. 16, 497 zu Z. 1—3), vgl. 
327, 4; mit Rücksicht auf das daselbst Gesagte möchte 35 
man oben lesen: 16. und 17. Jahrhunderts. 



1814 EPIMENIDES ERWACHEN. 307 

[Mai 22, Berka.] [583] 

Wünsche mittheilen, so würde dadurch die Ausfüh- 
rung noch gesteigert werden können. 
Obgleich die beiden Dämonen, wie es sich bald offen- 
5 hart, nicht in dem besten Verhältnisse stehen, und einer 
sich immer wirksamer und mächtiger zu sein dünkt, als 
der andre, so fühlen sie doch die Nothwendigkeit, sich 
zu verbünden, und nach abgeschlossenem Vertrag folgt 
der Dämon des Kriegs seinem Heere auf dem Fusse. 
10 Man hört ein fernes Abdonnern. 

Will man diesen Moment mit schicklicher Musik 
begleiten, so dass der Dämon der List, von den Sei- 
nigen umgeben, in nachdenklicher Stellung verhar- 
ren kann, indess die Seinigen, bedeutend gruppirt, 
15 gleichfalls zu überlegen scheinen, so müsste es von 

guter Wirkung sein. Zuletzt ist eine allgemeine 
Stille beabeichtigt, damit der Dämon, wenn er zu 
sprechen anfängt, sich der vollkommnen Aufmerk- 
samkeit erfreuen könne. 
20 Das Gefolge tritt zu beiden Seiten; er steht in der 

Mitte, etwas rückwärts, so dass er sie bequem anreden 
kann. 

Auch hier würde es einen guten Eiffect thun, weun 
die Gruppen, wie sie bisher im Hintergrunde bei- 
26 sammen gestanden, sich auflösten, einander durch- 

kreuzten imd die Verhältnisse wechselten, um hier- 
durch die Versatilität der diplomatischen Einwir- 
kungen symbolisch darzustellen. 
In einer Kede sendet der Dämon die Seinigen in alle 
90 Welt; sie zerstreuen sich nach und nach, indem sie einen 
heimlichen Gesang pian, piano anstimmjen und sich ein- 
zeln an die Coulissen bis in die Tiefe des Theaters stellen. 
In dem Augenblick, dass der Gesang endigt, sind sie alle 
auf einmal verschwunden, um den Gegensatz mit 
86 den Kriegsgefährten auszudrücken, welche sich in Masse 
entfernt hatten. 



308 EPIMBNIDBS ERWACHEN. 1814 

[Mai 22, Berka.] [588] 

Der Dämon bleibt allein; er geht schon freier nnd 
leidenschaftlicher heraus^ überhebt sich über den Kriegs- 
gott, ist seiner Wirkung viel gewisser als jener, und in- 
dem er sich einem geschickten Ingenieur vergleicht^ be- 5 
schreibt er die Wirkung seiner Abgesandten wie die eines 
unterminirten Terrains; verachtet die alte Vorstellung 
der Zwietracht als eines gewaltsamen Wesens und spricht 
die wahre moderne Zwietracht aus, die Solutionem Con- 

Zweite Decoration. 
Der Dämon ist seiner Sache gewiss; auf seinen Wink 
und Hauch stürzt die ganze, bisher bestandene Architek- 
tur zusammen. Alles, was im Hintergrunde steht, das 
tempelartige Wohngebäude, die Hallen und sonstigen is 
Prachtstellen stürzen wirklich zusammen, der Giebel ist 
geborsten, doch so, dass die ehernen Pforten jetzt eine 
Felsenhöhle zu schliessen scheinen. Alles war dergestalt 
vorbereitet, dass eine schöne Ruine erscheint. 



^ ,,Die Auflösung des Zusammenhanges, die Zerstörung der 20 
Entwicklung** (G. v. Loeper, WH. 11 (1), 138 •); ob diese Ueber- 
Botzung des Ausdrucks das von Goethe Gemeinte ganz er- 
ßchr»i)ft, ist zweifelhaft. Die Herkunft des auffälligen latei- 
nischen Kunstausdrucks nachzuweisen (und ein termiuus tech- 
nicus ist „solutio contlmii** offenbar), war mir leider nicht 25 
möglich. Nur so viel scheint, nach den freundlichen Mitthei- 
lungen ausgezeichneter Fachmänner, gewiss: dass er weder 
der Kunstsprache der älteren Musik angehört (Goethe» gleich- 
zeitiger reger Verkehr mit dem musikkundigen Badeinspec- 
tor Schütz in Berka^ Tgl. 322, 10, und die Bestimmung des so 
Festspiels für die Composition legte mir diese Vermuthung am 
nächsten), noch derjenigen der älteren Geologie und Bergbau- 
kunde (wohin die Ausdrticke „Ingenieur", „Terrain" und die 
entsprechenden Verse 303—316 der ausgeführten Dichtung zu 
deutt^n scheinen), noch dei:)enigen der Alchymie, der älteren S5 
Jurisprudenz oder Theologie (sollte vielleicht die alte Bau- 
kunst in Frage kommen?). 



1814 BPIMENIDES ERWACHEN. 309 



[Mai 22, Berka.] • [58,] 

Die Coulissen könnten, als Ruinen gemalt, vorge- 
schoben werden, welches um so leichter geschehen 
kann, als der Zuschauer auf die Bewegung der Mitte 
6 aufmerksam ist. Nur bemerke ich, dass nicht daa 

mindeste Grüne auf dem gaifijen Theater erscheine. 
Da man die Architektur der ersten Decoration aus 
buntfarbigen Steinen zusammen setzen, ja mit Erz 
und andern glänzenden Metallen verzieren kann, so 
10 lässt sich denken, dass auch diese Ruine schön colo- 

rirt erscheinen könne. 
Der Dämon der List erfreut sieh schweigend über sein 
Unwerk. Zu ihm tritt derDämonderSklaverei. 
Dieser müsste an einen alten theatralischen Zau- 
u berer erinnern, z. B. an Gozzis Sinadab. TJeber ein 

braunes Gewand hätte er ein goldnes, vielfach ver- 
schlungenes Netz gezogen. TJebrigens könnte er, 
auf orientalische Weise, mehrere Kleider stufen- 
weise übereinander tragen, mit Shawl und Turbcm 
20 an die asiatische Despotie erinnern. 

Er tritt zu dem Dämon der List imd dankt ihm für 
die vortrefflich geleisteten Dienste und für die Grün- 
dung seines Reiches. Der Schweigsame würdigt ihn kei- 
ner Antwort, dergestalt, dass der andre fortfäbrt, sich 
25 übermüthig darzustellen. Endlich ergrimmt der Dämon 
der List, behandelt jenen verächtlich und sich als den 
einzigen Herrscher und entfernt sich. 

Der tyrannische Dämon nimmt sich zusammen, 
schwört jenem ewiges Verderben imd befestigt sich in 
80 sich selbst. 

Dritte Decoration. 
Auf sein Gebot übergrünt sich die Ruine: Epheu 
rankt sich auf, Sträuche treten hervor, Moos und Gras 
bedeckt die horizontalen Lasren des (Jesteins. Hinter 



310 BPIMEMDES ERWACHEN. 1814 



[Mai 22, Berka.] « [588] 

jener Tempelwohnung steigen Cypreesen, ja ein ganzer 

Waid hervor. 

Hier würden der Architekt und der Landschafts- 
maler sich verbinden, um einen überraschenden imd 6 
angenehmen Effect hervorzubringen. Eö ist durchaus 
darauf zu sehen, da^ss die Heiterkeit, welche der 
Ruine allenfaJlß noch geblieben ist^ völlig verdun- 
kelt werde. Ob man der Beleuchtung etwas ent- 
ziehen will, bleibt den Meistern anheimgestellt. lo 
Die Liebe tritt auf. Sie findet sich einsam in der 

Welt, sie wendet sich zu diesem würdig scheinenden 

Mann, der sie foltert und ängstigt. 

Der Glaube tritt auf, auch mit Glauben an ihn. 

Jener bringt sie in Verzweiflxmg und verläset triumph- i6 

irend die beiden. Sie bleiben trostlos. 

Da man die Liebe als die jüngste, den Glauben 
als die mittlere Schwester gedacht hat, so werden 
die Damen sich in Form und Farbe theilen. Ich 
wünschte, dase die liebe an eine Schäferin, der ao 
Glaube an eine Vestale erinnerte, doch immer nur 
im Allgemeinsten, da im Besondem hier aller Spiel- 
raum gelassen ist. 
Zu den jammernden Schwestern tritt die Hoff- 
nung bewaffnet auf. 25 
Sie erinnert an Minerva. Ich wage nicht zu be- 
urtheilen, ob die Schauspielerin an Gestalt imd Be- 
tragen der Höchstseligen Königin [Luise] ähnlich 
sein darf, ob man ihr einen blauen Schild geben 
und in einem Stemenrande die Chiffre der Königin, ao* 
gleichfalls durch Sterne bezeichnet, anbringen 
kann; ich bitte mir hierüber nähere Bestimmimg 
aus. Indessen kann ich, indem sie ihren Schwestern 
zuspricht, einstweilen versuchen, im Namen der 
Verklärten zu reden.^ 35 



> Vgl. 327, 1&-18. 29-34, und A. Sauer in SdOG. 17, LX f. 



1814 EPIMENIDES ERWACHEN. 311 

[Mjü 22, Berka.] [6«t] 

Die beiden Genien treten zwischen sie hinein. In die- 
sem Fünfgespräche wird da^ Nächstkünftige angedeutet. 
Die drei Frauen bestimmen sich zur Thätigkeit. Die 
5 Hoffnung steigt über die Ruinen der einen Seite, liebe 
imd Glaube auf die Trümmern der andern Seite. Die 
Knaben sind indess wieder an die eherne Pforte gelangt. 
Oben stehend begrüssen sich alle noch mit pantomi- 
mischem Abschied« 
10 Ich wünschte diese Handlung, wozu sich die Spie- 

lenden Zeit nehmen werden, durch ein unsichtbares 
Chor b^leitet, wozu die Verse bereit sein sollen. 
Die Genien eröffnen die Pforten und bleiben halb 
versteckt hinter ihnen stehen. Da^ Chor verhallt; man 
16 sieht den Epimenides liegen, wie er eingeschlafen. 

Zu seinem Erwachen, Heraus- und Herabtreten, 
zu seiner Verwunderung, sich nicht mehr zu erken- 
nen, wäre eine analoge ahndungsvolle Instrumental- 
musik wünschenswerth. 
20 Endlich tritt er hervor und äussert seine Gefühle. Es 

ist dimkel geworden; er glaubt sich in der Wüste; die 
Genien mit Fackeln treten herunter. Er befragt sie, 
aber sie legen den Zeigefinger auf den Mund. Sie leuch- 
ten ihm nach der einen Seite des Theaters, wo er alte 
25 Basreliefe wiedererkennt; sie leuchten ihm auf die andre, 
wo er eine bekannte Inschrift aus glücklichen Tagen 
findet. Wehklage über das imübersehliehe Unglück. 

Die Genien eröffnen den Mund und kündigen die auf- 
gehende Sonne an. Das Theater erhellt sich von hinten 
80 hervor. 

Kriegerische Musik. Epimenides wird von den Kna- 
ben wieder auf die Höhe vor der Pforte geführt. Sie 
löfichen ihre Fackeln aus. 
Die kriegerische Musik nähert sich. 
35 Ich wünsche, dass man das Thema einer Melodie 

nehme, die in Berlin beliebt ist und den Enthusias- 



812 BPIMENIDBS ERWACHEN. 1814 



[Hai 22, Borka.] [IM] 

mus der Masee schon erregt hat. Dem Componisten 
bleibt es überlassen, sie nach Belieben und Einsicfat 
zu varüren. Ich erbitte mir hierüber einige Nach- 
weisung. * 
Die Hoffnung, von einer Seite, führt ein Heer über 
die Buinen herein. 

Dieses Heer würde die nordöstlichen und nörd- 
lichen modernen Nationen darstellen, welche so 
costümirt sind, dass sie einen guten theatralischen lo 
Bffect machen. Das russische Beich bietet sehr 
schöne und hier sehr schickliche Kleidimgen. Von 
Oestreich nähme man die Kroaten in ihrer alten 
Tracht, Slavonier und lUyrier, Ungarn; die Ulanen 
würden gleichfalls gut thun, ob ich gleich durchaus i* 
auch hier wünschen würde, dass man sich von der 
Wirklichkeit entfernte und durch eine glückliche 
Kunst den theatralischen Forderungen annäherte. 
Die imgarischen Magnaten wären nicht zu verges- 
sen. Ob man den Polen die Ehre erzeigen will, auch 20 
einige in ihrer alten Tracht auftreten zu lassen, 
stelle anheim. 

Ueberhaupt erbitte ich mir, wenn diese Gegen- 
stände mit den Kunstkennern und Meistern durch- 
gedacht worden, mir [so] das Nähere mitzutheilen. 25 
Die Schweden haben jetzt schon eine Tracht, die 
sie auszeichnet. Wollte man auch auf diese anspie- 
len, so würde es wohl glücken. Was die Preussen 
betrifft, so wünschte ich, dass sie in der Ordens- 
kleidung der Johanniter aufträten, mit dem bekann- so 
ten weissen Stemkreuz. 

Indem dieser Zug über die Buinen herangelangt ist, 
tritt auf der anderen Seite in der Höhe Liebe und 
Glaube, gefolgt von hülfreichen Frauen, hervor. Diese 
tragen goldne Trinkgefässe, goldne Becher, andre die 85 



1814 EPIMENIDE^S ERWACHEN. 313 



fMai 22, Berka.] [683] 

buntesten Körbe mit Blumen und Früchten, andre halten 
Lorbeerkränze in die Höhe, ja sie können bunt umwun- 
dene Stäbe tragen, an welchen alle Arten Kränze schwan- 
6 kend hangen. 

Wie dieses weibliche Chor erscheint, entsteht ein 
Doppelchor, und dem Componisten ist überlassen, 
einzurichten, dass das zweite zartere mit dem ersten 
heroischen glücklich wechsele, und dass beide sich 
10 in eins verschmelzen; wozu die Musik alle Mittel in 

Händen hat. 

Von den Panieren, welche die Krieger schwingen, 

wird noch zu reden sein. Ich würde nicht zu den 

Wappen rathen. Die drei schwarzen Adler zeichnen 

15 sich nicht genugsam von einander aus. Schickliche, 

einfache Symbole würden sich ja wohl finden lassen. 

Um anzudeuten, dass dieses Heer aus grossem 

Massen zusammengesetzt sei, könnte man vier, ja 

sechs und mehrere, soviel der Baum erlaubt, von 

20 jedem Schnitt und Farbe, vorführen. 

Während dieses Auftrittes bleibt die Mitte frei, 

dass man den Epimenides imd die beiden Knaben 

immer sieht. Dem Künstler sei überlassen, das 

Wiedererkennen der Seinigen, seine Freude, sein 

25 Entzücken pantomimisch auszusprechen. 

Zuletzt wünschte ich, dass er mit beiden Kindern 
auf die Knice fiele und sich im Gebet zu sammeln 
schiene. 

Vierte Decoration, 
so Denn in diesem Augenblick wird durch einen glück- 

lichen Mechanismus das (Jebäude wiederhergestellt, die 
Vegetation verschwindet, und alle Gegenwärtigen sind 
bemüht, bei Räumung des Schuttes, bei Wiederaufrich- 
tung der Säulen scheinbar Hand anzulegen. Die übrige 



314 EPIMENIDES ERWACHEN. 1814 



[Mai 22, BerkA.] [588] 

Decoration kann wieder die erste sein, oder, wenn es die 
Zeit und der Aufwand erlaubt, eine noch präxditigere. 
Was das tempelartige Gebäude betrifft, so 
wünschte ich, dass das schwarze eiserne Kreuz, nut 6 
der hellen Einfassung, im Giebel in einem trans- 
parenten Felde erschiene. Oben auf der Giebel- 
spitze stünde der Triumphwagen vom Brandenbur- 
ger Thore, ein schönes Kind, als Victorie, hielte 
die Zügel; auf den beiden Akroterien stünden die lo 
beiden Knaben, die bisher dem Epimenides minis- 
trirt Dieser steht aus seiner betenden Stellung 
nicht eher auf, als bis die Verwandlung des Thea- 
ters völlig geschehen ist. Indem er sich erhebt, kann 
ihm ein prächtigeres Gewand von ein paar Ako- i6 
luthen umgelegt werden, dass er als Hoherpriester 
erscheine. 
Alles hat sich indessen rangirt, Epimenides, mit den 
zwei neuen Akoluthen, welche Jünglinge sind, tritt her- 
vor und dankt den Göttern. 20 

Der Glaube spricht etwas Schickliches dem Kaiser 
von Russland; 
Die liebe dem Kaiser von Oestreich; 
Die Hoffnung dem König in Preussen. 

Die Ordnung, wie dieses geschehen soll, hängt » 
von ßeurtheilung ab, der ich mich nicht xmterziehe, 
doch wünschte ich es voraus zu wissen, indem diese 
oder jene Stellung der Anreden auf die Behandlung 
einen verschiedenen Einfluss hat. 
Epimenides reassumirt alles Dreies und fügt etwas »0 
Schickliches für den Kronprinzen von Schweden hinzu. 
Hier könnte die Stellung und Gruppirung der 
Schauspieler sich dergestalt verändern, dass Frauen- 
zimmer und Mannspersonen sich mischten und eine 
Art von bunter Reihe machten. Wie man die Stan- 86 



1814 EPIMENIDES ERWACHEN. 315 



[Itoi 22, Berka.] [688] 

darten, Thyrßus- und andere in die Höhe ragende 
Zier^täbe mit Kränzen verknüpfen, und was man 
sonst thun will, um den Anblick zu verherrlichen, 

6 ist alles am Platze. 

Dass ein Schlusschor das Ganze beendige, daran 
ist wohl kein Zweifel. Vielleicht erzeigt man den 
Sängern auch die Artigkeit, dass man einen Jeden 
ein Couplet singen und das Chor einfallen lässt. 

10 Diese Couplets könnte nmn zu allerlei Complimen- 

ten brauchen, deren man noch manche schuldig ist, 
z. B. den Freiwilligen, dem Frauen- Verein, den 
ausdauernden Patrioten, ausgezeichneten Kriegern, 
und so manchen Andern, worüber mir nähere Wei- 

15 sung erbitte. Das Chor dazwischen würde immer 

die Einigkeit der Monarchen preisen, durch welche 
ein so grosses Werk vollbracht worden. 

Der Engländer habe ich nicht erwähnt, doch darf 
auch denen ihr Antheil nicht fehlen. 

20 Und wie manches Andre mag ich noch übersehen 

haben, was sich aus diesem ungeheuren Thema ent- 
wickeln läset. Ich bitte daher imi gefällige Mit- 
theilung von allem und jedem, was diese Unterneh- 
mung fördern und was dabei zu bedenken sein 

26 möchte. 

Eine Bemerkung wegen der Decoration über- 
haupt will ich hier nicht verschweigen. Obgleich 
Epimenides in und vor dem Tempel nicht spricht, 
sondern nur durch Gebärden interessirt, so darf er 

80 doch nicht allzu weit hinten stehen, und man braucht 

doch zu der grossen Menge die ganze Tiefe des 
Theaters. 

Man könnte daher die Hallen, wodurch diese 
Tempelwohnung sich mit den Coulissen verbindet, 

86 anstatt sie in einer Linie mit dem Tempel zu füh- 



816 BPIMENIDES ERWACHEN. 1814 

[Mai 32, Berka.] [58S] 

ren, rückwärts nach dem Grunde zu gehen lassen. 
Zusammengestürzt würden sie alsdann eine Art 
Brücken bilden, worüber die Krieger und Frauen 
heranzögen. — » 

Doch ich fürchte, schon zu viel Eulen nach Athen 
gebracht zu haben, und erbitte dem Gegenwärtigen 
eine günstige Aufnahme, balde gefällige Entschlies- 
sung und nähere Bestimmimg. 

W. 16, 494-506. 10 

Mai 22. Berka. 584 

Das Vergangene und Gegenwärtige^ durchzudenken 
werde ich auf die sonderbarste Weise veranlasst; der 
Generaldirector Ifflajid verlangt von mir ein Vorspiel 
zur Feier der königlichen Wiederkunft Ee will sich 15 
nicht recht ziemen es abzuschlagen, und doch ist es eine 
bedenkliche Aufgabe, man muss indessen sehen, was 
allenfalls zu thun ist. 

An C. G. V. Voigt — Br. 24, 285. 7—13. 

Mai 22, Berka. 585 so 

[Früh] Vorspiel für Berlin. 
Tgb. 5, 108, 22. 

Mai 23. Berka. 586 

Das Ich ist diessmal in ziemlich guten Umständen 
und würde, wie eine epikurische Gottheit leben, wenn 15 
nicht das Nicht-Ich mit Anmuth imd TJnmuth mich in 
meine Einsamkeit verfolgte. Ich habe beinahe so viel 
Händel auf dem Halse, von guter und schlechter Sorte, 
als der Marschall von Bassompierre, welcher einer 
Tochter aus grossem Hause ein Kind gemadit hatte, 30 
eine sehr gefährliche Ehrensache ausbaden sollte und 
zugleich im Fall war, von seinen Creditoren in den 



^ „daa heisst: Napoleons Herrschaft und Sturz" (G. 
V. Loeper in WH. 11 (1), 124). 



1814 EPIMENIDES ERWACHEN. 317 



[Mai 28, Berka.] [58«] 

Schuldthunn geführt zu werden.^ Dieses Alles hat er, 
wie er sehreibt, durch die Gnade (lottes, vergnüglich 
überstanden, und so hoff^ ich, soll es mir auch ergehen. 
5 An Knebel. — Br. 24, 286, 12—287, 1. 

Mai 23. Berka. 587 

[Vonnittags] Biemer Abschrift des Programms.^ 
Tgb. 6, 108, 27 f. 
Mai 24, Berka. 588 

10 Aus ein paar Blättern,* welche Herr Geheime Hof- 

rath Kirms übersend^et» haben Sie, verehrter Mann, 
gesehen, dass Ihr freundlicher und ehrenvoller Antrag 
mich erst erschreckt, dann aber aufgeregt hat. Hiebei 
folgt nun das versprochene Programm zu dem Vor- 
15 spiel [s. Nr. 583], über welches ich mir Ihren einsich- 
tigen Bath erbitte. Findet es Beifall, so können Deco- 
rationen, Kleider und Instrumentalmusik einstweilen be- 
sorgt werden. Die Chöre sende zunächst^ wie ich denn 
den ersten, für die Krieger, schon beilege.* Der Dialog 
20 folgt sodann, wo nicht auf einmal, doch theilweise, und 
so hoflfe ich, soll alles zur rechten Zeit beisammen sein. 
Mehr sage ich nicht, damit diese Sendung sogleich ab- 
gehen könne. Nehmen Sie meinen Dank für das mir 
erwiesene Vertrauen und erhalten mir Ihre Gewo- 

25 genheit. 

An Iffland. — Br. 24, 287, 4-19. 

* Anspielung auf den Schluss von Goethes Ballade ,Ritter 
Curtg Brautfalirt*: 

„Widersacher, Weiber, Schulden, 
30 Ach! kein Ritter wird »ie los." 

(Vgl. Epos 1, 328, 12.) 

* iL Nr. 583. — Das unmittelbar vorhergehende Wort „Ueber- 
legung*' scheint sich auf eine von Goethes Bohn durch einen 
Boten übersandte Nachricht unbekannten Inhalts zu be- 

36 ziehen. 

» Vgl. Nr. 676 und Ö80. 

* Vgl. 305, 22-24. 



318 EPIMENIDES ERWACHEN. 1814 



Mai 24, Berka. 589 

[Früh] Nebenstehende Expeditionen. [Brief] An 
I f f 1 a n d nach Berlin, das Programm zum Vorspiel 
[s. Nr. 588 imd 583]. . . . Entschluse, die Vorspiele ge- 
meinsam zu fertigen.^ 6 
Tgb. 5. 109, 3 f. 12 f. 

Mai 25, Berka. 590 

[Früh] Vorspiel. . . . [Später] Vorspiel. 
Tgb. 5, 109, 15 f. 
Mai 29, Berka. 591 lo 

Kiemer musste den für Halle entworfenen Prolog 
imd das Lfobspiel auf ßeil [,Was wir bringen. Fortsetz- 
ung^] vorlesen. Auch von dem unternommenen Stück 
zu des Königs von Preussen Empfang in Berlin wurde 
gesprochen. is 

Mit Fr. V. Müller u. Riemer. — Gespräclie 3, 130 (Mül- 
ler S. 9). 
Mai 30, Berka. 592 

V^ Tausend Dank, mein Werthester, für bisherige Assis- 

tenz. Ich höre das Beste von unseren Decorationen, jo 
Nun eine abermalige Bitte: wir haben doch unsere Dä- 
monen im ,Don Juan* nach einem Muster auf einer 
antiken Vase in dem Millinischen Werke verfertigt. Mö- 
gen Sie mir ein paar solcher Teufelchen, die im Gegen- 
satz von Genien, Camillen,'^ Knaben aus der ,Zauber- 95 
flöte* ahn du ng8 voll und prächtig ausgestattet wären, er- 
finden, redigiren imd sich selbst einander wieder entge- 

* .Epimenides Erwachen*, bei dessen Entstehung Riemer und 
Meyer vielfach berathend Theil nahmen (vgl. Nr. 592 und 
601, und das 303, 30 genannte Concept, in W. 16. 493 mit 80 
H bezek'lmet), und .Was wir bringen. Fortsetzung', dessen 
Ausführung Goethe zum grössten Theil Riemern anvertraute. 

* „CamiUufi" und ..Camilla", lateinische Bezeichnung für ,,Kna- 
ben und Mädchen, welche theils zur Administrirung bei den 
Opfern gebraucht wurden, theils als Novizen ihre Lehrjahre S5 
vor ihrem Eintritt in die priesterlichen Würden hier durchzu- 
machen hatten" (Joeeph Kehrein: Fremdwörterbuch S. 304). 



1814 EPIMENIDBS ERWACHEN. 319 



[liai 30, Berka.] [599] 

gensetzen, so geschähe mir ein grosser Dienst; Gold 
und selbst Juwelen müssten nicht gespart sein. Ver- 
zeihen Sie, aber es ist ein sehr wichtiger Punet in meiner 
5 Arbeit für Berlin. Eine ungeheuere lÄSt^ die ich mir auf- 
gelegt habe, sie wird aber auch abgesetzt werden, um 
wie gewöhnlich neue Lasten aufzuhocken.^ 
An H. Meyer. — Br. 24, 294, 4—19. 
Mai 30, Berka. 593 

10 [Früh] Vorspiel. 

Tgb. 5, 109, 27. 

Mal 31. Berka. 594 

Abends am Berliner Vorspiel geschrieben. . . . [Brief 
an] Meyer wegen Dämonen [s. Nr. 592] . . 
15 Tgb. 5. 110. 7. 9 f. 

Juni 2, Berlia. 595 

Nachmittag am Vorspiel dictirt. 
Tgb. 5. 110. 15. 

Juni 3, Berl^a. 596 

ao Früh am Vorspiel dictirt. 

Tgb. 5. 110. 16. 

Juni 4, Berl^a. 597 

[Früh] Am Vorspiel gearbeitet. 
Tgb. 5, 110, 18 f. 

» ?Junl 5. Berlja. 598 

, [Früh] Dictirt. 
Tgb. 5. 110. 24. 

?Junl 7. Berlta. 599 

[Früh] Dictirt. 
80 Tgb. 5. 111, 10. 

Juni 8, Beika. 600 

Früh am Vorspiel gearbeitet. Mittags vorgelesen. 

Tgb. 5. 111, 14 f. 

JuDi 9. Berka. 601 

85 Es waren wohl sehr fruchtbringende Tage, die wir 

zusammen zubrachten.* Haben Sie Dank für so gute 

* Der Brief ging erst am 31. ab, vgl. Nr. 594. 

• wahrend der ersten Juni- Woche nennt Goethes Tagebuch 



820 EPIMENIDES ERWACHEN. 1814 

[Juni 9, Berka.] [«011 

Assistenz, ohne die ich mich in der gröesten Verlegen- 
heit befunden hätte.^ Ich muss aber Ihren Beistand 
nochmals anrufen, denn Epimenides naht sich seinem 
Erwachen.* Das Stück ist so gut wie fertig, aber frei- b 
lieh die letzte Hand anzulegen wage ich kaum allein; 
ich stehe noch zu nahe dran. Könnten Sie daher Sonn- 
tags [12.] mit den Frauenzimmern herauskommen, so 
würde ich dadurch sehr gefördert sein; zu Beschleu- 
nigung aber sende die zweite Abtheilung, die nun zu- w 
sammenhängt, zu gefälliger Durchsicht und einstweiliger 
Interpunction, die ich theils ganz weggelassen, theils 
nur mit Bleistift angegeben habe. 

Die mit Bleistift geschriebenen Anmerkungen sind 
vorerst nur zur allgemeinen Notiz. Ich kann hoffen, i» 
dass, bis Sie herauskommen, auch der Anfang fertig 
sei, und Sie alsdann alles mit hinein nehmen, um durch 
irgend eine leserliche Hand die Abschrift machen zu 
lassen. Sobald dieses fertig ist, wollte ich sie Iffland 
durch eine Estaffette schicken, um mich also auch von 20 
dieser Schuld zu erledigen. 

An Riemer. — Br. 24, 297, 14— 2Ö8, 11. 

][JunI 9? Berka.]« 602 

Damit mein metallisches Wesen recht geläutert und 



Riemern am 4., 5. und 6.; am 6. Nachmittags war Riemer mit ^ 
Goethes Frau und Anderen nach Weimar zurück gereist (vgl. 
Tgb. 5, 111, 4 f.), besuchte aber schon am Nachmittag des 9. 
(mit Meyer und dem Kanzler Müller) Goethe wieder In Berka; 
jedenfalls ist obiger Biief nebst dem in ihm genannten Manu- 
scrlpt vor Riemers Ankunft abgesandt worden, sonst hätte »o 
Goethe die Zueumnienkunft fttr den Sonntag (Z. 7 f.) gewiss 
mündlich mit Riemer abgemacht und ihm gleich die Hand- 
schrift (Z. 10) mitgegeben. 

* Wegen des Vorspiels für Halle (vgl. 318, 31 f.). 

* In Aufzug 2 Auftritt 5 (Auftritt 19 des Ganzen nach dem » 
Berliner Druck). 

* Das Datum des, nur in einem undatlrten Concept Torllegen- 
den. Bripfps ist so gut wie gewiss. Wolf war am 7. in Berka 



1814 EPIMBNIDES ERWACHEN. 321 

KJani 9? Berka.] [602] 

gediegen werde, bin ich abermals wie [in] eine neue 
Oesse geworfen, wo die gewaltigsten Blasebälge mich 
anfauchen. Qeheimerath Wolf ist seit mehreren Tagen 

5 hier, und dieser wundervolle Mann nimmt mich xmter 
den Ambos der Kritik, da mich die Flammen der Poesie, 
aus denen mein Festspiel hervorgeht, schon flüssig ge- 
nug geschmolzen hatten. Wie sehr hätte ich Sie zu uns 
gewünscht,^ denn da wird alles aufgeregt, was man be- 

10 sitzt, imd einem ein noch ungeheurer Beichthum aufge- 
drungen; bald weiss ich nicht mehr, wie ich schleppen 

soU. 

An H. Meyer. — Br. 24, 390. 

Juni 9, Berka. 603 

15 [Früh] Dictirt . . . [Sendung an] Riemer, die 

zweite Abtheilung vom Berliner Vorspiel [s. ^r. 601].* 
Tgb. 5. 111, 17. 23 f. 
?Jund 10. Berka. 604 

[Früh]. Dictirt.« 
ao Tgb. 5, 111, 25. 



eingetroffen; da Meyer am 9. Nachmittags nach Berka kam, 
brauchte der Brief nicht abgeschickt zu werden; vielleicht 
vnwde er es doch^ wie der an Riemer (vgl. 320, 29 f.), und ist 
nur nicht auf uns gekommen. 

35 ^ Am 8., unter dem Goethe vermerkt: „Geheimerath Wolf. 

TJeber's antike Theater, besonders das griechische** (Tgb. 5, 

111, 15 f.). 

' Obgleich der Vermeiic über diese Sendung den S c h 1 u s s der 

Tagebuchnotizen des 9. bildet, wird das 320, 25—83 Gesagte 

80 doch zutreffen. 

* Dass die für Sonntag den 12. von Goethe gewünschte Zu- 
sammenkmift und Arbeit mit Riemer (vgL 320, 7—9) Statt 
gefunden hat, beweist das Tagebuch vom 12.: „[Morgens] 
Die Frauenzimmer von Weimar zurück und Riemern mitge- 

86 bracht"; dieser Wieb bis zum 16. früh in Berka (Tgb. 5, 112,^ 
3 f. 26), M> dass für den 13., 14. und 15 eifrige Arbeit am 
,Bpimenides' und gemeinsame Berathung darüber anznneh- 
men ist. 

Hierher gehört auch folgende Mittheilung Riemers: „Ck>e- 
Orftf, Goethe ttber s. Dichtnngeii T. n, B. 1. Sl 



322 EPIMBNIDBS ERWACHEN. 1814 



VJuiLi 14, Berka. 605 

[Früh] Dictirt. 
Tgh. 5, 112, 14. 
Juni 16, Berka. 606 

^Vor allen Dingen miise ich Ihnen, verehrter Mann, s 



the arbeitete eben an seinem «Epimenides* und Liess zum 
Bebof seines gegenständlidien und anschaulichen Dichtens, 
das znr Anfertigung eines opemartigen Dramas des musika- 
lischen Elements bedurfte, von dem dortigen ausgezeichneten 
Pianisten und Organisten, dem Badelnspector Schütz, sich lo 
mehrere Musikstücke, meist Bachische Sonaten vortragen 
[vgl. W. 36, 89, 21—23], die er mit ganz l>e8onderem Ausdruck 
und ungemeiner Fertigkeit wiederzugeben verstand" (Qe- 
spräche 8, 186, aus Riemer 1, 266). Demnach kommen hier 
mittelbar folgende Tagebuchvermerke vom Jimi in Betracht 15 
(Tgb. 5, 111, 27 f. 112. 6-«. 11 f. 18 f. 24 f. 113, 9 f. 26. 114. 7): 

10: „Abends . . Der Badeinspector auf dem Ciavier ge- 
spielt von Mozart". 

12: „Abends . . Der Badeinspector Olavier gespielt". 

18: „Abend der Badelnspector von Bach gespi^t". 20 

14: „Abends . . Der Organist spielte Olavier**. 

15: „Abends . . Der Organist die Bachischen Sachen ge- 
spielt". 

17: „[Abends] Der Organist auf dem Ciavier vorgespielt". 

20: „Abends Bachische Sonaten durch Schütz". 25 

21. „Abends der Organist". 
^ Iffland an Goethe Juni 2: „Mit der grössten Freude habe ich 
am 31. Mai den Aufsatz [s. Nr. 583] erhalten, . . . Ich weiss 
nicht, wie ich zu dem schiefen Gedanken gekommen bin, 
selbst noch eine kleine Weile nach der Durchlesung, In der so 
Person des Epimenides die Anspielung auf unsernKOnlg 
zu suchen. Ich sah nachher bald, dass hievon keine Rede 
war, noch sein konnte. Gleichwohl ist es noch immer andern 
Lesern ebenso gegangen, nicht aber meinem Schwager, dem 
Herrn Legations-Rath Greuhm und Herrn Staatsrath Uhden. ss 
Da sich aber nun beweist, dass dieser Missgriff eine Mög- 
lichkeit ist, so will ich lieber das Lächerliche meines Fehlers 
bekennen, damit Sie gleich Anfangs durch ein paar bestimmte 
Pinselstriche, zum Besten der Einfältigen geführt, vor diesem 
Abwege, der schädlich werden könnte, sichern, . . . Die P o - 40 
len könnte man, glaube ich, ohne Anstand vergessen haben. 



1814 EPIMEMDES ERWACHEN. 323 

[Juni 15, Berka.] [606J 

den aufrichtigsten Dank abstatten, dase Sie mir Oe- 
legenheit geben, und zwar eine so würdige, der Nation 
auszudrücken, wie ich Leid und Freude mit ihr empf un- 

6 den habe und empfinde. Wenn dieses zuvörderst vor 
Ihrem Könige, Seinen höchsten Grasten und den werthen 
Berlinern, unter denen ich so viel Gönner und Freunde 
zähle, geschieht, so ist es ein unerwartetes Glück. Möge 
der Beifall, den Sie dem Entwurf gegönnt, auch der 

10 AuÄführung zu Theil werden. 

Denen Herren Uhden, Weber, Bumat,^ und wer sonst 
sich meiner erinnert, und an diesem Vorhaben theilneh- 
men mag, empfehlen Sie mich schönstens, . ? 
An Iffland. — Er. 24, 2ö9, 4—17. 

16 Juni 15. Kl rka. 607 

[Bemerkungen.] '^ 

Hierbei folgen einige Bemerkungen, sowohl bezüglich 
auf dasjenige, W6is mir in der letzten Sendung* mitge- 
t heilt worden, als auch, was sich weiter nöthig macht. 
20 Die allgemeinste stehe voran. 



Der Erwähnung der Engländer kann man sieh in der 
That nicht entziehen. Desto mehr Umstände treten zusam- 
men, die es geschehen lassen können, dass man der Schwe- 
den nicht eben aUzu weltläuftig gedenke, obschon es wahr- 
26 scheinlich unrecht ist"; am 4. Juni sodann thellt Iffland 
Goethen mit, dass die Aufführung für die Tage vom 20. bis 
24. Juli geplant sei (WH. 11 (1), 112 f.). 

* „Prof. Bumat war der Berliner Decoratlons-Maler, an dessen 
Stelle jedoch der Decoratlons-Maler Winkler aus Dresden die 

80 Deoorationen für den »Epimenides* übernahm" (WH. 11 (1), 
114*). 

* Mit diesem Briefe ging Nr. 607 und ein fertiger Theil der 
Dichtung ab. am 16.? (vgl. Nr. 608.) 

■ Mit Nr. 606 am 16. (?) nach Berlin gesandt: nach die«9er Ab- 
36 sohrift in WH. 11 (1), 145—150, hier nach der von Goethe 
zurückbehaltenen Reinschrift wiedergegeben, 

* Iflnaods Brief an Goethe vom 2. Juni. s. 322. 27— 323. 25. 



324 EPIMENIDES ERWACHEN. 1814 

[jQDi 16, Berka.] [607] 

Ich fühle wohl, dass ich in der Entfernung bei ver- 
schiedenen Angaben in einen doppelten Fehler fallen 
kann, einmal, dass mich die länbildtmgBkraft verleitet, 
über das Mögliche hinaus zu gehn, sodann aber, dass ich & 
mir dasjenige, was auf einem grossen Theater möglich 
ist, nicht vergegenwärtigen kann. In beiden Fällen bleibt 
das Verengen oder Erweitem den sach- und ortkundi- 
gen Männern auhfiim gestellt. 

Bei einem gewissermassen mysteriösen Werke, wie die- lo 
ses, hat man freilich darauf zu sehen, dass keine fal- 
schen Deutungen gemacht werden; damit man also nicht 
etwa hinter dem Bpimenides den König suche.* wird 
Epimenides in der ersten und zweiten Scene, erst allein, 
sodann mit den (Genien, sieh, sein Schicksal und seine i6 
Personalität exponiren. Allein man könnte noch weiter 
gehen und die Sache unter dem Volke vorbereiten. Der 
Titel imd der Inhalt des Stücks kann kein Greheimniss 
bleiben; daher wird jedermann fragen: was ist denn der 
Epimenides?* Da könnte man denn auf irgend eine 20 
schickliche Weise, zu welcher ein öffentliches Blatt wohl 
Gelegenheit anbietet. Folgendes unter das minder ge- 
lehrte Publicum bringen: 

„Bpimenides, einer Nymphe Sohn, auf der Insel 
Kreta geboren, hütete die väterlichen Heerden. 2& 
Einst verirrte er sich bei Aufsuchung eines ver- 
lornen Schafs und kam in eine Höhle, wo er vom 
Schlaf überfallen wurde, der vierzig Jahre dauerte. 
Als er wieder aufwachte, fand er alles verändert; 
doch ward er wieder von den Seinigen anerkannt, so 
Die Nachricht dieses Wunderschlafes verbreitete 
sich über ganz Griechenland, man hielt ihn für 
einen Liebling der Götter und verlangte von ihm 

^ Vgl. 822, 28-40. 

« Wie auch geschah, vgl. 384, 32—36. Si 



1814 EPIMENIDES ERWACHEN. 325 



[Juni 15, Berka.] [607] 

Rath und Hülfe. Bei einer wüthenden Pest flehten 
ihn die Athenienser an, dass er ihre Stadt reini- 
gen und aussöhnen sollte. Die Kretenser sollen ihm 
5 auch als einem (Jott geopfert haben. Einige zählen 

ihn, statt des Perianders, unter die sieben Weisen.** 
Folgendes könnte man hinzufügen:* 

, Jn der neuen Dichtung nimmt man an, dass die 
Götter den weisen und hülf reichen Mann zum zwei- / 
10 tenmal einschlafen lassen, damit er eine grosse Un- \ 

gJücks-Periode nicht mit erlebe, zugleich aber auch 
die Gabe der Weissagimg, die ihm bisher noch ver- 
sagt gewesen, erlangen möge." 
Brächte man auch dieses Andre nur abschriftlich un- 
iB tear die Gebildetem, so würde eich mancher nach dem 
mythologischen Lexikon umsehn imd darin noch andere 
Dinge von diesem Weisen erfahren, wodurch jene erste 
mögliche Deutung völlig beseitigt würde. 

Es ist wirklich eine Wohlthat, die man einem grossen 
80 Publicum erzeigt, wenn man es, zu seinem Besten, auf- 
klärend bearbeitet. 

Ich war in Rom, als Abbate Monti seinen .Aristodem* 
wollte vorstellen lassen.^ Ich wohnte einer Vorlesung* 
bei und war unter denen, welche zweifelten, dass das 
25 Stück greifen könnfe, weil die Italiener den Selbstmord 
für die grösste Absurdität halten und sich nicht in die 
Lage setzen können eines Königs von Sparta, der sich 
aus Gewissensbissen entleibt. Die Wohlwollenden wur- 
den daher einig, sowohl die alte Mythe als die neue Be- 
80 arbeitung in allen Gesellschaften zur Sprache zu brin- 



» Diese Zelle Ist gestriehett (vgl. W. 41 (l), 412). Da» Vorher- 
gehende (324, 24— 325, 6) wurde von Levezow im Vorwort zum 
eisten Druck wiedergegeben. 

« Vgl. Epos 2, 563, 24—37. 646, 3—18. 
86 • Die Abschrift für Beriln hat: „Vorstellung" (WH. 11 (1), 146). 



826 BPIMBNIDBS ERWACHEN. 1814 



[JoDi \b, Berka.] [607] 

gen, ja sogar unter die Menge, welche jenes Theater ge- 
wöhnlich besuchten [so], einen günstigen Einfluss zu ver- 
breiten. Vielleicht hätte auch ohnediess das Stück, 
welches sehr gut geschrieben und trefflich aufgeführt, 5 
nicht weniger von Nipoten begünstigt worden, sein 
Glück gemacht; aber wir Andern bildeten uns ein, durch 
unsere freundliche Einwirkung so viel beigetragen zu 
haben, dass der Beifall einstimmig und leuchtend war. 

Herrn Staatsrath TJhden theilnehmend zu wissen/ ist 10 
mir imendlich angenehm. Wenn er meinen ersten Ent- 
wurf [s. Nr. 583] mit Neigung aufgenommen, so wird 
er dem gegenwärtigen Carton seine Theilnahme nicht 
versagen; denn freilich Licht, Schatten, Farbe und Hal- 
tung wird nur erst unter der Leitung einer meisterhaf- 15 
ten Direction so durch unzählig grössere und kleinere 
Mittel in das Bild gebracht werden. 

Wenn man den Tempel unerschüttert stehn lässt, kann 
es auch seine gute Deutung haben. Die ehernen Flügel- 
thüren würden in zwei grosse und vier kleine Felder ge- ao 
theilt, die zwei grösseren liessen die bekannten Bilder 
des Schlafs und Todes sehen.^ 

Das abwechselnde Licht bleibt ganz einer einsichtigen 
Technik anheim gestellt. 

Die Erscheinung der Diplomaten betreffend, bemerke 25 
ich Folgendes: sie haben einzeln nicht zu sprechen, noch 
zu singen; sie bilden bloss den Singe-Chor des Listigen 
Dämons und einen Figuranten-Chor. Das Verschlingen 
dieses listigen Geleits in die abmarschirende Colonne 
und die dadurch entstehende Retardation bei retardir- so 
tem Tempo ist eine schöne Aufgabe für den Componist 
und Ballet-Meister. Die Damen, welche an Adelheid von 
Walldorf [in ,Götz'], Gräfin Terzky und andere erinnern 

' Tgl. 822. 86. 828, 11. 

* Nach Meyers YorBc^lag, s. 304, 28—32. S5 



1814 EPIMENIDES ERWACHEN. 327 



[Joni 16, Berka.] [607] 

werden, wären von Tänzerinnen vorznatellen. Die Män- 
ner mittleren Alters erinnerten an Weislingen [im 
jGötz'], die älteren an Questenberg.^ Zu den Doctoren 

5 würden englische Portraits vortrefifliehe Kleidimg lie- 
fern. Die Geistlichen müssten an Richelieu und Maza- 
rin erinnern, wenn man auch nicht gerade die Kühnheit 
hätte, sie als Cardinäle und Bischöfe darzustellen.^ Die 
Pagen wünschte ich besonders klein und niedlich und 

10 füge die Bemerkung hinzu, dass ich (yielleicht aus Ge- 
wohnheit, mit beschränkten Mitteln zu wirken) bei die- 
sem Stücke nicht auf lauter neue Kleider gerechnet 
habe, sondern eine unendliche Theater-Ghirderobe in Be- 
wegung zu setzen dachte. 

1» Die Anspielung, unter der Gestalt der HoflEnung die 

höchstselige Königin vorzustellen, habe ich so leicht' als 
möglich behandelt; das Aeussere sei einsichtiger Beur- 
theilung anheimgegeben.*' 

So bin ich gleichfalls vollkommen einstimmig, dass 

ao man den neuesten Cavallerie-Anzug benutze, statt der 
alten Johanniter, die mir in der Einbildungskraft edler 
vorschwebten.'^ 



* Vgl. Meyers Bemerkung 806, 32—34. 

* In Weimar hatte man diese Kühnheit, wie das RoUen-Ver- 
25 zeichniss beweist, nach dem Oels, als erster Dämon der List, 

in der Gestalt eine« Gardinais erschien (vgl. 402, 7 und 
W. 16. 333. 11). 

* Die Abschrift fttr Berlin hat: ..leise** (WH. 11 (1), 147). 

* Auf Goethes Aeuseerung 310, 26—35 hatte IfTland am 
30 2. Juni erwidert: „Eine zu nahe Hinführung vor diess 

Bild könnte, besonders bei dem König, eine unbesiegbare 
Webmuth erregen, und die Möglichkeit des Gedankens nicht 
erregen zu wollen, hiesse an einer der höchsten 
Schönheiten gleichgültig vorübergehn" (WH. 11 (1), 
86 104 •). 

* YgL Ifflands briefliche Bemerkungen vom 2. Juni über den 
312, 28—31 nachzulesenden Vorschlag Goethes, in WH. 11 
(1), 104 ♦ ♦. 



328 BPIMBNIDBS ERWACHEN. 1814 

[Juni 16, Berka.] [t07] 

Die Polen Bind mit Stillschweigen übergangen. Die 
Engländer haben ihren Platz gefunden.^ 



Den Vorschlag, das Stück in Berlin drucken zu lassen, 
finde ich den Umständen sehr gemäss imd gebe einer 5 
ansehnlichen Oeneraldirection ganz anheim, wie sie mit 
denen Herren Duncker und Humblot desswegen con- 
trahiren wilL* Ich von meiner Seite sage zu, diese Ar- 
beit vor künftigen Ostern nicht wieder abdrucken zu 
lassen. Mein Vorschlag wäre eine schöne Quartaus- lo 
gäbe, wozu man in der Folge die Theatercostüms^ welche 
in Berlin so treflOich gearbeitet werden, anbinden liesse. 
Sodann würde ich zu einer Ausgabe in Tasdienformat 
rathen, welche imi so geschmackvoller ausfallen kann, 
weil die Zeilen kurz sind und man nur wenige wird u 
brechen müssen. 

Nun will ich auch noch einiges in Bezug auf Compo- 
sition hinzufügen, wenn es sich auch im Grunde schon 
von selbst verstünde, oder man darüber dort anders 
dächte. Alles bleibt zuletzt doch immer den Ausführen- » 
den anheim gestellt, und ich werde durchaus Alles ge- 
nehmigen. 

Es liegt in diesem Stücke eine gewisse Disproportion, 
wodurch es sich aber von den gewöhnlichen loslöst. Die 
Theile der drei Dämonen sind so gehalten, dass jeder für 26 



* Ygh 322, 40—323, 22. Im Concept folgte hier noch: „Die 
Schweden habe Ich aus dem Mundum herausgelassen, aber 
ein Blatt eingelegt, wie man ihrer aUenfalls beliebig geden- 
ken Ivöunte**, das ist gestrichen, und von Goethe eigenhändig 
geiindcrt: „Will man die Schweden übergehen, so habe ein so 
Blatt eingelegt, wie man die Lücke zudecken könnte" (W. 
16, 511 zu Z. 2). 

• „Duncker hatte durch Iffland von Goethes ,E.* erfahren 
und am 4. Juni Goethe enracht, das Stück verlegen zu dür- 
fen" (Br. 24. 393 zu 308, 22); vgl. 353, 10-12. 35 



1814 EPIMENIDES ERWACHEN. 329 

(Juni 15, Berka] [607J 

sich eine Art Monodram ausmacht^ zugleicfa. aber in's 
Vorhergehende und Folgende eingreift. 

Wir haben zur Ausführung dessen, was hier durch 
6 Worte geleistet wird: 

1. Beine Becitation ohne Accompagnement; die Stan- 
zen der Muse und einen Theil der Holle des Epimenides^ 
sowie die Stanzen, welche die Hoffnung spricht. Doch 
hängt es vom Componisten ab, noch mehrere Stellen 

10 bloss recitirend vorüber gehn zu lassen.^ 

2. Keeitation mit mehr oder weniger Begleitung oder 
sogenannte melodramatische Behandlung. Dieses wür- 
de der Fall bei dem Kriegsgotte und theilweise bei den 
beiden andern Dämonen sein. 

16 3. Eecitativ mit mehr oder weniger Begleitung: der 

grösste Theil der Partien der List und Sklaverei. Die 
Partie des Letzteren [der Dämonen], welche sehr stark 
ist, wäre nach der Möglichkeit der Kräfte des Sängers 
zu behandeln. Von vom herein* sei alles massig, nur das 

ao Recitativ: 

„Sohab'icheuchdahingebracht" 

[Aufzug 1 Auftritt 14, Vers 503—513] und die Arie: 

„A ufgeregte Höllenbilder" 

[Aufzug 1 Auftritt 15, Vers 550 — 559] müssen die 
S5 grösste Gewalt haben, die auf einmal bei dem: 

„Doch ich wittre Grabesduft" 

[Vers 560] gebrochen erscheint, da denn von da aus 
stufenweis ein neues, emporstrebendes und gewinnendes 
Leben angeht. 



10 * Da der letzte Satz („Doch . . lassen") !d WH. 11 (1), 148 
fehlt, scheint Goethe ihn in die fUr Iffland bestimmte Ab- 
schrift nicht aufgenommen zu haben. 
* Das heisst: in den ersten Auftritten (vgl. GJ. 15, 252—256), 
ebenso 333, 17. 334, 2 f. 



880 BPIMENIDES ERWACHEN. 1814 



[Juni 16, Berka] [607] 

Uebrigens ist in dem Stück selbst mit rother Tinte 
einiges angedeutet^ ^ber kein Vorschlag, noch viel weni- 
ger Vorschrift^ sondern nur Andeutungen, weil ich an 
die Massigkeit der italienischen Opern und an die in s 
ihnen sorgfältig beobachtete Vertheilung der Stimmen 
durch's Qanze nach dem, was die Sänger physisch lei- 
sten können, gewöhnt bin, daher bei dieser freien und 
in gedachtem Sinne rücksichtslosen Arbeit immer einige 
Sorge habe, dass die Partien den Sängern lästig werden lo 
könnten. 

Sobald als ich die Charakterisation der verschiedenen 
Talente des Berliner Theaters erhielt,^ dachte ich so- 
gleich es auch nochmals durch und fügte mehr ausge- 
sprochene und benannte Personen hinzu, als im Pro- is 
gramm stehen. Wie ich mir nach diesem Anlaes die Au8- 
theilung gedacht, lege ich bei, ohne jedoch etwas vor- 
schreiben zu wollen. 



Nun erscheint aber noch ein Hauptbedenken. Ich 
konnte nemlich wegen Kürze der Zeit, und weil mich so 
andere, bisher zurückgesetzte, Geschäfte drängen, kein 
Manuscript für den Druck fertig machen. Die gegen- 
wärtige Ausarbeitung, ob sie gleich hie und da von dem 
Programm [s. Nr. 583] abweicht, muss doch aus demsel- 
ben supplirt werden: denn es fehlen selbst darinne Be- «6 
merkimgen, die in das Theaterexemplar einzuschalten 
sind; sodann aber enthält es wieder Stellen, die sich 
bloss auf^s Theater-Arrangement und auf den Acteur 
beziehen. Dieses Alles zu sondem, ist mir, wie gesagt^ 
unmöglicb. Vielleicht hätte Herr Staatsrath TJhden die »o 
Gefälligkeit, dieses Geschäft zu unternehmen, welches 
dadurch erleichtert werden könnte, wenn man schnell 
nach dem gegenwärtigen Exemplar eine andre Abschrift 



* Vgl. 300. 33-301, 6. 302, 33-35. 352, 29 f. 



1814 EPIMBNIDBS ERWACHEN. 381 

(Juni 15, Berka.] [607] 

machen liesBe^ aus derselben wegstriche^ was das lesende 
Publicum nicht angeht, und aus dem Programm, was zur 
Deutlichkeit der Handlung nöthig ist, hinzufügte. Ja 

6 es kann der Fall kommen, dass man bei der Vorstellung 

einige Veränderung beliebt> wie zum Beispiel, dass der 

Tempel nicht zusammen stürzt, dergleichen wäre denn 

auch nach Massgabe der Umstände zu verändern.^ 

Einige Zeichnungen, wie die Genien und Dämonen 

10 allenfalls zu coetümiren, liegen bei, wenigstens zur Ver- 
anlassung.* 

Wenn Bpimenides sich niederlegt^ wünschte ich, dass 
die Genien unter der Pforte räucherten, damit er gleich- 
sam in einer Opferwolke verschwände.* 

16 Das Coetüm des Kriegsdämons könnte dem sogenann- 

ten Mars oder Agamemnon im capitolinischen Museum 
nachgebildet werden. 

Femer liessen sich, um das barbarische Heer recht 
auffallend zu machen» die wunderlichen Costüms be- 

20 nutzen, die man auf etrurischen Monumenten antrifft. 



Die Lücken, welche im Text geblieben sind, und um 
derentwillen ich die Sendung nicht aufhalten wollte, 
sollen bald ausgefüllt sein. Sie sind überhaupt nur re- 
dtirend und halten also den Componisten nicht auf. 



25 ^ Hiemach folgen, yon Goethes eigner Hand geschrieben, im 
Concept die Worte: „Noch eine Bemerlsung stehe hier die 
rhythmische Behandlung des Stüclcs betreflfend. Man liönnte 
tadeln, dass die Silbenmasse nicht genugsam varUit sind. 
Ich habe aber bei einem Stück, welches allgemein wirken 

80 soll, nicht künsteln, sondem mich vielmehr der bekanntesten 
und leichtesten Silbenmasse bedfenen wollen, da es ohnehin 
von dem Componisten abhängt, denselben Rhythmus in ver- 
schiedenen Tactarten zu behandeln" (W. 16. 513 zu Z. 22). 
* Vgl. Nr. 502. 594. 

85 ■ Durc*h Meyer angeregt vgl. 304, 81 f.; ebenso die beiden 
folgenden Anweisungen, vgl. 304. 34—36. 305, 27—29. 



332 EPIMENIDES ERWACHEN. 1814 

[Joni 15, BerkA.] (607] 

Sollte im Emzelnen etwas zu bedenken sein, so sei 
Ihnen jede Veränderung anheimg^eben; wollen Sie 
mir jedoch, da wir Zeit haben, einige Nachrieht geben: 
so stehe ich auch hiezu recht gern zu Diensten.* 5 

W. 16, 507-514. 

Juni 16, Berka. 608 

[Abendß?] Die EoUe für Berlin mit dem Vorspiel.^ 
Tgb. 5, 113, 4 f. 

?Juni 17, Berka. 609 10 

[Früh]. Dictirt.« 
Tgb. 5, 113, 6. 

JuDi 20. Berka. 610 

Nächstens mehrl Ich bin diese Tage durch eine allzu- 
kühn übernommene Arbeit so festgehalten, dass ich mich is 
nicht imisehen kann. 

Ad J. f. H. Schloeser. — Br. 24, 302, 12—14. 

Juni 21, Berka. 611 

Sie erhalten, mein werthester Herr Professor, hier- 
bei die erste Abschrift des ,Epimenide s^,*' zugleich 90 



' Wegen der Lücken (331, 21 f.) vgl. 333, 30-334, 10. 

Die Antwort Ifflands vom 21., in der dieser den Besuch 
des Comi>oni8ten, des Capellmelsters B. A. Weber, ankündigte, 
liess Weber sofort nach seinem Eintreffen in Berka, am 24. 
Abends, Goetheo einhändigen (vgl. WH. 11 (1), 114 f.); vgl. 20 
353, 20-26. 

* „Abgesendet** wird man ergänzen dürfen nach 363, 13—16 
(vgl. W. 16, 507 *). Ausser dem bis dahin Vollendeten ent- 
hielt das Packet auch die Bemerkungen Nr. 607. 

* Am Morgen des 18. fuhr Goethe nach Weimar und kehrte 30 
er»t am 20. früh nach Berka zurück; bei den Zusammenkünf- 
ten mit Meyer und Riemer, deren das Tagebuch am 18. und 
19. gedenkt, wird das Gespräch sich auch mit ,Epimenldes* 
beschäftigt haben. 

^ Nicht bekannt, daher auch der Inhalt der einzelnen Blätter, 35 
wie sie 334, 4—10 aufgeführt sind, nicht näher angegeben 
werden luinn. 



1814 EPIMENIDES ERWACHEN. 333 

[Jniii 21, Berka.] [611] 

auch die Acten, worin sich das Pragramm [s. Nr. 583] 
befindet Mögen Sie wohl beide gegen einander halten 
und überlegen, inwiefern man ein Exemplar für den 

5 Druck daraus redigirte.^ 

Noch eine andere Ueberlegnng aber gebe ich Ihnen 
anheim. Bei flüchtiger Durchsicht des Programms 
bemerke ich, dass ich manche Motive, die es nicht ent- 
hSliy bei der Ausführung gefunden und gebraucht, 

10 andere aber fallen lassen. Wollten Sie bedenken, ob 

man vielleicht von den letzteren einige noch aufnähme, 

zum Beispiel dass man die Ergebung des Epimenides in 

den Willen der Göttter^ und seinen Abschied von der 

' Welt etwas umständlicher behandelte. Hierbei aber habe 

16 ich nur, wie bei andern ähnlichen Stellen, das Beden- 
ken, dass das Stück ohnehin schon stark aufgequollen 
und man alle Ursache hat, vom herein die Exposition 
und die Entr6en der Dämonen lakonisch zu halten, 
weil es sich hinterwärts ohnehin weiter ausspinnt, be- 

20 sonders wenn die Mädchen kommen, wie denn auch schon 
der Dämon der List nicht kurz abgethan werden konnte. 
XJebersehen Sie das mit freierm Blick, als mir jetzt 
möglich ist. 

Die raschen Wendungen und der Lakonismus der 

25 ,Zauberflöte^ sind in dem gegenwärtigen Falle 
sehr nachahmungswerth, auch habe ich sie vor Augen 
gehabt, doch neigt sich meine Art und Weise immer zur 
Ausführlichkeit. 

30 Was die für Berlin abzuschreibenden Stellen betrifft, 

welche in dem dorthin abgesendeten Exemplar als 
Lücken geblieben,* bemerke ich vorläufig Folgendes. 



» Vgl. 330, 19-331. 4. 
* VgL 303. 20-24. 
36 » Vgl. 331. 21 f. 



884 EPIMBNIDBS ERWACHEN. 1814 



(Juni 21, Berka.] [6U] 

Ich habe, der mehreren Deutlichkeit Willen, von vom 
herein das Manuficript f oliirt. 

1 und 2 haben sie dort, 

2 b und 3 wäre abzuschreiben. 5 
4 und 5, obgleich ein Theil davon schon in Ber- 
lin ist> könnte des Contextes wegen gleichfalls 
abgeschrieben werden; 

6 bis 10 aber fiele weg. 
11 und 12 würde wieder abgeschrieben. lo 

Von da an war in jenem Manuscript keine Lücke 
mehr. Jedoch braucht man sich mit dieser Abschrift 
nicht zu eilen, es ist Zeit, bis wir uns gesprochen und 
mündlich berathen haben; soviel nur vorläufig.* 

An Riemer. — Br. 24, 303, 17—305, 9. 15 

Juni 21, Berka. 612 

[Früh] Das Vorspiel fertig gemacht. An Kiemer ge- 
schrieben [s. Nr. 611]. 
Tgb. 5. 114. 4 f. 

Juni 22, Berka. 613 20 

[Abends?]. Das Berliner Vorspiel an Riemer.* 
Tgb. 5, 114. 11. 
Juni 23. Weimar. 614 

Soviel mir das Berliner Theater bekannt geworden, 
wünsche die vorstehende Besetzung.' 25 

Eigenbändige Bemerkung auf einem Blatte, das die 
Vertheilung der Rollen an die Schauspieler des Berliner 
Hoftheaters enthält. — W. 16, 525. 

Juni 24, Berka. 615 

Er nahm uns [Weber und Duncker] noch am Abend ao 
sehr freundlich und liebreich auf. . . . Die erste Zusam- 

• Brief und Handschrift ging am 22. ab, s. Nr. 613. 

• VgL Nr. 611. 

• Das Blatt „hat Weber wohl mit nach Berlin genommen** 
(W. 16. 525). vgl. 337. 35—38. 86 



1814 EPIMENIDES ERWACHEN. 335 



(Juni 34, Berkju] [615] 

menkunft wurde auf Sonnabend [25.] früh 8 Uhr ver- 
abredet. 

Mit B. A. Weber. — WH. 11 (1), 116 (Weber an Bsper- 
5 stedt, Juni 26. — Fehlt in den »Gebrächen'). 

Juni 24, Berka. 616 

Mittags Zelter. . . . Abends der CapeUmeister Weber 
und der Hofrath Duncker, beide aus Berlin.^ 
Tgb. 5, 114, 18-20. 

10 Juni 25, Berka. 617 

Wir [Goethe und Weber] blieben von dieser Stunde 
[8 Uhr Morgens] bis 12 Uhr eingeschlossen beisammen. 
Ich [Weber] kann Ihnen nicht beschreiben, . . mit wel- 
cher Aufmerksamkeit er alle meine Bemerkimgen an- 

16 hörte, mit welchem kindlichen Gemüth er meine ge- 
wünschten Abänderungen auf der Stelle niederschrieb,* 
wie ihn die musikalische Ansicht, die ich ihm von dem 
Ganzen gab, begeisterte, und auf neue Ideen brachte, 
wie erstaunt und erfreut er zugleich war, als ich ihm 

so sagte, das Stück solle im grossen Opemhause gegeben 
werden. . . . „Hätte ich das gewusst, dass meinem Stück 
die Ehre, im Opemhause gegeben zu werden, widerfah- 
ren sollte, was hätte ich noch machen wollen," rief er 
einige Male aus. Nach dieser Conferenz spielte ich ihm 

25 das Wenige vor, was ich schon gemacht hatte, und was 
seinen ganzen Beifall erhielt. läne zweite Conferenz 
wurde auf den Nachmittag verabredet.^ 

Mit B. A. Weber. — WH. 11 (1). 116 und 108 (Weber 
an Bsperstedt, Juni 26; Z. 13—18 wörtlich auch an Iffland, 

80 Juni 26. — Fehlt in den ,Ge«prächenO. 

^ Wegen des Vorlegers Duncker vgl. 328, 4—8 und Nr. 625. 

« Vielleicht gehört Nr. 618 zu dem am 25. Morgens Niederge- 
schriebenen; vgl. auch 353, 27—354, 3. 

■ In Webers Brief heisst es weiter: „Wie wir vom Tische 

35 aufstanden, so kamen Gelehrte und Künstler aus Weimar, 

mit denen er sich wieder einschloss, . . fvgl. Tgb. 5, 114, 



886 EPIMENIDES ERWACHEN. 1814 

][jQni zwischen 25 und 30, Bei^a oder Weimar.]^ 618 

Einzuschiebendes Stück.^ 
Demoiselle Schmalz. 
Kurzes Recitativ und Arie mit Chor 
Im Charakter der Beharrlichkeit. 

Schmalz, Rebenstein, Gern* 
35U drei, in Gebet und frommen 
Wunsch einfallend. 



Hieran schlieest der obige Chor, 

Den Text des Terzettes wiederholend. lo 



Arie: „Aufgeregte HöUenbilder^' 

mit dem männlichen Beim in der zweiten Zeile.* 



In der 19. Scene noch eine Stanze 

der Hoffnung, 
In der 23. Scene, am Schluss: is 

Sämmtliche Chöre: 
„Und nun vor allen" 
In das Silbenmass des Marsches 

„Brüder auf! die Welt zu befreien" 
umzuschreiben. «> 

Grosse malerische Gruppe zum Schluss. 
Schlusschor, nach der gegebenen Melodie. 
Einzelnes Blatt — W. 16, 515 f. 



28—26.] . . . Aus meiner Conferenz wurde nichts" (WH. U 
(1), 116). «6 

Zu dem Eindruck des Ton Weber Vorgespielten auf Goethe 
vgl. 840, 29-341. 2. 

* Wegen des Datums vgl. 335, 15 f. 32 f. 

* Die Ausführung a W. 16, 549-Wl; vgl. 839, 16 f. 2^-34. 

» Die den Dreien zugedachten Rollen: Beharrlichkeit Jugend- lo 
fürst, Epimenides. 

* Beide Zeilen sind durchgestrichen, „offenbar zum Zeichen, 
dass dieser Punct erledigt war. Da er allein durchstrichen 
ist, so möchte ich daraus schliessen, dass er zuerst eiiedigt 
wurde" (Fielltz in W. 16. 515). S5 



1814 EPIMBNIDES ERWACHEN. 337 



Juui 25, Berka. ei9 

Mittags mit Zelter und den beiden Berlinern [Weber 
und Duncker]. . . . Abends die Berliner. 
Tgb. 5, 114, 22 f. 26. 

Juni 26, Berka. 620 

Heute früh war ich [Weber] wieder mit ihm und dem 
Herrn Prof. Biemer . . von 8 bis 11 Thr zusammen,^ 
Er war noch mehr vom Enthusiasmus ergriffen wie 
gestern. Da er wünscht, dass ich seine Ideen klar imd 
deutlich mitbringen möchte, um nach seinem Sinne 
mit Ihnen [Bsperstedt] . . in Berlin alles einrichten 
zu können, so bet er mich inständigst, in Berka zu blei- 
ben, bis ich ein ganz vollkommenes Exemplar gleich 
mitnehmen könnte. Ich erwiderte, in Weimar so lange 
zu bleiben, einige fertige Stücke mitzunehmen und dort, 
weil ich keinen Augenblick zu verlieren hätte, gleich 
anzufangen, zu componiren, . ? 

Mit B. A. Weber. — WH. 11 (1), 115 (Weber an Esper- 
stedt, Juni 26. — Fehlt in den »Gesprächen*). 



ao » Riemer war (laut Tgb. 5. 114. 22) am 25. Abends nach Berka 

gekommen; am Morgen des 26. nennt Goethes Tagebuch ihn 

nicht (Vgl. Xr. 621), sondern nur: .«Mittags Riemer uiid Zelter. 

. . . AlK^nds Zelter und Riemer" (Tgb. 5, 114, 28— 116, 2). 

' Wel)er fährt immittelbar fort: „was diesen Augenblick, wie 

25 dieser Brief geendet ist. geschiehet. Nun bringt Herr von 
Goethe diesen Nachmittag mit Herrn Prof. Riemer wieder in 
diesem Geschäfte zu. Morgen [27.] früh bringt mir Letzterer, 
von Berka kommend, wieder einige Stücke zum Componiren 
mit. Da das Ganze, — was den musikalischen Theil betrifft, 

80 — beinahe ganz umgestürzt worden ist, so glaubt Herr von 
Goethe, vor Mittwoch [29.] Abend nicht mit Herrn Riemer 
fertig zu sein. Donnerstag [30.] früh fahre ich nach Berka, 
und hole das Ganze nach einer nochmaligen Durchsicht [vgl. 
dagegen Nr. 622. 623]. — Freitag [Juli 1] nach Weimar zu- 

86 rück, imd . . nach Berlin, Die Besetzung ist meister- 
lich. Vorläufig: Epimenides: Herr Gern — Die Hoffnung: 
Madame Schroeek — Der Dämon der L#i8t: Herr Blume — Der 
Jugendftirst: Herr Rebenstein; das Uebrige ist meistens ge- 
Gräf, Goethe über s. Dichtangen T. II, B. 1. 23 



338 BPIMENIDES ERWACHEN. 1814 



Juni 26, Berka. 621 

Früh der Capellmeister Weber^ und Duncker, welche 
nach Weimar gingen. 
Tgb. 5, 114, 27 f. 
Juni 29. Weimar. 622 5 

Früh . . Weber.* 
Tgb. 5, 115, 11. 
Juni 30. Weimar. 623 

Früh letzte Berathung mit Capellmeister Weber.* 
Verreiste derselbe mit Duncker. lo 

Tgb. 5, 115, 14 f. 
Juli 1, Weimar. 621 

. . ich habe die letzten vier Wochen in grossem 
Drange und mancherlei Unruhe verlebt; . . 

An V. LeonliarcL — Br. 24, 306. 7 f. is 

Juli 5, Weimar. 625 

E. W. Wunsch gemäss^ habe den hinterlassenen Auf- 
satz*^ ausgefüllt lund unterzeichnet^ ich genehmige den- 
selben in allen Hauptpnncten^ nur zu dem am Schlüsse 
Hinzugefügten kann ich mich nicht verstehen^ um so so 
weniger, als mir der darin erwähnte Fall gar nicht denk- 
bar ist.* Mit nächster Post soll der Anfang des Manu- 



blleben. — Die Kuppel auf dem Tempel fällt weg, und bleibt 
wie Herr Staatsrath Uhden gesagt" (WH. 11 (1), 115 f.). We- 
ber componirte, wie er im gleichen Brief erzählt, von Goethes ^ 
Sohn (den er am 26. Nachmittags in Weimar kennen lernte) 
eingeladen, in Goethes Haus, an dessen „Fortepiano"; vgL 
854, 4-11. 

» Vgl. Nr. 620. 

» Vgl. 354. 12—18. so 

* Deren Inhalt zu ersehen ans 354, 12—22. 

* Gewiss den Entwurf zu einem Vertrag wegen des Verlags 
des ersten Druckes, vgl. Z. 10. 

* „Für den Fall, dass durch unvorhergesehene Hindemisse die 
Duuckersche Ausgabe erst 1815 in den Buchhandel komme, 35 
sollte ausgemacht werden, dass Goethe eine zweite Aus- 
gabe erst zu Michaelis 1815 erscheinen lassen dürfe" (Br. 24, 
894ZU 309. If.); vgl. 389, 18 f. 



1814 EPIMENIDBS ERWACHEN. 339 

[Jali 5, Weimar.] [635 

scripta abgehen^ damit Sie den Druck beginnen können. 
Das TJebrige sende baldmöglichst, das dem Herrn Ca- 
pellmeister Weber Zugesagte soll alsdann auch erfolgen! 
6 Ich wünsche, dass Sie beiderseits Ihres hiesigen Aufent- 
halts mit Zufriedenheit und Vergnügen gedenken mö- 
gen, . . 

Ad K. f. W. Duncker. - Br. 24, 308, 21—309, 10. 

Juli 7, Weimar. 626 

10 Dieselben erhalten hierbei den Anfang des Festspie- 

les, die Fortsetzung und der Schluss werden nächstens 
erfolgen. Ihr Anerbieten der vierzig Louisd'or acceptire 
hiermit und verspreche, dass vor Jubilate 1815 keine 
weitere Ausgabe durch mich veranstaltet werden soll;* 
16 . . Einige Bemerkungen habe ich auf dem zweiten Blatte 
hinzugefügt. Beiliegendes Blatt^ bitte Herrn Capell- 
meister Weber zu übergeben. 

Bemerkungen. 

1) Die Auftritte werden nicht wie im Manuscript ge- 
20 schehen mit arabischen Zahlen sondern ausgeschrie- 
ben gedruckt: 

nicht 1 Auftritt 
sondern Erster Auftritt. 

2) Zum Titelkupfer würde ich die Minerva in drohen- 
25 der Stellung vorschlagen.* 

Titel und Personen [-Verzeichniss] kommt nach. 
An K. F. W. Duncker. — Br. 24, 309, 13—810, 9. 



' Vgl. Nr. 625. 

' Diesefl Blatt ist nach Br. 24, 394 (zu 309, 22) „nicht erhalten"; 
80 nach W. 16. 662 dagegen erhielt Weber unter dem 7. Juli die 
Ausführung des „Einzuschiebenden Stücks" W. 16, 54^-651 
(vgl. Nr. 618), über die der Componist sich dann in Briefen 
vom 23. Juli, 8. September und 13. December gegen Goethe 
äusserte (vgl. W. 16, 562 und unten Nr. 645). 
86 ' Ein Titelkupfer wurde nicht beigegeben. 



340 EPIMBNIDES ERWACHEN. 1814 



]fJiili 7. Weimar.] 627 

^Für den an mich ergangenen, so ehrenvollen An- 
trag, hah' ich alle Ursache meinen lebhaftesten Dank 
abzutragen, - wobei mir sehr angenehm ist, daßs ich 
Ihren Wünschen, wo nicht immittelbar, doch mittel- & 
bar entgegenzukommen im Stande bin. 

Es hat nemlich vor einigen Monaten die angesehene 
Generaldirection des Berliner Theaters von mir ein 
Festspiel verlangt zur Feier der Ankunft ihres Königs 
und seiner höchsten Gäste. Ich habe diese Gelegenheit w 
benutzt, um alles zur Sprache und Darstellung zu brin- 
gen, was in den Gemüthem seit so vielen Jahren vor- 
ging, und was sich nun in diesen letzten Zeiten so glück- 
lich entfaltet hat. Mein Bemühen nichts zurückzulassen, 
was man fordern und erwarten könnte, hat jenes Stück ^^ 
zu einer solchen Vollständigkeit gebracht, dass ich, 
wenn ich ein neues fertigen sollte, mich nur wiederholen 
müsste. Mein stiller Wunsch, diese Arbeit nicht nur 
für Berlin, sondern für das ganze Vaterland, nicht nur 
für den Augenblick, sondern auch für die Zukunft un- 20 
temommen zu haben, scheint sich durch Ihren Antrag 
der Erfüllung zu nähern. 

Jenes Drama ist dergestalt eingerichtet, dass ganz 
reine Becitation, Recitation mit melodramatischer Be- 
gleitung, Recitativ, Cavatine, Arie, Duett, Terzett und 2& 
Chor mit einander abwechseln, so dass die vorzüglichsten 
Schauspieler sowohl, als die Sänger darin ihre Talente 
entwickeln können. 

Herr Capellmeister Weber arbeitet an der dazu 
nöthigen Composition, welche, nach denen mir bekannt so 

» „Liebich bat Goethe in einem Brief vom 28. Juni um ein 
Stück, das an aUen deutschen Bühnen an jedem 18. October 
zur Feier der Leipziger Schlacht aufgeführt werden sollte" 
(Br. 16, 394 zu 310. 10 f.); vgl. 354. 26-355. 5. Liebichs 
Bitte wurdf^ unterstützt durch ein Sehreiben der Frau v. 35 
rjrotthus an Goethe, vgl. Xr. 628. 



1814 EPIMENIDES ERWACHEN. 341 



][Jali 7, Weimar.] [C27] 

gewordenen Musterstüeken, von grosser und schöner 
Wirkung sein muss. 

Das Stück wird gleich nach der Auflführung gedruckt 
6 erscheinen, und Sie werden alsdann selbst urtheilen, ob 
es werth sei, ein Saecularstück zu werden, und ob es 
Ihren Wünschen entspreche. 

Haben Sie alsdann die Güte, mir ganz offen Ihre Mei- 
nung zu sagen, und erhalten mir bis dahin Ihr freund- 
io liches Andenken.^ 

Au K. Llebich. - Br. 24. 310, 10-311, 25. 
Juli 7, Weimar. 628 

^Ihr lieber theilnehmender Brief, verehrte Freundin, 
ist mir kurz nach Herrn Liebichs zutraidichem Schrei- 
te ben^ übergeben worden. Auch Ihnen danke ich für dea 
Vertrauen, das Sie zu mir hegen. Um Ihnen nun zu- 
gleich die Lage, in der ich mich befinde, bekannt zu 
machen, folgt hier eine Abschrift der Antwort an Herrn 
Liebich [s. Nr. 627], worüber ich mir, wenn das Stück, 
ao wie zu hoffen, Anfangs Augusts in Ihren Händen ist, 
Ihre freundschaftlichen Gedanken erbitte. 



Hier, . . was ich in Erwiderung Ihres theilnehmenden 
Schreibens geschwind absenden will. Dass ich so lange 



* Am 29. Juli bat Liebich brieflich um eine Abschrift des Fest- 
25 Spiels und sprach den Wunsch aua, „zugleich im Namen des 

Landesgouvemeurs Grafen v. Kolowrat, Goethe möge etwaige 
nöthig erscheinende Aenddhingen selbst vornehmen** (GJ. 14, 
126 zu Brief Nr. 30), ferner theilte er in diesem Briefe mit: 
„dass sein Capellmeister Karl Maria von Weber nach Berlin 

30 gereist sei, um sich mit B. A. Weber zu verständigen** (Br. 
25, 351 zu 28, 9). 
' Das Folgende Ist die Antwort auf einen Brief der Adressa- 
tin vom 30. Juni, in dem sie den Antrag des Theaterdlrectors 
Liebich eifrig befilrwortet, s. GJ. 14, 66 f. und vgl. Nr. 627 

86 nebst Erl. 

• Vgl. 340. 31. 



342 EPIMBNIDES ERWACHEN. 1814 

[Juli 7, Weimar.] [028] 

geschwiegen . ., werden Sie mir gewiss verzeihen, wenn 
Sie bedenken, daea Vorgemeldetes* alles in aechs Wochen, 
unter mancher äussern Unruhe, fertig werden musste. 
Möchten Sie das Werklein bei seiner Erscheinung mit 5 
Gunst aufnehmen. 

An S. V. Grotthus. — Br. 24, 312, 1-18. 

Juli 7. Weimar. 629 

[Nachmittags?] Nebenstehende Expeditionen. A n 
Duncker und Humblot das Festspiel zur Hälfte lo 
[s. Nr. 626]. [Brief] AnDirectorLiebich nach 
Prag wegen eines Säcular-Spieles [s. Nr. 627]. [Brief] 
An Baronesse von Grotthus nach Dresden 
wegen desselben [s. Nr. 628]. 

Tgb. 5, 116. 22-27. 15 

Juli 8, Weimar. 630 

[Vormittags] Riemer, Festspiel für Berlin corrigirt. 
. . . [Nachmittags?] Hofrath Meyer, Riemer, Bürger- 
meister Kuhn, Hofrath Sartorius, denselben die Hälfte 
des Festspiels vorgelesen. » 

Tgb. 5, 117, 6-10. 

Juli 9, [Weimar.] 631 

In diesen Tagen, in welchen ich mehr als billig be- 
schäftigt war, . . . Mein Festspiel für Berlin ist^ Gott 
sei Dank, fertig; es hat mir zuletzt die meiste Qual » 
gemacht: denn bis so ein gebomes Kind getauft wird, 
ist der Umständlichkeiten kwn Ende. 

An Knebel. — Br. 24, 312, 21 f. 313, 12-15. 

Juli 9, Weimar. 632 

[Vormittags] Die Abschrift des Festspiels für Ber- » 
lin geendigt. 

Tgb. ö. 117, 18 f. 



Wie es der Adressatin in der beigelegten Abschrift von Goe- 
thes Schreiben an Liebioh (s. Nr. 027) b^annt wurde. 



1814 EPIMENIDES ERWACHEN. 343 

Juli 10, Weimar. 633 

Mittags Sartoriuß. Blieb derselbe, und ich las ihm den 
Schlnse des Berliner Festspiels. 
Tgb. 5. 117. 21-23. 

5 JuU 11, Weimar. 634 

[Vormittags] Mit Riemer das Festspiel völlig redigirt. 

Tgb. 5, 117, 28- 118, 1. 

Juli 12, Weimar. 635 

Sie erhalten hier, mein werthester Herr Duncker, den 

10 Schluse des Festspiels nebst dem Titel; ich wünsche, 

dass es glücklich ankommen möge . . 

Inliegendes [s. Nr. 636] bitte Herrn Capellmeister 
Weber zn übergeben. 

An K. 1^. W. Duncker. — Br. 24, 313, 18-20. 22 f. 
15 JuU 12, Weimar. 636 

E. W. verfehle nicht die Abschrift eines Briefes aus 
Prag und meiner darauf ertheilten Antwort zu über- 
senden,^ damit, wenn irgend Etwas diese Sache betref- 
fend an Dieselben gelangte, Sie davon vorläufig unter- 
20 richtet seien. 

. . in Ueberzeugung, dass unser Geschäft einen glück- 
lichen Fortgang nehme . . 

An B. A. Weber. — Br. 24, 314, 1-6. 8 f. 
Juli 12, Weimar. 637 

26 [Fnih] Eiemer. Bevision der Abschrift für Berlin. 

. . . [Nachmittags] Riemer, Revision. . . . [Briefe] A n 
Duncker nach Berlin^ Schluss des Festspiels einge- 
schlossen [s. Nr. 635]. An Capellmeister We- 
ber [s. Nr. 636]. Copie des Briefs von Liebich und 
30 meiner Antwort. (Ging erst Donnerstags [14.]. ab.) 
Tgb. ö. 118, 8. 10-16. 
Juli 19. Weimar. 638 

. . das projectirte Vorspiel für Halle war noch nicht 
fertig, als ich mich verführen Hess, ein Pestspiel für 



36 » Wegen des Briefes ans Prag vgl. 340, 31—36, Goethes Ant- 
wort s. Nr. 627. 



344 EPIMENIDES ERWACHEN. 1814 

[Joli 19, Weimar.] [688] 

Berlin zu unternehmen, welches bei Ankunft des Kö- 
nigs und seiner höchsten und hohen Gäste aufgeführt 
werden soll. Dieses hat mich auf 8 Wochen beschäftigt 
und mir um so viel Zeit mehr geraubt, als Herr Capell- 5 
meister Weber von Berlin ankam, um sich mit mir über 
die Composition und Aufführung zu berathen.* 
An Cotta. — Br. 24. 319, 9-17. 

August 29, Wiesbaden. 639 

Ihre treulichen Auszüge und Nachrichten,* . . sind zu 10 
rechter Zeit glücklich antgekommen. Ihre Bemühungen 
erkenne ich dankbar. 



* Vgl. Nr. 616 ff. Weber, am 3. Juli wieder in Berlin einge- 
troffen, hatte erklärt: „bis zum 21. Juli, zu welcher Z^eit man 
der Rückkehr de» Königs entgegensah, den ,Prolog, wie er 15 
componlrt werden muss', nicht liefern zu können. Er erhielt 
fernere B^ist, wovon die Berliner Theater-Commisslon, in 
Abwesenheit des In Reinerz die Cur gebrauchenden Iffland, 
unter dem 21. Juli Goethe Kenntniss gab: ,Da die Behörden 
benachrichtigt wurden, dass die eigentlichen Feierlichkeiten 20 
bis nach dem Wiener Congrese ausgesetzt bleiben sollten, so 
ist dadurch die nöthige Müsse gewonnen, zu der Anfangs Oc- 
tober d. J. erwarteten Ankunft des Kaisers von Kussland MaJ. 
In Berlin oder zu dem dann zu feiernden Friedensfeste oder 
zur Rückkehr des Königs von Wien bei Gelegenheit der 25 
grossen Feierlichkeiten den herrlichen Prolog, den wir E. E. 
verdanken, vollständig und ganz würdig auf die Bühne brin- 
gen zu können*" (WH. 11 (1), 115—117). Dieses Schreiben 
traf am 29. Juli In Weimar ein (vgl. 855, 19— 356, 20), Goethe 
war am 25. abgereist und begab sich über Frankfurt nach 80 
Wiesbaden und In den Rheiugau und kehrte erst am 27. Oc- 
tober nach Weimar zurück. Die Seinigen und Riemer hielten 
Ihn Indees Über alles, so auch über die Berliner Festspiel- 
Angelegenheit auf dem Laufenden, vgl. Nr. 639, sowie 356, 
19 f. und Br. 26. 19, 21-23. 349. sä 

' Vgl. Z. 32—35. 356, 19 f.; fttr ,Eplmenldes* kommt hier, ausser 
dem Z. 17—28 angeführten Schreiben der Theater-Commls- 
slon ein Brief In Betracht, den, wie aus Z. 13 f. zu schlles- 
sen ist, Riemer von Berlin aus erhalten hatte (von Weber?). 



1814 EPIMENIDES ERWACHEN. 345 



[Augast 29, Wiesbaden.] [639| 

Was die edlen Berliner betrifft, so ist mein Vorsatz, 
ganz j?tillzu.^ehweigen und zu erwarten, was sie vorneh- 
men. Schreibt man von dorther wieder an Sie, so ant- 
6 Worten Sie, ich habe eine Rheinreise gemacht und wei- 
ter nichts von mir hören lassen; die Sache ist so ver- 
wickelt und das Volk so schlecht, dass nichts daran zu 
schlichten und zu curiren ist. Ee mag alles liegen bis 
nach dem Congress, worauf so viel verwiesen ist. Wei- 
10 tcr möcht' ich kaum etwas sagen. . . . 

Wegen Liebich weiss ich nichts zu sagen.^ Vielleicht 
hört man, was Maria Weber in Berlin ausgerichtet hat. 
Durch jene böse Verzögerung wird nun wahrscheinlich 
auch ein fernerer Gebrauch vereitelt. Uebrigens kommt 
16 mir mein Dedain du succes^ hier abermals wohl zu 
Statten. 

An Riemer. — Br. 25, 27. 8—19. 28, 9-14. 
][October ? , ?] Ö40 

Was haben wir nicht für Kränze gewunden! 
90 Die Fürsten, sie sind nicht gekommen; 

Die glücklichen Tage, die himmlischen Stunden, 
Wir haben voraus sie genommen. 
So geht es wahrscheinlich mit meinem Bemühn, 
Den lyrischen Siebensachen;' 
26 Epimenides, denk' ich, wird in Berlin 

Zu spät zu früh erwachen. 

* Vgl. 341, 24-^. 

^ Dieser Ausdi-uck der Frau v. Sta^l, den Goethe auch sonst 
gelegentlich anführt findet sich in Thell 2 Capitel 7 Ihres 

80 Werkes ,De TAllemagne*: „ . . on apercoit le d^daln du succds 
daus Goethe, ä un degr^ qui platt singuliörement, alors m^me 
qu'on 8*impntiente de sa nßgllgence'' (,Oeuvrefl complötes de 
Mme la baronne de Sta61, publikes par son Als; . . Paris, 1820* 
10, 240). 

85 « Redaction einer Sammlung von Festgedichten verscWedeoer 
Verfasser zur Feier der sich hinzögernden Rückkehr des Her- 
zogs Karl Augast 



346 EPIMENIDES ERWACHEN. 1814 



JlOctober *? , ?J [MO 

Ich war von reinem Gefühl durchdrungen; 
Bald schein^ ich ein schmeichelnder Lober: 
Ich habe der Deutschen Juni gesungen,^ 
Das hält nicht bis in October.^ 5 

Zahme Xenlen IX (V. 87a-«89, Nachlass). — W. 5 (1), 148. 
October 31, Weimar. Ö41 

Melde mir . . was, nach Deiner Ansicht, ^Epimenides* 
für Gebärden schneiden wird, wenn er erwacht.^ 

An Zelter. ~ Br. 25, 66, 12. 15 f. 10 



^ Ei-ster Friede zu Paris, geschlossen am 30. MaJ. 

■ Iffland hatte den 19. October für die erste Auffühi-ung des 
.EplmenidesS als Jahresfeier der Schlacht bei Leipzig, be- 
stimmt, war aber unerwartet am 22. September gestorben; 
auch wäre der Componlst bis zum 19. October mit der Musik 15 
noch nicht fertig geworden (vgl. WH. 11 (1), 117); so wurde 
die Vorstellung abermals auf unbestimmte Zeit verschobeu. 

■ Zelter, der in Wiesbaden längere Zeit mit Goethe zusammen 
gewesen war, antwortet November 8: „Ueber den ,B p 1 m e - 

n i d e 8* weiss ich erst seit gestern von der Wittwe I f f - 20 
land (denn von allen Andern deckt Jeder seine Haut), dass 
die Ursache einzig und allein am (Komponisten liegt, der nicht 
fei'tig geworden ist, wie Ich gleich vermuthct habe da er 
niemals Zelt hat — Zeit zu haben. ... 

. . . EUiben sie Dir denn das Stück bezahlt? — Weber, 25 
den ich fragte, wusste es nicht, und es wäre mir daran ge- 
legen, es zu wissen. 

Auf meinen nächtlichen Reisen hat es nicht an Zeit ge- 
fehlt, allerlei Remlniscenzen aus dem ,Epimenides' zu- 
sammenzufügen. So hatte sich das Liedehen: „Vorwärts! 90 
Hinan!** in meinem Gehirne krystallisirt und melodlsirt. 
wie ich denn auch Dein Manuscript selbst oft genug vor Au- 
gen gehabt habe. Mit diesem Liede wollte ich Dich über- 
raschen [bei Goethes Rückkehr von seiner Rheinreise, 27. Oc- 
tol>er], d. h. Eure Choristen in Weimar sollten es Dir vor 3» 
Deiner Thüre vorsingen. Nun geschah's, dass Fürst Blü- 
cher sich zum 11. October zur Singakademie anmelden Hess, 
und ich wusste nichts Besseres zu thun, als ihn mit diesem 
Liede zu bewirthen, das ihm Freude gemacht hat, da es so 
wahrhaftig und fein gegeben ist. Auch haben es 181 Stimmen 40 



1814 EPIMENIDES ERWACHEN. 347 

November 21, Weimar. 642 

Femer ist das „Vorwärts" angekommen/ es 
scheint aber diess nicht der Wahlspruch Euerer Anstal- 
ten zu sein. 
5 An Zelter. — Br. 25, 88, 3— {5. 

December 12, Jena. 643 

[Vormittags]. Knebel, ^Epimenides^^ 
Tgb. 5. 142, 14 f. 

December 13, Jena. 644 

10 [Vormittags] Bei Knebel, zweite Hälfte des ,Epime- 

nides^ 

Tgb. 5, 142, 27. 

December 21, W^eimar. 645 

E. W. Schreiben vom 13. December hat mir sehr viel 

16 Vergnügen gemacht, weil ich daraus ersehe, dass Sie 
nicht ermüden, Ihr grosses und liebenswürdiges Talent 
einer Arbeit zu widmen, die wir, unter so schönen Vor- 
bedeutungen, gemeinsam begonnen und fortgeführt ha- 
ben. Ich zweifle nicht im mindesten, dass die Müsse, 

20 die Ihnen durch den Aufschub geworden, dem Werke 
sehr vortheilhaft sein werde, und ich freue mich schon 
zum voraus, sowohl aufs Ganze, als auf die Stellen, 
deren so genialische als sorgfältige Behandlung Sie mir 

so frisch und energisch gesungen, dass dem Alten die Thrä- 
25 nen entlaufen sind [vgL W. 16, 530 unter P]. Darüber ist 
nun Freund Weber aus seinem I^ger aufgestört, und Ich 
werde zu thun haben, um Ihn wieder gut zu machen. Viel- 
leicht klagt er Dir sein Leiden selber, denn er hat mir sein 
Manuscript geliehen, um es S c h u 1 1 z vorzulesen, und glaubt, 
30 ich habe die Verse aus seinem Manuscripte abgeschrieben" 
(G.-Zelter 2, 139 f.); mit diesem Briefe schickte Zelter wohl die 
Abschrift seiner Composition, die sich nach W. 16, 530 noch 
in Gk>ethe8 Notensammlung befindet (vgl. Nr. 042). 
» Vgl. 346, 28-847, 2. 
85 ■ Wie aus Nr. 644 zu schlieseen, las Goethe die erste Hälfte 
des Festspiels vor. Vgl. Knebels Brief an Frl. v. Böse vom 
12. Januar 1815 (Knebels Nachlass I 3, 23). 



348 EPIMENIDES ERWACHEN. 1814 



(December 21, Weimar.] [MS] 

andeuten. Was die Arie der Demoiselle Schmalz^ be- 
trifft, so füge ich die Veränderung bei, so wie auch, 
wie allenfalls das Chor eintreten könnte. Ich glaube, 
dass sowohl zur Wiederholung der einzelnen Sätze nun- s 
mehr die Gelegenheit gegeben ist, wie ich denn kaum 
zu bemerken brauche, dass das Chor mit den Worten 
beharret! 
Nähret, Nähret!* 
ohne die ganzen Zeilen zu wiederholen, eintreten und lo 
die Solostimme tragen kann. 

Die Arie direct an den König zu richten, halte ich 
nicht für räthlich, weil es ohne sie schon etwas Schmerz- 
liches ist, sich an solche Vergangenheit erinnern zu 
lassen, wenn es auch nur indirect und im Bilde geschieht. i5 
Zugleich bemerke, dass Herr Director Iffland mich aus- 
drücklich vor einer solchen Anrede an den König ge- 
warnt hat.' Uebrigens glaube ich, dass demungeachtet 
die Arie heroisch und prächtig behandelt werden könne, 
indem es ja nur von E. W. abhängt^ die schmerzlichen 20 
und gleichsam niederdrückenden Stellen mit Kraft und 
Indignation zu behandeln. Dergleichen üniisetzungen 
des Charakters, wo der Componist gleichsam dem Dich- 
ieT zuwider arbeitet, thun oft die grösste Wirkung. Dafi 
Schluss-Chor sende sobald möglich, es soll auf die mir » 
mitgetheilte Melodie* genau passen. 

So kann ich denn auch zuletzt nicht verschweigen, 
dass ich das Sujet einer grossen Oper [,I>er Löwen- 
stuhl*]^ welches ich schon lange mit mir herumtrage, 
diesen Sommer schematisirt und dergestalt disponirt » 

* Als Darstellerin der Beharrlichkeit, vgl. Nr. G18 und die 
SteUe aus Webers Brief W. 16, 552 und 526; vgl. 357. 15-18. 

* 8. W. 16. 550. 

» Vgl. 299, 36 f. 381, 27-31 und die Verse selbst W. 16, 549. 

* Die Weber Goethen „in Berlui vorgespielt" und die Goethe 86 
„gutgeheissen" (W. 16, 526); vgl. 335, 24—26. 



1814 BPIMBNIDES ERWACHEN. 349 



[December 21, Weimar.] [646] 

habe, dass es nur einer Berathung mit K W. bedarf, 
um imgesäumt an die Ausführung zu gehen. Wie sehr 
wünschte ich, persönlich das Gelingen unserer gemein- 
5 samen Arbeit in Berlin zu erleben und alsdann zugleich 
das gedachte neue Unternehmen anzuschliessen. 

Das ,Erwachen des Epimenides* kann man 

am füglichsten ein Festspiel nennen, indem es das 

erste Mal zu einem bedeutenden Feste gegeben wird, 

10 und, wenn es Gunst erlangt^ nur an Festtagen wieder- 

bolt werden kann. 

Ad B. A. Weber. - Br. 25, 105, 1-106, 26. 
] [December 2G? Weimar.] — s. 8, 11. 646 

December 27, Weimar. 647 

15 Aus einem Briefe des Capellmeister Weber^ sehe ich, 

dass sie denn doch noch den Epimenides aus seinem 
Todtenschlafe zu erwecken die Absicht haben, . . 
An Zelter. - Br. 25, 119, 3-5. 

1815. 

20 Januar 5. Weimar. 648 

Abends Niebeckers. jKpimenides* gelesen. 

Tgb. 5. 146, 14 f. 648 

] [Januar 7, Weimar.] — s. Nr. 13. 648 a 

Januar 16, Weimar. — s. Nr. 14. 648 b 

25 Januar 30. [Weimar.] 649 

Wie schlecht sich die Berliner gegen mich aufführen, 

ist kein Geheimniss.* 

An Kinns. — Br. 25, 183, 16 f. 

] [Februar 2, Weimar.] 650 

80 Es hätte mir nichts Augenehmeres begegnen könneu, 

als aus Ihrem Briefe* zu ersehen, dass Sie Sich noch un- 

ermüdet mit der Ausbildung unserer gemeinsamen Ar- 



» Vom 13. Dec«»mber, vgl. Nr. 645. 
« Vgl. 345. 2-10. 
36 ■ Vom 24. Januar, vgl. 357. 19-26. 



850 EPIMENIDES ERWACHEN. 1815 



[Februar 2, Weimar.] [tSO] 

beit beschäftigen. Ich zweifle nicht, dass das Werk da- 
durch immer mehr gewinnen wird. Geben Sie mii- aber 
doch gefällig einige Auskunft über eine Stelle im ,Mor- 
genblatt', wo von Berlin aus gemeldet wird, dasö in 5 
Gefolg einer Königl. Cabinetsordre auf dem Theater 
nichts, was sich auf die nächsten Umstände bezöge, er- 
scheinen, und also auch mein Stück nicht aufgeführt 
werden soUe.^ 

Da nach E. W. Aeusserungen dieses ein leeres Ge- 10 
rücht zu sein scheint^ so verfehle nicht, drei Strophen 
Schlußschor^ zu schicken, die ich schon früher gesendet 
hätte, wenn ich sie nicht den letzten Augenblicken recht 
anzupassen die Absicht gehabt. Indessen glaube ich, 
sie werden so ganz zweckmässig und singbar sein. 15 

An B. A. Weber. — Br. 25. 185. 1—18. 

Febiniar 20, Weimar. — s. 12. 24. 651 

März 4, Weimar. 652 

[Vormittags]. ,Epimenides' spukte.* 
Tgb. 5, 162, 2. jo 



^ In Nr. 802 des .Margenblatts* vom 19. Deeember 1814 heisst 
es auf Seite 1208. in den .Gorrespondeiiz-NadirlchtenS unter 
Berlin 22. November: „In einer Cabinetsordre hat der König 
mit seinem anerlcannt zarten Sinne alle Schauspiel-Prologe 
und Zeitspiele untersagt, welche auf eine fremde Nation 25 
hassende Beziehungen haben. — Das herrliche Vorspiel Ton 
Goethe, welches wir erhofften, wird, da es zu einem schon 
entschwebten Augenblicke nicht bis zur Aufführung gestaltet 
war, der Sage nach, auch liegen bleiben; doch der wahrschein- 
liche Abdruck, durch den gefeierten Dichter veranstaltet, 90 
tröstet einlgermassen". 

* Strophe 1, 2 und 4 des Schluss-Chors, Tgl. W. 16, 526. 554. 

• Tgb. hat: „spuckte'*. Bezieht sich wohl auf wiederauftau- 
chende Gertichte, dass das Festspiel in Berlin nicht auf- 
geführt werden würde (Tgl. Z. 21—31), in Folge dessen Goethe ts 
dann uuTerweilt zur Abfassung des ,Pro-Memoria* (Nr. 653) 
schritt 



1815 EPIMENIDES EUWACHEN. 351 

Mars [zwischen 4 und] 6, Weimar. 653 

^Geschichtserzählung. 
Einer Königlich Preussischen verehrten Theater-In- 
tendanz wird, unter den vielen Angelegenheiten, welche 
ö Sie beschäftigen, nachstehende nicht als die geringste 
erscheinen, desshalb man sich eine geneigte Aufmerk- 
samkeit auf den Vortrag derselben wohl versprechen 
darf.2 

(1814, 7. Mai.) Nach glücklich geendigten Kriegs-Er- 
10 eignissen liess der verewigte Iffland, iai Frühlinge des 
vergangenen Jahres, seinen Wunsch nach Weimar gelan- 
gen, dass Unterzeichneter irgend eine Art Theatralischer 
Einleitung zu jenen Festen geben möge, die man der 
Bückkehr der Monarchen und ihrem Aufenthalte in Ber- 
16 lin bereitete. Es sei hinreichend, wenn ein Kaum von 
20 Minuten ausgefüllt würde. Als Honorar offerirte er 
200 Btlir. ohne auf den Druck des Werke» Anspruch zu 
machen. 

(17. Mai.) Ich befand mich damals in Berka und er- 
90 hielt den Brief nur späte,^ \md da ich gerade mit einer 
andern, höchst nöthigen Arbeit [,Was wir bringen. Fort- 
setzung*] beschäftigt war, \md den grossen Umfang des- 
sen, was gefordert werden konnte, schnell überblickte. 



* Das Folgende setzte Goethe zanäehst auf als ein ,Pro-Me- 
26 morla* (vgl. 358, 14; die W. 16, 517 gebrauchte Bezeich- 
nung „Beschwerdeschrift'' dürfte zu stark und nicht In Goe- 
thes Sinne sein) an die Intendanz des Königlichen Theaters 
zu Berlin, sandte es jedoch, als die Aufführung des Fest- 
spiels für Ende Milrz (durch einen am 6. Mäi-z eingetroffenen 
so Brief Dunclsers) In sichere Aussicht gestellt wurde, nicht ab, 
sondern ordnete, nach Streichung des ersten und der beiden 
letzten Absätze, die Blätter als ,6eschicht8erzählung* ein in 
sein Bündel .Acta Des Epimenides Erwachen und dessen 
Herausgabe betreffend*. 
S5 * Dieser Satz ist gestrichen. 
■ Vgl. Nr. 574. 575. 



352 EPIMENIDES ERWACHEN. 1815 

[M&n [zwischen 4 und] C, Weimar.] [653] 

zugleich auch meine Unbekanntschaft mit dem Berliner 
Theater und Publicum bedachte, so lehnte ich den An- 
trag ab, versprach al)er, um meine Bereitwilligkeit zu 
zeigen, eine ähnliche Arbeit für das zu erwartende Frie- s 
densfest, und erbat mir hiezu einen Aufsatz, der mich 
mit den Talenten der Berliner Schauspieler bekannt 
machte. 

(18. Mai.) Dieser Brief [s. Nr. 576] war kaum abge- 
gangen, als ich die Sache nochmals überlegte, und, in- lo 
dem mir der Gedanke beiging, die bedeutenden Weltver- 
hältnisse zusammen zu stellen, auf die Weise, wie ich 
sie nachher unter dem Titel ,Des Epimenides 
Erwachen' bearbeitet habe, so entschlose ich mich, 
ungesäumt an's Werk zu gehen, übertrug das frühere i5 
Geschäft [,Waß wir bringen. Fortsetzung*] einem Freun- 
de [Kiemer], imd sendete einen Brief [s. Nr. 580]. ab, 
worin ich die Uebemahme der angetragenen Arbeit er- 
klärte (19. Mai).^ 

Der erste Entwurf zu obgenanntem Stücke war bald ao 
aufgestellt, imd die ländliche Einsamkeit kam mir wohl 
zu Statten, so dass (22. Mai) ein ausführlich Programm 
[s. Nr. 583], worin nicht nur das Stück in allen seinen 
Th eilen entwickelt, sondern auch das Hauptsächlichste, 
was wegen Deeoration und Garderobe vorlä-ufig zu be- 25 
sorgen wäre, umständlich aufgezeichnet ward, sogleich 
abging (24. Mai). 

Herr Iffland hatte indess meine Zusage erhalten, be- 
zeugte seine Zufriedenheit darüber und theilte eine 
Schilderung des Berliner Theater - Personals mit' (28. 30 
Mai). 



^ Muse heisßen: 20. Mai; der Irrthum konnte leicht kommen, 
da Goethes Tagebuch nur am 19. (nicht am 20.) einen Brief 
an Kinns wegen »Epimenides* verzeichnet, s. Nr. 679 (TgL 
dagegen W. 16. 519 zu Z. 1). 36 

' Vgl. 300, 33—301. 6. 302, 33—35. 330, 12 f. 



1815 EPIMENIDES ERWACHEN. 353 



[Man [zwischen 4 and] 6, Weimar.] [653] 

Indessen war das Hauptprogranini selbst [s. Nr. 583] 
angekommen, Herr Iffland meldete den Empfang des- 
selben, so wie den Beifall, den er sowohl, als andere Ken- 

ö ner der Arbeit gegönnt (4. Juni).^ Ferner spricht er von 
Anstalten, die er trifft, die Aufführung vorzubereiten 
und zu beschleunigen. Wie denn zwei Decorateure, von 
Dresden und Weimar,^ verschrieben worden. Er em- 
pfiehlt sogleich* möglichste Fördenmg. 

10 (eodem.) Die Herrn D u n c k e r und H u m b 1 o t mel- 

den sich zum Verlag des Stückes, welche Herr Director 
Iffland empfiehlt.'** 

Ich beschäftigte mich nun, im wörtlichen Sinne, Tag 
und Nacht, mit der Arbeit, so dass sehr bald der grösste 

15 Theil des Stückes, und zwar alles Lyrische, nach Berlin, 
durch Estafette, abgehen konnte' (16. Juni). 

Ich fügte noch einen weitläufigen Aufsatz [s. Nr. 607] 
hinzu, wie ich mir, jedoch unvorgreiflich, manchee Ein- 
zelne der Composition und Ausführung gedacht. 

«0 (21. Juni.) Hierauf bezeugte Herr Staatsrath Uhden 

mir einen sehr schmeichelhaften Beifall, {eodem) dem- 
gleichen Herr Iffland, welcher zugleich meldet, dass 
die Herren Weber und D u n c k e r nach Weimar ab- 
gehen würden. 

26 (24. Juni.) Sie kommen in Berka an, das Stück wird 

gelesen und in allen seinen Theilen durchgesprochen, 
alles Bedenkliche und Zweifelhafte beseitigt (25. ejus- 



» Genauer wäre: 2. und 4. Juni, vgl. 322, 27. 323, 25. 

* Im Schema zu dem ,Pro-Memorla* heisst en unter Juni 5: 
30 „Berufung des Hofmalers Winkler aus Dresden zu diesem 

Zwecke" (W. 16, 519 zu Z. 16); der Decoratlonsmaler aus 
Weimar war Beuther (vgl. Tag- und Jahres-Hefte 1815, W. 
36, 101, 4). 

* Hr»i-fehler für „zugleich"? (W. 16, 519 zu Z. 17.) 
85 * Vgl. 328, 4-8. 33—35. 

* Vgl. Nr. 608. 

Graf, Goethe ttber s. Dichtungen. T. II, B. 1. 2» 



354 EPIMEXIDES ERWACHEN. 1815 



[März [zwischen 4 und] 6, Weimar.] [65S] 

dem), nicht weniger verschiedenes auf Anregimg des 
Herrn Componisten verändert und supplirt. 

Beide Herrn gehen nach Weimar (26. ejusdem) mit 
dem Vorsatze des Herrn Capellmeisters, einige bespro- & 
chene liauptetellen sogleich zu componiren, und das 
Uebrige noch genauer durchzudenken. Hierzu wird 
ihnen von den Meinigen alle Erleichterung verschafft,^ 
so dass Verschiedenes, zu meiner Bewunderung und 
Freude, fertig ist, als ich nach Weimar zurückkehre lo 
(28. Juni). 

Hierauf nahm man den wichtigsten Punct der Bera- 
thung vor, wie nemlich das Stück durch das Berliner 
Personal besetzt werden sollte, femer wurde deutlich 
auseinander gesetzt^ wo eine reine Recitation und De- w 
clamation Statt finden sollte, femer wo melodramatische, 
recitativische oder melodische Behandlung anzuwenden 
wäre (29. und 30. Juni). 

Wegen einiger einzulegender Singstücke wurde alles 
auf's genauste besprochen, und nichts mehr war zu ver- ao 
handeln übrig geblieben, als beide Herrn abgingen 
(30. Juni Nachmittag). 

(5. Juli.) Kurz darauf bestätigte ich die Ueberein- 
kimft mit Herrn Duncker wegen des Verlags [s. Nr. 
625]. 25 

Zu eben der Zeit lief ein Schreiben des Herrn Direc- 
tor Liebich zu Prag ein, welcher ein National-Schauspiel 
verlangte, zur Feier des 18ten October für genannte 
Stadt und ganz Deutschland. Ich lehne den Antrag ab 
[s. Nr. 627}, mit dem Vermelden, dass ich, in einem so 
Stück für Berlin, den (Gegenstand dergestalt erschöpft 
zu haben glaubte, dass mir eine zweite Bearbeitung des- 
selben unmjöglich sei. Zugleich ersuche ich ihn, sich 
mit Herrn Capellmeister Weber in Verhältniss zu setzen. 



» Vgl. 338. 24-27. 85 



1815 EPIMEMDES ERWACHEN. 355 



[Mars [zwischen 4 and] 6, Weimar.] [658] 

Erkundigung einzuziehen, und zu beurtheilen, ob viel- 
leicht jenes Stück zu seinem Zwecke dienlich sein könne 
(6. Juli). Hiervon wird Herr Capellmeister Weber un- 
5 terrichtet (12. Juli [s. Nr. 636]). Eine Abschrift des 
Festspiels an Herrn Duncker geht ab (eodem),^ damit 
solches sogleich bei der Aufführung in Druck erseheinen 
könne. 

Und nun erst, nachdem ich mich vollkommen über- 

10 zeugt, dass von meiner Seite alles, was zu Begründung 
des Geschäfts zu leisten war, geschehen, gehe ich nach 
Wiesbaden (25. Juli). 

Dort vernehme ich sehr bald, dass Ihro Königliche 
Majestät in Berlin angekommen, die grossen Feierlich- 

16 keiten stattgefunden, dass aber mein Festspiel zurück 

gelegt worden, imd man dagegen zwei andere Prologe, 

sowohl auf dem Opern- als Stadt-Theater, aufgeführt 

habe. 

Indessen war ein Schreiben der Berliner Theater-Di- 

20 rection (vom 3. Juli*) in Weimar angekommen, des 
Inhalts, dass die eigentlichen Feierlichkeiten bis nach 
dem Wiener Congress ausgesetzt bleiben sollten, wo- 
durch nöthige Müsse gewonnen würde, jenes Theater- 

' Genauer: 7. und 12. Juli, vgl. Nr. 626. 629. 635 und 637. 

35 ' Nach W. 16, 521 zu Z. 9 ist dieses Schreiben vom 3. „nicht 
vorhanden", es kann aber, wie aus 344, 13—28 hervorgeht, nur 
das Schreiben vom 21. Juli gemeint sein (am 3. war Weber 
Ja erst nach Berlin zurückgekehrt); oben (Z. 20) ist also statt 
3. zu lesen: 21. In dem (358, 29 genannten) Schema zum ,Pro- 

80 Memoria* heisst es zu Juli 23: „Capellmeister Weber meldet 
seine glückliche Nachhausekunft und seine fleissige Arbeit am 
Stücke. Herr Duncker macht einige Bemerkungen wegen des 
Verla jrs. NB. Diese sämmtlichen Briefe kommen an einem 
Tag, nemlicli den 29. Juli in Weimar an" (W. 16, 521 zu Z. 

86 2^-28), vgl. 356, 15-20. Nach W. 16, 521 sind die Briefe 
Webers und Dunckers „nicht vorhanden, doch von Riemer 
excerpirt in einem Bericht nach Wiesbaden vom 3. August". 



356 BPIMENIDES ERWACHEN. 1815 



[März [iwiichen 4 und] 6, Weimar.] [66S] 

Stück würdig auf die Bühne zu bringen und zwar, ent- 
weder zur Ankunft I. M. des Russischen Kaisers, in An- 
fang Octobers, oder zur Feier des Friedensfestes, oder 
zur Rückkehr des Königs von Wien. Die Arbeiten blie- 5 
ben bis dahin ausgesetzt. 

Dieses konnte mir um so weniger unangenehm sein, 
als die Sache dadurch nach meinem ersten Gedanken 
eingeleitet wurde, und ich selbst eine solche Arbeit für 
ein späteres Fest bestimmt hatte. Auch konnte ich lo 
wohl einsehen, dass Herr Capellmeister Weber bei sei- 
nem Weimarischen Aufenthalt die vermehrte Arbeit, 
welche das Stück erforderte, genau bemerkt haben 
werde, und ich ergab mich um so eh'r darein, als ein 
Brief des Herrn Capellmeister (vom 23. Juli) seinen i5 
fortdauernden Eifer mir umständlich darlegte, und zum 
Zeugnisß desselben noch einige Veränderungen zu Gun- 
sten des Componisten von dem Dichter verlangte. Vor- 
gedachte beide Briefe waren auf Einen Tag (29. Juli) 
in Weimar angekommen, und wurden mir nachgesendet. 20 

Die Sache gewinnt jedoch ein ganz anderes Ansehen, 
als ich die statt des jEpimenides' gegebenen Vorspiele 
erhalte,* woraus sogleich auffallend ersichtlich ist, dass 
beide Verfasser meine Erfindung benutzt, und was musste 
ich denken, als man mir aus Beriin schreibt, dass die 25 
von mir genau bestimmte und zu meinem Stücke fertige 

* Duncker hatte am 9. Auj^ust 1814 an (4oethe berichtet „über 
die AuflPührunß der »Astraea* von Herklots Im OpemhauAe 
[mit Musik von Weber, August 3], wo die Idee mit dem Sie- 
geswagen des Brandenburger Thors [vgL 314, 7—10] und dem 30 
Aiin>nu des PraehtgebHude« aus Goethes ,Epimenldes* ent- 
lehnt sei, sowie über den im Sehauspielhause gesprocheDen 
Prolog Kotzebues, bei dessen Schlüsse man das Brandenbur- 
ger Thor mit seinem erneuten Sehmuck erblickt habe. Duncker 
schickt auch ein Exemplar der ,A»traea* mit" (W. 16, 522 35 
zu Z. 1); vgl. auch Tgb. 5, 126, 26 unter August 19: „Berliner 
Z*>itung". 



1815 EPIMEXIDES ERWACHEN. 357 

[März [zwischen 4 and] 6, Weimar.] [668] 

Haupt- und Schluss-Decoratian bei einem dieser Vor- 
spiele gebraucht, und die Wirkung eines mit so vieler 
Sorgfalt bearbeiteten Werks nicht etwa nur verspätet, 
6 sondern sogar zerstört imd vielleicht* vernichtet wor- 
den. Ich enlöchliesse mich, da meine Freunde sich hier- 
über sehr leidenschaftlich äussern, wie es meinem Alter 
und Erfahrung geziemt, zu schweigen und die Sache 
abzuwarten.^ 

10 (3. September.) Herr Capellmeister Weber gibt in 

einem Schreiben zu erkennen, dass er noch immer eifrig 
an der Arbeit beschäftigt sei, und verlangt Auskunft 
über gewisse Stellen.^ In meiner Abwesenheit antwor- 
tet ihm ein Freimd [Riemer]. 

16 (13. December.) Herr Capellmeister wiederholt seine 

Anfrage, und wünscht eine Veränderung in der für DUe 
Schmalz bestinmiten Arie. (21. December:) Ich sende 
ihm die Veränderung [s. Nr. 645]. 

(1815, 24. Januar.) Er bezeugt darüber seine Zufrie- 

20 denheit imd verlangt das Schluss-Chor, welches wir, auf 
eine von ihm schon früher geschriebene Melodie verab- 
redet hatten, und das ich erst zuletzt absenden wollte, 
wenn die Auflfühnmg wirklich bestimmt wäre, damit 
man wenigstens dem Schluss-Chor die Frischheit des 

25 Augenblicks anmerkte. 

(30. Januar.*) Ich sende jedoch denselben ab, und 
erbitte mir zugleich einige Aus-kunft, über eine Stelle 
im ,Morgenblatt' [s. Nr. 650]. 

In demselljen war nemlich von Berlin aus gemeldet, 

80 dass eine Cabinets-Ordre I. M. des Königs eingegangen 

* „vielleicht" ist von Goethe eigenhändig übergeschrieben. 

» Vgl. 345, 2—9; unter den „Freunden" (Z. 6) ist vor allen Rie- 
mer zu verstehen (vielleicht auch Zelter?). 

* Vgl. die SteUen aus Webers Brief W. 16, 546 f. 548. 552. 

86 * Vielmehr: 2. Februar, vgl. Br. 25, 421 unter diesem Datum. 
— Von „Ich sende" bis zum Sehluss von Gk)ethe gestrichen. 



358 BPIMENIDES ERWACHEN. 1815 

[März [swischen 4 and] 6, Weimar.] [663] 

.<oi, wornach, bei Höchst Ihro Rückkunft die zu veran- 
staltenden Festlichkeiten nichts enthalten sollten, was 
sieh auf die Zeitverhältnisse bezöge, und dase also auch 
mein für das Berliner Theater gearbeitete Stück nicht s 
aufgeführt werden könne, wogegen zu wünschen sei, 
dass ich das Publicum durch den Druck desselben ent- 
schädigen möge. Auf diese Anfrage habe ich bis auf 
den heutigen Tag keine Antwort erhalten, und es wird 
mir desßwegen vergönnt sein, mich unmittelbar an eine lo 
verehrte Intendanz zu wenden. 
W. 16. 518—523. 

März 6, Weimar. 654 

[Früh]. Promemoria [s. Nr. G53] nach Berlin.^ . . . 
[Nachmittags] Brief von Duncker.^ [Abends] In Ge- is 
danken beschäftigt. 
Tgb. 5, 152, 7. 9 f. 
Mhi*z 7, Weimar. 655 

[Früh] Absendungen vorbereitet.^ 
Tgb. 5, 152, 11. 20 

Mürz 8, Weimar. 656 

Der Hen* Geheime Hofrath Kinns hat mir E. W. 
Brief* sogleich zugestellt, imd ich verfehle nicht zu er- 
widern, dass mir der Inhalt desselben sehr angenehm 
war, so soll denn doch zuletzt das nur zu sehr verspätete 26 
Werk seine Darstellung erleben. 

Das übersendete Manuscript folgt hiebei wieder zu- 
rück; die Veränderung der Arie und das Schlusschor* 



* I>er Ausdruck „nach'* dai-f nicht irreführen, steht hier im 
Sinne von „für" (vgL 851, 24—34). so 

» Jn dem der Verleger, unter Beifügung dos Druckinanuserlpts. 
bat: „die inzwischen entstandenen Aendcrungen und Nach- 
träge einzufügen" (W. 16, 532), vgl. Nr. 656. 

• Darunter jedenfalls auch den Brief und das Druekmanu- 
script für Dunoker, vgl. Nr. 666. M 

* Vom 28. Februar, Goethe empfing ihn am 6. März, vgl. Z. 15. 

• Vgl. 348, 2-26 357, 15-18. 361, 2&- 362, 11 u. W. 16, 532. 554. 



1815 EPIMENIDES ERWACHEN. 359 



[März 8, Weimar.] [666] 

sind hinzugefügt, und es möchte nun auch dem Druck 
kein weiteres Hindemiss entgegenstehen. 

Dem Sinne des vorjährigen Contracts gemäss^ rücke 

5 ich gern den Termin Ihres Verlag-Bechtß bis auf Michael 
des gegenwärtigen Jahrs. Wollen Sie mir über die zuge- 
sagte Summe [von vierzig Louisd'or]^ eine Assignation 
auf Leipzig senden, so werde ich's dankbar erkennen. 
Von Königlicher Direction ist noch nichts an mich 

10 gelangt; geschieht es, so werd' ich auch Ihres Wunsches 
gedenken, dass von Seiten des Theater-Rendanten kein 
Textbuch verkauft werde, und dieses Gesuch mit Grün- 
den unterstützen. Könnten Sie es aber nicht einleiten, 
daas Ihre Ausgabe an der Porta verkauft würde,' 

15 wie es ja mit italienischen Opernbüchem geschieht, 
welche nicht zerstückelt^ sondern ganz, mit Becitativ 
und allem abgedruckt werden. 

Sollte sich der Rendant nicht mit gewissen Procen- 
ten begnügen?*' 

20 Eine Anzahl Exemplare des ,E^imenide8* darf ich 

wohl von Ihrer Gefälligkeit erwarten, mögen Sie mir 
vorläufig ein paar Aushänge-ßogen schicken, damit ich 
Druck und Format kennen lerne. Lassen Sie ja den 
Maitre en page^ recht wachsam sein, damit die Abthei- 

26 » Vgl, Nr. 625. 

« Statt der nach 339, 12 ergänzten [] hat die Handschrift 

eine Lücke. 
' Das geschah dann auch, und zwar sowohl in Berlin als in 
Weimar (vgl. 297, 17-20. 363, 34-364, 29). 
30 * Dieser Satz ist in der Handschrift von Goethe am Rande 
beigefügt, statt des durchgestrichenen: „Ein Ausflug nach 
Berlin wird mir kaum möglich, doch gebe ich nicht alle 
Hoffnung auf" (W. 16, 390 zu 223, 1 f.); dazu vgl. 361, 15—26. 
• Gewiss Hörfehler für: Metteur en pages (so heisst In der 
36 Buchdruckerkunst derjenige Schriftsetzer, der die von ande- 
ren Setzern zeilenweis gesetzte Sehriftmasse in Seiten und 
Columnen umbricht, den Bogen schliesst, und für die richti- 
ge und geschmackvolle Vertheilung des Satzes sorgt). 



860 EPIMENIDES ERWACHEN. 1815 



[März 8, Weimar.] [«56] 

lungen geschmackvoll werden, und die Strophen nicht 
zersplittert. 

An K. F. W. Duncker. — Br. 25, 222, 1—223, 9. 

März 8, Weimar. 657 5 

Uebrigens scheint sich allerlei Angenehmes ereignen 
zu wollen. Die Berliner schreiben, dasa sie den »Epime- 
nides' den 30. März aufführen werden, zu Ehren der Ein- 
nahme von Paris, dieser Gedanke wäre denn ganz gut, 
wenn nicht wieder etwas Albernes dazwischen kommt, lo 
An Christiane. — Br. 25, 223, 18-23. 

März 8, Weimar. 658 

Möchten E. W. Beikommendes fs. Nr. 656] mit der 
heutigen reitenden Post an Herrn Duncker abgehen 
lassen; ich würde es selbst thun, wenn ich nicht 15 
wünschte und hoffte, dass Sie ihm ein freundlich Wort 
hinzufügen würden; es ist immer gut, mehrere Con- 
nexionen zu erhalten. Ich habe, was er wünscht, zum 
Manuscript hinzugefügt, und schick' es ihm zurück mit 
der Zusage seines Veriag-Bechts bis Michael dieees 20 
Jahrs. 

Wollten Sie zugleich die Anfrage hinzuthun, ob man 
bald nach der Aufführung eine Abschrift der Partitur 
für Weimar erhalten könnte, so hört man, was sie sagen, 
imd besonders würde der neue Decoratcur [Beuther] 25 
seine Kunststücke dabei zeigen können. 
An Kirms. — Br. 25, 224, 18—225, 7. 

März 8, Weimar. 659 

[Früh] Absendimgen. ...AnDuncker den ,Epi- 
menides^ [s. Nr. 656]. so 

Tgb. 5, 152, 15. 

März 11, Weimar. 660 

Nun habe ich auch einen Brief von dem Graf Brühl 
als Königlichen Theater-Intendanten, worin er mir 
meldet, dass ,Epimenide8* zur Feier des Jahrestags der ss 



1815 EPIMEXIDEJS ERWACHEN. 361 



[März 11, Weimar.] [660] 

Einnahme von Paris gegeben werden solle.* Ich habe 
ihm zu diesem Zweck noch einiges hinzureimen müssen,* 
und so kommt denn dieses langbearbeitete und verscho- 
5 bcne Work auch endlich zu Stande. 

An Christiane. — Br. 25, 231, 21—28. 
März 12, Weimar. 661 

Wie wird sich, verehrter Herr und Freund! der alte 
Epimenides erfreuen, wenn er, nach langem Schlafe, die 

10 Augen aufthut und den rüstigen, jungen, wackern Mann 
zur Seite sieht, dem er seinen Spielraum verdankt. Da 
er ohnehin redselig ist, hoff' ich, wird er es an guten 
freundlichen Worten der Erkenntlichkeit in seinem imd 
meinem Namen nicht fehlen lassen. 

16 Vor allen Dingen muss ich aber aussprechen, wie 

leid es mir thue, Ihrer lieben Einladung* nicht folgen 
zu können. ]!ireine Gesundheit erlaubt mir wohl, ja sie 
nöthigt mich, im Sonuner eine Badereise zu thun, Win- 
ter und Frühjahr halten sie*' mich dagegen zu Hause. 

«0 Wäre ich aber auch in Versuchimg gerathen, in diesem 
aui^serordentlichen Falle eine Ausnahme zu wagen, so 
würde ich doch durch ein freudiges Ereigniss abgehalten 
werden, welches uns bevorsteht, indem unser gnädigster 
Herr auf den 2. Oster-Feiertag [27. März] angekündigt 

«* ist. Verzeihen Sie also mein Aussenbleiben und lassen 
mir die Hoffnung eines fröhlichen Wiedersehns. 

Aber auch aus der Feme will ich gern nach Ihren 
Wünschen mitwirken. Die verlangte Strophe folgt hier- 

' Graf Brühl hatte Goethen am 28. Februar „zur Aufführung 
80 dos ,EpiiDenides\ nach Beriln eingeladen" (Br. 25, 392 zu 
233. 4), (Jofthes Reise und Aufenthalt in Berlin sollte .,auf 
könlgllohe Kosten** Statt finden (vgl. Telehmann S. 110). 
^ Vgl. Z. 28- -362, 11. 
» Vgl. Z. 29-32. 
86 * Man erwartet nur: halten (oder in Z. 17 f.: Meine Gesund- 
heltsverhiütn'sst erlauben . ., oder ähnlich). 



362 EPIMEMDES ERWACHEN. 1815 

[Mürz 12, Weimar.] [661] 

bei,' sie entsprang gajiz natürlich durch die Beetimmiing, 
die Sie dem Stück gegeben. Es wird dadurch am Schluaee 
wieder belebt, wenn, obschon in einer so kurzen Zeit, 
manches darin veraltet sein sollte. Doch die Sadie 5 
bleibt jung und neu, und Sie werden schon bei der Auf- 
führung alles in Eins zu verschmelzen wissen. 

Da ich vermuthe, dass Epimenides zugleich auch Sän- 
ger ist, denn Herr Capellmeister Weber meinte, die Rolle 
sollte Herrn Gern zu Theil werden,^ so habe ich ihm lo 
das beiliegende Schluss-Recitativ gleichfalls zugedacht. 
Seine beiden Priester mögen ihm assistiren und sie zu 
drei das Chor einleiten.* Wie viel reicher könnte man 
freilich dergleichen Dinge ausstatten, wenn man gegen- 
wärtig wäre, von allen Mitteln unterrichtet, deren man i6 
sich bedienen dürfte. Ee soll mich um unserer Aller 
Willen freuen, wenn das Ganze geräth, und durch Ihre 
Vorsorge soviel Beifall erhält, um zur Permanenz zu 
gelangen. 

Ihrer Amtsführung traue ich das Beste zu, und weiß- w 
sage ihr Glück.'*' Das Theaterwesen ist ein Geschäft, 
das vorzüglich mit Großsheit behandelt sein will, eben 
weil ee fast aus lauter Kleinheiten besteht, von denen 
zuletzt eine grosse Wirkung gefordert wird. Jene Klein- 
lichkeiten, Verschränkungen und Verfitzungen zu beseiti- ts 
cron, zurech tzulesren und durchzuhauen ist freilich ein 



* Strophe 3 des Sehluss-Chors (V. 971—978), die sich auf den 
30. März 1815 als den Jalirestag des Einzugs in Parlg be- 
zieht, an dem das Festspiel in Berlin aufgeführt wei-den sollte 
(Vgl. WH. 11 (1), 202 ♦ ♦ ♦). 

" Vgl. 337, 35 f.: statt Gems spielte aber Beschert die Rolle. 
» Vers 947—954, die, gleich Strophe 3 des Sehluss-Chors, im 
ersten Druck fehlen. 

* Graf Brühl war, nach Ifflands Tode, Im Januar 1815 zum 
Generalintendanten der Königlichen Schauspiele ernannt 
worden. 



1815 EPIMENIDES EUWACHEN. 363 



[März 12, Weimar.] [661] 

unangenehmes Gei?chäft, e8 ist aber nicht undankbar, 
weil zuletzt das Gute und Rechte wie von selbst ent- 
springt. 

5 Und nun komme ich noch mit ein paar Bitten hinter- 

drein, die erste, dass Sie die Besetzung der Rollen des 
,Epimenides^ mir gefälligst senden, sodann aber jemand 
anstellen wollen, der mir eine baldige freundliche Nach- 
richt von der Aufführung und deren Wirlning, einiger- 

10 mai>sen umständlich, ertheilte. 

Nachschriftlich. 

Uerr Duncker, dessen Verlagsrecht auf den ,Epime- 
nides^ bis Michael dieses Jahrs, wie billig war, verläu- 

15 gert habe, erwähnte schon bei unserer ersten üeberein- 

kunft eines Umfitandes, wegen dessen er mich um Inter- 

cession bat; er wiederholt gegenwärtig sein Ansuchen,* 

und ich nehme mir die Freiheit Folgendes zu bemerken. 

Es ist überall herkömmlich, dhss die Opembüchelchen 

20 gedruckt werden, die italienischen durchaus mit Arien 
und Recitativ, und von den deutschen nur der eigent- 
liche Gesang, weil bei uns die Prosa den Platz des Reci- 
tativs vertritt; dergleichen Abdrücke entweder zu Gun- 
sten der Caase selbst, oder irgend eines Angestellten sind 

25 löblich, ja nöthig. 

Nur tritt beim ,Epimenide6* der Fall ein, dass die 
Grenzlinie zwischen dem Abzudruckenden und Auszu- 
lassenden wohl schwer zu ziehen sein möchte, vielmehr 
müs^te ich voraussehen, das.< beinahe das ganze Stück 

80 abgedruckt werden müsste, freilich zum Schaden des ein- 
heimischen Verlegers. 

^Da ich überzeugt bin, da^^s eine verehrte Intendanz 



» Vgl. 3Ö9. 4-6. 376. 21-24. 

• Statt dieses letzten Absatzes heisst es !m Brief -Conoept : „Bei 
36 UDS ist dieser A>rkauf des Bücbelcliens kein Accidens eines 
Subalternen, es wird eine besondere Reebnung drüber ge- 
führt, und von dem Ueberscbnss machen wir manchmal kleine 



3^ EPIMENIDES ERWACHEN. 1815 



[März 12, Weimar.] [661] 

hierin alle mögliche, den Umständen gemässe Billigkeit 
würde obwalten lassen, so hab' ich diese Xaehsehrift 
nur hinzugefügt, um mein Herrn Duncker desshalb ge- 
thanes Versprechen dadurch zu lösen. s 

An d. Grafen K. F. M. P. v. Brühl. — Br. 25. 232. 2<>- 
234, 24. 236, 1—26. 

] [ MUrz 15, Weimar. ] » ß62 

,De8 Epimenides Erwache n^ 

Ein Festspiel. lo 

Aufzuführen, Berlin, den 30. März 1815. 
(Von Goethe.) 
Dieses Stück ward auf Anregung des verewigten I f f - 
1 a nd schon im Mai 1814 geschrieben; die erste Absicht 

Geschenke an Untergeordnete, die es verdienen. Dadurch er- is 
reichen wir den doppelten ZweclL, dass es ganz in unsem 
Hilnden bleibt, und dass uns die Empfangenden Jedesmal 
für das Geschenk dankbar sind, anstatt dass für ein Acci- 
dens, zu dem man ein für allemal ein Recht erworben hat, 
nur von gebildeten Menschen Dankbarkeit zu erwanen ist. 90 

Käme also der Fall bei uns vor, so wäre die Sache leicht 
zu entscheiden. Ich würde den Verleger veranlassen, eine 
Partie Exemplare mit dem Beding eines gewissen Rabatts 
in Commission zu geben, da es denn von uns abliiuge, ob wir 
dem Publicum das Heftchen um den verminderten Preis 25 
überlassen wollten, welches wohl nöthig sein möchte, weil 
man die Büchelchen wohlfeil zu kaufen gewohnt ist; unsere 
Gasse gewönne zwar nichts hierbei, aber der Zweck würde er- 
reicht Was jedoch an Ihrem Platze thulich ist, kann ich 
nicht entscheiden, Ich habe mich dieses Vortrags und dieser so 
Vorsprache entledigen wollen, um mein Versprechen gegen 
den wackem Mann zu erfüllen" (Br. 25, 392 zu 235. 22—28). 
* Die Datirung nach Nr. 663; vielleicht wurde der Aufsatz am 
15. nur abgeschlossen, sodass die Tagebuchvermerke vom 10. 
(„Abschriften, Vorarbeiten'*), 13. („Fortgefahren an den fort- S5 
zusendenden Arbeiten**) und 14. („Fortgefahren wie gestern**) 
möglicher AVelse mit auf Ihn zu beziehen sind: er erschien 
in Nr. 75 und 70 des .Morgenblattes für gebildete Stände* 
vom 29. und 30. Mäns (letzteres der Tag der Ui-auflPühnmg in 
Berlin), S. 207—299. 301—303; wegen der am Kopf beider 40 
Nummern des Morgenblattes stehenden Verse vgl. 390. 20 f. 



1815 EPIMENIDES ERWACHEN. 365 



][MÄrs 16, Weimar.] [««2] 

ging nur auf einen Prolog, eine grössere Ausdehnung 
jedoch war Ursache, das« es nicht zu den Feierlichkei- 
ten im Juli dienen konnte. Herr Capellmeister Weber 
5 benutzte die ihm gegebne Frist und suchte den musika- 
lischen Theil auf das fleissigste zu voUenden, und so 
war der Aufschub dem Stück günstig, von welchem wir 
dem Publicum nähere Kenntniss zu geben gedenken. 

Die antike Fabel, welche demselben zu Grunde liegt, 
10 ist folgende: 

Epimenides, einer N}Tnphe Sohn, . . .^ 

Der Schauplatz ist ein prächtiger Säulenhof; im 
Grunde ein tempelähnliches Wohngebä.ude; Hallen an 
der Seite. Die Mittelthür des Gebäudes ist durch einen 
15 Vorhang geschlossen. 

Die Muse tritt auf und prologirt, begleitet von zwei 
Genien als Knaben, welche trophäenartig die Attri- 
bute sämmtlicher Musen tragen. 

M u s e. 
20 In tiefe Sklaverei lag ich gebunden 

Und rings umher ist keine Spur dies Alten. 

Sie führt die Darstellung eines glücklichem Zustandes 
durch und schliesst: 

25 So ging es mir! Mög' es euch so ergehen, 

Nach hartem äusserm Kampf den innem Frieden. 
Epimenides, von der Muse vor ihrem Abgang 
angekündigt, tritt aus dem Gebäude die Treppen herun- 
30 ter und exponirt in einem Monolog seine Schicksale und 
Beinen Zustand. 

Zwei Genien in Jünglingsgestalt nehmen ihn sin- 
gend in die Mitte. 

* Hier folgrt wörtlich das 324, 24— 325, 6. 8—13 Nachzulesende. 



866 EPIMEMDES ERWACHEN. 1815 



][Män 15, Weimar.] [Wi] 

Genien. 
Wandelt der Mond und bewegt sich der Stern, 

Junge wie Alte, sie schlafen wohl auch. 5 

Sie laden ihn zum zweiten Schlaf; er misstraut ihnen, 
vermuthet, dass ihm sein Tod angekündigt werde, doch 
ergibt er sich drein; sie begleiten ihn zur Thür des tem- 
pelartigen Gebäudes, wo man eine beleuchtete Lager- 
stelle erblickt. Man sieht ihn sich niederlegen und ein- 10 
schlafen. Die Genien verschlieseen die Thür. 

Unter Donner und roher kriegerischer Musik zieht 
ein Heereszug heran, ein wildes Lied singend, im Co- 
stüm der sämmtlichen Völker, welche von den Römern 
zuerst bezwungen und dann als Bundesgenossen gegen 15 
die übrige Welt gebraucht worden. 

Der Dämon des Kriegs tritt auf, entfaltet seine 
Denkweise, ertheilt seine Befehle; jene ziehen ab. In 
demselben Augenblicke tritt der Dämon der List 
mit seinem Gefolge herein. Sie sind costümirt wie die ao 
Hof- und Staatsmänner des sechzehnten Jahrhunderts. 
Der Kriegsdämon wird einen Augenblick aufgehalten, 
doch ungeduldig läset er sich vernehmen: 

Dämon des Kriegs. 
Verweile du, ich eile fort! 95 

Mit blutigen Zügen, meine Schrift. 
(Rasch ab.) 

Der Dämon der List, mit den Seinigen allein, unter- 
hält sieh mit ihnen selbstgefällig über ihre heimliche so 
Macht: 

Dämon der List. 
Der Kriegesgott, er wüthe jetzt. 

Es sei ein ewig Wiederbaun! u 



1815 EPIMENIDES ERWACHEN. 367 



][M&rs 15, Weimar.] [66a] 

Sodann gibt er dem Gefolge den Auftrag, das herr- 
liche, vor aller Augen stehende Gebäude zu untergraben 
und zu zerstören. Sie verbreiten sich einzeln über die 

6 ganze Bühne und verschwinden auf einmal. Der Dämon, 
allein bleibend, lauscht und fürchtet beinahe selbst die 
Wirkung seiner Gebote. Er weicht von einer Seite, 
deren Einsturz ihm zu drohen scheint, zur andern; zu- 
letzt, nachdem er, in der Mitte stehend, die Worte ge- 

10 sprochen: 

Ein Wink, ein Hauch den Bau zu Grunde stösst. 
Wo sich von selbst das Feste lös't, 

stürzt das Ganze zusammen und zeigt eine majestätische 

Buine. 
16 Der Dämon der Unterdrückung tritt auf 

ohne Gefolge, im Costüm eines orientalischen Despoten; 

der liistige beträgt sich ehrerbietig, ja unterthänig, der 

Sklavenfürst übermüthig. Er freut sich an den Ruinen 

und verliert sich betrachtend zwischen denselben. 
20 Der Listige, allein geblieben, verbirgt seinen Dünkel 

nicht länger, erklärt sich als Herrn jener Beiden. 

Ihr brüstet euch, ihr unteren Dämonen, 

Dich Sklavenfürsten will ich wecken! 

26 Er entfernt sich; der Dämon der Unterdrückung aber 

tritt aus den Ruinen wieder hervor. 

Dämon der Unterdrückung. 
Es ist noch allzu frisch, man könnt' es wieder bauen; 

80 Als Jahrhunderte zumal. 

In diesem furchtbaren Elysium wird seine Einbil- 
dungskraft auf schöne Frauen geleitet, deren Liebkosun- 
gen er sich ausbildet. Man hört in der Feme den heitern 
Gesang einer Mädchenstimme; es ist die Liebe, die 
85 sich in Gestalt einer zierlichen Nymphe nähert. 



/ 



368 EPIMEMDE8 ERWACHEN. 1815 

][H&ra 15, Weimar.] [669] 

Liebe. 
Ja, ich schweife schon im Weiten 

DämonderUnterdrücknng. 5 

Wie? was hör' ich da von weiten? 

Und sie sind noch immer so! — 

In einem Zweigesang sucht der Dämon die Liebe zu 
gewinnen. Der Glaube kommt in Gestalt einer wür- 10 
digen Vestale, leidenschaftlich bewegt, und wirft sich 
der Schwester tro^tloe an die Brust; da diese aber im 
heitern Gesänge fortfährt, ergiesst sich der Glaube in 
Vorwürfen; die Liebe beharrt auf ihrem heitern Sinn, 
die Schwestern entzweien sich, und der Dämon sucht 15 
dieses zu seinem Vortheil zu benutzen. 

Unter dem Schein, beide zu vereinigen, schmeichelt 
er beiden. Er liebkos't die Liebe und legt ihr Armbän- 
der an zum Andenken, dem Glauben einen köstlichen 
Brustßchmuck. Kleine Dämonen bringen schwere Ket- ao 
ten und hängen sie heimlich in das Geschmeide fest. 
Die Schwestern fühlen sich gemartert, der Dämon 
triumphirt: 

Dämon der Unterdrückung. 
So haV ich euch dahin gebracht 25 

Was hilft d&s alles andre mir. 

Die Hoffnung erscheint oben auf der Ruine mit 
Helm, Schild und Speer. Er sucht sie gleichfalls zu 
kirren, allein sie hebt den Speer gegen ihn auf imd steht so 
in drohender Gebärde. 

Der Dämon glaubt sich von Nebel und Wolken um- 
hüllt, die auf ihm lasten. Eine ungeheure Vision bedroht 
ihn; nur als die Hoffnung ihre ruhige Stellung wieder 
einnimmt, ermannt er sich. » 



1815 EPIMBNIDES ERWACHEN. 369 

][März 15, Weimar.] [CM] 

Dämon der Unterdrückung. 
Du biegst das Knie, vor dem sich tausend brachen; 

6 Der mufls sie nicht in Fesseln schlagen. 

Liebe und Glaube, gefesselt^ verzweifeln, HoflEnung 
tritt heran und spricht ihnen zu, die Genien eilen herbei 
und nehmen ihnen die Ketten ab, zugleich mit dem 
gefährlichen Schmuck. 

10 Genien. 

Immer sind wir noch im Lande, 

Wirke nun das eigne Heil. 

Die Hoffnung .wendet sich zum Glauben und richtet 
15 ihn auf. die Liebe springt von selbst vom Boden, die 
Schwestern umarmen dich. 

Hoffnung. 
Denn wie ich bin, so bin ich auch beständig: 

20 So müssen sie noch meinen Namen stammlen. 

Dann entwickelt sie den gegenwäri^igen Zustand der 
Dinge, schilderii die geheimen Verbindungen, den unter- 
grabenen Boden, die Einigkeit der Gesinnungen und 
schließet: 
2ö Hoffnung. 

Von Osten rollt. Lauinen gleich, herüber 

So wirkt das All in glücklicher Verkettung. 
Die Himmelsschwestem eilen zu ihren Geschäften. 

80 Hoffnung. 

Nun begegn' ich meinen Braven 

Liebe. 
Kommt, zu sehn, was unsre frommen 



S5 



OriU; Goethe über 8. Bichtunffen. T. n, B. 1. 



870 BPIME»JIDES ERWACHEN. 1815 



][Min 15, WdimAT.] [66t] 

Glaube. 
Denn der liebe Hülf' und Leben 

Sie die Furcht, die sie empfinden. * 

Sie entfernen sich mit den Genien, ein unsichtbares 
Chor deutet auf das Erwachen des Epimenides, die 
Genien eröfEnen die Pforten, Epimenides erwacht. Es 
ist finster, er tritt herunter, ungewiss, wo er sich befinde. 
Ee erscheint ein Komet. Epimenides ahnet Unheil, in- lo 
dem er sich in der Wüste findet. Die Genien treten aul 
mit Fackeln und führen ihn schweigend in den Buinen 
umher. Er erkennt noch eine halb erhabene Arbeit, das 
häusliche Glück vorstellend. An der andern Seite zeigt 
sich ihm eine Tafel mit unleserlicher Inschrift, er kann i5 
sie noch auswendig. Er fühlt sich in der höchsten Noth. 

Epimenides. 
Nein, kniee nicht! Sie hören dich nicht mehr; 

Genien. » 

Komm mit! Den Ohren ist's ein Traum; 
Den Augen selbst wirst du nicht glauben. 
Es wird plötzlich Tag. Die Hoffnung, den Jugend- 
fürstenan der Seite, führt über die Buinen ein Heer 
herein, welches, so weit die ästhetische Symbolik es er- as 
lauben darf, die verschiednen neuem, in dem letzten 
Kriege verbündeten Völker bezeichnet. 

Chor. 
Brüder, auf, die Welt zu befreien! 

so 

Und das alles, das Werk ist gethan. 

Glaube und Liebe mit den Frauen und L a n d b e - 
wohnern an der andern Seite. 



1816 EPIMBNIDES ERWACHEN. 371 



][Hin 15, Weimar.] [663] 

Chor. 
Und wir kommen 

5 Höh 'rem Leben. 

Hierauf unter einem allgemeinen Chor steigt durch 
scheinbar physische Anstrengung, so wie durch geistige 
Mitwirkung der Palast wieder verherrlicht in die Höhe, 
ein Theil der Vegetation bleibt und ziert. 

10 Epimenides. 

(Nach oben.) 
Wie selig euer Freund gewesen, 

Priester. 
15 Tadle nicht der Götter Willen, 

Wirst du, wie die Folgezeit. 

Glaube, liebe und Hoffnung, ihren gegenwärtigen 
Zustand erhebend, wenden sich einzeln an die verbünde- 
30 ten Monarchen. 

Epimenides. 
Die Tugenden, die hier ein kräftig Wirken 

(Er führt eine bisher yerborgen gebliebene Verschleierte her» 
25 Yor and schlägt ihr den Schieier zurück.) 

Einigkeit 
Der Geist, der alle Welten schafft, 

Epimenides. 
so Und wir sind alle neugeboren, 

Und ist auf ewig4iun erfüllt. 

Allgemeines Chor. Durch Vereinigung der Krieger 

und Einheimischen geschieht der Uebergang zum Ballet, 

» welches die Freude de? Wiedersehens, Erkennens, Fin- 



372 BPIMIINIDES BRWAGHEN. 1815 



][März 15, Weimar.] [teS] 

dens in den mannichf altigsten Familienscenen anmuthig 
ausdrückt. Grosse Gruppe. 

Epimenides, zwei Priester. 

Bpimenides. s 

Ich sehe nun mein frommes Hoffen 

Vergangnes fühlen^ Zukunft schaun. 
Des Schlusßchors letzte Strophen. 
Gredenkt imendlicher Gefahr, lo 



Entzücken flamm' hinan! 
W. 41 (1), 35-51. 
März 15, Weimar. 663 

[Früh] Anzeige des ^Epimenides' für Stuttgart [b. i5 
Nr. 662]. . . . [Brief] An Grafen Brühl wegen 
^P^pimenides' [s. Nr. 661]. 
Tgb. 5, 158, 10-12. 
Mära 17. Weimar. 664 

[Nachmittags Sendung an] Dr. C o 1 1 a , ,Epimeni- 20 
des' zum ,Morgenblatt'.^ 
Tgb. 5, 153, 16 f. 
April 1, Weimar. 665 

[Früh] ,Epimenides' von Berlin, mit Zeitungen 

u. 8. W.* Sf 

Tgb. 5, 154, 24. 
April 3, Weimar. 666 

[Nachmittags] ,Epimenides' kam an.* 
Tgb. 5, 155, 5. 



^ Der Aufsatz, a Nr. 662. so 

* Das heisst wohl: Ankunft der Aushängebogen des ersten 
Drucks (wegen Eintreffens der ersten fertigen Exemplare 
vgl. Nr. 669), sowie von Zeltungen, die Anzeigen der Festvor- 
Stellung enthielten (vgl. Br. 25, 898 zu 257, 1) und Angaben 
über die Besetzung, durch Duncker gesendet (vgl. 376, 11—16). 35 

* Fielits vermuthet, es handle sdch um Aushängebogen (s. W. 
16, 531 *); fertige Exemplare des ersten Drucks kOnnen nach 



1815 EPIMENIDES ERWACHEN. 373 

April 5, Weimar. 667 

,Epiinenides^ ist am 30. März endlich in Berlin er- 
wacht, gerade zu rechter Zeit, um dasselbige, was sich 
die Deutschen bisher so oft in dürrer Prosa vorgesagt^ 

5 symbolisch zu wiederholen, dass sie nemlich viele Jahre 
das Unerträgliche geduldet, sich sodann aber auf eine 
herrliche Weise von diesem Leiden befreit. Jedermann 
wird hinzufügen, dass neue Thatkraf t nöthig ist, um das 
Errungene zu schützen und zu erhalten. Von der Auf- 

10 f ührung selbst hab' ich noch keine Nachricht, aller vor- 
läufiger Bericht aber deutet auf den besten Willen und 
die zweckraäsfiigsten Anstalten. Mir scheint, unser^ 
Karl Brühl habe zeigen wollen, was man leisten könne. 
Die Besetzung der Rollen'^ ist ohne Tadel. Am Uebri- 

15 gen arbeiten sie schon beinahe 11 Monate (vom 7. Mai 
vorigen Jahrs war Iflflands Brief datirt, in welchem er 
mir den Antrag thut^) und in solcher Zeit, dächt' ich, 
könnte man was vor sich bringen. Ich hoffe, sie werden 
mit Absendung von Exeraplarien nicht allzulangsam 

ao und nicht allzukarg sein. Ich hoffe, Dir bald eins zu 
senden. So muss uns denn doch zuletzt etwas ernstlich 
Gesäetes und Gepflanztes unvermuthet entgegen kei- 
men. 

An Knebel. - Br. 25, 251, 12-252, 10. 

25 April 5. Weimar. 668 

[Brief an] Major von Knebel, Ankündigung 
des ,Epimenides' [s. Nr. 667]. 
Tgb. 5, 156, 14. 



373, 18—21 nicht gemeint sein, auch an die Ankunft des Auf- 
80 Satzes im Morgenblatt ist Icaum zu denken. 
' Vgl 389. 3 f. und 386. 24. 36. 
« 9. 402. 4—24. 

» Vom 7. Mai 1814 war Ifflands vertrauliches Schreiben an 
Kirms, dem lag ein, vom 6. Mai datlrtes. zweites Schreiben an 
86 Klvms bei. das dieser Goethen zeigen sollte, vgl. 298, 28. 



874 BPIMBNIDBS ERWACHEN. 1815 



April 6, Weimar. 669 

[Nachmittags] Sendung von Berlin, Duncker und 
Weber.i 

Tgb. 6. 156, 16. 
] [April 7, Weimar.] 670 s 

Ew. Durchlaucht für die erste Nachricht des aufge- 
führten ,Epimenide8' unterthänigst dankend lege das 
Werklein seihst zu Füssen, wie ich es so eben erhalte. 
Ob man gleich dem gemeinen Menschenverstand ge- 
mäss wohl sagen könnte, der weise Mann hätte früher lo 
aufwachen oder länger schlafen sollen, so muss man sich 
doch in die Schickungen ergeben, die so über grosse, 
wie über kleine Dinge walten. Mag doch der poetische 
Prophet den Deutschen abermals bildlich darstellen das 
Ungeheure, das sie gelitten, wovon sie sich befreit, und i5 
was sie zum zweitenmal wieder gewinnen sollen.* 
An d. Herzogin Luise. — Br. 25. 254, 17— 255, 4. 
April 7, Weimar. 671 

[Vormittags] ,Epimenides^ an Serenissimam' und 
Geheimen Bath von Voigt. ao 

Tgb. 5. 155, 19 f. 



* Vier Frei-Exemplare des Festspiels und Nachrichten über 
dessen Aufführung (vgl. Nr. 672. 673 und W. 16, 531 ♦). Eins 
dieser Exemplare dürfte das noch Jetzt in Goethes Biblio- 
thek befindliche Handexemplar des Dichters sein, in dem 2S 
dieser eigenhändig einige Aenderungen eingetragen hat, und 
zwar: S. 17 (V. 224) ist der Di-uckfehler „voll" in „von" ver- 
bessert; S. 38 ist vor „Sechzehnter Auftritt" die neue Einthei- 
lung „Zweiter Aufzug" eingesetzt und der Auftritt als „Er- 
ster" beseichnet (dem entsprechend S. 47 f. bei Auftritt 19 ao 
und 20 am Rande nüt rother Tinte die Zahlen 5 und 6 bei- 
geschrieben); S. 51 über (V. 745) „Hast du ein gegründet 
Haus" die Worte „Unsichtbares Chor", über (V. 753) „Dä- 
monen seid ihr. Iceine (Genien!" der Name „Epimenides", vgl. 
femer über Goethes Handexemplar 297, 13—15. — Wegen » 
des übrigen Inhalts der Sendung vgl Nr. 672. 673. 

' Anspielung (ebenso 376, 8—13) auf das am 25. März ge- 
schlossene Bündniss gegen Napoleon, der am 20. in Paris ein- 
gezogen war. Die Antwort der Herzogin s. GJ. 23, 40. 

» Vgl. Nr. 670. 40 



1815 EPIMBNIDES ERWACHEN. 375 



April 9, Weimar. 672 

E. W. gefällige baldige Nachricht^ von der guten Auf- 
nahme des ^pimenides^ erkenne ich daakbarlichst, und 
wünsche eine solche Wendung der Zeitläufte, dass unsere 
6 Arbeit auch in Zukunft erfreuen könne. Ich läugne 
nicht, dass ich der so gelungenen Aufführung beiwohnen 
und mich bei soviel Pracht imd Kunst vorzüglich auch 
Ihrer Compoaition hätte erfreuen mögen. 
An B. A. Weber. — Br. 25, 255, 8-15. 
10 April 9, Weimar. 678 

Die beiden letzten Sendungen, welche mir die Nach- 
richt von der bevorstehenden und wirklichen Aufführ- 
ung des ,Epimenides' zugleich mit den Aushängebogen 
nnd einigen Exemplaren in die Hände lieferten,^ erkenne 
16 ich dankbar, so wie ich auch die Bemühungen^ das Stück, 
sowohl durch Zeitungs- Artikel, als dnrch ein Vorwort,* 
beim Publicum einzuführen, gar sehr zu schätzen weiss. 
Herrn Professor Levezow bitte für seine wohlgesinnte 
und wohlgedachte Darstellung auf das aUerschönste zu 
20 danken. 

Was Ihren erneuerten Wunsch wegen abermaliger 
Verlängerung des Termins Ihres Verlagsrechts*' betrifft, 
werde ich mich billig finden lassen, und keine neue Aus- 
gabe so leicht übereilen. Soviel für diessmal, damit 
26 wenigstens ein vorläufiges Wort mit heutiger Post an Sie 
gelange. 

An K. F. W. Duncker. — Br. 25, 256, 20-257, 11. 
April 9. Weimar. 674 

[Morgens Briefe an] Capellmeister Weber, Duncker, 
80 Berlin, ,Kpimenides' [s. Nr. 672. 673]. 
Tgb. 5, 155, 27 f. 



» Vgl. Nr. 669. 
» Vgl. Nr. 665 und 669. 
• Von Levezow, vgl. 297, 3-15. 376, 20-25. 
36 • „BlB OstJem 1816 oder mindestens bis Ende 1815" (Br. 26, 
898 zu 257, 7), vgl. 359, 4-6. 363, 13-17. 



876 BPIMEJNIDES ERWACUEN. 1815 



▲prll 18, Weimar. 075 

Ee wird nun bald jährig, dass der verewigte Iffland 
mich zu einem Festspiele aufforderte.^ Bedenkt man, 
wie schnell es geschrieben, durch mancherlei Kinder- 
msse aber verspätet worden, so dass es erst jetzt, in dem 5 
sonderbarsten Augenblicke erscheint, so könnte man ge- 
neigt sein, auch hierin eine Schickung zu sehen, welche 
in kleinen, wie in grossen Dingen waltet. Denn wenn 
das Stück, nach seiner ersten Bestimmung, den Deut- 
schen, was sie gelitten, bildlich vortragen, und ihnen so- 10 
dann zu dem errungenen Heil Glück wünschen sollte, 
so mag es jetzt aussprechen, welchen grossen Werth das- 
jenige habe, was sie zum zweitenmal erkämpfen müssen.* 

Mit aufrichtigem Dank erkenne ich, was manche 
Monate daher, zur Aujfführung des Stücks vorbereitet 15 
worden, freue mich und bewundere herzlich, nie eine 
einsichtige, thätige Intendanz zuletzt alle Strahlen in 
einen Brennpunct zu der grossen und herrlichen Wir- 
kung Tersammelte. 

So ist mir auch höchst schätzbar imd hat meinen ao 
ganzen Beifall, was E. W. zu Gunsten dieser Angelegen- 
heit mitwirken mögen. Die Absicht des wohlgelungenen 
Vorworts^ in seinen drei Theilen ist dem Endzweck voll- 
kommen gemäss und konnte nicht verfehlen, eine schnel- 
lere, günstigere Aufnahme zu bewirken. » 

Denn auch ich bin vollkommen der Meinung, dass 
man alle Ursache hat, das Publicum vorzubereiten, so- 
bald man etwas unternimmt, dessen Bahn ausserhalb 
des gewöhnlichen Gleises liegt. So klein unser Weima- 
risches Publicum ist, imd eher zu übersehen, so habe 90 
ich doch niemals verfehlet^ bei den mannichfaltigen und 
oft seltsamen Versuchen, die wir mit fremden und un- 



* Vgl. 298. 28- 290, 38. 

' Die gleiche Betrachtung in älmlichen Worten 374, 16. 37. 

• VgL 297. 3-15. 



1815 EPIMEMDES ERWACHEN. 377 



[April 18, Weimar.] [67ft] 

gewohnten Dingen gemacht, durch schickliche Vorberei- 
tung und Einleitung einem neuen Gegenstand vorher 
die nöthige Gunst zu verschaffen.^ Viel schwerer ist es 

6 freilich, wenn man es mit einer grossen, nicht durchaus 
gebildeten Masse zu thim hat. Indess kommt es hier- 
bei, wie bei allem Guten und Eechten, darauf an, dass 
die Unternehmenden einen freien redlichen Willen und 
eine treue unbefangene Erkenntniss zeigen; so wird das 

10 Publicum gewiss, (mich E. \V. eigener Worte zu bedie- 
nen,) „sich auch den Eindrücken des Besten und Voll- 
kommenen gern und freudig überlassen, wenn es ihm 
nur von reinen Händen und mit Liebe und Sorgfalt 
gepflegt, dargeboten wird." 

16 In Dresden hat man solche Mittheilungen herauszu- 

geben angefangen, wodurch manches Gute bewirkt wer- 
den kann. Meine Absicht ist, auf dem Wege des ,Mor- 
genblattes' etwas Aehnliches zu thun, und besonders 
auch darzulegen, wie manches auf dem Weimarischen 

20 Theater stattfinden konnte, was auf andern Bühnen 
eben so gut gelingen müsste, wenn man die nöthigen 
Vorbereitungen und Einleitungen nicht versäumte.^ 

Sollte nun im Gefolge dessen, was bei dieser letzten 
Gelegenheit geschehen, fernerhin eine solche Vorbere- 



26 * Hier Ist unter andern an Goethes erläuternden Aufsatz zu 
dem, in italienischer Sprache aufgeführten, Singspiel ,Agnese' 
zu eilnnem, der zur Bequemlichkeit des Publlcums auf die 
Rückseite des Theaterzettels gedruckt wurde (1813 Januar 
30, vgl. »Weimarische Zeltung' 1900 December 22). Ueber 
80 das Fremdartigste dieser „ungewohnten Dinge" freilich, die 
Einführung der antiken Masken bei der Aufführung von ,Pa- 
läophron und Neoterpe* ISOO und der »Brüder* des Terentlua 
1801, ebenso über Schlegels ,Jon* sprach Goethe sich erst 
nach der Darstellung öffentlich aus (vgl. den Aufsatz .Wei- 
ss marlsohes Hoftheater* W. 40, 72—85). 

* Vgl. Goethes Betrachtungen ,Ueber das deutsche Theater*, 
die, iinmittelbar vor obigem Briefe, am 10. und 11. April im 
.Morgenblatt* erschienen waren. 



378 EPIMENIDES ERWACHEN. 1815 



[April 13, Weimar.] [875] 

dun^ mit dem Publicum auch in Berlin stattfinden, so 
würden die treflElichen Absichten des neuen Herrn In- 
tendanten dadurch gewiss sehr gefördert. 

Lassen Sie mich nun, nach diesen Betrachtungen, 6 
dankbar auf die so genaue und unbewnndene Relation 
von der Aufführung unseres Festspieles^ hinblicken. 
Diese freundliche Klarheit und billige Gerechtigkeit 
thut wohl, indem sie unterrichtet und uns den grossen 
Coniplex eines angefüllten Schauspielhauses vor Augen lo 
stellt, wo Bühne, Parterre und Logen in ewiger Wech- 
selwirkung begriffen, ein grosses belebtes Ganze dar- 
stellen, das vielleicht das Höchste ist, was Kunst und 
Kunstliebe zu Stande bringen und genieseen kann. Ich 
inüsste in^s Einzelne gehen, wenn ich aussprechen wollte, i6 
wie sehr mich das so scharfe als zarte Urtheil erfreut 
und befriedigt hat. 

Höchst nothwendig war es freilich, dass der unerwar- 
teten Wendung der Dinge gedacht, und hoffnungsreiche 
Trostworte aus dem Munde des Kretensischen Sehers ao 
vernommen würden. Es hätte diese Ermuthigung nicht 
besser ausgedruckt werden können, als es durch E. W. 
geschehen ist.* 

Mögen Sie mich des Herrn Intendanten Hochgeb. 
zum angelegentlichsten empfehlen, und mir in Ihrem t5 
werthen und geistreichen Kreise ein geneigtes Andenken 



* In dem, auf Veranlassung des Grafen Brühl geschriebenen 
(vgl. WH. 11 (1), 120 ♦), Briefe Levezows vom 3. April. 

* „Im März 1815 schreibt Duncker an Goethe, er sei Veran- 
lassung gewesen, dass Graf Brühl den Prof. Levezow veran- 
lasftt habe, zum Hinweis auf die ajugenblickliche politische 
Situation (Napoleons Rückkehr Ton Elba) eine Strophe ein- 
zulegen und schickt dieselbe mit". Fielltz in W. 16, 553 ♦. wo 
auch die neun, dem Epimenides in den Mund gelegten, nach 
dew«en Worten ..Und ist auf ewig nun erfüllt" (V. 931) ein- 
geschalteten Verse mitgetheilt sind. 



1815 . EPIMBNIDES ERWACHEN. 379 

[April 18, Weimar.] [675] 

erhalten, so werden Sie einen meiner liebsten Wünsche 
erfüllen, dem freilich ein zweiter sich sogleich lebhaft 
anschliesst, dass ich nemlich so viele vorzügliche Män- 

5 ner in Person, theils zum erstenmal, theils in Eücker- 
innerung voriger guter Zeiten begrüssen und verehren 
möchte. 

Sollten femer E. W. Anlass nehmen können, der 
sämmtlichen Künstler-Gresellschaft für den Ernst und 

10 die Idebe zu danken, welche Sie meinem Stück widmen 
wollen, so würde ich, wenigstens zum Theil, mich von 
einer Schuld erledigt fühlen, deren Umfang mir durch 
E. W. genaue Nachricht sehr deutlich und anschaulich 
geworden. 

15 An J. A. C. Levezow. — Br. 25, 258, 3— 261, 18. 

April 13, Weimar. 676 

[Früh] Briefe. [An] Prof. Levezow, Berlin, ,Epime- 
nides' [s. Nr. 675]. 
Tgb. 5, 156, 13. 

20 April 17, Weimar. 677 

Da Du, mein lieber schweigsamer Freund, gerade zur 

rechten Zeit die Zähne von einander thust, so soD Dir 

das bisherige Versäumniss von Herzen verziehen und 

überdiess der schönste Dank gesagt sein. Schon waren 

25 mir verständige und ausführliche Nachrichten von der 
Aufführung des ,Epimenides^ zugegangen,^ nun kommst 
Du aber mit kühner Feder, das Tüpfchen auf das i, 
das Häkchen über's u zu setzen, und nun wird mir die 
Schrift erst vollkommen lesbar.^ 



80 * Vgl. 875. 2 f. 11-13. 378, 5-7. 

' Zelter an Goethe März 31 und April 1: „Endlieh und gestern 
ist der .Eplmenides* glücklich vom Stapel gelaufen. Die 
Wirkung war bedeutend und, trotz der Verwöhnung unsros 
Publicum s, der Verspätung des Stücks und mancher kleinen 

S5 Umstünde, deren Anordnung überall den Dichter selbst ver- 
langt haben würde, hat es getroffen; Ja es erschien wie eine 



380 EPIMEXIDES ERWACHEN. 1815 



(April 17, Weimar.] [617] 

Alles beruht darauf, dass ein solches Stück ein 
Dutzend mal hintereinander gegeben werden könne. 

prophet'sche Vision und zugleich wie eine Probe des Exem- 
pels. Man hatte geglaubt, . . das Stück werde auf die neue- ^ 
sten Tage nirgend passen; eine gute Stimmung tou yom 
herein war nicht zu erwarten; ich selber war verlegen und 
hatte mich in's Orchester geschlichen, um zwischen dem Thea- 
ter und dem Publicum im Freien zu sein. Der Anfang verzö- 
gerte sich, das volle Haus ward unruhig und mir bange. lo 

Die Ouvertüre kam: Weber hat entweder nicht Zeit ge- 
habt oder er hat bedacht, dass die Muse selbst die Ouver- 
türe spricht; kurz er hat einen massigen, würdigen, wiewohl 
etwas lugubren Eingang zum Stücke gemacht, der sich sehr 
wohl ausnahm. Die erste Stanze schon, etwas breit, aber 15 
gut gesprochen, erregte stiUe Bewegung, und beim Abgange 
der Muse bemerkte ich an mir selber und im Hause eine 
bessere Stimmung, die durch das heitere Lied der Genien voll- 
kommen ward. 

Der DRmon der Unterdrückung, etwas affectuos, doch klar ao 
und fest gesprochen; seine Bestechung der Liebe und des 
Glaubens, wie der unselige Zustand verlorner Freiheit und 
Unschuld, und die endliche Befreiung durch die Hoffnung, 
machen eine tief eindringende Scene. Die beiden Tugenden 
duckten sich wie getretene Hühner und, wie gesagt: mich M 
hat die Scene In ungeheure Bewegimg gesetzt. Und gefühlt 
haben sle's alle, Gott sei Dank! wenn sle*s auch nie erken- 
nen; es Ist ein Griff In die Natur menschlicher Verderblich- 
keit (mors stupebit et naturaj, den sie rasend Übel nehmen 
würden, wenn sie den Generalbass wtissten. so 

. . 1. A p r i 1 . . Gestern Abend war die erste Wiederholung 
des ,Epimenldes'. Hatte das Stück gestern den gewöhnlichen 
Beifall eines guten Stücks, so war heute der Hof darin, der 
gestern fehlte. Ein bedeutender Thell des Publlcums sähe ea 
heute 7Aun zweiten Male und die Aufnahme war von vom- 35 
herein wärmer, vorbereiteter, und die gestrige Aufführung wie 
eine Generalprobe zu betrachten. Weber ist über allen Aus- 
druck vergnügt. Er hat mit grosser Anstrengung arbeiten 
müssen, well der Graf Brühl Ihn drängte, und man erwartete 
eine mühselig kalte zusammengestoppelte Musik. Hat er 40 
manches verfehlt, ja manches zu gut machen wollen, so sind 



1815 EPIMEMDES ERWACHEN. 381 



{April 17, Weimar.] [677] 

Vergegenwärtige man sich die Elemente, aus welchen 
eine solche Vorstellung zusammengesetzt ist, und man 

iliiD dagegen Hauptmassen zur Bewunderung gelungeu. Die 
6 Scene mit dem Brandschein auf dem Theater ist voUkommeu. 
Er hat vieles auf sogenannte melodramatische Art componirt 
und ganz vorzüglich, zu welcher Art er überhaupt viel Ge- 
schick hat Mit der List hat er sich viel undankbare Mühe 
gegeben, und dadurch ist diese Person zu lyrisch geworden» 

10 Das Schiecken und Schleichen, was er ausdrücken wollte, 
geht dadurch in Empfindsamkeit über, dass er sich zu lange 
damit aufhält und den Gang des Stücks hindert; übrigens ist 
diese List ein wahrer Dämon für jeden Componisten. Die 
Chöre, welche bei uns einen Apparat haben, wie nur grosse 

15 Theater haben können, machten sich, besonders durch das 
Auftreten der verschiedenen Völkerschaften, sehr imposant, 
am meisten für das Auge. Unserer ersten Sängerin hat Weber 
eine grosse Prachtarie mit concertirendem Chor gegeben, die 
ganz zuletzt ein opus ist. Das Stück spielt hier 2% Stunde, 

20 doch ward es in beiden Tagen besonders dadurch aufgehalten, 
dass eine unendliche Menge Kraftphrasen und Sentenzen in 
langen Pulsen beklatscht und berufen worden, wesshalb die 
Spieler so lange innehalten müssen. Manchmal schien*s, als 
wenn die Menge sich in zwei Chöre bildete, um diess und 

25 jenes hier oder dort zu beklatschen; dann vereinigte sich 
wieder alles und kurz, ich habe meine Lust daran gehabt. 
Am ersten Tage Hessen die Schauspieler das, was sich auf 
die Person des Königs bezieht [vgl W. 16, 549 zu V. 901] ^ 
aus, weil der König alle solche Beziehungen verbeten, ja 

30 verboten hat: diess hat jedoch gestern gesprochen werden 
müssen, und der Beifall war wüthend. Dazu gekommen ist 
noch gestern, dass am Schlüsse, wo sich die allgemeine 
Gruppe bildet, über dem Frontispice des Tempels sidi der 
Triumphwagen des Brandenburger Thores erhebt und auf- 

36 stellt, rnter den sprechenden Personen hat sich Bpimenides 
durch Zusammenhang, Deutlichkeit, Ruhe und Würde her- 
vorgethau; die Liebe ward schön gesungen, weniger gut 
gesprochen. Die List: ein schlanker, schöner, glatter, läng- 
licher ducksamer Courtisan, ausnehmend gut und reinlich ge- 

40 sungen, der Kerl hat eine Zunge wie eine Specknudel. Die 
Aufführung selbst war weit mehr im Ganzen, als ehegeetem. 



882 EPIMENIDES ERWACHEN. 1815 



/ 



(April 17, Weimar.] [«Hl 

wird an einer glückliehen Ausführung beinahe ver- 
zweifeln; 

1. DieArbeitdesDichtersals Grundlage^ der 
durchaus hier immer den äussern Sinn beschäfti- 5 
gen und zugleich den innem anregen will, der vom 
Zuschauer verlangt, dass er jeden Augenblick 
schaue, merke und deute. 

2. Der Componist, der das Gedicht begleiten, 
tragen, heben und fördern soll, und auch diese 10 
seine Pflicht mehr oder weniger erfüllt. 

3. Das Orchester, das die Intention des Capell- 
meisters vollkommen ausführen soll. 

4. Schauspieler und Sänger, die an dem 
ihnen in die Hand gegebenen Leitfaden sich durch 15 
so manche Gefährlichkeit hindurch zu winden ha- 
ben, jeder einzeln seine Pflicht thun, und doch auf 
die übrigen merken soll. 

5. Gedenken wir der Kleidung, die auch nicht 
gleich passt und bequem ist. ao 

6. So mancher kleinenRequisiten, auf die so- 
viel ankommt. 

7. Der Decoration, deren Erfindung zum Gan- 
zen stimmen, an deren Verändrung nichts stocken 

soll. 25 

8. Und nun dann ein Publicum aus so vielen 
Ständen und Culturen zusammengesetzt, das, wenn 



Die Leute spielten freier, runder, geistiger. Das Auftreten 
der Hoffnung ist von grosser Gewalt. Diese Scene hat mich 
wieder tüchtig angepackt, wiewohl sie noch nicht vollkom- 30 
men gegeben wird. Sie ist der geheime Leib, woran alle 
Glieder festgesetzt sind; — in Ruhe, aber ungeheuer. 

Mir ist der ,Epimenides* ein rechtes Pflaster auf die Wun- 
den gewesen, die mir Tags vorher der ven-uchte .Vier und 
zwanzigste Februar* wie mit Fleischerbeilen geschlagen hat*' 85 
<G.-Zelter 2. 150—154). 



1815 EPIMENIDES ERWACHEN. 383 

(April 17, Weimar.] [677] 

gleich mit gutein Willen, doch nur kalt und unvor- 
bereitet heran kommt, und dem man gar nicht übel 
nehmen kann, wenn es im gegenwärtigen Fall mit 
Unglauben, und in der schlechtesten Stimmung der 
Welt sich versammelte. 



Wieviel Dutzend zinnerne Teller gehörten dazu, um 
die refractären Ingredienzien einer solchen Glocken- 
speise zu schmelzen, (vid. C e 1 1 i n i II. Th. pag. 176.)^ 

10 Bei öfterer Wiederholung ist es ganz etwas Anders, 

da entstehen ohne Blasebalg und Flammen, ohne Kunst 
imd Vorsatz, die zartesten Wahlverwandtschaften, wel- 
che jene abgesondert scheinenden Glieder auf die gefäl- 
ligste Weise zu einem Ganzen verbinden. Von der 

16 handelnden Seite mehr Sicherheit imd Gelenkigkeit, er- 
worben durch LTebung, gestärkt durch Beifall, getragen 
durch lebendige Ein- und Uebersicht des Ganzen. Von 
der schauenden Seite Bekanntschaft, Gewohnheit, Ge- 
fallen, Vorurtheil, Bnthusiaßmxis, und wie die guten 

^ Geister alle heissen mögen, ohne die uns die Ilias und 
Odyssee selbst nur ein todtes Gerüste bleiben würde. 

Daher kommf s nun, dass bei lebhafteren Nationen 
die Stücke, die einmal gegriffen haben, in^s Unendliche 
wiederholt werden können, weil die Schauspieler das 

HS Stück imd das Publicum die Schauspieler immer mehr 
durchdringen, femer auch ein Stadt-Nachbar den andern 
aufregt, in's Theater zu gehen, und das allgemeine 
Wochengespräch zuletzt die Nothwendigkeit hervor- 
bringt, dass jeder die Neuigkeit gesehen habe. So er- 

so lebte ich in Kom, dass eine Oper, ,Don Juan^ (nicht der 
Mozartische),* vier Wochen, alle Abende gegeben 

» W. 44, 212, 17-23. 

* ,11 Convito dl pletra, ossla II Don Giovanni' von Francesco 
Gardi erschien im gleichen Jahre, wie Mozarts ,Don Juan*, 
Sft 1787. 



384 EPIMENIDBS ERWACHEN. 1815 



I April 17, Weimw.] (677) 

wurde, wodurch die Stadt so erregt ward, dass die letz- 
ten Krämers-Familien, mit Kind und Kegel in Parterre 
und Logen hauseten^ und niemand leben konnte, der den 
Don Juan nicht hatte in der Hölle braten, und den Gou- 5 
vemeur, als seligen Geist, nicht hatte gen Himmel fah- 
ren sehen. 

Diess Alles sage ich Dir, mein Freund, mehr zum 
Schwätzen, denn ich spreche zu einem Wissenden, . . . 

Dass Du die Achse, worauf sich mein Stück herum- lo 
dreht, (doch, wie ich hoffe, ohne Knirschen und Knar- 
ren,) so fest gehalten und tief empfunden, freut mich 
sehr, ob es gleich Deiner Natur ganz gemäss ist. Ohne 
diese furchtbaren Ketten wäre das Ganze eine Albern- 
heit. Dass dieses Exempel an Frauen statuirt wird, macht i5 
die Sache lässlicher, und zieht sie in's Gebiet der Rühr- 
ung; doch wollen wir nichts weiter davon reden, sondern 
die Wirkung den Göttern anheün stellen. 

... Da wir die Berliner zum Nachdenken und zum so 
CalembouT^ gebracht haben, so wollen wir's eine Weile 
dabei bewenden lassen. 

An Zelter. — Br. 25, 2Ö6, 14-268, 10. 15-24. 270, 11-13. 
April 17, Weinmr. 678 

[Nachmittags] Von Duncker ,Epimenide8^ zwölf w 
Exemplare. Brief des Ghrafen Brühl. . . . [Brief] A n 
HnZelter, ,EpimenidesS . . 
Tgb. 5, 157, 3f. 6f. 
April 22, Weimar. 6T9 

. . beiliegendes Heft,^ das, einer glücklichen Epoche »o 
angehörend, durch ein seltsames Geschick bis in die*' 

* Zelter erzahlt in seinem inzwischen auch eingetroffenen 
Briefe vom 11. April, man beschäftige sich auf mancherlei 
Art mit der Auslegung des Festspiels; „Einer hat da« Stück 

^ I — wie — menen — Sie — desB? genannt, welche» voll- » 
kommen Berlinisch herauskömmt" (G.-Zelter 2, 156). 

* Erster Druck des Festspiels. 



1815 EPIMENIDES ERWACHEN. 385 

[April 22, Weimar.] [679] 

jetzige verspätet worden, empfiehlt sieh gleichfalls einem 
wohlwollenden und einsichtigen XJrtheil. 
An Blchstädt — Br. 25. 277. 18-21. 

5 ApHl 22, Weimar. 680 

Man weiss wahrlich nicht, woran man besser thut, ob 

sich über die Zustände aufzuklären, oder sich darüber zu 

verdüstern. Ja, beides will nicht gelingen: wer sollte 

sich die Kräfte, die jetzt wieder in Bewegung sind, und 

10 ihre Wirkungen klar machen können, und wer könnte 
jetzt im Dunkeln und Trüben verweilen, da jeder Tag 
die Wolken, die er bringt, wieder auseinander reisst? 
Epimenides selbst würde diessmal nicht in einem heil- 
samen Schlummer verharren können. 

16 Und so folgt denn hier das Werklein, das vor kurzem, 

als ich Dir's vorlas, noch ein besseres Ansehn hatte;* 
es mag denn als ein seltsames Document einer so merk- 
würdigen Epoche in der Geschichte der deutschen Poe- 
sie seinen Platz einnehmen. 

90 An Knebel. — Br. 25, 278, 10-24. 

April 22, Weimar. 681 

[Früh] Nebenstehende Briefe und Expeditionen. . . 

[An] Geh. HofrathEichstädt, mit . . ,Epime- 

nides* [s. 1fr. 679]. An Major von Knebel, mit 

26 jEpimenides' [s. Nr. 680]. 

Tgb. 5, 15T, 24-27. 

] [April 27, Weimar.] 682 

Obgleich, mein verehrter Freund, beikommendes Ge- 
dicht noch vor acht Wochen ein besseres An sehn* hatte 
10 als jetzt, wo es eher zu trauriger Betrachtung, als zu 

* Der selbe Ausdruck Z. 29; wegen der politischen Anspidung 
vgl. 874, 37- S9 und wegen der Vorlesung am 12. und 13. De- 
cember 1814 s. Nr. 643 f. 

* Der gleicho Anadruck wie Z. 15 f., und im Folgenden die 
35 selben, durch die neuesten poUtiscben Ereignisse veranlass- 
ten, Betrachtungen wie in Nr. 670. 

Oräf, Goethe Aber s. Diditangeii. T. II, B. 1. S( 



886 - EPIMBNIDES ERWACHEN. 1815 



][April 27, Weimar.] [«82] 

frohen Gfefühlen Veranlassung gibt, so will ich es doch 
übersenden, da man in diesen bedenklichen Zeiten das 
Denken doch einmal nicht unterlassen kann, und dann 
hat doch die Poesie immer etwas Versöhnendes, wenn * 
sie uns mehr zum Ueberschauen, als zu einer besondem 
Theilnahme auffordert. Uebrigens ist es auch nicht un- 
zeitig, das8 die Nation öfters daran erinnert werde, was 
sie verloren hatte, was sie eroberte und jetzt zum zwei- 
tenmal wieder erringen soll. lo 
An V. Trebra. — Br. 25, 286, 1—12. 
April 27, Weimar. 683 
[Abends? Brief an] von Trebra, ,Epinienides^ 
[s. Nr. 682]. 

Tj?b. 5, 158, 28. 15 

April 29, Weimar. 684 

Indem ich ein Packet . . überschicke, entschuldige ich 
mich, dass ich kein Exemplar des ,Epimenides* für unsere 
theure Prinzess [Caroline] ablassen konnte. Meine Ber- 
liner Papierfreunde haben sich nicht zum freigebigsten » 
erwiesen.^ 

An Knebel. - Br. 25, 289, 1—7. 
Mal 1, Weimar. 685 

Daß hätte Paläophron^ wohl nicht denken sollen, daßs 
er nach so langen Jahren abermals ein Festspiel seines ^ 

* Nach 374, 2 f. 22 und 384, 25 f. waren von Duncker nur 
16 Exemplare an Goethe geschickt worden! Der Prinseesln 
Caroline hatte vermuthUeh Knebel in seiner (nicht bekannten) 
Antwort auf Nr. 680 gedacht; sie hatte sich den Druck von 
Berlin kommen lassen (vgl. Charlotte Schiller 1, 709 und G.- 30 
Knebel 2, 170). 

Charlotte Schiller wird ein« der ersten Exemplare von Goe- 
the erhalten haben; sie schreibt schon am 15. April hoch- 
erfreut ttber die Dichtung an Knebel, imd offenbar auf deren 
Lecture hin (s. Charlotte Schiller-Knebel S. 191. 203). S5 

■ Das heisst: Grat Brühl, der bei der ersten AnfTührung von 
Goethes .Paläophron und Neoterpe* (1800 October 31) die 
RoUe gespielt hatte. 



1815 EPIMENIDES ERWACHEN. 387 

[Mai 1, Weimar.] [685] 

Dichters, durch persönlichen Einfiuss begünstigen, und 
ihm einen entschiedenen Beifall erringen werde. 
Schon ward ich, durch die Berliner Zeitung, aufmerk- 

h sam, wie man das Publicum auf dieses problematische 
Stück, sehr wohlbedacht, vorbereitet habe. So kam mir 
auch das Vorwort bald zu Händen. Einzelne gute Nach- 
richten gingen ein, bis denn zuletzt, durch Ihre Vor- 
sorge, Herr Professor Levezow von allem Vorgegangenen 

10 und Geleisteten umständlichst unterrichtete,^ und mich 
dadurch möglichst an Ort und Stelle versetzte. Und 
so will ich denn gern gestehn, dass, ob ich gleich nie- 
mals grosses Verlangen trug, einer Vorstellung meiner 
Stücke beizuwohnen, ich mir doch, mn dieses nicht zu 

15 versäumen, Fausts Mantel recht sehnlich gewünscht 
habe. 

üeberzeugen Sie Sich, mein trefflicher Freund! dass 
ich den gefühltesten Dank desshalb in meinem Herzen 
ven^'ahre, imd solchen, insofern es in meinen Kräften 

jo steht, auch in .der Folge theilnehmend zu bethätigen 
wünsche, wie ich denn überhaupt allem, was Sie im Ein- 
zelnen des Stücks, bei allenfalls wiederholter Auffüh- 
rung anordnen werden, zum voraus meinen unbedingten 
Beifall zusichere.* 

25 Wie glücklich die höhere Stelle, welche Sie bekleiden, 

auf Theater und Publicum wirken muss, ist gar nicht 
zu berechnen, diess zeigt der einzelne Fall, wo Sie höch- 
sten Orts einige Bedenklichkeiten sogleich mit wenigen 
Worten auflösen und zurechtlegen konnten.^ 



80 * VfTl. 378, 5-17. 

• Vgl. die Briefe des Grafen Briihl vom 10. und 12. April (WH. 
11 (1>. 118. 120). 

• Graf Brühl an Goethe, April 10: „Der Kronprinz war wahr- 
haft entzückt darüber [über die Aufführung] . . Bloss das 

u Erscheinen eines modernen Kriegsheers zwischen antiken 
Formen hat ihn ein wenig gestört; doch gab er sich auch sehr 



388 BPIMBNIDBS BRWAGHBN. 1815 

[Mai 1, Weimar.] [686] 

Und gerade ist dieses der Puncto auf welchen ich Sie 
im Stillen Ihre Aufmerksamkeit zu richten bitte. Man 
hat die höheren Forderungen der Poesie, die sich eigent- 
lich auf dem Theater nur symbolisch oder allegorisch 5 
aussprechen können, der Tragödie und Komödie durch- 
aus verkümmert, und alles, was nur einigermassen die 
Einbildungskraft in Anspruch nimmt, in die Oper ver- 
wiesen, und auch hier hat sich die Prosa des Trauer- 
und Lustspiels, ja des Dramas nach imd nach einge- lo 
schlichen, dass die Geister selbst oft die prosaischsten 
Figuren von der Welt sind. 

Diese Bichtung, in welcher sich Autoren, Schauspie- 
ler, Publicum wechselsweise bestärken, ist nicht zu än- 
dern, ja ihr nicht gerade entgegenzuarbeiten; aber sie i& 
zu lenken und zu leiten geht doch an, und wenn man es 
auch nur im Einzelnen thut; hierzu habe ich früher die 
Masken, später die spanischen Stücke gebraucht. Es 
ist aber immer eine Gefahr dabei. 



10 



Herr Geh. Hof-Rath Kinns gibt mir Nachricht, dass 
Sie, verehrter Freund, den Beifall, den Sie meiner Ar- 
beit gaben, auch noch, zum Ueberfluss, durch goldene 
Zeugnisse bekräftigen wollen, wofür ich den verbind- 
lichsten Dank erstatte.^ ss 

An d. Grafen K. F. M. P. v. Brühl. — Br. 25, 290, 23— 
292, 19. 294, 21—25. 

Mal 1, Weimar. 686 

[Abends? Brief an] Graf Brühl, Antwort, Dank 
pp., Berlin [s. Nr. 685]. 9o 

Tgb. 5, 159, 13 f. 



.bald zufrieden, als ich ihm bemerkbar machte, dass bei alle- 
gorischen Darstellungen dieser Art die Verschiedenheit der 
Costüme den Reiz des Ganasen vermehre und das Bild viel 
farbiger und unterhaltender mache" (WH. 11 (1), 120 ♦). ss 

» Vgl. Nr. 688- 



1815 EPIMENIDBS ERWACHEN. 



][Mai 17, Weimar.] 687 

Zuvörderst . . ersuche ich, mir vom Theater von Zeit 
zu Zeit Nachricht zu geben, denn da ich mit dem Grafen 
Brühl, den ich als Knaben gekannt, in gutem Verhält- 
5 nisse stehe, da es durch seine Bemühung, mit dem ,Epi- 
menides^ so gut abgelaufen, so möchte ich ihm gern 
etwas zu liebe thun, und überhaupt mit dem Berliner 
Theater im Einverständniss bleiben. Es bedarf nur eini- 
ger Anregung, imd ich arbeite wohl wieder eine Zeit- 
10 lang für die Bühne, und dann ist denn doch Berlin 
der einzige Ort in Deutschland, für den man etwas zu 
unternehmen Muth hat. . . . 

Seit einiger Zeit habe ich gerade so viel Humor, 

16 Aufsätze in*s ,Morgenblatt^ zu geben; damit Du aber 

nicht lange zu suchen brauchst, bezeichne ich Dir die 

Nummern und wünsche, dass Du sie aufsuchest. 

No. 69. . . . 

„ 75 und 76. Anzeige von ,Epimenides Erwachen^^ 



90 



. . schreibe mir bald, besonders das Theater betreffend. 
Ich habe wieder einmal einigen Glauben, es sei möglich, 
gerade in diesem Zeitpuncte etwas dafür zu wirken, und 
wenn der auch nur ein halbes Jahr hält, so ist immer 
85 inzwischen etwas geschehen. Sind wir doch diesem Glau- 
ben und dieser Beharrlichkeit wenigstens das Weima- 
rische Theater schuldig. 

An Zelter. — Er. 25, 328, 3-14. 829, 9—13. 15. 334, 1-8. 

Mai 20, Weimar. 688 

80 Anliegend finden Sie die vom Herrn Geheime-Hof- 

rath Kinns verlangte Quittimg oder vielmehr eine In- 
terims-Quittung; ich stelle solche dankbar aus, mit der 
Bitte, sie bei sich zu verwahren, bis ich von Frankfurt 
her auf gedachte Summe eine Assignation sende, welche 
35 gefällig zu honoriren bitte.^ 



' 8. Nr. 662. 

» Vgl. 388. 21-25. Goethes Abreise von Weimar erfolgte am 
24. Mai. 



390 BPIMENIDES ERWACHEN. 1815 

Ptf Ai 20, WeimAT.] [MB] 

[Beilage.] Die von Königlich Preussischer Hochan- 
sehnlichen Ober - Theater - Intendanz mir zugedachten 
^^ zweihundert und fünfzig Thaler, in Golde, als Honorar 
für das Festspiel ,Epimen ides', aeceptire hiemit s 
dankbar und quittire darüber vorläufig; mir vorbehal- 
tend, gedachte Summe, von Frankfurt am Main aus, 
durch Assignation von Königlicher Haupttheater-Casse 
zu erheben, welche Anweisung sodann als förmliche ei- 
gentliche Quittung zu betrachten wäre. lo 

An d. Grafen K. P. M. P. v. Brühl. — Br. 25. 341, 20—25. 
342, 1—9. 
Mai 30, WiesbadeD. 689 

[Abends? Sendung an] Major von Luck [nach 
Mainz] ,Epimenides^ i& 

Tgb. 5, 163. 26. 

Juni 15, Wiesbaden. 690 

Sehr angenehm ist es mir, dass meine Mittheilungen 

in's ,Morgenblatt* mit Ihren Wünschen übereintreffen, 

und dass der Herr Eedacteur den Aufsätzen für gute so 

Nachbarschaft sorgt.^ Hierbei folgt abermals ein Bei- 

* Von den bis dahin erschienenen „Mltthellungen" kommen hier 
nur In Betracht: der oben (Nr. 662) wiedergegebene Aufsatz 
übt'^r .Eplmenides* und der, am 8. Juni In Nr. 136 des Morgen- 
blattes erschienene, über »Proeerplna*. Die „gute Nachbar- » 
Schaft*' kann sich nicht auf die, diesen Aufsätzen Goetfaes 
folgenden, kleinen Artikel beziehen, sondern nur auf die als 
eine Art Motto vorangestellten Verse, wie deren am Kopf 
je<ler Nummer des Morgenblattes standen; über dem Anfang 
des Epimenlde»- Auf Satzes finden wir folgende Zellen aus Stro- ao 
phe 1 und 3 der Ode ,Das Gegenwärtige* von Klopstock: 
„Ehmals verlor mein fliegender BUck In des Lebens 
Künftiges sich« and ich schuf dann, was mir Wunsch war. 
Fast zur Wirklichkeit. 

— - Nun erlebt* ich, was sich 35 

Über Gewünschtes erhob.** 
Die Nummer vom 30. März hat folgende Verse, die einem 
Gedicht vou Johann Heinrich Voss angehören sollen: 
f,Heiterkeit und Trübe 

Mischte (Lottes Liebe, 40 

Dass sich Oeist und Herz 
Männlich himmelwärts 
Von dem Staub erhübe.* 



1815 EPIMENIDES ERWACHEN. 391 



[Juni 15, Wiesbaden.] [690] 

trag/ nächstens noch einiges^ dsus sich anschlieest. Auch 
etwBö Frenndliches wdll ich auf die Nachricht von der 
Aufführung des ^Götz* in Dresden erwidern.® 

5 Bei der jetzigen Stimmung der Theater ist es der 

Mühe werth, fördernd einzugreifen. Ich habe noch man- 
ches im Sinne, wie man nach und nach immer mehr 
in's Ganze wirken kann. In Berlin hat man ,Epi- 
menides* zu drittenmal aufgeführt.* Kosten und 

10 Sorgfalt, welche darauf verwendet worden, stehen im 
Gleichge\\icht und geben einen Masestab für Folgendes. 

Zugleich gehen ab: 
1).. 2).. 
16 3) a) zu Schillers und Ifflands Andenken; 

b) Nachspiel zu den ,Hagestolzen^* 
An Cotta. — Br. 26, 11, 7—20. 24. 27 f. 
Juni 16, Wiesbaden. 691 

°Die abermalige Recension des ,Epimenides^ verdanke 

s. Z. 15 f. 

Vgl. ,Götz V. Berlichlngen* unter 1815 Juni 9 (Tgb.). 

• VgL Z. 27—20. 

* Das Drackmanuscript des Aufsatzes ,Zu Schillers und Iff- 
lands Andenken* und des diesem sich anschUessenden ,Nach- 

25 Spiels', erschienen im ,Morgenblatt' 1815 Jund 26 und 27 (vgl. 
Anhang II). 
'^ Zelter au Goethe, Juni 1: „So eben ist der «Eplmenldes* 
zum drittemnale aufgeführt worden, um die gestern erfolgte 
Ankunft unsers Königs zu feiern. 

30 Was sich immer glücklicher exponirt, ist die Musik, die 
reich an fleissigen mid glücklichen Stellen ist Die Ouvertüre 
ist ganz richtig sehr ernsthaft, und das Lied der Genien 
schwebt so kindlieh und heiter dahin, wie sich denn die drei 
ersten Auftritte natüiiich an einander fügen. Epimenides 

35 [Besehort] sprach mit Ruhe, Deutlichkeit und Anmuth. 

Die Feuerscene des 5. Auftritts, welche schon wirksam war, 
hat sich noch verbessert, wiewohl der Kriegsdämon [Mat- 
tausch] des Guten fast zu viel thut: ein braver, geistvoller 
Schauspieler, der den Wallenstein imd G()tz beifällig spielt, 



20 



392 KPIMBNIDBS ERWACHEN. 1815 



[Juni 16« Wietbaden.] [«91] 

Dir höchlich. Das Resultat, dae mir entgegentritt, 
möchte ich so ausdrücken: Es gebricht im Ganzen an 

doch sich leicht übernimmt. Die Musilc dieses Auftritts ist 
ganz Yorzüglich und vereinigt sich selir gut mit dem Gresange ^ 
des Heereszugs. 

Wären die drei Dämonen, welciie freilich nicht l)eisammeD 
erscheinen, etwas gruppenhafter durch die Muailc geworden, 
so würde ich sie vollkommen nennen. Die List hat hübsche 
Musik; der Schauspieler [Blume] ist ein Naturalist von schö- lo 
ner Gestalt und Stimme, glatter Sprache, und führt die Partie 
gut, nur ist sie zu lang; auch der Fischer [als Dämon der 
Unterdrückung] hat sich wirklich orientalisch und stellt einen 
ül)erhebenden, trotzigen, verzagten, verzogenen, sichern, tap- 
fern Tyrannen recht gut dar. 15 

Etwas näher zusammengerückt sind die drei Tugenden, 
doch ist noch manches zu wünschen, und die Freiheit, welche 
aus der Erlösung entstehen soll, hat keine recht l>rillante 
Musik, sonst müsste die Scene von grosser Wirkung sein. 

Vom 19. Auftritte [Aufzug 2 Auftritt 5] an, wo alles Auf- 20 
lösung der vorigen Räthsel sein soll, wird getrödelt und will 
sich nicht abwinden. 

Das Lied des Epimenidee [V. 745—752: „Hast du ein ge- 
gründet Haus"] Hesse ich lieber sprechen, da er im ganzen 
Stücke weiter nicht singt Wie wäre es denn, wenn's hinter 95 
der Scene von einigen Altstimmen gesungen und vom Epi- 
menides nur gehört würde? Mich deucht, so wäre es ein 
gutes Gegenstück zu dem entgegenstehenden AugenbUde, und 
Epimenides könnte dann schnell einfallen und redend fort- 
fahren, ao 

Die Kometenscene will mir auch noch nicht recht dünken. 
Er hat keinen Anschein des Ungeheuern und correspondirt 
nicht mit der Erde. Ich dachte, die Scene sollte eine ähn- 
liche Wirkung haben, wie die Feuerdecoration. Der blosse 
lichte Streif am Horizonte ist nicht hinlänglich und würde 85 
kaum bemerkt werden, wenn Epimenides nicht sein Dasein 
verkündete. 

Der 21. Auftritt [Aufzug 2 Auftritt 7] könnte sich mehr he- 
ben, wiewohl die verschiedenen Völkerschaften zu Fuss und 
Pferde einen imposanten Eindruck machen. Da auf dem 4o 
Theater eine sehr starke Musik ist, so wäre es besser, wenn 



1816 EPIMBNIDES ERWACHEN. 



[Juni 1«, Wiesbaden.] [691] 

Embildungskraft imd Gefühl, und da mufle bald ein- 
mal ITebertreibimg, bald Ermaogelimg eintreten. Auch 
dieses gäbe sich bei öfterer Wiederholung: denn was 

6 die Menschen nicht erfinden können, das entdecken sie 
doch. Kannst Du es einleiten, dass die Inschrift, 
wenn sie Epimenides nicht recitirt, hinter der Scene 
von Q^istem gesungen wird, so ist viel gewonnen.^ Sie 
bringen das Stück doch gelegentlich wieder, und viel- 

10 leicht lässt sich ihm künftig eine selbetständige Form 
geben.* 

An Zelter. — Br. 26. 13, 21— 14, 8. 

Juli 15, WieBbaiden. Ö92 

Da nun der Feldzug so glücklich vorwärts schreitet* 

15 und das Beste zu erwarten, ist, so wünsche ich, dass 

auch bei ims Epimenides erwache und uns Freude bringe. 

Wollen Sie wohl mit Herrn Greheimehofrath Kinns 

überlegen, wie man sich mit Herrn Capellmeister Weber 

in Verhältniss setzt, um gegen billige Vergütung die 

ao Partitur zu erlangen. Besetzen können wir das Stück 

sehr gut, Herr Beuther wird uns an Decorationen nichts 

fehlen lassen, und Ihre Sorgfalt würde über das Ganze 



das Orchester schwiege, um die Theatermusik abzulöseu und 
die Wirkung von Zeit zu Zeit zu erfrischen, welche betau« 

35 bend ist und etwa dadurch lästig wird. 

Die Bravourarie ist eine eigentliche Goncertarie und gehört 
als solche recht gut hieher, doch ist sie trennend, ja zer- 
schneidend, und mttsste wenigstens von einer vollkommen 
schönen Stimme gesungen werden. Mamsell Binigkeit [FrL 

80 Maas] weiss nicht, was sie sagt und drückt und dehnt nach 
ihrer alten Art, und darunter leidet das Stück gerade da, wo 
es triumphiren soU" (G.-Zelter 2, 187—189). 

* Diese Einrichtung wurde bei der Aufführung in Weimar ge- 
troffen, da Graff, der Darsteller des Epimenides, nicht Sän- 

85 ger war (vgl. WH. 11 (1), 190). 

• Zelters Antwort vom 26. Juni s. G.-Zelter 2, 197—199. 

■ Am 7. Juli zweite Einnahme von Paris durch die Verbündeten, 



31H EPIMBNIDES ERWACHEN. 1815 

[Juli 15, Wiesbaden.] (6M] 

hinaufihelfen. Denken Sie doch darüber! Ich wünschte 
es zum achtzehnten October zu geben. Es scheint lange 
hin, will aber vorbereitet sein. 

An A. Genast — Br. 26. 38, 13—26. » 

Juli 16, Wiesbaden. 603 

[Abendß? Brief] An Genast, [wegen] ,Epuneni- 
des^ [s. Nr. 692], . . 
Tgb. 5, 170, 17 f. 
Octolmr 15, Weimar. 694 lO 

^Wäre mein kleiner Aufsatz über gemeinschaftliche 
Arbeiten fiir's Theater,^ besonders in Fallen, wo Ge- 
legenheitsgedichte verlangt werden, E. W. zur Zeit be- 
kannt gewesen, als Sie die Fortsetzung des ,Epimenide6* 
unternahmen, so hätten Sie keinen Augenblick in Zwei- u 
fei stehen können, dass mir nicht ein solches Werk 
höchst angenehm, sein würde. Denn auch diese Arbeit 
kann als eine gemeinsame angesehen werden, wenn der 
zweite Dichter den Faden da aufnimmt, wo-ihn der erste 
gelassen hat; das erste wird als Exposition angesehn, das lo 
zweite als Folge und Schluss, wie es denn in dem gegen- 
wärtigen Falle ganz eigentlich gefordert wurde.' 
An J. A. C. Levezow. — Br. 26, 101, 11—23. 
October 23, Weimar. 695 

Freilich dient solchen Berathungen,*' zu schneller und » 
vollkommener Entscheidung, am meisten die persönliche 

* Levezow hatte das, von ihm zur Feier des Sieges bei Water- 
loo verfas.ste, P^estspiel ,Des Epimenides Urtheir, nacdi dessen 
AulTühning in Berlin am 16. Juli, mit Brief vom 21., an Goe- 
the geschickt (Br. 26, 374 zu 101, 19). » 

* ,Ueber die Entstehung des Festspiels zu Ifflands Andenken'; 
erschien erst 1816 März 18 im »Morgeublatt* (vgl. besonders 
W. 41 (1), 91, 5—19). 

* Am 29. October erkundigt Goethe sich brieflieh bei Zelter 
nach der Wirkung von ,Des Epimenades ürtheil* (Br. 26. 124, S8 
24 f., vgl. G.-Zelter 2. 204). 

* Hier im Interesse des Blücher-Denkmals für Rostock. 



1816 EPIMENIDES ERWACHEN. 395 



[October 23, Weimar.] [696] 

Gegenwart; wie ich noch vor einiger Zeit zu meiner 
grössten Zufriedenheit erfahren, als eine ansehnliche 
Berliner Theater-Intendanz Herrn Capellmeister Weber 
5 veranlasste, sich nach Weimar zu begeben, um wegen 
Composition und Aufführung des sehr verwickelten 
Festspiels ,B p i m e n i d e s^ mit mir gemeinschaftlich 
Bath zu pflegen.^ In wenigen Tagen war die Sache ge- 
ordnet und bestimmt^ so dass es nachher keiner wei- 
10 tem Correspondenz bedurfte, . ? 

An v. Preen. — Br. 26, 115, 13—23. 
November 11, Weimar. 696 

Zuvörderst also eröffne meinen Wunsch des ,Epi- 
menidesErwachen^ zum 30. Januar, als dem Ge- 
is burtßtag unserer verehrtesten Grrossherzogin Königlichen 
Hoheit, auf unserem Theater zu geben, und ersuche E. 
W. desshalb, mir die Partitur anzuvertrauen. Da wir 
noch zehn Wochen vor uns sehen, so haben wir Baum 
genug, um mit sorgfältigem Bedacht dieses Festspiel 
«0 unseren kleinen Bäumen schicklich anzupassen- Haben 
wir nach erhaltener Partitur die Stimmen unserer Sän- 
ger und sonstige Mittel berechnet, so erlauben Sie, dass 
ich weiter anfrage und um gefälligen Bath und Mitwir- 
kung bitte. 
25 ... bitte . . Herrn Professor Levezow schönstens zu 

grüssen, dessen glücklicher und wohlausgeführter Ge- 



» Vgl. Nr. 615-623. 

* Vielleicht dachte Goethe auch bei folgender Aeusseiiiog mit 
an »Eplmenldes*: „Ich billige sehr, dass der Künstler sich 

80 in seinem Unternehmen nicht irre machen lasse; doch habe 
ich selbst In manchen Fällen und Fäehera die Vorthelle ge- 
meinsamer Berathung erprobt Kunstfreunde sind eine Art 
von Vorpublicum; liommen sie mit dem Künstler überedn, 
so worden sie, wenn das Werk erseheint, demselben eine 

86 Schutzwehr gegen so manche unerfreuliche Uitheile» die in 
einer ungebildeten und wogenden Menge nicht fehlen können" 
(an J. G. Schadow, 1815 November 12, Br. 26. 144, 17—25). 



396 EPIMENIDES ERWACHEN. 1815 



(November 11, Weimar.] [696] 

danke den ,Epimenideß* fortzusetzen mich höchlich er- 
freut hat.^ 

An B. A. Weber. — Br. 26, 146, 18— 147, 5. 12—16. 

November 28, Weimar. 697 6 

E. W. verfehle nicht zu benachrichtigen, dass Herr Ca- 
pellmeister Weber die Partitur des ^Epimenides* gesen- 
det hat, ich übergebe solche sogleich Herrn Capellmei- 
ster Müller, bespreche die Sache mit Herrn Genast und 
Beuther, worauf denn eine genaue Note alles Erfor- lo 
derlichen erfolgen soll, damit wir am 30. Januar unserer 
verehrten Grossherzogin ein würdiges Opfer darbringen 
mögen. Wir können dieser schwierigen Vorstellung um 
desto mehr Aufmerksamkeit schenken, als wir nicht für 
die G€burtstäge unserer jungen Herrschaften zu sorgen i» 
haben, ja den ,Epimenides^ zu dem Geburstage Ihre 
Kaiserlichen Hoheit wiederholen können, wie ich denn 
hiebei E. W. gefällige Assistenz hiedurch in Anspruch 
nehme. 

An Kinns. — Br. 26, 162, lö— 163, 6. 90 

November 28, Weimar. 608 

E. W. Übersende sogleich die angelangte Partitur des 
,Epimenides^ mit dem Ersuchen, solche baldigst durch- 
zugehen, damit das Geschäft überlegt, entschieden und 
arrangirt werden könne. Da ich ohnehin verschiedene 25 
Aenderungen in dem Stück zu machen gedenke,* die 
sich auf Erleichterung und grössere Wirkung auf un- 
serem Theater beziehen, so wünsche, dass E. W. von 
Ihrer Seite auch daran gefällig denken mögen; auch 
wird eine gemeinsame Verabredung zu veranstalten in ao 
den nächsten Tagen wohlgethan sein. Zu diesem wichti- 
gen Werke die beste Gesundheit imd frohe LAune wün- 
schend. 

An A. E. Müller. — Br. 26, 163, 8—20. 



» Vgl. 394. 27- 30. W>ber schickte am 21. November die Parti- S5 

tur, liebst brieflichen Bemerkungen dazu (vgl. W. 16, 528 f.). 
• Vgl. W. 16. 533 zu der mit fl* bezeichneten Handschrift. 



1815 EPIMENIDES ERWACHEN. 397 

November 28, Weimar. 699 

E. W. benachrichtige hierdurch, dass die Partitur des 
,Epiinenide6* angelangt ist und sogleich Herrn Capell- 
meister übergeben worden, ich wünsche nun auch mit 
5 Urnen diese wichtige Sache baldigst zu überlegen, be- 
sonders wegen der allenfallsigen Veränderung, welche 
die Aufführung dieses schwierigen Stücks auf unserem 
Theater erleichtem könnte, an welchem ich eine schon 
gewohnte Theilnahme bestens empfehle. 
10 An A. Genast. — Br. 26, 164, 1—9. 

November 28, Weimar. 700 

E. W. verfehle nicht hierdurch dankbar zu benach- 
richtigen, dase die Partitur des ,Epimenides^ glücklich 
angelangt ist und mir schon, insofern ich sie zu lesen 
15 verstehe, grosses Vergnügen gemacht hat. Sie ist so- 
gleich an Herrn Capell - Meister Müller eingehändigt 
worden, der sich gewise alle Mühe geben wird, eine 
glückliche Aufführung vorzubereiten, wie es denn, an 
uns Allen nicht fehlen soll. Die Abwesenheit der Frau 
20 von Heygendorff macht ein Hindemiss, worüber wir denn 
uns hinaushelfen müssen, vielleicht kommt diese treff- 
liche Sängerin und Schauspielerin bis dahin wieder zu- 
rück.^ Was ich in der Sache noch für Wünsche hege, 
davon schweige vorerst und hoffe Dieselben von meiner 
25 Dankbarkeit wegeü dieser Mittheilung thätig zu über- 
zeugen. 

An B. A. Weber. — Br. 26, 164, 11— 16Ö, 3. 
November 28, Weimar. 701 

Der Herr Capell-Meister Weber hat die Gfefälligkeit 
30 gehabt, die Partitur des ,Epimenide8^ mir zu übersenden. 
Das Stück soll den 30. Januar, als den Geburtstag un- 
serer verehrten Grossherzogin, aufgeführt werden. Hie- 

' Für sie waren Jedenfalls die Rollen der Muse und der Hoff- 
nung gedacht; beide gab dann Amalie WoUT, nach deren 
85 Weggang von Weimar, in der dritten Aufführung, Jene dJe 
lloUo der Hoffnung spielte. 



398 EPIMBNIDES ERWACHEN. 1815 

(November 26, Weimar.) [701] 

bei verlangt denn sowohl der Hof, als das Publicum den 
Text. Möchten E. W. mir anzeigen, wieviel Exemplare, 
um welchen Preis? Sie uns überlassen könnten, so bliebe 
Ihr Verlagsrecht ungestört, welches ich denn auch da- & 
gegen noch weiter als Ostern zugestehen wollte.^ Ich 
darf nicht hinzufügen, dass wir nichts dabei gewinnen, 
die Exemplare auch nur unsem Zuschauem austheilen 
werden. 

An Duncker u. Humblot. — Br. 26, 165, 13—24. lo 

November 28. Weimar. 702 

[Morgens] Berathung mit Genast über ,Epimenides^ 
. . . [Nachmittags] ,Epünenide6^ 
Tgb. 5, 198. 20. 
November 29, Weimar. 708 15 

[Morgens] Mit Beuther ,Epimenides^ 
Tgb. 5. 193, 22. 
Deeember 6, Weimar. — s. Nr. 16. 703 a 

1816. 

Januar 10, Weimar. 704 so 

[Vormittags] ünzclmann wegen ,Epimenides^ 
Tgb. 6, 200, 6 f. 
?JaDuar 11, Weimar. 705 

Da wir die schöne Stimme des Herrn Eduard Genast 
noch in Reserve haben: so sollten wir die Blätter nicht » 
nur beibehalten, sondern dem Priester-Iiede mehr Ex- 
tension geben.* 

An Kirms. — Br. 26, 217, 1—4. 
Januar 17, Weimar. 706 

Ew. Königliche Hoheit geruhen auf Nachstehendes 30 
gnädigst zu reflectiren: 

» VgL 375. 21-^24. 35. 

' Die Beziehung im Allgemeinen ist doch wohl sicher; was 
ist mit den beizubehaltenden „Blättern" gemeint? Als „Lied** 
des Priesters (die Rolle ist auf dem Theater-Zettel nicht ge- ss 
nannt) kann nur V. 863-372 („Tadle nicht der Götter Willen", 
Aufzug 2 Auftritt 9) bezeichnet werden. 



1816 EPIMENIDES ERWACHEN. 309 

(Janaar 17, Weimar.] [706] 

1) 

8) Die Aufführung des ^BpimenideB^ zum 30. Januar 
wird, hoffe ich, gelingen und nicht unangenehm sein. 
5 Capellmeister Weber kommt einige Tage früher.^ 

An d. Gro88herzog Karl Ausrast — Br. 26, 225, 18 f. 
227, 1-8. 
Januar 21, Weimar. 707 

[Vormittags] ,Epimenide8^ erste Abtheilung Singpro- 
10 be. . . . [Nachmittags] ,Epimenides^ zweite Abtheilung. 
Tgb. 6, 201, 22 f. 25. 
] [Januar 23 oder später, Weimar.] 708 

Goethe überwachte das Ganze mit unermüdlichem Ei- 
fer und war bei den Proben äusserst sorgsam, besonder» 
15 was die Gruppirungen betraf. Alle Augenblicke donner- 
te er ein „Halt!" den Darstellenden zu; dann hiess es: 
„Madame Eberwein — gut!" „Madame Unzelmann, 
mehr vor!" — „Herr Wolff, den Kopf mehr lauernd 
nach rechts gebogen, sonst gut!" — „Herr Oels — sehr 
90 gut!" — „Der darauf Folgende — schlecht!" und nun 
begann die Auseinandersetzung. Es war eine Eigenheit 
Goethes, den Schauspieler, mit dem er unzufrieden war, 
niemals bei seinem Namen zu nennen; man konnte diess 
nun nehmen, wie man wollte, als Rücksicht oder Kran« 
26 kung. 

Bei dem Siegerzug trat zuerst Blücher mit der preus- 
sischen Armee auf, dann Schwarzenberg an der Spitze 
der Oesterreicher, dann Wittgenstein mit den Russen und 
80 endlich kam Wellington mit den Engländern. Jede die- 
ser Armeen bestand, ausser den PeldmarschäUen und 
einigen Adjutanten, aus zehn Mann Statisten — . . 

. . Das Ganze war nach unsem Verhältnissen würdig 
in Scene gesetzt und machte sich gut. Groethes Ausspruch 

85 * Die Randbemerkung des Grossherzc^s lautet: „Glück zu!" 
(G.-Kari-Augu»t 2, 64.) 



400 EPIMBNIDBS ERWACHEN. 1816 



[Januar 38 oder später, Weimar.] [706] 

Über Comparserie war: „Die Wirklichkeit, die aus Hun- 
derttausenden besteht, kann auf einem so engen Baume, 
wie die Bühne bietet, doch nicht verkörpert werden; ob 
man da 10 oder 100 Mann erscheinen läast, bleibt sich 5 
gleich, man möge sich die andern dazu denken".^ 

Mit den Darstellern des «Epimenides*. — Gespräche 3» 
261 f. (Genafit 1, 243 f. 246.) 

Januar 23, Weimar. 700 

[Nachmittags oder Abends] Probe ,Bpimenides^ eis- lo 
ter Act.^ 

Tgb. 5. 202, 7 f. 
Januar 25, Weimar. 710 

[Nachmittags?] Probe vom ,Epimenides' zweiter 
Theü." Kamen Abends Capellmeister Weber und Direc- i* 
tor Schadow.' 

Tgb. 5, 202, 14—16. 
Januar 26, Weimar. 711 

[Vormittags] Capellmeister Weber . . bei mir. . . . 
[Nachmittags^ oder Abends] Ganze Probe vom ,Bpime- » 

nidee^ 

Tgb. 5, 202, 17-19. 
Januar 27, Weimar. 712 

Director Schadow und CapeUmeister Weber sind hier. 
Die Proben vom ,Epimenide8* gehen rasch und gut, doch 25 
wird ims die Trauer um die höchstbedauerte Erbgross- 
herzogin von Mecklenburg*' wohl die Aufführung des 
Mittwochs [31.] verkümmern.* 

An Knebel. — Br. 26, 234, 8-12. 



» Vgl. 406. S-11. 30 

• Vgl. Nr. 708. 

• Schadow wegen des Modells zum Blücber-Denkmal für Ro- 
stock. — Wegen der Liquidationen über Abschriften der Solo- 
und Chor-Stimmen, sowie der Partitur vgl. Burkhardt-II S. 11 
unter 1816 Januar 25. 29, Februar 12. 23. S5 

• Prinzessin <:;aroline war am 20. Januar gestorben. 

• Gleichzeitig tiberschickte Goethe ,Des Bpimenides UrtheU* 



1816 EPIMBNIDBS ERWAOHBN. 401 

Januar 27, Weimar. 713 

[VormittagB] Berathungen mit Capellmei&ter Weber. 
Tgb. 5. 202, 25. 

Fetxruar 1, Weimar. 714 

5 [VormittagB] Capellmeister Weber Abschied genom- 

mjen.^ . . . Um yier Uhr Probe dee ,Bpimenidefl^ 
Tgb. 5. 204. 4 f. 7. 

Februar 2, Weimar. 715 

Vier Uhr Probe ^Epimenides*. 
10 Tgb. 5, 204, 12 f. 

Februar 4, Weimar. 716 

Abends [Probe der] Heereszüge und Chöre aus ,Epi- 
menides^ 

Tgb. 5, 204, 28 f. 

16 Februar 6, Weimar. 717 

[Nachmittags oder Abendsr]. Hauptprobe auf den ,Epi- 
menides*. 

Tgb. 5, 205. 7. 

Februar 7, Weimar. 718 

20 [Vormittags] Capellmeister Weber. . . . [Abends] 

Vorstellung des ,Epimenide6*.* 
Tgb. 5. 205. 9. 12 f. 



von Levezow in Correctur-Bogen, die dieser am 20. Goethen 
gesandt hatte (vgl. G.-Knebel 2. 184). 

25 * Am Tage der Aufführung war Weber anwesend (vgl. Nr. 718). 
* Der Theater-Zettel kündigte an (mit Weglassung des Ar- 
tikels): .Epimenides Erwachen. Festspiel in zwei Aufzügen, 
von €k>ethe. Musik von Capellmeister Weber*, mit der Bemer- 
kung: ..Die Berliner Ausgabe des Gedichtes ist an der Gasse 

30 für 4 gr. zu haben.'* Auf der Rückseite finden sich die vier 
Strophen des .Schluss-Chors* abgedruckt. In die folgende 
Uebersicht ist auch die Berliner Besetzung aufgenommen; die 
einzelnen Dämonen der liist, die auf dem Theater-Zettel nicht 
aufgeführt werden, sind nach dem Verzelchnlss der ..Mlt- 

35 wirkenden" W. 16. 338 ergänzt. 

Graf, Goethe über i. Dichtungen. T. II, B. 1. 26 



402 



KPIMBNIDES ERWACHEN. 



1816 



[Februar 7, Weimar.] 



(718] 



Personen. 



Berlin 1816 
Min 30. 



1816 
Febr. 7. la 



1816 
October 19. 



Prolog: die Muse .... 

Wortführer: Epimenides. 

pftmon des Krieges . . . 

( (Cardinal] . 

Dämo- 
nen der 
List 



[Diplomat] . . . . 
[Hofinann] . . . . 

[Dame] 

[Jorist] 

(Lastige Person] . . 
iDimon der Unterdrfloknng . 
Ohorfflhrer: Jagendfürst 
Chor der Tagenden: 

Olaabe 

Liebe 

Hoffnang 

[Beharrlichkeit] 

Einigkeit 

Begleitende : 

[Priester] 

Zwei Genien 



Maas. 

Beschert 
Mattausch. 

Biomo 
[als einii- 
ger Dftmon 
der List]. 

Fischer. 
Stümer. 

Bethmann« 

Eanike. 

Schröck. 

[SchmaU.] 

Maas. 

[Gern. Lemm.] 

Dttring. 

LeisL 



Wolff. 

Oraff. 

Halde. 

Oels. 

Wolff. 

Deny. 

Engels. 

Lortsing. 

Unselmann. 

Stromeyer. 

Moltke. 

Eberwein. 

ünaelmann. 

Wolff. 

[gestrichen.] 

Lortzing. 

[fehlen.] 
Beck d. J. 
Biemann. 



Engels. 

Oraff. 

Haide. 

Oels. 

Durand. 

Deny. 

[fehlt] 

Lortsing. 

Unzelmann. 

Stromeyer, 

Moltke. 

Eberwein. 

Unselmani 

Jagemann. 

[gestrichen.^ 

Lortsing. 

[fehlen.] 
L. Beck. 
Biemann. 



10 



15 



90 



üeber die Wirkung des Festspiels und seiner Musik vgL % 
380, 11—882. 32. 391, 30-303, 29 und Ch. Schülers Brief vom 
14. Februar an Knebel (Gbariotte SchiUer-Knebel S. 249—251); 
Knebel antwortet ihr am 16.: „Sie sehen mit wohlgefälligen 
Augen und hören auch so. Andere waren nicht so zufrieden. 
Die Musik wollte ihnen nicht recht an's Herz g^ien, und dann ao 
fanden sie, dass manches in der Allegorie zu fein und daher zu 
unbestimmt für den anschauenden Sinn sei. . . . Zuletzt aber 
die Mischung von moderner Tracht und Sitte mit der antiken 
that ihnen gewaltig weh — und auch das kann ich mir den- 
ken. Wir wollen also nur das Stück fleissig lesen, das so viel M 
Vortreffliches und Gemüthliches enthält. . . . Ich glaube, 
wenn man den alten Hermann hätte auftreten lassen und 
das nordische Unzeug, hätten manche mehr Gefallen daran 
gehabt . .** (Charlotte Schiller 3, 364.) Unter den „Anderen" 
(Z. 29) sind wohl Frommanns und Grles zu verstehen; jeden- 40 
falls schreibt Grles an Abeken, März 8: „ . . Goethes ,Bpl- 
menides* machte auf dem Theater eine langweilige Erschein- 
ung. Ich habe nie ein Stück gesehen, das mit so grossen Zu- 
rüstungen so wenig ausrichtete; darüber ist nur Bine Stimme. 
Aber freilich Ist auch die Musik (von Weber aus Berlin, der 45 
selbst zugegen war) sehr mittelmäseig, und die Ballete, die 
Cavallerle. die in B. [Berlin] das Stück auf den Beinen hiel- 



1816 EPIMENIDES ERWACHEN. 403 



Februar 8 [?], Weimar. 719 

Heute Abend^ wird ^Epimenides* aufgeführt, es ist 
daher ein sehr unruhiger Tag. 

An S. Bolsserte. — Br. 26, 250, 13 f. 

6 Februar 10, Weimar. 720 

Sie haben, . . durch Beurlaubung des Herrn Capell- 
Meister Weber uns so eine besondere Gefälligkeit erzeigt 
und Anlass zu so manchem Guten gegeben, dass ich ihn 
nothwendig als Friedensboten an Sie entlassen muss.^ 
10 ... Herr Capell-Meister Weber wird von unsem hie- 

sigen Zuständen und Exhibitionen Rechenschaft geben. 
Sowohl er, als Director Schadow, haben uns sehr an- 
genehme und lehrreiche Stunden verschafft. 

Herrn Prof. Levezow haben Sie die Güte für das 
16 Uebersendete* . . schönstens zu danken, . . 

An d. Grafen v. Brühl. — Br. 26, 252, 21—25. 253, 6-11. 

Februar 10, Weimar. 721 

Abends in der zweiten Vorstellung des »Epimenides^* 

Tgb. 5, 206, 7 f. 

20 Februar 13, Weimar. — s. 180, 29— 181, 3. 722 

?Februar 14, Weimar. 728 

[Vormittags] Revidirt den Schluss des achten Theils 

meiner Werke.* 
Tgb. 5, 207. 14. 



26 ten, fehlten natürlich in W. [Weimar] ganz. Es wird scbwer- 
Uch wieder aufgeführt werden, . ." (ungedruckt; die Veröffent- 
Uehung der Briefe Grieeens an Abeken wird von mir vorbe- 
reitet); vgl. auch GJ. 6, 125. 
^ Da am 8. (Datum des Briefe«) keine Aufführung Statt 

30 fand, muss man annehmen, dass der Brief schon am 7. ge- 
schrieben wurde. 
■ „Durch das Engagement des Ehepaars Wolff und den durch 
Brühl vereitelten Versuch, Dlle. Düring für das Weimarer 
Theater zu gewinnen, war eine Verstimmung eingetreten" (Br. 

35 26. 405 zu 252. 24). 

• Vgl. 401, 23 f. und WH. 11 (1), 119*. letzten Satz. 

• Wegen des Theater-Zettels und der Besetzung vgl. 401. 26 f.; 
diessmal waren auf dem Zettel auch die Vornamen des Cora- 
ponisten: Bernhard Anselm angegeben, um der Verwechslung 

40 mit Karl Maria v. Weber vorzubeugen. 

• Vgl. Nr. 320 und 725. 



40i BPIMSNIDBS BRWAGHBN. 1816 



] [Februar 16, Weimar.] 724 

*Den Frieden kann das Wollen nicht bereiten: 
Wer alles will, will sich vor allen mächtig. 
Indem er siegt, lehrt er die andern streiten; 
Bedenkend macht er seinen Feind bedächtig; b 

So wachsen Kraft nnd List nach allen Seiten, 
Der Weltkreis ruht von Ungeheuern trächtig. 
Und der Geburten zahlenlose Plage 
Droht jeden Tag als mit dem jüngsten Tage. 

Der Dichter sucht das Schicksal zu entbinden, lo 

Das, wogenhaft und schrecklich ungestaltet, 
Nicht Mass, noch Ziel, noch Eichte weiss zu finden 
Und brausend webt, zerstört und knirschend waltet. 
Da fasst die Kunst in liebendem Entzünden, 
Der Masse Wust, die ist sogleich entfaltet^ u 

Durch Mitverdienßt gemeinsamen Erregens, 
Gesang und Rede, sinnigen Bewegens. 
W. 16, 831 f. 
Februar 15, Weimar. 726 

[Nachmittags] Verbindung des ,Epimenides' mit dem « 
Vorhergehenden [in Band 8 der Werke Cotta*. — 8. 
Nr. 724]. 

Tgh. 5. 207. 21 f. 
Februar 18, Weimar. 726 

Einer Grossherzoglichen Theater-Commission ist ge- » 
wiss noch erinnerlich, dass, eh' unser Theater auf dem 
hohen Grade der Bildung stand wie gegenwärtig, Schau- 
spieler sich manchmal erdreisteten, über aufzuführende 
oder aufgeführte Stücke missbiUigend zu sprechen und 
dadurch die wohlgesinnten Glieder der Gesellschaft, ja so 

* VgL Nr. 725 (wonach obige Datirung); der erste Vers knüpft 
unmittelbar an den letzten Vers des siebenten der „Im Na- 
men der Bürgerschaft von Karlsbad" verfassten Gedichte an 
(,lhro der Kaiserin von Frankreich Majestät*): 

„Der alles wollen kann, will auch den Frieden" 3^ 

(W. 16, 329); vgl. SdGG. 17, LXII. 368. 



1816 BPIMENIDBS ERWACHEN. 405 

(Februar 18, Weimar.) [786] 

das Publicum irre zu machen. Durch diensame Bemer- 
kung ward endlich dieses Uebel völlig getilgt, so dass 
ndr wenigstens keine Spur mehr davon vorgekommen ist. 
6 Nun aber scheint sich diese Roheit im Orchester ein- 

zufinden, indem ich, von vielen Seiten, hören musa, 
dass Glieder der Capelle, im höchsten Grad der Unver- 
schämtheit^ gegen ,Des Epimenides Erwachen* und des- 
sen Musik leidenschaftlich auftreten, so dass man nicht 

10 weiss, ob man über Gemeinheit oder Dünkel sich mehr 
verwundem solle.^ Lässt man ein solches Verfahren 
ungeahndet, so hängt es in der Zukunft von solchen sinn- 
losen Menschen ab, ein, mit so vielem Bedacht, Sorg- 
falt, Mühe und Kosten zu Stande gebrachtes Werk zu 

16 versohreien und dessen Wiederholimg zu verhindern. 

Die Sache betrifft mich so nah, dass ich Grossherzog- 
licher Commission die Massregeln desshalb völlig über- 
lassen muss, nur das erkläre ich, dass keine auf meinen 
Text neu componirte Oper hier am Orte jemals aufge- 

30 führt werden kann, damit mir dieser schöne und wichtige 

Theil unserer theatralischen Darstellungen nicht noch 

mehr Verdruss errege, als bisher schon geschehen ist. 

Grossherzoglicher Commission, wie obgedacht, die 

desshalb räthlichen Verfügungen nach. Ueberzeugung, 

26 auch ohne meine Concurrenz, zu geneigter Ausfertigung 
überlassend. 

An d. Hof theater-Gommlssion. — Er. 26, 265, IZ- 266, 26. 
Februar 24, Weimar. — s. 144, 13—24. 727 

März 2, Weimar. 728 

80 Diesen Winter blieb ich meist zu Hause, imd hätten 

nicht verschiedene theatralische Uebimgen mich aus 
meinem Winkel genöthigt, die Besuche einiger Fremden 
meine Einsamkeit belebt, so hätte ich für einen indischen 
Büssenden gar wohl gelten können. 

85 An d. Gräfin Const. v. Pritsch. — Br. 26, 282, 2—6. 



' Vgl. 144. 13—21. 



406 EPIMBNIDBS ERWACHEN. 1816 



März 7, Weimar. 729 

[Abends?] Prof. Riemer. . . . Eecension des JEpi- 
menides^^ 

Tgb. 5. 212 25 f. 
März 11. Weimar. — s. Nr. 236. 729 a 5 

März 11. Weimar. 730 

^Ee soll mich freuen, wenn die beiden Berliner Freun- 
de* uns ein gutes Zeugniss geben. ,Epimenide8^ hat sich 
in solcher Beschränkung auch ganz gut ausgenommen, 
wir folgten auch hier unserer alten Maxime des Sjrmbo- lo 
lisirens, wo der Raum keine Wirklichkeit erlaubt.* 
An Zelter. — Br. 26. 416. 
März' 11, I 

März 25, l Weimar. - s. Nr. 236-238. 730 a-<! 

October 15, j u 

October 18, Weimar. 731 

Hauptprobe des ,Epimenides* von zehn bis ein Uhr. 
Tgb. 6, 279, 3 f. 
October 19, Weimar. 732 

[Abends] Aufführung des ,Epimenides*. Frau Hof- u 
rath Kestner und Coudray in der Loge.*^ 
Tgb. 5, 279, 7—9. 
October 20, Weimar. 733 

[Morgens] Mit Genast über ,Epimenides^ 
Tgb. 5. 279. 10. 2S 

November 14, Weimar. — s. Nr. 239- 733 a 



• Um welche Besprechung es sich haudelt, weiss ich nicht; die 
«Jenaische Allgemeine Litteratur-Zeitung* und das »Morgen- 
blatt* (das 1«15 in Nr. 106 eine Recension des Stücks gebracht 
hatte) enthalten, so viel ich sehen kann, nichts über die Auf- so 
ftihmng, auch die ,Heidelberger Jahrbücher* nicht, für die 
B. R. Abeken eine Besprechung plante, aber nicht vollendete. 

• Das Folgende findet sich nur Im Concept des Briefes, nicht 
in dessen Reinschrift. 

• Weber und Schadow, vgl. 400, 15 f. ss 

• Vgl. 399. 33—400. 6. 

• Das heisst: in Goethes Theater-Loge. Wegen der Besetzung 
und des Theater-Zettels s. 401, 26— 402, 24. 



1819 EPIMBNIDBS ERWACHEN. 407 



1819. 

März [Anfang], Weimar. — s. 16, 36 f. 734 

1828. 

][? ? ?] 735 

5 [Zu 1814.] Unsere Schaußpielergesellschaft sollte . . 

auch diessmal der Gunst geniesöen, in Halle den Sommer 
durch Vorstellungen zu geben. Der wackere B e i 1 ^ dem 
die dortige Bühne ihre Entstehung verdankte, war ge- 
storben; man wünschte ein Vorspiel, d^ zugleich als 

10 Todtenfeier für den trefflichen Mann, gelten könnte; ich 
entwarf es [,Was wir bringen. Fortsetzung^] beim Früh- 
lingsaufenthalte zu Berka an der lim. Als ich aber, 
durch Iffland iinerwartet aufgefordert,^ das ,Brwa- 
chendesEpimenides^ unternahm, so wurde jenes 

16 durch Riemer nach Verabredung ausgearbeitet. CapeU- 
meister Weber besuchte mich wegen der Composition 
des ,Epimenides*, über die wir uns verglichen.^ 
Tag- und Jahres-Hefte, 1814. — W. 36, 88, 20-89, 4. 
][JuU 17. 19, Marlenbad.] - [Zu 1815.] 736 

20 s. ,Proflerplna* ugD. (Tag- u. Jahres-Hefte. 1815.) 

August zwiseben 11 und 21, Marienbad. — s. 150, 11 f. 737 



Mai 7, 



1825. 



** \ Weimar. - s. Xr. 244. 245.« 737 a. b 

Mai 7, i 



25 1836. 

Februar 1, Weimar. — s. 30, 21. 738 

September 20, Weimar. 739 

Indessen ich nun, wie ein wachender, nicht erwachter 

Epimenides die vorübergezogenen Lebensträurae durch 



30 » Vgl. Nr. 574. 

* Vgl. Nr. 615-623. 

■ Am 22. Mai sandte Göttling beide Bände zurück, wegen eines 

dabei brieflich geäusserten Bedenkens vgl. W. 16, 541 zu 

V. 468. 



406 BPIMDNIDB8 ERWACHEN. 1826 



(September 20, Weimar.] [789] 

den Flor einer bewegten Gegenwart beruhigt schaue,* 
reißt Freund Müller in der Welt umher, . . 
An K. F. y. BeiDiiard. — G.-Reinhard S. 275. 



1837. 

Januar 27, 

Februar 17. 18. 19. 

März 12, 

April 4. 

September 18. Weimar. — a Nr. 64. 789 g lo 



Weimar. — s. Nr. 247—262. 739 a— f 



1838. 

Vuni 28. X 

October 20, l Weimar. — s. Nr. 66-68. 739 h— k 

November 8, J 

1839. 15 

Februar 9, Weimar. — a Nr. 69. 739 1 

Februar 14, Weimar. 740 

[Früh] Kam der dreizehnte Band [Werke Cotta'] 
revidirt von Prof. Qöttling an.' 

Tgb. 12, 23, 11 f. 20 



^ Goethe denkt hierbei offenbar an seine dichterische Behand- 
lung der Bpimenidee-Sage (wesshalb die Stelle im Text sn 
geben war). An Emfit Meyer schreibt Goethe mit Bezug auf 
Pflanzen-Morphologie 1829 Juni 26: „ . . machen Sie mich 
aufmerksam auf das, was in diesem Felde jetzt vorgeht: ich 25 
komme als ein Bpimenides hinein" (GJ. 5, 165 f.), und schon 
vierzig Jahre früher vergleicht Goethe sich einmal mit dem 
kreüseheo Schläfer, nach der Rückkehr aus Italien 1788 
schreibt er an Knebel, October 25: „Ich bin hier [in Weimar] 
fast ganz allein. Jedermann findet seine Ck>nvenienz, sich so 
zu isoliren, und mir geht es nun gar wie dem Epimenldes nach 
seinem Erwachen" (Br. 9, 43, 20—22). 

* 1828 Januar 28 billigt Goethe in einem (ungedruckten) Brief 
an Reichel die Verbesserung eines von diesem am 10. Januar 
brieflich namhaft gemachten Druckfehlers im dritten Druck » 
V. 301 (vgl. W. 16, Ö89). 

• Vgl. Nr. 69. 




Erwin und Elmire. 



I. Erste Fassang: als Schauspiel. 

Handachriften: 1. Die Partitur von «Erwin und Elmire Opei" 
[in 2 Acten] von Goetlie componlrt von Anna Amalla 
5 Herzogin zu Sachsen Weimar-Eisenach etc.*; in der Gross- 

herzoglichen Bibliothek zu Weimar. 

2. Das Soufflirbuch zu 1, bezeichnet als ,Le Souffleur'; 
enthält die Stichworte und den Text der Lieder. 

3. Neun Blatter ,,yon einer Hand des 19. Jahrhunderts" 
10 CW. 38, 462), mit der Aufschrift ,Erwin und Elmire. Schau- 
spiel mit Gesang von Göthe. Musik von A. A. H. z. 
S. W. B.* (worauf die in Nr. 745 wiedergegebenen Verse 
folgen); in der Bibliothek des Hoftheaters zu Weimar. 
Ebenda befindet sich ein Exemplar des ersten Druckes mit 

15 ^«handschriftlichen Anmerkungen'* (R. M. Werner in W. 

38, 463). 
Erster Druck: 1775. unter dem Titel , Erwin und Elmire ein 
Schauspiel mit Gesang. . . . [Folgen die in Nr. 745 wieder- 
gegebenen vier Verse.]* in der Monatschrift ,lrls. Zweyter 

so Band Düsseldorf 1775* (Stück 3, März) S. 161—224. 

Zioeiter Druck : 1775, vom Satz des ersten Drucks, nach Ver- 
besserung einzelner Druckfehler und Aenderung der Sei- 
tenzahlen, in 50 Exemplaren besonders abgedruckt; auf 
dem Titelblatt ist nach den Versen hinzugefügt: Frank- 

25 fürt und Leipzig, 1775. 

Ausser dieser anonymen Sonderausgabe erschien, gleich- 
falls mit der Bezeichnung: Frankfurt und Leipzig, 1775, 
ein Di-uck mit dem Zusatz: von J. W. Göthe. auf dem 
Titelblatt (nach den Versen). 

80 — Nachdem im Jänner-Stück des «Teutscben Merkurs 

vom Jahr 1776* S. 9 f. zwei .Neue Arien zur ersten Scene 
in Erwin und Elmire* (unterzeichnet: G.) erschienen wa- 



410 ERWIN UND ELMIRE. 

ren, wurden am 15. Mai 1776 bei GlüsiDg in Weimar, 
als Textbtichlein für die Aufführong, in 500 Exemplaren 
gedruelct: , Arien und Gesänge aus der Operette Erwin und 
Elmire. [Holzsehnittrignette: Altar und opferndes Mäd- 
chen.] Weimar 1776*. (Der irrige Ausdruck „Damach" in 5 
W. 38, 461 ist nach dem eben Gesagten zu berichtigen.) 
Vgl. die Grenzboten 1873 3. 5. 

Ebenfalls 1776, ohne Angabe des Jahres erschien .Erwin 
undElmire, ein Schauspiel mit Gesang, von GOETHE; in 
Musik gesetzt, . .v<hi Andre. OflTenbach am Mayn. bey lo 
dem Verfasser, . .* (vgl. Andres „Nachricht" vom 7. Au- 
gust 1775 bei Braun 1, 122). 

Dritter Druck: 1842, Werke N. 17, 101—141 (Werke Cotta» 
Band 57). 

WeifMrer Ausgabe: 1897, W. 38, 69-106 und 459-477 (wegen w 
der Stellung vgl. 97, 24r-29). 

II. Zweite Fassung: als Singspiel. 

Handschriften: 1. Niederschrift von Goethes eigner Hand, wäh- 
rend des Aufenthaltes in Italien, Herbst 1787 entstanden 
(vgl. GJ. 13. 266 f.). ao 

2. Abschrift von der Hand eines Schreibers; nach ihr 
wahrscheinlich wurde die nicht bekannte Vorlage für den 
ersten Druck hergeeteUt. 

— Die von R. M. Werner (W. 11, 426) im Hinblick auf 
121, 28—30 als Paralipomenon zur zweiten Fassung ange- 25 
sehenen Verse haben mit dieser gewiss nichts zu thun, 
sondern beziehen sich auf eine, etwa von einem der 
Freunde In Rom (Angelica KaufFmann?) entworfenen oder 
ausgeführten, bildlichen Darstellung (was Werner auch 
für möglich hält). so 

Erster Druck: 1788, Schriften 5, 325—388. Gleichzeitig gab der 
Verleger den selben Druck (die Signatur der Bogen ,Goe- 
the*8 W. 5. B.* ist entfernt) als Einzelausgabe heraus unter 
dem Titel: , Erwin und Elmire.' Ein Singspiel. Von Groethe. 
Ächte Ausgabe. Leipzig, bey Georg Joachim Göschen, S5 
1788*. 

Zweiter Druck: 1808, Werke Cotta* 7, 87— 132. 

Dritter Druck: 1816. Werke Cotta» 8, 87-132. 

Vierter Druck: 1827, Werke Cotta» 10, 287—332. 

Weimarer Ausgäbe: 1892. W. 11. 285-330 und 424—440; wegen 40 
der Stellung vgl. 98. 25-29. 



1778 ERWIN UND ELMIRE. 411 



Uebersicht der Aufführungen im 
Herzoglichen Liebhaber-Theater zu Weimar. 



1. 1776 Mai 24. 

2. ^ Juni i. 
8. M Juni 10. 

4. n September 10. 

5. „ November 21. 



6. 1777 Februar 26 (?). 

7. „ Mftrz 1. 

8. 1778 Februar 28. 

9. „ Februar 27. 



1778. 

?] [November Ende, Frankfurt.] 741 

10 Ich habe gar keine Zeit, meine Sinnen zu sammeln, 

und habe dazu ein Stückchen Arbeit^ angefangen, stricte 
für Sie und alle lieben Seelen, die Ihnen gleichen, nicht 
zur Nahrung, doch aber hoflE' ich zur Ergötzung. 
Auf Fassnacht könnt's anmarschiren, wenn die Sterne 
15 nicht gar grob zuwider sind. 

An Elisabeth Jacobi. — Br. 2, 128, 3-8. 

IDecember 25, [Frankfurt]* 742 

[Nr. 112. — ]. Obiges Lustspiel* ist ohne grossen Auf- 
wand von Geist und Gefühl, auf den Horizont unsrer 
20 Acteurs und unsrer Bühne gearbeitet. Und doch sagen 



* Nach dem Register Br. 7. 477 unbestimmt; nach E. v. d. Hel- 
len mit Nr. 803 auf ,B. u. E.* zu beziehen (Briefe vdH. 1, 152, 
27. 164. 16). Die Möglichkeit, dass das „Stückchen Arbeit" 
das „versprochne Passnachtsstttckel*' (s. 427, 7), und hier 

26 wie in Nr. 743 das ,Fastnachtsplel von Pater Brey* gemeint 

sei, scheint offen zu bleiben, vgl. besonders die Ausführungen 

Scherers GJ. 1, 87 f. 

' Im December schickt Goethe das Liod „Auf dem Dorf und 

in der Stadt" an Johanna Fahimer („Anbei sende das Lied- 

30 lein unter den bekannten Bedingnissen", Br. 2, 131, 7 f.), das 
er später in ,E. u. E.' eingelegt hat (s. W. 38, 92 f.); ob es aber 
für das Stück gedichtet wurde, ist ganz ungewiss. Auf das 
selbe Lied werden In G.-Fahlmer S. 47 und wohl auch im Re- 
gister Br. 7, 470 bezogen die Worte: „Hier ist eine Romanze" 

86 in Goethes Brief an Joh. Fahimer von Ende Januar 1774 
(Br. 2, 141, 7). 

• Vgl. den Ausdruck ».komische Oper" 442, 6. 



412 ERWIN UND ELMIRE. 1773 

][Deoeinber 25, [Frankfurt] [T4S] 

die Leute,^ es wären Stellen drin, die sie nicht prästiren 
würden. Dafür kann ich nachher nicht. 
Ihr sollt's im Manuscript haben. 
An J. C. Kestner. — Br. 2, 113, 23— 114. 4. 5 

?]December 31, [Frankfurt.] 743 

Auf Fassnacht bleibt^ s dabei kommt was angefahren.' 
An Elisabeth Jacobi. — Br. 2. 138. 9. 

177«. 

*Jull 20. zwiscbeu Andemacb und Bonn. 744 it 

Goethe las uns [Lavater imd Schmoll] aus seiner ,E1- 
mire^, einer Operette, . . 

Mit Lavater. — S^dGG. 16, 313, 6 (Lavatei-s Tgb.). 
?] [August Mitte, Frankfurt] — s. Nr. 267. 744a 

1775. 15 

] [Januar, oder Febniar Anfang. Frankfurt?] 74Ö 

Den kleinen Strauss, den ich dir binde. 
Pflückt' ich aus diesem Herzen hier. 
Nimm ihn gefällig auf. Belinde, 
Der kleine Strauss, er ist von mir.* » 

Gedichte (Nachlasö), An Personen. — W. 4, 202. 



^ Mitglieder der Marchandschen Theater-Gesellschaft in Frank- 
furt. 

* Vgl. 411, 14 f. 23-27. 

* Worauf Düntzers Behauptung (Goethes Leben S. 207) sieb 35 
gründet: Goethe habe bei seiner RUckfahrt von Ems nach 
Frankfuit am 30. Juni 1774 ,Erwln und Elmlre* „Im Wagen 
fast zu Ende geführt", weiss ich nicht (vgl. aber Br. 2, 183, 
19 f.). — Lavater hatte, wie es scheint, von Frankfurt nach 
Ems eine Handschrift des Stückes mitgenommen; sein Tage- so 
buch vermerkt unter Juli 12: „Ich erhielt einen Brief . . von 
Goethe . . . Eine Beilage aus einer Operette. Ich las . . Goethes 
Operette" (SdGG. 16, 296, 30—35); oder schickte Goethe die 
Handschrift jetzt als Beilage zu seinem (nicht bekannten) 
Briefe? 36 

* Widmungssi rophe an Lili Schönemann (Beilüde) für den 
Druck von .E. u. E.- (vgl. 409, 16—19.) 

— SachUch gehört in diese Zeit Nr. 232 und 797. — F. H. 



1775 ERWIN UND ELMIRE. 413 



?Janiiar 13, Frankfurt — 745 a 

s. ,Fau8t* ügD. (an Knebel.) 
Februar 4, Frankfurt — s. Nr. 116. 740 

] [Februar zwischen 10 und 12, Frankfurt.] 747 

6 Hier das beigehende Gesiegelte ist für Rosten. Eß 

enthält fünf Bogen Operette. Spediren Sie's doch un- 
verzüglich, wenn nicht mit andern Sachen — gleich 
allein — mit der reitenden.^ Hier sind auch einige 
Bogen Abschrift. Wenn Sie ja copiren wollen, copiren 
10 Sie nicht mehr als die erste Scene für Georgen, etwa 
die zweite noch. 

An Johanna Fahimer. — Br. 2, 232, 12—18. 
?Februar 18, Frankfurt — 747 a 

0. »Stella* ugD. (an Aug. zu Stolberg.) 
16 ] [Februar Mitte, Frankfurt] 748 

Ich schreib^ an der Operette. Sobald Sie können, 
schicken Sie mir — Oder vielmehr schicken Sie mir den 
zweiten Bogen, den Sie haben, nur auf eine Stunde, 
dasfi ich den kann ausschreiben lassen.* Dann können 
20 Sie ihn behalten, so lang Sie wollen. 

An Johanna Fahimer. — Br. 2, 235, 7—12. 



Jacobi an Wieland. 1775 März 22: „Da fällt mir eben ein, 
dass Gk>ethe an demselben Abend, da er die ,Freuden Wer- 
thers* erhielt [etwa Ende Januar 1775, als Jacobi bei Goethe 

16 in Frankfurt war, vgl. Epos 2, 523, 16—19. 633, 22—26], die 
Arie in ,Erwin und Elmire' machte: 

Ein Schauspiel für Götter etc. [W. 38. 89, 19-90, 6.] 
Es ist nicht zu sagen, wie wenig empflndlich er über Kritik 
ißt** (,Friedrich Heinrich Jacobi's auserlesener Briefwechsel. 

80 In zwei Bänden. Leipzig, bei Gerhard Fleischer. 1825*, 1, 206). 
* Statt „reitenden** (Post) hatte Goethe erst „fahrenden** ge- 
schrieben. — Rost (= Wilhelm Heinse), mitthätig bei der Her- 
ausgabe der Zeitschrift ,Iris*, an J. G. Jacobi Februar 21: 
„Jetzt hab* ich zween Bogen Correctur vor mir liegen, in 

36 €k>ethens Operette Komma, Kolon, Semikolon und Punctum 
KU machen, Ausrufungszeichen in Fragezeichen zu verwan- 
deln, 2z in tz** (W. 38. 420). 

Ob die beiden folgenden Sätze sich mit auf ,E. u. B.' be- 
ziehen, ist zweifelhaft 

40 « Die einzelnen Rollen für eine Aufführung? (vgl. 415. 12-80.) 
Im ersten Druck umfasst die Dichtung genau 4 Bogen. 



414 ERWIN UND ELMIRE. 1775 



Februar 17, Frankfurt. 749 

. . fleissig war ich eben nicht zeither. Die Prühlings- 
luft, die so manchmal schon da über die Gärten herweht, 
arbeitet wieder an meinem Herzen, und ich hoffe, es 
löst sich aus dem Gewürge wieder was ab. Habe lieb, s 
was von mir kommt.^ 

An Bürger. - Br. 2. 237. 12-16. 
?März [7, Offenbach.] — 749 a 

B. »Stella* VLgD, (an Aug. zu Stolberg.) 
März 21, [Frankfurt.] 750 M 

Danke Dir für alles, ,E r w i n^ G e 1 d pp. ... Du 
wirst nun wohl Abdrücke von den Arien* haben . . 
An F. H. Jacobi. — Br. 2, 246, 17. 247. 5 f. 
][März 80. Frankfurt.] 751 

Hier ,E r w i n^' is 

An Johanna Fahimer. — Br. 2. 251, 1. 
][Mai 16. Mannhelm.]' 752 

. . wenn ,Erwin^ aufgeführt wird, bitt' ich doch um 
eine Relation. Denn eine Farce gibt's doch. — Und ob 
lili drin war? Und sonst." «o 

An Johanna Fahimer. — Br. 2, 264, 3—6. 
Mai 24. bei Strassburg. 758 

Hoffe von der Vorstellung ,Erwins' — , kein Wort als 

Autorl • 

An Johanna Fahimer. — Br. 2. 264. 14 f. S5 

][Junl 5. Emmendingen.] 754 

Danke herzlich, liebe Tante, für die Nachricht des 
herrlichen Tragirens, ... Sie haben's sehr lebhaft ge- 

* Den ersten und den letzten Satz dürfen wir jedenfalls mit 
auf .E. u. E.' beziehen; im üebrlgen ist wohl mehr an .Stella' so 
(und .Faust*?) zu denken. 

* Beziehung zweifelhaft. 

* Wahrscheinlich, wie in Nr. 750, Exemplare des Sonderab- 
drucks aus der .Iris'. 

* Am 15. hatte Goethe mit den Grafen Stolberg und Haugwitz 35 
seine Reise nach der Schweiz angetreten. 

* Vgl. Nr. 753. 754. 
« Vgl. Nr. 752. 754. 



1775 ERWIN UND ELMIRE. 415 

][Jaiii 5, EmmendiDgren.] [764] 

• fühlt, und sehr dramatisch erzählt. Mir war^s lieber, 
als die Vorstellung selbst.^ 

An Johanna Fahimer. — Br. 2, 266, 8 f. 13—15. 

6 177«. 

Mai 16, Weimar. 75Ö 

Probe ,Ebnire'.2 
Tgb. 1, 13, 1. 
Mai 24, Weimar. 756 

10 [Abends Vorstellung von] ,Erwin und Elmire^* 

Tgb. 1, 13, 13 f. 



^ Dase es sich hier um die gleiche Vorstellung handelt, wie in 
Nr. 752 und 753, also um ,E. u. E.', ist nicht zu bezweifeln. 
Weniger gewiss scheint es, ob eine Liebhaber-Aufführung in 

15 Goethes Freundeskreise gemeint ist, oder die erste öffent- 
liche Vorstellung durch die Marchandsche Truppe. Die letz- 
tere fand nach E. Mentzels Darlegungen nicht Ende Mai 
Statt, sondern erst am 13. September (,Festschrif t zu Goethes 
150. Geburtstagsfeier dargebracht yom Freien Deutschen 

ao Hochstift Frankfurt a. M. Druck und Verlag von Gebrüder 
Knauer 1899' S. 176 f.). Die von Mentzel vorgebrachten 
Innern und äussern Gründe haben viel für sich, nur 
dürfte durch den Ausdruck des Theater-Zettels vom 13. Sep- 
tember (ein Facsimile davon findet sich a. a. O.) : „Eine gantz 

26 neue Original- Operette^^ nicht ganz unbedingt erwiesen sein, 
dass das Stück an diesem Tage zum ersten Male gegeben 
wurde. Wenn durch etwa künftig noch zu Tage tretende Zeug- 
nisse endgültig bewiesen werden sollte, dass es sich in Nr. 
752—754 um eine Liebhat)er-Aufführung handelt so würden 

80 auch die Worte 413, 17—19 verständlicher werden. 

Die Besetzung der Rollen bei der Frankfurter Vorstellung 
vom 13. September 1775 war muthmasslich folgende: Olym- 
pia Frau Urban, Elmire Frau Brochard, Bemardo Herr Mar- 
chand, Erwin Herr Huck (der Zettel nennt die Namen der 

35 Darsteller nicht); voran ging Lesslngs Lustspiel ,Die Juden*. 

* Die Vorstellung wurde wegen des Todes der Grossfürstin 

(Schwester der Herzogin Luise) verschoben; die im Tgb. nicht 

verzeichnete Hauptprobe fand am 23. Statt. Wegen des bei 

dieser (Gelegenheit ausgegebenen Druckes s. 410, 1—5. 

40 • Mit der Musik der Herzogin-Mutter Anna Amalia (vgl. SdGG. 



416 BRWIN UND ELMIRE. 1776 



Juni 4, Weimar. 757 

[Abendß Vorstellung von] ,Erwin und Elmire'. Ge- 
witter.^ 

Tgb. 1. 13. 24. 
Juni 7, [Weimar.]« 768 5 

Hier ein ,Erwin^' Schicken Sie äsa Ihrige der Wer- 
them. . . . Meiner Schwester möchf ich eine Abschrift 
der neuen Melodie schicken. 

An Ch. V. Stein. — Br. 8, 76, 3 f. 7 f. 
Juni 10, Weimar. 750 lo 

[Abends Vorstellung von] ^Erwin und Elmire^** 
Tgb. 1, 14, 15. 

1777. 

Januar 6, Weimar. 760 

[Abends] Bei Musäus. zur ,Elniire* Probe des ,Tviore^ i5 
[von Goldoni].'^ 
Tgb. 1, 30, 14 f. 



11, 134 f. zu Nr. 13 und O.-Stein 1, 490 Anm. 2 zu S. 37); die 
Rollenbesetzung soll nach dem ,Berlinischen Iiitterarisch^i 
Wochenblatt* vom 3. August folgende gewesen sein: Olympia ao 
Frau Wolf. Elmlre Frau Steinhart, Bemardo ?, Erwin Herr 
Seidler (nach Braun 1, 290). 

* VgL 415, 40-416, 22 und Goethes Tagebücher S. 22. 

* Das Datum ist nach G.-Stein 1, 490 (Anm. 4 zu S. 37) be- 
richtigt 25 

» Doch wohl nicht der (G.-Stein 1, 490 vermuthete) Himburg- 
sche Nachdruclt In zweiter Auflage von 1776, sondern ein 
Exemplar des 410. 1—5 beschriebenen Druckes der Arien 
und Gesänge; die beiden neuen Lieder für die Rollen von 
Blmire und Olympia (W. 38, 465 f.) hatte die Herzogin-Mutter so 
ebenfalls componlrt; eine dieser Compositionen mag im Fol- 
genden (Z. 7 f.) gemeint sein. 

* Vgl. 415, 40— 416, 22. — Der weiteren AulTührungen in diesem 
Jahre gedenkt das Tgb. nicht (wegen der vom 21. 'Sovemtieit 
Tgl. die ,Geschwister* ugD.). S5 

* Die nachlMssige Interpunction des Tgb. ist beibehalten; nach 
Keil S. 119 hielt Goethe bei Musäus mit Corona Schröter eine 
Probe ab für die nächste Aufführung, in der Corona die Bl- 



1777 ERWIN UND ELMIRE. 417 

März 1, [Weimar.] 7C1 

Einmal woUt^ ich kommen zum zweiten Act^ will 
aber reiten. 

An Oh. V. Stein. — Br. 3, 138, 2 f. 

5 März 1, W^mar. 702 

[Abends Vorstellung von] ,Brwin und Elmire^* 
Tgh. 1, 84, 2i. 

1778. 

Februar 27. Weimar. 768 

10 [Abend» Vorstellung von] ,Brwin und Ehnire^ 

Tgb. 1, 68. 1. 

1783. 

] [Februar oder März erste Hälfte, Weimar.] 764 

*Im Possenspiel regt sieh die alte Zeit, 
16 Gutherzig, doch mit Ungezogenheit. 

Und oftmals liehen Wärme, Leben, Glanz 

Dem armen Dialog — Gesang und Tanz. 

Des Camevals zerstreuter FUtterwelt 
20 Ward sinnreich Spiel und Handlung zugesellt. 

Dramatisch selbst erschienen hergesandt 

Drei Könige aus fernem Morgenland; 

Und sittsam bracht^ auf reinlichem Altar 

Dianens Priesterin ihr Opfer dar. 
26 ,Auf Mledlngs Tod* V. 156 f. 15^-166. - W. 16, 138 f. 

1785- 

December 23, Weimar. — 766 

B. »Scherz, List und Rache* ««D. (an Kayser.) 



mlre edngen sollte; Düntzer liest (Goethes Tagebücher S. 62): 
80 „Zur Elmire." und denkt an Zusätze, die Goethe für die 
nächste Aufführung gemacht oder geplant habe. 
* VgL 415, 40; Corona Schröter spielte die Blmlre (vgl. 416, 37); 
als Gast war Herzog Ferdinand von Braunschwelg anwesend. 
' In dieser poetischen Schlldemng des Repertoires der Wei- 
ss manschen I/iebhaberbühne fbls Januar 1782) beziehen sich 
Z. 17 f. auch auf Goethes eigene Singspiele, vgl. zu dem Aus- 
druck „armer Dialog*' das 418, 29 f. über ,E. u. E.* Gesagte. 
Grftf, Goethe fiber s. Diehtungen. T. II, B. 1. 27 



418 ERWIN UND ELxMIRE. 1786 

178«. 

Januar 23, Weimar. 766 

Mit ,Erwin und Elmire^ habe ich vor, statt Mutter 
und Bemardo noch ein Paar junge Leute einzuführen, 
die auf eine andre Weise in Idebes-Üneinigkeit leben, s 
also zwei Intriguen, die sich zusammenjBchlingen und 
am Ende beide sich in der Einsiedelei auflöeen. Vom 
Gegenwärtigen bliebe nichts, als die singbarsten Stücke, 
die Sie auswählen könnten.^ 

An Kayser. — Br. 7, 168, 5—11. lo 

] [Juni 28, Weimar.] — s. 104, 9. 767 

JuU 6, Weimar. — s. Nr. 146. 767 a 

September 2, Karlsbad. — s. 105, 4—7. 25- 106, 7. 767 b. c 

December 12. 16, Rom. — s. Nr. 149. 150. 767 d. e 

1787. 15 

] [Januar 13, Rom.] — s. Nr. 383. 767 f 

Januar 13, \ _ x- ici ic« ^*^ 

„ , ^ « ? Rom. — s. Nr. 151—153. 767 g—i 

Februar 2. 6, I 

] [Februar vor 16. Rom.] — s. Nr. 154. 767 k 

Februar 20, Roui. - s. 108, 23 f. 109, 2 f. 707 1 » 

Mai [29], Neapel. — s. Nr. 156. 767 m 

Juni 8, Rom. — s. Nr. 157. 767 n 

August 11. 15. Rom. — s. 110, 21—23. 111, 16—18. 767 o. p 

] August 18, Rom. — s. Nr. 399. 767 q 

September 6, Rom. — a 212, 16. 767 r 25 

September 14, Rom. 768 

,Erwin und Ehnire' ist zui" Hälfte schon umgeschrie- 
ben. Ich habe gesucht, dem Stückchen mehr Interesse 
und Leben zu verschaffen,* und habe den äusserst plat- 
ten Dialog ganz weggeschmissen. Es ist Schülerarbeit » 
oder vielmehr Sudelei.* Die artigen Gesänge, worauf 
sich Alles dreht, bleiben alle, wie natürlich. 

Italienische Reise. Zweiter römischer Aufenthalt (unt^ 
obigem Datum). — WH. 24, 397. 



^ unter Kaysers »Gesängen mit Begleitung des Clavlers*, die » 
schon 1777 erschienen, finden sich vier Lieder aus ,B. u. B.' 
(vgl. SdGG. 11, 135 unter Nr. 17 und G.-Kayser S. 10 Anm. 3). 

« VgL Nr. 766. 

• Vgl. 417, 17 f. 



17S7 ERWIN UND ELMIRE. 419 



October 1, Frascatl. — s. Nr. 164. 768 a 

October 12, Castel Gandolfo. 769 

,Erwin und Elmire^ ist so gut als fertig; es kommt 

auf ein paar schreibselige Morgen an; gedacht ist Alles. 

5 Italienische Reise, Zweiter römischer Aufenthalt (unter 

dem Datum: „Castel Gandolfo, den 8. October, eigentlich den 

12."). — WH. 24. 416. 

October 24, Rom. — s. Nr. 166. 769 a 

] [October 27, Rom.] — s. 213, 12. 770 

10 October 27, 



.,1 



wo«.. Rom. — s. Nr. 168-171. 770 a-d 

November 3. 24, 

] [November, Rom?] — s. Nr. 172. 770 e 

December 8, Rom. — s. Nr. 173. 770 f 

][December 8, Rom.] — s. Nr. 174. 770 g 

16 1788. 

Januar 10, Rom. 771 

^Bei ,E r w i n^ muss ich noch bemerken, dass Du^ das 
trochäische Sylbenmass, besonders im zweiten Act,' öfter 
finden wirst; es ist nicht Zufall oder Gewohnheit, son- 
20 dem ^ aus italienischen Beispielen genommen. Dieses 
Sylbemnass ist zur Musik vorzüglich glücklich, und der 
Componist kann es durch mehrere Tacte und Beweg- 
ungsarten dergestalt variiren, dass es der Zuhörer nie 
wiedererkennt. Wie überhaupt die Italiener auf glatte, 
25 einfache Sylbenmasse und Ehjrthmen ausschliesslich 
halten. 

Italienische Reise, Zweiter römischer Aufenthalt (unter 

obigem Datum). — WH. 24, 463. 

Janiiar 12, [Rom.] — s. Nr. 418. 772 

so Januar 25, Rom. — s. 119, 2 f. 773 

Januar 26. [Rom.] — s. 119, 25—30.* 774 

* Das unmittelbar Vorhergehende. Nr. 175, bezieht sich gleich- 
falls auf ,Erwin*. 

* Herder. 

85 • Vgl. Düntzers Anmerkung WH. 24, 911. 

* Knebels Tagebuch Januar 29: „Nachmittags bei Frau v. 
Stein.. .Erwin* ** (G.-Steln 2. 607 Anm. 5 zu S. 309). — Vogel 



420 ERWIN UND BLMIRB. 1788 

Februar 9, Rom. — s. 120, 28—25. 775 
Februar 9, Rom. — & Nr. 182. 183. 186. 775 a— c 

Februar 9, Rom. — s. 121. 28. 128, 8. 776 

] Februar 16, Rom. — & 124, 7. 777 

April 6. Rom. — & Nr. 190.* 777a 5 

Juli 15. 21, Weimar. — & Nr. 191. 192. 777 b 

September 1, Weimar. — e. 480, 4—7. 777 c 

1790. 

Februar 28, Weimar. 778 

Ihre Bearbeitung von ,ElDttüren* freut mich sehr,* und lo 
wünschte^ Sie hier bei mir schon am Clayiere zu sehen. 
An J. F. Reichardt - Br. 9, 181, 14-16. 

October 25, Weimar. — s. Nr. 198. 778 a 

1791. 

März 10, Weimar. — s. Nr. 199. 779 ii 

Mai 80, Weimar. 780 

Die Partitur von ,Erwin und Elmire* ist in meinen 
Händen. Dsa Geld dafür, . . werde ich Ihnen nächstens 
übersdiicken. Die Aufführung jenes Stücks, so wie der 
jClaudine*, wird wohl bis auf künftigen Winter anstehen m 
müssen.* 

An J. F. Reichardt. — Br. 9, 268, 6—10. 
Juli 4. Weimar. — s. Nr. 201. 780 a 

1793. 

Juli 29, Weimar. — s. ,Gro8»-Cophta' ugD. (an Reichardt) 7S1 » 



liquidirt Februar 9: für Abschrift yon 18 Bog&a ,B. u. B.\ 

März 20: für Abschrift von ,E. u. B.* „sum sweit^i Male» 

zur Musik bestimmt« (Burkhardt II S. 4 f.). 
» Zwischen Nr. 190 und 191 Ist als Nr. 190 a unter: Juni 20 oder 

80, Weimar, die versehentlich ausgefallene Stelle SdGG. 5, » 

228 Nr. 1 einzuschalten. 
' Reichardta Brief darttber ist nicht bekaunt. 
' Zu einer Aufführung von ,E. u. E.' kam es nidit, wegen ,OIaii- 

dine* vgl. 98, 80 f. 



1793 ERWIN UND ELMIRE. 421 

1798. 

November 18, Weimar. 782 

Haben Sie Dank für ,Erwin tmd ElmireS . .* 
An J. P. Relchardt - Br. 10, 128, 19 f. 

6 179«. 

Jimi 14, Weimar. 783 

•Als Vortrab schicke ich hier verschiedene Kleinigkei- 
ten, die ich, der bequemen Uebersicht Willen, sogleich 
in verschiedene Päxdctchen separirt habe. 
10 ... Nr. 4. Ein Monstrum absurditatis, woran Sie wohl 

den Jüngern Göchhansen erkennen werden.* Das 
Schlimmste ist, dass in der Idee etwas Wahres liegt. 
An C. G. Voigt — Br. 11, 96, 19-22. 97, 13-15. 

1797. 

16 August 21, Frankfurt. — s. Nr. 206. 783 a 

ISO». 

] [Januar 18? Jena.] — s. 7, 2—5. 784 

1805. 

Mai 1, Weimar. — s. 63, 19. 785 

20 180«. 

Februar 24, Weimar. — s. Nr. 543. 785 a 

Juni 20, Jena. - s. Nr. 209. 786b 



* Band 1 von Reichardts ,Musilt zu Goethes Werlten* (die 
Widmung an Goethe & Beichardt 1, 617 f. und Düntzer: 

25 Freundeskreis S. 187); über die Wirkung der Aufführung in 
Berlin vgl. Beichardt 1, 621-624. 

* Böttiger an Wieland Juni 6; „Jetzigen Freitag [10.] wird 
man die Herzogin mit ,Brwin und Elmire' überraschen, wobei 
die Göchhausen die Theaterdirectlon hat, und die Wolfskeel 

80 zur grossen Augenweide unserer Plsistratiden als Erwin eine 
BeinkleiderroUe spielen wird" (GJ. 4, 324); Wielands Antwort 
hierauf vom 15. Juni s. Böttiger 2, 156. 

* „Bitte um üeberlassung des Theaters zu einer Liebhaber- 
AulTührung von ,B. u. B.', mit Beischluss eines Bntr^Billets" 

35 (Br. 11, 821). 



422 ERWIN rXD ELMIRE. 1806 

?Jull 17. 29. 31, Karlsbad. — s. Xr. 210-212. 785c-~€ 
Aü^at 18, Jena. — s. Nr. 213. 785 f 

August 19. Jena. — s. 186, 11. 786 

TSeptem^r 2. | ^^^^^ _ ^ ^._. ^^^ ^le. 786a. b 
October 24, J 5 

October 26, Weimar. — s. 137, 24. 787 

October 27 28. | ^^,^^^ _ ^ ^.^ 21^222. 787 a-e 
December 8. 9, J 

1807. 

Januar 23, Weimar. — s. Nr. 223. 787 f lO 

August 80. Karlsbad. — s. Nr. 224. 787 g 

December 16, Jena. — s. Nr. 225. 787 h 

1808. 

August 7, Karlsbad. — s. Nr. 92. 787 i 

181 3. 15 

] [Mai zweite oder Juni erste Hälfte? Karlsbad?] — 788 

8. 178. 28. 
November 12, Jena. — s. 9, 3. 789 

1814. 

] [April 10. Weimar, oder Mai 14, Berka.] — 789a 20 

[Zu 1786 Ende Juli, August.] s. ,Iphigenie auf T.* ugD. 
(Ital. Reise.) 

1815. 

Februar 20, Weimar. — s. 12, 16. 790 

][AprU, oder 1816 JuU Mitte, Weimar.] — 790 a 26 

[Zu 1787 Februar 16.] s. 142, 7—10. 



181«. 




][? ? ?] — s. Nr. 282, 


791 


Februar 13, Weimar. — s. Nr. 820. 


791a 


MMrz 11. 25. ^ 


SO 


October 15, Weimar. — s. Nr. 286-239. 


791 b-e 


November 14. 





1819. 

][ Februar 14, Weimar.] — s. 146. 8-12. 148, ^-18. 792 

Mili-z [Anfang], Weimar. — s. 16. 19 f. 798 35 



1823 ERWIN UND BLMIRE. 423 

1828. 

] [Januar, zwißchen 10 und 19, Weimar.] — 703 a 

[Zu 1806.] 8. Nr. 100. 
August zwischen 11 und 21, Marienbad. — s. 149, 7. 794 

6 1825. 

Mai 7, Weimar. — s. Nr. 244. 245. 794 a. b 

1826. 

Februar 1, Weimar. — s. 30, 16 f. 31, 21—25. 795 

1827. 

10 Januar 27, 

Februar 17. 18. 19, 



T^j. -o , Weimar. - s. Nr. 247-252. 795 a-h 

März 12, \ 

April 4. -'54.255. 

Oetol)er 24. 25. 

15 1828. 

August 15, Dornburg. — s. Nr. 256. 796 

1829. 

April 5, Weimar. — s. 154, 6-11. 796 a 

1880. 

ao ] [zwischen November 9 und 1831 Januar 21, Weimar.] 797 

[Zu 1773—1775.] ^Die Oj^er ,Erwiii und Elmire' war 

aus Goldßmiths liebenswürdiger, im ,Landprediger von 

Wakefield* eingefügter Bomanze^ entstanden, die uns' 

in den besten Zeiten vergnügt hatte, wo wir nicht ahne- 

25 ten, dass uns etwas Aehnliches bevorstehe. 

Dichtung und Wahrheit Theil 4 Buch 19. — W. 29, 160, 
19-28. 
December 17, Weimar. — a Nr. 259. 797 a 

1881. 

80 Juni 7, Weimar. — s. Nr. 260. 797 b 

September 16, Weimar. — s. 442, 6 f. 797 c 



* rnmittelbar vorher führt Goethe Erwins Lied „Ihr verblü- 
het, süsse Rosen!" im Wortlaut an. 

* Die Ballade von Edwin und Angelina (Burchell liest sie vor, 
86 Capitel 8). 

* Goethe und Lill. 



Der Falke. 



Handickr^ten: Bruchstück eines Gesprächs des Helden (Fe- 
derigo?) mit seinem Freunde Horatio (nach E. Schmidts 
Vermathung); Ooncept von Goethes EUmd. 

Weimarer Ausgabe: 1897, W. 38, 493, 1—14, Nr. 24 d«r „Späne". 5 



1776. 

August 8. Ilmenau. 796 

[Früh.] Heut will ich auf den Hermannstein, . . . 
Ich hab' an meinem ,Falken* geschrieben, meine Gio- 
vanna* wird viel von Lili haben, Du erlaubst mir aber lo 
doch, dass ich einige Tropfen Deines Wesens drein 
giesee, nur so viel es braucht um zu tingiren. Dein Ver- 
hältniss zu mir ist so heilig sonderbar, dass ich erst 
recht bei dieser Gelegenheit fühlte: es kann nicht mit 
Worten ausgedrückt werden, Menschen können's nicht i6 
sehen. Vielleicht macht mir's einige Augenblicke wohl, 

^ Der Name weist unzweideutig auf die litterarische Quelle, 
der Goethe den Stoff entlehnte: Boccaccios Novelle vom Fal- 
ken im ,Decamerone', wo Federigos Geliebte Monna Giovanna 
heisst Im gleichen Jahre 1776 wurde der Gregenstand von 90 
einem Anonymus als Lustspiel behandelt auf die Bühne ge- 
bracht (in Anlehnung an Hagedoms gereimte Erzählung ,Der 
Falke*, die ihrerseits auf La Fontalnes Wiedergabe von Boc- 
caccios Novelle zurückgeht), vgl. «Boccaccios NoveUe vom 
Falken und ihre Verbreitung in der Litteratur. . . . Von «6 
Rudolf Anschütz. Erlangen. Verlag von Fr. Junge. 1892* (Er- 
langer Beiträge zur englischen Philologie, XIII) S. 12—19 und 
den Aufsatz von K. Bartsch in der ,G^enwart' (1876) 9, 109 f. 



1776 DER FALKE. 425 



[Augiut 8, nmenaa.] [796] 

meine verklungenen Leiden wieder als Drama zu 
verkehren. . . . 

[Nachmittags.] . . . Von meinem Morgen auf dem 
ft Hennannstein sollst Du was sehen, vielleicht auch was 
lesen.^ 

An Ch. V. Stein. — Br. 8, Ö3, 24. 94, 7—17. 20-22. 
August 10, Ilmenau. 799 

Einsiedeln vom ,Falken* erzählt. 
10 Tgb. 1. 19. 13 f. 

August 11, Ilmenau. 800 

[Früh] Zu Hause. Den Vortrag des ,Falken^ erfun- 
den, gleich zur Probe geschrieben. 
Tgb. 1. 19, 15 f. 
IS August 12. [Ilmenau.] 801 

Ich hab' am ,Falken* geschrieben und hoflfe, was zu- 
sammen zu bringen. 

An Ch. V. Stein. — Br. 8, 96. 18 f. 

August 12. Ilmenau. 802 

20 Den ganzen Tag zu Hause. Am ,Falken^ geschrieben.* 

Tgb. 1, 19. 20 f. 



^ Dass Goethe an diesem Tage nicht am .Falken* weiter 
schrieb, ist nach der (am Abend geschriebenen) Fortsetzung 
des Briefes wahrscheinlich: „Ich hab' heute den ganzen Tag 

88 für Dich gezeichnet, . ." (Br. 8. 94, 24 f.) 

* Am 14. kehrte Goethe nach Weimar zurück; er wird hier 
mit Frau v. Stein öfters von seinem ,Falken* gebrochen ha- 
ben; und wenn Goethe am 18. September von Weimar aus an 
die in Kochberg Weilende schreibt: „Was ist denn Ihr Falke 

80 für eine Art?'* (Br. 8. 112, 7 f.), so darf man annehmen, dass 
Frau V. Stein mit Bezug auf seine Dichtung ihm von einem, 
in ihren Besitz gelangrten, lebenden oder ausgestopften Falken 
geschrieben habe. 




Fastnachtspiel vom Pater Brey. 



Handschriften: sind nicht bekannt. 

Erster Druck: 1774. unter dem Titel ,Ein Fastnachtsspiel, auch 
wohl zu iragieren nach Ostern, vom Pater Brey dem fal- 
schen Propheten. Zu Lehr Nutz und Kurzweil gemeiner 5 
Oristenheit, inaonders Frauen und Jungfrauen zum gold- 
uen Spieger, auf S. 61—96 des Werkes ^NeuerOfnetes mo- 
ralisch-politisches Puppenspiel. JEt prodesse vchmt et de- 
lectare Poetae, Leipzig und Frankfurt 1774*; aufgefasst 
als Bestandtheil des ,Pupi>enspiels\ und dessen Schluss lo 
bildend, während vorangehen: , Prolog*, ,Des Künstlers 
Brdewallen* und das »Jahrmarktsfest zu Plündersweilem*. 

Zweiter Druck: 1789, Schriften 8. 67—90. (Wegen des Titelkup- 
fers und der Vignette vgl. 432, 19—36). Ob die Dichtung 
hier, nebst dem , Prolog zu Bahrdt*, von Goethe als ein Be- u 
stand theil des «Puppenspiels* aufgefasst worden ist, wie 
im ersten Druck, oder nicht, muss dahingestellt bleiben, 
da die typographische Einrichtung hierüber nicht belehrt 
und Band 8 der Schriften kein Register hat; dass das 
, Fastnachtspier (Goethes Schreibung , Fastnachtsspiel* Ist 20 
im Text durchaus beibehalten worden) von den Freunden 
des Dichters als nicht wesentlich zum »Puppenspiel* ge- 
hörend angesehen wurde, dafür scheint 435, 27 f. zu 
sprechen. 

Dritter Druck: 18(kS, Werke Cotta^ 8, 273—289. S5 

Vierter Druck: 1817, Werke Cotta=^ 9. 289—305; das Register 
fasst »Pater Brey* und ,Satyro6* als Gruppe unter dem 
Titel »Fastnachtsspiel* zusammen, was jedoch in der 
Druckeinrichtung nicht zum Ausdruck kommt; ebenso in 
Druck 5. 80 

Fünfter Druck: 1828, Werke Cotta* 13. 57—74; vgl. Druck 4. 

Weimarer Ausgabe: 1894, W. 16, 57—73 und 412 f.; die Stellung 
wie in Druck 4 und 5; das Register fas«t ,Pater Brey' 
und »Satyros* nicht als Gruppe zusammen. 



1773 FASTNACHTSriEL VOM PATER BREY. 427 

1778. 

?] [November Ende, FranMurt] — s. Nr. 741.* 802 a 

?]December 81, [Frankfurt] — s. Nr. 743. 802 b 

177^. 

5 ?] [März, Frankfurt] 803 

. . . Sagen Sie Mamachen [Elisabeth Jacobi]^ das8 das 
versprochne Passnachtstückel nicht ausbleiben soll. Ich 
bin fleissig gewest, nur ist noch nichts produdbel, und 
ein bisschen früher und später thut doch in der Welt 
10 nichts, wo äas gar nicht so manchmal einem das 
Nachsehn lä^t.^ 

An Johanna Fahimer. — Br. 2, 153, 5—10. 

?Juni 27. Frankfurt, 804 

[Mittags.] . . Goethe recitirte auswendig mit der na- 

16 türlichsten Declamation Satyre auf Verschiedne. . . . 

[Nachmittags.] Er suchte die Satyren und fand sie 

nicht.' 

Mit Lavater. - SdGG. 16. 290, 5 f. 10 f. (Lavaters Tgb.) 

1786. 

20 ][Juni 28, Weimar.] — s. 104, 17. 805 

Juli 6, Weimar. — s. Nr. 146. 805 a 

September 2, Karlsbad. — s. 105. 4—7. 25— 106, 7. 805 b. c 



1787- 

Januar 18, 

26 Februar 2. 

Mai [29,] Neapel. — s. Nr. 156. 805 g 

Juni 8, 

August 

October 1, Fraseatl. — s. Nr. 164. 805 k 

30 October 24, Rom. — s. Nr. 166. 805 1 



^ I Rom. — s. Nr. 151-153. 805 d—f 

6, 1 



I Rom. — 8. Nr. 157 und 110, 21—23. 805 h. I 



» Sachlich gehören in die Zeit der Entstehung Nr. 343. 839. 844. 

o4D. o4o. o4:<7. 

* A'gl. Nr. 741 und 743 nebst Erl. Nach Briefe vdH. 1, 164, 15 
ist ,ErwiD und Blmlre' gemeint; im Register der Br. fehlt Jede 

86 Angabe einer Beziehung. 

• Von Satyren in dramatischer Form kommen femer In Frage: 
,Götter, Helden und Wieland*, »Jahrmarktsfest* und »Satyros*. 



428 FASTNACHl fJI'IEL VOM PA^CER BREY. 1788 



1788. 

Januar 25, Rom. — s. 119, 16—18. «06 

März 1, Rom. — s. ,Fau8t' ugD. (Ital. Reise.) 806 a 

März 21, Rom. — 8. 125, 22—24. 806 b 

April 5, Rom. 807 & 

Das Gedieht auf Miedings Tod hätte ich mit Freuden 
in der ,Pandora* gesehen, wenn nicht meine Absicht 
wäre, Michael den sechsten und achten Band [der 
,Schriften^] herauszugeben^ und Ostern mit dem rie- 
benten, welcher den ,Faust^ und also die grosse Giran- lo 
deP enthält, zu sehliessen. 

An Bertueh. — Br. 8, 869, 1—6. 
AprU 5, Rom. 806 

Da ich in der Hälfte Juni wieder in Weimar einzu- 
treffen hoffe, so werden wir wegen der übrigen Bände w 
[6 — 8 der ,SchriftenL^ Abrede nehmen können. Ich 
wünschte Michael den sechsten und achten Band 
herauszugeben und Ostern mit dem siebenten zu sehlies- 
sen.' 
Doch davon mündlich weiter. » 

An Göschen. — Br. 18, 27, 22—28, 3. 
Juli 15, Weimar. 800 

Ehe ich von Eom abging*' und selbst auf der Reise 
suchte ich zwei Bände [der ,SchriftenT, den sechsten 
und achten,* dergestalt voruzbereiten, dass solche noch 25 



* Und für Band 8 war ,Auf Miedings Tod* bestimmt. Den bei 
Göschen von 1787—89 «"schlenenen Almanach ,Pandora oder 
Kalender des Luxus und der Moden' gab Bertueh neben 
seinem «Journal des Luxus und der Moden' heraus. 

* Girandola, das Hauptstück des grossen Feuerwerks, das am so 
Fest von St. Peter und Paul In Rom von der Bngelsburg aus 
abgebrannt zu werden pflegte. 

■ VgL Z. ^-11. 

* Die Abreise ei-folgte am 22. April, die Ankunft in Weimar 
am 18. Juni. S5 

' Von deren Inhalt kommt «Torquato Tasso' hier am meisten 
in Betracht, vgl. diesen unter 1788 April 14 (Ital. Reise). 



1788 FASTNACHTSPIEL VOM PATER BREY. 429 

fjnli 16, Weimar.] [609] 

auf Michael erscheinen sollten; allein ich fand mich 
nach meiner Ankunft hierher von so mancherlei Zer- 
streutingen nmgieben^ dass ich in nichts weiter geruckt 

6 bin, und fürchte, dase ich vor einigen Monaten nicht in 
die Lage kommen möchte, nur einen Band zu endigen, 
dessen Ausgabe auf Michaelis nicht mehr besorgt wer- 
den könnte. Indessen werde ich mein Möglichstes thun, 
denn es ist mir sehr viel daran gelegen, dass ich die 

10 übemommne Verbindlichkeit einmal los werde. 

Für die Titel-Kupfer und Vignetten zu denen übrigen 
Bänden [6 — 8] will ich sorgen, zum sechsten sind sie 
sehr gut gerathen. 

An Göschen. — Br. 9, 2, 11—25. 

16 Ausrast 12, Weimar. 810 

Mein achter Band [der Schriften] ist bald zusammen- 
geschrieben. Wenn ihn Wieland durchgesehn hat, er- 
hältst Du ihn, eh^ er nach Leipzig geht, er soll auf 
Michael herauskommen. 

20 An Ch. V. Stein. — Br. 9, 10. 20—23. 

September 1, Weimar. 811 

Der achte Band [der Schriften] ist meist beisammen, 
ich lasse ihn nochmal abschreiben imd gehe ihn durch. 
An dem Titelkupfer wie an der Vignette wird in Rom 
36 gearbeitet, wenn wir sie nur zeitig erhalten. Ich will 
die Platten auf der reitenden Poet kommen lassen. 
Schreiben Sie mir den letzten Termin, wenn Sie das 
Manuscript haben müssen. 

Die kleinen Zeichnungen von Herrn RaÜi Kraus^ 

30 werden nicht wohl angebracht werden können. Die 

Einrichtung, die ich dem Bande gegeben, leidet keine 

Zwischen-Kupfer, und die Kupfer zum Titul erhalten 

wir, wie gesagt, von Rom. 



* Wie 128, 31. 



430 FASTXACHTSPIEL VOM PATER BREY. 1788 



[September 1, Weimar.] [811] 

Ich werde mit dem Manuscript ein Verzeichnise 
schicken, wie ich die Abgabe der Exemplare künftig er- 
warte. Das letztemal^ ist wieder zu meinem und Ihrem 
Schaden und zu niemandes Nutzen allerlei versehen 5 
worden. Die Exemplare, die ich zurückgebe, hat Herr 
Rath Bertuch. 

. . . schreiben Sie mir, wann das Manuscript ankommen 
muss, damit ich mich darnach richte. 

An Göschen. — Br. 18, 28, 9-29, 2. 8-10. 10 

September [2 oder 3,] Weimar. 812 

In meinen Schriften bin ich nur wenig vorgeriickt. 

Der achte Band ist beinahe zusammen. Wieland hat 

ihn gegenwäriig in der Revision. Es sind noch einige 

Kleinigkeiten dazu gekommen, das Uebrige kennst Du.* is 

An Herder. — Br. 9. 18, 26- 19, 2. 

September 19, Weimar. 813 

Ich lebe sehr still hin und bin fleissig. Der achte 
Band [der Schriften] ist beld zusanmiengestoppelt, dann 
soll es an ,Tasso^ gehn. so 

An d. Herzogin Anna Amalia. — Br. 9, 25, 15—17. 

September 22, [Weimar.] 814 

Mein achter Band [der Schriften] ist in Ordnung. 
An Herder. — Br. 9, 83, 5 f. 
September 24, Weimar. 815 r^ 

Hier kann ich endlich den Anfang des achten Bandes 
[der Schriften] übersenden. Das Uebrige ist nun alles 
fertig und wird nach und nach folgen. Dieser Band 
wird nicht stark, es kann also nicht schaden, wenn be- 
sonders das gegenwärtige ,Puppen6piel', so viel es sich ao 



» Bei Band 5, vgl. Nr. 191. 

• Mit Ausnahme von .Künstlers Apotbeose*, die nicht lange 
nach obigem Briefe erst, wo nicht ganz gedichtet, so doch 
vollendet wurd«- (vgl. daselbst unter 1788 September 19, an 
Karl August). S5 



1788 FASTNACHTSriEL VOM PATER BREY. 431 



[September 24, Weimar.] [815] 

schicken will, weitläuftig gedruckt wird. Der Eest ist 
meistentheils schon Seite für Seite eingetheilt.^ 

Gleichfalls hat der Setzer bei g^enwärtigem J^ip- 
6 penspieF mit Ueberlegimg zu handeln. Besonders was 
mit grösseren Buchstaben, was mit kleinren zu drucken 
ist, das6 alles wohl in die Augen falle. Das Monuscript 
wird wenigstens zu keinem Fehler verleiten, man kann 
aber hie und da dem Leser noch mehr zu Hülfe kommen. 
10 Lassen Sie doch einen klugen Corrector auch darauf 
sehen. 

Uebrigens hoffe ich, dass dieser Band an Mannich- 
faltigkeit ersetzen soll, was ihm an Bogenzahl, beson- 
ders gegen den fünften, abgeht. 
16 Die Kupfer von Eom werden auch nicht aussenbleiben. 

Leben Sie wohl und melden mir den Empfang. 
An Göschen. — Br. 18, 29, 23—30, 19. 
September 28. Weimar. 816 

Ich hoffe, das ,Puppenspiel^ ist glücklich angelangt,* 
ao das Uebrige kann folgen, sobald Sie es verlangen. 

Schicken Sie mir doch jedesmal 2 Aushängebogen. 
Ich erinnre mich nicht, ob ich schon im letzten Briefe 
solches verlangt habe. 

An Göschen. - Br. 18, 30. 22—26. 

26 October 9. Weimar. 817 

Hier schicke ich zugleich die Platten zum achten, 

gegenwärtigen Bande. Das Titelkupfer ist eine sehr 

^ Wenn Goethe die nächstfolgende Manuscript-Sendnng (am 
9. October) mit der brieflichen Anweisung begleitet: „Hierbei 

80 folgt die Fortsetzung des Manuscripts. Ich habe dabei zu 
bemerken, dase diese Gedichte Seite für Seite abgedruckt 
werden müssen . .** (Br. 18, 31, 16—18), so geht daraus hervor, 
dass 430, 30, ebenso auch oben Z. 4 f. und Z. 19 unter dem 
Ausdruck „Puppenspiel" das ,Fastnachtspler und 

36 der .Prolog zu Bahrdt* mit inbegriffen sind, 
dass also diese beiden Dichtungen am 24. September mit an 
Göschen abgeschickt wurden. 
• Vgl. die vorhergehende Brl. 



432 PAßTNACHTSPIBL VOM PATER BRBY. 1788 

[Oetob«r 9, Weimar.] [817] 

reizende Compositioii, sollte die Vignette ein wenig m 
hoch sein, so kann man von der Platte so viel ab- 
nehmen.^ Von beiden ersuche ich Sie mir eine An- 
zahl guter Abdrücke auf schön Papier^ wie von dem b 
Kupfer zu ^Egmont^ baldigst machen zu kssen. Auch 
Herr Lipe hat sich sehr wohl gehalten. Die Platten 
zum sechsten Band' sind auch in meinen Händen. Für 
alle yier habe ich Herrn Lips 24 Ducaten bezahlt, wel- 
che ich mir zu ersetzen bitte. lo 
An Göschen. — Br. 18, 82, 10-20. 

October 25, Weimar. fflB 

Der achte Band [der Schriften] ist indess auf dem 
Sprunge. Ein Summa Summarum so mancher Empfin- 
dungen eines ganzen Lebens ist ein wunderlich Ding, is 
imd es konnte noch viel bunter aussehn^ ich mnsste 
zu viel weglassen.* 

An Knebel — Br. 9, 44, 14-18. 



> Das dem Titel gegenüber stehende Kupfer ist von Lips uadi 
einer Zeichnung Angelica Kauffmanns gestochen: Am Rand » 
eines Waldes, überzweigt von seinen Aesten, steht auf einem 
Postament die Büste Goetlies (die erste Trippeische diente 
als Vorbild); auf sie den begeisterten Blick gerichtet steht 
davor, an das Postament gelehnt, die Muse der Tragödie, als 
solche durch Keule und tragische Maske zu ihren POsaen s» 
kenntlich; seitwärts zur Linken die komische Muse, sitzend, 
in anmuthiger Gruppe mit Eros scherzend, der knieend Ihr 
die mit der Rechten über das Haupt erhobene Maske zu ent- 
relssen stiebt 

Die Vignette auf dem Titelblatt (der Name des Stechers, so 
Lips, scheint auf der Platte vorhanden gewesen, dann aber 
ausgesdiabt worden zu sein) stellt eine Muse (?) dar, die, an 
ein schlichtes Postament gelehnt den Blick sinnend abwärts 
gerichtet, mit der Rechten eine auf dem rechten Oberarm 
ruhende Keule hält (die besondere Beziehung auf den Inhalt » 
des Bandes vermag ich nicht anzugeben). 

• Vgl. 196, 14-17. 213. 18-21. 

• Vgl. unter ,Lila* und »Torquato Tasso' die Beschreibung der 
betreifenden Drucke in den , Schriften*. 

• Die „Summa summarum'* bezieht sich gewiss mehr auf die 40 



1788 PASTNACHTSPIEL VOM PATER BRBY. 433 

December 8, Weimar. 819 

Ich habe die Bogea F. Gr. H. meines achten Bandes 

[der Schriften] vor einiger Zeit in duplo erhalten, die 

vorhergehenden aber sind nicht angekommen.^ Haben 

6 Sie die Güte, Sich zu erkundigen, wo sie geblieben sind. 

Zugleich überschicke ich den Ueberrest des Manu- 

scriptfli^ und ersuche Sie um Nachricht des EJmpfangs, 

wie auch um Auskunft wegen obenßtehend'en Punctes. 

Die Abdrücke der Platten* erwarte ich auch sehnlichst. 

10 An Göschen. — Br. 18, 34, 19—35, 2. 

December 15, Weimar. 820 

Die Außhänge-Bogen [der Schriften Band 8] bis M 
sind angelangt,*' haben Sie die Güte, von Zeit zu Zeit die 
übrigen zu senden. 
16 An Göschen. — Br. 18, 35, 11 f. 

December 27, Weimar. 821 

Es versteht sich von selbst, und ich glaube es auch 
geschrieben zu haben, dass der Band, welchen wir gegen- 
wärtig herausgeben, der achte ist.' Es wird wohl 
90 nicht nöthig sein, dem Publice über diees Hinterst-zu- 
f orderst etwas zu sagen. 

Haben Sie die Güte, mir die Exemplare, welche ich 
zu erhalten habe, so schneU als möglich zu schicken, 
allenfalls die brochirten voraus. Schicken Sie mir aber 



25 Sammlung der .Vermischten Gedichte*, als auf die ihr voran- 
und nachgestellten dramatischen Dichtungen. 

* Bogen A— E (= S. 1—80) reichen bis zu V. 186 des ,Fast- 
nachtspiels* („Ich furcht*, es kommt der jüngste Tag") ein- 
schUessUch, Bogen F— H (= S. 81—128) von da bis zu dem 

80 Liede ,Mit einem gemalten Band' einschliesslich. 

' »Künstlers Erdewallen*, .Künstlers Apotheose* und die .Ge- 
heimnisse*. 

* Vgl. 432. 19-36. 

* Mit Bogen M beginnt die zweite Sammlung der .Vermisch- 
36 ten Gedichte*. 

* Ein Zweifel konnte allenfalls entstehen, weil Band 8 v o r 
Band 6 und 7 erscheinen sollte. 

Grftf, Ooetbe Ober 8. Dichtungen. T. 11. B. 1. 28 



434 FASTXACHTSPIEL VOM PATER BREY. 1788 



[December 27, Weimar.] [831] 

alle Exemplare, ich will die Verseadimg nach Rom und 
Frankfurt selbst besorgen. 

An Exemplaren wünsche ich zu erhalten, wie auf 
der andern Seite geschrieben ist. 6 

. . . Ich erwarte die Abdrücke mit Verlangen. 

Gebundene 

Saffian Holländisch Papier Ex. 3 

Engl. Band holl. Papier — 2 lo 

p:ngl. Band Ord. Papier — 9 

Ex. 14 

Brochirte 

Sämmtlich ord. Papier 28 

Ex. 42 u 

An Göschen. — Br. 18, 35, 18-36, 20. 

December 27. Weimar. 822 

. . der achte Band [der Schriften] ist bald gedruckt; 
ich schicke das erste Exemplar gleich an Angelica^ da- 
mit Ihr es bald habet. la 
An Herder. — Br. 9, 68, 2—4. 

1789. 

] [Januar Ende, Weimar.] 823 

. . blicken [Sie] in den achten Band meiner Schriften, 
der beld anlangen wird. » 

An H. Meyer. — Br. 9. 74, 26 f. 
Februar 2, Weimar. 824 

. . hier . . das Titelkupfer zum achten Bande [der 
Schriften].^ 

An F. H. Jacobi. — Br. 9, 78, 4. ,o 

Februar 2, Weimar. 825 

Bald erhaltet Ihr wieder einen Band [8.]. meiner 
Schriften, . . 

An d. Grafen F. L. zu Stolberg. — Br. 9. 79, 11 f. 



» Vgl. 432, 19-29. 



1789 FASTXACHTSPIEL VOM PATEU BREY. 435 



Februar 9, Weimar. 826 

^Mit Goethe habe ich [Caroline Herder], mich am 
Montage [9.] über die Leonore im ,Pater Brey^ ausge- 
sprochen. Ich trug ihn, ob ich diese Person so ganz ge- 

5 wesen wäre? ,,Bei Leibe nicht!" sagte er; ich solle nicht 
so deuten. Der Dichter nehme nur so viel von einem 
Individuum, als nothwendig sei, seinem Gegenstand Le- 
ben und Wahrheit zu geben; das übrige hole er ja au» 
sich selbst, aus dem Eindruck der lebenden Welt. Und 

10 da sprach er gar viel Schönes und Wahres darüber. Auch 
dass wir den ,Tasso^, der viel Deutendes über seine 
eigne Person hätte, nicht deuten dürfen, sonst wäre das 
ganze Stück verschoben u. s. w. Kurz, ich war völlig 
befriedigt, da ich mir ihn so ganz als Dichter denke. 

16 Er nimmt und verarbeitet in sich aus dem All der 
Natur (wie es Moritz nennt), in das ich auch gehöre, 
und alle andre Verhältnisse sind dem Dichter unterge- 
ordnet.^ 

Mit Herders Frau. — Gespräche 1, 115 f. (Herders Reise 

nach ItaUen S. 249 f.) 
20 

* Caroline Herder scheint von Goethe die Aushängebogen von 
Band 8 der Schriften zur Ansicht erhalten zu haben; sie 
schreibt an ihren, in Italien weilenden. Mann am 16. Januar 
1789: „Goethens Gedichte [d. h. Band 8 der Schriften] sind 

25 noch nicht ganz fertig [gedruckt] ; ich habe sie zwei Tage ge- 
habt, aber gleich wieder zurückgeschiclit, es war ein Stachel 
für mich drinnen. Der ,Brey* ist nach dem »Plundersweiler 
Jahrmarkt' gedruckt; es hat mir sehr weh gethan, dass er's 
nicht weggelassen hat Ich kann in den nächsten vier Wochen 

30 nicht mit ihm leben; er Ist mir fatal" (Herders Reise nach Ita- 
lien S. 224). Die- Verstimmung dauerte nicht ganz so lauge; 
schon am 4. Februar war sie mit Goethe zusammen (vgl. 
Düntzer: Goethe u. Kart August S. 321 f.) und hatte mit ihm 
am 9. (nicht am 8., wie die »Gespräche* datlren) folgende I'n- 

35 terhaltung, die ihrem Briefe an Herder vom 13. Februar ent« 
nommen ist. 

* „Das sehe ich Jetzt deutlich", fährt Caroline Herder fort, „und 
ich sehe ihn täglich mehr in seinem eigentlichen Licht. Er 
ist eben ein glücklich Begünstigter von der Natur". 

40 Herder Hess in seiner Antwort vom 7. MHrz diese Entschul- 



436 FASTNACHTSPIEL VOM PATER BREY. 1789 

Mnrz 2, Weimar. 827 

Meine Schriften achter Band sind nach Eom.^ 
An Herder. — Br. 9, 94, 11. 
April 17, Weimar. 828 

Den achten Theil meiner Schriften haben Sie mm 6 
auch wohl erhalten.^ Das Ihnen eigentlich gehörige 
Exemplar habe ich an Jagemann zur Bibliothek gegeben. 
An d. Herzogin Anna Amalia. — Br. 9, 106, 21—24. 
Juni 22, Weimar. — 828 a 

8. »Torquato Taseo* ugD. (an Göschen.) lo 

1791. 

Juli 4, Weimar. — s. Nr. 201. 828 b 

1805. 

Mal 1, Weimar. — a. 63, 24. 828 c 

September 30, Weimar. — 829 i» 

8. ,Fauöt* UgD. (an Cotta.) 

1806. 

Februar 24, Weimar. — s. Nr. 543. 829 a 

Märe 1, Weimar. 830 

[Früh] Vierter [8.]. Band meiner Werke [Cotta'] » 
mit Riemer." 

Tgb. 3, 120, 12. 



digung nicht gelten und hielt den Druclc solcher „jugendlichen 
Fratzen und Spässe" für ungehörig (Herders Reise nach Ita- 
lien S. 273); vgl. besonders Wilhelm Seherers Aufsatz ,Sa- «5 
tyros und Brey* im GJ. 1, 92—94, Rudolf Haym in .Herder 
nach seinem Leben und seinen Werken* 1, 528—531 und Dttnt- 
zer: Abhandlungen 2, 141—292. 

* Herder an seine Frau März 7: „Goethens Gedichte sind hier 
angekommen; er hat ein Exemplar noch ohne Titel an die so 
Angelica [Kauffmann] geschickt" (Herders Reise nach Italien 

S. 273). 

* Die Herzogin-Mutter befand sich zur Zeit in Rom. Wegen 
der Al>sendung von Band 8 nach Rom vgl. Nr. 827 und 434, 2 f.; 
Schütz dankt am 4., Bury am 22. April, Angelica Kauffmann S5 
am 23. Mai, s. SdGG. 5. 155. 167. 169. 

* Vgl. 63. 31—33. 



1806 FASTNAOHTSPIEL VOM PATER BREY. 487 



?März 8, Weimar. 881 
[Früh?] Fernere Durchsicht mit Riemer.^ 
Tgb. 3, 121, 10. 

April 27, Weimar. 832 
ö Zugleich wünschte zu erfahren, ob ich das Manuscript 
zum 4. [8.] Bande [der Werke Cotta*]. nach Leipzig 
senden, oder es hier behalten soll, um es Ihnen bei Ihrer 

Rückreise zuzustellen; welches letzte mir soviel lieber 
wäre, da es mir ausser der Sicherheit noch die HofiEnung 
10 gewahrte, Sie wiederzusehen.* 

An Cotta. — Br. 19, 128. 7-12. 

August 18, Jena. — s. 135, 8—10. 833 

August 19, Jeua. — s. 136, 17—19. 834 

October 24, Weimar. — s. 136. 27 f. 835 

15 October 26. Weimar. — s. 137. 30 f. 836 

October 27. Weimar. — s. 139, 2-8. 837 

1807. 

August 30, Karlsbad. — s. Nr. 224. 837 a 

December 16, Jena. — s. Nr. 225. 837 b 

30 1808. 

August 7, Karlsbad. — s. Nr. 92. 837 c 

1812. 

November 12, Jena. — s. 9, 15. 838 

1818. 

25 ] [April, Weimar, Mai, Juni, Teplitz.] 839 

[Zu 1772 September.] ^Nicht lange war ich allein 



» Wie In Nr. 830 von Bd. 4 [8] der Werke Cotta^? vgl. 63, 31-33. 

" Das r^etztei-e geschah im Mai zu Weimar, vgl. 136, 17—19. 

■ Goethe besuchte, nachdem er Wetzlar am 11. September ver- 
80 lassen hatte, die Familie v. I^-Roche in Tlial-Ehrenbreitsteln, 
wo er ein Zusammentreffen mit Merck verabredet hatte. Dass 
bei diesem „Conjjrress" auch Leuehsenring erschienen oder 
gar dazu ..beschieden" sei (438, 4), beruht nacli Düntzers 
Angaben In WK. 19, 159 f. zu Z. 16 ff. auf freier Erfindung, 



438 FASTNACHTSPIEL VOM PATER BREY. 1813 



[April, Weimar, Mai, Juni, Teplits.] [881] 

der Gast im Hause. Zu dem Congress, der hier theils 
im aoüstischen^ theils im empfindsamen Sinne gehalten 
werden sollte, war auch Leuehsenring beschiedeu, der 
von Düsseldorf heraufkam. Dieser Mann, von schönen 5 
Kenntnissen in der neuern Litteratur, hatte sich auf 
verschiedenen Eeisen, besonders aber bei einem Aufent- 
halte in der Schweiz, viele Bekanntschaften, und da er 
angenehm und einschmeichelnd war, viele Gimst erwor- 
ben. Er führte mehrere Schatullen bei sich, welche den lo 
vertrauten Briefwechsel mit mehreren Freunden ent- 
hielten: denn es war überhaupt eine so allgemeine Offen- 
herzigkeit unter den Menschen, dass man mit keinem 
Einzelnen sprechen, oder an ihn schreiben konnte, ohne 
es zugleich als an mehrere gerichtet zu betrachten. Man is 
spähte sein eigen Herz aus und das Herz der andern, 
und bei der Gleichgültigkeit der Regierungen gegen eine 
solche Mittheilimg, bei der durchgreifenden Schnellig- 
keit der Tarisschen Posten, der Sicherheit des Siegels, 
dem leidlichen Porto, griff dieser sittliche und littera- ao 
rische Verkehr bald weiter um sich. 

Solche Correspondenzen, besonders nüt bedeutenden 
Personen, wurden sorgfältig gesammelt und alsdann, bei 
freundschaftlichen Zusammenkünften, auszugsweise vor- 
gelesen; und so ward man, da politische Discurse wenig 25 
Interesse hatten, mit der Breite der moralischen Welt 
ziemlich bekannt. 

. . . Merck, zugleich kalt und unruhig, hatte nicht lange 
jene Briefwechsel mit angehört» als er über die Dinge, so 
von denen die Eede war, so wie über die Personen und 
ihre Verhältnisse, gar manchen schalkhaften Einfall 



da Leuehsenring sich damals in der Schweiz aufhielt; Goethe 
hatte ihn Anfang 1772 durch Merck in Frankfurt kennen ge- 
lernt. S6 



1813 FASTNACHTSPIEL VOM PATER BREY. 439 



][April, Weimar, Mai, Juni, Teplitz.] [839] 

laut werden ließs, mir aber im Stillen die wunderlich- 
sten Dinge eröffnete, die eigentlich darunter verborgen, 
sein sollten. Von politischen Geheimnissen war zwar 

6 keineswegs die Rede, auch nicht von irgend Etwas, das 
einen gewissen Zusammenhang gehabt hätte; er machte 
mich nur auf Menschen aufmerksam, die ohne sonder- 
liche Talente mit einem gewissen Geschick sich persön- 
lichen Einfluss zu verschaffen wissen, imd durch die Be- 

10 kanntschaft mit vielen aus sich selbst etwas zu bilden 
suchen; und von dieser Zeit an hatte ich Gelegenheit, 
dergleichen mehr zu bemerken. Da solche Personen ge- 
wöhnlich den Ort verändern und als Reisende bald hier, 
bald da eintreffen, so kommt ihnen die Gunst der Neu- 

15 heit zu Gute, die man ihnen nicht beneiden noch ver- 
kümmern sollte; denn es ist dieses eine herkömmliche 
Sache, die jeder Reisende zu seinem Vortheil, jeder Blei- 
bende zu seinen;i Nachtheil öfters erfahren hat. 

Dem sei nun, wie ihm wolle, genug, wir nährten von 

30 jener Zeit an eine gewisse unruhige, ja neidische Auf- 
merksamkeit auf dergleichen Leute, die auf ihre eigne 
Hand hin und wieder zogen, sich in jeder Stadt vor An- 
ker legten, und wenigstens in einigen Familien Einfluse 
zu gewinnen suchten. Einen zarten und weichen dieser 

S5 Zunftgenoseen habe ich im Pater Brey, einen andern 
tüchtigem und derbem, in einem künftig mitzutheilen- 
den Fastnachtsspiele, das den Titel führt: ,Satyros, oder 
der vergötterte Waldteufel^ wo nicht mit Billigkeit, doch 
wenigstens mit gutem Humor dargestellt.^ 

80 Dichtung und Wahrheit Theil 3 Buch 13. — W. 28, 178, 

3- 179, 2. 184. 28— 186, 6. 

] [April, Weimar, Mai, Juni, Teplitz.] — s. Nr. 343. 839 a 



1 Wegen der Modelle zum Pater Brey imd Satyros. sowie zu 
den übrigen Personen dieser beiden ,. Fastnachtspiele** vgl. 
86 Nr. 826 und die 43**.. 25—28 angegebene Littemtur. 



440 FASTNACHTSPIEL VOM PATER BREY. 1814 

1814. 

] [April 10. Weimar, oder Mai 14, Berka.] — 839 b 

s. ,IphigeDie auf Tauris* ugD. (Ital. Reise.) 

181S. 

Februar 20, Weimar. — s. 12, 27. 840 5 

] [April, oder 1816 Juli Mitte, Weimar.] — s. 142, 7-10. 840 a 

1816. 

März 25, Weimar. 841 

Der neunte Band [der Werke Cotta^]^ ,Fau8t* und 
Conßorten enthaltend, folgt bald. lo 

An Cotta, — Br. 26. 307, 23 f. 

AprU 19, Weimar. 842 

[Früh] Neunten Band meiner Werke [Cotta^]. oor- 
rigirt. 

Tgb. 5, 224, 18. 15 

Mai 11, Weimar. 843 

Paquet an Cotta nach Stuttgart, neunter Band 
meiner Werke [Cotta^]. 
Tgb. 5, 229, 27 f. 

][December 20? Weimar.] 844 ao 

[Zu 1773 — 1776.] Geheimes Archiv wunderlicher Pro- 
ductioneni.^ ,Faußt^. jHanswur&ts Hochzeit^ ,Ewiger 
Jude*. Invectiven und Widerstreit im Innern. Rhyth- 
mus. Eeim. Quaaitität. Poetische Proea.'^ . . . 

Seliema zu »Dichtung und Wahrheit* Buch 18. — W. » 
29, 225. 



' Vgl. Im Tagebuch vom 15. Juni 1775 den Ausdruck: „Pri- 
vat-Archlv des Dichters" (Tgb. 1, 3, 18). 

* Die Weimarer Ausgabe liest: „Groetz. Prosa", was, nach 
Düntzers Vermuthung (WK. 17, XXXV Anm. t). im Hin- 30 
blick auf den Ausdruck „Poetische Prosa" in dem W. 29, 225 
zunächst folgenden Schema Z. 3 f. 12, sowie unten 442, 4 
Irrthum ist. — Die Ausführung des Schemas s. unter Nr. 849. 
sowie unter den genannten Dichtungen; sie ergibt, dass, trotz 
dem Ausdrucke „Geheimes Archiv" (der übrigens in der 86 
Ausführung eingeschränkt ist, s. 443, 11 f.), hier und in Nr. 



1819 FAS! XACHTSPIEL VOM PATER BREY. 441 



1819. 

] [Februar 14. Weimar.] - s. 146, 16—147, 5. 845 

März [Anfang], Weimar. — s. 16, 10. 846 

18I2S. 

5 ] [Januar, zwischen 10 und 19, Weimar.] — s. Nr. 100. 846 a 

][Juli zwischen 19 und 22, Marienbad.] — 846 b 

[Zu 1816.] — s. Nr. 36. 

Mai 28, Weimar. — s. Nr. 38. 846 c 

10' 1826. 

Februar 1, Weimar. — s. 30, 24. 847 

18127. 

Januar 27, 

Februar 17. 18. 19, l „, ^ ^, ^^^ ^^^ 

,^ „„ ^« i Weimar. — s. Nr. 247— 252. 847 a— f 

16 März 12, 

April 4. 

September 18, Weimar. — s. 47, 17—20. 48, 3—5. 847 g 

18128. 
Juni 28. j 

20 October 20, l Weimar. — s. Nr. (U>— 68. 847 h— k 

November 8, 

1829. 

Februar 9. i ^.^j^^^j.. - s. Nr. 69. 740. 8471. m 

Februar 14, I 
25 ?November 8, Weimar. — s. Nr. 339. 847 n 



848. 849 von dramatischen Dichtungen ausser ,Faust' und 
,Hanswursts Hochzelt' in Betracht kommen: 

1. Anekdote zu den Freuden des jungen Werthers. 

2. Concerto dramatlco. 

30 3. Fastnachtspiel vom Pater Brey. 

4. Götter, Helden nnd Wieland. 

5. Künstlers Erdewallen. 

6. Neueröffnetes Puppenspiel. 

7. Prolog 2U Bahrdt 
35 8. Satyros. 

0. I'ngrliick der Jacobis. 



442 FASTNACHTSPIEL VOM PATER BREY. 1831 

1881. 

September 16, Weimar. 848 

[Zu 1773—1775.] Paralipomena zu [Buch]. XVIII. 
. . . Beim. Rhythmik. Quantität. Poetische Prosa.^ Eeim- 
lose Gedichte. Knittelverse. Begünstigen mancherlei Un- s 
arten. Bemühungen um die komischen Opern mit pro- 
saischem Dialog.'* Geheimes Archiv.' ,Faust^ ,Han8- 
wursts Hochzeit'. ,Ewiger Jude^ Invectiven und Wider- 
streit im Innern. . . .** 

Schema zu »Dichtung und Wahrheit' Buch 18. — W. lo 
29, 226. 
1 [nach September 16, Weimar.] 849 

[Zu 1773 — 1776.]. Um . . einen Boden zu finden, wo- 
rauf man poetisch f ussen, um ein Element zu entdecken, 
in dem man freisinnig athmen könnte, war man einige is 
Jahrhunderte zurückgegangen, wo sich aus einem chao- 
tischen Zustande ernste Tüchtigkeiten glänzend hervor- 
thaten, und so befreundete man sich auch mit der 
Dichtkimst jener Zeiten. Die Minnesänger lagen zu weit 
von uns ab; die Sprache hätte man erst studiren müssen, ao 
und das war nicht unsre Sache: wir wollten leben und 
nicht lernen. 

Hans Sachs, der wirklich meisterliche Dichter, lag 
uns am nächsten. Ein wahres Talent, freilich nicht wie 
jene Ritter und Hofmänner, sondern ein schlichter Bür- » 
ger, wie wir uns auch zu sein rühmten. Ein didaktischer 
Realism sagte ims zu, und wir benutzten den leichten 
Rhythmus, den sich willig anbietenden Reim bei man- 
chen Gelegenheiten. Es schien diese Art so bequem zur 
Poesie des Tages, und deren bedurften wir jede Stunde, so 



» Vgl. 440, 29-33. 

• Die erste Fassung von ,Erwin und Elmire' (vgl. den Auf- 
druck „Lustspiel" für diese Dichtung 411. 18) und .Clau- 
dine von Villa Bella*. 

• Vgl. 440. 21-23. 27 f. S& 

• Wegen der in Betracht kommenden dramatischen Dichtung«! 
8. 441, 26-36. 



1831 FASTNACHTSPIEL VOM PATER BREY. 443 



][naeh September 16, Weimar] [849] 

Wenn nun bedeutende Werke, welche eine Jabre 
lange, ja eine lebenslängliche Aufmerksamkeit und Ar- 
beit erforderten/ auf so verwegenem Grunde, bei leicht- 

6 sinnigen Anlässen mehr oder weniger aufgebaut wur- 
den, so kann man sich denken, wie freventlich mitunter 
andere vorübergehende Productionen sich gestalteten, 
zum Beispiel die poetischen Episteln, Parabeln und In- 
vectiven aller Formen, womit wir fortfuhren, unÄ inner- 

10 lieh zu bekriegen und nach aussen Händel zu suchen. 
Ausser dem schon Abgedrucklen ist nur weniges da- 
von übrig; es mag erhalten bleiben.^ Kurze Notizen mö- 
gen Ursprung imd Absicht denkenden Männern etwas 
deutlicher enthüllen. Tiefer Eindringende, denen diese 

15 Dinge künftig zu Gtesicht kommen, werden doch geneigt 
bemerken, dass allen solchen Excentricitäten ein redli- 
ches Bestreben zn Grunde lag. Aufrichtiges Wollen 
streitet mit Anmassung, Natur gegen Herkömmlichkei- 
ten, Talent gegen Formen, Grenie mit sich selbst, Kraft 

20 gegen Weichlichkeit, unentwickeltes Tüchtiges gegen 
entfaltete Mittelmässigkeit, so dass man jenes ganze Be- 
tragen als ein Vorpostengefecht ansehen kann, das auf 
eine Kriegserklärung folgt und eine gewaltsame Fehde 
verkündigt. Denn genau besehen, so ist der Kampf in 

«5 diesen fünfzig Jahren noch nicht ausgekämpft, er setzt 
sich noch immer forii, nur in einer hohem Region." 

Dichtung und Wahrheit Theil 4 Buch 18. — W. 29, 83, 
7—84, 25. 

* »Faust*, vielleicht auch der »Ewige Jude*. 
30 • Die hier in Betracht kommenden Dichtungen in dramati- 
scher Form s. 441, 26—36. 

■ Zeugnisse für diesen fortgesetzten „Kampf** finden wir in 
den »Zahmen Xenien* und in einzelnen Versen des zweiten 
Theiles vom , Faust*. 



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